der VÄTER Blog

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‚Männerspezifische Anliegen und Themen aktiv formulieren und gestalten‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Mai 2022

„Als offene, tolerante Stadt und Ort der Vielfalt versteht die Stadtverwaltung Gleichstellung als ganzheitliche zukunftsgerichtete Strategie. War Gleichstellungsarbeit bislang überwiegend auf frauenspezifische Belange fokussiert, sollen nunmehr verstärkt auch Männer in die Wahrnehmung und in den Fokus der Gleichstellungspolitik gerückt, tradierte Rollenzuweisungen für die verschiedenen Geschlechter hinterfragt, neue Lebenskonzepte und -formen erarbeitet und unterstützt werden.“

Stellenausschreibung der Gleichstellungsstelle der Stadt Essen aus dem Jahr 2020

In Nordrhein Westfalen gibt es inzwischen in fünf Städten Ansprechpartner für die Belange von Jungen. Männern und Vätern: in Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Münster.

Stellungnahmen der Parteien zu den Forderungen der LAG Väterarbeit zur Landtagswahl

Die LAG Väterarbeit hat im Vorfeld der Landtagswahl am 15 Mai fünf konkrete väterpolitische Forderungen aufgestellt und die im Landtag vertretenen Parteien darum gebeten darzulegen, inwieweit eine Stimme für Ihre Partei zu einer Umsetzung in den kommenden 5 Jahren beitragen wird.

Die vierte Forderung lautet:

„Weiterentwicklung des Gesetzes zur Gleichstellung von Frauen und Männern für das Land Nordrhein-Westfalen (LGG) in dem Sinne, dass zunächst in allen Kreisen und Kreisfreien Städten neben den Gleichstellungsbeauftragten auch die Stelle eines Ansprechpartners für Väter eingerichtet und zusätzlich finanziert wird.“

Die CDU hat dazu geantwortet:

Unsere Gesellschaft ist eine, in der Menschen gleich welchen Geschlechts die gleichen Chancen haben – überall und zu jeder Zeit. Jeder Mensch bringt Stärken mit, die wir für ein starkes Nordrhein-Westfalen benötigen. Dabei wollen wir auch für Männer die Möglichkeiten stärken, sich für eine Familienzeit zu entscheiden. 2021 haben wir erstmalig in Nordrhein-Westfalen einen umfassenden „Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Nordrhein-Westfalen“ veröffentlicht, um wichtige Impulse zur Verbesserung der Gleichstellung zu geben und neue Entwicklungen anzustoßen. Hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte wirken dabei bereits jetzt in allen kreisangehörigen Städten und Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie in kreisfreien Städten und Kreisen wesentlich mit. Dass wir uns dabei auch für die Rolle der Männer und Väter einsetzen, zeigt sich u.a. darin, dass wir neben der Stärkung der Unterstützungsinfrastruktur für von Gewalt betroffene Frauen erstmals in Nordrhein-Westfalen auch eine für von Gewalt betroffene Männer aufgebaut haben.

Die FDP hat dazu geantwortet:

Wir möchten eine neue Gleichstellungspolitik für alle gestalten. Dort, wo Benachteiligungen vorliegen, wollen wir politisch agieren, unabhängig davon, ob es sich um eine Benachteiligung von Frauen, Männern oder diversen Personen handelt. Es gilt, die im Einzelfall Benachteiligten oder Schwächeren zu schützen. Das Landesgleichstellungsgesetz muss daher zu einem Landesdiversitätsgesetz weiterentwickelt und den heutigen Lebensverhältnissen angepasst werden. Im Rahmen der Neufassung werden wir klarstellen, dass unter Gleichstellung die Gewährleistung von Gleichberechtigung für alle Geschlechter zu verstehen ist. Das Landesdiversitätsgesetz wird deshalb u. a. auch die Belange von Männern und Diversen aufnehmen und sie als Bewerbende für das Amt des/ der Diversitätsbeauftragten zulassen.

Die Grünen haben dazu geantwortet:

Kern des Landesgleichstellungsgesetzes ist die Gleichstellung von Frauen und Männern und der Abbau struktureller Hemmnisse für Frauen. Dabei spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Rolle. Von einer besseren Vereinbarkeit und einer Unternehmens- bzw. Organisationskultur, die die Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit, also auch der Pflege von Angehörigen, in den Blick nimmt und ermöglicht, profitieren Frauen wie Männer. In vielen Kommunen wurden die Gleichstellungsstellen um unterschiedliche Aspekte von Diversität erweitert. Insgesamt müssen wir auch in der öffentlichen Verwaltung Strukturen stärken, die der Vielfalt von Lebensrealitäten, aber auch Diskriminierungserfahrungen Rechnung trägt und diese Vielfalt gleichzeitig als Bereicherung für Verwaltungen und Unternehmen begreift. Der öffentlichen Verwaltung kommt dabei eine Vorbildfunktion zu.

Die SPD hat dazu geantwortet:

Die Gleichstellung von Frauen und Männern fördern wir aktiv. Wir wirken gezielt auf einen Ausgleich von Benachteiligungen hin. Für uns sind alle Menschen gleich. Deswegen setzen wir uns dafür ein, Ungleichheiten zu beseitigen. Es geht einfach besser, wenn man gemeinsam handelt. Uns ist wichtig, dass Frauen und Männer gleichstark auf allen politischen Ebenen vertreten sind. Dies werden wir auf eine gesetzliche Grundlage stellen. Wir wissen, dass Väter besondere Bedarfe in der Ansprache und Beratung haben. Die Umsetzung der Beratung vor Ort werden wir gemeinsam mit den beteiligten Akteuren beraten. Wir haben immer gesagt, Vater ist was du draus machst, wir wissen aber, dass das nicht ohne Unterstützung möglich ist.

Quelle

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Sachbearbeitung Jungen*- und Männer*arbeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 22. Oktober 2021

Im Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung ist eine Stelle im Rahmen des städtischen Diversitymanagements mit dem Schwerpunkt Jungen*- und Männer*arbeit zu besetzen. Diese Stelle wirkt sowohl innerhalb der Stadtverwaltung als auch in die Stadtgesellschaft hinein. 

Ihre Aufgaben u.a.:

  • Verankerung einer gendersensiblen Jungen*- und Männer*perspektive als Querschnittsaufgabe in der kommunalen Gleichstellungsarbeit
  • Vernetzung mit Akteur*innen der Jungen*- und Männer*arbeit auf kommunaler und regionaler Ebene
  • Förderung der Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf und Stärkung von Männern* in ihrer Rolle als Fürsorgende
  • Beratung von Beschäftigten und Bürger*innen
  • Entwicklung und Umsetzung von Projekten, Veranstaltungen und Schulungen
  • Mitwirkung an Stellenbesetzungsverfahren.

Ihr Profil:

  • abgeschlossenes Bachelorstudium (Soziale Arbeit/Sozialpädagogik/Sozialwissenschaften/Gender Studies/Diversity Studies/Psychologie) oder vergleichbare Qualifikation
  • berufliche Erfahrung und fachliche Kompetenz im Bereich der Jungen*- und Männer*arbeit
  • Erfahrungen in der Projekt- und Netzwerkarbeit und in der Arbeit mit Multiplikator*innen
  • persönliche und theoretische Auseinandersetzung mit Gleichstellung, Diversity und Intersektionalität sowie biografischer Bezug zur Gleichstellungsarbeit
  • sicheres Auftreten, analytisches und strategisches Denken sowie hohe Kommunikationskompetenz und gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit
  • selbstständiges und strukturiertes Arbeiten, Flexibilität in der Arbeitszeit-gestaltung sowie hohe Belastbarkeit.

Was Sie sonst noch wissen sollten:

Die Einstellung erfolgt unbefristet im Arbeitsverhältnis zu den Bedingungen des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst (EG 12 TVöD)

Die Stadtverwaltung Düsseldorf verfolgt offensiv das Ziel zur beruflichen Gleichstellung von Frauen und Männern. Als moderne Landeshauptstadt setzen wir auf qualifizierte Bewerber*innen, um gegenwärtig und in Zukunft einen ausgewogenen Anteil von Frauen und Männern in unserer Verwaltung sicherzustellen. Wir wollen weibliche und männliche Fachkräfte gleichermaßen ansprechen und ermutigen sich zu bewerben.

Eine Teilzeitbeschäftigung ist grundsätzlich möglich.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf nimmt die berufliche Integration nach dem SGB IX ernst. Bewerbungen von Schwerbehinderten und Gleichgestellten werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt. 

Bewerbungsfrist und Kontakt:

Bitte bewerben Sie sich online bis zum 04.11.2021  über den Button „Jetzt bewerben“. Bei Rückfragen bitten wir um Angabe der Kennziffer 01/02/02/21/01.

Ansprechpartner/in: Silke Bräuer, Telefon (0211) 89-21 225,
Moskauer Straße 27, Zimmer 515.

Quelle

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Gleichstellungsstelle in Essen sucht Mitarbeiter für den Aufgabenbereich ‚Männerspezifische Belange‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 12. Juni 2020

Sie können zwar nicht mehr der erste Ansprechpartner für Männer und Väter in einer Gleichstellungsstelle in Deutschland werden, aber zu den ersten 10 gehören Sie in jedem Fall. Die Stellenausschreibung liest sich zwar etwas ‚dröje‘, aber die Aufgabe ist in jedem Fall spannend. Dort heißt es unter anderem:

„Als offene, tolerante Stadt und Ort der Vielfalt versteht die Stadtverwaltung Gleichstellung als ganzheitliche zukunftsgerichtete Strategie. War Gleichstellungsarbeit bislang überwiegend auf frauenspezifische Belange fokussiert, sollen nunmehr verstärkt auch Männer in die Wahrnehmung und in den Fokus der Gleichstellungspolitik gerückt, tradierte Rollenzuweisungen für die verschiedenen Geschlechter hinterfragt, neue Lebenskonzepte und -formen erarbeitet und unterstützt werden.

Aufgabenstellung:

  • Identifizierung von themenspezifischen Handlungsbedarfen, Strategie- und Konzepterstellung für den Themenbereich „Männerspezifische Belange“
  • Initiierung und Begleitung von Projekten und Aktionen im Bereich männer- und jungenorientierter Gleichstellungsarbeit
  • Unterstützung und Initiierung von Netzwerken und Strukturen in der Stadtgesellschaft in Zusammenarbeit mit den als Multiplikatoren fungierenden Personen und Stellen
  • Information, Beratung und Unterstützung von Mitarbeitenden und Führungskräften der Stadtverwaltung Essen, aus dem Konzern Stadt Essen und der Einwohnerschaft
  • Mitwirkung bei der Umsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes und der Ratsbeschlüsse zur Frauenförderung
  • Vertretung der Gleichstellungsstelle im Bereich Personal und Organisation
  • Öffentlichkeitsarbeit

Eingebettet in ein multiprofessionelles und diverses Team soll die zukünftige Ansprechperson gleichstellungsbezogene Interessen der männlichen Mitarbeitenden der Stadtverwaltung vertreten, Sprachrohr sein und über die Verwaltung hinaus Belange von Jungen, heranwachsenden und volljährigen Männern für und in der Stadtgesellschaft sichtbar machen und fördern.

Dies beinhaltet zunächst den konzeptionellen Aufbau des Bereiches Männer-/Jungenarbeit unter Einbeziehung von Erfahrungen anderer Kommunen. In der Umsetzung sind männerspezifische Anliegen und Themen aktiv zu formulieren und unter Einbeziehung und Beteiligung der verschiedenen Stellen und Interessengruppen zu gestalten.

Die Mitwirkung bei der Umsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes und der Ratsbeschlüsse zur Frauenförderung sowie die Vertretung der Gleichstellungsstelle im Rahmen von Personalauswahlgesprächen und bei organisatorischen Maßnahmen bilden einen weiteren mindestens gleichwertigen Bestandteil der Aufgabenstellung. …“

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2. Gleichstellungsbericht fordert Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 9. März 2017

cover-gutachtenAm 7. März ist das Sachverständigengutachten für den zweiten Gleichstellungsbericht veröffentlicht worden. Schwerpunkt ist die (Neu-) Gestaltung der Erwerbs- und Sorgearbeit. In dem Abschnitt ‚Rahmenbedingungenvor und nach der Geburt eines Kindes verbessern‘ fordern die Sachverständigen  die Einführung einer Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt eines Kindes und den Ausbau der Partnermonate:

„Die Mutterschutzfrist erfüllt zum einen die Funktion des Gesundheitsschutzes der Mutter. Zum anderen schützt sie die „besondere Beziehung zwischen der Mutter und ihrem Kind während der Zeit nach der Entbindung“ (vgl. EuGH, Urteil vom 30.09.2010, C-104/09 (Roca Álvarez), Rn 26 f und EuGH, Urteil vom 12.07.1984, Rs. 184/83 (Hofmann), Slg. 1984, Rn 25).

Diese zweite Funktion legt die Einführung einer gleichwertigen Leistung für Väter bzw. den zweiten Elternteil nahe. Bisher nehmen Väter rund um die Geburt häufig Erholungsurlaub. Stattdessen sollte eine bezahlte Freistellung nach der Geburt eines Kindes auch für den Vater oder die Co-Mutter bzw. den Co-Vater eingeführt werden.

Viele Väter wünschen sich heute eine intensive Beziehung zu ihrem Kind. Dies zeigt etwa der inzwischen hohe Anteil der Väter, die Elternzeit nehmen (siehe B.I.3). Die Möglichkeit einer besseren frühen Vater-Kind-Bindung könnte, wie die auch international vorliegende Evidenz zeigt (z. B. DeLuccie 1996; Rege/Solli 2010; Pfahl et al. 2014; Bünning 2015), mittel- und langfristig dazu führen, dass Väter sich vermehrt in die Betreuung und Erziehung von Kindern einbringen. …

Freistellungen für Väter nach der Geburt existieren auch in anderen europäischen Ländern.19 So gibt es in Belgien eine verpflichtende Vaterschaftsfreistellung von drei Tagen, bei dem die Arbeitgeber das Entgelt zu 100 % fortbezahlen. Danach besteht ein Anspruch auf sieben weitere Tage Vaterschaftsfreistellung innerhalb der ersten 30 Tage nach der Geburt eines Kindes, bei dem 82 % des Einkommens von der Krankenversicherung bezahlt werden (vgl. Ray 2008: 5f.).

In Dänemark besteht ein Anspruch auf zwei Wochen Vaterschaftsfreistellung, die während der 14-wöchigen Mutterschaftsfreistellung in Anspruch genommen werden kann. Der Entgeltersatz liegt dabei zwischen 50 % und 90 % und ist nach oben gedeckelt (vgl. ebd.: 9f.). In Frankreich haben Väter einen Anspruch auf elf zusammenhängende Tage Vaterschaftsfreistellung sowie drei weitere Tage; dabei zahlt ihnen die Krankenkasse eine Geldleistung in voller Höhe des vorherigen Gehalts (vgl. ebd.: 12). In Schweden beträgt die Vaterschaftsfreistellung zehn Arbeitstage in den ersten zwei Monaten nach der Geburt, wobei die Lohnersatzrate 80 % beträgt (vgl. ebd.: 27f.).“

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Männlichkeit im Gleichstellungsprozess – neue Erkenntnisse, praktische Zugänge und politische Überlegungen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 9. November 2013

Im Rahmen einer Fachkonferenz soll am 18. November in Graz eine Auseinandersetzung mit grundlegenden Haltungen eines geschlechtergerechten Zugangs in der institutionellen Arbeit mit Männern und in der Gleichstellungspolitik angeregt werden. Basis dafür bilden unter anderem die Ergebnisse der hochaktuellen EU-Studie The Role of Men in Gender Equality (2011-2012), die Einblick in den Wandel der Geschlechterverhältnisse gewähren sowie einen besseren Kenntnisstand über die Positionierung von Männern in Fragen der Gleichstellung ermöglichen.

Dabei stellt sich die Frage nach den zentralen Ansatzpunkten einer Gleichstellungspolitik, die nicht in traditionellen Geschlechterrollen verhaftet bleibt, sondern einen ausgewogenen Zugang zu Männern und Geschlechtergleichstellung entwickelt. Denn nach wie vor gilt: ‚Männer‘ und ‚Frauen‘ sind keine homogenen Gruppen, vielmehr lässt sich Diversität auf Basis anderer sozialer Merkmale (Herkunft, Migration, sozio-ökonomischer Status, etc.) ausmachen.

Programmablauf:

09:00 – 09:30 Uhr Empfang

09:30 – 10:00 Uhr Begrüßung

Hofrat FH-Prof. Mag. Dr. Klaus Posch – Studiengangleiter Soziale Arbeit FH JOANNEUM
Roland Elmer – Geschäftsführer des Vereins für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark

10:00 – 11:00 Uhr ‚How to Think about Masculinity — and how not to’ (Vortrag in englischer Sprache)

Prof. Michael Kimmel – SUNY Distinguished Professor of Sociology and Gender Studies; Executive Director, Center for the Study of Men and Masculinities,  Department of Sociology, Stony Brook University, New York, USA

11:30 – 12:30 Uhr ‚Zum Wandel der Rolle von Männern im Geschlechterverhältnis’

Mag.a Elli Scambor – Koordinatorin im Forschungsbüro des Vereins für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark; wissenschaftliche Koordinatorin der EU-Studie ‚The Role of Men in Gender Equality‘ (2011-2012)

12:30 – 13:45 Uhr ‚Grundlegende Haltungen eines gleichstellungsorientierten Zugangs in der institutionellen Arbeit mit Männern und in der Politik‘ Weiterlesen »

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Warum Männer ihre eigenen Interessen sabotieren und was Frauen dadurch entgeht

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 31. März 2013

Markus Theunert titelt sein neues Buch etwas anders und auch der Klappentext klingt reißerischer: „Eine Verschwörung gegen die Geschlechtergerechtigkeit. Sie reden wie Männer von morgen und handeln wie Patriarchen von gestern: Co-Feministen sind Wölfe im Schafspelz der Geschlechtergerechtigkeit.“ Ich habe etwas gegen Verschwörungstheorien, sie verweisen in der Regel auf die labile Persönlichkeit derer, die ihr anhängen.

In seinem Buch versucht der Autor aber tatsächliches Verhalten zu erklären, für das es auf den ersten Blick keine vernünftige Erklärung gibt. Warum verhalten sich Männer gegen ihre eigenen Interessen, leugnen ihre Gefühlswelt und heucheln Unterstützung mit der Wirkung des berühmten Dolches hinter dem Rücken.

Das Verhalten und die Menschen, es gibt mit Sicherheit auch Co-Feministinnen, die es ausüben beschreibt Theunert anhand von zahlreichen persönlichen Beobachtungen und Begegnungen nachvollziehbar und plausibel und in dem Abschnitt „Die zehn Spielarten des Co-Feminismus“ präzisiert er seine Typologie mit den Kriterien politische Einstellung, Identität, Motivation, Wertung und Lebenswelt, mit deren Hilfe jeglicher Co-Feminismus, man könnte auch sagen Opportunismus, kategorisiert werden kann.

Die Frage, die sich von Anfang an aufdrängt ist die nach dem Sinn eines solchen Verhaltens. Theunert versucht eine Antwort mit Hilfe des Konzepts der ‚Co-Abhängigkeit‘ deren Definition er an den Beginn des Kapitels „Warum Co-Feminismus?“ stellt: „Co-Feministen sind stets freundlich und höflich und  bemühen sich fortwährend, es anderen recht zu machen. Auch wenn die Befindlichkeit zwischen euphorischer Hoffnung und abgrundtiefer Verzweiflung wechselt …“ Der Autor räumt ein, dass das Konzept durchaus umstritten ist und es andere Erklärungen geben kann.

Meiner Meinung nach geht es bei jeglichem Verhalten, also in unserem Fall auch bei Pro- oder Antifeminismus um den Wunsch nach Anerkennung und Wertschätzung. Anerkennung für die Leistung am Arbeitsplatz, in der Familie und an allen anderen gesellschaftlichen Orten und in jeglichen Beziehungen. Diejenigen, denen Wertschätzung und Anerkennung versagt wird, werden alles unternehmen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Auch Ablehnung ist eine Form der Anerkennung und hat gerade für Minderheiten stabilisierende Wirkungen. Weiterlesen »

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Der Kanton Zürich hat bald einen Verantwortlichen für Männer

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. November 2012

Der 47-jährige Edgar Frey verstärkt ab März 2013 die Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich. Dies teilt die Direktion der Justiz und des Innern am Freitag mit. Er tritt somit die Nachfolge des im Sommer zurückgetretenen Männerbeauftragten Markus Theunert an.

Der neue Mann für Zürichs Männer wird aber explizit nicht mehr Männerbeauftragter genannt, sondern ‚Projektverantwortlicher unserer Fachstelle für die Jungen, Väter und Männer im Kanton‘, sagt Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann, auf Anfrage. ‚Dass wir damals von einem Männerbeauftragten redeten, war ein Marketingentscheid. Die Bezeichnung hat eine Eigendynamik bekommen, die wir so nicht mehr wollten‘, erklärte Trachsel gegenüber dem Tagesanzeiger.

Frey werde sich als Projektleiter in der Fachstelle an den vielfältigen Arbeiten im Bereich der Gleichstellung beteiligen, heisst es in der Mitteilung weiter. Schwerpunkt seiner Arbeit werde der Bereich Jungen, Väter und Männer sein, wo er die Zusammenarbeit mit Bildungsinstitutionen und Arbeitgebenden suchen werde.

Frey lebt in Zürich, ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Gegenwärtig ist er Leiter Personal der Schweizer Niederlassung der Festo AG.

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Wir brauchen eine dritte Phase der Geschlechterpolitik

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 1. September 2012

In einem Beitrag für die Zeit zieht der ehemalige Männerbeauftragte des Kantons Zürich eine zukunftsorientierte Bilanz seiner dreiwöchigen Tätigkeit.

‚… Ich wage die Behauptung: Ohne grundsätzliche Debatte über die Ausrichtung der Gleichstellungspolitik schafft sie sich innerhalb der nächsten zehn Jahre selbst ab.

Denn was auf den ersten Blick nach Geschlechterkampf aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Richtungsstreit: Fortschritt oder Bewahrung? Die Frontlinie verläuft heute nicht mehr nur zwischen Männern und Frauen. Sondern zwischen jenen Menschen, die Gleichstellung als historische Chance zur Neugestaltung der Geschlechterverhältnisse verstehen. Und jenen, die an der bestehenden patriarchalischen Ordnung festhalten wollen beziehungsweise gleich die Männer- durch eine Frauenherrschaft ablösen wollen.

Während viele – vor allem jüngere – Frauen und Männer genug haben von diesem etwas ermüdenden Benachteiligungsdiskurs, bleibt die ältere Generation darin verhaftet.

Was also braucht es, um die Geschlechterdebatte konstruktiv führen zu können? Zuallererst sollten die weiblichen Gleichstellungsexpertinnen ihre eigene Geschlechterblindheit ablegen. »Wir machen weder Männer- oder Frauenpolitik, wir machen Gleichstellungsarbeit für beide Geschlechter«, beteuern sie immerfort. Das klingt gut, ist aber nichts anderes als ein alter Patriarchentrick unter umgekehrten Vorzeichen: Statt den männlichen erklären sie jetzt einfach den weiblichen Blick zur allgemeinen Norm.

Dass sich weiblich geprägte Gleichstellungsarbeit »geschlechtsneutral« und damit »männergerecht« nennt, ist bizarr. Ich will nicht missverstanden werden: Es gibt heute noch genügend Gründe, um Frauendiskriminierung zu bekämpfen. Aber es gibt kein geschlechtsneutrales Handeln. Diese Einsicht ist ironischerweise ein zentrales Erbe des Feminismus, und sie würde es den Frauen erlauben, männliche Beiträge zur Geschlechterpolitik als wertvolle Ergänzung und nicht als Angriff auf ihre Domäne zu verstehen.

Ich will in dieser Bilanz meiner kurzen Amtsdauer als Männerbeauftragter keine Wunden lecken. Und selbstverständlich trage auch ich einen Teil der Verantwortung für mein Scheitern. Umso wichtiger ist mir, mögliche Wege aufzuzeigen. Konkret: Ich möchte neue Allianzen schmieden. …‘

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Viele Männer haben die Dinge noch nie so betrachtet

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. August 2012

Gleichstellung ist auch Männersache. Und das nicht erst seit dem ehemaligen Männerbeauftragten des Kantons Zürich. Aner Voloder berät bei der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich schon seit zwei Jahren Männer und Frauen in juristischen Fragen.

WOZ: Aner Voloder, noch immer gibt es kaum Familienväter, die Teilzeit arbeiten – was fehlt: der Wille oder die Möglichkeiten?
Aner Voloder: Beides. Einerseits ist es für einen Mann selten möglich, in der Privatwirtschaft mit dem Anliegen Teilzeitarbeit vorstellig zu werden. Da beißen Männer noch immer auf Granit. In den Köpfen vieler Vorgesetzter ist noch immer die klassische Rollenteilung verankert, die besagt, dass dem Mann in der Familie die Rolle des Ernährers zufällt und er deswegen hundert Prozent zu arbeiten hat. Und deswegen gibt es seitens der Männer auch Hemmungen, das Pensum zu reduzieren, weil Kollegen, Vorgesetzte, aber auch der eigene Familien- oder Freundeskreis dieses Vorgehen als unmännlich taxieren könnten.

Werden Männer mit dem Wunsch nach Teilzeitarbeit tatsächlich am Arbeitsplatz diskriminiert?
Männer, die den Wunsch nach Teilzeitarbeit äußern, werden zwar nicht direkt diskriminiert, wohl aber gehänselt mit Sprüchen wie: «So, du bleibst also lieber zu Hause und kochst und wechselst Windeln.» Und es gibt die ganzen Vorbehalte, die ja auch Frauen treffen von wegen: «Du bist nicht erreichbar, du bist nicht flexibel» und, und, und. Wenn Männer es dann geschafft haben, Teilzeit zu arbeiten, kommt es vor, dass sie tatsächlich diskriminiert oder weggemobbt werden. Oder man trennt sich von ihnen, weil nach wie vor der Irrglaube herumgeistert, dass Teilzeit Arbeitende in der Regel nicht leistungswillige oder -fähige Angestellte sind. Vollzeitbeschäftigte Familienväter, denen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschwert oder verunmöglicht wird, sind fast gezwungen, ausschließlich traditionelle Versorger zu sein. …

Was kann getan werden, damit Teilzeitarbeit auch für Männer attraktiver wird?
Es muss ein Umdenken stattfinden. Die Unternehmen müssen erkennen, dass Frauen sehr viel Potenzial mitbringen, das heute allzu oft ungenutzt verpufft. Wenn man Frauen anders begegnet, wenn man sie als Schwangere nicht benachteiligt, ihnen attraktivere Arbeitsbedingungen bietet und beiden Geschlechtern Teilzeitarbeit ermöglicht, dann bringt das auch wirtschaftliche Vorteile – das muss man den Firmen aufzeigen. In Skandinavien funktionieren diese Modelle sehr gut, warum sollte so etwas nicht auch bei uns möglich sein? Die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie existiert vor allem in unseren Köpfen. Und ich glaube, dass es die Gleichstellungsbüros auch dafür braucht, um ebendiese Sensibilisierungsarbeit zu leisten. …

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Es gibt keinen Männerbeauftragen mehr

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 24. Juli 2012

Den Schweizer Radiosendern war es eine Topmeldung wert. Am Montag ist Markus Theunert vom Amt des ersten Männerbeauftragten des Kantons Zürich zurückgetreten und damit einem Rauswurf zuvorgekommen. Er war nicht bereit seine Überzeugungen aufzugeben und vom Amt des Präsidenten von männer.ch zurückzutreten.

In der Öffentlichkeit hatte eine verzerrt dargestellte Position von männer.ch vom Oktober letzten Jahres zum Umgang mit Pornografie zu irreführenden Diskussionen geführt. Dieses Papier der Schweizer Männer- und Väterorganisationen war der Fachstelle bei der Einstellung von Markus Theunert lange bekannt. Dass sie bei der offensichtlich gezielt lancierten ’Protestwelle’ umfällt, zeugt von wenig Rückgrat und ist eine Fuhre Wasser auf die Mühlen derjenigen, die Gleichstellung allein als Strategie zur Umsetzung von Fraueninteressen betrachten.

In seiner Stellungnahme zum Rücktritt erklärt Theunert seine Sicht der Dinge:

‚… Nach Ansicht der kantonalen Fachstelle für Gleichstellung, deren Mitarbeiter ich als Männerbeauftragter bin, haben diese Irritationen dazu geführt, dass der Ruf der Fachstelle und die Glaubwürdigkeit des Männerbeauftragten beschädigt wurden. Deshalb hat die Fachstelle die Weiterbeschäftigung als Männerbeauftragter von meinem Rücktritt aus dem männer.ch – Vorstand abhängig gemacht.

Nachdem ich vor Stellenantritt deutlich kommuniziert habe, dass die öffentliche Sichtbarkeit meines männer.ch – Engagements verhandelbar ist, nicht aber das Engagement an sich, kann und will ich diese Bedingung nicht erfüllen.

Ich ziehe daraus die Konsequenzen und trete von meiner Aufgabe als kantonaler Männerbeauftragter zurück. Ich bedauere diese Entwicklungen. Ich habe die Stelle als kantonaler Männerbeauftragter mit großer Freude angetreten und hätte mir gewünscht, diese Pionieraufgabe in der nötigen Ruhe und Sachlichkeit anpacken zu können. Dies ist offensichtlich nicht im Interesse verschiedenster Kreise.

Selbstkritisch anerkenne ich, die Problematik meiner Doppelrolle unterschätzt zu haben. Im Dienst der Sache möchte ich der Fachstelle für Gleichstellung mit meinem Entscheid den Weg frei machen für eine unbelastete Umsetzung ihrer geschlechterdialogischen Strategie. …’

Die Neue Züricher Zeitung kommentiert den Vorgang unter der Überschrift ‚Fallengelassen’ unter anderem folgendermaßen:

‚Aber die Anregung, Pornografie in den Schulunterricht zu integrieren, ist keineswegs eine unausgegorene Idee von Männer.ch. Vielmehr ist es eine Forderung von Fachleuten. «Porno gehört ins Schulzimmer», titelte beispielsweise die NZZ letztes Jahr als Quintessenz eines Präventionsforums. Die Forderung gründet auf der Erkenntnis, dass die Mehrheit der Minderjährigen im Internet sowieso pornografische Darstellungen konsumiert. Sie sollen damit nicht alleine gelassen, sondern sinnvoll begleitet werden.

Dass dies in Gleichstellungsbüros aufgrund einer zugespitzten Darstellung in einer Gratiszeitung zu Irritationen führt, ist das eine. Das andere ist, dass die Zürcher Verantwortlichen diesen Irritationen sogleich nachgeben und einem eben erst eingestellten Mitarbeiter ein unpassendes Ultimatum stellen. Rückgrat gezeigt hat in diesem Fall einzig Markus Theunert.’

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