der VÄTER Blog

lebe deinen Traum!

Die gute Gutenachtgeschichte

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 9. Januar 2023

… es gibt eine neue Papa-Lese-Liste von Christian Meyn-Schwarze

„Keiner erzählt die Gutenachtgeschichte so lebendig wie Großvater. Es lag an seiner Stimme, eine Stimme, die die Kinder noch lange hörten. Kaum hat er an diesem Abend die Gutenachtgeschichte für seinen Enkel angefangen, kommen die Tiere aus der Geschichte eins nach dem anderen ins Zimmer gesaust und versammeln sich ums Bett. Leider schläft der Großvater mitten im Erzählen erschöpft ein. Leise macht sich der Junge mit dem Reh, dem Hirschen, dem Hasen, dem Wildschwein und dem Eichhörnchen auf, um die Geschichte der Jägerin zu einem guten Ende zu bringen. Opa und Enkel im kleinen Haus am Waldrand und die Tiere des Waldes …“

Dies ist nur eine von mehr als 300 Kurzrezensionen, mit der Christian Meyn-Schwarze seit über 20 Jahren in seiner ‚Papa-Lese-Liste‘ Kinderbücher für und über Väter in allen Lebenslagen vorstellt und Väter ermutigt, mit ihren Kindern zu lesen und ihnen vorzulesen.

Und da Christian jetzt im ‚Opa-Alter‘ ist, nimmt der Anteil der ‚Opa-Bücher‘ zu. Denn Großväter können mit ihrer Zeit und ihrer Lebenserfahrung wichtige fördernde und fordernde Bezugspersonen – besonders für Jungs – werden. Allein 6 neue Titel sind in dieser Rubrik dazugekommen.

Die Liste ist sicherlich nicht vollständig und subjektiv, die Bewertung der Bücher und anderer Medien zum Teil sehr persönlich aber in jedem Fall eine optimale Möglichkeit, sich über Kinderbücher zu informieren.

Und da gute Kinderbücher in vielen Fällen schnell vergriffen sind, empfiehlt er, bei Neuerscheinungen schnell zuzugreifen und für diejenigen, die leer ausgehen hält er einen besonderen Service bereit: er hat alle Bücher der Leseliste gesammelt und man kann sie bei ihm ausleihen.

Quelle

Abgelegt unter good practice, Literatur | Keine Kommentare »

Das Wichtigste ist die eigene Haltung zum Vatersein

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 19. Dezember 2022

‚Vatersein‘ lautet der Titel des dritten Buchs von Tillmann Prüfer, dessen Kolumne ‚Prüfers Töchter‘ seit vier Jahren wöchentlich im ZEITmagazin zu lesen ist. Im Untertitel heißt es dann appellativ ‚Warum wir mehr denn je neue Väter brauchen‘. Also noch ein weiteres Buch, dass Vätern den Widerspruch zwischen Wollen und Handeln aufzeigt?
Die Antwort lautet Ja und Nein. Prüfer nimmt die Messlatte ‚Bedeutung der Väter für die Entwicklung ihrer Kinder‘ und konfrontiert die Leser*innen mit den daraus folgenden Ansprüchen und der oft lauen Performance von Vätern. Auf der anderen Seite beleuchtet er aber auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Erwartungen und Zuschreibungen an Väter und die damit verbundenen Ambivalenzen, die noch allzu oft zugunsten des Ernährer Mannes aufgelöst werden. Dabei bleiben die Ansprüche ans gute Vatersein, auf jeden Fall besser als der eigene Vater, auf der Strecke.

Authentisch wirken die von Tillmann Prüfer formulierten Ansprüche vor allem dadurch, dass er in einem Erzählstrang seine eigene Auseinandersetzung mit dem Vater werden und sein reflektiert. Dazu gehört auch das Scheitern der ersten Beziehung. In einem Doppelinterview in der aktuellen Ausgabe des STERN, mit ihm und seinem Vater, äußert dieser auf die erste Frage, „Herr Prüfer, ist Ihr Sohn Tillmann ein guter Vater?“ „Er gibt sich die größte Mühe, und ich denke, er macht es sehr gut.“
Dazu, was einen guten Vater ausmacht, schreibt der Sohn an verschiedenen Stellen seines knapp 200 Seiten umfassenden Buches, aber zunächst einmal ein kurzer Blick in das Werk.

Im ersten Abschnitt skizziert der Autor die Entstehung und Geschichte der existierenden Väterbilder und wirbt dafür, den Feminismus als Chance für Väter zu betrachten, denn die patriarchale Gesellschaft bringe keineswegs allen Männern in gleicher Weise Vorteile. Es gehe nicht darum von außen auf sich zu blicken, in Wettbewerb mit anderen zu treten, um im Benchmarking gut dazustehen und dieses Konkurrenzdenken auf das Vatersein zu übertragen. „Es gibt nur eine Person auf der Welt, die einem beibringen kann, wie gutes Vatersein geht: das eigene Kind.“ Auf der anderen Seite ist die Rolle, „die man als Vater für sein Kind spielt, die wichtigste, die man je im Leben spielen wird.“ Und ein Vater der einfühlsam und interessiert ist, hilft seinen Kindern am meisten.

Im zweiten Abschnitt beschreibt Prüfer die Hindernisse, die einem glücklichen Vatersein im Weg stehen. Da sind zunächst einmal die Widersprüche und Ambivalenzen zwischen den Sphären Beruf und Familie, die auf den ersten Blick dazu (ver-)führen, es keinem Recht machen zu können. „Es scheint klar, dass man etwas anderes machen möchte als früher, machen muss. Doch die Orientierung fällt schwer. Es gibt so viele Ansprüche an den sogenannten neuen Vater, dass es unmöglich ist, allem gerecht zu werden.“ Zumal es Vätern immer noch an Vorbildern mangelt.

Den Vätern gut zuzureden, mehr Interesse für die Kinder zu zeigen und ihre Wünsche, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen einfach zu verwirklichen, genügt nach Ansicht von Prüfer nicht. Dazu braucht es „eine Anstrengung beider Partner – und der ganzen Gesellschaft.“ Zu wissen, dass die Rollenzuschreibung guter Vater = guter Ernährer nichts ist, was schon immer so war ist hilfreich. „Wir sind es geworden. Und genauso können wir auch etwas Neues werden. Wenn wir es denn wagen.“ Dazu ermutigt Prüfer Väter, auch in Gesprächen über sein Buch wie hier zum Beispiel in der ZDF Sendung ‚Hier und heute‘: „… reden Sie mal mit anderen Männern darüber. Männer reden mit anderen Männern kaum über diese Themen, das ist Ihnen irgendwie … da fühlen sie sich schwach, da sind sie unsicher. Sie reden über Alles andere, aber nicht über die Dinge, die sie auch seelisch verletzen und bedrücken oder unsicher machen und ich glaube, wenn sich Väter nur einigermaßen so vernetzt hätten, wie das Frauen schon lange machen und sich Hilfe holen, dann würde sich viel ändern.“

Im Buch bietet er Vätern im dritten Teil einen ‚Werkzeugkasten für den modernen Vater an‘. Darin befinden sich 12 Werkzeuge und ein ‚Universalschlüssel‘. Die einzelnen Werkzeuge reichen von ‚Mach dir einen Plan‘, ‚Lerne vom Kind‘ über ‚Trau dich zu fühlen‘ bis hin zu ‚Mach Fehler und steh dazu!‘ und ‚Beschütz dein Kind und lass es los‘.

Zu jedem Werkzeug gibt es ausführliche Anwendungsbeschreibungen, die durch wissenschaftliche Anmerkungen und Zitate unterlegt sind. Beim ‚Werkzeug 9: Rede und hör zu‘ erfährt man, dass Kinder neue Wörter eher von Vätern lernen als von Müttern. Da Väter weniger Zeit mit Kindern verbringen, müssten sie erst einmal lernen, sich mit den Kindern zu verständigen. Auf dem Weg dahin lernen auch Kinder eine Menge.
Das Universalwerkzeug beinhaltet die Aufforderung an Väter ‚Mach was!‘, „denn die Vatererfahrung findet nicht nur durch Wörter statt, sondern vor Allem durch Taten. Taten kann man fühlen, hören, riechen, sehen.“

Im vierten und letzten Teil des Buches zeichnet Prüfer anhand der Entwicklungsstufen einer jeden Vaterschaft ‚Jeder Vater fängt ganz klein an: Kleinkindpapa‘ bis zum leeren Nest ‚Tschüss Alter! Wenn die Kinder ihre Väter nicht mehr so sehr brauchen‘ die Möglichkeiten auf, als Vater mitzuwachsen.
„All diese Konfrontationen, die kleinen Katastrophen, die ständigen Herausforderungen und Niederlagen, im Wechsel mit minimalen Erfolgen, die machen etwas mit Vätern. Wer Vater wird, der verändert sich.“

Eingestreut in diesen Lebensreigen ist das Kapitel ‚Kein neuer Vater ohne eine neue Mutter‘. Seine These: Es wird „keinen neuen Vater geben, wenn die Partnerin ihm keinen Raum gibt, diese Rolle auszufüllen. Der Autor setzt sich mit dem Phänomen des ‚Maternal Gatekeeping‘ auseinander und geht dabei auch auf den Shitstorm ein, den der Spiegel-Beitrag ‚Papa kann das schon alleine! Was moderne Väter hinkriegen – wenn Mütter sie lassen‘ im Sommer 2021 ausgelöst hat. In der Spiegelrezension schreibt Tobias Becker dazu „Prüfer gelingt das Kunststück, über sogenanntes Maternal Gatekeeping zu schreiben, ohne die Väter aus der Pflicht zu entlassen“ und macht deutlich, dass er immer noch nicht verstehen will, das mit der Beschreibung von ‚Maternal Gatekeeping‘ keine Schuldzuschreibungen verbunden sind, sondern Verhaltensweisen in einem komplexen System analysiert werden.

Im allerletzten Kapitel spricht Tillmann Prüfer noch einmal eine Ermutigung aus ‚Trau dich Papa!‘ und weist darauf hin, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung der Vaterrolle offensichtlich problematischer ist als die tatsächlich empfundene Nähe von Kindern zu ihren Vätern. „Wahrscheinlich haben wir heute die besten und um ihre Kinder am meisten besorgten Väter, die es jemals in der Geschichte westlicher Länder gegeben hat.“ Aber das ist vor allem auch eine Frage der (Selbst-)Wahrnehmung. „Wenn ich jemand sein kann, an den die Kinder glauben, obwohl ihnen gerade der Glaube an etwas fehlt. Dann werde ich ein guter Vater sein“ lautet der vorletzte Satz in dem Buch. Ich denke, es reicht, wie Heinz Walter vor 15 Jahren in dem Sammelband ‚Vater wer bist du?‘ beschrieben hat, ein ‚hinreichend guter Vater‘ zu sein. Aber das entscheiden ja die Kinder und die haben andere Maßstäbe als die Väter selber und das Feuilleton.

Ich kann den Band von Tillmann Prüfer, jedem empfehlen, der sich mit den Herausforderungen mit denen Väter und Mütter, die es anders mache möchten als es bislang ‚normal‘ ist, konfrontiert sind, auseinandersetzen möchten. Sie werden dabei en passant auch mit spannenden Erkenntnisse der Väterforschung belohnt.

Quelle

Abgelegt unter Gender, Partnerschaft, Rolllenbilder | Keine Kommentare »

Kauf den Gefrierschrank erst, wenn du weißt, dass deine Kinder selbstgekochten Brei mögen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. November 2022

Marius Kronsberger hat einen schonungslos ehrlichen Bericht über seine 365 Tage Elternzeit mit den Zwillingen Franz und Isa geschrieben. Unter der Überschrift ‚Von einem der heimging um bei seinen Kindern zu sein‘ schildert er, was ein Jahr Elternzeit mit ihm als Papa gemacht haben und fasst im letzten Teil des Buches, am Ende der Elternzeit, seine Erfahrungen zusammen und ermutigt zukünftige Papas, ebenfalls möglichst lange und alleine Elternzeit zu machen.

Aber der Reihe nach. Ein beschissener Anfang, Franz kotzt, er hat Magen Darm und … die erste Woche zieht sich bis zum ‚ockerfarbenen Freitag‘. Kronsberger führt während seiner Elternzeit Tagebuch und zitiert beschissene und freudige Erlebnisse. Dabei fasst er seine Erlebnisse in den unterschiedlichen Phasen der Elternzeit thematisch zusammen und verdichtet diese.

Zum Beispiel ‚Das Denken der Anderen‘: „Die Leute gucken. Sie gucken mich an und die Kinder. Es gibt unterschiedliche Reaktionen. Oft bekommen wir ein Lächeln geschenkt, insbesondere von älteren Frauen. Männer, vor allem jüngere, grinsen manchmal doof.“ Diese Blicke und die Gespräche, die sich manchmal daraus entwickeln spiegeln den Blick auf einen Vater in Elternzeit in einer deutschen Kleinstadt wider. „Im Kern meinen es die meisten Menschen ja gut mit uns, selbst wenn sie über mein Geschlecht verwundert sind.“

Das alles erlebt der Autor im Jahr 2020, vierzehn Jahre nach der Einführung des Elterngeldes können sich manche Menschen sich immer noch nicht vorstellen, dass ein Vater das freiwillig macht. Aber damit kann der Autor nach einer Weile gut umgehen. Was ihn, und alle anderen Mütter und Väter aus den Socken haut, sind die Meldungen vom Freitag, den 13. März 2020: Für Montag wird der erste Lockdown verbunden mit der Schließung der Kitas und Schulen und der Sperrung der Spielplätze verhängt.

„Ich habe keine Ahnung, wie ich die nächsten fünf Wochen mit drei Kindern zu Hause und ohne Aktivitätsangebote überstehen soll. Das wird echt hart.“ Ja das war hart und Kronsberger beschönigt nichts. „Die globale Kris ist vermutlich noch lange nicht beendet. Meine aber zum Glück schon. Ich bin wieder zu Kräften gekommen, bin nicht mehr so dünnhäutig. Am Ende gehe ich gestärkt und mit dem Wissen um eine Grenzerfahrung aus dieser Zeit.“

Die Erfahrungen führen zu einem Perspektivwechsel, den der Autor nicht nur möglichst vielen Vätern, sondern auch vielen Führungskräften an Herz legt. Sie würden mit den Anliegen ihrer Mitarbeitenden anders umgehen, wenn sie einmal selbst verantwortlich mit diesen vermeintlichen Lappalien umgehen müssten.

Dieser Perspektivwechsel hat einen Preis, auch das spricht Kronsberger ehrlich an. Er hat sich am Ende der Elternzeit dafür entschieden, nicht in Vollzeit in den Job zurückzukehren. Die Erfahrungen der Elternzeit haben ihm geholfen, den gesellschaftlichen Druck der Arbeitswelt abzustreifen. „Die Angst um den Job war eine der größten Hürden.“ Aber, „die Nähe zu meinen Kindern und die Zeit mit ihnen sind mir mehr wert als ein großer Karriereschritt.“

Die Erfahrungen sind aber auch für Arbeitgebende attraktiv: Er sei mit viel mehr Wassern gewaschen als vorher und die Persönlichkeit ist in vielen Facetten gereift. So beschreibt er fast bescheiden den Zuwachs an sozialen Kompetenzen, die Mann, und natürlich auch Frau im täglichen Umgang mit Kindern erwirbt und weiter entwickelt.

Vor diesem Hintergrund ist das ‚Sendungsbewusstsein‘ mit dem er andere (werdende) Väter ermutigen möchte, diese Erfahrungen auch zu machen nur zu verständlich.

„Nimm richtige Elternzeit, weil: sie dich verändern wird, du eine völlig neue Perspektive auf das Leben kennenlernen wirst, deine Grenze zwischen wichtig und unwichtig verschoben wird, diese Zeit eine riesige Chance ist (und zwar für dich) und du danach eine enge Beziehung zu deinen Kindern hast, die du anders nicht erreichen kannst!“

Um den Vätern ihre Entscheidung zu erleichtern, fasst er am Ende seine Erkenntnisse in ‚10 Soft Skills‘ zusammen. Der Hinweis mit dem Gefrierschrank stammt aus dem siebten: „Löse Probleme erst, wenn du sie hast.“

Das können Väter getrost auch auf ihre Sorgen bezüglich der Reaktion ihres Arbeitgebenden auf den Wunsch länger als zwei Monate in Elternzeit gehen zu wollen, beziehen. Freudensprünge werde in der Regel ausbleiben, aber das Gespräch wird sich schnell um die Frage drehen, wie eine gute Lösung für die Zeit der Abwesenheit gefunden werden kann.

Das Buch von Marius Kronsberger liefert ansonsten alle Argumente, die ein Vater braucht, sich für diesen Schritt zu entscheiden und gemeinsam mit der Partnerin auszuhandeln, wer, wann was in welchem Umfang macht. Eine gleichmäßige Aufteilung von Erwerbs- und Carearbeit führt, das soll nicht verschwiegen werden, auch zu einer Steigerung der Partnerschaftsqualität.

Das knapp 150seitige Buch von Marius Kronsberger ist in meinen Augen ein ‚must read‘ für werdende Väter und jede und jeder, der sich fragt, was er einem solchen schenken kann, ist mit 14,90 € dabei.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Elternzeit, Vater werden | Keine Kommentare »

# Es geht nur gemeinsam

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. September 2022

Die digitale und kulturelle Transformation eines Geschäftsbereichs starten und umsetzen, dabei eine inspirierende und motivierende Führungskraft sein, eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen und über allem ein aktiver Vater die beiden Söhne sein.

In seinem Buch ‚Working Dad, Vereinbarkeit von Familie und Karriere leben‘ beschreibt Roman Gaida ehrlich und authentisch seinen Weg, den er gegangen ist, um das alles hinzubekommen aber auch seine Ängste und Zweifel, mit denen er sich an entscheidenden Abzweigungen auseinandergesetzt hat.

Die Erfahrungen, die er dabei gemacht hat beschreibt er ausführlich und lässt den Leser und natürlich auch die Leserinnen daran teilhaben. Am Ende fast jedes der 45 Kapitel gibt es ‚Tools‘. Hacks‘ oder Checklisten, die den Abschnitt zusammenfassen und leicht anwendbare Werkzeuge darstellen.

Am Anfang steht diese Erkenntnis „Was einem auch niemand sagt, ist, wie es einen Mann verändert, wenn er Vater wird. Natürlich nehmen wir uns vor, ein guter Vater zu sein. Ein Vater, der da ist, sich um die Familie kümmert und trotzdem weiter an seiner Karriere schraubt. Aber die Realität sieht ganz anders aus.“

Wichtig ist es, dass jeder Vater für sich entscheidet, was für ihn Sinn macht oder besser noch die Leidenschaft brennt. Und „vor allem für uns Väter ist es an der Zeit, Karriere neu zu definieren – weg von gesellschaftlichen Normen und vermeintlichen Selbstverständlichkeiten hin zu individuellen Lebensmodellen“.

Und dies ist ja in einer Partnerschaft nicht nur eine Karriere, eine berufliche Entwicklung. Es geht darum, in einem kurzen Lebensabschnitt, der Rushhour des Lebens, die Beziehung zur Partnerin, die Bindung zu den Kindern und die Verantwortung im Job in einen guten Rhythmus zu bekommen. Karriere ist nämlich auch, und das steht nicht im Buch, wenn die Beziehung hält.

Für die Beziehung zu den Kindern braucht vor allem Zeit, „die Entscheidung fällt auf dem Spielplatz“ zitiert der Autor Björn Süffke. Wichtig sei die emotionale Präsenz als Vater, „die wir nur in allen Facetten des täglichen Lebens bieten können. … Unsere Gefühle, die schönen und eben auch die nicht so schönen, unsere Ängste, Freuden, Trauer – und ja, auch wenn wir mal nicht mehr weiterwissen – machen uns zu einem Menschen.“

Dafür müssen Entscheidungen getroffen werden und die haben Konsequenzen bzw. einen Preis. Eine Entscheidung, die jeder werdende Vater für sich und gemeinsam mit seiner Partnerin treffen muss, und zwar rechtzeitig, ist die Inanspruchnahme der Elternzeit und die Verteilung von bezahlter Erwerbs- und unbezahlter Familienarbeit, die faire Aufteilung von Financial und Mental Load

„Wenn wir erst miteinander darüber sprechen, wer sich nun zu Hause um alles kümmern soll, wenn das Baby schon da ist, dann sind Chaos und eine Beziehungskrise vorprogrammiert. Mama bleibt zu Hause, und Papa geht zur Arbeit. In einigen Fällen mag das beide auf Dauer glücklich machen, aber in vielen Fällen eben nicht. Weder Väter noch Mütter wollen sich heute in die Schublade der alten Geschlechterrolle quetschen lassen, um stillschweigend Vorgelebtes zu wiederholen. Mütter möchten völlig zu Recht ihre ebenfalls mühsam aufgebaute Karriere nicht ganz begraben. Väter wollen nicht das Gewohnheitsrecht der F rauen auf die Kindererziehung akzeptieren. Neue Väter brauchen auch neue Mütter. Kommunikation und Abstimmung bereits vor dem ersten Kind kann helfen, nicht in diese Vereinbarkeitsfalle zu tappen.“

Das ist auch seit über 25 Jahren ein Grundsatz meiner Beratungsarbeit in dem Feld. Diese Fragen müssen auf Augenhöhe verhandelt werden, wenn beide im Job sind.

Und was die Elternzeit angeht, braucht es auch 15 Jahre nach ihrer Einführung in Deutschland noch viel Ermutigung. Gaida hat sie nach der Geburt seiner beiden Söhne nicht in Anspruch genommen.

„Nicht weil mich mein neuer Arbeitgeber davon abgehalten hätte oder die Signale dafür negativ waren, sondern schlichtweg, weil ich Angst hatte, es könnte alles, was ich mir bis dahin aufgebaut hatte, zerstören. Seit meiner Zeit an der Maschine in Schichtarbeit hatte ich so viel investiert, um im Management zu landen. Das wollte ich jetzt nicht leichtfertig verspielen.“

Mit dieser Angst Mit der Angst, stehe er jedoch nicht allein da und führt eine Befragung der Soziolog:innen Thordis Reimer und Mechthild Oechsle aus dem Jahr 2017 an, nach der 45% der Väter befürchten, das eine Elternzeit sich negativ auf ihre berufliche Entwicklung auswirken könnte.

Das dem nicht so ist hat ein Jahr zuvor Mareike Bünning, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), in einer Studie herausgefunden. Wenn Väter Elternzeit nehmen, wirkt sich das nicht negativ auf die Entwicklung ihrer Löhne aus. Wählen Väter dagegen Teilzeit, um Beruf und Familie besser zu verbinden und mehr Zeit für ihre Kinder zu haben, müssen sie mit Lohneinbußen und Karrierenachteilen rechnen. Schon 2015 berichtet das Forschungsinstitut Sowitra in einer Studie: „Langfristige berufliche Nachteile für die Elterngeldväter sind laut der Studie kaum nachweisbar. Mit vorübergehenden Beeinträchtigungen sei allerdings durchaus zu rechnen. Jeder zehnte Befragte berichtet von temporären Auswirkungen auf den Karriereverlauf, wobei die Gefahr mit der Dauer der Elterngeldnutzung ansteigt.“

Roman Gaida thematisiert diese Ambivalenzen jedoch auch und reflektiert seine Verantwortung als Führungskraft an dieser Stelle: „#1 Zu erfahren, dass man Vater wird, ist der schönste Moment im Leben eines Mannes. Denk daran, wenn der nächste Mitarbeiter zu dir kommt und dir freudig davon erzählt, dass er Vater wird.“

In den weiteren drei Teilen geht es dann um die Themen ‚Familienfreundlichkeit: Win-Win für Unternehmen und Leadership‘, ‚Familie‘ und ‚Me-Time‘, in denen der Autor sein Füllhorn an Fragen, Erfahrungen und Tipps ausschüttet. Einer der letzten, meines Erachtens aber sehr wichtigen im Abschnitt ‚Vergesst euch nicht als Paar‘ lautet „Nur wenn beide glücklich sind und sowohl berufliche als auch private Bedürfnisse befriedigt werden, ist Vereinbarkeit möglich.“

Das Buch ist am 14. September beim Campus Verlag erschienen, hat 224 Seiten und kostet 24 €.

Quelle

Abgelegt unter Führung, Partnerschaft | Keine Kommentare »

Niemand wird auf dem Sterbebett bereuen, zu wenig gearbeitet zu haben

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. März 2022

Interview mit Fabian Soethof, Autor des Buchs ‚Väter können das auch!

Der Titel deines am 21. März erscheinenden Buches lautet ‚Väter können das auch!‘ Was können Väter und was können sie unter welchen Umständen lernen?

Außer mit der Brust zu stillen und Babys zu gebären – wobei auch das nur auf biologische Männer zutrifft – können sie alles, was Frauen auch können und sich schon viel zu lange viel zu oft allein darum kümmern: Care-Arbeit, Mental-Load-Übernahme, in Elternzeit und Teilzeit gehen, Karriere-„Rückschritte“ in Kauf nehmen, anwesend, aktiv und eine echte Bezugsperson sein. Viele glauben nur, es nicht zu können oder zu dürfen. Weil ihnen in ihrer Sozialisation seit Jahrzehnten nichts anderes erzählt wird. Und weil sie oft nicht gelassen werden: von der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Politik – und von sich selbst.

‚Es ist Zeit, Familie endlich gleichberechtigt zu leben‘ steht ebenfalls auf der Titelseite. In der Ausgangslage schreibst du dazu: ‚ich möchte mit dem Buch ein Plädoyer für eine ‚private, gesellschaftliche und politische Veränderung von Familie, Arbeit, Vereinbarkeit und Rollenbildern‘ bieten‘. Was sind die drei wichtigsten Punkte deines Plädoyers und vor allem, wie sieht der Weg der Veränderung aus?

Die drei wichtigsten Punkte auf dem Weg hin zu mehr Gleichberechtigung lauten vielleicht:

  1. Privilegien, patriarchale Strukturen, Rollenbilder und Ungerechtigkeiten erkennen: Nur wer weiß, wie vergleichsweise gut er oder sie es hat, kann dafür sorgen, dass es anderen auch mal besser geht.
  2. Es gibt kein Wissens-, sondern ein Handlungsdefizit: Fast alles, was in meinem Buch steht, ist seit Jahren bekannt. Theoretisch steht Gleichberechtigung also nichts mehr im Wege – praktisch unter anderem das, was ich auf die erste Frage hin antwortete.
  3. Das Private ist politisch (und umgekehrt): Nur wer Gleichberechtigung selbstverständlich in der Familie und von dort hinaus vorlebt, kann zu einem Rollenwandel beitragen. Und nur, wer von Politik und Wirtschaft dabei hinreichend unterstützt wird, kann sein Privatleben ändern.

In dem Buch sprichst du auch eine Einladung an Väter aus, ihr Verhalten und ihre Haltungen zu reflektieren. Was macht es für Väter attraktiv, sich weniger der Erwerbs- und mehr der Carearbeit zuzuwenden?

Zuallererst ist es der Satz: Niemand wird auf dem Sterbebett bereuen, zu wenig gearbeitet und seine Kinder nur am Wochenende gesehen zu haben. Das sage ich wohlwissend, dass gerade geringverdienende Einverdienerhaushalte oft auf jeden Cent angewiesen sind. Eine gute Bindung zu seinen Kindern erscheint mir aber nicht nur für Väter attraktiv. Kinder profitieren von mehreren engen und wichtigen Bezugspersonen und „modernen“ Vorbildern. Und die Gesellschaft profitiert von einem Rollenwandel: Frauen landen als (potentielle) Mütter nicht länger auf dem beruflichen Abstellgleis. Väter tragen den Financial Load nicht länger allein. Und die nächste Generation lernt, dass auch Männer den Haushalt schmeißen und Frauen jeden Job machen können, den sie wollen.

In dem Buch kommen eine Reihe Väterexpert*innen und Feminist*innen zu Wort. Ein Paradigma aus der feministischen Sphäre lautet ‚Don’t fix the women – fix the system‘. Auf die Väter bezogen lautet die Frage also: Welche strukturellen Rahmenbedingungen im ‚System‘ müssen thematisiert und ggf. verändert werden?

Sprechen wir von Arbeitnehmer*innen, so müssen Männer eher gestern als morgen für Arbeitgeber*innen das gleiche „Risiko“ darstellen, wegen bevorstehendem Nachwuchs länger als nur zwei Wochen auszufallen. Damit Frauen zumindest auf dem Arbeitsmarkt nicht länger derart benachteiligt werden. Wir kommen u.a. durch längere Elternzeiten bei Vätern, mehr Männer in Teilzeit und notfalls finanzielle Anreize dahin. Folgen davon könnten eine Verkleinerung des Gender Care Gaps und des Gender Pay Gaps sein, eine positive Kettenreaktion würde in Gang gesetzt. Erst dann wäre auch keine Quote mehr nötig.

In dem Interview mit Uwe von dem Software Unternehmen SAP sagt dieser: ‚Es gibt die X- oder Y- Strategie. Gehe ich davon aus, dass alle Mitarbeiter*innen schlecht sind … oder davon, dass sie alle eigenmotivierte Individuen sind, die ich nur bei Bedarf unterstützen muss?‘ Könnte der Titel deines Buch dementsprechend auch ‚Väter wollen das!‘ lauten?

Naja. Viele Väter wollen „das“ ja nicht, zumindest nicht wirklich. Sonst würden nicht nur rund 30 Prozent aller Väter Elternzeit in Anspruch nehmen, sondern mindestens 60 Prozent. Viele behaupten, dass sie wollen, aber der Chef es ihnen schwer mache und die Familie ja auch auf „sein“ Geld angewiesen sei, oft stecken nur eine Anstrengungsvermeidung oder andere Prioritäten dahinter. Ein Teufelskreis: Mit den Argumenten und der Aufteilung bleiben wir als Familien und als Gesellschaft in puncto Gleichberechtigung noch lange da stecken, wo wir jetzt stehen: auf scheinbar gutem Weg, aber noch längst nicht so weit, wie wir sein könnten. Die Parität des neuen Kabinetts und der Koalitionsvertrag gehen übrigens mit überraschend gutem Beispiel voran. Darin lautet ein hehres Ziel: „Die Gleichstellung von Frauen und Männern muss in diesem Jahrzehnt erreicht werden“. Mark their words!

Vielen Dank für deine Antworten.

Eine Rezension des Titels finden Sie hier.

Quelle

Abgelegt unter Literatur, Väterbilder | Keine Kommentare »

Vater werden – Dein Weg zum Kind

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. Dezember 2021

Ihr aktuelles Buch hat die Bestsellerautorin Nicola Schmidt gemeinsam mit ihrem Partner Klaus Althoff geschrieben und ist mit dem Untertitel ‚Dein Weg zum Kind‘ versehen. Damit stapeln die beiden tief, erstens beschreiben sie eine Vielzahl von Wegen und Möglichkeiten zum Vatersein und zweitens beinhalten diese Pfade auch die gemeinsamen Schritte zum Eltern und Familie werden, in welcher Konstellation auch immer, aber mit der Aussicht auf eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Aufteilung von bezahlten und unbezahlten Aufgaben und Arbeiten.

Dass dieser Weg schon lange vor der Geburt anfängt, schreiben die beiden schon im zweiten Absatz des Vorworts: ‚Wie gut sich alle Beteiligten … schon vor der Geburt vorstellen können, eine Familie zu sein, sagt viel darüber aus, wie es später sein wird. Es gilt also, die wichtigen Informationen rechtzeitig zu haben, die Weichen frühzeitig zu stellen und ‚kluge‘ Entscheidungen zu treffen.

Und dafür liefern Schmidt und Althoff auf den folgenden 235 Seiten eine wahre Fülle an Ideen, Wissen, Anregungen und Erfahrungen in einem inhaltlich und grafisch sehr ansprechenden Format.

Das Buch behandelt in drei Kapiteln Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett wobei die ersten 9 Monate in sieben Abschnitte aufgeteilt sind. Der siebte beschäftigt sich unter der Überschrift ‚Cool bleiben‘ mit Terminüberschreitung und Übertragung. Innerhalb dieser Anordnung gibt es verschiedene inhaltliche Blöcke, die sich in jedem Abschnitt wiederholen: ‚Das sollten Väter vorher wissen‘, ‚Wissenschaftscheck‘, ‚Übungen‘ und ‚So sieht es aus‘. In letzterem beschreiben Klaus und/ oder Nicola ihre Ansichten zu den zuvor behandelten Themen und geben persönliche Erfahrungen weiter.

Neben diesen großen Blöcken gibt es kleinere Merkposten, die sich direkt an die werdenden Väter richten bzw. Erfahrungen und Fragen von Vätern wiedergeben: ‚Was hättest du gern vorher gewusst?’, ‘You have a new message‘ sind Impulse aus der Perspektive des ungeborenen Kindes. Eine ‚Not to do Liste‘ fasst die Empfehlungen der Autor*innen prägnant zusammen sowie ‚Dein Clan‘. In dieser Rubrik werden Ansprechpartner und Vertrauenspersonen für die Väter und deren Bedeutung benannt.

Apropos ‚Clan‘, insbesondere Klaus Althoff betont an verschiedenen Stellen seiner Statements immer wieder die Bedeutung einer Vätergruppe in der sich Männer über ihre Anliegen, Ängste und Hoffnungen austauschen können. Vor und auch nach der Geburt: ‚Was aber … ganz wichtig ist, ist der Austausch mit anderen Vätern. Wir Männer reden oft so wenig – vor allem wenig miteinander und über die Dinge, die uns schwerfallen und belasten.‘ Er lädt die Männer deshalb dazu ein ‚Väterbanden‘ zu bilden.

Auch an anderen Stellen greift er auf seine Erfahrungen als Personalentwickler zurück. Der Weg zum Vatersein ist ein Change Prozess. Beim Eltern werden geht es, vor allem im Hinblick auf die Fragen, wer macht was, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang auch um einen Teambuildingprozess bei dem Erfahrungen aus dem Projektmanagement genutzt werden können. Diese Begriffe werden von beiden Autor*innen situationsbezogen und praxisnah mit Inhalten gefüllt und im Managementtraining bewährte Methoden wie der Dialogspaziergang auf den Alltag werdender Eltern übersetzt. Sie betonen immer wieder, wie wichtig die Entwicklung eine geteilten Vorstellung von dem Leben zu Dritt für eine gelingende Vater-, Mutter- und Elternschaft ist.

Neben pädagogischen und biologischen Themen werden aber auch ganz praktische insbesondere für nicht verheiratete Väter bedeutsame Dinge angesprochen: Es ist wichtig, rechtzeitig über eine Vaterschaftsanerkennung und gemeinsame Sorge zu sprechen und die erforderlichen Schritte rechtzeitig in die Wege zu leiten. Das gleiche gilt für Absprachen über Aufteilung der Elternzeit. Entgegen der lange Zeit von der Familienpolitik propagierten 12 plus 2 Regelung betonen Schmidt und Althoff die Bedeutung der frühen Elternzeit des Vaters und treten auch für die ‚Vaterschaftsfreistellung unmittelbar nach der Geburt ein.

Im Kapitel Geburt weisen die beiden zum einen besonders auf die Bedeutung einer Geburtsvorbereitung für Väter hin, diese senke das Risiko für operative Geburtseingriffe. Wohl auch, weil Väter in der Lage sind, unter der Geburt gegebenenfalls ihre Schutzfunktion für die Partnerin wahrzunehmen. Zum anderen thematisieren sie das Risiko einer postpartalen Depression für Väter. Die Zahlen aus den angelsächsischen Ländern weisen eine hohe Bandbreite auf, wohl auch, weil Väter nicht durchgehend auf diese gesundheitliche Belastung gescannt werden. In den deutschsprachigen Ländern wird dieses Phänomen erst allmählich wahr- und ernst genommen. Die umfassende Behandlung des Themas in diesem Band wird dazu sicherlich auch beitragen.

Auch wenn im letzten Abschnitt das Thema Fehlgeburt aus der Perspektive der Väter, die mit dem Thema in der Regel alleingelassen werden, thematisiert wird, eine ganz wichtige Botschaft steckt für mich einige Seiten davor. Es ist die Sache mit der Performanzschere. ‚Es ist nämlich so, dass viele Väter durchaus über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um ihre Kinder liebevoll zu versorgen. Das Problem ist aber oft, dass sie diese Kompetenzen nur unzureichend nutzen. … Klafft die Performanzschere erst einmal auseinander, ist es schwierig, sie wieder zu schließen und die väterlichen Kompetenzen im Alltag einzusetzen.‘ Auch dass ist ein Appell, von Anfang an aktiv dabei zu sein und durch gemeinsames Tun väterliche Kompetenzen zu entwickeln und anzuwenden.

Das Buch von Nicola Schmidt und Klaus Althoff ist für mich nach dem 2005 ebenfalls im Gräfe und Unzer Verlag erschienen ‚Das Papa Handbuch‘ von Robert Richter und Eberhard Schäfer ein zweiter Meilenstein, der den Weg der Väter zu ihren Kindern nicht nur beschreibt, sondern Väter ermutigt, diesen Weg auch zu gehen und die Rolle im Leben ihrer Kinder zu spielen, die diese brauchen.

Abgelegt unter Geburt, Partnerschaft, Vater werden | Keine Kommentare »

#TollerPapa

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Oktober 2021

… lautet der Titel des #Vaeter Buchs von Benjamin Wockenfuß, dass an diesem Freitag erscheint. Grafisch ist es ein Hingucker und auf den zweiten Blick fällt auf, dass es eigentlich mindestens zwei Bücher sind. Am einen Ende ist ein in sieben Kapitel gegliederter ‚Wissens-Input‘ wie es der Autor nennt, am anderen Ende ist eine wunderbare ‚Power-Papa & Kreativ-Kid Geschichte, die von Stefanie Messing bebildert ist. In der Mitte des Buches ein analoges Planungstool für die ersten 22 Tage #TollerPapa.

Man kann das Buch aber auch einfach umdrehen und dann ergibt sich eine andere Reihenfolge und eine andere Perspektive. Das gibt den Anspruch und die Haltung von Ben, so tritt der Autor den Lesern und Leserinnen gegenüber, ganz gut wieder. Sein Buch soll kein Fachbuch sein und die fachlichen Erfahrungen die er weitergibt sind seine Erkenntnisse, seine Wahrheit und seine Gefühle.

Das besondere an dem Buch ist, dass es nicht nur an verschiedenen Stellen an fachlich fundierte Texte verweist, die per QR-Code leicht zu erreichen sind, sondern auch in den sozialen Medien über den im Titel formulierten Hashtag eine Community für #Vaeter eröffnet und diese zum aktiven Austausch ihrer Erfahrungen einlädt.

Die im Untertitel vorsichtig formulierte These ‚Erziehung ist (auch) Männersache‘ bildet, versehen mit einem Ausrufezeichen und dem Zusatz ‚… Echt?‘ ist auch die Überschrift zum Kapitel 1. Der Autor positioniert sich hier aber eindeutig: ‚Jeder Mann kann Erziehung!‘ „Ein Vater ist mehr als nur ein Assistent der Mutter. Er hat eigene/ andere Fähigkeiten, die Kinder dringend brauchen.“

So ist es, aber so einfach ist es leider nicht. Lernen tut Mensch dass, was er tut und es gibt weder die geborene Mutter noch den geborenen Vater. Das was einen tollen Papa, einen (hinreichend) guten Vater ausmacht wird gelernt, indem ich es mache und von anderen abgucke. Das was Mann macht oder besser lässt hängt vielfach von gesellschaftlichen und eigenen Erwartungen und gegenseitigen Rollenzuschreibungen ab. Wockenfuß führt noch weitere Faktoren an, die den Lernprozess und eine gelingende Erziehungsgestaltung beeinflussen: Aktives Mitfühlen, Verantwortung annehmen und aushalten und trotz Uneinigkeit ein Elternteam bleiben.

Zu allen drei Punkten bietet er dann praktische Tools an, die dazu anleiten, sich mit seinen eigenen Positionen und Haltungen auseinanderzusetzen und diese auch zu visualisieren. Am Ende dieses und jedem der folgenden 6 Kapitel gibt es ein ‚Fazit to Go‘ einen Einseiter, auf dem die wichtigsten Aussagen noch einem kurz und grafisch ansprechend zusammengefasst werden.

Die einzelnen Abschnitte sind jeweils in sich abgeschlossen und das Buch kann kreuz und quer gelesen und bearbeitet werden. Dazu fordert der Autor auch explizit auf, es sei ein Arbeitsbuch und das Notieren von Gedanken und die Verschriftlichung von Routinen erleichtere den Blick auf das Wesentliche. Dazu bietet Wockenfuß an vielen Stellen neben den im Buch skizzierten analogen auch digitale Werkzeuge an und stellt deren Vorzüge heraus. Das macht er auch in Bezug auf die digitalen Medienzugänge für Kinder: „Durch digitale Medien, wie etwas Spiele-Apps, haben Kinder die Chance, kreative Gestalter:innen statt lineare Konsument:innen zu sein. Ein großer Schatz!“

Die im Kapitel 4 dargestellte ‚Einfachheit im Vatersein‘ und dem Plädoyer für Langeweile aus der Kreativität erwächst getreu der Gleichung ‚Weniger ist Mehr‘ erinnert mich an eine zentrale Aussage aus dem 2015 erschienen Buch ‚Geht Alles gar nicht Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können‘ von Marc Brost und Heinrich Wefing:

„ … Auch früher gab es Erwartungen an Väter …, aber sie waren klarer und eindeutiger, weil es auch klare und eindeutige Rollen gab. Heute dagegen gibt es unendlich viele Erwartungen, weil es unendlich viele Möglichkeiten gibt, … ein guter Vater zu sein, und deswegen scheint es das Beste zu sein, einfach alle Erwartungen zu erfüllen.“

Benjamin Wockenfuß zeigt einen ‚einfachen‘ Weg auf, mit diesen Erwartungen und Möglichkeiten umzugehen. Nicht nur zu Hause mit der Familie, sondern auch im Beruf. Er schlägt hier einen neues Verständnis dafür vor, wie Arbeitswelt und Vatersein zusammengehen können. „Welche Position in meinem Selbstbild übernimmt meine Arbeit eigentlich? Wie sinnstiftend ist sie für mich?“ Die praktischen Vorschläge an dieser Stelle sind meiner Auffassung nach eher auf Väter mit gut abgesicherten Jobs zugeschnitten. Diejenigen die zwei oder drei prekäre Jobs zur Absicherung des Lebensunterhalts haben, stellen sich die Frage „Brauche ich wirklich eine Vollzeitstelle“ wohl nicht.

Eine gute Zusammenfassung formuliert der als Experte in Kapitel 6 zitierte Organisationsberater Hendrik Epe: [es] … wird deutlich, dass ich (m)eine Rolle als Vater … darin sehe, Ambiguitätstoleranz vorzuleben. Es gibt nicht den einen, richtigen Weg in der Erziehung der Kinder, ebenso wenig wie es die eine, richtige Art und Weise der Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft gibt.

#TollerPapa liefert jede Menge Anregungen für Väter, diese ambivalenten Möglichkeiten zu entdecken, eigene Positionen zu bilden und sich gemeinsam mit den Kindern weiter zu entwickeln und der Papa zu sein, den man selber als Kind gebraucht hätte. Das Wendebuch zum Preis von 18 € ist eine tolle Investition sowohl für werdende als auch schon vor langer Zeit gewordene Väter.

Abgelegt unter Vater werden, Väter, Väterbilder | Keine Kommentare »

‚…die Belange von Familie sind politisch nichts wert‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Mai 2021

Birk Grüling, Autor von ‚Eltern als Team – Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit‘ im Gespräch mit der LAG Väterarbeit in NRW

Was war der Anlass für dich, den Ratgeber zu schreiben?

Sowohl privat als auch als Journalist habe ich mich in den letzten Jahren sehr viel mit dem Thema Vereinbarkeit auseinandergesetzt und damit auch mit der Frage, wie ich eigentlich arbeiten und wie viel Zeit ich für die Familie haben will. Ein ganz wichtiger Moment in diesem Zusammenhang war der Tod meines eigenen Vaters in der Schwangerschaft meiner Frau. Das hat mich sehr zum Grübeln gebracht. Mein Vater hat immer viel gearbeitet und wenig auf seine Gesundheit geachtet, am Ende hat er dadurch seinen Enkel verpasst. Und als Journalist habe ich das Privileg, meinen eigenen Fragen auch noch beruflich nachzugehen. So entstanden aus der privaten Suche nach meiner eigenen Vater-Rolle viele Texte und irgendwann dieses Buch. In dem Buch erzähle ich aber nicht nur von mir, sondern stelle Menschen und ihre tollen Ideen zu den ganz verschiedenen Aspekten von Vereinbarkeit vor. Ein Patent-Rezept entsteht daraus zwar nicht, aber viele spannende Impulse wie ich finde.

Zu Beginn des Buchs schreibst du „Vereinbarkeit ist nicht unmöglich“. Mir kommen da zwei Titel, vor 6 Jahren auch von Journalist:innen geschrieben, in den Kopf. Nämlich: „Geht alles gar nicht“ von Marc Brost und Heinrich Wefing und „Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ von Susanne Garsoffky und Britta Sembach. Was entgegnest du Ihnen aus heutiger Perspektive?

Ich habe beide Bücher nicht gelesen und kann zu ihnen auch wenig sagen. Allerdings bin ich ein großer Fan von konstruktivem Journalismus. Also Probleme benennen und Lösungen suchen, statt einfach nur zu jammern und die Flinte in Korn zu werfen. Und ja, es gibt sehr viele Probleme – von fehlenden Betreuungsplätzen bis zu alles anderes als familienfreundlichen Arbeitsmodellen. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich das Thema Vereinbarkeit für mich abharken und alles so mache wie unsere Eltern-Generation. Es muss doch etwas zwischen Hausmann und 60 Stunden Wochen Karrieremann geben.

Eine große Rolle spielt für dich die Vorbereitung auf das Elternsein. Du sprichst da von der Entwicklung einer „Familienvision“. Wie können sich Väter auf das Vatersein vorbereiten und auf welche „Rolemodels“ und Unterstützung können sie dabei zurückgreifen?

Ich glaube, der wichtigste Schritt ist die bewusste Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen der Vaterrolle. Also sehe ich mich eher als Ernährer und „Wochenendpapa“ oder will ich wirklich in Teilzeit arbeiten und kann ich mir dabei sogar vorstellen auf bestimmte Symbole zu verzichten. Ich habe das Gefühl, dass selbst vorher gleichberechtigte Paare ganz schnell in „traditionelle“ Rollenbilder abrutschen, einfach weil sie diese nie richtig hinterfragt haben. Und daraus entstehen oft Konflikte. Im Babykurs meiner Frau beschwerten sich zum Beispiel unzählige Mütter darüber, dass ihre Männer doch gar nicht so engagierte Papas waren, wie der Generation der „Neuen Väter“ gemeinhin nachgesagt wird. Und ich kann sagen: Konflikte über unausgesprochene Erwartungen klärt man lieber im Vorfeld, als völlig übermüdet und genervt mit zahnendem Baby auf dem Arm. Deshalb würde ich jedem raten, sich mit seiner zukünftigen Rolle auszusetzen und ruhig mal mit anderen Vätern und natürlich mit der eigenen Partnerin darüber zu sprechen. Und wenn ich die Rolemodels vielleicht nicht im eigenen Freundeskreis findet, kann ich sie mir im Internet suchen und mit ihnen in Kontakt treten.

Im Zusammenhang mit der Elternzeit schreibst du: „Noch nie standen die Chancen besser, mit alten Werten zu brechen, der Last des alleinigen Ernährers zu entfliehen und die eigene Vaterrolle neu und anders zu gestalten.“ Die Elternzeit gibt es ja schon seit 14 Jahren, woher rührt dein Optimismus?

Ist das wirklich optimistisch? Im Vergleich zu allen Väter-Generationen vor uns haben wir fürstliche Möglichkeiten. Gleichzeitig nutzen wir sie nicht genug und rutschen immer noch viel zu oft in Rollenbilder aus den 50er Jahren. Deshalb muss es noch mehr Druck zur Gleichberechtigung geben – zum Beispiel könnten Mütter und Väter, die gleichberechtigt in Elternzeit gehen, mehr Geld bekommen oder sogar eine „Pflicht“ zur Gleichberechtigung eingeführt werden, jedenfalls wenn man Elterngeld bekommen möchte. Ich bin also eher enttäuscht darüber, dass wir Eltern immer noch zu wenig aus den Chancen machen, bin aber froh, dass es sie überhaupt gibt – auch wenn bei ihnen durchaus Nachholbedarf besteht.

Welche Rolle spielen dabei die letzten 14 Monate mit Corona?

Corona ist ein komplexes Thema – einerseits haben wir gespürt, dass zuhause arbeiten deutlich besser funktioniert und daraus könnte eine deutlich rasantere Flexibilisierung der Arbeitswelt entstehen. Auch manche Väter haben sich nun stärker in die Care-Arbeit eingebracht und damit einen Wertewandel durchlaufen. Andererseits hat die Pandemie auch gezeigt, wie groß die Probleme in diesem Land sind – zum Beispiel, dass die Belange von Familie politisch nichts wert sind oder das auch Bildung keine so große Rolle spielte wie die Belange von Industrie und Wirtschaft. Und wir haben erlebt, dass am Ende in vielen Familien die Mütter die Last der Pandemie tragen und die Väter selbst im Homeoffice gut auf Tauchstation gehen können.  Am Ende sehe ich die Pandemie aber durchaus als Chance für Veränderungen. Jedenfalls kann man jetzt die Probleme und die Versäumnisse nicht mehr klein oder schön reden.

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist die Erwerbsarbeitszeit bzw. die „30 Stunden Woche“ als neue Vollzeit. Warum ist die Möglichkeit einer Reduzierung der Erwerbsarbeitszeit für Väter so wichtig?

Ich hole mal etwas theoretisch aus. Forscher der Oxford University kamen in einer Studie zum Schluss, dass in den USA 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten bedroht sind. In Deutschland sieht es ähnlich aus. Wir müssen uns also schon heute Gedanken machen, wie wir bald weniger vorhandene Arbeit besser verteilen können. Und ich halte dabei die 30 Stunden Woche für ein tolles Modell. Die Zeit reicht aus, um Arbeit zu gestalten und auch „Karriere“ zu machen. Auf der anderen Seite bleibt so deutlich mehr Platz für die Familie oder das Privatleben. Außerdem ließe sich die Arbeit besser und gerechter verteilen. Dadurch das auch sehr hochqualifizierte Mütter oft nur geringen Umfang arbeiten, geht Unternehmen viel Wissen und Knowhow verloren. Kurzum: Die 30-Stunden Woche wäre geeignet, um die „Work-Life-Balance“ zu verbessern und mehr Gleichberechtigung zu schaffen. Allerdings darf das nicht eine Akademiker-Geschichte bleiben. Auch in der Pflege oder im Einzelhandel muss eine 30 Stunden Woche so gut bezahlt sein, dass ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Und davon sind wir leider oft noch etwas entfernt.

Der Begriff des „Mental Load“ wird ja im Kontext von partnerschaftlicher Arbeitsteilung von vielen angeführt. Du schreibst in dem Abschnitt „Wir müssen über Geld reden“ von einem „Financial Load“, sind das zwei Seiten einer Medaille?

Ich glaube, 1 zu 1 übertragbar sind die beiden Dinge nicht. Aber die (fast) alleinige Last des Familienernährers ist für mich ein wichtiges Thema, über das zu wenig besprochen wird. Dieses Modell ist nämlich immens gefährlich und sehr belastend. Dem Alleinernährer darf nichts passieren, von seinem Gehalt lebt die Familie. Kommt es doch zu einem Unfall oder einer schweren Erkrankung, wird es richtig schwer für die Familie – nicht nur emotional, sondern auch finanziell. Von den negativen Auswirkungen auf die Rentenansprüche der Frau ganz zu schweigen – Kinder groß zu ziehen, ist ein großes Armutsrisiko im Alter. Deshalb müssen wir dringend auch die „Last“ der Erwerbsarbeit besser verteilen und dazu gehört auch die Überwindung des Gender Pay Gaps. Und wir Väter gewinnen dabei nur: Wir müssen weniger arbeiten, müssen uns weniger Sorgen machen, ob das Gehalt für alle wohl reicht und haben noch mehr Zeit für die Kinder. Achja, Paare, die gleichberechtigt arbeiten, haben auch noch ein deutlich höheres Familieneinkommen als Alleinernährer.

„Vereinbarkeit ist kein Sprint sondern ein Marathon“ steht auf einer der letzten Seiten deines Buchs. Was müssen Väter in jedem Fall beachten, damit sie die „Strecke“ durchhalten?

Familienleben ist hoch dynamisch. Ständig tauchen neue Herausforderungen auf. Geschwister werden geboren, Arbeitszeiten verändern sich, die Schulzeit beginnt, auch unvorhersehbare Dinge wie Krankheiten bringen alte Routinen durcheinander. Deshalb muss ich auch in Sachen Vereinbarkeit ständig nachjustieren und immer wieder neue Wege und Lösungen suchen. Denn alles was gestern noch reibungslos klappte, kann morgen schon völlig unpassend sein. Deshalb ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben und sich auch als Eltern-Team regelmäßig zu fragen, ob die vor zwei Monaten oder zwei Jahren getroffenen Entscheidungen noch heute passen oder ob gegengesteuert werden muss. Das ist glaube ich das wichtigste Rezept beim Durchhalten. Am Ende müssen einfach alle Beteiligten zufrieden sein.

Abgelegt unter Elternzeit, Interview, Partnerschaft, Politik, Rolllenbilder | Keine Kommentare »

Eltern als Team – Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. Mai 2021

Das ist der Titel des ‚konstruktiven Buches‘ von Birk Grüling, Jahrgang 1985 und selbst Vater eines Sohnes. Konstruktiv in dem Sinne, dass er Vereinbarkeit für möglich hält und sich vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen selbstkritisch mit den Möglichkeiten und Hindernissen auseinandersetzt. Diese subjektive Perspektive wird ergänzt durch die Perspektive von 16 Praktiker:innen, Coaches, Therapeut:innen, Trainer:innen und Personalverantwortlichen sowie zahlreichen Vätern und Müttern, die ihr Ringen um eine gemeinsame Lösung beschreiben.

„Eltern als Team“, das ist die Übersetzung des seit langem geäußerten Wunschs junger Mütter und Väter nach einer partnerschaftlichen Aufteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Familien- bzw. Care-Arbeit. Vereinbarkeit geht nur gemeinsam, wenn überhaupt.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich ebenfalls Journalist:innen, Marc Brost und Heinrich Wefing mit „Geht alles gar nicht“ und Susanne Garsoffky und Britta Sembach mit „Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ ganz anders positioniert haben.

Aber auch Grüling macht an dieser Stelle keine falschen Versprechungen. Vereinbarkeit ist kein Sprint, den Mann oder Frau mal eben abläuft, sondern ein Marathon, der den permanenten Austausch zwischen Vater und Mutter erfordert. Und damit beginnen die werdenden Eltern am besten vor der Geburt.

Damit meint der Autor nicht nur die ‚Geburtsvorbereitung und den „Nestbau“, er skizziert quasi als Vorbereitung auf die Vereinbarkeit für eine gemeinsame ‚Familienvision‘ die natürlich voraussetzt, dass auch der werdende Vater eine Vorstellung davon entwickelt, welcher Vater er sein möchte. Wie dieser Visionsentwicklungsprozess aussehen kann, beschreibt er sehr anschaulich. „Die erste Frage für dich wäre also: Welches Bild von mir als Vater … habe ich selbst?“ und dabei geht es natürlich auch um die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen mit dem eigenen Vater bzw. der eigenen Mutter.

Die Hinweise und Fragestellungen die Grüling an dieser, aber auch an vielen anderen Stellen formuliert, sind ein passendes Angebot und verleiten wirklich dazu, sich auf die entsprechenden Situationen und Herausforderungen einzulassen und im Anschluss daran, das Gespräch mit der Partnerin zu suchen.

Apropos Partnerschaft, dass es nicht nur um eine möglichst optimale und gleichberechtigte Aufgabenteilung geht, sondern um die Pflege einer Beziehung und die Selbstsorge, macht er in einem eigenen Abschnitt deutlich. Wie wichtig dies ist, macht das Zitat zu Beginn dieses Abschnitts deutlich, dass Jeder und Jede kennt, die schon einmal geflogen ist: „Im unwahrscheinlichsten Fall eines Druckverlusts falle automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke … Atmen Sie normal weiter. Helfen Sie danach Kindern und hilfsbedürftigen Menschen.“ Nur in dieser Reihenfolge gelingen Beziehungen, Vereinbarkeit und Erziehung von Kindern.

Weitere Themen sind Elternzeit, Bedeutung und Auswahl von Kinderbetreuungseinrichtungen und die Routine, die sich irgendwann einstellt. Grüling spricht in diesem Zusammenhang auch von den „Drei Säulen der Vereinbarkeit“ und macht deutlich, dass sich zwar jedes werdende und gewordene Elternpaar für ihren Weg entscheidet, dass die Gestaltung der Rahmenbedingungen keineswegs nur Privatsache ist.

Diese eröffnen Möglichkeiten oder engen sie ein. Das fängt bei Regelungen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht an, geht über die Kinderbetreuung und hört bei Regelungen zur Arbeitszeit noch lange nicht auf. Die „30 Stunden Woche“ taucht an vielen Stellen als Option auf und es wird deutlich, dass diese in der Lebensphase mit kleinen Kindern, der Weg sein kann, „Mental- und Financial Load“ gerecht zu verteilen und Väter und Mütter in die Lage zu versetzen, als Team zu agieren.

„Noch nie standen die Chancen besser, mit alten Werten zu brechen, der Last des alleinigen Ernährers zu entfliehen und die eigene Vaterrolle neu und anders zu gestalten.“ Lautet eine der Kernaussagen des Buchs, dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Familien in den vergangenen 14 Monaten gemacht haben. Der Ratgeber von Birk Grüling ist bestens dazu geeignet, die richtigen Lehren aus dieser Zeit zu ziehen und sich als werdende oder gewordene Väter und Mütter mit der eigenen Zukunft als Eltern und Paar auseinanderzusetzen.

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Elternzeit, good practice, Partnerschaft, Vater werden | Keine Kommentare »

HomeOffice mit Familie – Segen oder Fluch?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. April 2021

Wie Sie sich selbst, Arbeit und Familie so organisieren, dass (fast) nichts zu kurz kommt.

Den Weg, diesen Herausforderungen zu begegnen skizziert Felicitas Richter, die selbst seit 20 Jahren mit vier Kindern im HomeOffice arbeitet, in ihrem in der Reihe ‚Beck kompakt‘ erschienenen Ratgeber ‘HomeOffice mit Familie‘.

Dass es dafür einen großen Bedarf gibt, skizziert sie zu Beginn des Bandes. Durch die Nutzung der eigenen Wohnung als Arbeitsplatz im Zuge des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 sind viele Arbeitnehmende von jetzt auf gleich, relativ unvorbereitet mit dem Firmenlaptop an den Küchentisch umgezogen oder mussten ihre eigenen Ressourcen zu Hause nutzen. Die seit der industriellen Revolution immer weiter durchgesetzte Trennung von Beruf und Familie in getrennte Sphären von jetzt auf gleich weitgehend aufgelöst. ‚Nine to five‘ als ‚Schutzmauer‘ eingerissen, galt und gilt es doch auch, geschlossene Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zumindest zeitweise zu ersetzen und die Kinder zuhause zu betreuen und zu beschulen und Erwerbs-Arbeit in Zeiten außerhalb des Familienlebens zu verlagern.

„Papa was, ist die Quadratur des Kreises?“ fragt der Sohn seinen ihm gegenübersitzenden Vater in der auf der Titelseite der Studie „Thüringer Familien in Zeiten von Corona“ abgebildeten Karikatur. „HomeOffice und Homeschooling“ antwortet dieser. Damit sind zwei Themen angesprochen, die in dem Ratgeber zwar mitschwingen, aber nicht explizit bearbeitet werden. Ich meine damit zum einen die Erwartungen an und das Verhalten von Vätern, die im Homeoffice arbeiten und das ‚Chaos‘ in der Familie scheinbar unberührt an sich abprallen lassen. Zum anderen geht es um die tatsächliche Unmöglichkeit, die volle Arbeitsverpflichtung zu leisten und parallel dazu Kinder zu beschulen. Und damit meine ich nicht die mangelnde fachliche und pädagogische Qualifikation von Müttern und Vätern. Die Versuche es doch zu leisten enden vielfach in Überforderung und Erschöpfung.

Aber auch ohne diese aktuellen Bezüge sind die Ausführungen der Autorin sehr wertvoll. Sie gibt nicht nur einfach Tipps, sondern geht das Thema von den individuellen Voraussetzungen, über die systemischen Zusammenhänge in Familien bis hin zu den Voraussetzungen bei der familienkompatiblen Arbeits(platz)gestaltung.

Die Arbeit im HomeOffice ist attraktiv, fallen doch die unter Umständen langen An- und Abfahrten zum Büro weg. Beantworten muss aber Jede und Jeder für sich die Frage, ob ich der Typ bin, der sich alleine motivieren und strukturieren kann, ob das an zwei oder drei Tagen mit klar umrissenen Arbeitsaufträgen gut geht und in welchem Maße der persönliche Austausch mit Kolleg:innen gut geht. Videokonferenzen sind zwar inzwischen gängige Praxis, die Kommunikation mit und zwischen den Kästchen auf die Dauer im wahrsten Sinne des Wortes ‚eindimensional‘.

‚Die Familie als Team‘ lautet die Überschrift des 3. Kapitels. Ja, Familie und Kinder profitieren grundsätzlich davon, wenn Eltern präsent sind und sie mitbekommen, was Mama und Papa arbeiten, aber … Es braucht klare Abgrenzungen und Regelungen. Hier schöpft Felicitas Richter vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen aus dem Vollen und ihre Hinweise sind nicht nur für HomeOffice Neulinge Insbesondere ihr Blick auf die Partnerschaft ‚es geht nur zusammen‘ hilft, mit aufkommenden Konflikten konstruktiv umzugehen.

Schließlich geht es auch noch darum, die Arbeit im HomeOffice (grundsätzlich) so zu gestalten, dass sie mit Familie und Kindern kompatibel ist. Und das nicht nur von den Arbeitsabläufen und der technischen Ausstattung her, sondern auch im Hinblick auf die erforderlichen Unterstützungssysteme.

Das dazu auch Absprachen mit den Arbeitgebenden gehören ist eigentlich banal, in den Zeiten nach dem Lockdown mit ‚verpflichtendem‘ HomeOffice, wird sich zeigen, welche Konsequenzen aus dem großen Experiment gezogen werden.

Auf den letzten Seiten werden die wichtigsten Punkte noch einmal in Form einer Checkliste zusammengefasst. Der handliche Ratgeber ist in jedem Fall empfehlenswert, für die, die schon lange diese Arbeitsform gewählt haben. Für diejenigen, die vor gut einem Jahr Hals über Kopf die Büros verlassen sollten und auch für diejenigen, die jetzt am liebsten wieder in die Ruhe des Büros flüchten würden, aber vielleicht doch zunächst die Erfahrungen der letzten 14 Monate aufarbeiten möchten. Und wie gesagt, es geht nur gemeinsam!

Abgelegt unter Arbeitszeiten, Work - Life - Navigation | Keine Kommentare »