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SoVD-Umfrage belegt flächendeckende Mängel bei Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 28. Juli 2026

Wie familienfreundlich ist Deutschland? Dieser Frage ist der Sozialverband Deutschland (SoVD) mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey nachgegangen. Dabei ist ein umfangreiches Bild zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Rolle der Arbeitgeber und der Frage nach Verfügbarkeit von Kita-Plätzen und Betreuungsangeboten für Schulkinder nach Unterrichtsende entstanden. Bei letzterem halten nur 12 Prozent der Eltern die Verfügbarkeit wirklich für ausreichend. Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier sieht hier dringenden Handlungsbedarf. „Durch die Unterversorgung sind besonders Frauen benachteiligt, weil sie mangels Betreuungsangeboten oft nur in Teilzeit oder Minijobs arbeiten können. Darum muss dringend in den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur für Krippe, Kita und Grundschule investiert werden – mit verlässlichen Öffnungszeiten, die zu Arbeitszeiten passen.“

Folgerichtig stellen die Eltern auch bei der Frage, wie sich Familie und Beruf miteinander vereinbaren lassen, Deutschland ein vernichtendes Urteil aus. Nur rund 11 Prozent halten sie für gut, besonders Frauen sehen hier Defizite. Während noch 38 Prozent der Männer die Vereinbarkeit als schlecht bewerten, liegt die Negativquote bei Frauen bei knapp 48 Prozent.

„Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf nicht allein vom persönlichen Organisationstalent abhängig sein, sondern braucht klare politische Rahmenbedingungen. Dazu gehören zehn Tage Freistellung für Väter bzw. zweite Elternteile rund um die Geburt eines Kindes mit vollem Entgeltersatz oder auch die öffentliche Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen. Auch die partnerschaftliche Ausgestaltung des Elterngeldes, die Umsetzung der EU-Entgelttransparentrichtlinie die Abschaffung der Lohnsteuerklasse V und eine Reform des Ehegattensplittings würden das bestehende Ungleichgewicht auflösen“, fordert Michaela Engelmeier. „Hier sehen wir aber auch eine gesellschaftliche, gleichstellungspolitische Dimension: Denn Sorgearbeit muss endlich gerechter zwischen den Geschlechtern verteilt werden.“

Eine relativ gute Bewertung mit über 40 Prozent Zustimmung erhalten die deutschen Arbeitgeber bei der Frage nach ausreichenden Möglichkeiten, Arbeitszeiten an familiäre Bedürfnisse anzupassen. Aber auch hier bewerten Frauen deutlich kritischer: Über 40 Prozent sehen Defizite, dagegen nur 33 Prozent der Männer.

Detaillierte Ergebnisse und Forderungen des SoVD finden Sie HIER.

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Umfang der Care-Arbeit hat Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 17. Juli 2026

Während körperliche Hausarbeit oft sichtbar ist, bleibt die mentale Care-Arbeit – das Planen, Organisieren und Sorgen – meist verborgen. Das Team um HMU Professorin Dr. Rebecca Wiczorek konnte nachweisen, dass Frauen in Deutschland signifikant mehr mentale Care-Arbeit leisten als Männer. Besonders deutlich ist der Unterschied im organisatorischen Bereich, gefolgt von kognitiven Aufgaben. Bemerkenswert ist hierbei: Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind in Deutschland mehr als doppelt so groß wie in vergleichbaren US-amerikanischen Studien, was auf kulturelle Unterschiede hindeutet.

Emotionale Care-Arbeit als größter Stressfaktor

Die Studie belegt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der mentalen Care-Arbeit und einer schlechteren psychischen Gesundheit. Wer mehr mentale Care-Arbeit leistet, berichtet über mehr Stress, stärkere Depressivität und höhere emotionale Erschöpfung. „Der entscheidende Faktor ist dabei die emotionale Komponente, also das ständige Sich-Sorgen-Machen um das Wohlbefinden der Familienmitglieder“, erklärt Professorin Rebecca Wiczorek. Diese Form der Arbeit ist oft grenzenlos und führt dazu, dass Betroffene auch nach Abschluss physischer Tätigkeiten gedanklich nicht zur Ruhe kommen.

Männer und Frauen reagieren unterschiedlich

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass das Geschlecht die Wirkung dieser Belastung beeinflusst. Während Frauen vor allem bei einem sehr hohen Pensum an mentaler Care-Arbeit überproportionale Einbußen ihrer psychischen Gesundheit erleben, zeigen Männer bei geringer bis moderater Belastung stärkere negative Auswirkungen als Frauen. Dies könnte darauf hindeuten, dass gesellschaftliche Rollenerwartungen und die Art der übernommenen Aufgaben eine wesentliche Rolle bei der Verarbeitung des „Mental Load“ spielen.

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Neue Regeln beim Elterngeld

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 12. Juli 2026

Füttern, wickeln, baden, singen, spielen: Wer künftig für sein Baby eine berufliche Auszeit nimmt, muss sich auf Änderungen beim Elterngeld einstellen. Familienministerin Karin Prien (CDU) hat ein neues Modell vorgelegt. Sie will Väter mehr in die Erziehungsarbeit einbinden. Aber es geht auch darum, 500 Millionen Euro im Jahr zu sparen.

So soll es das eigentliche Elterngeld künftig nur noch 12 statt bisher 14 Monate geben – sofern beide Elternteile jeweils mindestens drei Monate der Erziehungszeit übernehmen. Zugleich sollen die monatlichen Summen erstmals seit fast 20 Jahren ein klein bisschen steigen.

Was soll sich jetzt genau ändern?

Nur noch 12 statt 14 Monate und drei statt zwei Vätermonate – so will Prien das Modell ändern. «Von insgesamt 12 Monaten Basiselterngeld sind künftig je drei Monate pro Elternteil reserviert und sechs weitere Monate können flexibel unter den Eltern aufgeteilt werden

(3-6-3 Modell)», heißt es aus Priens Ministerium. Alleinerziehende können aber bis zu zwölf Monate volles Elterngeld erhalten.

Das Elterngeld soll wieder uneingeschränkt auch gleichzeitig von beiden Eltern bezogen werden können. Das Ministerium verspricht sich davon mehr Flexibilität für Eltern. Das «Elterngeld Plus» soll es auch künftig geben. Das Prinzip dabei: Die monatlichen Zahlungen sind in der Regel halb so hoch, dafür läuft die Leistung bis zu 24 statt 12 Monate.

Der Mindestbetrag soll den Plänen zufolge von 300 auf 330 Euro und der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro steigen. Es bleibe grundsätzlich bei der Regelung, dass das Elterngeld bei 65 Prozent des Nettoeinkommens liegt.

Der Gesetzentwurf beinhaltet auch eine Änderung des Mutterschutzgesetzes: Damit werde «präziserer und zugleich differenzierterer Schutz geschaffen, um die berufliche Teilhabe von schwangeren und stillenden Frauen zu fördern», heißt es aus Priens Ministerium.

Wie wird sich das auswirken?

Der Deutsche Frauenrat sieht Kürzungen im Etat des Familienministeriums grundsätzlich kritisch. Dieser werde im kommenden Jahr um acht Prozent schrumpfen, bis 2029 sogar um bis zu ein Fünftel, warnt die Vorsitzende Beate von Miquel. Und gespart werde ausgerechnet bei der beliebtesten familienpolitischen Leistung, dem Elterngeld.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund monierte: «Ein verbindlicher Elterngeldmonat mehr für Väter – das war’s aber auch schon mit den positiven Nachrichten zu den Elterngeldplänen der Bundesregierung. Denn der Rest ist gleichstellungspolitisch ein Rückschritt.» Nötig wären zudem mehr finanzielle Anreize, meint der DGB.

Was wünschen sich Eltern eigentlich?

In einer 2025 veröffentlichten Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung unter 2.500 Menschen sagten 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer, sie hätten beim Elterngeld eigentlich gerne ein «egalitäres Modell»: Jedes Elternteil solle sieben Monate Elternzeit nehmen – bezogen auf die bisher gültige Gesamtdauer von 14 Monaten Elterngeld.

Eine solche Aufteilung war wohl im Familienministerium auch einmal im Gespräch, wurde aber dann doch nicht weiter verfolgt. In der Umfrage unterstützten 39 Prozent die bisher übliche Aufteilung der Betreuungszeit von zwölf Monaten für die Mutter und zwei Monaten für den Vater.

Die Autoren der Bertelsmann-Studie kamen zu dem Schluss, dass mehr Vätermonate auch volkswirtschaftlich Sinn ergäben. Demnach wäre zu erwarten, dass Frauen schneller in den Job zurückkehren, was den Fachkräftemangel mindern könnte. Die Eltern wurden auch befragt, was ihnen sonst noch in der Kinderphase helfen würde. Die häufigste Antwort: «Weniger Behördenkram und eine leichtere Antragstellung». Das sagten 44 Prozent.

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Väter brauchen bessere Rahmenbedingungen für Sorgearbeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 3. Juli 2026

Der kürzlich veröffentlichte Bericht „State of the World’s Fathers 2026: Stretched to the Breaking Point“ von Equimundo zeigt: Väter möchten sich weltweit stärker an der Sorgearbeit beteiligen und erleben diese als bereichernd. Gleichzeitig geraten viele Familien durch wirtschaftlichen Druck und unzureichende Unterstützungsstrukturen an ihre Belastungsgrenzen.

Für den Bericht wurden 8.000 Eltern und Sorgeverantwortliche aus 16 Ländern befragt. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass die Hälfte der Väter zusätzliche Jobs annimmt, um die Familie finanziell abzusichern, und drei von vier Vätern sich große Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft machen.

Zugleich wünschen sich viele Eltern bessere öffentliche Unterstützungsangebote und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen. Mehr als 60 Prozent der befragten Väter sprechen sich sogar für höhere Steuern aus, wenn damit der Ausbau öffentlicher Sorgeinfrastruktur finanziert wird. Der Bericht macht deutlich: Nicht nur die Bereitschaft zur Sorgearbeit ist entscheidend – sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die sie ermöglichen.

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Geburt eines Kindes führt zu langfristigem Rückgang kultureller Teilhabe

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 21. Juni 2026

Mit der Geburt des ersten Kindes verändern sich nicht nur Alltagsroutinen, sondern auch Freizeit- und Kulturaktivitäten von Eltern. „Das kulturelle Aktivitäten nach der Geburt eines Kindes zurückgehen, würden viele erwarten. Das Ausmaß und die Dauer dieses Rückgangs haben uns jedoch überrascht“, sagt PD Dr. Hendrik Sonnabend von der FernUniversität in Hagen.

Deutlicher und langfristiger Rückgang kultureller Aktivitäten

Die Analyse zeigt: Mit der Geburt des ersten Kindes sinkt die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten je nach Art der Aktivität um 13 bis 54 Prozent. Der Rückgang betrifft sowohl den Besuch kultureller Veranstaltungen wie Kino, Konzerte oder Theater als auch Museumsbesuche, sportliche Aktivitäten und andere Formen kultureller Teilhabe.

Besonders bemerkenswert ist aus Sicht der Forschenden, dass sich die Teilnahme auch langfristig nicht wieder vollständig erholt. Selbst zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes erreichen Eltern nicht wieder das Niveau kultureller Aktivitäten, das sie vor der Elternschaft aufwiesen.

Kurzfristig lassen sich die Veränderungen vor allem durch einen erhöhten Zeitaufwand für Betreuung und Haushalt sowie durch geringere zeitliche Flexibilität erklären. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Elternschaft darüber hinaus einen langfristigen Einfluss auf den Lebensrhythmus und das Freizeitverhalten hat.

Unterschiede zwischen Müttern und Vätern

Der Rückgang kultureller Aktivitäten betrifft sowohl Mütter als auch Väter, allerdings in unterschiedlicher Weise. Mütter reduzieren ihre kulturellen Aktivitäten unmittelbar nach der Geburt stärker und übernehmen häufiger zusätzliche Betreuungs- und Hausarbeit. Bei Vätern sinkt dagegen insbesondere die Wahrscheinlichkeit, überhaupt kulturell aktiv zu sein.

„Viele kulturelle Aktivitäten werden gemeinsam als Paar wahrgenommen. Wenn ein Elternteil nicht teilnehmen kann, verzichtet häufig auch der andere auf den Besuch“, erläutert Sonnabend.

Zusätzliche Kinder verändern die Effekte nur geringfügig

Hier zeigt die Untersuchung, dass ein weiteres Kind lediglich geringe oder keine zusätzlichen Auswirkungen auf die kulturelle Teilhabe hat. Der entscheidende Einschnitt erfolgt demnach bereits mit dem Übergang zur Elternschaft.

Ansatzpunkte für Kultur- und Familienpolitik

Kulturelle Teilhabe wird in der Forschung mit Wohlbefinden, sozialer Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt in Verbindung gebracht. Die Studienergebnisse legen daher nahe, dass insbesondere Familien mit kleinen Kindern stärker in den Blick genommen werden sollten.

„Die Studie zeigt, dass der entscheidende Einschnitt bei der Geburt des ersten Kindes stattfindet. Hier könnten kultur- und familienpolitische Maßnahmen ansetzen“, sagt Sonnabend. Mögliche Ansatzpunkte seien familienfreundliche Veranstaltungsformate mit flexiblen Zeiten, Betreuungsangebote in Kulturinstitutionen oder niedrigschwellige, wohnortnahe Kulturangebote.

Sonnabend, H., Westphal, M. Family first: the causal effect of family size on cultural participation. J Cult Econ (2026).

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Zufriedene Väter?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Donnerstag 21. Mai 2026

Beteiligung an Kinderbetreuung und Wohlbefinden im europäischen Vergleich

Väter beteiligen sich bei der Kinderbetreuung vor allem an interaktiven und freizeitbezogenen Aufgaben wie dem Spielen mit den Kindern, die häufig zeitlich flexibel sind. Diese Aufgaben hängen zudem eher mit einer höheren Lebenszufriedenheit zusammen. Weniger flexible und stärker versorgende Tätigkeiten – etwa das Anziehen, die Essenszubereitung oder die Betreuung kranker Kinder – sind hingegen Aufgaben, die tendenziell mit einer niedrigeren Lebenszufriedenheit einhergehen und werden von Vätern seltener übernommen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Daten des Generations and Gender Survey (GGS) aus den Jahren 2020 bis 2024 zum Wohlbefinden von Vätern in neun europäischen Ländern veröffentlicht hat.

Die Untersuchung geht der Frage nach, welche Aufgaben Väter ebenso häufig wie ihre Partnerinnen ausführen und sich in ähnlichem Maße an der Kinderbetreuung beteiligen. Dabei zeigt sich ein klares Muster: Bei interaktiven und freizeitbezogenen Tätigkeiten wie dem gemeinsamen Spielen, dem Zu-Bett-Bringen oder dem Organisieren von Freizeitaktivitäten gibt in allen untersuchten Ländern jeweils die Mehrheit der Väter an, diese Aufgaben mindestens ebenso häufig zu übernehmen wie ihre Partnerin. Besonders ausgeprägt ist dieses Muster beim Spielen: In sieben von neun Ländern ist dies die Aufgabe, die Väter mindestens ebenso häufig wie ihre Partnerinnen erledigen. Die entsprechenden Anteile variieren zwischen 68 Prozent in Deutschland und 95 Prozent in Norwegen.

Bei der Beteiligung von Vätern an versorgenden Tätigkeiten – etwa der Betreuung kranker Kinder, dem Anziehen der Kinder oder der Zubereitung von Mahlzeiten – zeigen sich hingegen deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Norwegen 80 Prozent und in Finnland 67 Prozent der Väter berichten, kranke Kinder mindestens ebenso häufig zu betreuen wie ihre Partnerinnen, sind es in Tschechien nur etwa 29 Prozent und in Deutschland 42 Prozent. Auch bei anderen versorgenden Tätigkeiten liegen die Anteile in Deutschland im unteren Bereich des Ländervergleichs.

Zusammenhänge mit dem Wohlbefinden von Vätern

Die Studie untersucht zudem den Zusammenhang zwischen einzelnen Aufgaben der Kinderbetreuung und dem Wohlbefinden von Vätern: Väter, die nach eigenen Angaben mindestens so oft wie ihre Partnerinnen gemeinsam mit den Kindern spielen, berichten über eine höhere Lebenszufriedenheit. Die Betreuung kranker Kinder ist, wenn Väter diese Aufgabe mindestens ebenso häufig übernehmen wie ihre Partnerin, mit einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden. „Versorgende Tätigkeiten sind häufig stärker an feste Zeiten gebunden und lassen sich schwerer mit Erwerbsarbeit vereinbaren“, erklärt Dr. Stefanie Hoherz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BiB und Mitautorin der Studie. „Interaktive und freizeitbezogene Tätigkeiten bieten dagegen größere zeitliche Flexibilität und können häufiger außerhalb von klassischen Kernarbeitszeiten übernommen werden – etwa nach Feierabend oder am Wochenende.“

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Kinderbetreuung nicht als einheitliche Tätigkeit verstanden werden kann. Vielmehr sind einzelne Aufgaben mit anderen Anforderungen verbunden und gehen – je nach Art der Tätigkeit – mit unterschiedlichen Mustern im Hinblick auf das Wohlbefinden von Vätern einher. Vor diesem Hintergrund gewinnen familienpolitische und arbeitsorganisatorische Rahmenbedingungen an Bedeutung: „Um eine ausgewogenere Verteilung der Kinderbetreuung zu fördern, sind insbesondere Rahmenbedingungen gefragt, die die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit zeitgebundenen oder kurzfristig anfallenden Betreuungs- und Versorgungsaufgaben verbessern, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten für Eltern“, fasst Mitautor Dr. Claudius Garten, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB, zusammen.

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Wie können wir Väter verstehen?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Samstag 18. April 2026

Eine Auseinandersetzung mit Väter- und Mütterbildern in ihrer Beharrlichkeit und Dynamik

Bilder von Väterlichkeit und Mütterlichkeit sind offenbar beharrlicher, als wir glauben. Seit mindestens 30 Jahren setzt die Gesellschaft große Hoffnungen und Erwartungen in die Veränderung der Vaterrolle. Väter sollen mehr Care-Arbeit übernehmen, Eltern sollen Care-Arbeit partnerschaftlich aufteilen; Verantwortung für die Kinder soll von Vätern und Müttern zu gleichen Teilen übernommen werden. Doch die Gegenwart von Müttern und Vätern ist ernüchternd. Viele Eltern finden sich in alten Rollenmustern wieder, obwohl sie vieles ganz anders machen wollten.

Woher kommt diese Beharrlichkeit der Vater- und Mutterbilder und -rollen? Das ist das Thema dieses Seminars. Der Schwerpunkt soll bei den Vätern liegen.

Wenn wir aber Väter verstehen wollen, können wir das nur, wenn wir auch Mütter besser verstehen wollen. Denn wir haben es hier mit Paar- und Elterndynamiken zu tun.

Offenbar führt die unbewusste Ambivalenz gegenüber “moderneren” Mutter- und Vaterbildern zu vielen Missverständnissen und Konflikten zwischen Elternteilen, und oft führen diese nicht bearbeiteten Ambivalenzen zu Trennungen, und auch nach Trennungen zu anhaltenden Konflikten.

In diesem Seminar geht es unter anderem darum, welche Rolle die individuellen und gesellschaftlich geformten Mutter- und Vaterbilder für Paar- und Elternkonflikte spielen, und welche Rolle wiederum die Bilder der Berater*innen dafür, wie sie in der Beratung mit den Themen umgehen. Daher soll viel Raum sein für die Auseinandersetzung mit den eigenen Mutter- und Vaterbildern der Teilnehmenden und für das Nachdenken über Fälle aus der eigenen Beratungsarbeit. Ziel ist, professionell bewusster und mit einer klareren Haltung in die Beratungsarbeit zu gehen.

Methoden: Vorträge, Rollenspiele, Übungen zur Selbstreflexion, Fallbesprechungen aus der Praxis.

Zielgruppe des Seminars sind Beraterinnen und Berater in der Paar- Familien- und Erziehungsberatung.

Zeitraum: 15. bis 17. Oktober 2026

Hier geht es zur Anmeldung

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Mehr Druck, weniger Kinder

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 24. März 2026

 Wie der Wettbewerb zwischen Eltern die Geburtenrate senkt

Eine neue Studie von Prof. Michèle Tertilt, Ph.D., von der Universität Mannheim und ihren Kollegen Prof. Minchul Yum, Ph.D., und Dr. Lukas Mahler zeigt: Eltern wünschen sich häufig mehr Kinder – doch entscheiden sich dagegen, weil sie das Gefühl haben, mit anderen Eltern und deren Investitionen in Bildung, Förderung und Betreuung nicht mithalten zu können. Der Vergleich zwischen Familien trägt somit maßgeblich zum weltweiten Rückgang der Geburtenraten bei.

Ein Grund für den Anstieg des Drucks ist laut Studie die wachsende Rolle von sozialen Medien – insbesondere sogenannter „Momfluencer“. Diese präsentieren auf Plattformen wie Instagram oder TikTok idealisierte Bilder moderner Mutterschaft: kreative Frühförderung, selbstgekochtes Bio-Essen, perfekte Kinderzimmergestaltung.

„In vielen Ländern gilt es inzwischen als notwendig, viel Geld und Zeit in die Förderung eines Kindes zu stecken, damit es mithalten kann. Das verändert, wie Familien über Kinder nachdenken – und wie viel Nachwuchs sie in Erwägung ziehen“, erklärt Tertilt. Der gesellschaftliche Druck auf Eltern führt demnach nicht nur zu Stress und finanzieller Belastung, sondern kann auch dazu beitragen, dass die Bevölkerung langfristig schrumpft.

Im Zentrum der Studie steht ein ökonomisches Modell, das die Entscheidung von Familien simuliert, wie viele Kinder sie bekommen und wie viel Zeit, Geld und Energie sie jeweils investieren. Dabei zeigt sich: Je stärker der soziale Vergleich, desto höher der Investitionsdruck pro Kind – und desto geringer die Geburtenraten.

Ergänzt wird das Modell durch empirische Analysen, die beispielsweise zeigen, dass in Ländern, in denen sich Eltern besonders Sorgen um die Bildung der Kinder machen und viel eigenes Geld in Bildung investieren, die Geburtenraten besonders niedrig sind. Dazu gehören Südkorea und die USA. Auch innerhalb der USA lässt sich dieser Zusammenhang beobachten: In Regionen mit hoher sozialer Vernetzung ist die Kinderzahl besonders niedrig, selbst bei vergleichbaren Einkommen. Umgekehrt verzeichnen eher ländliche Regionen mit weniger intensivem Vergleichsverhalten und weniger Wettbewerb um Bildungschancen höhere Kinderzahlen, auch bei vergleichbarem Einkommensniveau.

Aus Sicht der Forschenden könnten politische Maßnahmen, die den Vergleichsdruck im Bildungssystem reduzieren, dazu beitragen, dass Eltern sich eher für Kinder entscheiden. Dazu gehören etwa Reformen von Prüfungen und der Ausbau öffentlicher Bildungs- und Förderangebote. Auch ein offener Diskurs darüber, wie viel „Eltern-Investition“ sinnvoll und notwendig ist, könnte helfen, realistischere Erwartungen zu erzeugen.

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Vater werden – von Anfang an mitgedacht?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 2. März 2026

Die Projektgruppe „1000 Tage“ nimmt die erste Phase der Elternschaft in den Blick

Vom ersten Gedanken an ein Kind bis zum Ende des ersten Lebensjahres – rund 1000 Tage entscheiden darüber, wie Familie gelebt wird. In dieser Zeit entstehen Bindungen, werden Rollen ausgehandelt und berufliche Weichen gestellt. Genau hier hat die Projektgruppe „1000 Tage“ angesetzt. Ihr Ziel: prüfen, ob Politik, Institutionen und Hilfesysteme den Bedürfnissen von Vätern gerecht werden, was sich ändern muss und was das Bundesforum Männer dazu beitragen kann.

Die Analyse zeigt ein klares Bild: Väter wollen heute mehr sein als Ernährer. Sie möchten präsent sein, Verantwortung übernehmen und von Beginn an eine enge Beziehung zu ihrem Kind aufbauen. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke.

Partnerschaft(lichkeit) als Voraussetzung

Beim Thema Kinderwunsch hat sich das Rollenverständnis deutlich verändert. Viele Männer orientieren sich an partnerschaftlichen Modellen und wünschen sich eine faire Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Gleichzeitig bremsen wirtschaftliche Unsicherheiten, hohe berufliche Anforderungen und unklare gesellschaftliche Erwartungen die Entscheidung für ein Kind aus. Studien legen nahe: Wer Gleichberechtigung lebt – oder realistisch leben kann –, entscheidet sich eher für Familie.

Väter am Rand

Spätestens in der Schwangerschaft wird deutlich, dass die Versorgungsstrukturen immer noch stark auf Mütter fokussiert sind. Geburtsvorbereitungskurse, medizinische Betreuung und betriebliche Regelungen beziehen Väter, wenn überhaupt nur am Rande ein. Zwar sind heute rund 90 Prozent der Väter bei der Geburt dabei, doch ihre Rolle bleibt oft passiv. Vorbereitung auf eigene Verantwortlichkeit, auf emotionale Belastungen oder auf die Kommunikation im Kreißsaal? Fehlanzeige.

Kompetent, aber strukturell gebremst

Entwicklungspsychologisch ist die Lage eindeutig: Väter verfügen von Anfang an über vergleichbare Kompetenzen in Bindung, Pflege und Interaktion. Die Forschung zeigt, dass Säuglinge mehrere tragfähige Bindungen entwickeln können – und dass die Qualität der Beziehung entscheidend ist, nicht das Geschlecht.

Dennoch bleibt die Praxis traditionell: Mütter reduzieren ihre Erwerbsarbeit, Väter arbeiten überwiegend weiter in Vollzeit. Viele fühlen sich im Wochenbett und im ersten Lebensjahr nicht ausreichend informiert, nicht gezielt angesprochen und institutionell kaum unterstützt.

Was sich ändern muss

Die Projektgruppe formuliert klare Forderungen: eine verbindliche Vaterschaftsfreistellung, reformierte und partnerschaftlich ausgestaltete Elternzeitmodelle, flexible Arbeitsstrukturen sowie eine stärkere Einbindung von Vätern in Gesundheitswesen, Frühen Hilfen und Familienberatung. Ebenso notwendig ist ein kultureller Wandel – weg vom Bild des „helfenden“ Vaters hin zu einem gleichwertig verantwortlichen Elternteil.

Auch die Fachpraxis ist gefragt: Hebammenausbildung, psychosoziale Berufe und familienbezogene Dienste sollen in die Lage versetzt werden, väterliche Kompetenzen systematisch zu berücksichtigen. Und nicht zuletzt braucht es mehr Forschung, um Bedarfe präziser zu erfassen und politische Maßnahmen evidenzbasiert zu gestalten.

1000 Tage mit Langzeitwirkung

Die ersten 1000 Tage sind kein Randthema, sondern eine gesellschaftliche Schlüsselphase. Hier entscheidet sich, ob partnerschaftliche Elternschaft gelingt – oder ob alte Muster fortgeschrieben werden. Die Botschaft der Projektgruppe: Väter sind bereit. Jetzt müssen Strukturen folgen.

Termin bitte vormerken

Am Donnerstag, den 23. April werden die Empfehlungen der Projektgruppe im Rahmen eines Meet & Speak des Bundesforums Männeröffentlich präsentiert und aus der Perspektive der Frühen Hilfe und der Entwicklungspsychologie kommentiert. Der Zoom findet von 16 bis 17:30 Uhr statt.

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Mehr Zeit oder mehr Geld?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 3. Februar 2026

Wenn sie die Wahl haben, entscheiden sich rund 60 Prozent der Beschäftigten für mehr Zeit

Mehr Zeit kann besser sein als mehr Geld. So sieht es die Mehrheit der Beschäftigten, denen ein Tarifvertrag eine Wahloption zwischen mehr Freizeit und mehr Lohn ermöglicht. Einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge hat sich 2022 deutlich mehr als die Hälfte für mehr Zeit statt zusätzlichem Geld entschieden.

Die analysierte Stichprobe enthält Angaben von rund 1900 Arbeitnehmer*innen, die nach Abschluss der Tarifrunde eine entsprechende Wahlmöglichkeit hatten – je nach Tarifvertrag als Wahlmodell, individuelles Zukunftskonto, Entlastungszeit, Umwandlungsoption oder tarifliches Zusatzgeld bezeichnet. Solche Optionen existieren unter anderem in Tarifverträgen in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemischen Industrie, bei der Deutschen Bahn, der Stahlindustrie, im Versicherungsgewerbe, bei der Post und im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen. Je nach Tarifvertrag beinhaltet die Option etwa zusätzliche Urlaubstage oder eine verkürzte Wochenarbeitszeit.

Konkret haben sich 59 Prozent der Befragten ausschließlich für mehr Zeit entschieden, 6 Prozent für eine Kombination aus mehr Zeit und Geld und 35 Prozent ausschließlich für mehr Geld. Dabei wählten Frauen, insbesondere solche mit Kindern unter 14 Jahren, häufiger die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu verkürzen – das taten 79 Prozent in dieser Gruppe. Die genannten Motive unterscheiden sich jedoch kaum nach Geschlecht: Bei Frauen wie Männern steht die Begründung, „mehr Zeit für die Familie“ an Position zwei, der häufigste Grund ist „mehr Zeit für Hobbies, Freunde und mich selbst“ haben zu wollen.

Quelle

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