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Geburt eines Kindes führt zu langfristigem Rückgang kultureller Teilhabe

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 21. Juni 2026

Mit der Geburt des ersten Kindes verändern sich nicht nur Alltagsroutinen, sondern auch Freizeit- und Kulturaktivitäten von Eltern. „Das kulturelle Aktivitäten nach der Geburt eines Kindes zurückgehen, würden viele erwarten. Das Ausmaß und die Dauer dieses Rückgangs haben uns jedoch überrascht“, sagt PD Dr. Hendrik Sonnabend von der FernUniversität in Hagen.

Deutlicher und langfristiger Rückgang kultureller Aktivitäten

Die Analyse zeigt: Mit der Geburt des ersten Kindes sinkt die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten je nach Art der Aktivität um 13 bis 54 Prozent. Der Rückgang betrifft sowohl den Besuch kultureller Veranstaltungen wie Kino, Konzerte oder Theater als auch Museumsbesuche, sportliche Aktivitäten und andere Formen kultureller Teilhabe.

Besonders bemerkenswert ist aus Sicht der Forschenden, dass sich die Teilnahme auch langfristig nicht wieder vollständig erholt. Selbst zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes erreichen Eltern nicht wieder das Niveau kultureller Aktivitäten, das sie vor der Elternschaft aufwiesen.

Kurzfristig lassen sich die Veränderungen vor allem durch einen erhöhten Zeitaufwand für Betreuung und Haushalt sowie durch geringere zeitliche Flexibilität erklären. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Elternschaft darüber hinaus einen langfristigen Einfluss auf den Lebensrhythmus und das Freizeitverhalten hat.

Unterschiede zwischen Müttern und Vätern

Der Rückgang kultureller Aktivitäten betrifft sowohl Mütter als auch Väter, allerdings in unterschiedlicher Weise. Mütter reduzieren ihre kulturellen Aktivitäten unmittelbar nach der Geburt stärker und übernehmen häufiger zusätzliche Betreuungs- und Hausarbeit. Bei Vätern sinkt dagegen insbesondere die Wahrscheinlichkeit, überhaupt kulturell aktiv zu sein.

„Viele kulturelle Aktivitäten werden gemeinsam als Paar wahrgenommen. Wenn ein Elternteil nicht teilnehmen kann, verzichtet häufig auch der andere auf den Besuch“, erläutert Sonnabend.

Zusätzliche Kinder verändern die Effekte nur geringfügig

Hier zeigt die Untersuchung, dass ein weiteres Kind lediglich geringe oder keine zusätzlichen Auswirkungen auf die kulturelle Teilhabe hat. Der entscheidende Einschnitt erfolgt demnach bereits mit dem Übergang zur Elternschaft.

Ansatzpunkte für Kultur- und Familienpolitik

Kulturelle Teilhabe wird in der Forschung mit Wohlbefinden, sozialer Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt in Verbindung gebracht. Die Studienergebnisse legen daher nahe, dass insbesondere Familien mit kleinen Kindern stärker in den Blick genommen werden sollten.

„Die Studie zeigt, dass der entscheidende Einschnitt bei der Geburt des ersten Kindes stattfindet. Hier könnten kultur- und familienpolitische Maßnahmen ansetzen“, sagt Sonnabend. Mögliche Ansatzpunkte seien familienfreundliche Veranstaltungsformate mit flexiblen Zeiten, Betreuungsangebote in Kulturinstitutionen oder niedrigschwellige, wohnortnahe Kulturangebote.

Sonnabend, H., Westphal, M. Family first: the causal effect of family size on cultural participation. J Cult Econ (2026).

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Zufriedene Väter?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Donnerstag 21. Mai 2026

Beteiligung an Kinderbetreuung und Wohlbefinden im europäischen Vergleich

Väter beteiligen sich bei der Kinderbetreuung vor allem an interaktiven und freizeitbezogenen Aufgaben wie dem Spielen mit den Kindern, die häufig zeitlich flexibel sind. Diese Aufgaben hängen zudem eher mit einer höheren Lebenszufriedenheit zusammen. Weniger flexible und stärker versorgende Tätigkeiten – etwa das Anziehen, die Essenszubereitung oder die Betreuung kranker Kinder – sind hingegen Aufgaben, die tendenziell mit einer niedrigeren Lebenszufriedenheit einhergehen und werden von Vätern seltener übernommen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Daten des Generations and Gender Survey (GGS) aus den Jahren 2020 bis 2024 zum Wohlbefinden von Vätern in neun europäischen Ländern veröffentlicht hat.

Die Untersuchung geht der Frage nach, welche Aufgaben Väter ebenso häufig wie ihre Partnerinnen ausführen und sich in ähnlichem Maße an der Kinderbetreuung beteiligen. Dabei zeigt sich ein klares Muster: Bei interaktiven und freizeitbezogenen Tätigkeiten wie dem gemeinsamen Spielen, dem Zu-Bett-Bringen oder dem Organisieren von Freizeitaktivitäten gibt in allen untersuchten Ländern jeweils die Mehrheit der Väter an, diese Aufgaben mindestens ebenso häufig zu übernehmen wie ihre Partnerin. Besonders ausgeprägt ist dieses Muster beim Spielen: In sieben von neun Ländern ist dies die Aufgabe, die Väter mindestens ebenso häufig wie ihre Partnerinnen erledigen. Die entsprechenden Anteile variieren zwischen 68 Prozent in Deutschland und 95 Prozent in Norwegen.

Bei der Beteiligung von Vätern an versorgenden Tätigkeiten – etwa der Betreuung kranker Kinder, dem Anziehen der Kinder oder der Zubereitung von Mahlzeiten – zeigen sich hingegen deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Norwegen 80 Prozent und in Finnland 67 Prozent der Väter berichten, kranke Kinder mindestens ebenso häufig zu betreuen wie ihre Partnerinnen, sind es in Tschechien nur etwa 29 Prozent und in Deutschland 42 Prozent. Auch bei anderen versorgenden Tätigkeiten liegen die Anteile in Deutschland im unteren Bereich des Ländervergleichs.

Zusammenhänge mit dem Wohlbefinden von Vätern

Die Studie untersucht zudem den Zusammenhang zwischen einzelnen Aufgaben der Kinderbetreuung und dem Wohlbefinden von Vätern: Väter, die nach eigenen Angaben mindestens so oft wie ihre Partnerinnen gemeinsam mit den Kindern spielen, berichten über eine höhere Lebenszufriedenheit. Die Betreuung kranker Kinder ist, wenn Väter diese Aufgabe mindestens ebenso häufig übernehmen wie ihre Partnerin, mit einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden. „Versorgende Tätigkeiten sind häufig stärker an feste Zeiten gebunden und lassen sich schwerer mit Erwerbsarbeit vereinbaren“, erklärt Dr. Stefanie Hoherz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BiB und Mitautorin der Studie. „Interaktive und freizeitbezogene Tätigkeiten bieten dagegen größere zeitliche Flexibilität und können häufiger außerhalb von klassischen Kernarbeitszeiten übernommen werden – etwa nach Feierabend oder am Wochenende.“

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Kinderbetreuung nicht als einheitliche Tätigkeit verstanden werden kann. Vielmehr sind einzelne Aufgaben mit anderen Anforderungen verbunden und gehen – je nach Art der Tätigkeit – mit unterschiedlichen Mustern im Hinblick auf das Wohlbefinden von Vätern einher. Vor diesem Hintergrund gewinnen familienpolitische und arbeitsorganisatorische Rahmenbedingungen an Bedeutung: „Um eine ausgewogenere Verteilung der Kinderbetreuung zu fördern, sind insbesondere Rahmenbedingungen gefragt, die die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit zeitgebundenen oder kurzfristig anfallenden Betreuungs- und Versorgungsaufgaben verbessern, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten für Eltern“, fasst Mitautor Dr. Claudius Garten, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB, zusammen.

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Wie können wir Väter verstehen?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Samstag 18. April 2026

Eine Auseinandersetzung mit Väter- und Mütterbildern in ihrer Beharrlichkeit und Dynamik

Bilder von Väterlichkeit und Mütterlichkeit sind offenbar beharrlicher, als wir glauben. Seit mindestens 30 Jahren setzt die Gesellschaft große Hoffnungen und Erwartungen in die Veränderung der Vaterrolle. Väter sollen mehr Care-Arbeit übernehmen, Eltern sollen Care-Arbeit partnerschaftlich aufteilen; Verantwortung für die Kinder soll von Vätern und Müttern zu gleichen Teilen übernommen werden. Doch die Gegenwart von Müttern und Vätern ist ernüchternd. Viele Eltern finden sich in alten Rollenmustern wieder, obwohl sie vieles ganz anders machen wollten.

Woher kommt diese Beharrlichkeit der Vater- und Mutterbilder und -rollen? Das ist das Thema dieses Seminars. Der Schwerpunkt soll bei den Vätern liegen.

Wenn wir aber Väter verstehen wollen, können wir das nur, wenn wir auch Mütter besser verstehen wollen. Denn wir haben es hier mit Paar- und Elterndynamiken zu tun.

Offenbar führt die unbewusste Ambivalenz gegenüber “moderneren” Mutter- und Vaterbildern zu vielen Missverständnissen und Konflikten zwischen Elternteilen, und oft führen diese nicht bearbeiteten Ambivalenzen zu Trennungen, und auch nach Trennungen zu anhaltenden Konflikten.

In diesem Seminar geht es unter anderem darum, welche Rolle die individuellen und gesellschaftlich geformten Mutter- und Vaterbilder für Paar- und Elternkonflikte spielen, und welche Rolle wiederum die Bilder der Berater*innen dafür, wie sie in der Beratung mit den Themen umgehen. Daher soll viel Raum sein für die Auseinandersetzung mit den eigenen Mutter- und Vaterbildern der Teilnehmenden und für das Nachdenken über Fälle aus der eigenen Beratungsarbeit. Ziel ist, professionell bewusster und mit einer klareren Haltung in die Beratungsarbeit zu gehen.

Methoden: Vorträge, Rollenspiele, Übungen zur Selbstreflexion, Fallbesprechungen aus der Praxis.

Zielgruppe des Seminars sind Beraterinnen und Berater in der Paar- Familien- und Erziehungsberatung.

Zeitraum: 15. bis 17. Oktober 2026

Hier geht es zur Anmeldung

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Mehr Druck, weniger Kinder

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 24. März 2026

 Wie der Wettbewerb zwischen Eltern die Geburtenrate senkt

Eine neue Studie von Prof. Michèle Tertilt, Ph.D., von der Universität Mannheim und ihren Kollegen Prof. Minchul Yum, Ph.D., und Dr. Lukas Mahler zeigt: Eltern wünschen sich häufig mehr Kinder – doch entscheiden sich dagegen, weil sie das Gefühl haben, mit anderen Eltern und deren Investitionen in Bildung, Förderung und Betreuung nicht mithalten zu können. Der Vergleich zwischen Familien trägt somit maßgeblich zum weltweiten Rückgang der Geburtenraten bei.

Ein Grund für den Anstieg des Drucks ist laut Studie die wachsende Rolle von sozialen Medien – insbesondere sogenannter „Momfluencer“. Diese präsentieren auf Plattformen wie Instagram oder TikTok idealisierte Bilder moderner Mutterschaft: kreative Frühförderung, selbstgekochtes Bio-Essen, perfekte Kinderzimmergestaltung.

„In vielen Ländern gilt es inzwischen als notwendig, viel Geld und Zeit in die Förderung eines Kindes zu stecken, damit es mithalten kann. Das verändert, wie Familien über Kinder nachdenken – und wie viel Nachwuchs sie in Erwägung ziehen“, erklärt Tertilt. Der gesellschaftliche Druck auf Eltern führt demnach nicht nur zu Stress und finanzieller Belastung, sondern kann auch dazu beitragen, dass die Bevölkerung langfristig schrumpft.

Im Zentrum der Studie steht ein ökonomisches Modell, das die Entscheidung von Familien simuliert, wie viele Kinder sie bekommen und wie viel Zeit, Geld und Energie sie jeweils investieren. Dabei zeigt sich: Je stärker der soziale Vergleich, desto höher der Investitionsdruck pro Kind – und desto geringer die Geburtenraten.

Ergänzt wird das Modell durch empirische Analysen, die beispielsweise zeigen, dass in Ländern, in denen sich Eltern besonders Sorgen um die Bildung der Kinder machen und viel eigenes Geld in Bildung investieren, die Geburtenraten besonders niedrig sind. Dazu gehören Südkorea und die USA. Auch innerhalb der USA lässt sich dieser Zusammenhang beobachten: In Regionen mit hoher sozialer Vernetzung ist die Kinderzahl besonders niedrig, selbst bei vergleichbaren Einkommen. Umgekehrt verzeichnen eher ländliche Regionen mit weniger intensivem Vergleichsverhalten und weniger Wettbewerb um Bildungschancen höhere Kinderzahlen, auch bei vergleichbarem Einkommensniveau.

Aus Sicht der Forschenden könnten politische Maßnahmen, die den Vergleichsdruck im Bildungssystem reduzieren, dazu beitragen, dass Eltern sich eher für Kinder entscheiden. Dazu gehören etwa Reformen von Prüfungen und der Ausbau öffentlicher Bildungs- und Förderangebote. Auch ein offener Diskurs darüber, wie viel „Eltern-Investition“ sinnvoll und notwendig ist, könnte helfen, realistischere Erwartungen zu erzeugen.

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Vater werden – von Anfang an mitgedacht?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 2. März 2026

Die Projektgruppe „1000 Tage“ nimmt die erste Phase der Elternschaft in den Blick

Vom ersten Gedanken an ein Kind bis zum Ende des ersten Lebensjahres – rund 1000 Tage entscheiden darüber, wie Familie gelebt wird. In dieser Zeit entstehen Bindungen, werden Rollen ausgehandelt und berufliche Weichen gestellt. Genau hier hat die Projektgruppe „1000 Tage“ angesetzt. Ihr Ziel: prüfen, ob Politik, Institutionen und Hilfesysteme den Bedürfnissen von Vätern gerecht werden, was sich ändern muss und was das Bundesforum Männer dazu beitragen kann.

Die Analyse zeigt ein klares Bild: Väter wollen heute mehr sein als Ernährer. Sie möchten präsent sein, Verantwortung übernehmen und von Beginn an eine enge Beziehung zu ihrem Kind aufbauen. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke.

Partnerschaft(lichkeit) als Voraussetzung

Beim Thema Kinderwunsch hat sich das Rollenverständnis deutlich verändert. Viele Männer orientieren sich an partnerschaftlichen Modellen und wünschen sich eine faire Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Gleichzeitig bremsen wirtschaftliche Unsicherheiten, hohe berufliche Anforderungen und unklare gesellschaftliche Erwartungen die Entscheidung für ein Kind aus. Studien legen nahe: Wer Gleichberechtigung lebt – oder realistisch leben kann –, entscheidet sich eher für Familie.

Väter am Rand

Spätestens in der Schwangerschaft wird deutlich, dass die Versorgungsstrukturen immer noch stark auf Mütter fokussiert sind. Geburtsvorbereitungskurse, medizinische Betreuung und betriebliche Regelungen beziehen Väter, wenn überhaupt nur am Rande ein. Zwar sind heute rund 90 Prozent der Väter bei der Geburt dabei, doch ihre Rolle bleibt oft passiv. Vorbereitung auf eigene Verantwortlichkeit, auf emotionale Belastungen oder auf die Kommunikation im Kreißsaal? Fehlanzeige.

Kompetent, aber strukturell gebremst

Entwicklungspsychologisch ist die Lage eindeutig: Väter verfügen von Anfang an über vergleichbare Kompetenzen in Bindung, Pflege und Interaktion. Die Forschung zeigt, dass Säuglinge mehrere tragfähige Bindungen entwickeln können – und dass die Qualität der Beziehung entscheidend ist, nicht das Geschlecht.

Dennoch bleibt die Praxis traditionell: Mütter reduzieren ihre Erwerbsarbeit, Väter arbeiten überwiegend weiter in Vollzeit. Viele fühlen sich im Wochenbett und im ersten Lebensjahr nicht ausreichend informiert, nicht gezielt angesprochen und institutionell kaum unterstützt.

Was sich ändern muss

Die Projektgruppe formuliert klare Forderungen: eine verbindliche Vaterschaftsfreistellung, reformierte und partnerschaftlich ausgestaltete Elternzeitmodelle, flexible Arbeitsstrukturen sowie eine stärkere Einbindung von Vätern in Gesundheitswesen, Frühen Hilfen und Familienberatung. Ebenso notwendig ist ein kultureller Wandel – weg vom Bild des „helfenden“ Vaters hin zu einem gleichwertig verantwortlichen Elternteil.

Auch die Fachpraxis ist gefragt: Hebammenausbildung, psychosoziale Berufe und familienbezogene Dienste sollen in die Lage versetzt werden, väterliche Kompetenzen systematisch zu berücksichtigen. Und nicht zuletzt braucht es mehr Forschung, um Bedarfe präziser zu erfassen und politische Maßnahmen evidenzbasiert zu gestalten.

1000 Tage mit Langzeitwirkung

Die ersten 1000 Tage sind kein Randthema, sondern eine gesellschaftliche Schlüsselphase. Hier entscheidet sich, ob partnerschaftliche Elternschaft gelingt – oder ob alte Muster fortgeschrieben werden. Die Botschaft der Projektgruppe: Väter sind bereit. Jetzt müssen Strukturen folgen.

Termin bitte vormerken

Am Donnerstag, den 23. April werden die Empfehlungen der Projektgruppe im Rahmen eines Meet & Speak des Bundesforums Männeröffentlich präsentiert und aus der Perspektive der Frühen Hilfe und der Entwicklungspsychologie kommentiert. Der Zoom findet von 16 bis 17:30 Uhr statt.

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Mehr Zeit oder mehr Geld?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 3. Februar 2026

Wenn sie die Wahl haben, entscheiden sich rund 60 Prozent der Beschäftigten für mehr Zeit

Mehr Zeit kann besser sein als mehr Geld. So sieht es die Mehrheit der Beschäftigten, denen ein Tarifvertrag eine Wahloption zwischen mehr Freizeit und mehr Lohn ermöglicht. Einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge hat sich 2022 deutlich mehr als die Hälfte für mehr Zeit statt zusätzlichem Geld entschieden.

Die analysierte Stichprobe enthält Angaben von rund 1900 Arbeitnehmer*innen, die nach Abschluss der Tarifrunde eine entsprechende Wahlmöglichkeit hatten – je nach Tarifvertrag als Wahlmodell, individuelles Zukunftskonto, Entlastungszeit, Umwandlungsoption oder tarifliches Zusatzgeld bezeichnet. Solche Optionen existieren unter anderem in Tarifverträgen in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemischen Industrie, bei der Deutschen Bahn, der Stahlindustrie, im Versicherungsgewerbe, bei der Post und im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen. Je nach Tarifvertrag beinhaltet die Option etwa zusätzliche Urlaubstage oder eine verkürzte Wochenarbeitszeit.

Konkret haben sich 59 Prozent der Befragten ausschließlich für mehr Zeit entschieden, 6 Prozent für eine Kombination aus mehr Zeit und Geld und 35 Prozent ausschließlich für mehr Geld. Dabei wählten Frauen, insbesondere solche mit Kindern unter 14 Jahren, häufiger die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu verkürzen – das taten 79 Prozent in dieser Gruppe. Die genannten Motive unterscheiden sich jedoch kaum nach Geschlecht: Bei Frauen wie Männern steht die Begründung, „mehr Zeit für die Familie“ an Position zwei, der häufigste Grund ist „mehr Zeit für Hobbies, Freunde und mich selbst“ haben zu wollen.

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TEILZEITMänner braucht das Land

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 26. Januar 2026

…ein kurzer Zwischenruf zum unsäglichen Vorschlag, das Recht auf Teilzeit zu schleifen.

2014 habe ich gemeinsam mit Andy Keel beim damaligen BMFSFJ und dem Arbeitsministerium den Antrag gestellt, das in der Schweiz erfolgreich laufende Projekt ‚Der Teilzeitmann‘ auch in Deutschland an den Start zu bringen. In dem Antrag hieß es unter anderem:

„Nicht nur die aktuellen Diskussionen machen deutlich, viele Männer und Väter wollen Erwerbsarbeitszeiten reduzieren, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser zu meistern. Jedoch nur wenige machen diesen Schritt. Jeder Mann, der seine Arbeitszeit reduziert übt eine Vorbildfunktion aus, insbesondere in Führungspositionen. In dem Maße in dem Männer kürzer arbeiten, können Frauen ihren Anteil an der Erwerbsarbeit ausdehnen. Mit einer Erhöhung des Männeranteils bei Teilzeit werden also elementare Fundamente für eine gleichberechtigte Zukunft von Männern und Frauen in der Erwerbsarbeit gesetzt.

Zentrales Ziel des Projekts TEILZEITMANN ist die Beeinflussung der Erzählweisen zu Rollenbildern und –zuweisungen für Jungen, Männer und Väter im Kontext von Erwerbsarbeitszeiten und die Verbreitung ‚anderer‘ Geschichten. Diese beinhalten vor allem neue Möglichkeiten und Wirklichkeiten für Jungen, Männer und Väter und entlarven bislang übliche ‚männliche‘ Verhaltensweisen und überlange Arbeitszeiten humorvoll.

Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, schreibt Musil im Mann ohne Eigenschaften, dann muss es auch einen Möglichkeitssinn geben. Der Möglichkeitssinn zielt auf das, was nicht ist, aber ebenso gut sein könnte. Als Sinn für mögliche Wirklichkeiten verhält er sich zum Wirklichkeitssinn, dem Sinn für wirkliche Möglichkeiten, quasi spiegelverkehrt. Denn im gleichen Maße, wie die Wirklichkeit Möglichkeiten weckt, können eben auch aus Möglichkeiten Wirklichkeiten erwachsen.

Das gilt heute noch genauso wie vor 12 Jahren und ich denke, ganau das soll verhindert werden, das Männer und Väter von den Möglichkeiten, mehr Leben in ihr Leben zu bringen, Gebrauch machen.

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VäterWerkstatt 2026

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 16. Januar 2026

Am 17. April startet die VäterWerkstatt 2026 für Multiplikator:innen in der Väterarbeit. Bereits zum vierten Mal vermittelt die Fortbildung der AEWB in einer Mischung aus Präsenztagen und Online-Modulen Fachwissen und Methoden, mit denen Bildungsangebote für Väter entwickelt und umgesetzt werden können. Am 26. Februar 2026 können Interessierte bei einer digitalen Informationsveranstaltung mehr über die VäterWerkstatt erfahren. Die Qualifizierung wird vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung gefördert.

Wie erreiche ich interessierte Väter für Erziehungs-, Fürsorge- oder andere Themen? Wie gelingt es, (wirksame) Bildungsangebote für Väter zu entwickeln und umzusetzen? Wo gibt es (neue) Ideen und Anregungen und welche Netzwerke gibt es? Mit diesen oder ähnlichen Fragen beschäftigen sich viele planende Kolleg:innen aus Bildungseinrichtungen.

In der VäterWerkstatt gibt es fachlich fundierte und kreative Antworten auf diese Fragen. Die Qualifizierung ist aus der Zusammenarbeit im niedersächsischen Landesarbeitsforums „Aktive Vaterrolle“ entstanden und wird von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) durchgeführt.

Die Qualifizierung richtet sich an:

  • Personen, die für organisierte Bildungsangebote zuständig sind (z.B. in Familien- oder Erwachsenenbildung u.a.)
  • Personen mit pädagogischer Vorerfahrung (z.B. pädag. Fachkräfte aus Kitas, den Frühen Hilfen, Fachberatungen, Sozialarbeiter:innen, Jugendämtern, Kinderschutz u.a.)
  • Studierende (z.B. aus den Feldern der Sozialen Arbeit, Erwachsenenbildung, u.a.)
  • Frauen und Männer in der Väterarbeit

Anmeldung zur Infoveranstaltung am 26. Februar.

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… ein Vater, zwei Väter – Vaterschaftsanerkennung und -anfechtung im Bundestag

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 13. Januar 2026

Das Kindeswohl muss weiterhin im Vordergrund stehen. Darin zumindest stimmten die Sachverständigen  bei einer Anhörung im Rechtsausschuss über den Gesetzentwurf der Bundesregierung „zur Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Vaterschaftsanfechtung“ überein . Die Karlsruher Richter hatten beanstandet, dass es einem leiblichen Vater bisher zu schwer gemacht wird, die einmal rechtskräftig anerkannte Vaterschaft eines anderen Mannes anzufechten. Im konkreten Fall war der rechtliche Vater seinen familiären Pflichten nicht mehr nachgekommen, trotzdem konnte der biologische Vater dessen Vaterschaft nicht mehr anfechten.

Neben dem ‚Kindeswohl‘ enthalte der Gesetzentwurf weitere unbestimte Rechtsbegriffe, die verschiedene Gerichte unterschiedlich auslegen könnten, außerdem führe die Möglichkeit im Abstand von zwei Jahren die Gerichtsentscheidung der Nichtanerkennung überprüfen zu lassen zu einer Unklarheit der Familienverhältnisse und verlässlicher Beziehungen für die Kinder.

Entscheidender ist für mich der Einwand von Henrike von Scheliha von der Bucerius Law School. Sie bedauerte, dass der Gesetzentwurf „die Chance zu einer umfassenden Reform des Abstammungsrechts“ verpasse. Sie kritisierte ebenso wie andere Sachverständige das Festhalten am Zwei-Eltern-Prinzip, das die Möglichkeit einer einvernehmlichen Mehrelternschaft ausschließt.

Auch andere Aspekte wie die Auswirkungen des Sebstbestimmungsrechts und der vielfältigen Reproduktionsmöglichkeiten, es kann auch mehrere Mütter geben, werden in dem Gesetzentwurf ausgeblendet. Ich sehe in dem Gesetzentwurf einen Minimalkonsens der Koalition, um dem Urteil und den Fristen des Bundesverfassungsgerichts irgendwie gerecht zu werden.

Den von dir in dem Kontext formulierten grundsätzlichen Fragen und Anforderungen wird der Entwurf nicht gerecht, was er vermutlich auch nicht will. Aus meiner Väterperspektive kommt noch hinzu, dass aus ‚pragmatischen‘ Gründen die Bedeutung des Vaters/ der Vaterschaft von Anfang an relativiert wird und Ergebnisse der Bindungsforschung so gelesen werden, wie es in den Entwurf passt. An dieser Stelle und der der Vielfalt mehrerer Elternschaft sehe ich den größten Handlungsbedarf.

 

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‚ACHTUNDZWANZIG – Der Weg entsteht im Gehen‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 11. Januar 2026

erzählt das dramatische Auf und Ab im Leben von vier ganz normalen außergewöhnlichen jungen Frauen, die ihre Entscheidung für die Kinder zu Außenseiterinnen gemacht hat. Seither mussten sie um Respekt und Anerkennung ringen, für sich und ihre Kinder. Dennoch haben sie alle ihren Weg gefunden – auf ganz unterschiedliche Weise, jede für sich, gemeinsam mit dem Vater der Kinder oder alleine.

     

Im Jahr 2008 waren Lisa, Fabienne, Laura und Steffi 14 Jahre alt und schwanger. Sie alle entschieden sich dafür, ihre Kinder Leyla, Valentin, Stella Luna und Jason zur Welt zu bringen. Davon erzählt der dokumentarisch inszenierte Kinofilm „VIERZEHN – Erwachsen in neun Monaten“ (D 2012).

Mit 18 erhielten die jungen Frauen endlich das Sorgerecht für ihre Kinder und damit die volle Verantwortung. Davon erzählt der Kinofilm „ACHTZEHN – Wagnis Leben“ (D 2014).

Cornelia Grünberg hat den vier Frauen und ihren Kindern in „ACHTUNDZWANZIG – Der Weg entsteht im Gehen“ den Raum gegeben, darüber zu sprechen, was aus ihren Vorstellungen, Wünschen und Träumen von damals geworden ist, wie sie sich heute selbst sehen, wo sie heute stehen.

Dafür hat sie starke Bilder und Situationen gefunden und hat mit ihnen gemeinsam die wichtigsten Wendepunkte, Erlebnisse, Schicksalsschläge und Glücksmomente betrachtet, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute sind.

Das ‚Wagnis Leben‘ hielt für die vier Frauen große Herausforderungen bereit, denen sie sich stellen mussten – Schulabschluss, Ausbildung, die Erziehung der Kinder, die Beziehungen zu den Vätern der Kinder, zu den eigenen Eltern.

Denn eigentlich gelten Schwangerschaften von Minderjährigen als ‚Risikoschwangerschaften‘. Viele befürchteten, dass es weder den jungen Frauen noch ihren Kindern gelingen würde, einen Platz in der Gesellschaft zu finden und sich altersgerecht zu entwickeln. Auch Laura, Lisa, Fabienne und Steffi mussten sich gegen diese Vorbehalte und Vorurteile zur Wehr setzen – auch, damit ihre Kinder die Chance bekamen, die sie verdienen.

Der Film wird am Dienstag, den 20. Januar im Beisein der Regisseurin Cornelia Grünberg im Filmhaus in Köln aufgeführt.

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