der VÄTER Blog

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Archiv für die 'aktive Vaterschaft' Kategorie

Rund um die Uhr auf Trab

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Januar 2022

… Vater Rene Haase bewältigt den Alltag mit seiner großen Patchworkfamilie und hat gerade eine Quarantänezeit überstanden. Gerne möchte er wieder arbeiten und seinen Kindern ein gutes Vorbild sein.

Ein ganz normaler Morgen bei Familie Haase zwischen Weihnachten und Silvester: „Um sechs Uhr aufgestanden, dann trinke ich erstmal meinen Kaffee. Geschirrspüler ist schon einmal fertig. Waschmaschine läuft. Wir müssen jetzt noch Einkäufe erledigen. Mittagessen? – Da habe ich noch keinen Plan. Dann muss ich noch zum PCR-Test“, schildert der Vater Rene Haase seinen Start in den Tag.

Große Patchworkfamilie

© deutschlandradio / Anja Nehls

Jane, Denni, Conner und Aaron sind zwischen acht und zwölf Jahren alt und fläzen sich noch etwas verschlafen auf dem großen Sofa. Conni ist bereits erwachsen und hat gerade die zweite Kanne Kaffee gekocht, die anderen beiden Großen haben heute bei Freunden übernachtet. Normalerweise sei die Patchworkfamilie zu acht, sagt Vater Haase: „Ich bin gekommen mit vieren, da ist Conni die jüngste davon. Meine Frau kam mit dreien, da ist Leann die mittelste. Hier wohnen tun jetzt nur noch Leann, von meiner Frau der Älteste, der ist jetzt 20, Conni, und die vier gemeinsamen.“

Zwei Wochen Quarantäne

Seine Frau hat die Familie vor knapp zwei Jahren verlassen, seitdem ist der Vater mit den Kindern alleine. Haase ist Mitte 50. Er ist schlank und durchtrainiert, ein Kämpfertyp. Aber jetzt sieht er müde aus. Gerade erst haben alle zwei Wochen Quarantäne hinter sich, weil Denni sich auf einer Klassenfahrt mit Corona infiziert hatte: „Es ist schon anstrengend, die ganze Zeit in der Bude zu hocken“, sagt der Junge. „Wir gucken Fernsehen, aber ich habe dann noch ab und zu mal mit meinen Spielsachen gespielt.“ Weihnachten sei es dann besser geworden, weil vier der Kinder einen Computer bekommen hätten. Ohne PC seien seine Kinder zu Corona-Zeiten in der Schule chancenlos, sagt Haase. Er war früher Lkw-Fahrer und Gerüstbauer. Bis zum Sommer ging er abends, wenn die Kinder im Bett waren, noch putzen, in einem Kindergarten in der Nähe. Dann kam der Schlaganfall. …

Den Beitrag von Deutschlandfunk Kultur nachhören.

Quelle

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Vaterschaft in der Coronapandemie

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. Januar 2022

In seinem Vortrag ‚Engagement von Vätern, Entwicklung, Bedeutung und Rahmenbedingungen‚ bei der Fachtagung ‚Lockdown als Chance?‘ präsentierte Jan Braukmann unter anderem Ergebnisse aus dem Update des Väterreports.

Vaterschaft ist im Wandel und Rollenbilder ändern sich fortlaufend. ‚Vater sein‘ heute ist anders als ‚Vater sein‘ früher. Nicht nur die Erwartungen der Väter an ihre Rolle haben sich grundlegend geändert, auch die gesellschaftlichen Erwartungen sind im Wandel und Elternschaft intensiviert sich. Das Leitbild der aktiven Väter verbreitet sich immer stärker.

Auch Corona hat die familiäre Aufgabenteilung verändert und wirkt zugleich wie ein Spiegel und ein Brennglas:

Einerseits hat die Corona-Krise zu einer  Retraditionalisierung der Elternrollen geführt: Mütter übernehmen in der Krise den Großteil der  Betreuungs- und Erziehungsaufgaben. Das  haben sie auch schon vor der Krise getan.

In 20 Prozent der Familien ist die  Aufgabenteilung ungleicher geworden. Mütter bleiben möglicherweise häufiger im  Homeoffice und sind im Unternehmen weniger  sichtbar.

Andererseits hat die Corona-Krise auch Chancen geboten, traditionelle Elternrollen zu überwinden. Die Krise wirkt wie ein Innovationslabor: Schon jetzt ist in 20 Prozent der Familien die Aufgabenteilung  partnerschaftlicher geworden als vor der Pandemie. Gerade Väter mit kleinem Einkommen oder  niedrigem Bildungsstand verbringen mehr Zeit  mit der Kinderbetreuung.

Das Video zu dem Vortrag finden sie hier.

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Die neue Papa-Lese-Liste ist da

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Dezember 2021

Es ist wieder Winter, eine Zeit, sich mit Büchern zu beschäftigen, selber zu lesen oder Kindern oder Erwachsenen vorzulesen. Christian Meyn Schwarze sucht seit 20 Jahren den Vater – und nun auch altersbedingt – den Großvater in der Literatur.

Kinderbücherei Christian Meyn Schwarze wird einen Papa Jungen Vormittag veranstalten mit lesen und Murmelbahn basteln

Einige Bücher macht er ‚lebendig‘ und gestaltet in Büchereien die sogenannte ‚Papa-Zeit‘ – eine Mischung aus einer Lesung und einem kleinen Erlebnis – einer Aktion oder einer Bastelei. Papas und Opas erleben zwei intensive Stunden und dann leihen noch Bücher aus und Papa liest zuhause vor.

Um den richtigen Vorlesestoff für Papas zu finden, verfasst er die Papa-Lese-Liste. Sie enthält lieferbare Titel, in denen ein Vater oder ein Großvater eine wichtige Rolle spielen. Manchmal auch ein anderer Mann, der für die Entwicklung eines Kindes eine bedeutsam ist.

Und damit Väter auch etwas mit ihren Kindern unternehmen, gibt es auch eine Reihe von ‚Beschäftigungsbüchern‘ für diejenigen, die noch Anregungen brauchen.

Damit das ganze jetzt ein bisschen bunter wird, hat er diejenigen Titel, die seit Juni 2021 neu dazu gekommen sind, blau eingefärbt. Und druckfrische Titel des Frühjahrs 2022 sind grün markiert.

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Lockdown als Chance? – Videodokumentation der Fachtagung am 16. November 2021

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. Dezember 2021

„Damit die Corona-Krise nicht zur familiären Krise wird, hilft nur eines: reden, reden, reden.“ Das hat David Hanisch, Agenturchef, Vater von zwei Kindern und Teilnehmer der Paneldiskussion als Resümee geäußert.

Bei der Fachtagung am 16. November ist viel geredet worden. Damit die Teilnehmenden, aber vor allem diejenigen, die nicht dabei sein konnten, noch einmal in Ruhe nachhören können, was die zahlreichen Väter in dem Film ‚Corona#Changes#Families‘ die beiden eingeladenen Expert*innen, Jan Braukmann von der Prognos AG und Anna Buschmeyer vom Deutschen Jugend Institut, geäußert haben, veröffentlichen wir die verschiedenen Beiträge auf unserem Youtube Kanal.

Weitere Stellungnahmen von Vätern und Müttern finden Sie hier.

Die Eröffnungsrunde der Fachtagung: Vorstandsmitglieder der LAG Väterarbeit im Gespräch: Stephan Buttgereit, Jürgen Haas und Hans-Georg Nelles zu den Herausforderungen und Erfahrungen in der Arbeit der letzten 20 Monate

‚Engagement von Vätern – Entwicklungen, Bedeutung und Rahmenbedingungen‘ Jan Braukmann von der Prognos AG. Vortrag von Jan Braukmann bei der Fachtagung ‚Lockdown als Chance? – Weichenstellungen für mehr väterliches Engagement‘ der LAG Väterarbeit in NRW am 16. November 2021

Corona als Brennglas – Herausforderungen und Empfehlungen für Väterliches Engagement. Vortrag von Anna Buschmeyer bei der Fachtagung ‚Lockdown als Chance? – Weichenstellungen für mehr väterliches Engagement‘ der LAG Väterarbeit in NRW am 16. November 2021

Corona Changes Families – … und auf einmal saßen wir zu Hause. Auswirkungen von Corona auf das Familienleben und die Aufgabenteilung zwischen Vätern und Müttern.

Panelgespräch mit den beiden Keynotegeber:innen Jan Braukmann und Anna Buschmeyer sowie David Hanisch, Vater von zwei Kindern, der sich schon vor Corona mit seiner Frau Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich aufgeteilt hat.

Die Highlights der Fachtagung ‚Lockdown als Chance? – Weichenstellungen für mehr väterliches Engagement‘ am 16. November 2021 in 10 Minuten zusammengefasst.

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Warum mehr Väter volle Verantwortung zu Hause übernehmen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 16. November 2021

Einem Bericht von Pew Research aus dem Jahr 2018 zufolge bleiben in den USA mehr Männer zu Hause, um sich um ihre Familien zu kümmern. In der Vergangenheit haben wirtschaftliche Abschwünge Männer aus dem Erwerbsleben gedrängt und sie in die Rolle des Hausmannes gedrängt. „Je nachdem, wie man es misst, waren auf dem Höhepunkt der Großen Rezession vielleicht zwei Millionen Männer Väter, die zu Hause blieben”, sagt Soziologieprofessor Scott Melzer. “Und wenn wir uns heute die Pandemie ansehen, haben wir eine weitere wirtschaftliche Katastrophe.”

Aber auch die Veränderungen bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und der Aufstieg von Frauen im Bildungswesen haben die Geschlechterrollen nachhaltig beeinflusst. Im Jahr 2020 stellten Frauen zum ersten Mal mehr als die Hälfte der US-Arbeitskräfte. „Junge Frauen überholen jetzt die jungen Männer bei den Hochschulabschlüssen und vielen Graduiertenabschlüssen”, sagt Kim Parker, Direktorin der Abteilung für soziale Trends am Pew Research Center.

Fünf Väter erzählen CNBC Make It, warum sie sich berufen fühlten, einen der anspruchsvollsten Jobs der Welt zu übernehmen.

Quelle

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Erziehungskompetenzen stärken

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. November 2021

Eine Fortbildung zum Trainer von Vater-Kind-Angeboten in 7 Modulen

Zunehmend mehr Väter wollen als aktive und präsente Väter Erziehungsverantwortung wahrnehmen. Neben der Aufgabe, zum Unterhalt der Familie beizutragen, gewinnt die soziale Dimension der Vaterrolle an Bedeutung.

Diese „sanfte Revolution im Vaterschaftskonzept“ hat Folgen. Väter suchen heute nach Spiel- und Gestaltungsräumen um ihre Vaterrolle qualifiziert auszufüllen, sie wollen den Austausch mit anderen Vätern und praktische Anregungen für die Beziehungsgestaltung mit ihrem Kind. Um diese Entwicklung zu unterstützen, suchen Einrichtungen wie Familienzentren und die Familienbildung dringend qualifizierte Trainer und pädagogische Mitarbeiter. Sie sollen in der Lage sein, differenzierte und begleitende Angebote für Väter zu entwickeln und anzuleiten.

Wir suchen Männer, die sich für diese Aufgabe qualifizieren lassen.

Die Fortbildung besteht aus 7 Modulen mit insgesamt 120 Unterrichtseinheiten. Sie sind nur als Einheit zu belegen und bauen aufeinander auf. Die Module von unterschiedlicher Länge umfassen ein- und mehrtägige Blockseminare und Hospitationen sowie die Teilnahme an einem Vater-Kind-Wochenende. Hinzu kommt eine schriftliche Abschlussarbeit zu einem fortbildungsbezogenen Thema aus dem Arbeitsbereich.

20.2.2022 FORTBILDUNGS-MODUL 1 Einführungsworkshop

  • Konzeption der Fortbildung
  • Die Idee der Vater-Kind-Angebote als konzeptioneller Bestandteil der Elternarbeit und der Arbeit mit Männern
  • Väter und Kinder als Zielgruppe

28.4. – 1.5.2022 FORTBILDUNGS-MODUL 2

  • Mein Bild vom Vatersein
  • Männer- und Väterforschung
  • Familie als System
  • Familienbildung als Grundlage der Arbeit/Ziele und Vorgaben
  • Planungs- und Organisationsmanagement für Vater-Kind-Angebote
  • Kreative Methoden der Vater-Kind-Arbeit
  • Gestaltung von Väterrunden (Themen, Methoden u.s.w)
  • Aufsichtspflicht und weitere rechtliche Aspekte

FORTBILDUNGS-MODUL 3 Praxisseminar

Mitarbeit bei einem Vater-Kind-Wochenende

23.9. – 25.9. 2022 FORTBILDUNGS-MODUL 4

  • Auswertung der Hospitationserfahrung
  • Leitungsverhalten in Bildungsprozessen
  • Gruppendynamische Aspekte bei der Arbeit mit Vätern und Kindern
  • Kommunikations- und Informationsstrukturen bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen
  • Input zum Thema „Gesprächsführung/ Konfliktmanagement“
  • Vorbereitung von Modul 6 (Themenfindung)

15.11.2022 FORTBILDUNGS-MODUL 5

Abendforum zu einem aktuellen Väterthema

FORTBILDUNGS-MODUL 6

Schriftliche Auseinandersetzung mit einem fachspezifischen Thema (Hausarbeit)

16.12. – 18.12.2022 FORTBILDUNGS-MODUL 7

  • Inhaltliche Vorstellung und Präsentation der Hausarbeit
  • thematische Auseinandersetzung mit den aufgegriffenen vorgestellten Themen
  • Zertifikatsübergabe

Das Abschluss Zertifikat wird in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Hochschule RWL, Bochum vergeben.

LEITUNG & ANSPRECHPARTNER
Jürgen Haas
Koordinator der Vater-Kind-Agentur Koordinator Vater-Kind-Bildung in Westfalen
Institut für Kirche & Gesellschaft
Iserlohner Straße 25
58239 Schwerte
j.haas@kircheundgesellschaft.de

Anmeldung
Eine Anmeldemöglichkeit finden Sie hier oder auch hier  MANN_Termine_Anmeldung_2022_RZ

Quelle

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Väter-Boom bei Kinderkrankentagen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 28. Oktober 2021

In diesem Jahr haben sich bundesweit so viele berufstätige Väter für ihren Nachwuchs freigenommen wie noch nie: Wie aktuelle Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigen, waren es in den ersten sechs Monaten 2021 zu rund 25 Prozent die Männer, die Kinderkrankentage beanspruchten.

Dass die Papas zunehmend intensiver bei der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder mitmischen, ist auch der Corona-Krise geschuldet. Mehr als die Hälfte ihrer Kinderkrankentage mussten KKH-versicherte Väter aufgrund der Pandemie in Anspruch nehmen. Seit Anfang des Jahres ist dies möglich, auch wenn der Nachwuchs nicht krank ist, aber dennoch zu Hause betreut werden muss. Dies war in den vergangenen Monaten beispielsweise bei Corona-bedingten Kita- und Schulschließungen der Fall. Aber auch schon zu Beginn der Krise und in den Jahren zuvor war der Anteil der berufstätigen Männer, die sich für ihren kranken Nachwuchs freinahmen, stetig gestiegen. So lag die Quote im ersten Halbjahr 2020 bereits bei etwas mehr als 22 Prozent. 2019 vor der Pandemie blieben gut 21 Prozent der Familienväter für ihren Nachwuchs zu Hause, 2009 waren es gerade einmal rund 13 Prozent.

Spitzenreiter sind aktuell die Väter aus Hamburg mit einem Anteil von knapp 33 Prozent. Sie lösen die Papas aus Sachsen ab, die derzeit auf dem zweiten Platz rangieren (30,5 Prozent). Es folgen die Väter aus Niedersachsen mit rund 29 Prozent. Sie waren sonst häufig im Mittelfeld zu finden. Auf dem letzten Platz liegen im ersten Halbjahr 2021 die Väter aus Bayern mit knapp 21 Prozent.

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Papa kann das am besten, was ihm vor der Geburt an Kompetenzen zugeschrieben wird

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 19. August 2021

Partnerschaftliche Aufgabenteilung geht nur gemeinsam, das ist ebenso selbstverständlich wie der blaue Himmel bei Sonnenschein. Trotz dieser Erkenntnis und entgegen dem Wunsch der überwiegenden Zahl junger Väter und Mütter wirken traditionelle Rollenmuster nach wie vor mächtig.

‚Don’t fix the WoMen‘ heißt es zurecht. Individuelles Wollen ist notwendig, strukturelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Diskurse aber nach wie vor prägend. Vor diesem Hintergrund ist es bedeutsam, Wirkungen und Mechanismen von dem, was Vätern und Müttern an Erwartungen zugeschrieben wird und sich nicht nur in deren Haltungen und Überzeugungen, sondern vor allem im familiären Handeln widerspiegelt, nicht zu verleugnen und nach dem Motto ‚das nicht sein kann was nicht sein kann‘ aus der Welt zu schaffen. Der Elefant, und in diesem Fall das Phänomen des ‚maternal Gatekeeping‘ ist virulent.

Der Begriff ist erstmals 1989 in der Dissertation „Toward a reconceptualization of paternal involvement in infancy: The role of maternal gatekeeping” von Ashley Howard Beitel beschrieben worden. Inzwischen verzeichnet Google Scholar gut 3.000 wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema.

Nicht nur vor diesem Hintergrund halte ich es für abwegig, dass aus dem Spiegel Schwerpunkt dieser Woche ‚Papa kann das schon alleine‘ eine Bühne des Geschlechterkampfs konstruiert wird. Worum geht es in dem Beitrag ‚Papa von Mamas Gnaden – Worunter moderne Väter leiden‘?

Die Überschrift spitzt sicherlich thematisch zu, in dem Text wird das Anliegen aber als Erleben und Empfinden von konkreten Vätern bzw. Expert:innen und Praktker:innen wie Marc Schulte vom Papaladen in Berlin oder Simon Bohn von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, dargestellt und wiedergegeben.

Und dann kommen im letzten Drittel des Beitrags folgende verallgemeinernde Aussagen: „Und wie es so ist mit der Mehrheitsdynamik: Mütter rühmen sich großer Weisheit, wenn es um ihre Domäne geht. Sie halten es nicht aus, wenn der Vater dem Kleinkind den gestreiften Pulli zur karierten Hose anzieht. Sie runzeln die Stirn, wenn er vom Einkaufen eine andere Windelmarke mitbringt als sie. Stellen Väter ihren Kindern Fragen, antworten gern stellvertretend die Mütter.

Die Mutterliebe? Für Väter eine fürsorgliche Belagerung, eine Festung. Im Vaterland sprechen alle die Muttersprache. »Maternal Gatekeeping« heißt das Stichwort, das viele Frauen als Kampfbegriff empfinden. Sie begegnen der neuen Väterlichkeit auch deshalb mit Misstrauen, weil sie über Jahrhunderte die Erfahrung gemacht haben, dass im Zweifelsfall doch wieder vieles an ihnen hängen bleibt. Warum also, fragen sie sich, wollen Männer jetzt eigentlich gefeiert werden für etwas, was Mütter schon immer getan haben?“

‚Maternal Gatekeeping‘ wird losgelöst von inhaltlichen Bedeutungen als ‚Kampfbegriff‘ eingeführt und es wird ignoriert, dass er ein wissenschaftlich sehr umfangreich untersuchtes psychologisches Phänomen beschreibt, das sich nicht für einfache Schuldzuweisungen eignet.

Aber es gibt immer Menschen, die über das angebotene Stöckchen springen und sich in den sozialen Medien wider besseres Wissen selbst wiederholen. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion beim Väterkongress Anfang 2017 in Bielefeld. Dort hatte Frau Prof*in Lieselotte Ahnert in ihrem Vortrag ‚Wieviel Mutter braucht ein Kind? … und kommt es überhaupt auf den Vater an‘ auch zum ‚Maternal Gatekeeping‘ umfangreich Stellung bezogen. Die Postings auf Twitter und anderen Kanälen wiederholen teilweise dieselben, dort widerlegten Behauptungen.

So kommen wir nicht weiter. Birk Grüling entwirft in einem Beitrag für Men’s Health Dad eine Vision, wie es gelingen könnte: „Richtiger wäre es, wenn wir uns gegenseitig aus dem Teufelskreis helfen und an einem Strang ziehen. Ohne Misstrauen, ohne Zwietracht, dafür gemeinsam. Dann hätten wir vielleicht eine so mächtige Lobby wie die Automobilbranche, einen so starken Zusammenhalt wie Bundesligavereine. Bildungs- und Familienpolitik hätten plötzlich oberste Priorität. Kinderbetreuung und Hausarbeit würden höchste gesellschaftliche Anerkennung genieße. Zeit für die Familie einzufordern, wäre kein Grund für berufliche Diskriminierung und Vereinbarkeit kein Problem mehr.“

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Väter im Lockdown – die nicht erzählte Geschichte

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. Mai 2021

Das ‚Fatherhood Institute‘ stellt heute seine Studie „Lockdown Fathers, the untold story“ vor. Die Studie ist die erste, die detailliert aufzeigt, wie Großbritanniens Väter den Lockdown im Frühjahr 2020 erlebten: was sie taten, wie sie sich fühlten und welche Auswirkungen das auf ihre Kinder hatte.

Einigen ging es natürlich besser als anderen. Sie können alle Details in den Berichten auf der Website nachlesen. Aber in Kurzform ist die Geschichte so.

Väter:

  • verbrachten mehr Zeit mit ihren Kindern
  • bauten stärkere Beziehungen zu ihnen auf
  • halfen bei Hausunterricht und Hausaufgaben
  • wurden besser in der Kindererziehung
  • gewannen an Selbstvertrauen
  • haben mehr Einsicht in die Rolle ihrer Partner bei der Kinderbetreuung gewonnen
  • erledigten mehr Hausarbeit.

Die große Frage lautet also: Wie gehen die Geschichten weiter?

Quelle

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Eltern als Team – Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. Mai 2021

Das ist der Titel des ‚konstruktiven Buches‘ von Birk Grüling, Jahrgang 1985 und selbst Vater eines Sohnes. Konstruktiv in dem Sinne, dass er Vereinbarkeit für möglich hält und sich vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen selbstkritisch mit den Möglichkeiten und Hindernissen auseinandersetzt. Diese subjektive Perspektive wird ergänzt durch die Perspektive von 16 Praktiker:innen, Coaches, Therapeut:innen, Trainer:innen und Personalverantwortlichen sowie zahlreichen Vätern und Müttern, die ihr Ringen um eine gemeinsame Lösung beschreiben.

„Eltern als Team“, das ist die Übersetzung des seit langem geäußerten Wunschs junger Mütter und Väter nach einer partnerschaftlichen Aufteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Familien- bzw. Care-Arbeit. Vereinbarkeit geht nur gemeinsam, wenn überhaupt.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich ebenfalls Journalist:innen, Marc Brost und Heinrich Wefing mit „Geht alles gar nicht“ und Susanne Garsoffky und Britta Sembach mit „Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ ganz anders positioniert haben.

Aber auch Grüling macht an dieser Stelle keine falschen Versprechungen. Vereinbarkeit ist kein Sprint, den Mann oder Frau mal eben abläuft, sondern ein Marathon, der den permanenten Austausch zwischen Vater und Mutter erfordert. Und damit beginnen die werdenden Eltern am besten vor der Geburt.

Damit meint der Autor nicht nur die ‚Geburtsvorbereitung und den „Nestbau“, er skizziert quasi als Vorbereitung auf die Vereinbarkeit für eine gemeinsame ‚Familienvision‘ die natürlich voraussetzt, dass auch der werdende Vater eine Vorstellung davon entwickelt, welcher Vater er sein möchte. Wie dieser Visionsentwicklungsprozess aussehen kann, beschreibt er sehr anschaulich. „Die erste Frage für dich wäre also: Welches Bild von mir als Vater … habe ich selbst?“ und dabei geht es natürlich auch um die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen mit dem eigenen Vater bzw. der eigenen Mutter.

Die Hinweise und Fragestellungen die Grüling an dieser, aber auch an vielen anderen Stellen formuliert, sind ein passendes Angebot und verleiten wirklich dazu, sich auf die entsprechenden Situationen und Herausforderungen einzulassen und im Anschluss daran, das Gespräch mit der Partnerin zu suchen.

Apropos Partnerschaft, dass es nicht nur um eine möglichst optimale und gleichberechtigte Aufgabenteilung geht, sondern um die Pflege einer Beziehung und die Selbstsorge, macht er in einem eigenen Abschnitt deutlich. Wie wichtig dies ist, macht das Zitat zu Beginn dieses Abschnitts deutlich, dass Jeder und Jede kennt, die schon einmal geflogen ist: „Im unwahrscheinlichsten Fall eines Druckverlusts falle automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke … Atmen Sie normal weiter. Helfen Sie danach Kindern und hilfsbedürftigen Menschen.“ Nur in dieser Reihenfolge gelingen Beziehungen, Vereinbarkeit und Erziehung von Kindern.

Weitere Themen sind Elternzeit, Bedeutung und Auswahl von Kinderbetreuungseinrichtungen und die Routine, die sich irgendwann einstellt. Grüling spricht in diesem Zusammenhang auch von den „Drei Säulen der Vereinbarkeit“ und macht deutlich, dass sich zwar jedes werdende und gewordene Elternpaar für ihren Weg entscheidet, dass die Gestaltung der Rahmenbedingungen keineswegs nur Privatsache ist.

Diese eröffnen Möglichkeiten oder engen sie ein. Das fängt bei Regelungen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht an, geht über die Kinderbetreuung und hört bei Regelungen zur Arbeitszeit noch lange nicht auf. Die „30 Stunden Woche“ taucht an vielen Stellen als Option auf und es wird deutlich, dass diese in der Lebensphase mit kleinen Kindern, der Weg sein kann, „Mental- und Financial Load“ gerecht zu verteilen und Väter und Mütter in die Lage zu versetzen, als Team zu agieren.

„Noch nie standen die Chancen besser, mit alten Werten zu brechen, der Last des alleinigen Ernährers zu entfliehen und die eigene Vaterrolle neu und anders zu gestalten.“ Lautet eine der Kernaussagen des Buchs, dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Familien in den vergangenen 14 Monaten gemacht haben. Der Ratgeber von Birk Grüling ist bestens dazu geeignet, die richtigen Lehren aus dieser Zeit zu ziehen und sich als werdende oder gewordene Väter und Mütter mit der eigenen Zukunft als Eltern und Paar auseinanderzusetzen.

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