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alpha-thema Väter: Papa trau Dich

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 7. Dezember 2018

Wird der Arbeitgeber die Augenbrauen hochziehen, wenn Mann Elternzeit beantragt, werden die Kollegen lästern? Arne B. arbeitet als Mechatroniker bei Bosch. Sieben Monate nimmt er sich frei für sein Kind, danach wird er in die Firma zurückkehren. Selbst für ein Unternehmen wie Bosch, das als ausgesprochen familienfreundlich gilt, ist das eine Herausforderung. Immer mehr Väter wollen in die Elternzeit.

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Doch viele Männer haben auch Angst vor einem Karriereknick und Angst vor der Reaktion des Chefs. Väter brauchen offenbar Mut, um Elternzeit zu beantragen. Ingo S. verlor nach der Elternzeit seinen Job. Sein Chef fand, er kümmere sich zu viel um die Kinder und zu wenig um die Firma. Er habe doch schließlich eine Frau. Als Ingo S. eine Konferenz frühzeitig verließ, um sein krankes Kind aus der Kita abzuholen, folgte die Kündigung. Trotzdem bedauert es Ingo S. nicht, sich Zeit für seine Kinder genommen zu haben.

Inzwischen berichten Personalchefs, dass in Einstellungsgesprächen junge Leute nicht mehr von Dienstwagen und Sekretärin träumen, sondern abfragten, wie sie Familie und Beruf vereinbaren könnten. Immer mehr Firmen reagieren auf solche Wünsche, sogar in klassischen Männerdomänen.

In der Commerzbank gibt es diverse Elternzeitmodelle: Abteilungsleiter Gerd G. hat gerade seine Arbeitszeit auf fünfzig Prozent reduziert, weil er sich mehr um sein Kind kümmern will.

Die Firma VAUDE versucht, mit einer Kita auf dem Firmengelände und flexiblen Arbeitszeiten junge Fachkräfte in die Provinz zu locken und Baufirmen auf der Suche nach Facharbeitern erlauben ihren Maurern flexible Arbeitszeiten, damit die sich um ihre Kinder kümmern können. Bei Arne B. hat es geklappt mit der Elternzeit. Die Firma kann es sich nicht leisten, auf ihre Mechatroniker und Ingenieure zu verzichten. 5000 Patente werden bei Bosch jährlich angemeldet, 20 pro Arbeitstag. Das Wissen der Mitarbeiter soll nicht an der Wickelkommode enden. Was hat er in der Elternzeit gelernt? Mehr Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis, sagt Arne B. und davon profitiere auch die Firma. Also: Papa trau dich!

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Mit familienfreundlichen Unternehmenskulturen Fachkräfte gewinnen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. November 2018

mitvaeternrechnenBeim Unternehmenstag des Netzwerks „Erfolgsfaktor Familie” am 8. November ging es um das Thema Unternehmenskultur.

„Die demografische Entwicklung und der damit verbundene Mangel an qualifizierten Fachkräften erfordert die Nutzung aller verfügbaren personellen Ressourcen, insbesondere auch die der Berufsrückkehrer und Berufsrückkehrerinnen. Dass diese Potenziale momentan noch nicht optimal genutzt werden liegt neben schlechten Rahmenbedingungen, zum Beispiel fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen und Ganztagsschulen vor allem auch an traditionellen Rollenvorstellungen.

Die klassischen Rollenmodelle sind aber im Wandel begriffen, Unternehmen ‚hinken’ der gesellschaftlichen Entwicklung aber hinterher. Es fehlt, insbesondere auf der Führungsebene an erfolgreichen Vorbildern, an Role Models, die neues ausprobieren oder zumindest aktiv fördern.

Männer sind seit langem bereit mehr Verantwortung in Familie zu übernehmen. Dies ist einerseits Voraussetzung für eine partnerschaftliche Aufgabenteilung von Erwerbs- und Familienarbeit im System Familie andererseits aber auch unabdingbare Bedingung für eine Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt, die Überwindung des Gender Pay Gap und einer gelingenden Berufsrückkehr der Partnerinnen

Die Umsetzung dieser Vorstellungen scheitert oftmals an beruflichen Anforderungen und der vorherrschenden Anwesenheitskultur bzw. dem Anspruch der uneingeschränkten zeitlichen und räumlichen Verfügbarkeit gegenüber Männern (und Frauen) die im Unternehmen Karriere machen möchten. Durch traditionelle Rollenvorstellungen geprägte Unternehmenskulturen erlauben Männern bislang in der Regel nicht, für Familie, Partnerschaft oder Fürsorgeaufgaben zeitweise beruflich ‘kürzer zu treten’ ohne Einschnitte in der beruflichen Entwicklung zu erleben.

Nachhaltige Veränderungen in dem Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden erst dann erreicht werden können, wenn das Thema als strategische Aufgabe in den Unternehmenszielen verankert wird. Insbesondere im Hinblick auf das Thema Väter im Unternehmen und der Vorbildfunktion der Führungskräfte kommt es auf eine klare Positionierung der Führungskräfte an.“

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesfamilienministerium mit Wirtschaftsverbänden, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Bundesverband der Personalmanager Leitlinien für eine familienorientierte Unternehmenskultur entwickelt. Sie bilden kulturprägende Elemente wie Strategie, Vielfalt, Kommunikation und Verbindlichkeit ab, an denen Betriebe sich orientieren können, wenn sie Familienfreundlichkeit stärker in der Unternehmenskultur verankern wollen. Auf dieser Grundlage wird derzeit der Fortschrittsindex Vereinbarkeit erarbeitet. Er soll Betriebe dabei unterstützen, Familienfreundlichkeit Jahr für Jahr zu messen und die Fortschritte so sichtbar zu machen.

Zwischen dem zitierten Text und der Pressemitteilung des BMFSFJ zum Unternehmenstag liegen 11 Jahre. Es handelt sich um die von mir beschriebene Ausgangslage für ein Projekt mit den Stadtwerken Bielefeld in dem es um das Thema väterbewusste Unternehmenskultur und die Möglichkeiten, eine solche zu entwickeln, ging. Einerseits freut es mich natürlich, dass das Thema jetzt auch vom Unternehmensnetzwerk Familie aufgegriffen wird, andererseits ist viel Wasser den Rhein runtergeflossen.

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Elternzeit ist ein Gewinn für die Gleichstellung der Geschlechter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Oktober 2018

In Kombination mit dem Ausbau der Betreuungsinfrastruktur hat es das Elterngeld für Mütter attraktiver gemacht, früh in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Gleichzeitig haben die Partnermonate dazu geführt, dass auch zunehmend mehr Väter in Elternzeit gehen.

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Geschlechterrollen in Deutschland grundlegend geändert. War es in den 1960er-Jahren noch der Normalfall, dass Frauen nur bis zur Eheschließung oder längstens bis zur Geburt des ersten Kindes erwerbstätig waren und sich dann ausschließlich um die Belange der Familie kümmerten, streben sie in den letzten Jahrzehnten eine immer gleichberechtigtere Teilhabe am Arbeitsmarkt an.

Um den Frauen nach der Geburt ihrer Kinder den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern, wurde die familienpolitische Förderkulisse in den letzten Jahrzehnten sukzessive reformiert. Ein zentraler Schritt war die Weiterentwicklung des Erziehungsgelds zum Elterngeld im Jahr 2007, mit dem einerseits ein finanziell gut abgesicherter Schonraum für die Familien im ersten Lebensjahr des Kindes geschaffen und andererseits eine frühe Rückkehr der Mütter in den Arbeitsmarkt gefördert werden sollte (BMFSFJ, 2008). Ergänzt wurde es durch den Ausbau der institutionellen Betreuungsangebote für unter Dreijährige seit den 2000er–Jahren und den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab zwölf Monaten seit dem Jahr 2013.

Dass diese Maßnahmen tatsächlich erfolgreich waren, zeigt die in der Abbildung dargestellte Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Müttern in den ersten Lebensjahren ihrer (jüngsten) Kinder. Während im Jahr 2017 deutlich weniger Mütter im ersten Lebensjahr des Kindes am Arbeitsmarkt aktiv waren als noch im Jahr 2006, stieg der Anteil im zweiten Lebensjahr des Kindes um rund 10 Prozentpunkte an. Im dritten Lebensjahr des Kindes lag er sogar um über 15 Prozentpunkte höher. Dabei arbeiten heute auch mehr Mütter bereits wenige Jahre nach der Geburt wieder in Vollzeit.

Um die Gleichstellung noch stärker zu fördern und für die Väter einen Anreiz zu schaffen, sich in größerem Maße an den familiären Aufgaben zu beteiligen, wurden mit dem Elterngeld die sogenannten Partnermonate eingeführt. Mit ihnen erhöht sich die maximale Bezugsdauer für Paarfamilien von zwölf auf 14 Monate, wenn beide Elternteile für mindestens zwei Monate in Elternzeit gehen und Elterngeld beziehen.

Allerdings so merkt der Autor des IW Kurzberichts Wido Geis-Thöne an, nutzen die meisten Väter die für sie vorgesehenen Partnermonate. Die an sich naheliegende Konsequenz, diese auf mindestens 4 Monate zu erhöhen oder in Gesetz grundsätzlich eine Parität, 7 Monate für die Mütter und 7 Monate für die Väter zu verankern, thematisiert er nicht.

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Beziehungen gewinnen an Bedeutung

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 25. August 2018

Ein beruflicher Aufstieg ist nur noch 41 Prozent der Studierenden wichtig – 2016 lag die Zahl noch bei 57 Prozent. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Nach Ansicht der Berater hängt der Rückgang mit der guten wirtschaftlichen Lage des Landes zusammen: 92 Prozent der Befragten gehen davon aus, nach ihrem Abschluss schnell einen Job zu finden.

Ebenfalls gefallen sind die Werte für die Bedeutung von Freizeit und Sport, die Bedeutung von Freunden und dem sozialen Umfeld stieg hingegen, vor allem bei den männlichen Befragten. Die Wichtigkeit von Familie bleibt unverändert am höchsten.

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Teilzeit im Topmanagement

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 23. Juli 2018

„Für mich ist es selbstverständlich und normal, dass man sich in einer gleichberechtigen Partnerschaft die Familienarbeit teilt und gleichzeitig vollen Einsatz im Berufsleben zeigt“, so die klare Ansage des vierfachen Vaters und AXA-Geschäftsleitungsmitglieds Thomas Gerber. Der Leiter des Bereichs Vorsorge arbeitet 80 Prozent und ist damit in der Schweiz eine Ausnahmeerscheinung: Gemäß einer Studie der Hochschule Luzern sind auf Geschäftsleitungsebene gerade mal zwei Prozent in einem Teilzeitpensum tätig.

Den Schritt in die Teilzeitarbeit machte Thomas Gerber vor sechs Jahren. Damals kehrte er mit seiner Familie aus Deutschland zurück in die Schweiz und wurde Geschäftsleitungsmitglied der AXA Winterthur. «Ich habe mit dem damaligen CEO ausgemacht, dass ich eine einjährige Probezeit mache und schaue, ob es funktioniert – und das hat es».

Thomas Gerber betreut jeweils einen ganzen Tag oder zwei halbe Tage pro Woche seine zwei jüngeren Kinder. „Ich bin dann zu Hause, koche meinen mittlerweile 13- und 15-jährigen Kindern Mittagessen, helfe bei den Schulaufgaben und mache im Haushalt, was ansteht.“ Und wenn es die Zeit zulässt, dann geht der passionierte Hobbysportler joggen oder spielt Tennis. Für den Topmanager ist sein Familienleben und sein Erwerbsmodell eine wertvolle Ressource: „Meine Teilzeittätigkeit ermöglicht es mir, regelmäßig eine gewisse Distanz zu gewinnen, abzuschalten und einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. Dieser Freiraum hilft mir, im Kopf agil zu bleiben. Davon profitiere nicht nur ich, sondern auch das Unternehmen.“

Damit dieses Modell funktioniert, gibt es ein paar Regeln, die Thomas Gerber einhält. Eine davon ist die Erreichbarkeit: „Ich bin in dringenden Fällen erreichbar; auch wenn ich zu Hause bin. Oft reicht ein kurzes Telefonat aus, damit wichtige Dinge geklärt sind.“ Hilfreich dabei sind die Technologien, die ein orts- und zeitunabhängiges Arbeiten ermöglichen und natürlich, dass er die Arbeitszeit flexibel einteilen kann. Weiter hat es sich für den 54-Jährigen bewährt, dass er intensive Phasen zum Ausgleich mit Ferien kompensieren kann. Denn für ihn gilt: „Als Geschäftsleitungsmitglied übernehme ich unverändert Verantwortung.“

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Die 50 besten Arbeitgeber für Väter in den USA

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 20. Juni 2018

In diesem Jahr hat Fatherly bereits zum vierten Mal das jährliche Ranking „50 Best Places to Work to Work for New Dads” erstellt. In dieser Zeit wurden bei den erfolgreichsten amerikanischen Unternehmen eine ermutigende Anzahl positiver Änderungen an den Unterstützungsangeboten für Eltern vorgenommen. Dies hat zu einer Reihe von Änderungen und Ergänzungen in der Liste geführt. Diese Änderungen sind auch das Ergebnis von Anpassungen der Beurteilungskriterien, die nun besser darauf ausgerichtet ist, die Erfahrungen neuer Väter widerzuspiegeln und nicht mehr nur die Anzahl der Vergünstigungen. Was bedeutet das? Kurz gesagt, dass dieses Ranking den Vaterschaftsurlaub berücksichtigt, aber auch Unternehmen mit Wiedereinstiegsangeboten, flexiblen Arbeitszeiten und, noch wichtiger, Kinderbetreuungsangeboten hervorhebt.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass alle Unternehmen auf dieser Liste ihren Mitarbeitenden außergewöhnliche Angebote machen und sich sehr um die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter und deren Familienangehörigen bemühen. Es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Tatsache, dass diese Unternehmen diese Angebote machen, auf das Fehlen einer national bezahlten Elternurlaubspolitik und den Mangel an Vaterschaftsvergünstigungen für amerikanische Arbeitnehmer zurückzuführen ist.

Diese Liste ist auch ein Grund zur Hoffnung. Die meisten der auf dieser Liste aufgeführten Unternehmen haben in den Jahren 2017 und 2018 ihre Sozialleistungspakete für neue Väter oder Mütter aktualisiert. Die Erfahrungen von Fatherly zeigen, dass auch viele Unternehmen, die es nicht auf die Liste geschafft haben, Vätern Angebote machen. Es ist ein kultureller Wandel im Gange und das ist eine gute Nachricht für berufstätige Väter.

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Vor- und Nachteile – Wie flexible Arbeitszeitarrangements und Vaterschaft die Arbeitszeiten von Männern beeinflussen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 23. April 2018

Obwohl Väter zunehmend mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und familiäre Aufgaben übernehmen möchten, arbeitet der Großteil nach der Geburt eines Kindes weiterhin in Vollzeit. Flexible Arbeitszeitmodelle könnten hierbei eine wichtige Rolle spielen, um Beruf und Familie bei Vätern besser zu vereinbaren.

Auf Basis von Daten des Sozioökonomischen Panels und mit Fixed-Effects-Regressionsmodellen untersuchen Susanne Wanger und Ines Zapf, inwieweit sich flexible Arbeitszeitmodelle auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden von Männern und Vätern auswirken. Die Ergebnisse zeigen, dass bei einem Wechsel von festen zu flexiblen Arbeitszeitmodellen die Arbeitszeit von Männern zunächst ansteigt.

Dieser Anstieg ist für Männer mit Kindern geringer als für kinderlose Männer. Wird ein Mann Vater und wechselt im gleichen Jahr zu Gleitzeit mit Arbeitszeitkonto oder selbstbestimmten Arbeitszeiten, dann reduziert sich die tatsächliche Arbeitszeit kurzfristig. Die vorliegende Studie zeigt, dass arbeitnehmerorientierte Arbeitszeitmodelle dazu beitragen können, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Vätern zu verbessern, auch wenn der Rückgang der Arbeitszeit bei Vätern noch relativ klein ist.

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Verschiedene Forschungsergebnisse zeigen, dass Männer nach der Geburt eines Kindes ihre Arbeitszeit erhöhen, wenn die Partnerin die Erwerbstätigkeit unterbricht. Bleibt die Partnerin dagegen erwerbstätig, verringern sie diese jedoch. Vor diesem Hintergrund gehen Wanger und Zapf davon aus, dass Männer, die Vater werden und arbeitnehmerorientierte flexible Arbeitszeitregelungen nutzen können, ihre tatsächlichen Arbeitszeiten verringern.

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‚Vereinbarkeit‘ – es kommt darauf an, was Vater daraus macht Teil II

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 9. April 2018

Die Balance zwischen Beruf und Privatleben ist nach Nigel Marsh zu bedeutend, um sie Ihrem Arbeitgeber zu überlassen.

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Angst vor Karrierenachteilen ist unbegründet

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 29. März 2018

Daniel Jagar, Senior Manager bei KPMG in Frankfurt, einem der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen in Deutschland berichtet in einem Interview für den Blog der Initiative ‚Memorandum für Frauen in Führung‘ über seine viermonatige Elternzeit und sein selbstbewusstes Vatersein:

„Elternzeit bei Vätern wird immer beliebter, allerdings nehmen die meisten … zwei Monate Elterngeld in Anspruch. Wie kam es, dass Sie länger zu Hause geblieben sind?

Ich habe auch ein bisschen herumgefragt und es hat mich wirklich verblüfft, dass niemand länger als zwei Monate zu Hause geblieben ist. Bei vielen mag das finanzielle Gründe haben. Bei uns war es so, dass meine Frau, die auch bei KPMG arbeitet, gerne im Winter vor Beginn der Busy Season wieder einsteigen wollte, um den Kontakt zu ihren Kunden zu halten – da habe ich die restliche Zeit bis zum Kitastart überbrückt und vier Monate Elternzeit genommen. Und festgestellt, dass ein Projekt auch mal ohne mich funktioniert und meine Teamkollegen diese Monate dankenswerter Weise gut überbrückt haben. Man meint ja immer, man sei in so viele Dinge involviert, dass gar nichts mehr ohne einen gehen würde. Aber klar geht das. …

Welche Befürchtungen hatten Sie vor Karrierenachteilen durch die Elternzeit?

Ich glaube, die Zeiten sind vorbei. Auch in der Beraterbranche kann man zum Kunden offen sagen: Wir sind ein großes professionelles Team, Ihre Belange werden immer erfüllt und es ist immer jemand für Sie erreichbar – auch wenn das von 16 bis 19 Uhr nicht immer ich sein werde.

Wie haben Sie Ihre Elternzeit im Unternehmen und mit Ihren Kunden kommuniziert?

Im Team habe ich ganz offen gesagt, dass ich plane, vier Monate weg zu sein, aber eine ordentliche Übergabe mache und telefonisch erreichbar bleibe. Das wurde durchweg positiv aufgenommen. Kollegen, mit denen ich seltener in Kontakt bin, habe ich proaktiv eine E-Mail geschrieben und meine Kunden habe ich angerufen. Ich wollte nicht, dass sie eine Abwesenheitsnotiz erhalten und nicht wissen, ob ich krank bin, verreist oder ins Ausland versetzt wurde. Die meisten haben sich gefreut, manche waren verblüfft, aber alle fanden es gut.

Was raten Sie Vätern, die gerade vor der Entscheidung stehen, ob und wie lange sie Elternzeit nehmen sollen?

Auf jeden Fall machen. Es lohnt sich. Mein Tipp ist, selbstbewusst damit umzugehen und offen kommunizieren, wann und wie lange eine Elternzeit geplant ist. Die Angst vor Karrierenachteilen ist unbegründet. Ich mag nicht ausschließen, dass es im Einzelfall noch so ist, aber bei modernen Arbeitgebern sind diese Zeiten vorbei.

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Vereinbarkeit – erst simulieren, dann leben

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. März 2018

Alle reden von der Work-Life-Balance. Und viele bleiben auf der Suche nach dem Gleichgewicht, nach der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben, doch erfolglos. Den Begriff Work-Life-Balance hält der Arbeitssoziologe Stefan Paulus allerdings für einen schwammigen Begriff. Der suggeriere, dass Arbeit nur Erwerbsarbeit sei, nur Job, und dass im wahren Leben gar keine Arbeit stattfände. ‚Das ist ein Unsinn. Kinderbetreuung, Pflege der Angehörigen, sich generell um Menschen und sich selber zu kümmern, ist auch Arbeit. Wir nennen es Sorgearbeit‘, sagt Paulus.

Das alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht. Vor allem junge Väter haben Mühe mit der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Privatleben. Und auch viele alleinerziehende Mütter landen in einem Burn-out, auch weil ihnen schlicht ein Partner fehlt, der zum Einkommen beiträgt. Gequält werden zudem viele wegen der dauernden Erreichbarkeit. «In einem Forschungsprojekt haben wir das Switchen genannt. Dieses ewige Hin und Her im Kopf. Laufend werden uns Informationen zugetragen, die wir verarbeiten müssen. Die Erreichbarkeit zwingt uns, dauernd zwischen verschiedenen Kontexten hin und her zu switchen. Das führe oft in Handlungswidersprüche. Ein Vater will einerseits ein guter Mitarbeiter sein, andererseits aber auch ein fürsorglicher Vater, der seine Kinder aufwachsen sieht.

‚Insbesondere Väter haben Mühe, über ihre ­Vereinbarkeit zu sprechen‘, sagt Paulus. Schwierig machen es ihnen Rollenbilder, in denen es besser ist, von einem Marathonlauf zu erzählen als vom Besuch des Kasperli-Theaters mit seinen Kindern. Nur kein Softie sein und als halber Mann zu gelten.

Für Paulus ist nicht nur die ständige Erreichbarkeit, sondern auch die Beschleunigung ein Problem. ‚Wir müssen immer mehr leisten innert kürzerer Zeit. Das führt zu einer Dynamik, die nicht mehr zu steuern ist. Die einen schaffen es, die Notbremse für sich zu ziehen, die anderen fallen in ein Burn-out‘, sagt Paulus.

Soziologen der Fachhochschule St. Gallen um Stefan Paulus haben deshalb einen Vereinbarkeits-Simulator entwickelt. Mit dem Vereinbarkeits – Simulator soll der Nutzer erkennen, was seine Belastungen und Wünsche sind. Der Simulator zeigt den Nutzern Konflikte, Unzufriedenheiten und messbare Belastungen, vor allem Zeitbelastungen. Anschließend schlägt der Simulator einen Plan vor, wie man vom Ist-Zustand zu einem erwünschten Soll-Zustand kommen kann.

Die Nutzer zeigen den Plan zuerst ihrer Familie, um dort eine Vereinbarung zu treffen. Danach ist der Zeitpunkt gekommen, um mit dem Chef darüber zu reden. Vielleicht um ein neues Arbeitsorganisationsmodell zu gestalten. Sollte weder mit der Familie noch mit den Vorgesetzten eine Einigung erzielt werden, kann der Nutzer damit noch einmal den Simulator füttern und einen erneuten Versuch machen.

Ein Gleichgewicht kann laut Paulus nur hergestellt werden, wenn man das Leben mit Erwerbsarbeit und Privatem als Ganzes betrachte.

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