der VÄTER Blog

lebe deinen Traum!

Archiv für die 'aktive Vaterschaft' Kategorie

Wann kommt die Vaterschaftsfreistellung?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 20. Juni 2022

Offener Brief an Lisa Paus macht Anliegen von Vätern deutlich

Auf Initiative des Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer & Väter e.V. fordern insgesamt 19 Organisationen aus der gleichstellungsorientierten Männer- und Väterarbeit Bundesfamilienministerin Lisa Paus in einem offenen Brief dazu auf, bei Vereinbarkeitsfragen Väter offensiver in den Blick zu nehmen und eine zweiwöchige Vaterschaftsfreistellung mit Lohnausgleich noch in diesem Jahr einzuführen.

In ihrem Koalitionsvertrag »Mehr Fortschritt wagen« einigten sich SPD, Grüne und FDP im vergangenen Jahr unter anderem darauf, Eltern dabei zu unterstützen, Erwerbs- und Sorgearbeit partnerschaftlicher aufteilen zu können. Ein zentrales Vorhaben in dieser Hinsicht ist die zweiwöchige vergütete Freistellung für Partner:innen nach der Geburt.

Genau eine solche Leistung ist als Vaterschaftsfreistellung (§4 paternity leave) bereits in der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie verankert. Die Richtlinie definiert Mindeststandards zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für alle Mitgliedsstaaten der EU. Sie muss bis August 2022 in nationales Recht umgesetzt werden. Die Erwartung aus der Zivilgesellschaft war insofern, dass die vergütete Freistellung nach Geburt als erste große Maßnahme für mehr Partnerschaftlichkeit nun im Sommer kommt.

Jetzt aber verweist die Bundesregierung darauf, die Vaterschaftsfreistellung aufgrund der in Deutschland geltenden umfassenderen Regelungen bei Elterngeld und Elternzeit nicht im Rahmen der Umsetzung der Richtlinie einführen zu müssen. Geplant sei demgegenüber, die im Koalitionsvertrag verabredete „zweiwöchige vergütete Freistellung für die Partnerin oder den Partner nach der Geburt eines Kindes“ in einem eigenen Gesetzgebungsverfahren auf den Weg zu bringen – immerhin angestrebt noch für das Jahr 2022.

Ein hartes Datum zur Einführung dieser wichtigen familien- und gleichstellungspolitischen Leistung ist damit vom Tisch. Auch ist nun politisch erst mal offen, wie diese Leistung konkret ausgestaltet sein wird. Und im Gegensatz zur EU-Vereinbarkeitsrichtlinie, wird Vaterschaft im Wortlaut der Leistung nicht mehr explizit in den Fokus genommen. Dabei wäre aus unserer Sicht gerade dies notwendig, um die gleichstellungspolitische Bedeutung von Vätern hervorzuheben. Viele Väter wollen heute mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und sich partnerschaftlich einbringen. Sie sind ein selbstverständlicher Teil der Familie und von Anfang an wichtig. Daher müssen Väter bei politischen Maßnahmen, die sie betreffen, auch deutlich als Zielgruppe adressiert werden.

Gemeinsam mit allen am offenen Brief Beteiligten fordert die LAG Väterarbeit NRW die Bundesfamilienministerin deshalb auf, den Koalitionsvertag ernst zu nehmen und durch die schnelle Einführung der Vaterschaftsfreistellung eine partnerschaftliche und gleichstellungsorientierte Familienpolitik zu stärken. Dazu sind in dem Offenen Brief Eckpunkte zur Ausgestaltung formuliert.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Vater werden | Keine Kommentare »

16 Jahre Vaeter.NRW

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Juni 2022

Interview mit Andreas Haase und Alexander Bentheim

Lieber Andreas, du hast gemeinsam mit Alexander Bentheim das Portal vaeter-nrw.de aufgebaut. Kannst du dich noch daran erinnern, wie Ihr an den Auftrag gekommen seid?

Andreas Haase Ja. Es gab einen Fachtag im Jahr 2005 zum Thema Väterarbeit in NRW auf der Basis der Untersuchungen von Martin Verlinden. Diesen hatten wir als männerwege GbR für das Ministerium konzipiert und organisiert. Er war in der Vernetzung der Akteure in der Väterarbeit so erfolgreich, dass das Ministerium danach an diesem Thema weiterarbeiten wollte. In einem Brainstorming-Workshop im Spätsommer 2005 mit uns und Martin Verlinden entstand dann die Idee eines Portals, auf dem alle wichtigen Informationen und Anregungen für Väter und Fachpersonal gebündelt werden sollten.

Alexander Bentheim … neben Martin Verlinden war zeitweilig noch Robert Richter dabei, um Optionen für eine arbeitsteilige Umsetzung zu beraten. Die Freischaltung des Portals fand dann am 12. Mai 2006 in Anwesenheit von Armin Laschet, damals NRW-Familienminister, statt.

Welche Erwartungen hat das Familienministerium mit dem Väter-Portal verknüpft?

AH Das Ministerium wollte damals vor allem (jungen) Väter Hilfestellungen geben, ihre Vaterrolle im Sinne einer zugewandten Erziehung auszuüben. Eine weitere Erwartung war sicherlich, dass durch die Bündelung aller Aktiven im Bereich Väterarbeit in NRW, dieses Thema hoch professionell nach außen getragen werden konnte.

Was waren eure persönlichen Ziele beim Aufbau und der Betreuung der Webseite?

AH Meine Ziele bestanden darin, sowohl für die Väter als auch für das Fachpersonal die bestmöglichsten Informationen bereitzustellen, um einerseits die Väter zu motivieren, ihre Vaterrolle anzunehmen und so auszugestalten, dass es dem Kind, ihnen selber und der Familie zu Gute kommt. Zum anderen sollte das Fachpersonal im Bereich Väterarbeit angeregt werden, durch neue Ideen ihren Arbeitsbereich weiterzuentwickeln und sich selber zu reflektieren.

AB Ich fand es spannend, jahrelange Erfahrungen vieler in der Väterarbeit Engagierter in einem ministeriellen Vorhaben konzentriert bündeln und zugänglich machen zu können – exemplarisch in dieser offiziellen Form erstmals und mit Reichweite auch über NRW hinaus. Mein persönliches Ziel war, die Auftraggeber*innen von der Notwendigkeit einer Ermutigung von Vätern für ihre Belange, und natürlich auch der Sichtbarmachung ihrer verschiedenen Lebenslagen, zu überzeugen. Dass wir neben der Zielgruppe Väter parallel auch Fachkräfte und Multiplikator*innen mit entsprechenden eigenen Inhalten direkt erreichen konnten, fand ich folgerichtig und in der hier mit dem Ministerium gemeinsam geteilten Wahrnehmung sehr angenehm.

Rückblickend betrachtet, hat das Projekt die Wirkungen erzielt, die erreicht werden sollten?

AH Ich kann nur für die Jahre 2006 bis 2009 dazu etwas sagen, da wir das Väterportal nur bis 2009 gepflegt haben. In dieser Zeit entstand aus meiner Sicht eine gute Vernetzung der Väterarbeit in NRW sowie viele Idee in der Väterarbeit, um Väter mit ihren Anliegen zu unterstützen. Zudem konnten wir m.E. viele Väter durch das Väterportal erreichen, um ihnen auf diesem Wege viele Anregungen und wichtige Informationen rund um ihre Vaterschaft zu vermitteln.

AB … aus meiner Sicht wären fundiertere Wirkungsanalysen in den Zielgruppen wünschenswert gewesen, weil »gefühlte» Erkenntnisse oder rein statistische Daten zur Nutzungsfrequenz des Portals allein nicht ausreichen, um die Frage valide beantworten zu können.

Wie müsste eurer Meinung nach heute, im ‚Social-Media‘ Zeitalter, ein Portal aussehen, dass Väter anspricht und begleitet?

AB Es müssten sicher mehr Apps und Tools für Smartphones zum Einsatz kommen, um die zu verbreitenden Informationen schneller, prägnanter, übersichtlicher zur Verfügung stellen. Auch Bildmarken und andere kommunikative Elemente spielen heute eine größere Rolle als vor 16 Jahren. Ich denke, dass Väter einen guten Mix aus praktischer Information und auch unmittelbarer Interaktion schätzen würden.

AH Da kann ich leider nicht viel zu sagen, da ich derzeit die Bedürfnisse der Väter, wie eine Informationsaufbereitung aussehen sollte und ihren Umgang mit ‚Social-Media‘ nicht ausreichend genug kenne.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Visionen | Keine Kommentare »

#VaterschaftistMEHR

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 26. Mai 2022

auch in diesem Jahr sind mehr als 25 Väter der Einladung von Heiner Fischer gefolgt und haben zum Vatertag in einem kurzen Videostatement erzählt, was Vaterschaft für sie bedeutet und haben sich so als Väter in Verantwortung sichtbar gemacht.

Väter wollen mehr Verantwortung übernehmen

Das sieht selbst das Arbeitgeber*innen nahe Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft: In einem Beitrag zum Vatertag ist zu lesen: „Die meisten Väter wünschen sich eine gleiche Aufgabenteilung bei der Kindererziehung:
Die positiven Entwicklungen beim Elterngeld weisen darauf hin, dass sie es ernst meinen. … War Kindererziehung lange Zeit fast ausschließlich Frauensache, wollen sich die Väter heutzutage mehr engagieren. 55 Prozent der Männer mit Kindern unter zehn Jahren wollen die Hälfte der Betreuung übernehmen, 23 Prozent sogar den größeren Anteil.
Dass es den Vätern mit der Kinderbetreuung ernst ist, zeigt sich beim Elterngeld: Nutzten dies bei den im Jahr 2008 geborenen Kindern knapp 21,2 Prozent, waren es bei 2018 geborenen Kindern mit 42,1 Prozent bereits nahezu doppelt so viele. Ein weiterer Anstieg zeichnet sich ab. Allerdings nehmen die meisten Väter bisher lediglich die zwei vorgesehen ‚Partnermonate‘ in Anspruch.“

Das ist nicht nur in Deutschland so, auch in Island, wo seit langem die Regelung 3 Monate für die Mütter, 3 für die Väter und 3 zur freien Verfügung gilt und mehr als 90 % der Väter Elternzeit nehmen, sind es die für sie ‚vorgesehenen‘ drei Monate.

Da liegt es doch auf der Hand, die Zahl der für Väter reservierten Monate heraufzusetzen und am besten eine paritätische Aufteilung: je sieben Monate für Väter und Mütter einzuführen.

Der Lackmustest dafür, wie die Arbeitgeber*innen tatsächlich zu mehr väterlichem Engagement von Anfang an stehen, ist ihre Haltung zur 14tägigen ‚Vaterschaftsfreistellung‘ unmittelbar nach der Geburt. Die ersten Reaktionen auf die Ankündigung der ehemaligen Familienministerin Anne Spiegel, dieses Vorhaben schnell umzusetzen, ergab eine falsche Färbung.

In dem üblichen Abwehrreflex ließen sie verlauten, die bisherigen tariflichen Regelungen, d.h. eine Freistellung an einem Tag, reiche vollkommen aus.

Die Kampagne #VaterschaftIstMehr wird auch an dieser Stelle ‚dran bleiben‘.

#Vatertag2022 #VaterschaftIstMehr #NeueVäter #Familie #Vereinbarkeit #Vaeter #vaeterarbeitnrw

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Visionen | Keine Kommentare »

Vaterschaftsfreistellung jetzt einführen!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Mai 2022

Petition noch bis zum 19. Juni unterzeichnen

Vor drei Jahren wurde die EU-Vereinbarkeitsrichtlinie beschlossen, um in der Europäischen Union notwendige Mindeststandards zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben herzustellen und die Rahmenbedingungen für eine partnerschaftliche Aufteilung von Haus-, Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern zu verbessern.

Bis August 2022 muss die Vereinbarkeitsrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Ein zentraler Bestandteil der Richtlinie ist die Einführung einer Vaterschaftsfreistellung. Eine solche Leistung gibt es in dieser Form in Deutschland bisher nicht, anders als in anderen EU-Mitgliedsstaaten.

Das Bundesfamilienministerium hat Ende April einen Referent*innenentwurf für ein Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie vorgelegt. Die Vaterschaftsfreistellung wird darin mit keinem Wort erwähnt, obwohl die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt hat, „eine zweiwöchige vergütete Freistellung für die Partnerin oder den Partner nach der Geburt eines Kindes ein[zu]führen.“

Die LAG Väterarbeit NRW, die sich von Anfang an für die Umsetzung der Richtlinie eingesetzt hat ist darüber sehr irritiert und fordern die Bundesregierung auf, zeitnah zu klären und öffentlich bekannt zu machen, wann und in welcher Form eine vergütete Freistellung für Väter (und andere zweite Elternteile) nach der Geburt gesetzlich eingeführt werden soll. Die Gleichstellung der Geschlechter geht nur gemeinsam und wird nur dann nachhaltig gelingen, wenn auch Jungen, Männer und Väter dabei stärker als bisher in den Blick genommen werden.

Anlässlich des »Vatertags« am 26. Mai möchten wir daran erinnern. Jetzt ist es an der Ampelkoalition zu zeigen, dass sie es beim Thema Gleichstellung ernst meint und auch Männer für das Thema gewinnen will.

Bis zur Vorlage des Gesetzentwurfs schien die Vaterschaftsfreistellung politisch ein Selbstläufer zu sein. Die vormalige Familienministerin Anne Spiegel kündigte sie im vergangenen Dezember als wichtiges Vorhaben an. Nun schweigt allerdings der Referent*innenentwurf der Bundesregierung ausgerechnet zur Vaterschaftsfreistellung. Diese ist wichtig, um einen klaren rechtlichen Rahmen auch gegenüber Arbeitgeber*innen zu schaffen, damit Väter sich in dieser wichtigen ersten Phase voll und ganz auf ihre Kinder und die Unterstützung ihrer Partnerinnen konzentrieren können.

In einem offenen Brief an Bundesfamilienministerin Lisa Paus vom 20. Mai 2022 fordert Holger Strenz vom Projekt »Papaseiten.de« des Väterzentrum Dresden die Einführung der Vaterschaftsfreistellung nicht weiter hinauszuzögern. Vor einem Jahr hat Papaseiten.de eine Petition zur Vaterschaftsfreistellung initiiert, die auch von der LAG-Väterarbeit NRW unterstützt wird und die noch bis zum Internationalen Vatertag am 19. Juni 2022 mitgezeichnet und geteilt werden kann.

Bislang sind mehr als 9.000 Unterschriften zusammengekommen. Gemeinsam können wir bis zum Internationalen Vatertag ein deutliches Zeichen setzen. Dafür benötigen wir gerade jetzt Eure und Ihre Unterstützung!

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Elternzeit, Politik, Vater werden | Keine Kommentare »

Der Anteil der männlichen Teilnehmer an Angeboten der Familienbildung hat sich seit 2006 kaum verändert

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Mai 2022

„Beim differenzierten Blick auf die Einrichtungsarten wird deutlich, dass Väter 2019 am häufigsten Angebote in Beratungseinrichtungen in Anspruch nahmen, am seltensten in Einrichtungen der Eltern- und Familienbildung. Gerade mit Blick auf die Einrichtungen der Eltern- und Familienbildung deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich der Anteil der männlichen Teilnehmer im Verhältnis zur Bestandsaufnahme von 2006 kaum verändert hat.“

Prognos AG Familienbildung und Familienberatung in Deutschland eine Bestandsaufnahme

Die LAG Väterarbeit hat im Vorfeld der Landtagswahl am 15 Mai fünf konkrete väterpolitische Forderungen aufgestellt und die im Landtag vertretenen Parteien darum gebeten darzulegen, inwieweit eine Stimme für Ihre Partei zu einer Umsetzung in den kommenden 5 Jahren beitragen wird.

Die zweite Forderung lautet:

„Einrichtung eines Bildungsbudgets im Rahmen des Weiterbildungsgesetzes (§17 WbG) um neue Zugänge, offene Angebote, aufsuchender Bildung für die bislang kaum erreichte Zielgruppe der Väter zu entwickeln und durchzuführen. Dadurch wird auch die regionale Vernetzung und sozialräumliche Ausrichtung der Angebote gewährleistet.“

Die CDU hat dazu geantwortet:

Durch die Reform des Weiterbildungsgesetzes haben wir die nordrhein-westfälische Spitzenstellung bei der gemeinwohlorientierten Weiterbildung in den vergangenen fünf Jahren ausgebaut, die Grundförderung verlässlicher gestaltet und innovative neue Förderinstrumente geschaffen. Diese Dynamisierung der Landesförderung im Bereich der Weiterbildung werden wir fortschreiben, um bedarfsorientierte Fördermöglichkeiten zu gewähren. Auch weiterhin wollen wir die starke Weiterbildungslandschaft mit über 450 Volkshochschulen und freien Weiterbildungseinrichtungen, die mehr als 1,5 Millionen Menschen in unserem Land jährlich besuchen, stärken.

Die FDP hat dazu geantwortet:

Lebenslange Weiterbildung hat für uns in einer Welt im Wandel eine zentrale Bedeutung. Deswegen haben wir in dieser Legislatur das Weiterbildungsgesetz novelliert und die gemeinwohlorientierte Weiterbildung zukunftsfähig aufgestellt. Insgesamt wollen wir bessere Voraussetzungen für die Vereinbarung von Weiterbildung und Familie schaffen, da speziell Familienarbeit und insbesondere die Betreuung und Erziehung von Kindern eine wichtige Phase der Persönlichkeitsentwicklung ist. Verantwortung für Kinder und Familie zu übernehmen, stärkt auch die Bereitschaft und Fähigkeit im beruflichen Kontext Führungsrollen einzunehmen. Daher steigern familienfreundliche Weiterbildungen die Karrierechancen von Menschen, die auch zu Hause Verantwortung übernehmen. Aus-, Fort- und Weiterbildung bleiben das ganze Leben Grundlage für sozialen Aufstieg und beruflichen Erfolg. Die Entscheidung für Weiterbildung darf nicht finanziell erschwert werden. Wir unterstützen deswegen die umfassenden Vorhaben der neuen Bundesregierung in diesem Bereich, vor allem die Schaffung ganz neuer Gamechanger-Instrumente wie das Lebenschancen-Bafög.

Die Grünen haben dazu geantwortet:

Auf Initiative der Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen wurde das Weiterbildungsgesetz in diesem Jahr novelliert. Insbesondere war das Anliegen, neue Formate zu fördern und bislang wenig erreichte Zielgruppen in den Fokus zu nehmen. Deshalb gibt es nun Innovationsfonds und Entwicklungspauschalen für die Einrichtungen. Spezielle Bildungsbudgets für bestimmte Zielgruppen sind nicht vorgesehen. Die Erfahrung zeigt, dass es zielführender ist, die Einrichtungen entscheiden zu lassen, wie sie auf welche Zielgruppe zugehen.

Die SPD hat dazu geantwortet:

Sozialräumliche Arbeit ist ein Kernpunkt der NRWSPD und unserer Kinder- und Familienpolitik, wir wollen flächendeckend Familienbüros in den Quartieren etablieren, die die Angebote der Familienbildung, der Jugendhilfe und der Familienberatung bündeln. Die alle Angebote im Stadtteil bewerben und so auch Initiativen für Väter bewerben. In Kooperation mit den Familienzentren in Kitas und Grundschulen wollen wir die Elternarbeit stärken und hier auch besonders auf spezifische Angebote für Elternteile stärken, eben auch besonders für Väter.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Bildung | Keine Kommentare »

Mit einem falschen Satz kann man vieles kaputtmachen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. April 2022

Das Projekt ‚Echte Väter‘ in Herne.

Das Angebot

… richtet sich an Väter mit und ohne Migrationshintergrund, deren Kinder die Grundschule besuchen. Der Kontakt wird über die Schulen vermittelt. Die angeleiteten Gesprächsrunden sollen den Vätern ein Forum bieten, wo sie sich mit ihren Fragen, Problemen, aber auch Anregungen und Vorschlägen austauschen können. Die Gruppen sind offen: Die teilnehmenden Väter können pausieren, aussetzen, wiederkommen.
Die Vätergruppentermine werden ergänzt durch gemeinsame Freizeitaktivitäten mit den Kindern wie Museumsbesuche, Picknicke oder Sportturniere. Alle vier Wochen findet zudem an einem Wochenende ein Aktionstag statt.

In den angeleiteten Gesprächsrunden geht es zunächst um die klassischen Schul- und Erziehungs- und Familienthemen, darüber hinaus ist immer auch Platz für Alltagsthemen wie Miet- oder Kündigungsrecht, aber auch für Fragen zu Ernährung und Gesundheit. Besteht der Bedarf, werden Experten eingeladen: etwa ein Arzt oder Psychologe erklärt, was es mit der Diagnose ADHS auf sich hat, ein Jurist erläutert die Grundregeln des deutschen Familienrechtes oder ein Konflikttrainer vermittelt, wie man sich bei Konflikten gewaltfrei dennoch durchsetzen kann.
Gegebenenfalls werden die Väter bei Ämter-Terminen begleitet. Wenn Väter der besonderen Beratung bedürfen, werden mit ihnen Einzeltermine verabredet. Möglich ist es auch, dass bei Problemen, die die ganze Familie betreffen und wo Lösungen mit allen gesucht werden sollten, die Familie hinzukommt und an der Beratung teilnimmt.
Die Gruppen werden angeleitet von zweisprachigen Teamern, die in den Schulen hauptberuflich als Sprachlehrer arbeiten. Vertreten sind so als Sprachen Türkisch, Polnisch, Russisch und Arabisch.
Die Abende finden nach Absprache wöchentlich bis zwei-wöchentlich statt, sie beginnen zwischen 17.30 und 18 Uhr und enden um 21 Uhr.

Hintergrundinformationen

Das Projekt „Echte Väter“ entwickelte sich im Rahmen kommunaler Elternarbeit/Elternbildung aus einem Pilotprojekt im Jahre 2007. Es startete um migrantische Eltern von Schulkindern die Möglichkeit zu bieten, sich mit ihren Fragen und auch Problemen auszutauschen und so auch enger an das Schulgeschehen zu binden. Zu den Nachmittagsterminen erschienen jedoch nur die Mütter. Erst als Termine am frühen Abend angeboten wurden, kamen auch die Väter. „Es zeigte sich schnell, dass es gut ist, wenn die Väter unter sich bleiben und einen eigenen Ort haben, um sich zu treffen“, erzählt Gürkan Ucan, Gründer des Projektes. Wichtig ist, dass die Abende für die Väter einen Nutzwert haben: „Nur Themen besprechen, damit kann man langfristig die Väter nicht halten. Der Abend muss ihnen etwas bringen.“
Von der grundsätzlichen Haltung her, wird bei den Vätern zuerst nach deren Fähigkeiten und Kompetenzen geschaut, um diese auszubauen – später kommen die Probleme, wenn es welche gibt. Dabei hat sich gezeigt, dass in verschiedenen Kulturen das Angebot, sich auszutauschen, später auch über Probleme sprechen zu können und dafür den eigenen Familienraum zu verlassen, sehr unterschiedlich verstanden wird.

Gürkan Ucan nennt ein Beispiel: „Ich habe am Anfang ein junges Elternpaar angesprochen, wollte für die Vätergruppe werben, aber die beiden haben ganz erschrocken gesagt ‚Oh, haben wir denn so große Probleme? Haben wir etwas falsch gemacht?‘.“ Gürkan Ucan sagt: „Man muss mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen, mit einem falschen Satz kann man vieles kaputtmachen.“
Das Projekt äußert auch zu allgemeinen gesellschaftlichen Konflikten. So hat man sich in der Vergangenheit im Rahmen von Schulveranstaltungen wie Schulfesten gegen Salafismus und Rechtsradikalismus positioniert und betreibt entsprechende Aufklärungsarbeit, was bei den oft verunsicherten Eltern sehr gut angekommen sei.

Ziele des Projekts

Die Väter sollen sich im oft schwer verständlichen Feld der Institution Schule mit mehr Selbstbewusstsein bewegen und äußern.
Ziel ist auch, die Bindung zwischen Vätern und Kindern zu stärken. Väter sollen erleben, dass es schlicht schön ist und Spaß macht, wenn man Zeit mit seinen Kindern verbringt.
Gibt es Probleme, wird über Probleme gesprochen. Aber sie werden nicht gesucht. Im Gegenzug wird bei jedem teilnehmenden Vater nach seinen Kompetenzen und Fähigkeiten geschaut, damit er sie möglichst vielfältig einbringen kann.

Kontakt
Kommunales Integrationszentrum, Rademachers Weg 15; 44649 Herne: Gürkan Ucan, Tel.: 02325 – 65 89 313 guerkan.ucan@herne.de

Die Webseite des Kommunalen Integrationszentrums in Herne.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Migration | Keine Kommentare »

Welche Politik brauchen ‘moderne’ Väter?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 12. Februar 2022

Am Donnerstagnachmittag hatten Heiner Fischer und ich Gelegenheit, im Gespräch mit Dennis Maelzer und Regina Kopp-Herr unsere Vorstellungen von ‘moderner’ Vaterschaft zu äußern und darüber ins Gespräch zu kommen, was (Landes-) Politik dazu beitragen kann, diese zu stärken. Zum Beispiel im Kontext der #Vaterschaftsfreistellung, eines neuen Unterhaltsrechts oder durch die Öffnung von (kommunalen) Räumen für #Vaeter, die am Wochenende Umgang mit ihren Kindern in einer anderen Stadt haben.

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Politik | Keine Kommentare »

Väter sind als Hauptbezugsperson gleichermaßen kompetent

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 31. Januar 2022

In einer neuen Studie der Universität Cambridge (Vereinigtes Königreich) wurden Väter, die sich hauptsächlich um das Kind kümmern, mit Müttern, die sich hauptsächlich um das Kind kümmern, und mit Doppelverdiener-Paaren aus Mutter und Vater verglichen. Die Forscher fanden keine statistisch signifikanten Unterschiede in Bezug auf die Qualität der Elternschaft, Depressionen, Ängste, Stress, das Gefühl der sozialen Unterstützung, die Qualität der Ehe, Konflikte mit dem Kind oder das Verhalten des Kindes selbst.

„Die vorliegende Studie stellt die Annahme in Frage, dass Frauen für die primäre Kinderbetreuung besser geeignet sind als Männer … Väter und Mütter sind in der primären Betreuungsrolle gleichermaßen kompetent.”

Auf der Grundlage dieses Ergebnisses empfehlen die Forscher:innen: „Die hohe Qualität der Elternschaft, die von den Vätern in der Hauptbetreuungsrolle gezeigt wird, legt nahe, dass mehr Väter ermutigt werden sollten, sich in der Kindererziehung zu engagieren. Um dies zu erreichen, müssen politische Maßnahmen, die dies erleichtern, wie geteilter Elternurlaub und flexible Arbeit, einschließlich mehr Teilzeitbeschäftigungsmöglichkeiten, sowohl von den Regierungen als auch von einzelnen Unternehmen umfassend gefördert werden.”

Frühere Forschungen zu Vätern, die die Hauptpflege übernehmen, konzentrierten sich häufig auf schwule Väter, die durch Adoption oder Leihmutterschaft Eltern wurden. In diesen Studien wurde auch festgestellt, dass die Anpassung der Kinder positiv war. Die vorliegende Studie erweitert die Untersuchungen auf heterosexuelle Elternpaare.

An der Studie, die zwischen 2017 und 2019 im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde, nahmen 41 Väter als Hauptbezugspersonen, 45 Mütter als Hauptbezugspersonen und 41 Doppelverdienerpaare (sowohl Mutter als auch Vater) teil. Die Mütter und Väter waren seit mindestens sechs Monaten die Hauptbetreuer ihrer Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren. Ihr:e Partner:in war der bzw. die Hauptverdiener:in; einige Hauptbetreuer (Väter mehr als Mütter) waren auch teilzeitbeschäftigt oder arbeiteten flexibel von zu Hause aus, verbrachten aber mehr Zeit mit der Betreuung als mit der Arbeit.

In den Doppelverdiener-Familien waren beide Elternteile erwerbstätig und viele arbeiteten Vollzeit. Die Familien waren überwiegend weiß, hatten ein hohes Bildungsniveau und keine ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten.

Anhand von Fragebögen und Interviews bewerteten die Forscher mit zuvor getesteten Messinstrumenten Depressionen, Ängste, Stress, soziale Unterstützung, die Qualität der Ehe, die Beziehung zwischen den Eltern, die Akzeptanz/Ablehnung des Kindes durch die Eltern, die Qualität der Elternschaft und das Verhalten der Kinder. Bei der Bewertung des Verhaltens der Kinder füllten die Vorschul- oder Schullehrer der Kinder ebenfalls einen Fragebogen aus.

Diese Studie bestätigt zahlreiche frühere Forschungsergebnisse, die zeigen, dass das Erziehungsverhalten von Vätern und Müttern ähnlich ist und dass sie einen ähnlichen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder haben. Väter, die als Hauptbezugspersonen fungieren, beschreiben ihre Rolle in der Regel so, dass sie eine enge Bindung zu ihrem Kind aufbauen.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Politik, Väterbilder | Keine Kommentare »

Rund um die Uhr auf Trab

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Januar 2022

… Vater Rene Haase bewältigt den Alltag mit seiner großen Patchworkfamilie und hat gerade eine Quarantänezeit überstanden. Gerne möchte er wieder arbeiten und seinen Kindern ein gutes Vorbild sein.

Ein ganz normaler Morgen bei Familie Haase zwischen Weihnachten und Silvester: „Um sechs Uhr aufgestanden, dann trinke ich erstmal meinen Kaffee. Geschirrspüler ist schon einmal fertig. Waschmaschine läuft. Wir müssen jetzt noch Einkäufe erledigen. Mittagessen? – Da habe ich noch keinen Plan. Dann muss ich noch zum PCR-Test“, schildert der Vater Rene Haase seinen Start in den Tag.

Große Patchworkfamilie

© deutschlandradio / Anja Nehls

Jane, Denni, Conner und Aaron sind zwischen acht und zwölf Jahren alt und fläzen sich noch etwas verschlafen auf dem großen Sofa. Conni ist bereits erwachsen und hat gerade die zweite Kanne Kaffee gekocht, die anderen beiden Großen haben heute bei Freunden übernachtet. Normalerweise sei die Patchworkfamilie zu acht, sagt Vater Haase: „Ich bin gekommen mit vieren, da ist Conni die jüngste davon. Meine Frau kam mit dreien, da ist Leann die mittelste. Hier wohnen tun jetzt nur noch Leann, von meiner Frau der Älteste, der ist jetzt 20, Conni, und die vier gemeinsamen.“

Zwei Wochen Quarantäne

Seine Frau hat die Familie vor knapp zwei Jahren verlassen, seitdem ist der Vater mit den Kindern alleine. Haase ist Mitte 50. Er ist schlank und durchtrainiert, ein Kämpfertyp. Aber jetzt sieht er müde aus. Gerade erst haben alle zwei Wochen Quarantäne hinter sich, weil Denni sich auf einer Klassenfahrt mit Corona infiziert hatte: „Es ist schon anstrengend, die ganze Zeit in der Bude zu hocken“, sagt der Junge. „Wir gucken Fernsehen, aber ich habe dann noch ab und zu mal mit meinen Spielsachen gespielt.“ Weihnachten sei es dann besser geworden, weil vier der Kinder einen Computer bekommen hätten. Ohne PC seien seine Kinder zu Corona-Zeiten in der Schule chancenlos, sagt Haase. Er war früher Lkw-Fahrer und Gerüstbauer. Bis zum Sommer ging er abends, wenn die Kinder im Bett waren, noch putzen, in einem Kindergarten in der Nähe. Dann kam der Schlaganfall. …

Den Beitrag von Deutschlandfunk Kultur nachhören.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Radio, Rolllenbilder | Keine Kommentare »

Vaterschaft in der Coronapandemie

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. Januar 2022

In seinem Vortrag ‚Engagement von Vätern, Entwicklung, Bedeutung und Rahmenbedingungen‚ bei der Fachtagung ‚Lockdown als Chance?‘ präsentierte Jan Braukmann unter anderem Ergebnisse aus dem Update des Väterreports.

Vaterschaft ist im Wandel und Rollenbilder ändern sich fortlaufend. ‚Vater sein‘ heute ist anders als ‚Vater sein‘ früher. Nicht nur die Erwartungen der Väter an ihre Rolle haben sich grundlegend geändert, auch die gesellschaftlichen Erwartungen sind im Wandel und Elternschaft intensiviert sich. Das Leitbild der aktiven Väter verbreitet sich immer stärker.

Auch Corona hat die familiäre Aufgabenteilung verändert und wirkt zugleich wie ein Spiegel und ein Brennglas:

Einerseits hat die Corona-Krise zu einer  Retraditionalisierung der Elternrollen geführt: Mütter übernehmen in der Krise den Großteil der  Betreuungs- und Erziehungsaufgaben. Das  haben sie auch schon vor der Krise getan.

In 20 Prozent der Familien ist die  Aufgabenteilung ungleicher geworden. Mütter bleiben möglicherweise häufiger im  Homeoffice und sind im Unternehmen weniger  sichtbar.

Andererseits hat die Corona-Krise auch Chancen geboten, traditionelle Elternrollen zu überwinden. Die Krise wirkt wie ein Innovationslabor: Schon jetzt ist in 20 Prozent der Familien die Aufgabenteilung  partnerschaftlicher geworden als vor der Pandemie. Gerade Väter mit kleinem Einkommen oder  niedrigem Bildungsstand verbringen mehr Zeit  mit der Kinderbetreuung.

Das Video zu dem Vortrag finden sie hier.

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Politik, Väterbilder | Keine Kommentare »