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Archiv für die 'Rolllenbilder' Kategorie

Partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit– davon haben alle was

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. Oktober 2017

Anna-Lena und Rüdiger Dreier haben seit der Geburt ihrer beiden Töchter, die gemeinsame Vision von einem partnerschaftlichen Familienmodell verwirklicht. Im Interview mit vaeter.nrw erzählen die Lehrerin und der Diplom-Sozialpädagoge aus Münster davon, wie sie ihre Vereinbarungen aushandeln, wie sie Konflikte bewältigen und warum es bei den Absprachen immer mal wieder anders kommt.

“vaeter.nrw: Wie sieht ihr derzeitiges Vereinbarkeitsmodell aus?

Rüdiger Dreier: Das Modell, das wir bei unserer ersten Tochter Luise ausprobiert haben, hat sich bewährt. Deshalb haben wir es bei Alma fast genauso wiederholt. Meine Frau ist am Anfang acht Monate zu Hause geblieben, weil sie die Mädchen gestillt hat. Dann ist sie auf ihre Vollzeitstelle in der Schule zurückgekehrt und ich habe für die nächsten sechs Monate übernommen. Luise ist mit einem Jahr in eine U3-Gruppe in die Kinderbetreuung gekommen, so dass auch Alma zuerst mit meiner Frau und dann mit mir eine exklusive Zeit hatte. Weil ich anfangs unbedingt einen Fuß in meinem Berufsalltag behalten wollte, habe ich in Luises Elternzeit noch fünf Stunden in der Woche gearbeitet. Bei Alma brauchte ich diese Absicherung nicht mehr und habe mich ganz aufs Vatersein konzentriert. …

vaeter.nrw: Worin lag für Sie beide der größte Gewinn der partnerschaftlich aufgeteilten Elternzeit?

Rüdiger Dreier: Wir haben mit der Elternzeit, in der wir unser Lebensmodell partnerschaftlich umgesetzt haben, eine solide Basis für unser Familienleben geschaffen. Davon werden wir profitieren, wenn wir jetzt beide wieder berufstätig sind. Außerdem war ich begeistert davon, dass ich in der Elternzeit bei allen wichtigen Entwicklungsschritten von Luise und Alma live dabei war. Dadurch haben beide eine sehr intensive Beziehung zu mir aufgebaut. Für Luise bin ich bis heute die erste Ansprechperson. Ich weiß was es bedeutet, wenn einem das Kind am Rockzipfel hängt.

Anna-Lena Dreier: Wir müssen uns nicht erklären, wie es mit den Kindern läuft. Wenn einer nach Hause kommt und der andere weg muss, kann man nahtlos ansetzen. Der größte Gewinn für mich ist, dass die Kinder uns beide akzeptieren und auch ohne Probleme damit klarkommen, dass wir beide Dinge unterschiedlich machen. Das heißt natürlich auch, dass jeder dem anderen sein Fahrwasser lassen muss. Diese Toleranz ist wichtig. So haben wir uns auch durch die Kinder nicht auseinanderdividiert. Im Gegenteil: Da ist zusätzliche Nähe entstanden. Ich finde, dass wir als Eltern ein hervorragendes Team sind. Wir diskutieren und handeln viel aus, aber vieles geht auch ohne Worte Hand in Hand.

vaeter.nrw: Wie haben Sie die Aufgaben aufgeteilt, und wie liefen solche Aushandlungsprozesse konkret ab?

… Ein gutes Beispiel für einen Aushandlungsprozess war die Frage, wer nachts für die Kinder aufsteht. Da Luise ein echtes Papa-Kind ist, hatten wir die Nächte anfangs nach den Kindern geteilt. Meine Frau war für Alma zuständig, und ich habe mich um Luise gekümmert. Doch dieses Modell haben wir geändert und an unsere persönlichen Tiefschlafphasen angepasst. Bis drei Uhr stehe ich jetzt für beide Kinder auf, danach meine Frau. Das erspart uns eine Menge Stress. Wenn man weiß, dass der oder die andere zuständig ist, kann man sich getrost dem Schlaf hingeben. …

vaeter.nrw: Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihr partnerschaftliches Lebensmodell?

Anna-Lena Dreier: Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon darauf angesprochen wurde, warum ich denn wieder Vollzeit arbeite. Wenn ich um fünf Uhr nachmittags noch in der Schule bin, fragen ältere Kollegen oft: Wer ist denn jetzt bei deinen Kindern? Theoretisch sind alle für Gleichberechtigung, aber wenn es konkret wird, entscheiden sich doch fast alle für das klassische Rollenmodell. Wir haben mit unserem Lebensmodell immer noch Exoten-Status. …”

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Bei der Vereinbarkeit von Job und Kind treten wir auf der Stelle

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 28. September 2017

Noch nie waren sich die Lebensentwürfe von Männern und Frauen so ähnlich. Und noch nie war der Wunsch nach tatsächlich gelebter Gleichberechtigung so groß. Darauf deutet die neue BRIGITTE-Studie „Mein Leben, mein Job, und ich”. Wir stehen an einem Wendepunkt. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Egal ob es um die Übernahme von Verantwortung geht oder um die berufliche Weiterentwicklung, ums explizite „Karrieremachen” oder die Bedeutung von Job und Bildung — in ihren beruflichen Ambitionen ziehen die Frauen heute ganz klar mit den Männern gleich. Auch was die konkrete Bedeutung von Arbeit angeht, gibt es kaum noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Zwar finden es Frauen wichtiger als Männer, im Beruf mit Menschen in Kontakt zu kommen. Doch für beide ist ihre Berufstätigkeit vor allem gleichbedeutend mit finanzieller Flexibilität — und mit der Verrichtung einer sinnvollen Tätigkeit.

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Mutter zu werden ist dagegen für die Lebenszufriedenheit vieler Frauen nicht der bestimmende Aspekt. Zumindest im Vergleich zur zentralen Bedeutung von Job (79 Prozent) und finanzieller Unabhängigkeit (94 Prozent) ist ihr Bedürfnis, Kinder zu haben oder zu bekommen, mit 68 Prozent Zustimmung auffallend nachgeordnet. Dass die Zustimmungsrate der Männer zum Kinder-Thema bemerkenswert nahe am Wert der Frauen liegt, lässt vermuten: Auch die Männer haben ihre traditionelle Rollenzuschreibung satt. Sie wollen nicht mehr nur Karriere machen, sondern auch aktiv Väter sein.

Für die bessere Work-Life-Balance von Familien wurde in den vergangenen zehn Jahren einiges getan: Elterngeld und ElterngeldPlus wurden eingeführt, der Ausbau von Kitas und Ganztagesschulen wurde vorangetrieben, immer mehr Unternehmen bieten — zumindest offiziell — flexible Arbeitszeiten und HomeOffice an. Trotzdem sagen nur 37 Prozent der Mütter: Beruf, Familienleben und persönliche Interessen lassen sich heute generell besser vereinbaren als vor zehn Jahren. Für 24 Prozent hat sich an der Situation nichts geändert. 29 Prozent finden sogar: Die Vereinbarkeit gelingt heute schlechter. Offenbar ist noch einiges nötig, damit sich Gesellschaft und Unternehmen an die geänderten Lebensentwürfe der Frauen — und Männer — anpassen. Ganz oben auf der Wunschliste der Mütter stehen hier eine bessere finanzielle Unterstützung für Familien, flexiblere Arbeitszeiten und mehr gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder.

Quelle

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Die Sicht der Väter bei der Vereinbarkeitsdiskussion

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 26. September 2017

„Es ist ein Wahnwitz: Väter arbeiten mehr als Männer, die keine Kinder haben“ Hans-Georg Nelles im Interview zur Rolle der Väter in der Diskussion über Vereinbarkeit von Beruf und Familie:

“… Viele Väter gehen nicht in Elternzeit oder in Teilzeit. Aufgrund von Angst, dadurch beruflich Nachteile zu haben. Glaubst du, dass diese Angst begründet ist?

„Angst ist immer dann da, wenn ich nicht weiß, was passiert.“ sagt Hans-Georg. Es wird viel über diese Angst geredet. Vor 10 Jahren wurden die Paarmonate der Elternzeit eingeführt. Die ersten Väter, die das in Anspruch nahmen, mussten Sprüche einstecken. Durch gute Absprachen und Kommunikation mit dem Arbeitgeber, lässt es sich meist ohne Probleme durchsetzen. Sobald es eine gute Vertretung gibt, fällt es den Väter meist einfacher, in Elternzeit zu gehen.

Es gibt Untersuchungen dazu: Bei 80% der Väter, die in Elternzeit gegangen sind, ist nichts passiert. D.h. sie sind in Elternzeit gegangen und als sie wieder zurückkamen, haben sie so weiter gearbeitet wie vorher.

Bei 10% der Väter gab es einen Entwicklungsschub für die berufliche Entwicklung. Und weitere 10% haben berichteten, dass es eine Karrierepause gab. Es gab kein Karriereknick, sondern eine Pause.

Elternzeit ist in den meisten Unternehmen heute kein Problem mehr. Gerade, wenn es „nur“ die zwei Monate sind.

Beim Thema Teilzeit für Väter sieht es wieder anders aus. Oft wird erwartet, dass nach den zwei „Vätermonaten“ der Mann wieder in Vollzeit zurückkommt. Hans-Georg sagt, dass es ein Wahnwitz ist: „Männer, die gerade Vater geworden sind, arbeiten im Durchschnitt sehr viel mehr. Im Vergleich zu Männern, die keine Kinder haben. Dies ist ein völliger Widerspruch zu dem, was sie in Befragungen äußern.“

Den Grund dafür sieht Hans-Georg unter anderem in den steuerlichen Vorteilen. Wenn ein Mann ohne Kinder mehr arbeite in Steuerklasse I mehr arbeite, macht es netto nicht so viel aus. Wenn ich als Vater in einer vorteilhafteren Steuerklasse arbeite, dann macht es netto sehr viel mehr aus. Da ist die Verlockung groß mehr zu arbeiten.

Führungskräfte können nicht in Teilzeit arbeiten – stimmt das?

Hans-Georg sagt, dass ist ein Mantra, mit dem wir rumlaufen. Das ist ein Glaubenssatz, der so nicht stimmt. Er selbst hat dazu schon Umfragen gemacht. Es ist nicht wahr, dass Führungskräfte nicht in Teilzeit arbeiten können.

Er sprach mit Führungskräften darüber, was möglich ist. Ergebnis: bis zu 30% kann man reduzieren. Führung hat mit delegieren zu tun. Führungskräfte die noch andere Geschäftsführerposten in anderen Gesellschaften inne haben, sind eigentlich eh schon eine Teilzeitkraft für das Team.

Teilzeit heißt nicht „Teilzeitfalle“. Und Teilzeit heißt nicht immer, dass die Kraft nur von 8:00 Uhr bis 12:00 Uhr kommt.

Viele Väter wollen nicht reduzieren, weil sie nicht wissen, ob sie wieder auf  Vollzeit aufstocken können. Ansonsten wäre das wohl für viele Väter eine Option in der Kleinkind Phase zu reduzieren. …”

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‚Teilzeitarbeit des Vaters bedeutet, dass die Mutter ihr Arbeitspensum aufstocken muss.‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 25. September 2017

Im Interview mit Sven Broder und Frank Heer zieht Andreas Borter in der Zeitschrift annabelle eine Bilanz seiner 30jährigen Tätigkeit als Väter- und Genderexperte in der Schweiz und wirbt vehement dafür, dass Männer die Chancen der Emanzipation für sich erkennen und nutzen.

„… Es ist schade, dass die Erstarkung der modernen Frau die Männer allgemein nicht auch gestärkt hat.

Sie sind also keiner dieser Maskulinisten, die über die Emanzipation und den Feminismus wettern und die Zeit am liebsten zurückdrehen würden?
Im Gegenteil. Die Emanzipation bietet auch für den Mann Chancen und Möglichkeiten. Das gesprengte Korsett der Frau kann man auch als den gesprengten Panzer des Mannes betrachten. Aber statt den Gewinn aus der Emanzipation für sich fruchtbar zu machen, deklariert er sich lieber zum Verlierer.

Sie haben schon in den Achtzigerjahren eine Selbsthilfegruppe für Männer und Väter gegründet – leisteten in diesem Bereich also Pionierarbeit.
Damals begannen wir auch damit, in der Arbeit mit Männern den Begriff Empowerment zu benutzen. Das Wort entlehnten wir der Frauenbewegung. Es bedeutet Ermächtigung. Wir forderten: Auch die Frau und Mutter muss ihre häusliche Rolle überdenken, in der sie sich installiert hat, nicht nur der Mann. Es kann keine Gleichstellung geben ohne die Ermächtigung des Mannes zum eigenständigen Vatersein. …

Nochmals grundsätzlich gefragt: Warum soll der Vater nicht 100 Prozent arbeiten dürfen, wenn die Mutter einverstanden ist und ihm der Job Freude bereitet?
Ich propagiere kein bestimmtes Familienmodell für unser Land. Doch die Zahlen einer Studie, die von Pro Familia in Auftrag gegeben wurde, sind eindrücklich: 90 Prozent der befragten Schweizer Männer wünschen sich eine Reduktion der Arbeitszeit, etwa um mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können

Warum tun sie es nicht?
Vielleicht, weil sie den Mut nicht aufbringen, ihren Wunsch mit dem Arbeitgeber zu besprechen. Oder aus Angst vor höhnischen Bemerkungen von Arbeitskollegen. Es gibt aber auch Männer, die sich nicht trauen, ihre Bedürfnisse gegenüber ihren Partnerinnen zu formulieren. Statt mit ihnen ein Teilzeitmodell auszuhandeln, höre ich Sätze wie: «Meine Frau will lieber bei den Kindern sein.» Ich fragte dann: «Und was willst du?» In der Bundesverfassung ist die gemeinsame Verantwortung und die Gleichstellung von Mann und Frau in Beruf und Familie festgelegt. Es gibt kein Recht für die Partnerin, zuhause zu bleiben, so wenig, wie es eine Pflicht für den Partner gibt, die Ernährerrolle allein zu übernehmen. …

Im Herbst gehen Sie als Geschäftsleiter des Schweizerischen Instituts für Männer- und Geschlechterfragen (SIMG) in Pension. Haben Sie erreicht, was Sie wollten?
Mehr als das. Als ich vor über 30 Jahren in die Männerarbeit einstieg, hätte ich nicht zu träumen gewagt, dass sich in diesem Feld so viel bewegen würde. Darauf bin ich schon fast ein wenig stolz. Heute gehört es zum Selbstverständnis der meisten jungen Schweizer Männer, dass sie aktive Väter sein wollen und familiäre Beziehungen ernst nehmen. Sie reden mit, bringen sich ein. Erfüllung im Beruf ist immer noch wichtig, aber nicht mehr die absolute Priorität in einem Männerleben. Ich finde es auch gut, dass Genderfragen heute nicht mehr so verbissen ideologisch diskutiert werden wie damals. Wir waren eine Oppositionsbewegung, die sich dialogisch Schritt für Schritt vorangekämpft hatte. Heute ist die neue Väterlichkeit fast schon Mainstream geworden.

Quelle

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Vereinbarkeit aus Vätersicht, ein Gespräch mit Carolin Habekost

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 23. September 2017

Ende August habe ich mit Carolin Habekost ‚Finde dein Mamakonzept‘ ein Gespräch über Vereinbarkeitsfragen aus der Väterperspektive geführt. Der Podcast geht am kommenden Dienstag online. Bei Youtube gibt es jetzt schon einen kurzen Teaser dazu.

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Männer werden diskriminiert

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. September 2017

… Anne Seth greift im ‚Spiegel‘ ein ‚heikles‘ Thema auf und belegt ihre Thesen mit zahlreichen Beispielen und Aussagen aus Politik und Praxis. Dies gilt insbesondere für Väter nach einer Trennung: Sie müssen Unterhalt zahlen, werden aber als Elternteil oft nicht ernst genug genommen.

“… Wenn ein Vater nach einer Trennung mehr sein will als nur Wochenend- und Spaßpapa, hat er gegen den Willen der Mutter oft kaum eine Chance dazu. Schätzungen des Familiengerichtstages zufolge ist in etwa 95 Prozent der strittigen Fälle der Lebensmittelpunkt eines Kindes bei der Mutter zu verorten.

Das geltende Unterhaltsrecht geht noch vom Modell Familienernährer aus. Ob ein Vater nur alle zwei Wochen zu Besuch kommt oder die Kinder mehrere Tage die Woche zu sich nimmt, spielt für seine finanziellen Verpflichtungen der Mutter gegenüber oft keine Rolle.

Statistisch wird nach einer Trennung nach wie vor nur der Elternteil erfasst, bei dem die Kinder leben – er gilt pauschal als “alleinerziehend”. Zu 89 Prozent besteht diese Gruppe aus Müttern, die finanziell oft unter verheerenden Bedingungen leben. …

Was aber ist mit den Vätern dieser Kinder? Über sie weiß man oft nur, dass erschreckend viele keinen oder zu wenig Unterhalt für ihre Kinder bezahlen. Aber wie jene dastehen, die sich sehr wohl um ihre Kinder kümmern, ist weitgehend unbekannt. Was bedeutet die Trennung für sie finanziell? Wie viel Anteil haben sie an der Kindererziehung? Aussagekräftige Statistiken und Untersuchungen dazu gab es lange keine.

Erst Mitte Juli dieses Jahres veröffentlichte die neue Familienministerin Katarina Barley (SPD) eine vielsagende Umfrage unter getrennten Eltern. Vor allem Väter wünschen sich demnach mehr Kontakt zu ihren Kindern – und fordern bessere rechtliche und finanzielle Unterstützung, wenn eine Familie auseinanderbricht. Aus gutem Grund. …

Dem deutschen Unterhaltsrecht liegt das Prinzip zugrunde, dass einer die Kinder erzieht und der andere für sie zahlen muss. Aus dieser Logik heraus entstand 1962 die sogenannte Düsseldorfer Tabelle, die in ihrer Grundstruktur bis heute gilt. Sie weist den Lebensbedarf eines Kindes aus, gestaffelt nach Alter und nach dem Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils. In der Regel muss also im Streitfall nur einer seine finanziellen Verhältnisse offenlegen, schon das bringt viele Väter auf die Palme.

Besonders ungerecht aber ist: Wie viel Betreuung dieser Elternteil übernimmt, wird in der Unterhaltstabelle nicht berücksichtigt. So mancher Vater zahlt deshalb den vollen Satz, obwohl er genau wie die Mutter ein Kinderzimmer vorhält und eine zweite Garnitur an Kleidung – und einen guten Teil der Betreuung übernimmt. …

Auch ein anderes Eingeständnis ist überfällig: Soviel auch noch getan werden muss, um Frauen beruflich und damit auch finanziell die gleichen Chancen zu ermöglichen wie Männern – es gibt auch Bereiche, in denen es Männer aufgrund ihres Geschlechts schwer haben.

Im Bundesfamilienministerium scheint sich diese Einsicht langsam durchzusetzen. Mitte Juli lud das Haus Interessenvertreter und Fachleute zu einem “Zukunftsgespräch: Gemeinsam getrennt erziehen” ein. Erstmals wurde eine vom Allensbacher Institut durchgeführte Studie präsentiert, die die Lebensrealitäten getrennter Familien untersuchte. 35 Prozent der befragten Väter wünschen sich mehr Kontakt zu ihren Kindern. Und rund die Hälfte aller Befragten wünscht sich eine gleichberechtigte Betreuung der Kinder.”

Quelle

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So etwas wie ‚Mutterschutz für Väter‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 1. September 2017

2 emma_1979Diesen Gedanken äußerte Familienministerin Katharina Barley neulich im Interview mit dem Magazin EditionF

„… Frage: Wird irgendwann jeder Vater einige Monate Elternzeit nehmen können?

Barley: … Befragungen zeigen, immer mehr Väter haben keine Lust, ihre Kinder nur abends oder erst schlafend zu sehen. Vätern muss es ganz selbstverständlich möglich sein, für ihre Kinder da zu sein. Dafür brauchen wir vor allem einen Kulturwandel in den Unternehmen. Das geht nur durch Vorbilder. Deswegen müssen wir jeden Vater bestärken, der sein Recht oft gegen starke Widerstände in seiner Firma durchsetzt. Ich kann mir aber auch etwas Vergleichbares wie den Mutterschutz auch für Väter vorstellen. Sie könnten dann nach der Geburt der Kinder ebenfalls eine gewisse Zeit beruflich aussetzen. Das hilft den Müttern und stärkt die Beziehung zwischen Vätern und Kindern. Je früher Väter Verantwortung übernehmen, desto mehr tun sie das auch im späteren Leben eines Kindes. Das ist wissenschaftlich belegt. …“

Damit greift sie einen Gedanken bzw. eine Forderung auf, die schon fast 40 Jahre diskutiert wird.

Bereits in der ersten Lesung zur Einführung des Mutterschaftsurlaubs im März 1979 wird unter Bezugnahme auf die Wünsche junger Familien, eine partnerschaftliche Aufgabenteilung zu leben, von den Rednern und Rednerinnen der Regierungsparteien (SPD und FDP) bedauert, dass aus abstimmungstaktischen Gründen, Väter von dem geplanten Vorhaben ausgeschlossen werden müssen. Wenig später äußerte die Abgeordnete Matthäus-Maier (FDP) im Bundestag: Eine Wahlmöglichkeit der Eltern wäre „ein guter Beitrag zur Auflockerung der starren Rollenverteilung gewesen, … die wir ja heute immer noch haben. … bei einer alternativen Möglichkeit für Vater oder Mutter wüßte ja ein Arbeitgeber, der eine junge Frau einstellt, nicht, ob nicht möglicherweise, wenn die Frau schwanger wird, der Vater den Elternurlaub in Anspruch nimmt, so daß auf diese Weise die Gefahr der Benachteiligung verringert würde. … Aber eines ist klar: Bei der wachsenden Erkenntnis gerade auch junger Väter, daß es für sie nicht nur eine Pflicht ist, an der Kindererziehung teilzunehmen, sondern daß sie sich damit ein Recht nehmen, das ihnen jahrhundertelang verweigert worden ist: sich um ihre Kinder zu kümmern.“

Es sollte noch fast 30 Jahre dauern, bis mit den Partnermonaten ein vergleichbarer Anspruch verwirklicht wurde. Dabei haben die ‚Papawochen‘ unmittelbar nach der Geburt noch eine andere bedeutsame Wirkung. Eine im Februar 2015 vorgelegte Studie des Beratungsunternehmens EY und des in Washington ansässigen Peterson Institute for International Economics in fast 22.000 Unternehmen in 91 Ländern zeigt: „Perhaps surprisingly, mandated maternity leave is not correlated with female corporate leadership shares, though paternity leave is strongly correlated with the female share of board seats.”

Das für die Auftraggeber überraschende Ergebnis, der Zugang zu Papamonaten bzw. –wochen hat eine signifikante Auswirkung auf den Anteil von Frauen in Führungspositionen oder anders ausgedrückt: In dem Maße wie Väter an das Unternehmen gebunden werden, geschieht dies mit Frauen an Haushalt und Kinder.

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Väter sind keine Babysitter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 16. August 2017

Das macht u.a. Jeremy Martin Weber, Vater von sechs Töchtern in seinem Blog deutlich. Im Mai postete er dort ein Foto von seiner Frau, wie diese am Flughafen zu einer mehrtägigen Geschäftsreise aufbricht. Dazu schreibt er: “Wer wird jetzt:

  • für meine Kinder kochen
  • dafür sorgen, dass sie pünktlich zur Schule kommen
  • Kleidung für die beiden Jüngsten heraussuchen?
  • ihre tägliche Routine aufrechterhalten
  • sie in den Arm nehmen, wenn sie es brauchen, ihre blauen Flecken küssen und ihre Kratzer versorgen
  • sie trösten, wenn sie Alpträume haben
  • ihnen helfen, Streitereien mit ihren Geschwistern zu lösen
  • jedem kleinen Detail zuhören, wenn sie von ihrem Tag berichten
  • ihnen vorlesen, sie ermutigen, draußen zu spielen oder gemeinsam mit ihnen spielen
  • meine Teenager-Töchter unterstützen und ermutigen, ihnen bei ihren “Frauenproblemen” zuhören und über ihre Beziehungskrisen sprechen
  • ihnen ein freundliches, liebevolles, geduldiges, einfühlsames, starkes, mutiges Vorbild sein

Wer wird all das machen, während ihre Mutter weg ist? Ich. Ich werde das machen. Denn ich bin nicht ihr Babysitter. Ich bin auch nicht bloß ihr Spielgefährte. Ich bin ihr Vater. Und mich um meine Töchter zu kümmern und sie zu erziehen ist meine Verantwortung. Ich liebe diese Verantwortung – mit all ihren Schwierigkeiten.

Das Haus wird nicht auseinanderfallen oder im Chaos versinken und die Kinder werden nicht verderben, weil ich auf sie aufpasse. Und nein, ich verdiene dafür niemandes Lob oder Bewunderung. …“

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Väter im Work-Live Konflikt

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 28. Juli 2017

Zu den Glaubensätzen in der Diskussion über die Vereinbarkeit von Familie Arbeit und Leben zählt, dass in erster Linie Frauen unter der Doppelbelastung leiden. Die gängigen Bilder zeigen gestresste Mütter, die sich zwischen den Ansprüchen von Kindern und Arbeitgebern zerreiben, während Väter ihre berufliche Entwicklung verfolgen und sich dabei scheinbar nicht von den Bedürfnissen ihrer Familien irritieren lassen. Doch dabei handelt es sich um eine Legende, wie eine Studie, die Forscher um Kristen Shockley im Journal of Applied Psychology veröffentlicht haben, nachweist.

Shockley

Für die Arbeit wertete das Team um die Psychologin mehr als 350 Einzelstudien mit insgesamt etwa 250 000 Teilnehmern aus. Etwa die Hälfte der analysierten Studien stammt aus den USA, die anderen aus Europa und Asien. „Im Wesentlichen haben wir kaum belastbare Beweise dafür gefunden, dass Frauen und Männer in unterschiedlichem Ausmaß durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie belastet werden”, sagt Shockley.

Geringe Unterschiede identifizierten die Forscher nur bei Doppelverdienerpaaren: In dieser Konstellation klagten Mütter geringfügig häufiger darüber, dass Familienangelegenheiten ihre Arbeit beeinträchtigten; und Väter, dass die Arbeit ihr Familienleben störe. Doch diese Differenzen seien so gering, dass sie kaum praktisch relevant seien, so die Forscher.

Die Ergebnisse stehen in starken Kontrast zur öffentlichen Wahrnehmung der Problematik. Das Thema werde in den Medien fast ausschließlich als Frauenthema diskutiert, so Shockley. Dadurch drehe sich die Diskussion im Kreis: “Frauen hören von anderen Frauen, dass sie mit dem Problem kämpfen und alleine dadurch entsteht die Erwartung, dass sie größere Schwierigkeiten haben werden als Männer, Beruf und Familie zu vereinbaren”, sagt die Psychologin.

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Rolle vorwärts – Vom PR-Manager zum Vollzeitvater

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. Juni 2017

Väter wollen heute mehr Zeit für die Kinder. So konsequent wie Sebastian sind jedoch die wenigsten: Seinen Job als PR-Manager für eine Whiskeymarke gab er vor der Elternzeit auf. Statt um Events mit Rockstars und Festival-Aktionen kümmert er sich seitdem um Kind und Haushalt.

Anfangs war die Umstellung groß. “Der Alltag mit Kind ist fremdbestimmt. Privatsphäre oder etwas Zeit, um mal eine Serie zu gucken, hat man erst, wenn der Lütte im Bett liegt”, sagt er. Auch der Austausch mit Kollegen und die Herausforderungen im Job fehlten ihm manchmal – gerade in der Zeit als sein Sohn noch nicht sprechen konnte. Für Sebastian allerdings kein Grund zu hadern. “Auch wenn die geistigen Herausforderungen und der Berufsalltag mir schon manchmal fehlen, habe ich keine Minute der Elternzeit bereut. Die Chance das Aufwachsen so hautnah zu begleiten, gibt einem keiner wieder.”

Die Entscheidung, seine Karriere hinten anzustellen fiel ihm leicht: “Ich habe mich als Mann noch nie über eine klassische Versorgerrolle definiert. Ich stand auch früher schon oft in der Küche und habe im Haushalt geholfen.” Klingt toll und total modern. Allerdings steckt Sebastian H. jetzt in einer Position, von der Frauen seit Jahrzehnten dringend abgeraten wird. Denn sie birgt Gefahren: Altersarmut und wirtschaftliche Unsicherheit, falls die Ehe zerbricht.

Eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit erscheint auf den ersten Blick ‚stressiger‘, birgt aber für Väter und Mütter die Chance, das Aufwachsen der Kinder unmittelbar mitzuerleben und zur Wirtschaftlichen Absicherung beizutragen. Der eigenen und der der Familie.

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