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Väter bekommen mehr Gewicht

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 12. Oktober 2013

Eine neue Struktur, ein frischer Look und mehr für Väter erwartet die Leser der Zeitschrift „Eltern“ ab Oktober. Der Verlag hat das Magazin überarbeitet und verkauft es jetzt unter dem Motto „Für die schönsten Jahre des Lebens“.

„Eltern“-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki erklärt dazu: „Hintergrund unseres Leitmottos ist der Gedanke, das Schöne am Elternsein, das im Alltag oft zu kurz kommt, wieder mehr in den Vordergrund zu bringen. Wir wollen Eltern inspirieren – damit sie sich ein schönes Familienleben gestalten und sich entspannt mit ihren Kindern beschäftigen“.

In der aktuellen Ausgabe gibt es ein Interview mit dem Väterforscher Matthias Stiehler zum Thema „Sind Väter heute zu mütterlich?“. Zudem schreibt der österreichische Kabarettist Joachim Brandl ab sofort die Väterkolumne „One and a half women“. Das Thema „Väter“ bekommt mehr Gewicht und findet sich in Zukunft als fester Bestandteil in jedem Heft.

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Die Welt – Familien – Karte

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Januar 2013

Die erste Ausgabe der ‚Familien Weltkarte‘ ist soeben veröffentlicht worden. Für diesen Bericht ist das Wohlbefinden von Familie anhand von verschiedenen Indikatoren in den vier Bereichen: Familienstruktur, Familie Sozioökonomie, Familie Prozesse, sowie Familienkultur untersucht worden. und das Verhältnis der ein Indikator für die Struktur der Familie — Lebensbedingungen der Kinder — Bildung Ergebnisse für Länder, die alle Regionen der Welt darstellt.

Der Bericht untersucht insbesondere die Verknüpfungen zwischen Familienstruktur und der Lesefähigkeit der Kinder, ihren Bildungsgrad, die Schulbesuchsquote und die Anzahl der Klassenwiederholungen.

Aus Westeuropa wurden acht Länder in den Bericht aufgenommen. Die Lebensbedingungen der Kinder in Europa sind ähnlich denen in Nordamerika und Ozeanien, etwa vier von fünf Kindern leben mit beiden Eltern, während knapp 20 % mit einem alleinerziehenden Elternteil leben. Ein kleinerer Anteil lebt in einer Großfamilie.

Etwa die Hälfte der Erwachsenen sind verheiratet leben auch zusammen. Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Kinder werden in  nicht ehelichen Partnerschaften geboren. Westeuropäische Familien hatten die niedrigste Rate der relativen Armut aller Regionen, und parallel dazu das höchsten Niveaus der Staatsausgaben für Familienleistungen. Etwa 80 % der Eltern waren im Durchschnitt beschäftigt. Die Familien Zufriedenheit der Westeuropäer liegt auf einem ‚gemäßigte Niveaus‘. Es gibt selten Uneinigkeit über Hausarbeit aber auch seltener Diskussionen in der Familie über politische oder soziale Probleme, Italien, wo auch in hohem Maße gemeinsame Mahlzeiten stattfinden, bildet hier eine Ausnahme.

Was die Bildungschancen angeht erzielen Kinder mit beiden Elternteilen in sechs von acht Ländern in Westeuropa eine höhere Lesekompetenz als solche mit einem Elternteil, und diese erzielte wiederum eine höhere als diejenigen ohne Eltern. Kinder in zwei-Eltern-Familien hatten auch eine geringere Klassenwiederholungsrate als die  in ein-Eltern-Familien in allen westeuropäischen Ländern mit Ausnahme von Großbritannien

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Wie man seine Kinder erzieht, kann man machen, wie man will

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. April 2012

Der Familientherapeut Jesper Juul im Gespräch mit der Bild Zeitung über unglückliche Väter, verunsicherte Mütter und ihre gestressten Kinder‘.

‚Herr Juul, welchen Eindruck haben Sie von deutschen Eltern?

Jesper Juul: Deutsche Eltern sind sehr gestresst und wollen alles richtig machen. Der Stress überträgt sich dann aufs Kind. Wenn die Eltern sich schuldig fühlen, werden sich die Kinder nicht gelungen fühlen. Deutsche Eltern denken immer, sie seien schuldig. Und es gibt bei ihnen diesen furchtbaren Zwang: Du musst lieb sein. Wenn du nicht lieb bist, bist du ein Ungeheuer. …

Geben wir Eltern zu oft die Verantwortung an Ärzte, Lehrer, Erzieher ab?

Ja, aus Verunsicherung, aber auch einem großen Vertrauen in Autoritäten. Wenn ein Mann wie ich kommt, dann weiß er es besser. Das ist ja furchtbar!

Sie verdienen Geld damit …

Stimmt. Aber ich habe nie gesagt, dass ich es besser weiß.

Sondern?

Wenn so ein Ding in einer Familie passiert und alle frustriert sind, weiß ich, was man tun kann. Wie man allgemein seine Kinder erzieht, kann man machen, wie man will.

Ein Kollege hält sich für einen nicht empathischen Vater. Sein Problem oder das seines Kindes?

Es gibt viele Männer, die keinen Kontakt zu sich selbst haben. Deshalb haben sie starke Haltungen und Meinungen. Das ist unglücklich für die Väter, denn sie werden sehr schnell sehr einsam. Natürlich ist das auch für das Kind nicht schön, aber Kinder können viel besser ihrem etwas viereckigen Vater verzeihen, als es eine Frau bei ihrem Mann kann.

Also ein Problem der Eltern?

Wenn man als Mutter spürt, irgendetwas fehlt in der Beziehung zwischen meinem Kind und meinem Mann, weiß man ja: Das fehlt auch in unserer Beziehung. Aber wenn die Frau damit klarkommt, kann es auch für das Kind eine Bereicherung sein. Es lernt, wie man mit einem nicht empathischen Menschen umgeht.

Verdrängen die Mütter die Väter absichtlich aus der Erziehung? Weiterlesen »

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Kinder bevorzugen den Fahrstil des Vaters

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 7. April 2012

Das ist ein Ergebnis einer Umfrage unter 500 Kindern im Alter von vier bis 16 Jahren, die das Marktforschungsunternehmen OnePoll im Auftrag des internationalen Automobilzulieferers Continental in Verbindung mit der Verkehrswachtstiftung Niedersachsen durchgeführt hat.

Eltern sollten Vorbilder für ihren Nachwuchs sein und auf einen gepflegten Umgangston und gute Sitten bedacht sein – so zumindest die Theorie. Diesem Anspruch werden Eltern im Auto aber bei weitem nicht immer gerecht, denn die Praxis zeichnet nach Aussagen ihrer Kinder ein gegenteiliges Bild:

Eltern in Deutschland schimpfen (75 %) im Auto oft wie die Rohrspatzen, schreien (54 %) und streiten sich (41 %) im Fahrzeug in Anwesenheit ihrer Kinder. 20 % der Eltern telefonieren sogar mit dem Handy während der Fahrt, 45 % der Eltern wird vom Nachwuchs mangelnde Konzentration am Steuer attestiert. Insgesamt sind Kinder in Deutschland jedoch mit dem Fahrstil der Eltern zufrieden (98 %) und fühlen sich während der Fahrt sicher (94 %).

Weitere Ergebnisse geben Einblick in die unterschiedliche Fahrweise – zumindest in der Wahrnehmung des Nachwuchses – von Vätern und Müttern: Obwohl die Mehrheit (73 %) der befragten Kinder angeben, dass ihr Vater für gewöhnlich schneller fahre als die Mutter und mehr als ein Drittel der Kinder (37 %) das Fahrverhalten des Vaters sogar als rüpelhaft einstuft, präferieren Kinder den väterlichen Fahrstil (49 %).

Es zeigt sich, dass das häufige Schimpfen, Schreien und Streiten nicht spurlos an den Kindern vorüber geht: Manche sind aufgeregt (22 %), nervös (10 %), beschämt (9 %) oder ängstlich (5 %). Obwohl 35 % der Kinder angeben, als Reaktion auf das Schimpfen der Eltern mit Lachen zu reagieren, ermahnt immerhin jedes fünfte Kind die Eltern und bittet darum, mit dem Schimpfen aufzuhören. Auch wenn Eltern verleitet sind, zu schnell zu fahren, greift der Nachwuchs von der Rückbank ein: Mehr als jedes dritte Kind bittet die Eltern schlichtweg, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Lediglich jedes zehnte Kind spornt die Eltern zum schnelleren Fahren an.

Neben dem Umgangston im Auto ist die elterliche Konzentration am Steuer oft Anlass zur Sorge: Weiterlesen »

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… jeder dieser Väter hat seine Arbeitszeit reduziert

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 25. November 2011

Gene, Namenswahl, Stillen, Kita, TV-Konsum: Es gilt viel zu beachten, will man sein Kind auf den richtigen Weg bringen. Ob Eltern tatsächlich so viel falsch machen können, wie ihnen häufig suggeriert wird, analysiert Inka Schmeling in ihrem Buch „Erziehungsquatsch. Worauf Eltern Einfluss haben – und worauf nicht„. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost erklärt sie, warum sie dieses Buch geschrieben hat.

‚Berliner Morgenpost: Bücher über Kindererziehung gibt es viele. Was war der Anlass für Sie, sich dem Thema zu widmen?

Inka Schmeling: Ich schlug morgens die Zeitung auf und sah einen Artikel, in dem es darum ging, was man in der Schwangerschaft darf und was nicht. Wahrscheinlich wieder irgendetwas mit Rohmilchkäse. Auch ich habe mich in meiner ersten Schwangerschaft davon verunsichern lassen. Das hat mich später geärgert. Bei der Recherche für mein Buch habe ich die Arbeiten vieler Experten gelesen, die oft sehr gegensätzlicher Meinung sind. Herausgekommen ist die Zusammenfassung ihrer Streitpunkte, quasi die Essenz. Das erspart Müttern eine Menge Arbeit. …

Berliner Morgenpost: Wie sehen Sie die Rolle der Väter? Nehmen sie heutzutage mehr Einfluss auf das Leben ihrer Kinder?

Inka Schmeling: Wenn ich mein Umfeld betrachte, ist es definitiv so. In unserer Krippengruppe gab es kein einziges Kind, das nicht regelmäßig auch vom Vater abgeholt wurde. Das heißt, dass jeder dieser Väter seine Arbeitszeit reduziert hat. Und diese Väter haben auch kein Problem damit, einmal ein Wochenende aufzupassen, wenn die Mutter etwas unternehmen möchte. …

Berliner Morgenpost: Wie stark müssen Eltern für das Wohl Ihrer Kinder zurückstecken? Nehmen wir die Wahl des Wohnortes.

Inka Schmeling: Anders als andere Eltern wollen mein Mann und ich auch mit Kindern in der Stadt wohnen bleiben. Wenn wir in der Vorstadt wohnen würden, dann wären wir nicht glücklich. Für unseren Sohn macht das einen geringeren Unterschied als für uns. Wer will, kann auch in der Stadt dörfliche Strukturen finden. Wir haben jetzt zum Beispiel auch einen Schrebergarten. Natürlich verändern wir unser Leben für unsere Kinder, um sie so viel wie möglich einzubeziehen. Aber Kinder haben absolut nichts von Märtyrereltern. Und wie sagt der dänische Familientherapeut Jesper Juul so schön: Der Kinderstuhl ist nicht der Thron.

Berliner Morgenpost: Was ist also der ideale Weg?

Inka Schmeling: Manchmal muss man sich auch als Mutter und Vater etwas rausnehmen. Zum Beispiel einen Babysitter bestellen, um ins Kino zu gehen, wenn einem danach ist. Man soll doch die Freude behalten und nicht ständig überlegen, was man aufgeben musste. Wir tun ohnehin wahnsinnig viel für unsere Kinder. Deswegen empfinde ich auch die Experten als angenehm, denen es wichtig ist, dass beide Seiten glücklich sind: Kinder und Eltern.’

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Hotel Mama statt Wohngemeinschaft

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 22. November 2011

Zwei Drittel (64 %) aller jungen Erwachsenen wohnen noch bei den Eltern. Vor allem Söhne fühlen sich im Hotel Mama offenbar wohl – und tun sich schwer damit, eine eigene Familie zu gründen. Das hat das Statistische Bundesamt aus Daten des Mikrozensus ermittelt. Vor allem den jungen Männern zwischen 18 und 24 gefiel es offenbar gut im alten Zuhause: 71 % von ihnen zogen Hotel Mama einem eigenen Heim vor. Bei den weiblichen Altersgenossinnen waren das nur 57 %.

Damit blieb die Zahl der Nesthocker in den vergangenen zehn Jahren ungefähr gleich. Im Jahr 2000 hatten 65 % der jungen Erwachsenen noch bei den Eltern gewohnt. Entsprechend klein ist die Zahl derer, die bereits in jungen Jahren eine eigene Familie gründen. Nur 13 % lebten mit einem Ehe- oder Lebenspartner zusammen. Bei den Männern waren es sogar nur acht %. Von einem Hochzeitsboom weiß die Statistik nichts: Zehn Jahre zuvor hatten noch deutlich mehr junge Deutsche (17 %) mit ihrem Partner zusammengelebt. Dafür stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Singles mit eigenen vier Wänden von 15 auf 17 %. Dabei halten sich Männer und Frauen in etwa die Waage.

Wohngemeinschaften scheinen sich trotz wachsendem Zuspruch allenfalls in Großstädten als Lebensform junger Erwachsener behaupten zu können. Nur 6 % der 18- bis 24-Jährigen entschieden sich dafür. Allerdings waren es vor zehn Jahren nur 4 %.

Soziologen machen eine Vielzahl von Gründen für das Nesthocken aus. Zum einen lohnt es sich für junge Menschen nicht mehr, schnell von zu Hause auszuziehen: Sie können auch so alle Vorteile des Erwachsenseins genießen, ohne die Nachteile – finanzielle Belastung, Weiterlesen »

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Work-Life-Balance setzt viele Eltern unter Druck

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 22. Oktober 2011

Die Balance von Arbeit und Leben bleibt oft ein Ideal: Der Begriff gaukele vor, dass es möglich sei, ein Gleichgewicht zwischen der Arbeit und dem Privatleben herzustellen. In der Praxis bleibe das für die meisten Mütter und Väter aber unerreichbar, sagt die Soziologin Katrin Jurczyk. Außerdem komme die Arbeit in diesem Vergleich zu schlecht weg. Denn während das Familienleben oft überfrachtet mit Erwartungen ist, wird die Arbeit zu dem Platz, an dem die Eltern Anerkennung bekommen.

Am meisten belaste die Eltern der Versuch, alles unter einen Hut zu bringen. Das Familienleben entwickele sich so zu einer Managementaufgabe. Selbst wenn es den meisten gelingt, bleibt dabei das Wesentliche auf der Strecke: ‚Nämlich, dass man es sich gemeinsam gut gehen lassen und glücklich sein will’, sagt Jurczyk in einem Interview der Zeitschrift ‚Nido’.

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Erwartungsdruck auf Väter ist groß

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 15. August 2011

Die Kinderlosigkeit in Deutschland liegt nach Ansicht des Bevölkerungsforschers Norbert Schneider an zu hohen gesellschaftlichen Erwartungen an Eltern. „Die optimale Förderung der kindlichen Entwicklung ist in den Mittelpunkt der Familien gerückt.

Elternschaft ist dadurch anspruchsvoller geworden, begleitet von einer massiven Professionalisierung und Pädagogisierung der Elternrollen“, sagte Schneider der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Deshalb verzichteten viele lieber auf ein Kind, als sich diesem Druck zu stellen.

Allerdings verschärfe das unzureichende Angebot von Betreuungsplätzen die Situation. „Würde man den Erwartungsdruck von den Eltern nehmen, und das heißt vor allem von den Müttern, dann würden bei steigender Erwerbsbeteiligung und wachsender Mobilität der Frauen mehr Kinder geboren werden“, so Schneider. Für die Richtigkeit dieser These spreche das Beispiel Schweden.

Derzeit werde Frauen in Deutschland überall dort die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert, „wo Mobilität im Beruf erwartet wird“. Während Väter beruflich sogar mobiler seien als kinderlose Väter, seien beruflich mobile Frauen selten auch Mütter, sagte Schneider. Bei der Rollenverteilung von Vätern und Müttern lasse sich in Deutschland keine große Veränderung feststellen. „Im Kern dominiert Stabilität und nicht Wandel.“

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Vielen Eltern fehlt die Gelegenheit zu spontanem Sex

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 2. Juni 2009

Kinder nehmen Eltern oft die Möglichkeit, auch mal spontan intim zu werden.

In einer repräsentativen Umfrage der GfK Marktforschung in Nürnberg erklärten 56,2 % der Mütter und Väter, ihnen fehle die Gelegenheit zu spontanem Sex.

26,3 % haben oft Angst davor, von ihren Kindern im Bett überrascht zu werden. 35,7 % erklärten, die täglichen Sorgen und Probleme mit ihren Kindern nähmen ihnen die Lust am Sex.

An der Umfrage im Auftrag des in Baierbrunn bei München erscheinenden Magazins «Apotheken Umschau» nahmen 413 Männer und Frauen mit minderjährigen Kindern teil.

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Eine Frage des Respekts

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 1. Mai 2009

Eine Frau liegt gemütlich auf dem Sofa und liest. Plötzlich dröhnt laute Musik aus dem Nebenzimmer – ihr Mann hat die Anlage schon wieder bis zum Anschlag aufgedreht. Die Frau geht zu ihm, sie schreit: ‚Wie oft soll ich dir noch sagen, dass mich der Krach nervt, dafür darfst du heute Abend keine Sportschau gucken!’ Strafe muss sein, denkt sie sich, sonst lernt der das nie.

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul mag solche Geschichten. Weil sie wie Unsinn klingen, aber in Wahrheit die Wirklichkeit beschreiben. Denn wie diese Frau, meint Juul, benähmen sich zahllose erwachsene Menschen. Vielleicht nicht untereinander, aber ihren Kindern gegenüber. Weil sie glaubten, dies sei das, was man Erziehung nennt. Irrtum, sagt Juul. Erziehung bestehe darin, Kindern mit Respekt zu begegnen. Dann bekomme man auch Respekt zurück.

Entscheidend für das Wohlergehen einer Familie sei nicht, welche Regeln man aufstelle, sondern wie man miteinander umgehe, sagt Juul. Er malt einen Strich an die Tafel, der an jedem Ende eine Spitze hat. Darunter schreibt er das Wort »Beziehung«. Darauf komme es an, sagt er, auf Respekt und darauf, die Würde des anderen anzuerkennen. Bei kleinen Kindern genauso wie bei pubertierenden. Und dann formuliert er seinen Kernsatz: Kinder sind vollwertige Menschen. Sie müssen nicht erst durch Strafen und Verbote zurechtgebogen werden.

Das klingt schlicht. Doch in einer Zeit, in der viele Eltern in Erziehungsfragen verunsichert sind, nicht mehr wissen, woran sie sich orientieren sollen, und den Eindruck haben, Erziehung sei ein ungeheuer kompliziertes, anspruchsvolles Unterfangen, sind solche einfachen Ratschläge vermutlich genau das, was ihnen hilft. Und weil Juul erfahren hat, wie viele Eltern dringend nach Orientierung suchen, hat er vor einigen Jahren sein Familylab gegründet, eine Bildungswerkstatt für Familien in bisher sieben europäischen Ländern. Familylab bietet Seminare, Vorträge, Beratungsgespräche für Eltern an, erfüllt von dem Gedanken, dass niemand ein schlechter Mensch ist, nur weil er sich im Umgang mit seinen Kindern überfordert fühlt. Im Gegenteil, sagt Juul bei jeder Gelegenheit, selbst den besten Eltern unterliefen täglich zwanzig Fehler. Der schlimmste Fehler aber sei der Wunsch nach Perfektion.

Juul selbst hat das, was er zu wissen glaubt, weniger an Instituten oder Fakultäten gelernt als vor allem draußen in der Welt, in ungezählten Gesprächen mit Müttern, Vätern und Kindern, mit wohlhabenden dänischen Familien hat er ebenso gearbeitet wie mit kroatischen Flüchtlingsfamilien, die alles verloren hatten.

Denn Jesper Juul hat einen kleinen Enkel, zweieinhalb Jahre ist er alt. Abgesehen davon, dass er sich wie jeder Großvater über den Nachwuchs freue, sagt Juul, habe es ihn neugierig gemacht, endlich das anwenden zu können, was er anderen so oft geraten habe. Bei seinem Sohn sei er viel zu jung und ahnungslos gewesen.

Kürzlich saß er nun mit seinem Enkel beim Essen, und der Kleine spuckte alles, was ihm nicht schmeckte, wieder aus und schmierte es auf den Tisch. ‚Genau wie mein Sohn, als er klein war’, sagt Juul. Den hatte er damals noch angeschrien, hatte geschimpft, er solle die Reste gefälligst auf dem Teller liegen lassen, und hatte damit erreicht, dass der Junge einen Wutanfall bekam. Jetzt sagte er ganz ruhig zu seinem Enkel: ‚Ich will, dass du das Essen auf den Teller zurücklegst, wenn es dir nicht schmeckt. Machst du das für mich?’

Und, wie hat der Kleine reagiert? ‚Er hat es tatsächlich zurückgelegt’, sagt Jesper Juul lächelnd.

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