der VÄTER Blog

lebe deinen Traum!

Archiv für die 'Partnerschaft' Kategorie

‚Es braucht Angebote, die von Vätern akzeptiert werden und auf ihre speziellen Bedürfnisse eingehen‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Mai 2022

„Das Väterberatungszentrum soll eine offene und niederschwellige Anlaufstelle für Väter sein – auch für jene, die von klassischen Beratungsangeboten nicht erreichbar sind – und damit das Wohl der Kinder fördern. Der offene Ansatz als Treffpunkt und Kommunikationsort für Väter fördert soziale Begegnungen von Vätern und deren Kindern. Der Ort des Austausches und der Informationsvermittlung soll den Zugang zu Beratung erleichtern und die Akzeptanz für pädagogische Angebote erhöhen.“

Ausschreibung der Stadt München für ein Väterberatungszentrum

Stellungnahmen der Parteien zu den Forderungen der LAG Väterarbeit zur Landtagswahl

Die LAG Väterarbeit hat im Vorfeld der Landtagswahl am 15 Mai fünf konkrete väterpolitische Forderungen aufgestellt und die im Landtag vertretenen Parteien darum gebeten darzulegen, inwieweit eine Stimme für Ihre Partei zu einer Umsetzung in den kommenden 5 Jahren beitragen wird.

Die dritte Forderung lautet:

„Finanzierung von zunächst einer qualifizierten Beratungseinrichtung für Väter je Regierungsbezirk. Dazu gehört auch, dass entsprechende Fachkräfte weitergebildet und gefördert werden, um vätersensibel beraten zu können.“

Die CDU hat dazu geantwortet:

Mit von uns seit 2017 initiierten Maßnahmen wie bspw. Expertenworkshops, der Website vaeter.nrw oder auch der Förderung der Fachstelle und der Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit NRW arbeiten wir bereits daran, spezielle Angebote für Väter in Nordrhein-Westfalen zu unterstützen, um den Anteil der Väter in Elternzeit zu erhöhen. In der Datenbank „Angebote für Väter“ sind vielfältige Bildungs- und Beratungsangebote in Nordrhein-Westfalen zusammengestellt und über eine Suchfunktion abrufbar. Ergänzend wollen wir multiprofessionelle Teams künftig nicht nur an Schulen, sondern auch in verantwortlichen Expertengremien zur Qualitätssicherung von Unterricht, Aus- und Fortbildung, um die bestehenden Angebote bedarfsorientiert ausbauen und ergänzen zu können. In der Jugendhilfe muss es verpflichtende und ständige Weiter- und Fortbildungsangebote für Fachkräfte geben, um für vielfältige Beratungssituationen zu schulen.

Die FDP hat dazu geantwortet:

Den bestehenden Einrichtungen der Familienbildung und -beratung kommt eine ganz besondere Bedeutung bei der Vermittlung von Erziehungskompetenzen und der allgemeinen sowie anlassbezogenen Beratung zu. Wir wollen diese Angebote darum weiter stärken, unter anderem auch im Hinblick darauf, väter- und kultursensibel Beratung und Unterstützung zu liefern. Ziel ist es, den Familien bedarfsgerecht, auf die jeweiligen Erziehungsberechtigten ausgerichtete Beratung und Unterstützung zukommen zu lassen.

Die Grünen haben dazu geantwortet:

NRW hat eine breit aufgestellte Beratungsinfrastruktur, die verschiedenen Bedarfe in NRW abdeckt. Natürlich muss dabei auch vätersensible Beratung angeboten werden. Hier werden wir die Bedarfe prüfen und Entwicklungsmöglichkeiten mit bestehenden Beratungsangeboten und ggf. darüber hinaus beraten.

Die SPD hat dazu geantwortet:

Wir wollen die Beratungsmöglichkeiten von Familien durch Familienbüros insgesamt stärken. Dabei werden wir auch einen Fokus auf Väter legen. Angebote werden wir in diesen Familienbüros gebündelt präsentieren und Möglichkeiten der Vernetzung und Kooperation schaffen.

Quelle

Abgelegt unter Krise, Partnerschaft, Rolllenbilder, Vater bleiben, Vater werden | Keine Kommentare »

Väter und ihre Rolle in der Geburtshilfe und der ersten Phase nach der Geburt

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. April 2022

Der Beitrag des Vorsitzenden der LAG Väterarbeit in der aktuellen Ausgabe impu!se der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.

„Die WHO empfiehlt, die Beteiligung von Männern während der Schwangerschaft, der Geburt und nach der Geburt zu fördern, um die Selbstsorge von Frauen und die häuslichen Pflegepraktiken für Frauen und Neugeborene zu verbessern. Neben dieser auf die Gesundheit von Mutter und Kind bezogenen Perspektive gibt es weitere gute Gründe, dies zu tun.

Die Gesundheit der Väter, die Zuschreibung von väterlichen Kompetenzen und ihre Beziehung zu dem ungeborenen Kind haben einen großen Einfluss darauf, in welchem Maße sie sich an der Erziehung des Kindes beteiligen und Ressourcen für seine gelingende Entwicklung zur Verfügung stellen.

In der Phase vor und unmittelbar nach der Geburt werden zudem die Weichen dafür gestellt, ob das gewünschte Lebenskonzept einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit Wirklichkeit werden kann oder die Partnerschaftszufriedenheit darunter leidet, dass sich Vater und Mutter in jeweils unterschiedlichen Sphären voneinander entfremden. Viele Väter haben den Wunsch, die Entwicklung ihrer Kinder von Anfang an mitgestalten und erleben zu können.

Ansprüche und Wirklichkeiten

Erfahrungen und Studienergebnisse zeigen, dass die gewählten Lebensmodelle häufig nicht Ergebnis zielgerichteter Aushandlungsprozesse sind, sondern Paare vor dem Hintergrund vermeintlich rationaler Gründe nach der Geburt dort ‚hineingeschliddert‘ sind und Väter sich mehr oder weniger freiwillig auf die traditionelle Rolle des Ernährers und Assistenten in der Familie einlassen.

Obwohl also alles dafür spricht, werdende Väter rechtzeitig einzubeziehen, sie als aktive Subjekte im Geburtsgeschehen zu betrachten und auf die neue Rolle vorzubereiten, werden sie hierzulande immer noch als ‚Beifahrer‘ betrachtet. In Großbritannien, wo bereits 2006 im Nationalen Gesundheitssystem ein Paradigmenwechsel zugunsten von Vätern stattgefunden hat, zeigen kürzlich veröffentlichte Befragungsergebnisse, dass der empfohlene Wandel auch dort noch längst nicht überall praktiziert wird.

  • 92 Prozent der Väter nehmen an den Vorsorgeuntersuchungen teil, aber 61 Prozent berichten, dass ihre Rolle als Vater zu keinem Zeitpunkt angesprochen worden ist.
  • Väter haben keinen formalen Status bei der Geburtsvorbereitung, selbst ihr Name wird nicht erfasst. Lediglich 16 Prozent der Väter werden während der Geburt nach ihrem Befinden gefragt.
  • Wenn ‚Väter‘ und ‚Mütter‘ statt ‚Eltern‘ adressiert werden und deutlich gemacht wird, dass beide gefragt sind, steigt die Beteiligung von Vätern bei der Nachsorge von ca. 20 Prozent auf bis zu 70 Prozent

Das Erlebnis der Geburt

Wie Väter auf die Geburt vorbereitet werden können und welche Rolle die verschiedenen Professionen dabei spielen, ist lange bekannt. Der entscheidende Faktor dabei ist die Haltung gegenüber der Rolle der Väter sowie ihrer aktiven Einbeziehung.

Angebote der Geburtsvorbereitung für Väter kommen auch werdenden Müttern zugute. Studien zeigen, dass Väter, die ihre Rolle während der Geburt kennen und verstehen, was dort geschieht, selbst besser vor übermäßigem Stress geschützt sind und seltener Gefahr laufen, den Ablauf der Geburt negativ zu beeinflussen. Das gilt insbesondere in den Momenten, in denen es mal nicht nach Plan läuft.

Bei der Geburt selbst dabei sein zu können, ist für Männer die einzigartige Möglichkeit, das Vaterwerden, das sich bislang als ‚Kopfgeburt‘ abgespielt hat, unmittelbar zu erleben und eine Beziehung zu ihrem Kind aufbauen zu können. Dazu ein O-Ton: „Es war unglaublich, atemberaubend, erstaunlich und erschreckend, die erste Person zu sein, die meine Tochter sah, und Augenkontakt mit ihr herzustellen, als sie herauskam. Ich habe ein Foto, etwa drei Minuten nach ihrer Geburt, auf dem ich sie im Arm halte und wir uns gegenseitig anstarren, und es sieht aus, als würde sie mir die Zunge herausstrecken.“

Väter müssen draußen bleiben

Corona wirkt wie ein Brennglas und hat auch in der Geburtshilfe offengelegt, dass Väter dort noch nicht die Bedeutung haben, die ihnen zusteht. Zehntausende Männer konnten wegen der Corona-Regeln in den vergangenen Monaten die Geburt ihres Kindes nicht miterleben. In manchen Kliniken dürfen Väter den gesamten Verlauf der Geburt begleiten, in anderen ruft sie das Personal erst zur Endphase der Geburt in den Kreißsaal – wenn die Presswehen beginnen oder der Muttermund um einige Zentimeter geöffnet ist. Zum Teil dürfen Väter ihre Familie nur eine Stunde am Tag auf Station besuchen, andernorts gibt es keine Beschränkungen. Zu Vorsorgeterminen, zum Ultraschall dürfen Väter oft ebenfalls nicht mitkommen.

„Ich durfte nur an einer Untersuchung teilnehmen. Meine Frau musste zu allen anderen Untersuchungen und Konsultationen allein gehen. Ich habe diese lebenswichtige Unterstützung für meine Frau und die Entwicklung einer Bindung zu unserem kleinen Sohn völlig verpasst. Das System ist durcheinandergeraten, und die emotionale Belastung, die wir zahlen müssen, ist enorm …“ berichtet ein Vater.

Die Auswirkungen der Geburtserlebnisse auf die Vaterschaft

Studien zeigen, dass die Geburt und ihr Erleben für Väter und Mütter einen wichtigen Ausgangspunkt für den Übergang zur Elternschaft darstellen. Sie erleichtern oder erschweren den Prozess des Vaterwerdens. Mütter mit einem negativen Geburtserlebnis geben häufiger an, dass sie Probleme beim Stillen haben und ihre Wunden schlecht heilen. Das Risiko, dass die Mütter und Väter nach der Geburt eine Depression entwickeln steigt und auch die Eltern-Kind-Bindung war sechs Monate nach Entbindung weniger sicher.

Da die Unterstützung von Vätern im Geburtsprozess positive Auswirkungen auf die Frauen hat, muss sichergestellt werden, dass Väter systematisch einbezogen werden und sich an Schwangerschaft, Geburt und Kinderbetreuung beteiligen. So können sie ihre Partnerinnen unterstützen, eine eigene Identität als Vater entwickeln und eine aktive Rolle in der Versorgung der Säuglinge übernehmen.“

Quelle

Abgelegt unter Geburt, Gesundheit, Partnerschaft | Keine Kommentare »

Partnerschaftlicher Aufgabenteilung als Herausforderung für die Familienbildung

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. Februar 2022

Mehr als zwei Drittel aller jungen Männer und Frauen wünschen sich eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit, wenn sie denn einmal Väter und Mütter sind. Wünsche und Wirklichkeiten klaffen aber nach wie vor auseinander, auch wenn es auf den ersten Blick ‚gerecht‘ aussieht.

Die Summe von bezahlter und unbezahlter Arbeit an Wochentagen ist bei Männern und Frauen mit circa 11 Stunden in etwa gleich. Aber bezahlte und unbezahlte Arbeit ist zwischen Männern und Frauen ungleich aufgeteilt. Dies zeigt die alle 10 Jahre durchgeführte Zeitverwendungserhebung ebenso wie Studien, die im Kontext der Pandemie durchgeführt worden.

In einer aktuellen Studie[i] heißt es dazu, „Betrachtet man die gegenwärtige Studienlage zu innerfamilialer Arbeitsteilung und Geschlechterungleichheit, zeigt sich … ein heterogenes und widersprüchliches Bild“ und weiter „Innerfamiliale Arbeitsteilung lässt sich zunächst direkt auf der Mikroebene verorten, bei den Paaren und in Familien. Für die Untersuchung der Arrangements gilt es aber, die innerfamiliale Mikroebene in ihrer Verwobenheit mit dem mobilen Arbeiten im Kontext von Arbeitsorganisationen auf der Mesoebene und den Makrostrukturen des Wohlfahrtsstaates sowie gesellschaftlichen Norm(alitäts)annahmen, wie geschlechterdifferenzierende Zuschreibungen von Betreuungsverantwortung, zu betrachten. … Aushandlungen kommt als Modus für Erzeugung, Erhalt und Veränderung sozialer Ordnung eine zentrale Bedeutung zu.“

Als Fazit bilanzieren die Autor*innen ‚paradoxe Gleichzeitigkeiten‘. „Wir folgern aus unseren Analysen, dass die Diskussion um innerfamiliale Arrangements und ihre Entwicklungen während der Corona­Krise differenziert geführt werden muss: Weder haben wir es ausschließlich mit einer Retraditionalisierung noch mit einer Modernisierung zu tun, sondern vielmehr werden bereits bestehende Geschlechterungleichheiten sichtbar und teilweise verschärft – bei gleichzeitig vorhandenem Modernisierungsstreben.“

Was das für die Aushandlungen in den Partnerschaften bedeutet und welchen Beitrag Familienbildung leisten kann um diese Prozesse zu unterstützen, war das Thema einer Dialogrunde und eines Workshops bei der Fachtagung der LAG Väterarbeit im vergangenen November.

In ihrem Impuls wies auch Barbara Streidl, Autorin der Streitschrift ‚Lasst Väter Vater sein‘, auf die Ambivalenzen hin: Einerseits erleichtere das Homeoffice die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bringe aber andererseits auch die Figur der wartenden Mutter zurück, auf der die deutsche Sozialpolitik beruhe. Familie, Partnerschaft, Erwerbstätigkeit, Haushalt, Selfcare und … die Erwartung ist, dass alles gleichzeitig ‚erledigt‘ werde. Aber der Tag hat nun Mal ‚nur‘ 24 Stunden.

Als Vision wurde eine gesellschaftliche Aufwertung der Carearbeit formuliert, die sich auch so äußern kann: „Da will ich ja eigentlich zum Laternenumzug“, sagt der Oberstaatsanwalt, als es um eine Veranstaltung am Abend des 10. Novembers ging. Die Veranstaltung begann um halb acht, da ist der Umzug vorbei und er kommt knapp zur Veranstaltung.“

Es geht also darum, dem alltäglichen Vatersein Raum und Zeit zu gestatten, das ist in erster Linie eine Frage der Haltung. Im Hinblick auf die in den Partnerschaften notwendigen Aushandlungen geht es auch um Einstellungen, aber vor allem um Kompetenzen und deren Zuschreibungen auf Väter und Mütter. Einem klassisches Feld der Familienbildung.

Wie diese in NRW aufgestellt ist und wo Entwicklungspotenziale sind, hat die im vergangenen Jahr vorgelegte Evaluation[ii] der familienpolitischen Leistungen gezeigt. Dort steht unter anderem, es „wird deutlich, dass Väter 2019 am häufigsten Angebote in Beratungseinrichtungen in Anspruch nahmen, … der Anteil der männlichen Teilnehmer in der Familienbildung [hat sich] im Verhältnis zur Bestandsaufnahme von 2006 kaum verändert hat. [er verharrt] auf dem niedrigen Niveau von 16 bis 17 Prozent. An anderer Stelle ist zu lesen, dass sich „Väter nicht durch die klassischen auf Reflexivität und Dialog angelegten Kursgruppen angesprochen fühlen und entweder Outdoor-Aktivitäten oder etwas Technisches bzw. Handwerkliches bräuchten. Zudem wird die Teilnahme von Vätern/Männern überwiegend abends oder an Wochenenden verzeichnet.“

Diese und weitere Ergebnisse der Evaluationsstudie griff auch Jürgen Haas in seinem Impuls zu Beginn des Workshops auf und wies auf einen weiteren ‚Mangel‘ hin, den geringen Anteil von männlichen Mitarbeitenden in der Familienbildung.

Wer mehr Väter in der Familienbildung möchte, muss sich so sein Fazit, als Entscheidungsträger und Anbieter, auch mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen. „Prognos hat in der aktuellen Studie zu den familienbezogenen Leistungen in NRW auf fünf Handlungsfelder hingewiesen, die meines Erachtens auch für die Familienbildung Relevanz haben: Bekanntheit, Vernetzung, Digitalisierung, Angebotsformate und das Personal.

Als Ergebnis des Workshops wurden drei zentrale Weichenstellungen formuliert:

  • für die Neuausrichtung der Angebote im Bereich der Familienbildungsarbeit braucht es einen langen Atem. Projekte sind oft sehr kurzfristig angelegt. Dadurch kann man das Vertrauen und die Kontinuität der Väterbeteiligung nicht sicherstellen
  • eine Erhöhung der Anteile des pädagogischen männlichen Personals in der Familienbildung und auch die der freiberuflichen Honorarkräfte kann durch eine bessere finanzielle Ausstattung erreicht werden
  • die Fachkräfte müssen in die Lage versetzt werden, Väter gendersensibel in den Blick zu nehmen und anzusprechen. Dazu braucht es passende Qualifizierungsangebote.

Take Aways für Väter

  • Es ist gut, dass Sie sich vornehmen, sich alle anfallenden Aufgaben in der Familie ‚gerecht‘ aufzuteilen. Damit dies Vorhaben auch gelingt, ist es hilfreich, sich mit ihrer Partnerin darüber auszutauschen welche Erwartungen sie als Vater und Mutter an sich und den jeweils anderen haben.
  • Im nächsten Schritt geht es dann darum, wer was zu welchem Zeitpunkt macht: Elternzeit nimmt, Kinder und Haushalt betreut oder das Geld für die Finanzierung des Projekt Familie verdient. Lassen Sie sich bei diesen ‚Verhandlungen‘ nicht vorschnell durch die Verlockungen des vermeintlich leichteren Wegs, eine*r geht Geld verdienen und eine*r bleibt zu Hause über den Tisch ziehen. Auch wenn Sie vorhaben, beim nächsten Kind alles anders zu machen führt diese gutgemeinte ‚temporäre Teilretraditionalisierung‘ geradewegs in alte Rollenmuster und engt ihre Spielräume und Wünsche, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen und dafür ggf. auch Arbeitszeiten zu reduzieren extrem ein
  • Fangen Sie mit diesen Aushandlungsprozessen frühzeitig an, am besten genau dann, wenn Sie über die Umsetzung ihrer Kinderwünsche sprechen. Eine ‚Arbeitshilfe‘ dazu finden Sie hier oder auch auf dieser Webseite.

Denkanstöße für Beschäftigte in der Familienbildung und Familienzentren

  • Es ist gut, wenn Sie in Zukunft Väter verstärkt in die Familienbildungsarbeit ihrer Einrichtung einbinden möchten. Beziehen Sie bei der Planung der Angebote am besten Väter mit ein.
  • Planen Sie diese Angebote möglichst niedrigschwellig und zun den Zeiten, in der die Väter auch daran teilnehmen können: nach Feierabend, am besten Freitagnachmittag oder Samstagvormittag
  • Kommunizieren Sie die Angebote so, dass Väter diese auch im Internet finden können.
  • Bei allen Fragen, die Sie zu diesem Thema haben steht Ihnen die Geschäftsstelle der LAG-Väterarbeit gerne beratend zur Seite.

Zum Download

Der Impuls von Barbara Streidl Impuls Väterarbeit WS2

Der Impuls von Jürgen Haas Input_Jürgen Haas

Die Leitfragen von Dialogrunde und Workshop 2

Die Zusammenfassung der Visionen und Forderungen von Dialogrunde und Workshop 2

Das Interview mit Heiner Fischer Angebote der Familienbildung müssen sich an der Lebenswelt von Vätern orientieren

[i] Almut Peukert, Miriam Beblo, Laura Lüth und Katharina Zimmermann; Erwerbs- und Familienarbeit im Homeoffice? Innerfamiliale Arbeitsteilung in der Corona-Krise auf dem Prüfstand; in Sozialer Fortschritt, 71 (2022), S.29ff

[ii] Prognos AG (Juncke, David; Weßler-Poßberg, Dagmar; Nikodemus, Johanna)/TH Köln (Müller-Giebeler, Ute; Zufacher, Michaela; Eggers, Thorsten) (2020): Evaluation der Familienbildung in Nordrhein-Westfalen. Abschlussbericht der Evaluation der Familienpolitischen Leistungen im Auftrag des MKFFI NRW, https://www.mkffi.nrw/sites/default/files/asset/document/abschlussbericht_familienbildung_final.pdf

Quelle

Abgelegt unter Arbeitszeiten, Gender, Partnerschaft, Zeit | Keine Kommentare »

Männer & Väter als Subjekte im Gleichstellungsprozess

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. Januar 2022

Holger, du hast bei der Fachtagung der LAG Väterarbeit in NRW im November die Dialogrunde und den Workshop im Themenfeld ‚Gleichberechtigung und Beteiligung‘ moderiert. Eine der Visionen die in der Dialogrunde formuliert wurde lautet: ‚Familienarbeit aus der Tabuzone holen‘. Was ist damit gemeint?

Im gesellschaftlichen Kontext gehen wir vom Idealbild der heilen Familie aus, ein Ort von Liebe und Geborgenheit. Treten Probleme und Herausforderungen auf, werden diese schnell individualisiert und stehen in Verantwortung der Eltern. Dann gibt es Aussagen wie: „Die Eltern sind überfordert sie sollen sich doch Hilfe holen.“ Im unternehmerischen Kontext soll Familienarbeit idealerweise funktionieren und nicht den Arbeitsprozess stören.

Schlaflose Nächte bei zahnenden Kindern, Erkrankungen, neue Lebensabschnitte oder auch die Zeit der Pubertät sind jedoch ganz normale Familienthemen, die in der Regel viel Kraft und elterliche Aufmerksamkeit benötigen. Konkret geht es darum, dass Kolleginnen nicht ausgegrenzt und belächelt werden, wenn sie aufgrund von Aufgaben mit und für die Kinder eher gehen müssen oder die familiären Themen über berufliche Aufgaben stellen.

Ebenso sind Themen wie Allein- bzw. Getrennterziehende oder Trennung keine, mit denen man im Arbeitsalltag oder auch im Freundeskreis punkten kann, wenn Familie und Familienarbeit zur besonderen Herausforderung wird. Unsere Gesellschaft verweist lieber an individuelle Unterstützungsangebote, als dass strukturelle Veränderungen angedacht und auf den Weg gebracht werden.

Nicht zuletzt gehört Familien- und Care-Arbeit nach wie vor zu den unentgeltlichen Leistungen, die für eine Gesellschaft zwar unabdingbar sind, aber eben nicht finanziert und entsprechend anerkannt werden. Nicht zuletzt sehen wir im Umgang mit Familien während der Pandemie, dass zwar Trostpflaster verabreicht werden, wie einmalige Zahlungen, aber dass wir viel mehr über Wirtschaft und Finanzen berichten, als dass die herausfordernde Familien- und Sorgearbeit in den Mittelpunkt gerückt werden. Ebenso ist das Lohngefälle ein Ausdruck dafür, welchen Wert Sorgearbeit in unserer Gesellschaft hat und wie selbstverständlich sie in diesem Lohngefälle gegenüber produzierendem Gewerbe gehalten wird.

Warum ist es wichtig, Männer und Väter von Anfang an als Akteure im Gleichstellungsprozess zu adressieren und einzubeziehen?

Weil Gleichstellung nur im Miteinander und im für einander Einstehen gelingen kann. Equal Pay und Equal Care sind Aufgaben, die längerfristig Müttern wie Vätern zugutekommen. Rollenklischees entwickeln sich, sobald wir auf die Welt kommen und prägen unsere Gesellschaft nachhaltig. Wenn wir daran etwas ändern wollen, dann müssen wir an individuellen Einstellungen etwas verändern und bei den frühen Sozialisationsinstanzen starten. Kinder müssen erleben können, dass Väter im Alltag anwesend sind und sich ebenso um Kinder kümmern, wie sie ihre bezahlte Arbeit meistern. So braucht es in allen Lebensbereichen männliche Vorbilder, die ein gleichberechtigtes Leben ohne Rollenzuschreibungen anstreben oder bereits realisiert haben. Und hierfür braucht es Männer und Väter die dies auch leben wollen, also davon überzeugt sind, dass dies für sie und für die nachfolgende Generation ein guter Weg ist, Gesellschaft zu gestalten. Oft erleben heute Männer Gleichstellung als Beschneidung von Möglichkeiten, als Zurechtweisen und defizitär. Dabei gilt es das Augenmerk darauf zu legen, was Männer und Väter von diesem Prozess ganz individuell und im Zusammenleben mit Frauen und Müttern davon haben.

Welche Vorteile bringt das für Väter und die Beziehung zu ihren Kindern?

Es bringt Stabilität für die Beziehung, wenn Väter nicht nur im Spaßbereich erlebt werden, sondern auch zeigen dass sie im Carebereich fit sind. Viele Väter, die Elternzeit genommen haben, berichten davon, dass sie später eine gute Beziehung zu ihren Kindern haben. Zum einen ist dies natürlich in der Begleitung im Aufwachsen der Kinder eine wichtige Ressource. Aber ich denke zudem ist es eine wichtige Energiequelle für Väter selbst, wenn sie am Werden ihrer Kinder beteiligt sind und durch Beziehung zu ihnen gestärkt und getragen werden. Nicht zuletzt verhindert es soziale Isolation, insbesondere in Krisen & Konfliktsituationen.

Welche Stolpersteine und Widerstände gilt es dabei unbedingt zu beachten?

Väter sind, wenn es um Familien- und Carearbeit geht, in einem für sie noch relativ neuen Lebensbereich unterwegs. Es fehlt an Erfahrungen und Angeboten. Häufig bekommen sie direkt oder durch die Blume gesagt, dass die Mütter hier die bessere Arbeit leisten. Als Beispiel sei ein Vater genannt, der in der Familienberatung bei der Umgangsgestaltung danach gefragt wurde, ob er für seine Kinder sorgen könne. Dieser Vater hatte ein Jahr Elternzeit genommen. Als er die Frage bejahte, kam die nächste Rückfrage, was er denn für seine Kinder koche? Diese subtilen Kontrollfragen sind verunsichern Väter zusätzlich und zeigen ein fehlendes Zutrauen. Väter brauchen jedoch offene und vertrauensvolle Rahmenbedingungen, um sich noch mehr in den Care- und Sorgebereich einzubringen.

Wahrscheinlich stehen sich jedoch die Männer im Gleichstellungsprozess am meisten selbst im Weg, wird das Thema Gleichberechtigung mit „schwach sein“ verknüpft und innerlich abgewertet. Auf der anderen Seite braucht es natürlich auch Mütter und Frauen, die Veränderungen aushalten, insbesondere, wenn sie nicht nach ihren Ideen umgesetzt werden. Wichtig ist dabei, dass ein Austausch miteinander stattfindet und mögliche Stolpersteine gemeinsam aus dem Weg geräumt werden können.

Nicht zuletzt ist es Aufgabe der Politik, den gesellschaftlichen Umdenkprozess zu forcieren und zu unterstützen. Väter und Männer aktiv hierzu einzuladen und dafür strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen.

Was sind deiner Meinung nach die ersten drei Schritte auf dem Weg hin zu einer ‚echten‘ Gleichberechtigung in den Sphären Erwerbs- und Carearbeit?

Die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Männer nicht mit dem Gedanken des Familienernährers aufwachsen, also als hauptverantwortlich in die Erwerbsarbeit gedrängt werden und dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktiv von Unternehmen angesprochen und Vätern Mut gemacht wird, sich auszuprobieren, den Bereich von Sorgearbeit zu entdecken und sich selbst zu zeigen.

Themen, wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen auf Männer und Väter direkt zugeschnitten werden, auch wenn es dieselben Inhalte betrifft. Solange wir in traditionellen Rollenvorstellungen verhaftet sind, braucht es aktive und manchmal provokative Anstöße zum Umdenken. Role-Model-Kampagnen können dabei positive Denkanstöße liefern und eine Vielfalt aufzeigen, die ganz unterschiedliche Väter anspricht.

Frauen in den Vorstandsetagen sind dabei ebenso wichtig, wie Väter in einer Elternzeit von sieben Monaten und mehr. Die Elternzeit- und Elterngeldreform 2007 hat gezeigt, dass strukturelle Anreize Veränderungen wunderbar beschleunigen können. Hier kann Politik entsprechend unterstützend wirken.

Holger Strenz ist Vater von 2 Töchtern, Sozialpädagoge, Systemischer Paar- und Familientherapeut. Er ergründet, untersucht und beforscht das männliche Geschlecht seit über 25 Jahren und versteht sich als Netzwerker, der mit Papaseiten.de Väterarbeit in Dresden und in Sachsen einen Weg bahnt. Seit über 15 Jahren geschieht dies innerhalb der Gleichstellungsarbeit. Er ist Mitglied der Fachgruppe Väter im Bundesforum Männer und im Väterexpertennetz Deutschland e.V. Aktuell koordiniert er die Kampagne zur Petition „10 Tage Vaterschaftsfreistellung* zur Geburt“.

Abgelegt unter Interview, Partnerschaft | Keine Kommentare »

… vielleicht reichen drei Abendtermine ja auch

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Januar 2022

Anna Buschmeyer stellte in ihrem Beitrag ‚Corona als Brennglas – Herausforderungen und Empfehlungen für Väterliches Engagement während und nach der Pandemie‘ bei der Fachtagung am 16. November, Ergebnisse der Studie „Mütter und Väter während der Corona-Pandemie“ vor.

Bisherige Ergebnisse der Studie fasste Frau Buschmeyer so zusammen:

  • Wer vorher mehr Care-Arbeit gemacht hat, macht das meist auch während der Pandemie (mit Ausnahmen)
  • Für Getrennt- bzw. Alleinerziehende ist die Pandemie dann besonders herausfordernd, wenn sie kein/wenig Unterstützung durch Ex-Partner*in oder ein größeres Netzwerk haben
  • Gefühl der Entschleunigung ist in der zweiten Welle der Verdichtung gewichen
  • Vorstellungen von Mütterlichkeit und Väterlichkeit beeinflussen die Übernahme von Care-Arbeit oder deren Auslagerung

Väterliches Engagement  hat sich in der Corona-Pandemie folgendermaßen entwickelt:

  • Insgesamt haben (die befragten) Väter einen großen Anteil an der Care-Arbeit übernommen und ihr Engagement in der Krise erhöht
  • Wo Väter vorher eher abwesend waren à Mehr Engagement möglich
  • Wo die Väter vorher mit viel Engagement in der Familienarbeit dabei waren à In der Pandemie beibehalten
  • Je mehr die Väter sich einbringen (möchten) in die Care-Arbeit, desto größer die Zerrissenheit
  • Je größer das Netzwerk aus Betreuungspersonen, desto einfacher ist die Vereinbarkeit individuell gelöst
  • Wenn andere den Großteil der Betreuungsarbeit leisten, können Väter durch die neue Flexibilität mehr „unterstützen“
  • In der zweiten Welle hat das Engagement teilweise wieder abgenommen, die Erwerbsarbeit wird (wieder) zentraler angesehen
  • Auch wenn es einfacher ist, die Care-Arbeit anderen zu überlassen: Mehr Engagement von mehr Personen ist für alle eine Erleichterung!

Handlungsempfehlungen, damit das Positive bleibt

  • Anerkennen, dass Sorgearbeit Arbeit ist und genauso fordert wie Erwerbsarbeit
  • Dienstreisen und viele Überstunden (Abendtermine) reduzieren (à Positive Aspekte der Digitalisierung nutzen)
  • Vorteile des Homeoffice auch für Sorgearbeit nutzen (Wäsche wäscht nebenbei, Kinder können schnell abgeholt werden etc.)
  • Zeit mit der Familie einplanen und gestalten (Regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten etc.)
  • Absprachen unter den Eltern einfordern und beibehalten (Priorisierung der Erwerbsarbeit vielleicht nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten)
  • Freizeittermine (der Kinder) reduzieren
  • Das Netzwerk möglicher Unterstützer*innen bei der Kinderbetreuung ausbauen

Dies fasst die Aussage eines Studienteilnehmers gut zusammen:

„Na ja, vielleicht reichen drei Abendtermine ja auch und die anderen zwei Tage setzt du dich mal in den Garten und guckst den Blumen beim Wachsen zu. Könnte ja so für die eigene Psychohygiene auch mal ganz hilfreich sein. Also so nochmal zu gucken, was ist eigentlich wirklich wichtig und was brauche ich eigentlich für mich?“

Das Video mit dem Vortrag finden Sie hier.

Abgelegt unter Partnerschaft, Rolllenbilder | Keine Kommentare »

Vater werden – Dein Weg zum Kind

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. Dezember 2021

Ihr aktuelles Buch hat die Bestsellerautorin Nicola Schmidt gemeinsam mit ihrem Partner Klaus Althoff geschrieben und ist mit dem Untertitel ‚Dein Weg zum Kind‘ versehen. Damit stapeln die beiden tief, erstens beschreiben sie eine Vielzahl von Wegen und Möglichkeiten zum Vatersein und zweitens beinhalten diese Pfade auch die gemeinsamen Schritte zum Eltern und Familie werden, in welcher Konstellation auch immer, aber mit der Aussicht auf eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Aufteilung von bezahlten und unbezahlten Aufgaben und Arbeiten.

Dass dieser Weg schon lange vor der Geburt anfängt, schreiben die beiden schon im zweiten Absatz des Vorworts: ‚Wie gut sich alle Beteiligten … schon vor der Geburt vorstellen können, eine Familie zu sein, sagt viel darüber aus, wie es später sein wird. Es gilt also, die wichtigen Informationen rechtzeitig zu haben, die Weichen frühzeitig zu stellen und ‚kluge‘ Entscheidungen zu treffen.

Und dafür liefern Schmidt und Althoff auf den folgenden 235 Seiten eine wahre Fülle an Ideen, Wissen, Anregungen und Erfahrungen in einem inhaltlich und grafisch sehr ansprechenden Format.

Das Buch behandelt in drei Kapiteln Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett wobei die ersten 9 Monate in sieben Abschnitte aufgeteilt sind. Der siebte beschäftigt sich unter der Überschrift ‚Cool bleiben‘ mit Terminüberschreitung und Übertragung. Innerhalb dieser Anordnung gibt es verschiedene inhaltliche Blöcke, die sich in jedem Abschnitt wiederholen: ‚Das sollten Väter vorher wissen‘, ‚Wissenschaftscheck‘, ‚Übungen‘ und ‚So sieht es aus‘. In letzterem beschreiben Klaus und/ oder Nicola ihre Ansichten zu den zuvor behandelten Themen und geben persönliche Erfahrungen weiter.

Neben diesen großen Blöcken gibt es kleinere Merkposten, die sich direkt an die werdenden Väter richten bzw. Erfahrungen und Fragen von Vätern wiedergeben: ‚Was hättest du gern vorher gewusst?’, ‘You have a new message‘ sind Impulse aus der Perspektive des ungeborenen Kindes. Eine ‚Not to do Liste‘ fasst die Empfehlungen der Autor*innen prägnant zusammen sowie ‚Dein Clan‘. In dieser Rubrik werden Ansprechpartner und Vertrauenspersonen für die Väter und deren Bedeutung benannt.

Apropos ‚Clan‘, insbesondere Klaus Althoff betont an verschiedenen Stellen seiner Statements immer wieder die Bedeutung einer Vätergruppe in der sich Männer über ihre Anliegen, Ängste und Hoffnungen austauschen können. Vor und auch nach der Geburt: ‚Was aber … ganz wichtig ist, ist der Austausch mit anderen Vätern. Wir Männer reden oft so wenig – vor allem wenig miteinander und über die Dinge, die uns schwerfallen und belasten.‘ Er lädt die Männer deshalb dazu ein ‚Väterbanden‘ zu bilden.

Auch an anderen Stellen greift er auf seine Erfahrungen als Personalentwickler zurück. Der Weg zum Vatersein ist ein Change Prozess. Beim Eltern werden geht es, vor allem im Hinblick auf die Fragen, wer macht was, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang auch um einen Teambuildingprozess bei dem Erfahrungen aus dem Projektmanagement genutzt werden können. Diese Begriffe werden von beiden Autor*innen situationsbezogen und praxisnah mit Inhalten gefüllt und im Managementtraining bewährte Methoden wie der Dialogspaziergang auf den Alltag werdender Eltern übersetzt. Sie betonen immer wieder, wie wichtig die Entwicklung eine geteilten Vorstellung von dem Leben zu Dritt für eine gelingende Vater-, Mutter- und Elternschaft ist.

Neben pädagogischen und biologischen Themen werden aber auch ganz praktische insbesondere für nicht verheiratete Väter bedeutsame Dinge angesprochen: Es ist wichtig, rechtzeitig über eine Vaterschaftsanerkennung und gemeinsame Sorge zu sprechen und die erforderlichen Schritte rechtzeitig in die Wege zu leiten. Das gleiche gilt für Absprachen über Aufteilung der Elternzeit. Entgegen der lange Zeit von der Familienpolitik propagierten 12 plus 2 Regelung betonen Schmidt und Althoff die Bedeutung der frühen Elternzeit des Vaters und treten auch für die ‚Vaterschaftsfreistellung unmittelbar nach der Geburt ein.

Im Kapitel Geburt weisen die beiden zum einen besonders auf die Bedeutung einer Geburtsvorbereitung für Väter hin, diese senke das Risiko für operative Geburtseingriffe. Wohl auch, weil Väter in der Lage sind, unter der Geburt gegebenenfalls ihre Schutzfunktion für die Partnerin wahrzunehmen. Zum anderen thematisieren sie das Risiko einer postpartalen Depression für Väter. Die Zahlen aus den angelsächsischen Ländern weisen eine hohe Bandbreite auf, wohl auch, weil Väter nicht durchgehend auf diese gesundheitliche Belastung gescannt werden. In den deutschsprachigen Ländern wird dieses Phänomen erst allmählich wahr- und ernst genommen. Die umfassende Behandlung des Themas in diesem Band wird dazu sicherlich auch beitragen.

Auch wenn im letzten Abschnitt das Thema Fehlgeburt aus der Perspektive der Väter, die mit dem Thema in der Regel alleingelassen werden, thematisiert wird, eine ganz wichtige Botschaft steckt für mich einige Seiten davor. Es ist die Sache mit der Performanzschere. ‚Es ist nämlich so, dass viele Väter durchaus über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um ihre Kinder liebevoll zu versorgen. Das Problem ist aber oft, dass sie diese Kompetenzen nur unzureichend nutzen. … Klafft die Performanzschere erst einmal auseinander, ist es schwierig, sie wieder zu schließen und die väterlichen Kompetenzen im Alltag einzusetzen.‘ Auch dass ist ein Appell, von Anfang an aktiv dabei zu sein und durch gemeinsames Tun väterliche Kompetenzen zu entwickeln und anzuwenden.

Das Buch von Nicola Schmidt und Klaus Althoff ist für mich nach dem 2005 ebenfalls im Gräfe und Unzer Verlag erschienen ‚Das Papa Handbuch‘ von Robert Richter und Eberhard Schäfer ein zweiter Meilenstein, der den Weg der Väter zu ihren Kindern nicht nur beschreibt, sondern Väter ermutigt, diesen Weg auch zu gehen und die Rolle im Leben ihrer Kinder zu spielen, die diese brauchen.

Abgelegt unter Geburt, Partnerschaft, Vater werden | Keine Kommentare »

Warum mehr Väter volle Verantwortung zu Hause übernehmen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 16. November 2021

Einem Bericht von Pew Research aus dem Jahr 2018 zufolge bleiben in den USA mehr Männer zu Hause, um sich um ihre Familien zu kümmern. In der Vergangenheit haben wirtschaftliche Abschwünge Männer aus dem Erwerbsleben gedrängt und sie in die Rolle des Hausmannes gedrängt. „Je nachdem, wie man es misst, waren auf dem Höhepunkt der Großen Rezession vielleicht zwei Millionen Männer Väter, die zu Hause blieben”, sagt Soziologieprofessor Scott Melzer. “Und wenn wir uns heute die Pandemie ansehen, haben wir eine weitere wirtschaftliche Katastrophe.”

Aber auch die Veränderungen bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und der Aufstieg von Frauen im Bildungswesen haben die Geschlechterrollen nachhaltig beeinflusst. Im Jahr 2020 stellten Frauen zum ersten Mal mehr als die Hälfte der US-Arbeitskräfte. „Junge Frauen überholen jetzt die jungen Männer bei den Hochschulabschlüssen und vielen Graduiertenabschlüssen”, sagt Kim Parker, Direktorin der Abteilung für soziale Trends am Pew Research Center.

Fünf Väter erzählen CNBC Make It, warum sie sich berufen fühlten, einen der anspruchsvollsten Jobs der Welt zu übernehmen.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Elternzeit, Partnerschaft, Rolllenbilder | Keine Kommentare »

Wünsche und Wirklichkeiten

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. November 2021

Fifty-fifty‘ in der Kinderbetreuung – das wünscht sich mehr als die Hälfte aller Väter hierzulande. In Wirklichkeit teilt sich aber nur ein Viertel von ihnen die Betreuung mit der Mutter. Warum das auch 2021 noch so ist …

Abgelegt unter Partnerschaft, Politik, Rolllenbilder | Keine Kommentare »

‚Aktive Vaterschaft ist der Trend der jungen Elterngeneration‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 25. Oktober 2021

David Juncke hat an dem gerade erschienen Väterreport mitgewirkt. Bei der Fachtagung der LAG Väterarbeit am 16. November wird er zentrale Ergebnisse präsentieren.

Herr Juncke, welche Botschaft verknüpfen Sie mit dem aktuellen Väterreports?

Vielen Vätern ist es heute wichtig, Zeit mit der Familie zu verbringen und die Familien- und Erwerbsarbeit mit der Mutter partnerschaftlich zu teilen. Die Umsetzung dieser Wünsche wird jedoch zum einen durch äußere Rahmenbedingungen, zum anderen durch die Haltung der Väter selbst erschwert.
Die Covid-19-Pandemie stellte Familien zusätzlich vor Herausforderungen, eröffnete jedoch gleichzeitig Chancen. Prognos untersuchte im Auftrag des Bundesfamilienministeriums die Wünsche der Väter von heute, deren Umsetzungsmöglichkeiten, Chancen und Hürden. Die neue Veröffentlichung ist ein Update und knüpft an die Väterreports vergangener Jahre an.

Was sind zentrale Ergebnisse des Väterreports Update 2021?

Während der Covid-19-Pandemie kümmerten sich viele Väter um die Bildung und Betreuung ihrer Kinder. Die Erfahrungen, die Familien, Politik und Wirtschaft in der Pandemie gemacht haben, können in Zukunft zu einem Treiber dafür werden, dass mehr Eltern partnerschaftlich Familie und Beruf vereinbaren können. Der Väterreport von Prognos untersuchte in diesem Zusammenhang, was sich Väter in Familie und Beruf wünschen und ob sie diese Wünsche inzwischen häufiger umsetzen. Welche Rolle spielen dabei Arbeitgeber oder betriebliche Rahmenbedingungen? Und welche Veränderungen und Chancen brachte die Covid-19-Pandemie mit sich? Hierzu wertete Prognos aktuelle und repräsentative Befragungen und amtliche Datensätze aus.
Betrachtet wurden die Väter aus verschiedenen Perspektiven: in ihrer Rolle in der Familie, im Beruf und in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Eine Sonderstichprobe untersuchte Väter, die heute nicht mehr mit ihren Kindern zusammenleben. Diese Gruppe von Vätern war in der bisherigen wissenschaftlichen Literatur unterrepräsentiert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich auch für diese Väter das Leitbild von Vaterschaft verändert hat.

Kann die Pandemie auch als Chance für väterliche Engagement betrachtet werden?

Die Ergebnisse zeigen, dass Väter heute ganz andere Rollenbilder, Erziehungsziele und -prinzipien haben als früher und sie haben auch die Chance, diese zu verwirklichen. Viele Väter wollen sich mit den Müttern die Familien- und Erwerbsarbeit partnerschaftlich teilen – auch nach einer Trennung. Staatliche Leistungen wie Elterngeld und Elternzeit, die von immer mehr Vätern genutzt werden, unterstützen partnerschaftliche Vereinbarkeit. Auch die Unternehmen haben erkannt, dass sie ihr Angebot betrieblicher Personalpolitik auch auf Väter ausrichten müssen, um Vorteile bei der Mitarbeiterbindung und -gewinnung zu haben.
In der Pandemie kam es zeitweise zu einer unfreiwilligen Reduzierung der Erwerbstätigkeit von Vätern. Über flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice und Arbeitszeitreduzierung konnte ein Teil der Väter erstmals erproben, wie ein partnerschaftliches Familienmodell im Familienalltag funktioniert. Auch Unternehmen zeigten sich in den Hochphasen der Pandemie aufgeschlossen und unterstützen Familien durch eine innovative Vereinbarkeitspolitik.

Abgelegt unter Partnerschaft, Politik, Work - Life - Navigation | Keine Kommentare »

Respekt, Mann. Du wirst Vater!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 20. Oktober 2021

Schwangerschaft und Geburt sind auch für Väter eine große Herausforderung. Zur Unterstützung fehlen Vorbilder und eine Gesprächskultur. Die LAG-Väterarbeit fordert deshalb seit langem eine zweiwöchige Vaterschaftsfreistellung nach Geburt des Kindes mit Lohnersatz als einen wichtigen und vor allem auch geeigneten Schritt, aktive Vaterschaft zu fördern.

Um werdende Väter gezielt zu erreichen, beteiligt sich die LAG-Väterarbeit nun auch an der Erzählcafé Aktion “Respekt, Mann. Du wirst Vater!”. Die Aktion will bewirken, dass jeder Mann mit gutem Gefühl Vater werden kann. Deshalb unterstützt die Aktion Väter mit einer kostenlosen Info-Broschüre. Kurz und bündig wird auf den Punkt gebracht, was Männer beim Vaterwerden wissen sollten, auch um selbst gesund zu bleiben.

Im Väter-Erzählcafé können sich Männer mit Männern austauschen, voneinander lernen und ihre Erlebnisse bei der Geburt verarbeiten. Jeder kann mitmachen und ein Erzählcafé zu Schwangerschaft und Geburt veranstalten. Initiiert und betreut wird die Erzählcafé-Aktion durch Dr. med. Stefanie Schmid-Altringer und Lisa von Reiche. Gefördert wird die Initiative durch Hebammen für Deutschland e.V.

Abgelegt unter Geburt, Partnerschaft, Vater werden | Keine Kommentare »