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Für uns Väter ist das ein bisschen komplizierter …

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. Mai 2021

Ein Gespräch mit Gunter Beetz über die Vorbereitung von Vätern auf die Geburt und was danach auf sie zukommt.

In nehme wahr, dass es in den letzten Jahren in immer mehr Städten in Deutschland Geburtsvorbereitungskurs für werdende Väter gibt. Bei deinem Angebot kommt das Wort Geburtsvorbereitung aber kaum vor. Steckt irgendeine Absicht dahinter?

Für mich markiert die Geburt eines eigenen Kindes eines der wichtigsten Lebensübergänge im Leben eines Mannes. Er übernimmt nicht nur für sich, sondern auch für sein Kind und seine Familie Verantwortung. Für mich greift der Begriff der Geburtsvorbereitung deshalb zu kurz. Ich möchte werdende Väter darauf vorbereiten was auf sie zukommt über das Wochenbett hinaus. Es soll eine Vorbereitung auf die Vater-Rolle sein. Und deshalb nenne ich es „In das Vater-Sein wachsen”.

Aber das Thema Geburt kommt auch vor, oder?

Ja, das ist Teil des Seminars. Gut vorbereitet zu sein auf eine Geburt, ist sehr wichtig. Aber bei mir geht es mehr darum, dass Väter ihren eigenen Umgang damit finden. Ich rate Vätern zum Beispiel, nicht nur am Kopfende zu stehen. Für mich war die Geburt meines eigenen Kindes einer der magischsten Momente in meinem Leben. Ich möchte, dass es jeder mit sich selbst ausmacht, wie viel er sehen will oder, noch wichtiger, dies mit der werdenden Mutter abspricht, was für sie okay ist. Darum geht es. Eine eigene Haltung entwickeln, bei der Geburt und darüber hinaus.

Dein Seminar heißt „In das Vater-Sein wachsen” und geht über ein ganzes Wochenende. Braucht es so viel Vorbereitung?

Frei nach dem Spruch: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ finde ich, dass man auch in die Vater-Rolle hereinwachsen muss. In meinem Seminar geht es darum, einen intensiven Blick darauf zu werfen, was man für die Rolle mitbringt. Es geht um Fragen wie: Was für ein Vater möchte ich sein? Was wurde mir vorgelebt? Welche Vater-Rolle kenne ich? Was davon möchte ich weiterführen, was aber auch hinter mir lassen? Die Beantwortung dieser Fragen hilft dabei, eine Haltung zu entwickeln. Und diese Haltung ist wichtig, um in der Partnerschaft ein Gegenüber zu sein. Und deswegen ist es so intensiv. Es hilft dabei, nicht direkt in alte Rollenmuster zu verfallen, sondern ein gleichwertiges Gegenüber zu sein.

Was unterscheidet deinen Kurs von anderen? Was ist das Besondere daran?

Wir verbringen vier Tage in der Natur und leben autark in einem Waldstück bei Münster. Durch unterschiedliche Natur-Übungen lernen wir uns selbst und unsere eigene Geschichte kennen. Alles zum Thema Vaterschaft. Der Fokus liegt dabei auf unterschiedlichen, menschlichen Qualitäten. Diese zu entwickeln oder zu erforschen, ist ein wichtiger Punkt. Wir entwickeln eine Art eigene innere Landkarte oder intrinsisches Orientierungs-Modell. Und dieses Modell hilft dabei, die unterschiedlichen Vater-Rollen oder unterschiedlichen Qualitäten in sich wahrzunehmen. Bin ich eher ein intuitiver Vater oder eher ein strukturierter? Zweifle ich viel oder habe ich ein gesundes Urvertrauen für diesen Schritt? Wir vergessen häufig, dass wir diese Vater-Rollen oder Qualitäten alle in uns haben und dass wir auch die Wahl haben, was für ein Vater wir sein möchten. Was auch sehr spannend und besonders ist, ist, dass jeder Teilnehmer im Laufe des Prozesses eine Nacht allein im Wald unter einem Plane verbringt mit Iso-Matte und Schlafsack. Alles andere lässt man weg. Wer bin ich dann, wenn ich alles weglasse? Diese Erfahrung, ein Teil der Natur zu sein, das macht etwas mit den Teilnehmern.

Der Wald spielt also eine wichtige Rolle, oder? Man könnte das ja auch im Kloster machen, da gibt es auch karg eingerichtete Räume.

Ja, man könnte das auch im Kloster machen. Was für mich auch wichtig ist, ist, dass wir uns als Teil der Natur verstehen und auch von der Natur lernen. Es berichten viele Teilnehmer, dass das etwas mit ihnen gemacht hat, um auch den Geburtsvorgang oder diesen auch als natürlichen Prozess zu verstehen. Dafür ist die Natur wichtig. Ja.

In deiner Ausschreibung taucht auch der Begriff „transformative Bildung” auf. Was muss ich mir darunter vorstellen?

Transformative Bildung bedeutet, dass wir uns erst einmal selbst besser kennenlernen. Es geht um die Auseinandersetzung mit den erlernten Denk-, Fühl- und Handlungsmustern. Wir schauen darauf, was wir für gewohnte Bewertungen haben oder was uns gesellschaftliche Leitbilder an Normen und Werten vorgeben. Das hilft dann dabei, ein anderes Ich-Verständnis zu bekommen, eine Haltung zu entwickeln. Mit dieser Haltung kann ich dann ein anderes Weltbild vertreten oder mit der Welt anders in Kontakt treten. In dem Falle mit meiner Partnerin.

Zunächst möchte ich, denke ich, mit meinem Kind in Kontakt treten unmittelbar nach der Geburt. Das mit der Welt hört sich ein bisschen spirituell an.

Spirituell ist immer ein schwieriger Begriff. Natur zu erleben hat etwas Spirituelles, finde ich. Je klarer ich mir meiner Rolle bin oder dessen, was ich für eine Vater-Rolle einnehmen will, desto besser kann ich auch mit meinem Kind in Verbindung treten. Und das ist genau das. Klar, nach der Geburt nimmt man sein Kind einmal auf die Brust. Man versucht da zu sein, man versucht für die Frau da zu sein. Mir geht es mehr darum, was man langfristig möchte. Was möchte ich dem Kind bieten? Ich habe immer eine Leitfrage: Was möchte ich, was mein Kind in 25 Jahren über mich erzählt über meine Vater-Rolle oder wie ich als Vater war? Das finde ich ein schönes Leitbild, um danach zu gehen und sich danach zu orientieren.

Nochmal zusammengefasst: Warum ist deiner Meinung nach eine intensive Vorbereitung auf die anstehende Vaterschaft so wichtig?

Was ich, als Vater von zwei Töchtern, gemerkt habe, war, dass wir in diesem ersten Jahr gar keine Zeit hatten, uns so intensiv damit auseinanderzusetzen. Das Kind ist dann da. Da gibt es andere Bedürfnisse. Und deswegen macht eine intensive Vorbereitung sehr viel Sinn. Im Gegensatz zu den werdenden Müttern. Die werdenden Mütter haben einen gewissen Vorteil in Anführungsstrichen, da sie sich neun Monate auf diese Geburt vorbereiten können. Körperlich, seelisch und geistig bereiten sie sich auf den Übergang in das Mutter-Sein vor. Für uns Väter ist das ein bisschen komplizierter. Für uns ist die Schwangerschaft häufig etwas Surreales. Wir werden erst bei der Geburt richtig Vater. Viele Hebammen haben mir erzählt, dass sie bei der Geburt immer auch in das Gesicht des Vaters gucken, weil sie dann merken: „Okay, jetzt ist er Papa geworden.“ Dann kommt aber das Problem im ersten Jahr, was ich eben beschrieben habe, dass es wenig Zeit gibt, sich mit den Veränderungen auseinanderzusetzen. Auch die Mütter sind häufig, ich sage einmal, mit dem Kopf woanders. Einmal völlig wertfrei. Mit dieser intensiven Auseinandersetzung haben wir die Möglichkeit eine eigene Haltung, eine eigene Rolle zu vertreten und dann Kompromisse einzugehen. Wenn man das nicht tut, reagiert man oft und agiert nicht.

Du hast jetzt gerade auch von den Müttern gesprochen, die sich aufgrund der körperlichen, biologischen Vorgänge ganz anders darauf vorbereiten können. Haben die Mütter auch etwas von dieser Vorbereitung, die du speziell für die Väter anbietest?

Ich rege die werdenden Väter dazu an, mit ihren Partnerinnen zu sprechen. Was hat die Partnerin für ein Vaterbild? Was gibt es für Erwartungen an die Vaterschaft? Die Auseinandersetzung hilft beiden, um sich mit den neuen Rollen gut zu identifizieren. Da werden auch die Weichen gestellt für die spätere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Was stellen sich die beiden eigentlich vor? Wie soll das Ganze laufen? Diese Auseinandersetzung schon vor der Geburt zu führen oder zu haben, hilft für die spätere Partnerschaft.

Ja, das finde ich ein ganz wichtiges Stichwort. Partnerschaftlichkeit. Viele Umfragen deuten seit mehr als 20 Jahren darauf hin, dass sich junge Frauen und Männer die Vorstellung haben die Erwerbsarbeit und die Familienarbeit partnerschaftlich aufzuteilen. Das ist ein Vorhaben, das sie haben. Da gibt es diese Karikatur, auf der das moderne Paar in den Kreißsaal hereingeht und als seine Großeltern mit den traditionellen Vorstellungen und Lebensweisen wieder herauskommt. Bist du der Überzeugung, dass das Angebot, das du da machst, ein Stück weit dazu beiträgt, dass die Konzepte, die in den Köpfen sind, Wirklichkeit werden können?

Ich bin der festen Überzeugung, dass das dabei helfen kann. Natürlich ist es Arbeit, nicht in alte Rollenmuster zu verfallen. Wir leben das, was wir von unseren Eltern beigebracht bekommen haben, oft nach und da braucht es genau diese bewusste Auseinandersetzung, um dagegen zu steuern oder um von vornherein transparent damit umzugehen, was man für Wünsche an die Vaterschaft, an die Rolle hat. Was mag man, was mag man nicht? Dieser ganze Mental Load. Um was kümmere ich mich, um was kümmere ich mich nicht? Was möchte ich machen? Das hilft schon. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Auseinandersetzung Paaren hilft.

Du hast zu Beginn gesagt, dass dein Kurs nicht Geburtsvorbereitungs-Kurs heißt, weil die Inhalte, die Themen und die Bedeutung weit über den eigentlichen Geburtsvorgang hinausgehen. Wäre es nicht konsequent in Bezug zu dem Thema Partnerschaftlichkeit und Verwirklichung der Vorstellungen ein Follow-Up zu machen? Also dass die Väter nach sechs Wochen oder nach sechs Monaten noch einmal eingeladen werden und man schaut: „In der Zeit als wir uns im Wald getroffen haben, hattet ihr die und die Vorstellung.“ Das kann man ja auch schriftlich festhalten. Und dass man dann schaut: „Was ist daraus Wirklichkeit geworden und was braucht es, um da nachzusteuern?“

Wenn sich da etwas ergibt, bin ich offen dafür. Ich weiß nur aus eigener Erfahrung, in den ersten Monaten hätte ich da meiner Frau gesagt: „Ich bin dann nochmal für ein Wochenende weg“, ich weiß nicht, ob das nicht doch … Man hat wenig Zeit. Das ist das Problem. Vielleicht ist so etwas online heutzutage einfacher möglich. Da bin ich offen für, ja. Das ist eine gute Idee.

Vielen Dank für das Gespräch

Informationen über die Arbeit von Gunter Beetz finden Sie hier.

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‚…die Belange von Familie sind politisch nichts wert‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Mai 2021

Birk Grüling, Autor von ‚Eltern als Team – Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit‘ im Gespräch mit der LAG Väterarbeit in NRW

Was war der Anlass für dich, den Ratgeber zu schreiben?

Sowohl privat als auch als Journalist habe ich mich in den letzten Jahren sehr viel mit dem Thema Vereinbarkeit auseinandergesetzt und damit auch mit der Frage, wie ich eigentlich arbeiten und wie viel Zeit ich für die Familie haben will. Ein ganz wichtiger Moment in diesem Zusammenhang war der Tod meines eigenen Vaters in der Schwangerschaft meiner Frau. Das hat mich sehr zum Grübeln gebracht. Mein Vater hat immer viel gearbeitet und wenig auf seine Gesundheit geachtet, am Ende hat er dadurch seinen Enkel verpasst. Und als Journalist habe ich das Privileg, meinen eigenen Fragen auch noch beruflich nachzugehen. So entstanden aus der privaten Suche nach meiner eigenen Vater-Rolle viele Texte und irgendwann dieses Buch. In dem Buch erzähle ich aber nicht nur von mir, sondern stelle Menschen und ihre tollen Ideen zu den ganz verschiedenen Aspekten von Vereinbarkeit vor. Ein Patent-Rezept entsteht daraus zwar nicht, aber viele spannende Impulse wie ich finde.

Zu Beginn des Buchs schreibst du „Vereinbarkeit ist nicht unmöglich“. Mir kommen da zwei Titel, vor 6 Jahren auch von Journalist:innen geschrieben, in den Kopf. Nämlich: „Geht alles gar nicht“ von Marc Brost und Heinrich Wefing und „Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ von Susanne Garsoffky und Britta Sembach. Was entgegnest du Ihnen aus heutiger Perspektive?

Ich habe beide Bücher nicht gelesen und kann zu ihnen auch wenig sagen. Allerdings bin ich ein großer Fan von konstruktivem Journalismus. Also Probleme benennen und Lösungen suchen, statt einfach nur zu jammern und die Flinte in Korn zu werfen. Und ja, es gibt sehr viele Probleme – von fehlenden Betreuungsplätzen bis zu alles anderes als familienfreundlichen Arbeitsmodellen. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich das Thema Vereinbarkeit für mich abharken und alles so mache wie unsere Eltern-Generation. Es muss doch etwas zwischen Hausmann und 60 Stunden Wochen Karrieremann geben.

Eine große Rolle spielt für dich die Vorbereitung auf das Elternsein. Du sprichst da von der Entwicklung einer „Familienvision“. Wie können sich Väter auf das Vatersein vorbereiten und auf welche „Rolemodels“ und Unterstützung können sie dabei zurückgreifen?

Ich glaube, der wichtigste Schritt ist die bewusste Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen der Vaterrolle. Also sehe ich mich eher als Ernährer und „Wochenendpapa“ oder will ich wirklich in Teilzeit arbeiten und kann ich mir dabei sogar vorstellen auf bestimmte Symbole zu verzichten. Ich habe das Gefühl, dass selbst vorher gleichberechtigte Paare ganz schnell in „traditionelle“ Rollenbilder abrutschen, einfach weil sie diese nie richtig hinterfragt haben. Und daraus entstehen oft Konflikte. Im Babykurs meiner Frau beschwerten sich zum Beispiel unzählige Mütter darüber, dass ihre Männer doch gar nicht so engagierte Papas waren, wie der Generation der „Neuen Väter“ gemeinhin nachgesagt wird. Und ich kann sagen: Konflikte über unausgesprochene Erwartungen klärt man lieber im Vorfeld, als völlig übermüdet und genervt mit zahnendem Baby auf dem Arm. Deshalb würde ich jedem raten, sich mit seiner zukünftigen Rolle auszusetzen und ruhig mal mit anderen Vätern und natürlich mit der eigenen Partnerin darüber zu sprechen. Und wenn ich die Rolemodels vielleicht nicht im eigenen Freundeskreis findet, kann ich sie mir im Internet suchen und mit ihnen in Kontakt treten.

Im Zusammenhang mit der Elternzeit schreibst du: „Noch nie standen die Chancen besser, mit alten Werten zu brechen, der Last des alleinigen Ernährers zu entfliehen und die eigene Vaterrolle neu und anders zu gestalten.“ Die Elternzeit gibt es ja schon seit 14 Jahren, woher rührt dein Optimismus?

Ist das wirklich optimistisch? Im Vergleich zu allen Väter-Generationen vor uns haben wir fürstliche Möglichkeiten. Gleichzeitig nutzen wir sie nicht genug und rutschen immer noch viel zu oft in Rollenbilder aus den 50er Jahren. Deshalb muss es noch mehr Druck zur Gleichberechtigung geben – zum Beispiel könnten Mütter und Väter, die gleichberechtigt in Elternzeit gehen, mehr Geld bekommen oder sogar eine „Pflicht“ zur Gleichberechtigung eingeführt werden, jedenfalls wenn man Elterngeld bekommen möchte. Ich bin also eher enttäuscht darüber, dass wir Eltern immer noch zu wenig aus den Chancen machen, bin aber froh, dass es sie überhaupt gibt – auch wenn bei ihnen durchaus Nachholbedarf besteht.

Welche Rolle spielen dabei die letzten 14 Monate mit Corona?

Corona ist ein komplexes Thema – einerseits haben wir gespürt, dass zuhause arbeiten deutlich besser funktioniert und daraus könnte eine deutlich rasantere Flexibilisierung der Arbeitswelt entstehen. Auch manche Väter haben sich nun stärker in die Care-Arbeit eingebracht und damit einen Wertewandel durchlaufen. Andererseits hat die Pandemie auch gezeigt, wie groß die Probleme in diesem Land sind – zum Beispiel, dass die Belange von Familie politisch nichts wert sind oder das auch Bildung keine so große Rolle spielte wie die Belange von Industrie und Wirtschaft. Und wir haben erlebt, dass am Ende in vielen Familien die Mütter die Last der Pandemie tragen und die Väter selbst im Homeoffice gut auf Tauchstation gehen können.  Am Ende sehe ich die Pandemie aber durchaus als Chance für Veränderungen. Jedenfalls kann man jetzt die Probleme und die Versäumnisse nicht mehr klein oder schön reden.

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist die Erwerbsarbeitszeit bzw. die „30 Stunden Woche“ als neue Vollzeit. Warum ist die Möglichkeit einer Reduzierung der Erwerbsarbeitszeit für Väter so wichtig?

Ich hole mal etwas theoretisch aus. Forscher der Oxford University kamen in einer Studie zum Schluss, dass in den USA 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten bedroht sind. In Deutschland sieht es ähnlich aus. Wir müssen uns also schon heute Gedanken machen, wie wir bald weniger vorhandene Arbeit besser verteilen können. Und ich halte dabei die 30 Stunden Woche für ein tolles Modell. Die Zeit reicht aus, um Arbeit zu gestalten und auch „Karriere“ zu machen. Auf der anderen Seite bleibt so deutlich mehr Platz für die Familie oder das Privatleben. Außerdem ließe sich die Arbeit besser und gerechter verteilen. Dadurch das auch sehr hochqualifizierte Mütter oft nur geringen Umfang arbeiten, geht Unternehmen viel Wissen und Knowhow verloren. Kurzum: Die 30-Stunden Woche wäre geeignet, um die „Work-Life-Balance“ zu verbessern und mehr Gleichberechtigung zu schaffen. Allerdings darf das nicht eine Akademiker-Geschichte bleiben. Auch in der Pflege oder im Einzelhandel muss eine 30 Stunden Woche so gut bezahlt sein, dass ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Und davon sind wir leider oft noch etwas entfernt.

Der Begriff des „Mental Load“ wird ja im Kontext von partnerschaftlicher Arbeitsteilung von vielen angeführt. Du schreibst in dem Abschnitt „Wir müssen über Geld reden“ von einem „Financial Load“, sind das zwei Seiten einer Medaille?

Ich glaube, 1 zu 1 übertragbar sind die beiden Dinge nicht. Aber die (fast) alleinige Last des Familienernährers ist für mich ein wichtiges Thema, über das zu wenig besprochen wird. Dieses Modell ist nämlich immens gefährlich und sehr belastend. Dem Alleinernährer darf nichts passieren, von seinem Gehalt lebt die Familie. Kommt es doch zu einem Unfall oder einer schweren Erkrankung, wird es richtig schwer für die Familie – nicht nur emotional, sondern auch finanziell. Von den negativen Auswirkungen auf die Rentenansprüche der Frau ganz zu schweigen – Kinder groß zu ziehen, ist ein großes Armutsrisiko im Alter. Deshalb müssen wir dringend auch die „Last“ der Erwerbsarbeit besser verteilen und dazu gehört auch die Überwindung des Gender Pay Gaps. Und wir Väter gewinnen dabei nur: Wir müssen weniger arbeiten, müssen uns weniger Sorgen machen, ob das Gehalt für alle wohl reicht und haben noch mehr Zeit für die Kinder. Achja, Paare, die gleichberechtigt arbeiten, haben auch noch ein deutlich höheres Familieneinkommen als Alleinernährer.

„Vereinbarkeit ist kein Sprint sondern ein Marathon“ steht auf einer der letzten Seiten deines Buchs. Was müssen Väter in jedem Fall beachten, damit sie die „Strecke“ durchhalten?

Familienleben ist hoch dynamisch. Ständig tauchen neue Herausforderungen auf. Geschwister werden geboren, Arbeitszeiten verändern sich, die Schulzeit beginnt, auch unvorhersehbare Dinge wie Krankheiten bringen alte Routinen durcheinander. Deshalb muss ich auch in Sachen Vereinbarkeit ständig nachjustieren und immer wieder neue Wege und Lösungen suchen. Denn alles was gestern noch reibungslos klappte, kann morgen schon völlig unpassend sein. Deshalb ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben und sich auch als Eltern-Team regelmäßig zu fragen, ob die vor zwei Monaten oder zwei Jahren getroffenen Entscheidungen noch heute passen oder ob gegengesteuert werden muss. Das ist glaube ich das wichtigste Rezept beim Durchhalten. Am Ende müssen einfach alle Beteiligten zufrieden sein.

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Eltern als Team – Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. Mai 2021

Das ist der Titel des ‚konstruktiven Buches‘ von Birk Grüling, Jahrgang 1985 und selbst Vater eines Sohnes. Konstruktiv in dem Sinne, dass er Vereinbarkeit für möglich hält und sich vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen selbstkritisch mit den Möglichkeiten und Hindernissen auseinandersetzt. Diese subjektive Perspektive wird ergänzt durch die Perspektive von 16 Praktiker:innen, Coaches, Therapeut:innen, Trainer:innen und Personalverantwortlichen sowie zahlreichen Vätern und Müttern, die ihr Ringen um eine gemeinsame Lösung beschreiben.

„Eltern als Team“, das ist die Übersetzung des seit langem geäußerten Wunschs junger Mütter und Väter nach einer partnerschaftlichen Aufteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Familien- bzw. Care-Arbeit. Vereinbarkeit geht nur gemeinsam, wenn überhaupt.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich ebenfalls Journalist:innen, Marc Brost und Heinrich Wefing mit „Geht alles gar nicht“ und Susanne Garsoffky und Britta Sembach mit „Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ ganz anders positioniert haben.

Aber auch Grüling macht an dieser Stelle keine falschen Versprechungen. Vereinbarkeit ist kein Sprint, den Mann oder Frau mal eben abläuft, sondern ein Marathon, der den permanenten Austausch zwischen Vater und Mutter erfordert. Und damit beginnen die werdenden Eltern am besten vor der Geburt.

Damit meint der Autor nicht nur die ‚Geburtsvorbereitung und den „Nestbau“, er skizziert quasi als Vorbereitung auf die Vereinbarkeit für eine gemeinsame ‚Familienvision‘ die natürlich voraussetzt, dass auch der werdende Vater eine Vorstellung davon entwickelt, welcher Vater er sein möchte. Wie dieser Visionsentwicklungsprozess aussehen kann, beschreibt er sehr anschaulich. „Die erste Frage für dich wäre also: Welches Bild von mir als Vater … habe ich selbst?“ und dabei geht es natürlich auch um die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen mit dem eigenen Vater bzw. der eigenen Mutter.

Die Hinweise und Fragestellungen die Grüling an dieser, aber auch an vielen anderen Stellen formuliert, sind ein passendes Angebot und verleiten wirklich dazu, sich auf die entsprechenden Situationen und Herausforderungen einzulassen und im Anschluss daran, das Gespräch mit der Partnerin zu suchen.

Apropos Partnerschaft, dass es nicht nur um eine möglichst optimale und gleichberechtigte Aufgabenteilung geht, sondern um die Pflege einer Beziehung und die Selbstsorge, macht er in einem eigenen Abschnitt deutlich. Wie wichtig dies ist, macht das Zitat zu Beginn dieses Abschnitts deutlich, dass Jeder und Jede kennt, die schon einmal geflogen ist: „Im unwahrscheinlichsten Fall eines Druckverlusts falle automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke … Atmen Sie normal weiter. Helfen Sie danach Kindern und hilfsbedürftigen Menschen.“ Nur in dieser Reihenfolge gelingen Beziehungen, Vereinbarkeit und Erziehung von Kindern.

Weitere Themen sind Elternzeit, Bedeutung und Auswahl von Kinderbetreuungseinrichtungen und die Routine, die sich irgendwann einstellt. Grüling spricht in diesem Zusammenhang auch von den „Drei Säulen der Vereinbarkeit“ und macht deutlich, dass sich zwar jedes werdende und gewordene Elternpaar für ihren Weg entscheidet, dass die Gestaltung der Rahmenbedingungen keineswegs nur Privatsache ist.

Diese eröffnen Möglichkeiten oder engen sie ein. Das fängt bei Regelungen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht an, geht über die Kinderbetreuung und hört bei Regelungen zur Arbeitszeit noch lange nicht auf. Die „30 Stunden Woche“ taucht an vielen Stellen als Option auf und es wird deutlich, dass diese in der Lebensphase mit kleinen Kindern, der Weg sein kann, „Mental- und Financial Load“ gerecht zu verteilen und Väter und Mütter in die Lage zu versetzen, als Team zu agieren.

„Noch nie standen die Chancen besser, mit alten Werten zu brechen, der Last des alleinigen Ernährers zu entfliehen und die eigene Vaterrolle neu und anders zu gestalten.“ Lautet eine der Kernaussagen des Buchs, dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Familien in den vergangenen 14 Monaten gemacht haben. Der Ratgeber von Birk Grüling ist bestens dazu geeignet, die richtigen Lehren aus dieser Zeit zu ziehen und sich als werdende oder gewordene Väter und Mütter mit der eigenen Zukunft als Eltern und Paar auseinanderzusetzen.

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… es braucht vor allen Dingen Fantasie

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 20. April 2021

Care.com und die Väter gGmbh haben heute ihre Studie bzw. ihr ‚Stimmungsbild‘ „Paare und Familien in Zeiten von Corona” vorgestellt. Welche Punkte daraus sind für Sie besonders bedeutsam?

Für mich war es vor allem nochmal eine Bestätigung dessen, was ich im Moment subjektiv wahrnehme und was ich von vielen Seiten höre. Das ist durch die Studie mit Zahlen unterlegt worden. Gerade diese Anspannung und auch diese Coronamüdigkeit, die von allen Seiten kommt, die innerhalb der Paare und innerhalb der Familien existiert. Und der Druck sowie die hohe Nähe, die man mit der Familie immerzu hat. Die Ängste, Sorgen und Nöte, die nach wie vor da sind, also all das was auf die Psyche wirkt. Das ist jetzt auch messbar.

Sie beraten ja gemeinsam mit ihrer Partnerin unter dem Label ‚2PAARSchultern‘ schon länger Paare und Väter im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Was hat sich in den vergangenen 14 Monaten im Vergleich zu den Zeiten vor Corona verändert?

Robert Frischbier

Was ich toll finde, also gerade aus der Sicht der Väter, das durch diesen „Zwang“, mehr mit der Familie machen zu müssen, mehr zu Hause zu sein, mehr sich um die Kinder zu kümmern, viele Menschen die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, einfach erkannt haben und auch nutzen. Also, dass man einfach sagt okay, ich bring mich anders mit ein. Ich mache das jetzt. Ich brauche mich nicht mehr mit meinem Arbeitgeber auseinanderzusetzen, ob ich Homeoffice machen darf, sondern ich muss ja sowieso Homeoffice machen. Ich bin zu Hause, kann mich um die Kinder kümmern, sehe auch, was zu Hause so anfällt. Das habe ich bei vielen Gesprächen jetzt schon gemerkt, da gibt es einen ‚Aha Moment‘ irgendwann. Ja, da passiert ja ganz schön viel. Da ist ja ganz schön Trubel. Und jetzt bin ich mittendrin. Und dann kann ich auch gleich richtig mitmachen.

Sind durch Corona noch neue Herausforderungen dazu gekommen?

Die größte Herausforderung ist für mich nach wie vor, dass man sich nicht mehr aus dem Weg gehen kann, dass es keine Trennung zwischen Arbeit, Familie, Freizeit, Partnerschaft gibt. Das findet alles in unmittelbarer räumlicher Nähe statt. Man kann nicht mal eben eine Tür zu machen und dann hat man seine Ruhe. Diese Ruhe gibt es nicht und das ist eine unheimlich große Herausforderung, der viele Familien, auch Alleinerziehende natürlich, im Moment gerade gegenüberstehen.

Sind durch die Krise auch grundsätzliche, schon länger bestehende Hindernisse sichtbar geworden?

Ich habe zu Beginn von Corona häufig beobachtet, dass es bei vielen tatsächlich so eine Art Automatismus gab, in das klassische Rollenbild reinzufallen. Also der Mann wurde sofort irgendwie zum Ernährer, und die Frau wurde irgendwie sofort zur „Kümmerin“ in einer Familie.

Und ich sehe das auch jetzt noch. Nach über einem Jahr, ist das bei vielen immer noch so, dass man zumindest in den Köpfen diese Denke drin hat. Viele Väter bringen sich immer stärker ein und wollen das auch. Sie scheuen aber nach wie vor auch das Gespräch mit dem Arbeitgeber um zu sagen, „ich möchte das auch über Corona hinaus und jetzt nicht nur aus der Drucksituation heraus so machen“. Ich sehe eigentlich die Gefahr, dass es, wenn sich die Lage wieder normalisiert und man wieder die freie Entscheidung hat, dass sich diese aktuell praktizierten, partnerschaftlichen Rollenmodelle möglicherweise auch wieder zurückentwickeln.

Was bräuchten denn dann Mütter Väter, damit Sie denn, dass die sich eigentlich partnerschaftliche Aufgabenstellung wünschen?

Klarheit und Planungssicherheit, dass man halt so weitermachen kann. Also zum Beispiel das Thema Homeoffice. Wenn ich weiß, auch nach Corona kann ich weiterhin Homeoffice als feste Komponente in meinem Alltag mit nutzen. Nicht fünf Tage die Woche, das will ja gar keiner. Aber zum Beispiel an zwei Tagen pro Woche spare ich mir die Wegezeiten und kann von zu Hause ausarbeiten, kann mich für bestimmte Sachen mit den Kindern oder im Haushalt durch diese hinzugewonnene Zeit einbringen. Ich bin auch mal zu Hause, wenn die Kita geschlossen ist oder sonst irgendetwas, kann also auch solche Phasen abdecken. Und wenn ich diese Planungssicherheit habe in der Partnerschaft, dann kann ich mein Modell darauf aufbauen. Ich kann sagen, beide Partner haben ein oder zwei Homeoffice-Tage. Wir hatten mehrere Fälle gerade in der Veranstaltung, wo es hieß, wir sind beide auf 80 Prozent, das heißt also nicht einer 100 und der andere 60 Prozent, sondern wir haben beide 80 Prozent. Das bedeutet natürlich auch, das Familieneinkommen muss man sich ganz genau anschauen, ist das wirtschaftlich machbar? Aber wenn es möglich ist, dann muss man wirklich sagen, wir haben uns dafür entschieden. Unsere Arbeitgeber stehen dahinter. Wir haben diese Möglichkeiten auch langfristig, und das ist jetzt unser Lebensmodell.

Homeoffice ist ja vor allem auch eine äußere Rahmenbedingung. Wie können wir die Dynamik oder die Unruhe, die im Moment in traditionelle Rollenaufteilungen hineingekommen ist nutzen, um die Veränderungen nachhaltiger gestalten zu können?

Da braucht es vor allen Dingen Fantasie. Das, was wir jetzt gerade erleben, was wir im letzten Jahr erlebt haben, das ist ja kein richtiges Homeoffice. Das heißt, jetzt müssen wir Kinder betreuen und Homeschooling machen und nebenbei irgendwie arbeiten. Wir arbeiten ja auch komplett geclustert im Moment. Der eine arbeitet früh, dann wird eine Pause gemacht, um sich um die Kinder zu kümmern, dann nachmittags wieder oder in den Abendstunden. Das hat mit Homeoffice eigentlich nichts tun. Das bedeutet, jetzt die Fantasie zu haben. Wie kann aus dem, was ich gerade alles gelernt habe, digitales Arbeiten, dezentral arbeiten, von zu Hause aus arbeiten können, wie kann das in einem geregelten Alltag ohne Corona aussehen?
Wenn Corona nicht mehr da ist und alle Betreuungsangebote wieder normal geöffnet haben. Die Kinder gehen zur Schule in die Kita, und ich habe alle Möglichkeiten, die mir vor Corona zur Verfügung standen und zusätzlich das, was ich jetzt gelernt habe. Wie kann diese Vision für unsere Familie aussehen? Schaut euch mal an, was Corona euch an Möglichkeiten eröffnet hat. Und wie kann das in den künftigen Alltag einfließen? Dass ist das, was ich den Leuten gerade häufig im Gespräch mitgebe.

Kann man diese Prozesse, diese Phantasie, die dann noch entwickelt und geordnet werden müssen, kann das gerade auch für die Väter ein Stück weit durch Beratung oder andere Angebote unterstützt werden?

Ja, es ist ganz wichtig, dass man jemanden hat, mit dem man sprechen kann, weil man nimmt sich im Moment in der Partnerschaft, so erlebe ich das jedenfalls, man nimmt sich gar nicht die Zeit, um über so etwas entspannt zu reden. Eigentlich müsste man sich ganz in Ruhe hinsetzen, ohne die Kinder, ohne alles und einfach mal so in der Partnerschaft darüber sprechen. Wie kann denn unser künftiger Alltag aussehen? Dafür ist im Moment überhaupt nicht die Luft da, dafür ist nicht der Raum da. Und wenn man mal ein paar Minuten hat, dann ist man froh, dass man auch mal Ruhe für sich hat. Ich erlebe es aber, dass solche Gesprächsangebote unheimlich dankbar angenommen werden. Man ist dann schnell in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Man spricht darüber, man stellt auch Fragen. Es ist dann auch die Aufgabe des Beratenden, die richtigen Fragen zu stellen und auch Impulse zu geben. Jetzt hast du, Vater XY, du hast jetzt erlebt, dass Homeoffice machen kannst. Jetzt stell dir mal vor, die Kinder sind jetzt nicht da. Die sind geregelt im Schulbetrieb, im Schulalltag und so. Du hast jetzt Homeoffice, wie kann denn der Alltag Drumherum jetzt aussehen? Wieviel Zeit sparst du? Schau dir mal die Zeit vor Corona an. Wieviel Fahrtweg hattest du? Wie viele Dienstreisen hattest du vielleicht und wie kann das jetzt nach Corona aussehen? Da gemeinsam durch einen geführten Prozess diese Vision des neuen Alltags zu finden und zu entwickeln, das finde ich, ist jetzt die Aufgabe der Unterstützer und Berater.

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach Corona?

Vieles von dem, was ich sage ist ja immer aus meiner eigenen Situation heraus und auch aus Gesprächen mit anderen Vätern und Müttern, mit denen ich jetzt gerade zu tun habe. Ich wünsche mir einfach, dass das, was gerade in den Familie passieren kann, dass wir das auch auf der gesellschaftlichen Ebene hinbekommen. Das wir also wirklich schauen, was hat jetzt vielleicht gut funktioniert? Welche neuen Möglichkeiten haben wir kennengelernt? Ganz viele Leute können jetzt digital miteinander kommunizieren. Ganz viele Leute wissen wie das Homeoffice funktionieren kann. Führungskräfte wissen, dass Mitarbeiter auch aus der Ferne arbeiten können und nicht immer alle in einem Raum sein müssen. Dass sie auch zeitversetzt arbeiten können. Wenn uns das gesellschaftlich gelingt, dieses Verständnis zu schüren, die positiven Sachen mitzunehmen, die negativen Sachen abzustreifen und auch mal zu schauen, was war vor Corona nicht gut. Wollen wir da wirklich wieder hinzurück? Ist es unser größtes Bestreben, hundertprozentig wieder in den Januar 2020, zurück zu wechseln? Oder haben wir jetzt nicht eigentlich auch ein wenig an einem Honigtopf geschnuppert?
So das wir jetzt gerne auch ein bisschen positiv in die Zukunft schauen wollen um einen tollen Mix zu finden. Als Gesellschaft die Zeit zu haben, die Muße zu haben und die Kreativität zu haben, einen neuen Alltag zu schaffen, der uns idealerweise nicht wieder in alte Rollenbilder zurückdrängt, sondern uns ermöglicht, dass wir alle, unseren Familienalltag so leben können, wie wir es möchten oder wir zumindest einen gewissen Gestaltungsspielraum daran behalten.

Vielen Dank Herr Frischbier.

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Equal Pay, über den Tag hinaus – Faire Bezahlung nutzt Müttern und Vätern

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. März 2021

Traditionelle Vorstellungen typischer Erwerbsbiografien von Männern und Frauen, klassische Rollenaufteilungen innerhalb von Familien zwischen Müttern und Vätern sowie unzureichende Betreuungsangebote sorgen nach wie vor für fortdauernde Ungleichheiten bei der Entlohnung. Daran wird nicht nur am heutigen ‚Equal Pay Day‘ hingewiesen.

Ziel der Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit ist es, eine gleiche und faire Bezahlung für alle beruflichen Tätigkeiten und eine gerechte Aufteilung der unbezahlten Arbeit in Familien zu erreichen. Dafür braucht es wirksame Rahmenbedingungen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vereinfachen und Anreize für eine gleichberechtigte Aufteilung der Familienarbeit setzen.

Ebenso wichtig sind, so der Vorsitzende der LAG Hans-Georg Nelles „sind jedoch Erlebnisräume für Väter, in denen sie sich als pflegende Männer erleben und geschlechterstereotype Zuschreibungen überwinden können. Und zwar vom ersten Tag an, die Freistellung für Väter in den ersten 14 Tagen nach der Geburt, wie sie von der EU in der ‚Vereinbarkeitsrichtlinie gefordert wird, ist da eine sehr wirksame Maßnahme.“

Die vergangenen 12 Monate Corona-Pandemie haben gezeigt, dass Väter ihre Erwerbsarbeitszeiten reduziert haben und sich in einem bislang nie beobachteten Maße an Kinderbetreuung, Homeschooling und anderen familiären Aufgaben beteiligt haben. „Die Väter“, so Nelles „haben Erfahrungen gemacht und Beziehungen zu ihren Kindern ausgebaut. Diese Erlebnisse haben das Potenzial, Einstellungen und Wünsche in Bezug auf die weitere Gestaltung des Lebens und die Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit nachhaltig zu verändern.“

Es wird also darauf ankommen, nach dem Ende der Pandemie nicht einfach zur ‚alten‘ Normalität zurückzukehren, so sehr wir uns danach sehnen, sondern politische Konsequenzen zu ziehen und auch den Gestaltungsrahmen von Erwerbsarbeit zu verändern.

Digitalisierung und Flexibilisierung von Arbeit können zu einer entscheidenden Stellschraube dafür werden, Rollenbilder und Erwerbsbiografien flexibler zu gestalten und stereotype Zuschreibungen zu verflüssigen.

Quelle

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Care gerecht gestalten – Online-Gespräche zum Equal Care Day

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. Februar 2021

Anlässlich des Equal Care Days am 1. März 2021 lädt die Katholische Frauengemeinschaft Deutsch-lands (kfd) und die Gemeinschaft der katholischen Männer Deutschlands (GKMD) zu einer Online Gesprächsreihe unter dem Motto Care gerecht gestalten ein.

Freitags von 18.00 bis 19.00 Uhr stellen sich Praktiker*innen, Wissenschaftler*innen und Politiker*in-nen dem Gespräch rund um Equal Care.

Anmeldung: Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung zu den einzelnen Abenden ist möglich unter: cornelia.goette@kfd.de. Der Einwahllink ist für alle vier Gesprächsabende gültig und wird jeweils am Veranstaltungstag bis 11.00 Uhr verschickt. Weitere Informationen finden Sie unter: r: https://www.kfd-bundesverband.de/equal-care-day/

Themen und Termine

26.02. Equal Care Day: Füreinander sorgen, aber wie gerecht verteilen? 

kfd im Gespräch mit: 

Sascha Verlan, Initiator des Equal Care Days 

Thomas Altgeld, Vorsitzender  des Bundesforums Männer

Prof`in em. Dr. Margrit Brückner, Frankfurt University of Applied Sciences, Soziale Arbeit und Gesundheit

5.03. Pflege: Eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe aller?

GKMD im Gespräch mit: 

Prof. Dr. Andreas Wittrahm, Theologe und Psychologe, DICV-Aachen

Birgit Hullermann, Pflegewirtin, 2. Vorsitzende des Katholischen Pflegeverbandes e. V., Emsdetten

Anna Wischnewski, Sprecherin des Netzwerkes PflegeBegleitung NRW 

12.03. Lebenspraxis: Für sich und andere sorgen – Wie werden wir kompetent?

kfd im Gespräch mit: 

Prof`in em. Uta Meier-Gräwe, Unterzeichnerin des Care-Manifestes, ehemals Lehrstuhl Sozioökonomie des Privathaushaltes an der Justus-Liebig Universität Gießen  

Marc Melcher, Paritätisches Bildungswerk Bundesverband – Fokus Jungs Fachstelle Jungenarbeit  Hessen 

19.03. Equal Care für ein ganzes Leben: Wie gelingt fürsorgliche Zuwendung?

GKMD und kfd im Gespräch mit:

Bundesministerin Franziska Giffey, BMFSFJ (angefragt)

Dr. Hans Prömper, Universität des 3. Lebensalters Universität Frankfurt

Dr. Brigitt Schwarzmann, Geschäftsführerin Haus der Familie, München 

Flyer Care Arbeit Gerecht gestalten: https://kath-maennerarbeit.de/wp-content/uploads/2021/02/Flyer-ECD2021-WEB.pdf

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Aktive Väter für Firma Gewinn

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 19. November 2020

Kristin Weber berichtet in der Werra Rundschau über meinen Beitrag zum Internationalen Männertag

“Viele Männer möchten gerne aktive Väter sein. Das heißt, sich Zeit für ihre Familie und die Kindererziehung nehmen, ihre Sozialkompetenz als Familienmanager erweitern, eine liebende und verständnisvolle Partnerschaft führen und zugleich aber auch beruflich erfolgreich sein, erklärt Hans-Georg Nelles, Gründungsmitglied im Väter-Experten-Netz Deutschland und seit der Vereinsgründung 2005 ehrenamtliches Vorstandsmitglied.

Am Internationalen Männertag hatte die Gleichstellungsbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises, Thekla Rotermund-Capar, zur Konferenz per Video-Stream eingeladen, und Nelles referierte zum Thema „Aktive Väter– ein Gewinn für Unternehmen und Partnerschaft“.

Der oben genannte Wunschkatalog stelle Herausforderungen an das Zeitmanagement der Väter –heißt, für all das muss sich ein Vater viel Zeit nehmen, was viele Männer im Alltag überfordere, erklärte Nelles. Vor allem, da der Wunsch, sich Zeit für die Familie zu nehmen, mit der Aussicht auf eine berufliche Karriere immer noch kollidiere.

Im Hinblick auf ein verändertes Rollenbild habe sich heute zwar schon viel in den Köpfen getan, aber noch nicht genug. Die Grundfrage laute nach wie vor, wer in der Familie arbeite Teilzeit, wer Vollzeit und wer kümmere sich um Haushalt und Kinder? Könnten diese Aufgaben partnerschaftlich aufgeteilt werden?

Nelles beobachtet, dass viele junge Väter heutzutage zwar bekunden, dass sie aufgeschlossen sind für eine neue Rollenverteilung, sie wünschten sich eine 35-Stunden-Woche, sie würden gerne mehr als drei Monate Elternzeit nehmen. Dennoch änderte sich wenig am Verhalten. „Aber das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in den Unternehmen angekommen, und es gilt zunehmend auch für Männer“, sagte Nelles.

Er setzt auf Vorbildfunktion der Unternehmensführung und versucht Unternehmen nahezubringen, welche Vorteile aktive Väter für ihre Unternehmenskultur hätten: So könnten im ländlichen Raum Fachkräfte angelockt werden, indem ihnen gute Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geboten würden.

Männer, die Väter sind, verfügten außerdem über viel Sozialkompetenz, da sie Erfahrungen damit hätten, Konflikte zu lösen. Der Väter-Experte wünschte sich, dass Unternehmen bereits in Stellenanzeigen und Bewerbungsgesprächen signalisierten, dass diese Kompetenzen erwünscht seien. So werde das Rollenbild des aktiven Vaters in der Gesellschaft aufgewertet.

Hans-Georg Nelles führt als Beispiel an, dass in der Schweiz schon jeder sechste Mann in einem Teilzeitjob arbeite. Und dass im weltweiten Vergleich Unternehmen, bei denen Vaterschaftsurlaub möglich sei, auch durchschnittlich mehr weibliche Führungskräfte hätten. Allerdings kann man fragen, an welcher Stelle hier Ursache und Wirkung liegen. „Wir brauchen eine väterbewusste Familienpolitik und Unternehmenskultur“, forderte der Experte.

Auch Thekla Rotermund-Capar hält fest: „Wenn wir mit den Frauen weiterkommen wollen, müssen wir mehr an den Vätern arbeiten.“ Aber sie zeigte sich nicht grenzenlos optimistisch. „Solange die Erwerbsarbeit im Zentrum unseres Lebens steht, wird sich nicht viel ändern“, sagte sie und plädierte für ein bedingungsloses Grundeinkommen.”

Quelle

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Heute ist internationaler Vätertag

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Juni 2020

… und in Österreich am vergangenen Sonntag

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Familienorganisationen in NRW fordern – Familien brauchen nachhaltige Unterstützung

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Juni 2020

In einer gemeinsame Pressemitteilung des FrauenRat NRW, der Landesarbeitsgemeinschaft Familienverbände NRW, des Fachforums Familienselbsthilfe im Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW und der Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit NRW, wird eine nachhaltige Unterstützung von Familien eingefordert:

“In der Ausnahmesituation der Pandemie muss den unterschiedlichsten Bedürfnissen der Familien Rechnung getragen werden. Während der Corona-Krise verschärfen sich längst bekannte strukturelle Probleme.

„Wir wollen gestärkt aus der Krise hervorgehen, daher müssen wir uns jetzt um grundsätzliche Lösungen bemühen“, sagt Hans-Georg Nelles, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit NRW.

Mütter und Väter müssen in der aktuellen Situation gleichzeitig Erwerbsarbeit, Erziehung, Betreuung, Beschulung und Pflege stemmen. Sie sind am Rande ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. Bestehende strukturelle Diskriminierungen in Bezug auf Sexismus, soziale Lage, Heteronormativität und Rassismus u.a. werden in dieser Situation noch verschärft. Alleinerziehende können sich diese Belastungen mit niemandem teilen.

Der komplette Ausfall der gesellschaftlichen Infrastruktur muss durch die Familien im Privaten aufgefangen werden. Auch Homeoffice wird für Eltern leicht zu einer Falle. Familien- und Berufsarbeit können nicht gleichzeitig ausgeführt werden. Es sind eigenständige Tätigkeiten, mit jeweils eigenem Zeitbedarf.

Eine alleinige verbale Würdigung dieser Leistungen von Familien reicht bei weitem nicht aus. Auch die finanziellen Auswirkungen und die Unsicherheit der zukünftigen Entwicklung führen zu Ängsten, zu Existenznöten und zu noch mehr Kinderarmut. Familien, deren Mitglieder in verschiedenen Ländern leben, wurden durch die strikten Grenzschließungen zerrissen.

Fast immer sind es die Mütter, die bis zur Erschöpfung arbeiten, um den Anforderungen in Beruf und Familie zu genügen. Dort, wo keine partnerschaftliche Aufteilung zwischen Berufs- und Familienarbeit gelebt wird, droht eine Überlastung der Mütter. Equal-Pay und Equal-Care werden zwar seit Langem diskutiert, werden aber nicht ausreichend umgesetzt.

„Wir müssen verhindern, dass Mütter und Väter in das traditionelle Rollenbild zurückgedrängt werden, das wir schon längst überwunden geglaubt haben“, sagt Dr. Patricia Aden. „Im Gegenteil, wir müssen die strukturellen Hindernisse beseitigen, die gleichberechtigten Lebensmodellen entgegenstehen“, so die Vorsitzende des FrauenRat NRW.

„In der öffentlichen Diskussion der letzten Wochen kamen Kinder mit ihren Rechten und besonderen Bedürfnissen nicht vor“, sagt Sabine Nagl vom Kinderschutzbund LV NRW e.V.. „Die Schließung von Schulen, Kitas und sogar von Spielplätzen sowie das Kontaktverbot beeinträchtigen die Kinder in ihrer geistigen und sozialen Entwicklung“ so die Familienfachberaterin. Kinder haben auch in Zeiten von Corona ein Recht auf Bildung. Die Schließung von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen diskriminiert vor allem Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Familien sowie Kinder mit besonderem Förder- und Pflegebedarf.

Finanzielle Entlastung wie ein einmaliger Kinderbonus und eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer sind zwar besser als eine rein verbale Würdigung der Leistungen der Familien, aber sie genügen bei weitem nicht, um die coronabedingten Ängste, Existenznöte und die wachsenden Kinderarmut langfristig abzumildern.

„Familien sind systemrelevant. Sie sind das Rückgrat einer stabilen Gesellschaft. Wir, der FrauenRat NRW und die Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände NRW, stärken dieses Rückgrat, machen es krisentauglich und fordern eine breite öffentliche Debatte über Familie und gute Rahmenbedingungen.“ sagt André Hartjes, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände NRW.”

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Väter kümmern sich in der Krise mehr um ihre Kinder

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 29. Mai 2020

Während der Corona-Krise übernehmen mehr Väter die Verantwortung für die Betreuung ihrer Kinder als vor der Krise. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis einer Umfrage der Väter GmbH. Danach gaben 48 Prozent der befragten Väter an, dass die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung zwischen beiden Partnern in etwa gleich aufgeteilt ist. Für die Zeit vor der Krise gaben dies lediglich 40 Prozent der Befragten an. Dazu passend sank die Zahl der Väter die angaben, dass ihre Partnerin bzw. ihr Partner während der Krise hauptsächlich die Betreuungsverantwortung übernimmt. Auch gaben mehr Väter an, dass sie hauptverantwortlich sind für die Kinderbetreuung.

Der Gründer und Geschäftsführer der Väter GmbH, Volker Baisch, sieht in der Umfrage auch einen Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion über die Frage, ob die Corona-Krise ein Rückschlag für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern darstellt: „Ich denke auch, das die Rollback-Diskussion gerade nicht sehr hilfreich ist – nicht für Mütter und auch nicht für Väter. Beide machen gerade einen unglaublichen Job, denn ich spreche täglich mit vielen Vätern und Paaren.“

Die Ergebnisse anderer Umfragen, denen zufolge hauptsächlich die Mütter während der Corona-Krise im Beruf kürzertreten, um sich um Haushalt und Kinder kümmern zu können, stehen dazu nicht im Widerspruch. Wenn täglich fünf bis acht Stunden Betreuung in Kita oder Schule entfallen, müssen diese Zeiten zuhause aufgefangen werden. Die Krise kann eine Chance dafür sein, dass ein partnerschaftliche Aufgabenteilung von Erwerbs- als auch Familienarbeit in Familien künftig noch besser gelingt, wenn diese bewusst und ‚gerecht‘ geteilt werden.

Quelle

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