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Archiv für die 'Migration' Kategorie

»Wege und Möglichkeiten erkunden, wie Vaterschaft auch unter widrigen Umständen gelingen kann.«

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. Dezember 2023

Der MännerWege Fragebogen – beantwortet von Hans-Georg Nelles

Ein Bild, das draußen, Himmel, Schuhwerk, Person enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Fotos: Ahmed Akacha, pexels.com

Was war oder ist dein persönlich-biografischer Zugang zur Väterthematik? Was dein politisch-thematischer Zugang?
Ich habe drei Zugänge zur »Väterthematik«. Der erste sind meine persönlichen Erfahrungen und Auseinandersetzung mit meinem Vater und meinem Großvater mütterlicherseits und der Entschluss, zumindest zu versuchen, es »besser« zu machen. Der zweite Zugang war dann meine eigene Vaterschaft. Ich wollte auf jeden Fall Vater werden; da es unerwartet schnell »geklappt« hat, bin ich dann mit 27 Jahren, mitten im Studium, zum ersten Mal Vater geworden. Der dritte Zugang war dann eine interne Stellenausschreibung meines damaligen Arbeitgebers, es wurde ein Mann für das Projekt »situationsgerechte und passgenaue Qualifizierung für Mütter und Väter im Erziehungsurlaub« gesucht. Ich habe die Stelle bekommen und konnte die »Mütterzentrierung« dieses Themas Stück für Stück irritieren und bin heute einer der »Dienstältesten« in diesem Feld.

Was waren damals und sind heute deine zentralen Themen in der Beschäftigung mit Vätern?
1997 und in den Jahren unmittelbar danach ging es zunächst darum, in Unternehmen und Gesellschaft Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Väter mehr wollen als Ernährer zu sein. Während die erste Männer-Studie von Helge Pross aus dem Jahr 1978 noch belegte, dass alles in traditioneller Butter ist, machte die sieben Jahre später durchgeführte Brigitte-Studie »Der Mann« schon deutlich, dass sich zumindest ein Teil der Männer und Väter auf den Weg gemacht hatte. Davon zeugt auch »Das Väterbuch« aus dem Jahr 1982. Aber trotz dieses, auch durch die Einführung des Erziehungsurlaubs im Jahr 1979 beflügelten ersten Aufbruchs der Väter hat es noch weitere 20 Jahre gedauert, bis die Diskussion im Mainstream angekommen ist. Ich habe aber den Eindruck, dass – ähnlich wie in einer KiTa, in der jedes Jahr die gleichen Themen neu diskutiert werden – auch das Bewusstsein und vor allem die Haltungen zur Bedeutung von Vätern und Vaterschaft nur langsam durchsickert und immer wieder neu begründet werden muss.

Wie hat sich dein Engagement für Väter entwickelt, ggf. verändert?
Mein Engagement in diesem Themenfeld hat sich im Laufe der Zeit von der unmittelbaren Arbeit mit Vätern in den verschiedensten Zusammenhängen hin zu einer »Lobby- und Beratungsarbeit« für Väterthemen entwickelt. Als Referent in der Geschäftsstelle der LAG Väterarbeit NRW und in der Koordination des Verbundprojekts »Jugendliche Väter im Blick« stehen außerdem Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung im Vordergrund.

Das für dich nachhaltigste gesellschaftliche/historische Ereignis – auch im Kontext deiner Arbeit?
Das nachhaltigste Ereignis war die Ankündigung von Renate Schmidt im Herbst 2004, in der nächsten Legislatur einen »Vätermonat« nach schwedischem Vorbild einführen zu wollen. Nach der NRW-Wahl 2005 kam alles anders, und nach einer vorgezogenen Bundestagswahl brachte Ursula von der Leyen als neue Familienministerin zwei Partnermonate ins Spiel und die gesellschaftliche Diskussion in Sachen Väter entwickelts eine bis dahin ungeahnte Dynamik, die uns »Väterarbeitern« einen kräftigen Rückenwind und nach der Einführung des Elterngeldes zum 1. Januar 2007 auch eine große mediale Aufmerksamkeit bescherte.

Eine wichtige persönliche Erfahrung im Zusammenhang mit deinen privaten und/oder beruflichen Beziehungen?
Männer können ja angeblich nicht reden, erst recht nicht über ihre Gefühle, so die landläufige Zuschreibung. Im Rahmen meines ersten Väterprojektes habe ich in verschiedenen NRW-Unternehmen Väterrunden organisiert. Väter aus diversen Branchen kamen in einer verlängerten Mittagspause zusammen und haben über Herausforderungen ihrer Vaterschaft gesprochen. Am Ende der 90 Minuten, die wie im Fluge vergingen, waren alle jedes Mal erstaunt, dass Mann – obwohl sich alle vorher nicht kannten und es nichts (Alkoholisches) zu trinken gab – so intensiv ins Gespräch gekommen ist und auch über Sorgen, Nöte und Schwächen geredet hat.

Drei Eigenschaften, die dich in deiner Arbeit oder Beziehungen zu anderen ausmachen?
Ausdauer, Optimismus und Kooperationsbereitschaft.

Was ist für dich »Erfolg« in deiner Auseinandersetzung mit Väterthemen? Hast du Beispiele?
Wenn ein Vater – auch gegen eigene Zweifel und/oder Widerstände aus dem familiären oder betrieblichen Umfeld – sich die (Eltern)Zeit nimmt, die er haben möchte, und gestärkt durch die eigenen Erfahrungen auch andere (werdende) Väter in seinem Umfeld dazu inspiriert und ermutigt.

Was gibt dir persönlich Sinn und Erfüllung in deinen beruflichen und privaten Beziehungen?
Dass ich eigene Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben kann und durch die Arbeit mit den Vätern permanent dazulerne und auch selber in Frage gestellt werde. Das gilt insbesondere auch in der Beziehung zu meinen Kindern und den Enkel*innen.

Was ist dir (mit) gelungen, worauf bist du (zusammen mit anderen) vielleicht auch stolz?
Da fallen mir zuerst die drei thematischen Netzwerke ein, die ich mit engagierten Kollegen gegründet habe: 2005 das Väter-Experten-Netz VEND-eV. Gemeinsam mit Eberhard Schäfer und Martin Rosowski haben wir dann 2007 angefangen, Partner und potenzielle Mitglieder für ein Bundesforum Männer zusammenzubringen; im November 2010 gab es dann die offizielle Gründung. Das dritte Netzwerk ist die schon genannte LAG Väterarbeit NRW, die wir gemeinsam mit 22 Organisationen nach zwei Jahren Vorarbeit im Januar 2016 gründeten.

Mit welchen Institutionen und Personen warst du gerne beruflich oder privat verbunden oder bist es noch?
Außer den bereits genannten Netzwerken und Personen ist für meine Arbeit mit Vätern Harald Seehausen aus Frankfurt besonders wichtig, er beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit Väterarbeit und mit dem Aktionsforum Männer und Leben haben wir im Zeitraum 2005 bis 2016 sechs Impulstagungen in Frankfurt organisiert. Ein weiterer Kollege, den ich über die Arbeit in der Fachgruppe Väter des Bundesforum Männer kennen und schätzen gelernt habe, ist Holger Strenz aus Dresden. Er hat mir Zugänge zu den Anliegen und Sichtweisen von Vätern in den »neuen« Bundesländern eröffnet.

Was hat die Männer/* ausgemacht, mit denen du gerne zusammengearbeitet oder Zeit verbracht hast?
Diese Kollegen hatten ebenfalls Interesse daran, Anliegen von Vätern voranzubringen, Väter zu ermutigen und sie bei ihrem Vatersein zu unterstützen – und weniger daran, sich damit selbst zu profilieren und in den Vordergrund zu stellen.

Hast du eine Lebensphilosophie, ggf. ein Lebensmotto?
Es ist immer besser, mehr als zwei Möglichkeiten zu haben.

Wo liegen für dich die hartnäckigsten Widerstände gegen dein Verständnis vom Umgang mit Väterthemen?
Die größten Widerstände sehe ich für mich in einer nach wie vor »mütterzentrierten« Familienpolitik, die die Bedeutung von Vätern für die Entwicklung von Kindern nicht sieht oder sogar leugnet. Dies fängt bei der Anerkennung der Vaterschaft an und hört bei der Erwerbsobliegenheit beim Unterhalt noch lange nicht auf.
Dieser «Mindset« erschwert es Vätern (und Müttern), gleichberechtigte und geschlechtergerechte Vaterschaft nicht nur zu wollen, sondern auch zu leben.

Was treibt dich – trotz manchmal widriger Umstände – weiter in deiner Arbeit an?
Mein (fast) unerschütterlicher Optimismus und die Erfolge, die ich im Rückblick auf über 25 Jahre doch beschreiben kann.

Welches Projekt würdest du gerne noch umsetzen, wenn du die Möglichkeiten dazu hättest? Und was möchtest du gegen Ende deines Lebens erreicht haben?
Mit meinen gut 66 Jahren bin ich ja schon in der »Verlängerung«, um die laufenden Projekte gemeinsam mit den Kollegen gut abzuschließen. Ich kann mir gut vorstellen, im Anschluss daran gemeinsam mit Vätern in und aus prekären Lebenslagen in einem Projekt Wege und Möglichkeiten zu erkunden, wie Vaterschaft auch unter widrigen Umständen gelingen kann. Und ja, zufrieden bin ich, wenn paritätische Elternzeiten als Katalysator für eine gleichmäßige Aufteilung von Mental Load und Financial Load wirken, Care und Erwerbsarbeit also geschlechtergerecht aufgeteilt sind bzw. aufgeteilt werden können.

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Väter als Experten für Väter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. Mai 2022

Am 5. Mai berichte Alexander Stathopoulos, Geschäftsführer des Verbands Binationaler Familien in Frankfurt, beim Online Werkstattgespräch der LAG Väterarbeit NRW von den Erfahrungen des Arbeitskreises Migrationssensible Väterarbeit (MiseV) in Hessen.

Nach seinem Vortrag entspann sich eine interessante Diskussion, deren wichtigste Punkte hier kurz zusammengefasst werden.

Väter profitieren vom Austausch mit anderen Vätern. In Frankfurt existiert seit 2020 eine Vätergruppe, die sich aus Vätern mit unterschiedlichen Herkünften zusammensetzt. Diese ‚globale‘ Zusammensetzung hat sich als gewinnbringend für alle Beteiligten herausgestellt.

‚Herkunftssprache ist Herzenssprache‘, für den Fall, dass Väter über zu geringe deutsche Sprachkenntnisse verfügen, kann zunächst auch eine sprachhomogene Gruppe angezeigt sein, aber Menschen verstehen sich nicht automatisch gut, nur weil sie eine gemeinsame Sprache sprechen. Die Gemeinsamkeit entsteht in der Regel in beiden Varianten über das Vatersein und das Interesse, sich mit den eigenen Kindern zu befassen. Väter haben in der Regel auch positiv darauf reagiert, wenn sie auf Spielplätzen angesprochen und auf die Vätergruppe hingewiesen worden sind.

Mehrsprachige Flyer führen nicht kurzfristig zu mehr Teilnehmenden

Mit einem mehrsprachigen Flyer auf eine Veranstaltung hinzuweisen führt nach Erfahrung des Referenten nicht dazu, dass sich spontan mehr Teilnehmer anmelden. „Ich kann nicht sagen, dass wir über Flyer jemals viele Väter gewonnen hätten.“
Mehrsprachiges Informationsmaterial ist aber dennoch wichtig, da damit signalisiert wird, wir haben auch die Väter, die nicht schon immer hier gelebt haben und deutsch sprechen auf dem Radar, sondern auch die, die hier nicht verwurzelt sind.

Diese Flyer haben also einen mittelfristigen Effekt, sie etablieren den Eindruck, hier gibt es auch was für mich, hier finde ich Antworten auf meine Fragen.

Undokumentierte Menschen, seien es Flüchtlinge oder mit Touristenvisum eingereiste, die hier geblieben sind, spielen bei den Angeboten für Väter bislang noch keine Rolle. Da sie keiner (legalen) Erwerbsarbeit nachgehen können, keinerlei Unterstützung oder medizinische Behandlung erhalten haben sie massive Probleme und sind außer für die Migrationsberatung kaum zu erreichen.
Zugänge sind unter Umständen über ‚Vertrauenspersonen‘ oder ‚Medinetze‘ möglich.

‚Männer mit Migrationshintergrund erreichen finde ich sehr schwierig‘

oder ‚Wie mache ich denen begreiflich, was für ein tolles Angebot ich habe?‘ Äußerungen wie diese spiegeln eher die eigene Haltung wider als tatsächliche Haltung. Auch bei dieser Zielgruppe kommt es darauf an, dorthin zu gehen, wo die Väter eh sind: Sportplätze, Schwimmbäder, Kitas, Barber Shops, Migrantenselbstorganisationen aber auch Teestuben, Cafés und Moscheevereine sind mögliche Anspracheorte.
Es kommt darauf an Treffpunkte der möglichen Teilnehmer in der Umgebung des Angebots zu identifizieren und die Väter dort anzusprechen und einzuladen. Vertrauen aufzubauen und ‚Mund zu Mund Propaganda‘ wirken zu lassen braucht aber Zeit und kann nicht übers Knie gebrochen werden.

Falls die ‚Hürden‘ für zum Beispiel ein Beratungsangebot zu hoch sind, können durch niedrigschwellige Väterangebote wie Vater-Kind-Treffs, gemeinsames Grillen oder Treffen in Parks ‚Rampen‘ gebaut werden. Die Väter können sich untereinander und auch den ‚Berater‘ kennenlernen.

Eine weitere Möglichkeit Väter einzubeziehen ist auch, Mütter über die Angebote für ihre Partner zu informieren. Häufig fragen dies auch schon selbst nach Angeboten für Väter. Väter sind auch leichter über gemeinsames Tun zu erreichen und eine Einladung über ihre Kinder in der Kita ebenfalls sehr wirksam.

Diskriminierungserfahrungen sind alltäglich

… aber nicht so einfach zu thematisieren, zumindest nicht als Einstiegsthema.
In der Frankfurter Vätergruppe waren die Morde in Hanau Anlass, über eigene Diskriminierungserfahrungen zu sprechen. Wichtig ist in jedem Fall, diese Erfahrungen ernst zu nehmen, gemeinsam zu überlegen, wie Kinder gestärkt und eine Vertrauensbasis aufgebaut werden kann.
In dem Kontext spielen für Väter auch die Fragen, ‚was möchte ich meinen Kindern vermitteln‘ und ‚was möchte ich ihnen aus meiner Herkunftskultur mit aus den Weg geben‘ eine große Rolle.

Wissenschaftliche Kategorien wie ‚Mehrfachzugehörigkeit‘ und ‚hybride Identitäten‘ haben für sie praktische Alltagsbedeutung.

Die Frage inwieweit die beiden Fluchtbewegungen 2015, bei der junge Männer und Väter ohne ihre Kinder nach Deutschland gekommen sind und der aktuellen, bei der Frauen und Mütter mit ihren Kindern, aber ohne deren Väter nach Deutschland kommen. Auswirkungen auf die Arbeit ‚mit Vätern‘ bzw. mit Kindern ohne Väter haben wird, gab es mehr Fragen als Antworten.

Es wird darauf ankommen, die Bedürfnisse der Kinder zu adressieren und ihnen bei Bedarf männliche Bezugspersonen ‚Ersatzpapas‘ zur Verfügung zu stellen.

Als Abschlussresümee äußerte der Referent, auch wenn sich im Arbeitskreis MiseV und auch hier beim Werkstattgespräch eine ‚Positivauswahl‘ trifft, ist die Bereitschaft sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und neue Angebote auszuprobieren und zu etablieren in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen.

Materialien und Hinweise

Präsentation vom 5. Mai https://www.lag-vaeterarbeit.nrw/wp-content/uploads/2022/05/Input-Werkstattgespraech.pdf

Aufzeichnung des Vortrags https://youtu.be/s7MiQHv0PtI

Studien und Dokumentation der Veranstaltung im Dezember 2019 https://www.verband-binationaler.de/projekte/papa-kann-das-abu-baba-tata-auch-frankfurt

Link zur Vätergruppe https://www.vaeter-binational-global.de/

Link zur Fachveranstaltung am 3. Juni: https://eveeno.com/vaeter+als+experten

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Mit einem falschen Satz kann man vieles kaputtmachen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. April 2022

Das Projekt ‚Echte Väter‘ in Herne.

Das Angebot

… richtet sich an Väter mit und ohne Migrationshintergrund, deren Kinder die Grundschule besuchen. Der Kontakt wird über die Schulen vermittelt. Die angeleiteten Gesprächsrunden sollen den Vätern ein Forum bieten, wo sie sich mit ihren Fragen, Problemen, aber auch Anregungen und Vorschlägen austauschen können. Die Gruppen sind offen: Die teilnehmenden Väter können pausieren, aussetzen, wiederkommen.
Die Vätergruppentermine werden ergänzt durch gemeinsame Freizeitaktivitäten mit den Kindern wie Museumsbesuche, Picknicke oder Sportturniere. Alle vier Wochen findet zudem an einem Wochenende ein Aktionstag statt.

In den angeleiteten Gesprächsrunden geht es zunächst um die klassischen Schul- und Erziehungs- und Familienthemen, darüber hinaus ist immer auch Platz für Alltagsthemen wie Miet- oder Kündigungsrecht, aber auch für Fragen zu Ernährung und Gesundheit. Besteht der Bedarf, werden Experten eingeladen: etwa ein Arzt oder Psychologe erklärt, was es mit der Diagnose ADHS auf sich hat, ein Jurist erläutert die Grundregeln des deutschen Familienrechtes oder ein Konflikttrainer vermittelt, wie man sich bei Konflikten gewaltfrei dennoch durchsetzen kann.
Gegebenenfalls werden die Väter bei Ämter-Terminen begleitet. Wenn Väter der besonderen Beratung bedürfen, werden mit ihnen Einzeltermine verabredet. Möglich ist es auch, dass bei Problemen, die die ganze Familie betreffen und wo Lösungen mit allen gesucht werden sollten, die Familie hinzukommt und an der Beratung teilnimmt.
Die Gruppen werden angeleitet von zweisprachigen Teamern, die in den Schulen hauptberuflich als Sprachlehrer arbeiten. Vertreten sind so als Sprachen Türkisch, Polnisch, Russisch und Arabisch.
Die Abende finden nach Absprache wöchentlich bis zwei-wöchentlich statt, sie beginnen zwischen 17.30 und 18 Uhr und enden um 21 Uhr.

Hintergrundinformationen

Das Projekt „Echte Väter“ entwickelte sich im Rahmen kommunaler Elternarbeit/Elternbildung aus einem Pilotprojekt im Jahre 2007. Es startete um migrantische Eltern von Schulkindern die Möglichkeit zu bieten, sich mit ihren Fragen und auch Problemen auszutauschen und so auch enger an das Schulgeschehen zu binden. Zu den Nachmittagsterminen erschienen jedoch nur die Mütter. Erst als Termine am frühen Abend angeboten wurden, kamen auch die Väter. „Es zeigte sich schnell, dass es gut ist, wenn die Väter unter sich bleiben und einen eigenen Ort haben, um sich zu treffen“, erzählt Gürkan Ucan, Gründer des Projektes. Wichtig ist, dass die Abende für die Väter einen Nutzwert haben: „Nur Themen besprechen, damit kann man langfristig die Väter nicht halten. Der Abend muss ihnen etwas bringen.“
Von der grundsätzlichen Haltung her, wird bei den Vätern zuerst nach deren Fähigkeiten und Kompetenzen geschaut, um diese auszubauen – später kommen die Probleme, wenn es welche gibt. Dabei hat sich gezeigt, dass in verschiedenen Kulturen das Angebot, sich auszutauschen, später auch über Probleme sprechen zu können und dafür den eigenen Familienraum zu verlassen, sehr unterschiedlich verstanden wird.

Gürkan Ucan nennt ein Beispiel: „Ich habe am Anfang ein junges Elternpaar angesprochen, wollte für die Vätergruppe werben, aber die beiden haben ganz erschrocken gesagt ‚Oh, haben wir denn so große Probleme? Haben wir etwas falsch gemacht?‘.“ Gürkan Ucan sagt: „Man muss mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen, mit einem falschen Satz kann man vieles kaputtmachen.“
Das Projekt äußert auch zu allgemeinen gesellschaftlichen Konflikten. So hat man sich in der Vergangenheit im Rahmen von Schulveranstaltungen wie Schulfesten gegen Salafismus und Rechtsradikalismus positioniert und betreibt entsprechende Aufklärungsarbeit, was bei den oft verunsicherten Eltern sehr gut angekommen sei.

Ziele des Projekts

Die Väter sollen sich im oft schwer verständlichen Feld der Institution Schule mit mehr Selbstbewusstsein bewegen und äußern.
Ziel ist auch, die Bindung zwischen Vätern und Kindern zu stärken. Väter sollen erleben, dass es schlicht schön ist und Spaß macht, wenn man Zeit mit seinen Kindern verbringt.
Gibt es Probleme, wird über Probleme gesprochen. Aber sie werden nicht gesucht. Im Gegenzug wird bei jedem teilnehmenden Vater nach seinen Kompetenzen und Fähigkeiten geschaut, damit er sie möglichst vielfältig einbringen kann.

Kontakt
Kommunales Integrationszentrum, Rademachers Weg 15; 44649 Herne: Gürkan Ucan, Tel.: 02325 – 65 89 313 guerkan.ucan@herne.de

Die Webseite des Kommunalen Integrationszentrums in Herne.

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Diversitätsbewusste Väterarbeit stärken

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 26. April 2022

Werkstattgespräch am 5. Mai, um 15:30 Uhr

Migrationssensible Väterarbeit ist wichtig für die Zukunft unserer Gesellschaft. In Großstädten wie Köln oder Frankfurt haben weit mehr als 50 Prozent der schulpflichtigen Kinder einen sogenannten Migrationshintergrund. Die Väter dieser Kinder können einen bedeutsamen Beitrag zu ihrem guten Aufwachsen und Bildungserfolg leisten.

Väter mit Migrationsgeschichte sind jedoch in öffentlichen Debatten und im Alltagsleben häufig Vorurteilen, negativen Zuschreibungen und Verallgemeinerungen ausgesetzt. Die Vielfalt ihres Lebensalltags und ihre Potenziale, insbesondere im Hinblick auf Vaterschaft, werden genauso wenig wahrgenommen wie ihre individuellen Ressourcen und Anpassungsleistungen. Eher selten werden sie in Angeboten adressiert oder mitgedacht.

Ihre Perspektiven und Potentiale können zum Wohl ihrer Kinder viel stärker einbezogen und genutzt werden. Vor diesem Hintergrund haben sich das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und der Verband binationaler Familien und Partnerschaften im Rahmen eines Integrationsvertrages unter anderem das Ziel gesetzt, gemeinsam einen Beitrag zur Entwicklung einer migrationssensiblen, diversitätsbewussten Väterarbeit in Hessen zu leisten.

In Hessen hat sich 2020 der Fachkreis migrationssensibler Väterarbeit in Hessen (MISEV) gegründet und führt regelmäßig Austauschtreffen und Workshops durch. Die Arbeit des Fachkreises orientiert sich an den Aufgabenfeldern und Bedarfen der Teilnehmenden, ermöglicht gegenseitige Unterstützung und bezieht Erkenntnisse aktueller Väterforschung mit ein.

Als erster Schritt wurde 2019 eine hessenweite Befragung von Einrichtungen und Expert*innen der Väterarbeit durchgeführt, um einen Einblick in bereits bestehende Angebote der Väterarbeit, deren Herausforderungen und Erfolgsfaktoren zu gewinnen.

Bei dem Werkstattgespräch am 5. Mai wird Alexander Stathopoulos vom Verband binatinaler Familien in Frankfurt über die Erfahrungen des Arbeitskreises berichten und wir werden gemeinsam überlegen, wie wir diese für die Väterarbeit in NRW nutzen können.

Hier können Sie sich zu dem Online Werkstattgespräch anmelden:

https://www.surveymonkey.de/r/LAG_20220407

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Türkische Männer wollen eine andere Form der Väterlichkeit leben

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. März 2022

Professor Uslucan im Interview zu den Wirkungen des Projekt ‚Interkulturelle Väterarbeit in NRW‘

Von 2014 bis 2016 wurde das Projekt ‚Interkulturelle Väterarbeit in NRW‘ gefördert. Was waren die Ergebnisse des Vorhabens?

Also wir haben ja das Projekt, was ja unter anderem vor allem von Herrn Michael Tunç durchgeführt wurde, auch unter meiner Leitung. Wir haben es an acht verschiedenen Regionen NRWs durchgeführt. Einmal haben wir festgestellt, dass bestimmte, ich sage mal, Stereotype, Bilder, Vorurteile über Männer beziehungsweise Väter mit Migrationshintergrund grundlegend widerlegt werden konnten. So die Vorstellung, es ist sozusagen, ja, so matriarchal organisiert, Erziehung ist weiblich, weibliche oder beziehungsweise Arbeit der Frauen, Männer halten sich zurück.

Also solche Bilder, vor allem auch über türkische Männer, türkische Väter, herrschten ja lange vor. Und in diesem Projekt haben wir sehen können, dass die Väter, die wir sozusagen auch angetroffen haben, die in diesen Projekten, natürlich ist es eine Selektion, das ist/ das muss man auch wissen. Wir haben natürlich die, die engagiert waren erreicht.

Aber zumindest die haben gezeigt beziehungsweise sich geäußert sowohl in den direkten Gesprächen, aber auch in der Befragung, dass sie ein hohes Maß an Engagement in der Erziehung zeigen, dass sie sozusagen auch eine andere Form von Väterlichkeit auch leben wollen. Auch eine andere, die sowohl von der Mehrheitsgesellschaft als auch vielleicht sozusagen von der eigenen Kultur manchmal zugedacht wird, so im Sinne von, Väter haben ja für das Außen, also sozusagen Geld verdienen und die Außenwirklichkeit, und Mütter für das Innen, das Haus zuständig. Dass sie einfach mit diesem Modell so nicht einverstanden sind, sondern auch andere Rollen, auch andere Formen von Väterlichkeit leben wollen, sich sehr stark engagieren wollen, auch in der Erziehung, Entwicklung ihrer Kinder. Und letztlich dadurch auch an mehrheitsgesellschaftlichen Trends, also jetzt in den letzten zehn, zwanzig Jahren an aktive Väterlichkeit auch teilhaben wollen.

Wenn man das jetzt wissenschaftlich festhalten will, kann man sagen, drei zentrale Ergebnisse waren für uns relevant. Eins ist unabhängig von Migrationshintergrund. Das ist die pädagogisch-psychologische Bedeutsamkeit von Vätern für die Entwicklung von Kindern, von allen Kindern. Nicht nur von einheimischen, sondern auch von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte. Das ist immer dort, wo sozusagen Vater-Kind-Konstellationen eng, einfühlsam zusammenarbeiten. Dass es sowohl für das Selbstbewusstsein der Kinder wichtig ist, aber auch für die Selbstwahrnehmung der Väter, also sozusagen pädagogisch-psychologische.

Dann ein Punkt, der vielleicht, ich sage mal, schon auch ein Novum ist für Migrantenfamilien, die wir im Vordergrund hatten, familienpolitische Aspekte. Dass sozusagen dadurch auch in der Partnerschaft sich ändert. Also sagen wir, ein stärkerer Zug zum Egalitarismus, also eine andere Aufteilung der Erziehungsarbeit und letztlich auch dadurch die Entlastung der Mütter beziehungsweise der Frauen. Auch die Wahrnehmung der, ich sage mal, Frau, der Mutter als Partnerin, nicht nur als Mutter. Und durch diese Aufteilung der Rolle auch eine wechselseitige andere Wahrnehmung.

Und ein dritter Punkt, was ich eben gesagt habe, integrationspolitisch, dass dadurch auch die Wahrnehmung der Väter mit Zuwanderungsgeschichte eine andere ist. Ich will nur zwei Punkte aufarbeiten, wo es die größten Differenzen gab.

Die größten Differenzen gab es bei der gewaltfreien Erziehung, also die Relevanz der gewaltfreien Erziehung. Das ist sozusagen, durch die Kurse habe ich erkannt, wie wichtig das ist. Und ein zweiter Aspekt, der nicht minder wichtig ist, die Bedeutung der Schule, der Bildung, also Schulerfolg, sich für den Schulerfolg zu interessieren, zu engagieren.

Ich bin selbst Bildungspsychologe und spätestens seit PISA wissen wir, dass Schülerleistungen nicht nur Schülerleistungen sind, sondern auch Elternleistungen sind, nicht nur Leistungen der Schule, sondern auch die der Eltern. Das ist ungerecht, aber unabhängig davon haben die von uns befragten Väter erkannt, es kommt auch auf mich an. Also es kommt auch auf uns an, dass wir uns engagieren, dass wir uns einbringen, dass wir fördern, dass wir den Kontakt zur Schule halten. Und letztlich sozusagen, wie relevant Väterarbeit für den Schulerfolg der Kinder ist. An den beiden Punkten gab es die größten Differenzen zwischen vorher und nachher.

Ein weiterer Aspekt war auch die soziale Vernetzung. Dass sie erkannt haben: „Es ist wichtig, auch mit andern Vätern ins Gespräch zu kommen“, weil „Es sind nicht nur meine Sorgen, sondern es sind Sorgen auch anderer Väter.“ Und durch diese Väterarbeit auch eine Art von Vernetzung, was letztlich auch Solidarpotenziale aufbauen hilft und dazu führt, dass man auch entlastet ist, weil man merkt, das ist nicht nur etwas, was einen selbst betrifft.

Vor welchen Herausforderungen stehen diejenigen, die interkulturelle Väterarbeit machen heute und in Zukunft?

Wir haben seit 2015 natürlich einen starken Umbruch als Migrationsgesellschaft, als Einwanderungsgesellschaft. Natürlich wäre es wichtig hier, jetzt in einem Folgeprojekt beispielsweise, Kinder und Väter mit Fluchthintergrund in ähnliche Projekte aufzunehmen. Wir haben in unserem Projekt ja sehr stark türkische, spanische, griechische … also die klassische Gastarbeitergeneration gehabt.

Das wäre etwas, was, glaube ich, wichtig ist jetzt nach fünf, sechs Jahren, wo man sagen kann, gut, erste Einbindung in den Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt ist mehr oder weniger einigermaßen gut erfolgt. Was jetzt kommt sind eher so die, ich sage es mal, weichen Aspekte. Vielleicht zum einen Traumabearbeitung, Fragen von Erziehung, aber auch Fragen von Eltern-Kind-Beziehung, Vater-Kind-Beziehung.

Das wäre etwas, was vielleicht künftige Projekte stärker adressieren müssten. Auch dort eine andere Form von Väterlichkeit. Und wenn wir wissen, dass beispielsweise in dem ersten Projekt die Relevanz gewaltfreier Erziehung so ein wichtiger Aspekt ist. Und ja, wir leben jetzt seit zwei Wochen wieder in einer Welt voller Gewalt. Also wie wichtig das ist, sei es gewaltfreie Kommunikation in der Eltern-Kind-Beziehung, aber sei es auch die Rolle von Erziehung, väterlicher Erziehung, stärker zu vermitteln. Da sehe ich einen großen Bedarf in diesen Communities, arabischsprachige, möglicherweise künftig auch russisch-ukrainische. Also wir haben jetzt auch mit neuen Fluchtzuwanderungen zu rechnen. Genau solche Projekte auch in der neuen Zuwanderergruppe zu adressieren, diese Gruppen einzubinden.

Welche nachhaltigen Wirkungen sind heute, 6 Jahre nach dem Ende der Förderung, noch zu sehen bzw. zu spüren.

Empirisch kann ich das jetzt nicht beantworten, weil wir jetzt keine Befragung gemacht haben. Aber generell ist es so, immer dort, wo Menschen sozusagen in die Kurse selbst einbezogen sind, selbst mitmachen, selbst aktiv sind, so etwas ist immer nachhaltiger als nur, ich sage mal, Belehrung, als nur jetzt mit den Vätern einen Kurs zu machen, wo sie über richtige Erziehung belehrt werden.

Wie stark das nachhaltig ist, wie weit das sozusagen durchgeführt wird, das hängt natürlich auch von sehr vielen andern Faktoren ab. Das sind nicht nur Aspekte des Kurses, ne? Manchmal ist es ja auch eine veränderte Wahrnehmung, dass plötzlich sozusagen auch die Familienkonstellation besser ist, das Kinder dadurch leichter erziehbar werden. Und wenn sie leichter erziehbar sind, sind Effekte oft besser zu erreichen, als wenn man immer wieder mit, ja, Windmühlen, mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Direkt empirisch kann ich Ihnen keine Zahl jetzt nennen, wie stark die Effekte sind. Aber zumindest aus den Gesprächen mit den Vätern wissen wir, dass das etwas war, wo sie sich zum ersten Mal auch gefragt fühlen, adressiert fühlen und sagen: „Okay, also wir werden als kompetent wahrgenommen.“ Und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Aspekt, dass sie in ihrer Kompetenz und nicht nur defizitär gesehen werden.

Vatersein ist was Schönes, und wenn sie über individuelle Erfahrungen aus der eigenen Kindheit positive Aspekte zum eigenen Vater, Väterlichkeit anders wahrnehmen können. Also wo wir wirklich Personen, ich sage mal, so fast zwingen, positive Aspekte zu sehen, auch wenn sie eine schwierige Kindheit hatten, dann aber merken: „Ja, stimmt, Mensch. Also wie kann ich das, was ich selbst als Kind positiv erfahren habe von meinem Vater, wie kann ich das meinem Kind weitergeben?“ Also diese Art der Reflexion ist für Väter, die vielleicht jetzt nicht akademisch, sozialwissenschaftlich-pädagogisch geschult sind, schon was Neues.

Und da glaube ich, dass das in der Tat was nachhaltig ist. Es ist eine Perspektivübernahme, denk mal darüber nach, also entdecke das Kind in dir selber. Und das ist ja so etwas, was sie sonst im eigenen Alltag so nie konfrontiert werden mit diesen Fragen. Da, glaube ich, ist eine starke Nachhaltigkeit. Für andere, die ohnehin jetzt pädagogisch arbeiten, ist das vielleicht Teil des Tagesgeschäftes, sozusagen Perspektivübernahme, Rollenübernahme, sich selbst aus der Situation des Kindes zu sehen. Aber für genau diese Väter war das schon was Novum und war das ein Novum und hat dazu gebracht, Dinge anders zu sehen, auch aus der Perspektive des Kindes zu sehen, ne? Also wenn man mit einem Kind spricht, vielleicht wirklich auch runterzugehen auf Augenhöhe, im physischen Sinne auf Augenhöhe. Und da hat es für diese Väter schon sehr viel gebracht.

Endbericht des Projekts „Praxisforschung für nachhaltige Entwicklung interkultureller Väterarbeit in NRW“ ZfTI-Väterprojekt-Evaluation

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Werkstattgespräch Migrationssensible Väterarbeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. März 2022

Migrationssensible Väterarbeit ist wichtig für die Zukunft unserer Gesellschaft. In Großstädten wie Köln oder Frankfurt haben weit mehr als 50 Prozent der schulpflichtigen Kinder einen sogenannten Migrationshintergrund. Die Väter dieser Kinder können einen bedeutsamen Beitrag zu ihrem guten Aufwachsen und Bildungserfolg leisten.

Väter mit Migrationsgeschichte sind jedoch in öffentlichen Debatten und im Alltagsleben häufig Vorurteilen, negativen Zuschreibungen und Verallgemeinerungen ausgesetzt. Die Vielfalt ihres Lebensalltags und ihre Potenziale, insbesondere im Hinblick auf Vaterschaft, werden genauso wenig wahrgenommen wie ihre individuellen Ressourcen und Anpassungsleistungen. Eher selten werden sie in Angeboten adressiert oder mitgedacht.

Ihre Perspektiven und Potentiale können zum Wohl ihrer Kinder viel stärker einbezogen und genutzt werden. Vor diesem Hintergrund haben sich das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und der Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V. im Rahmen eines Integrationsvertrages unter anderem das Ziel gesetzt, gemeinsam einen Beitrag zur Entwicklung einer migrationssensiblen, diversitätsbewussten Väterarbeit in Hessen zu leisten.

In Hessen hat sich deswegen 2020 der Fachkreis migrationssensibler Väterarbeit in Hessen (MISEV) gegründet und führt regelmäßig Austauschtreffen und Workshops durch. Die Arbeit des Fachkreises orientiert sich an den Aufgabenfeldern und Bedarfen der Teilnehmenden, ermöglicht gegenseitige Unterstützung und bezieht Erkenntnisse aktueller Väterforschung mit ein.

Als erster Schritt wurde 2019 eine hessenweite Befragung von Einrichtungen und Expert*innen der Väterarbeit durchgeführt, um einen Einblick in bereits bestehende Angebote der Väterarbeit, deren Herausforderungen und Erfolgsfaktoren zu gewinnen.

Bei dem Werkstattgespräch am 7. April wird Alexander Stathopoulos vom Verband binatinaler Familien in Frankfurt über die Erfahrungen des Arbeitskreises berichten und wir werden gemeinsam überlegen, wie wir diese für die Väterarbeit in NRW nutzen können.

Hier können Sie sich zu der Veranstaltung anmelden:

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Abu, Baba, Tata, Papa – Potentiale migrationssensibler Väterarbeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. Oktober 2019

Fachtagung in Frankfurt am 5. und 6. Dezember 2019

Männer mit Migrationsgeschichte werden selten als engagierte Väter wahrgenommen, obwohl sie in Kita, Schule oder Vereinen als solche präsent sind. Oft wird ihnen ein traditionalistisches Rollenverständnis unterstellt, ihre wahren Potentiale kaum berücksichtigt.
Es besteht Bedarf an migrationssensibler, diversitätsbewusster Väterarbeit. Passgenaue Angebote, Handlungsempfehlungen und Fortbildungen gibt es jedoch nur vereinzelt.
Die zweitägige Tagung macht auf die differenzierten Bedarfslagen und Lebenswirklichkeiten von Vätern mit Migrationsgeschichte aufmerksam und eröffnet Räume für die Reflexion eigener Perspektiven und Haltungen.

Programm Donnerstag, 5.12.2019

12:00 – 13:00 Ankommen und gemeinsames Essen

13:00 – 13:20 Begrüßung

13:20 – 14:45 „Perspektiven, Potentiale und Herausforderungen von Vätern mit Migrationsgeschichte“, Dr. Michael Tunc, Köln

14:45 – 15:00 Pause

15:00 – 16:00 Vorstellung ausgewählter

Projekte: papa[plus], Daddy be cool, Vaterzeit im Ramadan?!

16:00 – 17:30 Workshops: papa[plus], Daddy-be-cool, Vaterzeit im Ramadan?!, Getrennt gemeinsam erziehen

17:30 – 18:00 Pause

18:00 – 19:00 Fish bowl – Was nehmen wir an Erkenntnissen mit? Gemeinsames Abendprogramm

Freitag, 6.12.2019

09:00 – 09:30 Ankommen und Kaffee

09:30 – 09:50 Begrüßung NN, HMSI*

09:50 – 10:15 Ergebnisse des Projekts Abu, Baba, Daddy, Tata – alle sind für Kinder da!

10:15 – 10:30 Pause

10:30 – 12:00 Hessenweite Zusammenarbeit und Vernetzung, Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit

12:00 – 13:00 Pause

13:00 – 14:00 Erfahrungen aus der diversitätssensiblen Väterarbeit, Dr. Michael Tunc, Köln

14:00 – 15:00 World Café – Themen die weiterbearbeitet werden sollen – Erkenntnisse – Herausforderungen – Bedarfe

15:00 – 15:15 Pause

15:30 – 16:00 Ergebnisse & Ausblick, Gemeinsamer Ausklang

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‚Echte Väter‘ aus Herne regen zum Nachmachen an

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. November 2018

Am 8. Oktober 2018 veranstalteten Väter in Köln e.V. und die Fachstelle Väterarbeit NRW in Kooperation mit dem Interkulturellen Dienst des Bezirksjugendamtes Ehrenfeld eine Fachtagung zum Thema „Arbeit mit Vätern“. Vorgestellt wurde unter anderem das Projekt „Echte Väter“ aus Herne, welches das Fachpublikum mit seiner Erfolgsgeschichte begeisterte.

© Jürgen Kura

© Jürgen Kura

Praxisnah voneinander lernen und im Austausch miteinander Anregungen für die eigene Arbeit vor Ort finden – unter diesem Gedanken trafen sich Fachkräfte, Interessierte sowie Multiplikatoren und Multiplikatorinnen zum Thema „Interkulturellen Väterarbeit“ im Bürgerzentrum Ehrenfeld in Köln. Das erfolgreiche Praxisbeispiel „Echte Väter“, das Initiator Gürkan Uçan persönlich vorstellte, bot Einblicke in gelingende Väterarbeit und diente als Ausgangspunkt für die anschließende Diskussion. Den thematischen Rahmen setzte in seiner Einführung Dr. Michael Tunç, Experte für emanzipative, rassismuskritische Männer- bzw. Väterarbeit und -politik.

Das Bild von der Rolle des Vaters in der Familie hat sich in der deutschen Gesellschaft stark gewandelt – doch nicht nur dort. Auch immer mehr Männer mit Migrationshintergrund überdenken die traditionellen Einstellungen aus ihren Herkunftsländern. Gürkan Uçan, Mitarbeiter des Kommunalen Integrationszentrums (KI) der Stadt Herne, erkannte die Herausforderungen, die dadurch für Väter entstehen können, und gründete 2007 das Projekt „Echte Väter“. Ziel des Projektes ist, die Männer auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis zu unterstützen, denn „Echte Väter“ möchten Vorurteile abbauen, Väter aktivieren, sich gegenseitig entlasten und ihre Potenziale in der Väterarbeit nutzen.

Das Projekt „Echte Väter“ wurde im Jahr 2007 konzipiert und mit der Zeit immer weiter ausgebaut. Gürkan Uçan bewies dabei einen langen Atem. Nachdem zum ersten Treffen nur drei Männer erschienen waren, lud er zum nächsten Termin nicht mehr per Flugblatt ein, sondern sprach die Väter direkt an. Die Idee ging auf und schon bald versammelten sich 20 interessierte Männer, um sich in die Väterbildungsgruppe einzubringen. Mittlerweile ist das Projekt so erfolgreich, dass es in Herne derzeit zehn parallel laufende Vätergruppen gibt, die überwiegend in Herner Grundschulen stattfinden. …

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Von Vätern und Söhnen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 13. Juli 2018

Der Dokumentarfilm „Of Fathers and Sons“ von Regisseur Talal Derki ist am 4. Juli in München mit dem katholischen Fritz-Gerlich-Filmpreis ausgezeichnet worden. Der Film zeigt das Leben einer radikal-islamischen Familie in Syrien.

Talal Derki gelinge es mit seiner Dokumentation Einblick in eine Welt und deren Lebensweise zu geben, die sonst verschlossen blieben, begründet die Jury die Auszeichnung des Films. Derki berichte „unter Einsatz seines eigenen Lebens aus einem totalitären System“. Talal Derki ist in Damaskus geboren, studierte in Athen und lebt heute in Berlin.

Für „Of Fathers and Sons“ kehrte er für zwei Jahre in sein Heimatland zurück und lebte dort bei der radikal islamistischen Familie von Abu Osama. Aus einer unmittelbar subjektiven Perspektive dokumentiere Derki die Gewalt in dieser „hermetischen Welt“. Besonders die nicht sichtbare Gewalt hinterlasse nach Ansicht der Jury einen tiefen Eindruck und erschreckende Bilder im Kopf des Zuschauers.

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Mehr Mut zur Leidenschaft – von Paschas und Papas

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. Juli 2018

… schon etwas älter aber immer noch sehr aktuell.

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