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Geburt eines Kindes führt zu langfristigem Rückgang kultureller Teilhabe

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Juni 2026

Mit der Geburt des ersten Kindes verändern sich nicht nur Alltagsroutinen, sondern auch Freizeit- und Kulturaktivitäten von Eltern. „Das kulturelle Aktivitäten nach der Geburt eines Kindes zurückgehen, würden viele erwarten. Das Ausmaß und die Dauer dieses Rückgangs haben uns jedoch überrascht“, sagt PD Dr. Hendrik Sonnabend von der FernUniversität in Hagen.

Deutlicher und langfristiger Rückgang kultureller Aktivitäten

Die Analyse zeigt: Mit der Geburt des ersten Kindes sinkt die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten je nach Art der Aktivität um 13 bis 54 Prozent. Der Rückgang betrifft sowohl den Besuch kultureller Veranstaltungen wie Kino, Konzerte oder Theater als auch Museumsbesuche, sportliche Aktivitäten und andere Formen kultureller Teilhabe.

Besonders bemerkenswert ist aus Sicht der Forschenden, dass sich die Teilnahme auch langfristig nicht wieder vollständig erholt. Selbst zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes erreichen Eltern nicht wieder das Niveau kultureller Aktivitäten, das sie vor der Elternschaft aufwiesen.

Kurzfristig lassen sich die Veränderungen vor allem durch einen erhöhten Zeitaufwand für Betreuung und Haushalt sowie durch geringere zeitliche Flexibilität erklären. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Elternschaft darüber hinaus einen langfristigen Einfluss auf den Lebensrhythmus und das Freizeitverhalten hat.

Unterschiede zwischen Müttern und Vätern

Der Rückgang kultureller Aktivitäten betrifft sowohl Mütter als auch Väter, allerdings in unterschiedlicher Weise. Mütter reduzieren ihre kulturellen Aktivitäten unmittelbar nach der Geburt stärker und übernehmen häufiger zusätzliche Betreuungs- und Hausarbeit. Bei Vätern sinkt dagegen insbesondere die Wahrscheinlichkeit, überhaupt kulturell aktiv zu sein.

„Viele kulturelle Aktivitäten werden gemeinsam als Paar wahrgenommen. Wenn ein Elternteil nicht teilnehmen kann, verzichtet häufig auch der andere auf den Besuch“, erläutert Sonnabend.

Zusätzliche Kinder verändern die Effekte nur geringfügig

Hier zeigt die Untersuchung, dass ein weiteres Kind lediglich geringe oder keine zusätzlichen Auswirkungen auf die kulturelle Teilhabe hat. Der entscheidende Einschnitt erfolgt demnach bereits mit dem Übergang zur Elternschaft.

Ansatzpunkte für Kultur- und Familienpolitik

Kulturelle Teilhabe wird in der Forschung mit Wohlbefinden, sozialer Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt in Verbindung gebracht. Die Studienergebnisse legen daher nahe, dass insbesondere Familien mit kleinen Kindern stärker in den Blick genommen werden sollten.

„Die Studie zeigt, dass der entscheidende Einschnitt bei der Geburt des ersten Kindes stattfindet. Hier könnten kultur- und familienpolitische Maßnahmen ansetzen“, sagt Sonnabend. Mögliche Ansatzpunkte seien familienfreundliche Veranstaltungsformate mit flexiblen Zeiten, Betreuungsangebote in Kulturinstitutionen oder niedrigschwellige, wohnortnahe Kulturangebote.

Sonnabend, H., Westphal, M. Family first: the causal effect of family size on cultural participation. J Cult Econ (2026).

Quelle

 

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Zufriedene Väter?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Mai 2026

Beteiligung an Kinderbetreuung und Wohlbefinden im europäischen Vergleich

Väter beteiligen sich bei der Kinderbetreuung vor allem an interaktiven und freizeitbezogenen Aufgaben wie dem Spielen mit den Kindern, die häufig zeitlich flexibel sind. Diese Aufgaben hängen zudem eher mit einer höheren Lebenszufriedenheit zusammen. Weniger flexible und stärker versorgende Tätigkeiten – etwa das Anziehen, die Essenszubereitung oder die Betreuung kranker Kinder – sind hingegen Aufgaben, die tendenziell mit einer niedrigeren Lebenszufriedenheit einhergehen und werden von Vätern seltener übernommen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Daten des Generations and Gender Survey (GGS) aus den Jahren 2020 bis 2024 zum Wohlbefinden von Vätern in neun europäischen Ländern veröffentlicht hat.

Die Untersuchung geht der Frage nach, welche Aufgaben Väter ebenso häufig wie ihre Partnerinnen ausführen und sich in ähnlichem Maße an der Kinderbetreuung beteiligen. Dabei zeigt sich ein klares Muster: Bei interaktiven und freizeitbezogenen Tätigkeiten wie dem gemeinsamen Spielen, dem Zu-Bett-Bringen oder dem Organisieren von Freizeitaktivitäten gibt in allen untersuchten Ländern jeweils die Mehrheit der Väter an, diese Aufgaben mindestens ebenso häufig zu übernehmen wie ihre Partnerin. Besonders ausgeprägt ist dieses Muster beim Spielen: In sieben von neun Ländern ist dies die Aufgabe, die Väter mindestens ebenso häufig wie ihre Partnerinnen erledigen. Die entsprechenden Anteile variieren zwischen 68 Prozent in Deutschland und 95 Prozent in Norwegen.

Bei der Beteiligung von Vätern an versorgenden Tätigkeiten – etwa der Betreuung kranker Kinder, dem Anziehen der Kinder oder der Zubereitung von Mahlzeiten – zeigen sich hingegen deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Norwegen 80 Prozent und in Finnland 67 Prozent der Väter berichten, kranke Kinder mindestens ebenso häufig zu betreuen wie ihre Partnerinnen, sind es in Tschechien nur etwa 29 Prozent und in Deutschland 42 Prozent. Auch bei anderen versorgenden Tätigkeiten liegen die Anteile in Deutschland im unteren Bereich des Ländervergleichs.

Zusammenhänge mit dem Wohlbefinden von Vätern

Die Studie untersucht zudem den Zusammenhang zwischen einzelnen Aufgaben der Kinderbetreuung und dem Wohlbefinden von Vätern: Väter, die nach eigenen Angaben mindestens so oft wie ihre Partnerinnen gemeinsam mit den Kindern spielen, berichten über eine höhere Lebenszufriedenheit. Die Betreuung kranker Kinder ist, wenn Väter diese Aufgabe mindestens ebenso häufig übernehmen wie ihre Partnerin, mit einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden. „Versorgende Tätigkeiten sind häufig stärker an feste Zeiten gebunden und lassen sich schwerer mit Erwerbsarbeit vereinbaren“, erklärt Dr. Stefanie Hoherz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BiB und Mitautorin der Studie. „Interaktive und freizeitbezogene Tätigkeiten bieten dagegen größere zeitliche Flexibilität und können häufiger außerhalb von klassischen Kernarbeitszeiten übernommen werden – etwa nach Feierabend oder am Wochenende.“

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Kinderbetreuung nicht als einheitliche Tätigkeit verstanden werden kann. Vielmehr sind einzelne Aufgaben mit anderen Anforderungen verbunden und gehen – je nach Art der Tätigkeit – mit unterschiedlichen Mustern im Hinblick auf das Wohlbefinden von Vätern einher. Vor diesem Hintergrund gewinnen familienpolitische und arbeitsorganisatorische Rahmenbedingungen an Bedeutung: „Um eine ausgewogenere Verteilung der Kinderbetreuung zu fördern, sind insbesondere Rahmenbedingungen gefragt, die die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit zeitgebundenen oder kurzfristig anfallenden Betreuungs- und Versorgungsaufgaben verbessern, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten für Eltern“, fasst Mitautor Dr. Claudius Garten, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB, zusammen.

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Mehr Druck, weniger Kinder

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 24. März 2026

 Wie der Wettbewerb zwischen Eltern die Geburtenrate senkt

Eine neue Studie von Prof. Michèle Tertilt, Ph.D., von der Universität Mannheim und ihren Kollegen Prof. Minchul Yum, Ph.D., und Dr. Lukas Mahler zeigt: Eltern wünschen sich häufig mehr Kinder – doch entscheiden sich dagegen, weil sie das Gefühl haben, mit anderen Eltern und deren Investitionen in Bildung, Förderung und Betreuung nicht mithalten zu können. Der Vergleich zwischen Familien trägt somit maßgeblich zum weltweiten Rückgang der Geburtenraten bei.

Ein Grund für den Anstieg des Drucks ist laut Studie die wachsende Rolle von sozialen Medien – insbesondere sogenannter „Momfluencer“. Diese präsentieren auf Plattformen wie Instagram oder TikTok idealisierte Bilder moderner Mutterschaft: kreative Frühförderung, selbstgekochtes Bio-Essen, perfekte Kinderzimmergestaltung.

„In vielen Ländern gilt es inzwischen als notwendig, viel Geld und Zeit in die Förderung eines Kindes zu stecken, damit es mithalten kann. Das verändert, wie Familien über Kinder nachdenken – und wie viel Nachwuchs sie in Erwägung ziehen“, erklärt Tertilt. Der gesellschaftliche Druck auf Eltern führt demnach nicht nur zu Stress und finanzieller Belastung, sondern kann auch dazu beitragen, dass die Bevölkerung langfristig schrumpft.

Im Zentrum der Studie steht ein ökonomisches Modell, das die Entscheidung von Familien simuliert, wie viele Kinder sie bekommen und wie viel Zeit, Geld und Energie sie jeweils investieren. Dabei zeigt sich: Je stärker der soziale Vergleich, desto höher der Investitionsdruck pro Kind – und desto geringer die Geburtenraten.

Ergänzt wird das Modell durch empirische Analysen, die beispielsweise zeigen, dass in Ländern, in denen sich Eltern besonders Sorgen um die Bildung der Kinder machen und viel eigenes Geld in Bildung investieren, die Geburtenraten besonders niedrig sind. Dazu gehören Südkorea und die USA. Auch innerhalb der USA lässt sich dieser Zusammenhang beobachten: In Regionen mit hoher sozialer Vernetzung ist die Kinderzahl besonders niedrig, selbst bei vergleichbaren Einkommen. Umgekehrt verzeichnen eher ländliche Regionen mit weniger intensivem Vergleichsverhalten und weniger Wettbewerb um Bildungschancen höhere Kinderzahlen, auch bei vergleichbarem Einkommensniveau.

Aus Sicht der Forschenden könnten politische Maßnahmen, die den Vergleichsdruck im Bildungssystem reduzieren, dazu beitragen, dass Eltern sich eher für Kinder entscheiden. Dazu gehören etwa Reformen von Prüfungen und der Ausbau öffentlicher Bildungs- und Förderangebote. Auch ein offener Diskurs darüber, wie viel „Eltern-Investition“ sinnvoll und notwendig ist, könnte helfen, realistischere Erwartungen zu erzeugen.

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TEILZEITMänner braucht das Land

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 26. Januar 2026

…ein kurzer Zwischenruf zum unsäglichen Vorschlag, das Recht auf Teilzeit zu schleifen.

2014 habe ich gemeinsam mit Andy Keel beim damaligen BMFSFJ und dem Arbeitsministerium den Antrag gestellt, das in der Schweiz erfolgreich laufende Projekt ‚Der Teilzeitmann‘ auch in Deutschland an den Start zu bringen. In dem Antrag hieß es unter anderem:

„Nicht nur die aktuellen Diskussionen machen deutlich, viele Männer und Väter wollen Erwerbsarbeitszeiten reduzieren, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser zu meistern. Jedoch nur wenige machen diesen Schritt. Jeder Mann, der seine Arbeitszeit reduziert übt eine Vorbildfunktion aus, insbesondere in Führungspositionen. In dem Maße in dem Männer kürzer arbeiten, können Frauen ihren Anteil an der Erwerbsarbeit ausdehnen. Mit einer Erhöhung des Männeranteils bei Teilzeit werden also elementare Fundamente für eine gleichberechtigte Zukunft von Männern und Frauen in der Erwerbsarbeit gesetzt.

Zentrales Ziel des Projekts TEILZEITMANN ist die Beeinflussung der Erzählweisen zu Rollenbildern und –zuweisungen für Jungen, Männer und Väter im Kontext von Erwerbsarbeitszeiten und die Verbreitung ‚anderer‘ Geschichten. Diese beinhalten vor allem neue Möglichkeiten und Wirklichkeiten für Jungen, Männer und Väter und entlarven bislang übliche ‚männliche‘ Verhaltensweisen und überlange Arbeitszeiten humorvoll.

Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, schreibt Musil im Mann ohne Eigenschaften, dann muss es auch einen Möglichkeitssinn geben. Der Möglichkeitssinn zielt auf das, was nicht ist, aber ebenso gut sein könnte. Als Sinn für mögliche Wirklichkeiten verhält er sich zum Wirklichkeitssinn, dem Sinn für wirkliche Möglichkeiten, quasi spiegelverkehrt. Denn im gleichen Maße, wie die Wirklichkeit Möglichkeiten weckt, können eben auch aus Möglichkeiten Wirklichkeiten erwachsen.

Das gilt heute noch genauso wie vor 12 Jahren und ich denke, ganau das soll verhindert werden, das Männer und Väter von den Möglichkeiten, mehr Leben in ihr Leben zu bringen, Gebrauch machen.

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Bundesweite Studie zu Vätern von Kindern mit und ohne Entwicklungsbeeinträchtigung

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Januar 2026

Liebe Väter!

Sie sind herzlich eingeladen an einer Studie teilzunehmen, die erstmalig für Deutschland die Lebenssituationen von Vätern von einem Kind mit einer Behinderung ins Blickfeld rückt.

Hintergrund und Anlass der Studie ist die Tatsache, dass wissenschaftliche Untersuchungen, die (neben Müttern) auch Väter als positiv wirkende Bezugsperson ihrer Kinder systematisch einbeziehen, international wie national immer noch eine Seltenheit sind. Studien, welche Väter in Familien von Kindern mit einer Behinderung einbeziehen, sind in Deutschland bisher noch gar nicht durchgeführt worden!

Das Ziel dieser Umfrage ist es deswegen, für Deutschland erstmalig umfassende und differenzierte Ergebnisse zum Selbstbild, dem Engagement und den alltäglichen Herausforderungen von Vätern von Kindern mit einer Behinderung zu gewinnen, um daraus Impulse für die Entwicklung oder Verbesserung von Unterstützungsmaßnahmen für Väter und die betroffenen Familien insgesamt abzuleiten.

Mit „Behinderung“ des Kindes sind grundsätzlich dauerhafte Entwicklungsbeeinträchtigungen ganz unterschiedlicher Art gemeint (z.B. auch ADHS oder Autismus), die zu verschiedensten Teilhabeeinschränkungen führen können.

Die Studie umfasst verschiedene Fragen zur persönlichen Lebenssituation sowie zu Einstellungs- und Verhaltensaspekten Ihrer Rolle und den alltäglichen Anforderungen als Vater eines Kindes mit Behinderung. Jede familiäre Situation mit einem Kind, zumal mit Entwicklungsbeeinträchtigung, ist sehr individuell und damit unterschiedlich! Zugleich muss die Befragung aus Gründen der Vergleichbarkeit mit vorgegebenen Frage-Antworten-Sets arbeiten, die u.U. nicht für jede persönliche Situation gänzlich „passt“.

Die Ergebnisse dieser Studie sollen ergänzend zu Antworten von Vätern von Kindern mit „altersgemäßer“ Entwicklung in Relation gesetzt werden. Hierfür stellen wir Ihnen am Ende der Befragung einen Link für eine separate Online-Befragung zur Verfügung, den Sie möglichst bitte an einen Ihnen bekannten Vater weiterleiten, der ein Kind (ab 2 Jahren) ohne eine Entwicklungsbeeinträchtigung hat.

Der Link zur Studie

Bitte beachten Sie, dass sich diese Befragung ausschließlich an biologische Väter (Mindestalter: 18 Jahre) mit (mind.) einem Kind (Mindestalter: 2 Jahre) mit einer Behinderung richtet.

Die Bearbeitungsdauer beträgt ca. 15-20 Minuten. Weiterlesen »

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… na sowas: Ausgerechnet gut gemeinte Frauen-Netzwerke können Ungleichheit verstärken

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Dezember 2025

Frauen-Netzwerke gelten in vielen Unternehmen als zentrale Maßnahme, um den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Eine neue Studie von Prof. Dr. Karin Kreutzer, Patricia Hein und Maikki Diehl zeigt: Ob solche Formate tatsächlich Empowerment fördern oder unbeabsichtigt bestehende Ungleichheiten verfestigen, hängt entscheidend von ihrer Gestaltung ab.

„Viele Unternehmen wollen mit Frauen-Netzwerken Gleichstellung fördern. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass diese Initiativen schnell kontraproduktiv wirken können, wenn sie vor allem darauf abzielen, Frauen an bestehende – häufig männlich geprägte – Praktiken anzupassen“, erklärt Karin Kreutzer.

Besonders kritisch bewerten die Autorinnen ein paradoxes Muster: Obwohl Unternehmen Gleichstellung betonen, reproduzieren sie durch bestimmte Netzwerkformate subtile Formen von Diskriminierung. In der Forschung wird dies als „benevolent sexism“ bezeichnet – eine scheinbar wohlwollende Haltung, die Frauen als schutzbedürftige Empfängerinnen von Unterstützung adressiert und kollektives Handeln eher bremst als stärkt. Statt strukturelle Ungleichheiten zu hinterfragen, geraten Frauen so in die Rolle derjenigen, die sich an bestehende Macht- und Karrierelogiken anpassen sollen.

Dies gilt umso mehr, wenn Männer und Väter nicht gleichermaßen als Subjekte im Gleichstellungsdiskurs angesehen werden und eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Carearbeit nicht thematisiert wird.

Die Studie zeigt außerdem, unter welchen Bedingungen Frauen-Netzwerke ihr Potenzial entfalten können. Erfolgreich sind sie insbesondere dann, wenn:

  • sie auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet sind statt auf symbolische Sichtbarkeit,
  • sie zukunftsorientiert arbeiten und nicht vermeintliche Defizite adressieren,
  • sie Hierarchien abbauen, sodass Frauen die Formate eigenständig prägen können.

Netzwerke sind also keine Reparaturinstrument für individuelle Defizite, sondern können Katalysator für strukturellen Wandel sein. Voraussetzung ist jedoch, dass sie nicht als gut gemeinte „Hilfe“ verstanden werden, sondern als Raum, um diskriminierende Strukturen sichtbar zu machen und zu verändern.

Quelle

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Zwanzig Jahre VEND-eV – Wie sich Vaterschaft verändert hat und worauf es in Zukunft ankommt

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 28. November 2025

Als das Väterexpertennetz Deutschland (VEND-eV) 2005 gegründet wurde, war Vaterschaft noch ein Randthema. Männer galten überwiegend als Ernährer, pädagogische Fragen oder emotionale Nähe spielten in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Zwei Jahrzehnte später zeigt sich ein tiefgreifender Wandel – in den Lebensrealitäten von Vätern, in gesellschaftlichen Erwartungen und in den fachlichen Debatten, die VEND-eV maßgeblich mitgestaltet hat.

Vom Patriarchen zum Caring Father

Ein Blick in die Vergangenheit macht die Dimension sichtbar: Die Väter der 1960er Jahre waren geprägt von strenger Rollenaufteilung und körperlicher Distanz. In den 1990ern begann ein Bruch, doch viele Männer standen zwischen tradierten Erwartungen und fehlenden strukturellen Alternativen. Erst seit den 2000er Jahren etabliert sich Schritt für Schritt ein neues Leitbild – der Caring Father, der präsenter ist, Nähe zulässt und Alltagssorge teilt.

Gleichzeitig bleibt die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestehen: Viele Väter wollen es „besser machen“ als ihre eigenen, stoßen aber auf Vollzeitnormen, mentale Barrieren und institutionelle Hürden.

Neue Männlichkeiten, neue Baustellen

Der Wandel der Vaterschaft vollzieht sich parallel zu grundlegenden Veränderungen der Männerrollen. Der deutliche Bildungsrückstand junger Männer, die starke Bildungsabhängigkeit von Lebenszufriedenheit und die weiterhin ungleiche Erwerbsverteilung sind nur einige Beispiele für die Herausforderungen, die sich auf Vaterschaft auswirken.

Auch Männergesundheit rückt stärker ins Blickfeld: höhere Sterblichkeit in allen Altersgruppen, eine besonders hohe Suizidrate bei Männern um die 40, große Unterschiede in der Selbstfürsorge je nach Bildung. Es wird sichtbarer, dass Väterarbeit immer auch gesundheits- und sozialpolitische Arbeit ist.

Dazu kommt eine gewachsene Vielfalt: migrantische Väter, queere Familien, junge Männer zwischen Gleichberechtigungswunsch und Rollenambivalenz. Vaterschaft ist heterogener geworden – und verlangt differenzierte Antworten.

Was VEND-eV in den vergangenen 20 Jahren bewirkt hat

Das VEND hat sich in diesen zwei Jahrzehnten zu einem der zentralen Akteure der deutschen Väterpolitik entwickelt. Das Netzwerk bringt Praktiker und Wissenschaftler zusammen, hat Fachbücher mitgestaltet, politische Impulse gesetzt und wichtige Kooperationen aufgebaut – etwa mit der evangelischen Männerarbeit oder dem Bundesforum Männer. Nicht zuletzt bietet es einen Raum für persönlichen Austausch, der viele Fachkräfte durch Höhen und Tiefen der Väterarbeit begleitet hat.

Die Aufgaben der nächsten Jahre

Trotz der Erfolge liegt vor VEND und der Väterarbeit auch in Zukunft anspruchsvolle Herausforderungen.

Strukturelle Verankerung von Vaterschaft: Noch immer werden Väter in Kitas, Schulen oder Sozialarbeit oft nicht automatisch mitgedacht. Die Profession braucht verbindliche Verankerung in Ausbildungsgängen, bessere Daten zur Lebenslage von Vätern und stärkere interdisziplinäre Kooperation.

Nachwuchs gewinnen: Die Väterarbeit altert. Ohne jüngere Fachkräfte drohen wichtige Erfahrungen verloren zu gehen. Nachwuchsgewinnung ist eine der dringlichsten Aufgaben – nicht nur für VEND, sondern für das gesamte Feld.

Diversität ernst nehmen: Zukünftige Angebote müssen kulturelle Vielfalt ebenso berücksichtigen wie neue Familienformen oder unterschiedliche Männlichkeitsbilder. Das bedeutet: migrantische Väter einbeziehen, Regenbogenfamilien fachlich begleiten und Zugänge für verschiedene Vätertypen entwickeln.

Familienrecht geschlechtergerecht gestalten: Neue Lebensmodelle – vom Wechselmodell über Patchwork bis zum Co-Parenting – machen dringende Reformbedarfe im Familienrecht sichtbar. Väter benötigen Rahmenbedingungen, die Caring Fatherhood ermöglichen, statt sie zu erschweren.

Männergesundheit integrieren: Hohe psychische Belastungen und Übersterblichkeit von Männern machen deutlich: Väterarbeit muss Gesundheitsthemen künftig stärker einbeziehen, von Prävention bis zu niedrigschwelligen Beratungsangeboten, nicht nur in Krisensituationen.

Fazit

In zwanzig Jahren hat sich die Vaterschaft in Deutschland grundlegend verändert – und das VEND hat diesen Wandel aktiv begleitet. Doch der gesellschaftliche Aufbruch hin zu einer gleichberechtigten, fürsorglichen Vaterschaft ist noch nicht abgeschlossen. Die nächsten Schritte liegen in der strukturellen Verankerung, der Diversitätsorientierung, der Nachwuchsförderung und der Verbindung von Väterarbeit mit Fragen von Männlichkeit und Gesundheit.

Das Väterexpertennetz Deutschland bleibt ein unverzichtbares Netzwerk: als Fachforum, als politischer Akteur und als Motor für die Weiterentwicklung einer Väterarbeit, die die Lebenswirklichkeiten heutiger und zukünftiger Väter abbildet.

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Don’t worry, be Daddy

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 24. November 2025

JuViD, das Angebot für jugendliche Väter in Düsseldorf hat ein cooles Viedeo erstellt, dass zeigt, wie jungen Daddys geholfen werden kann

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Fachtag Jugendliche Väter im Blick 2025 – Praxisbeispiele, Erfolge und Zukunftssicherung

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. September 2025

Am 6. November 2025 findet am Campus Mönchengladbach der Hochschule Niederrhein der Fachtag ‚Jugendliche Väter im Blick 2025 – Praxisbeispiele, Erfolge und Zukunftssicherung‘ statt.

Nach vier Jahren Projektarbeit werden gemeinsam mit Fachkräften und Studierenden aus Sozialer Arbeit Erkenntnisse ausgewertet, Best‑Practice‑Modelle diskutiert und Zukunftsperspektiven für die Arbeit mit jugendlichen Vätern entworfen.

Teilnehmende können sich auf Impulse aus Wissenschaft und Praxis, interaktive Workshops sowie eine Podiumsdiskussion über die nächsten Schritte zur Weiterfinanzierung des Projektes freuen. Für das leibliches Wohl ist ebenfalls gesorgt.

Programm

10:00 Ankommen/ Kaffee

10:30 Begrüßung und Einführung

11:00 Fachvortrag Hochschule Niederrhein Wie junge Väter gesellschaftlich wahrgenommen werden

12:00 Workshops: Männliche Stereotype hinterfragen und überwinden | Väter über Social Media erreichen | Väter im Zwangskontext erreichen | Interkulturelle Orientierung in der Väterarbeit | Politische Väterarbeit | Aufsuchende Väterarbeit | Fundraising in der sozialen Arbeit | Väter als Zielgruppe in den Sozialwissenschaften

13:00 Mittagspause

14:00 Fachvortrag Christoph Düring Berichte aus der Praxis – Best Practice

15:00 Podiumsdiskussion „Wie geht es weiter?“ Politik (Heidi Reichinnek zugeschaltet im Livestream) Wissenschaft und Fachleute vor Ort über die Möglichkeiten von Weiterfinanzierung

15:45 Verabschiedung

Anmeldung unter https://jugendlichevaeter.de/fachtag-6-11-25/

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20 Jahre VEND-eV

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 28. September 2025

Väterrollen und Väterarbeit heute und morgen – Fachveranstaltung mit Soziologischem Rückblick und Ausblick

Seit 2005 vernetzt der VEND e.V. – Väter-Experten-Netz Deutschland Fachkräfte aus Familienbildung, Sozialer Arbeit, Psychologie, Beratung und Wissenschaft, um die Einbeziehung von Vätern in familien- und gesellschaftliche Unterstützungsstrukturen zu fördern. Als Impulsgeber und Fachnetzwerk setzt der VEND sich dafür ein, dass Väter ihre Rolle aktiv und gleichberechtigt wahrnehmen können – und gestaltet so den gesellschaftlichen Wandel mit.

20 Jahre VEND e.V. – ein Anlass zum Rückblick und zur Weichenstellung. Diskuskeren Sie mit uns, wie Väterarbeit zukunftsfähig, divers und wirksam gestaltet werden kann – für alle Väter und Familien. Mit fachliche Impulse von:

Prof. Dr. Steffen Kröhnert (Hochschule Koblenz) analysiert den gesellschaftlichen Strukturwandel, der Vaterschaft und

Familie prägt – mit Blick auf Demografie, Erwerbsarbeit und Geschlechterrollen.

Dr. Anna Buschmeyer (Deutsches Jugendinstitut – DJI) bringt langjährige Forschungserfahrung zu Väterbildern, Gleichstellung

und praktischer Väterarbeit ein – mit Fokus auf Vielfalt und Inklusion. Anschließend gemeinsame Diskussion: mit Karsten Kassner (Bundesforum Männer), Hans-Georg Nelles, Prof. Dr. Andreas Eickhorst und Holger Strenz (Vorstände im Väterexpertennetz Deutschland) und weiteren Gästen/dem Publikum.

Für wen? Fachkräfte aus Familienbildung, Jugendhilfe, Sozialer Arbeit, Beratung, Gleichstellung, Wissenschaft, Politik und alle, die Väter in ihrer Arbeit stärker berücksichtigen möchten.

Datum: 21. November 2025

Ort: Hochschule Hannover und Online

Blumhardtstraße 2 | 30625 Hannover

Zeit: von14 bis 17 Uhr

Anmeldung: anmeldung@vend-ev.de

Den Flyer zur Veranstaltung mit weiteren Informationen können Sie hier herunterladen.

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