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Vätermonate ausweiten, gerade in Zeiten der Krise

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 20. April 2009

Im Interview der Woche skizziert Ursula von der Leyen im Gespräch mit Stephan Detjen im Deutschlandfunk die Grundzüge der Familienpolitik für die nächsten Jahre und plädiert auch dafür, die Vätermonate in der Elternzeit auszuweiten, trotz bzw. gerade wegen der Krise.

‚Stephan Detjen: Frau Ministerin, die weltweite Finanzkrise und Wirtschaftskrise verunsichert die Menschen. Verlieren Paare in einer solchen Situation, in der sie Angst um Einkommen und Ersparnisse haben müssen, den Mut, Familien zu gründen?

Ursula von der Leyen: Es wird sicher schwieriger sein, positive Perspektiven für Familien dann auch zu zeichnen. Und deshalb ist so entscheidend, dass ein Land und damit auch die Politik ganz deutlich macht: Wenn Ihr Euch für Kinder entscheidet, wenn Ihr Euch Kinder wünscht und Kinder haben möchtet, dann seid Ihr nicht alleine mit den Problemen da …

Detjen: Die Frage richtet sich ja in einer solchen Situation auch an Unternehmen, an Unternehmer. Können sich das Unternehmen noch leisten, das, was Sie als Vision für Ihre Familienpolitik vertreten: Eltern mehr Zeit geben, Vätern Vätermonate gewähren – das auch in einer Situation durchzuhalten, in der ein Unternehmer damit beschäftigt ist, sein Unternehmen überhaupt zu retten?

von der Leyen: Ich glaube, gerade in Zeiten der Krise wird dieses Thema wichtiger. Denn schon vor der Krise zeichnete sich ab, dass die größte Bedrohung für die Unternehmen, für den Wirtschaftsstandort Deutschland, das Thema des Fachkräftemangels ist. … Und da spielt für die jungen Menschen neben dem Gehalt die entscheidende Rolle: Ist das Unternehmen, in dem ich arbeite, familienfreundlich, das heißt, lässt es Raum für Kindererziehung, oder nicht? …

Detjen: Parallel zum Beginn der Finanzkrise ist im letzten Jahr auch die Geburtenzahl in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr drastisch eingebrochen. …Haben Sie mittlerweile eine Erklärung dafür, warum die Geburtenzahl seit Oktober letzten Jahres so stark eingeknickt ist?

von der Leyen: Nein, eine Erklärung kann man da gar nicht liefern, weil das auch vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind und das natürlich sehr, sehr kleine Zeiträume sind, zwei, drei Monate zu überblicken. … Unter dem Strich, sagen die Experten, es lohnt sich, einen langen Atem zu haben. Denn wenn man die Erfahrung anderer Länder betrachtet, die früher angefangen haben mit der Modernisierung der Familienpolitik – also die skandinavischen Länder, die angelsächsischen Länder, Frankreich, aber auch die Benelux-Länder -, dass in diesen Ländern, obwohl mehr Väter und Mütter erwerbstätig sind, mehr Kinder geboren werden inzwischen, dass die Kinderarmut dort geringer ist. Und das sind die langen Linien, die entscheidend sind.

Detjen: Die Frage ist ja: Wie lange dauert es, bis die Maßnahmen sich auf die Demografie auswirken, und die Frage war: Was tun Sie, wenn der Abwärtstrend weiter anhält?

von der Leyen: Ja, meine feste Überzeugung ist, und ich glaube, das spürt man auch in Deutschland inzwischen, dass die Maßnahmen, nämlich die Einführung des Elterngeldes, damit die Einführung der Vatermonate, also ein neues Bild des Vaters schaffen, die Diskussion: Brauchen wir mehr Kinderplätze und wie schaffen wir gute Kinderplätze – um mal zwei Pfeiler zu nehmen – sich jetzt schon auszahlen.

Denn wenn man sich überlegt, was in diesen zwei Jahren sich verändert hat in der öffentlichen Diskussion, wie selbstverständlich plötzlich das Thema des Vaters, der sich Zeit nimmt für sein Neugeborenes, wie akzeptiert die Rolle ist, wie selbstverständlich die Diskussion ankommt: Wo kriegen wir gute Erzieherinnen und Erzieher her, wie qualifizieren wir Tagesmütter – das wäre vor zwei Jahren undenkbar gewesen.

Insofern zeigt sich, dass durch politisches Handeln, und zwar vieler Akteure, jetzt auch schon die Macht des Faktischen in Deutschland stattfindet, dass sich das Klima verändert hat für Kinder. Dass der Atem lang sein muss, das ist unbestritten. Nur – es ist alternativlos, was wir tun, denn den Weg zurück, den wird keiner mehr gehen wollen.

Detjen: Aber worum geht es letztlich in Ihrer Familienpolitik? Um einen Klima- und Kulturwandel, sprich um mehr Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Beruf und Familie? Oder um eine bevölkerungspolitische Maßnahme …?

von der Leyen: Nein, allein die Bevölkerungspolitik anzusprechen, ist mit Sicherheit nicht mein vorrangiges Ziel, sondern mir ist wichtig, wenn ich es ganz einfach ausdrücken darf, dass die Menschen, die bei uns leben, die Kinder haben, die sie sich wünschen. Und ich bleibe eisern dabei, das gilt für Mütter genau so wie für Väter.

Also ich glaube, dass wir in Zukunft in einer globalisierten Welt nur Kinder haben werden, wenn es ein gemeinsames Anliegen von Männern und Frauen wird. Insofern kann man auch sagen: Es ist eine Frage der Gleichstellung, weil es sind auch die Rechte der Väter, die gestärkt werden, aber selbstverständlich auch die Rechte der Mütter, Beruf und Familie zu vereinbaren. Beide haben da ein ähnliches Anliegen.

Für mich ist das Wichtigste das Klima, das dieses Land entwickelt, nämlich ob es sich zu einem öffentlichen Anliegen macht und wirklich zu einem Bedürfnis, sich einzusetzen für die Belange der Familien mit den Kindern. Und da hat sich einiges getan in den letzten Jahren.

Detjen: Sie haben schon angekündigt, dass Sie da in der nächsten Legislaturperiode noch weitere Fortschritte – gerade mit dem Blick auf die Stellung von Vätern, auf die Anreize für Väter, Erziehungszeiten zu nehmen – und noch stärkere Impulse setzen wollen. …

von der Leyen: Mir geht es darum, die Vätermonate auszuweiten, weil wir erstens sehen, dass sie über alle Maßen angenommen worden sind. Die Details werde ich jetzt nicht diskutieren, weil ich aus guter Erfahrung weiß, man sollte die Details einer gesetzlichen Änderung dann diskutieren, wenn man es auch tut, sonst zerredet man eine Sache. Das will ich hier nicht.

Mir ist aber wichtig, dass vor allem die jungen Väter, die gesagt haben, wir wären gerne in den Elternurlaub gegangen, aber wir konnten nicht aus betrieblichen Gründen oder aus finanziellen Gründen, dass man da noch einmal genauer hinschaut und für diese jungen Väter auch Möglichkeiten schafft, die Elternzeit zu nehmen, die sie sich mit ihren Kindern auch wünschen. …’

Das gesamte Interview können Sie auch als mp3 nachhören.

Quelle

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