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Archiv für die 'Politik' Kategorie

Ein (zu) kleiner Schritt für uns – aber ein großer für die Schweiz

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 2. Oktober 2019

Anlässlich des Beschlusses, das Volksbegehren zur Einführung eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs abzusagen, damit die vom Bundesrat beschlossenen 10 Tage wirksam werden zu lassen erklärt Markus Gygli, Präsident von männer.ch:

„Das Initiativkomitee hat heute – gegen das überzeugte Engagement der männer.ch-Vertretung – beschlossen, die Initiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub zurückzuziehen. Wenn kein Referendum folgt, tritt der Gegenvorschlag in Kraft und die Schweiz hat zum ersten Mal in der Geschichte einen Vaterschaftsurlaub. Zumindest von 10 Tagen.

Dank dem Engagement von männer.ch werden in naher Zukunft 80’000 frisch gebackene Väter in der Schweiz neu 10 Tage für ihre Familie da sein können. Dank männer.ch investiert die Schweiz jährlich 200 Millionen Franken in väterliches Engagement. 

Das ist ein extremer Sprung gegenüber der heutigen Situation, in der Väter am Tag nach der Geburt zurück im Büro erwartet werden, so als sei nichts geschehen. Das ist nach der erfolgreichen Revision des Sorgerechts und des Unterhaltsrechts der dritte grosse politische Erfolg unserer Organisation. Und doch… 

Ich muss natürlich ehrlich zugeben: Es gelingt mir erst in gewissen Momenten, mich über diesen Erfolg zu freuen. Zu schwer wiegt die Enttäuschung darüber, dass männer.ch allein auf verlorenem Posten kämpfte, als wir heute den Rückzug unserer Volksinitiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub diskutiert haben. Alle drei Mitträger der Initiative – TravailSuisse, Pro Familia Schweiz und Alliance F – haben andere Prioritäten gesetzt: Zu gross war die Befürchtung, dass ein Scheitern an der Urne das Ringen um eine vernünftige Elternzeit in der Schweiz um Jahre zurückwerfen könnte. Zu wenig vermochten wir mit unserem Kernargument durchzudringen, dass es zuerst eine bewusste Massnahme braucht, um Väter zurück in die Familien zu bringen, bevor eine Elternzeit auch wirklich die versprochene Gleichstellungswirkung haben kann. Es gibt nichts schönzureden: Auch wenn wir uns mit aller Kraft dafür eingesetzt haben, dass sich die Schweizer Bevölkerung zum Vaterschaftsurlaub äussern kann – wir sind als Organisation zu klein und progressive Männer als Wählergruppe (noch) zu unbedeutend, als dass wir im politischen Powergame die entscheidenden Trümpfe zücken könnten.

Aus meiner Sicht stehen jetzt zwei Dinge an: 

Erstens müssen wir mit frischem Elan darum besorgt sein, dass ein künftiges Elternzeitprojekt die Väter paritätisch mit einbezieht. Denn aus internationalen Erfahrungen wissen wir: Damit sie für Väter attraktiv ist, muss Elternzeit relativ hoch entschädigt werden und einen exklusiven Anteil für Väter vorsehen. Sonst schlägt die Traditionsfalle zu – und die Mütter bleiben noch länger weg vom Arbeitsmarkt als heute. 

Zweitens sollten wir die Erfahrung zum Anlass nehmen, uns in der Tugend zu üben, uns über Erreichtes zu freuen statt Verpasstes zu betrauern. Natürlich dürfen wir unserer Enttäuschung Raum geben. Aber wir sollten uns nicht so von ihr einnehmen lassen, dass wir vergessen, Freude und vielleicht sogar etwas Stolz zu verspüren. Denn seien wir auch da ehrlich: Ohne unsere Volksinitiative hätte das Parlament niemals zumindest diese 10 Tage Vaterschaftsurlaub gewährt. Und vielleicht noch wichtiger: Ohne unsere Volksinitiative wäre es im politischen Diskurs nicht so schnell so uncool geworden, die Notwendigkeit und Bedeutung alltagsnaher väterlicher Präsenz in Frage zu stellen.  In diesem Sinn: Stossen wir mit unseren halbvollen Gläsern an und freuen uns. Für uns ist es ein (zu) kleiner Schritt – für die Schweiz ist es ein grosser.

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Unterhaltsvorschuss – Die meisten Väter können nichts zurückzahlen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. September 2019

In den meisten Fällen kann der Staat den Unterhaltsvorschuss für Kinder von Alleinerziehenden nicht zurückfordern. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) präsentierte am Donnerstag in Berlin neue Berechnungen ihres Ministeriums, wonach 61 Prozent der unterhaltspflichtigen Elternteile finanziell gar nicht in der Lage sind, für ihre Kinder aufzukommen. In 90 Prozent aller Fälle sind das die Väter.

Den staatlichen Vorschuss erhalten Kinder von Alleinerziehenden, wenn der andere Elternteil nicht zahlt. Aufgabe der Finanz- und Jugendämter ist es, zu überprüfen, ob der Vater Unterhalt zahlen kann und den Vorschuss zurückzufordern. Andernfalls kommt der Staat dauerhaft für den Unterhalt auf.

Giffey sagte, der Rückgriff der Jugendämter auf die unterhaltspflichtigen Elternteile sei nur in 39 Prozent der Fälle möglich. Darauf müssten sich die Behörden konzentrieren. Dass der Staat den Unterhaltsvorschuss für alle Kinder zurückverlangen könne, sei eine „unrealistische Vorstellung“, erklärte die Ministerin.

Nach Giffeys Angaben gaben Bund und Länder im vergangenen Jahr 2,1 Milliarden Euro für den Unterhaltsvorschuss aus. 13 Prozent dieser Summe konnten von den unterhaltspflichtigen Elternteilen zurückgeholt werden. Seit der Reform im Jahr 2017 hat sich nach Angaben des Ministeriums die Zahl der Kinder, die Unterhaltsvorschuss bekommen, auf 805.000 verdoppelt. Die Zahlung wurde um sechs Jahre bis zum 18. Geburtstag verlängert, um die Situation von Alleinerziehenden zu verbessern.

Giffey sagte, nach der Reform sei es zunächst darum gegangen, allen Kindern den Vorschuss zu zahlen, die darauf Anspruch haben. Nun müsse der Fokus darauf gelegt werden, bei den zahlungsfähigen Elternteilen die Rückforderungen durchzusetzen. Bund und Länder hätten daran ein gemeinsames Interesse. Der Bund übernimmt 40 Prozent, die Länder zahlen 60 Prozent der Ausgaben für den Unterhaltsvorschuss.

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Projekt Elterntalk bringt Väter ins Gespräch über den Familienalltag

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. Juni 2019

Avan Azad ist als Moderator im Projekt Elterntalk tätig und unterstützt als Sozialarbeiter zugewanderte oder geflüchtete Familien. Er vermittelt bei sprachlichen Schwierigkeiten und hilft bei Arztbesuchen, beim Ausfüllen von Anträgen und vieles mehr. Tamo Nidal und Kheder Mahmoud haben bereits an einigen Elterntalks bei Avan Azad teilgenommen. Für das Niedersächsische Väterportal berichten sie über das Projekt Elterntalk und ihre Alltagserfahrungen als Familienväter in Deutschland. Die Redaktion sagt Schukran (arabisch), Supaß (kurdisch) und vielen Dank dafür!
Tamo Nidal ist vor vier Jahren mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen. Zur Familie gehören Nidal, seine Frau und acht Kinder, sechs Jungen und zwei Mädchen. Tamo Nidal liebt Musik, er spielt Gitarre und arbeitet in einem Gartenprojekt mit.
Kheder Mahmoud ist ebenfalls aus Syrien nach Deutschland gekommen. Er lebt zusammen mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern hier.
Kontakte zu deutschen Familien suchen beide Väter über Verwandte oder Nachbarn und in Gesprächen mit Menschen auf der Straße.


Frage: Was ist für Sie in Ihrem Alltag in Deutschland wichtig?
Nidal: Es ist wichtig, dass unsere Kinder zur Schule und in den Kindergarten gehen und eine gute Möglichkeit zur Entwicklung haben. Das Lernen ist wichtig, unsere Kinder haben gute Chancen auf Bildung und später auf ein Studium.
Für mich als Vater ist es wichtig, das Wochenende gemeinsam mit meiner Familie zu verbringen. Wir gehen oft auf Spielplätze oder grillen gemeinsam. Die Kinder nehmen auch an Ferienangeboten teil. Ich möchte meinen Kindern gerne ihre Wünsche erfüllen.

Frage: Was ist schwierig in Ihrem Alltag?
Nidal: Die deutsche Sprache zu lernen, ist schwierig für mich. Wenn ich besser Deutsch sprechen könnte, wäre es für mich leichter, das zu erreichen, was ich möchte.
Mahmoud: Ich arbeite viel und habe auch noch viele andere Termine. Leider habe ich wenig Zeit, um die deutsche Sprache zu lernen. Meine Frau lernt mit Hilfe von Büchern, CDs oder Youtube-Videos Deutsch. Und wir lernen die Sprache auch von unseren Kindern, die im Kindergarten Deutsch sprechen.

Frage: Welche Erfahrungen haben Sie beim Elterntalk gemacht?
Nidal: Der Elterntalk ist eine sehr gute Gelegenheit, um viel über gesundes Aufwachsen und den richtigen Umgang mit Medien zu lernen. Ich konnte mich mit anderen Eltern über kulturell unterschiedliche Erziehungsstile und die hier gelebten Wertvorstellungen austauschen. Beim Elterntalk habe ich wichtige Informationen für mich selbst und für meine Familie bekommen. Der Informationsaustausch und die Gespräche mit anderen Eltern waren für mich sehr positiv.
Mahmoud: Ich habe gerne am Elterntalk teilgenommen, denn ich möchte gern Kontakte zu anderen Eltern aufbauen und erfahren, wie es hier in der Erziehung und in den Familien läuft. Ich finde es auch interessant, etwas über andere Religionen und ihre Feste zu erfahren. Es gibt zum Beispiel einige Gemeinsamkeiten zwischen den Bräuchen der Aleviten und christlichen Bräuchen, zum Beispiel beim Osterfest.

Frage: Bringen Ihre Kinder etwas aus der Schule mit, das für Sie neu ist?
Nidal: Ja, sie lernen in der Schule unterschiedliche Kulturen kennen und die verschiedenen religiösen Feiertage. Mein Sohn lädt gerne Freunde ein, zum Beispiel zu Geburtstagsfeiern. Eine ehrenamtliche Helferin unterstützt meine Tochter bei den Hausaufgaben. Der Kontakt zur Schule und die Unterstützung von dort ist sehr wichtig. In Syrien sehen Eltern in der Erziehung manche Dinge anders als es in Deutschland erwartet wird.

Frage: Was wünschen Sie sich für sich selbst?
Nidal: (lacht) Na ja, mit acht Kindern bleibt nicht viel Zeit für eigene Wünsche. Vor allem möchte ich besser Deutsch lernen und Arbeit finden. Ich würde auch gern weiter Musik machen, vielleicht bei Veranstaltungen.
Mahmoud: Ich freue mich darüber, dass ich jetzt einen festen Arbeitsvertrag habe und damit eine bessere soziale Absicherung. Mein Wunsch wäre es, ein eigenes Haus haben zu können, denn in Syrien wurde im Krieg alles zerstört, was wir hatten.

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Eltern bleiben trotz Trennung – Fachtagung zum Doppelresidenzmodell

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Dezember 2018

Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen veranstaltet in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit am 16. Januar eine Fachtagung zum Doppelresidenzmodell: ‚Eltern bleiben trotz Trennung‘

Tagung 16.1.2019

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2 Wochen und 4 Monate für Väter – Petition zur Vereinbarkeitsrichtlinie

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. Dezember 2018

An Bundeskanzlerin Angela Merkel, Familienministerin Franziska Giffey und die Regierungschefs und verantwortlichen Minister/innen von Italien, Frankreich, Polen, Österreich, Niederlande und Ungarn

Appell

Wir fordern Sie auf, das Gesetz zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. Die Abgeordneten des Europa-Parlaments und die Europäische Kommission stimmen bereits zu. Das Gesetz schlägt EU-weite Mindeststandards vor, die Eltern und Pflegenden mehr Rechte einräumen würden: Urlaub, Zulagen, flexible Arbeitszeitgestaltung und 10 Tage bezahlte Väterzeit sowie vier Monate nicht übertragbare Elternzeit für Väter und Mütter. Das Gesetz würde Väter mehr in die Kindererziehung einbinden. Es würde das Leben von Millionen junger Eltern und Pflegender in ganz Europa verbessern, Frauen auf dem Arbeitsmarkt unterstützen und die Geschlechtergerechtigkeit vergrößern.

Warum das wichtig ist

Zeit, die Väter mit ihren Kindern verbringen, ist wichtig für die kindliche Entwicklung. Doch bisher gibt es keinen von der EU geregelten Anspruch auf bezahlten Vaterschaftsurlaub. Jetzt wird ein Gesetz diskutiert, nach dem Vätern vier Monate und 10 Tage Vaterschaftsurlaubzustehen würden. [1] Das Gesetz könnte noch dieses Jahr verabschiedet werden. Leider blockiert auch die deutsche Familienministerin Franziska Giffey den Vorschlag! Wir wollen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu gehört fair bezahlte Elternzeit für alle.

Die Verhandlungen des Ministerrats werden dieses Jahr enden und dann wird das Gesetz zur Freigabe dem Parlament und der Kommission vorgelegt. Wir müssen also in den nächsten Monaten schaffen, dass die Politiker/innen dem Gesetzentwurf zustimmen.

Es ist eine Erfahrung aus ganz Europa. Noch immer verbringen Väter zu wenig Zeit mit ihren Kindern. Verantwortlich für die Kinderbetreuung bleiben vor allem die Frauen. [1] Obwohl viele Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, orientieren sie sich an den gesetzlichen Vorgaben. Die variieren in Europa sehr stark und Väterzeit ist kurz und oft unbezahlt [2]. So ist es für Familien oft ökonomisch vorteilhafter, wenn nur die Mütter Elternzeit nehmen. Männer verlieren so wertvolle Zeit mit ihren Kindern und Frauen haben schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Das neue EU-Gesetz würde immerhin vier Monate bezahlte und nicht übertragbare Elternzeit für beide Elternteile und 10 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub garantieren. Väter wären in der prägenden frühkindlichen Phase präsent. Müttern würde der Weg zurück in den Job einfacher gemacht. Damit würde sich auch die immer noch ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen europaweit angleichen.

Die EU kümmert sich viel um die europäische Wirtschaft, aber ignoriert das alltägliche Leben europäischer Familien. Das könnte sich nun ändern! Dank des neuen Gesetzes könnten Millionen junger Eltern und Pflegender in ganz Europa wichtige Zeit mit ihren Kindern verbringen. Wir alle brauchen eine europäische Wirtschaft, welche der Gesellschaft dient!

Das Gesetz zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie wäre ein Gesetz mit weitreichenden Folgen. [3] Es würde Eltern und Pflegenden wichtige Rechte einräumen. Dazu gehören neue Arten von Erziehungsurlaub, Mindestzuschläge und flexible Arbeitszeiten. Am wichtigsten ist aber, dass beide Elternteile das Recht auf mindestens 4 Monate bezahlte Elternzeit haben, die sie nicht untereinander übertragen können. Dazu soll es 10 Tage bezahlte Väterzeit für die Tage nach der Geburt geben.

Diese Richtlinie würde das Leben von Millionen von Eltern in ganz Europa verbessern. Es würde Männern helfen, sich in ihrer Vaterschaft von Anfang an zu engagieren. Es würde Frauen vor Diskriminierung durch ihre Arbeitgeber/innen schützen.

Nach dem vorgeschlagenen Gesetz würde die zehntägige Väterzeit für heterosexuelle und für gleichgeschlechtliche Paare gleichermaßen gelten. Das Gesetz wäre ein großer Schritt zu einem fairen und wahrhaft progressiven System, auf das wir alle stolz sein könnten.

Hier können Sie die Petition unterschreiben.

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‚Echte Väter‘ aus Herne regen zum Nachmachen an

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. November 2018

Am 8. Oktober 2018 veranstalteten Väter in Köln e.V. und die Fachstelle Väterarbeit NRW in Kooperation mit dem Interkulturellen Dienst des Bezirksjugendamtes Ehrenfeld eine Fachtagung zum Thema „Arbeit mit Vätern“. Vorgestellt wurde unter anderem das Projekt „Echte Väter“ aus Herne, welches das Fachpublikum mit seiner Erfolgsgeschichte begeisterte.

© Jürgen Kura

© Jürgen Kura

Praxisnah voneinander lernen und im Austausch miteinander Anregungen für die eigene Arbeit vor Ort finden – unter diesem Gedanken trafen sich Fachkräfte, Interessierte sowie Multiplikatoren und Multiplikatorinnen zum Thema „Interkulturellen Väterarbeit“ im Bürgerzentrum Ehrenfeld in Köln. Das erfolgreiche Praxisbeispiel „Echte Väter“, das Initiator Gürkan Uçan persönlich vorstellte, bot Einblicke in gelingende Väterarbeit und diente als Ausgangspunkt für die anschließende Diskussion. Den thematischen Rahmen setzte in seiner Einführung Dr. Michael Tunç, Experte für emanzipative, rassismuskritische Männer- bzw. Väterarbeit und -politik.

Das Bild von der Rolle des Vaters in der Familie hat sich in der deutschen Gesellschaft stark gewandelt – doch nicht nur dort. Auch immer mehr Männer mit Migrationshintergrund überdenken die traditionellen Einstellungen aus ihren Herkunftsländern. Gürkan Uçan, Mitarbeiter des Kommunalen Integrationszentrums (KI) der Stadt Herne, erkannte die Herausforderungen, die dadurch für Väter entstehen können, und gründete 2007 das Projekt „Echte Väter“. Ziel des Projektes ist, die Männer auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis zu unterstützen, denn „Echte Väter“ möchten Vorurteile abbauen, Väter aktivieren, sich gegenseitig entlasten und ihre Potenziale in der Väterarbeit nutzen.

Das Projekt „Echte Väter“ wurde im Jahr 2007 konzipiert und mit der Zeit immer weiter ausgebaut. Gürkan Uçan bewies dabei einen langen Atem. Nachdem zum ersten Treffen nur drei Männer erschienen waren, lud er zum nächsten Termin nicht mehr per Flugblatt ein, sondern sprach die Väter direkt an. Die Idee ging auf und schon bald versammelten sich 20 interessierte Männer, um sich in die Väterbildungsgruppe einzubringen. Mittlerweile ist das Projekt so erfolgreich, dass es in Herne derzeit zehn parallel laufende Vätergruppen gibt, die überwiegend in Herner Grundschulen stattfinden. …

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Das Recht des Kindes auf Familie nach Trennung der Eltern gewährleisten

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 23. November 2018

Geteilte Elternschaft im Wechselmodell nach einer Trennung oder Scheidung, Kinderrechte und die Aufgabe der Staaten bei der Sicherstellung des Kindeswohls sind die zentralen Themen der 4. Internationalen Konferenz über geteilte Kinderbetreuung, die am 22. und 23. November 2018 unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs des Europarates stattfindet.

Aufgrund der historisch niedrigen Heiratsraten, der verhältnismäßig hohen Zahl gescheiterter Ehen und Beziehungen sowie des Wandels des Wesens und der Definition der Familie ist die Debatte über geteilte Elternschaft besonders aktuell.

Die Konferenz wird hauptsächlich vom „Internationalen Rat für die Paritätische Doppelresidenz“ (ICSP) organisiert. Dem ICSP zufolge sind allein in Frankreich rund 200 000 Kinder pro Jahr von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, und 73 % der Kinder leben nach der Scheidung bei der Mutter und besuchen den Vater jedes zweite Wochenende. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien, dass bei Kindern, die nach einer Trennung abwechselnd und zu annähernd gleichen Zeitanteilen bei beiden Elternteilen leben, ein besseres Wohlbefinden und eine bessere psychische Gesundheit zu beobachten sind als bei Kindern, welche die meiste Zeit oder ausschließlich bei einem Elternteil leben.

Die Stellvertretende Generalsekretärin des Europarates, Gabriella Battani-Dragoni, erklärte in ihrer Eröffnungsrede: „Es herrscht eine offenkundige und zunehmende Übereinstimmung darüber, dass im Rahmen der Trennungs- und Scheidungsvereinbarungen die geteilte Elternschaft nach dem Wechselmodell möglichst gefördert werden sollte.“

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EU-Vereinbarkeitsrichtlinie – Jetzt mehr Väterbeteiligung sichern!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 16. November 2018

Männern den Weg in die Vaterrolle ebnen? Die EU könnte dafür wichtige Impulse setzen. Derzeit finden in Brüssel die Trialog-Verhandlungen zwischen Kommission, Ministerrat und Europäischem Parlament zur finalen Fassung der Richtlinie „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige“ statt. Die Richtlinie soll noch in diesem Jahr oder Anfang 2019 verabschiedet werden.

Worum geht es?

Aus männer- und väterpolitischer Sicht sind insbesondere zwei Punkte des Vorschlags für eine EU-Vereinbarkeitsrichtlinie von Interesse:

Einerseits die EU-weite Einführung einer bezahlten zweiwöchigen Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt (paternity leave). Für Deutschland wäre dies ein Novum und würde bedeuten, dass eine neue familienpolitische Leistung für Väter eingeführt werden müsste. In vielen anderen europäischen Ländern gibt es bereits Regelungen zum „Vaterschaftsurlaub“.

Andererseits die Ausweitung individueller Anrechte auf bezahlte Auszeiten für Eltern (parental leave). Zur Diskussion stehen als EU-weiter Minimalstandard jeweils vier nicht übertragbare Monate für Mutter und Vater. Aus deutscher Sicht würde dies heißen, dass das 2007 eingeführte Elterngeld mit den nicht übertragbaren zwei Partnermonaten (12+2) entsprechend angepasst werden müsste. Beispielsweise: vier Monate für die Mutter, vier für den Vater und sechs Monate frei aufteilbar.

Die Richtlinie als Motor für neue gleichstellungspolitische Maßstäbe

Für das Bundesforum Männer geht es bei diesen Verhandlungen nicht nur um die Einführung EU-weit geltender Mindeststandards, sondern auch darum, auf europäischer Ebene neue gleichstellungspolitische Maßstäbe zu setzen. Denn vor allem nicht übertragbare und mit einer substantiellen Einkommensersatzleistung ausgestattete Elternzeit- bzw. Elterngeldmonate setzen hohe Anreize für Väter, diese Leistung auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Zudem sind solche Rechtsansprüche auch für die Arbeitgeberseite ein überzeugendes Argument, dem Wunsch von Männern auf mehr Teilhabe am Familienleben zu entsprechen.

Gleichstellungspolitisch gilt – für Deutschland wie für Europa insgesamt – dass Männer in ihrer Familienrolle gestärkt werden müssen und Frauen in ihrer Erwerbsrolle. Eine Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt sowie eine stärker paritätische Ausgestaltung der nicht übertragbaren Partnermonate beim Elterngeld wären dafür hilfreich und wünschenswert.

Auch der Zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung hat dies klar unterstrichen und als empirischen Befund festgehalten: „Je früher Väter Verantwortung in der Betreuung und Erziehung von Kindern übernehmen, desto eher werden sie auf Dauer zu aktiven Vätern und desto nachhaltiger befördert dies die Gleichstellung“.

Eine EU-Vereinbarkeitsrichtlinie, die vom Standard her zumindest die Regelungen der ursprünglichen Fassung der Europäischen Kommission enthält, wäre hier ein wichtiger Motor!

Aktueller Stand und Positionen

Die EU Kommission hatte ihren Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige ursprünglich im April 2017 vorgelegt. Seit dem wurde dieser innerhalb der EU debattiert. Im Juni 2018 hat sich der der Europäische Rat „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“ schließlich auf eine allgemeine Ausrichtung zum Richtlinienvorschlag geeinigt, dabei allerdings die ursprünglichen Eckpunkte des Vorschlags deutlich abgeschwächt. Das Europäische Parlament und seine Ausschüsse haben im Anschluss ebenfalls ihre Position zum Richtlinienvorschlag verabschiedet und den ursprünglichen Kommissionsvorschlag demgegenüber weiter präzisiert. Eine vergleichende Gegenüberstellung der verschiedenen Fassungen finden sie hier.

Aktuell wird zwischen den Beteiligten nun eine finale Position verhandelt, die möglicherweise noch in diesem Jahr oder Anfang 2019 verabschiedet werden kann. Im Anschluss daran haben die Mitgliedsstaaten in aller Regel zwei Jahre Zeit, um die Richtlinie in nationales Recht zu überführen.

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Das Elterngeld kann online beantragt werden … in zwei Bundesländern

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 24. Oktober 2018

Das Elterngeld wird digital. Eine der beliebtesten und bekanntesten Familienleistungen, die nahezu von allen Eltern in Anspruch genommen wird, soll in Zukunft auch online beantragt werden können – dazu startete Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am 16. Oktober gemeinsam mit den Bundesländern Berlin und Sachsen die „Pilotphase mit Antragsassistenten“. Weitere Länder folgen im Laufe des Jahres. Die Digitalisierung des Elterngeldes ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur generellen Digitalisierung von Familienleistungen.

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey: „Gerade Paare, die Eltern werden, wünschen sich mehr Zeit, weniger Bürokratie und stattdessen mehr digitale Angebote in der öffentlichen Verwaltung. Mit ElterngeldDigital gehen wir einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum digitalen Familienministerium. Mit verständlicher Sprache, Hilfestellungen und automatischer Fehlererkennung unterstützen wir online Eltern gezielt beim Ausfüllen des Antragsformulars.“

ElterngeldDigital wird schrittweise ausgebaut. Ab heute können Mütter und Väter aus den Bundesländern Berlin und Sachsen den Antragsassistenten nutzen. In diesem Stadium muss der Antrag am Ende der Bearbeitung nur noch ausgedruckt, unterschrieben und per Post an die zuständige Elterngeldstelle versendet werden. Anfang 2019 wird der neue Service auch direkt mit den Elterngeldstellen der beteiligten Länder verbunden – dann können Eltern die Antragsdaten auch elektronisch an die zuständige Elterngeldstelle übermitteln. Mit Schritten zur Umsetzung eines papierlosen Antrags wollen wir Anfang 2019 starten.

„Unser mittelfristiges Ziel ist der papierlose Antrag mit elektronischer Signatur. Junge Familien wünschen sich einfache Zugänge zu Informationen und Leistungen. Mit dem neuen Familienportal, dem Infotool Familie und dem Elterngeldrechner ist hier das Familienministerium schon weit voraus. Die onlinegestützte Beantragung von Leistungen ist nun der nächste Schritt“, so Ministerin Giffey weiter.

Die Sächsische Familienministerin Barbara Klepsch, betont: „Ich freue mich, dass der Freistaat Sachsen zusammen mit dem Land Berlin eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung einer der wichtigsten Familienleistungen übernimmt. Mit maßgeblicher Unterstützung des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen wurde der Antragsassistent entwickelt, mit dem junge Eltern ihren Antrag auf Elterngeld nunmehr leicht online ausfüllen können. Unsere sächsischen Familien brauchen diese digitale Erleichterung, um mehr Zeit für das gemeinsame Miteinander zu haben.“

Die Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Frau Sandra Scheeres, sagt: „Es passt, dass Berlin neben Sachsen bei diesem bundesweiten Vorhaben eine Vorreiterrolle übernimmt. Die Hauptstadt erlebt einen Babyboom und entsprechend stark steigt die Zahl der Elterngeldanträge, die in den Bezirken bearbeitet werden. Das neue Serviceangebot ElterngeldDigital verspricht eine gute Anleitung bei der Antragstellung und insgesamt kürzere Bearbeitungszeiten.“

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Väter vernachlässigen Selbstfürsorge – Andreas Eickhorst im Gespräch

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. Oktober 2018

Im Kurzinterview mit der Redaktion von „Väter in Niedersachsen“ skizziert Andreas Eickhorst Eckpunkte für eine landesspezifische Väterpolitik und –forschung.

Frage: Was beinhaltet der Begriff „aktive Vaterschaft“ bzw. „aktive Vaterrolle“ aus wissenschaftlicher Sicht?

„Aktive Vaterschaft“ bedeutet zunächst einmal Engagement für die Kinder. Dabei gibt es durchaus deutlich unterschiedliche Ansätze und Methoden, was darunter genau zu verstehen ist. Klassische Zeitbudgetstudien (die auch heute durchaus noch durchgeführt werden) schauen dabei auf die reine Zeit, die ein Vater mit seinem Kind verbringt und finden dabei in der Regel eine stetige Zunahme im Laufe der Zeiten bis heute. Wesentlich komplexer und auch fundierter ist dann allerdings die Frage, WAS die Väter in dieser Zeit mit den Kindern machen, also nach der Qualität der Beschäftigung. Und bereits im inzwischen als Standard anerkannten und mittlerweile auch erweiterten Modell des Vaterforschers Michael Lamb spielte die von den Vätern wahrgenommene Verantwortung (auch ohne direkten Kontakt mit dem Kind) neben den bereits erwähnten Komponenten eine Rolle.

Frage: Welche wesentlichen Aussagen zur Situation der Väter in Familien lassen sich aus Ihrer Sicht treffen?

Klar ist: das Vereinbarkeitsdilemma ist inzwischen auch bei den Vätern angekommen! Nur eine Minderheit der Väter ist der Meinung, ausreichend Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Und dennoch wollen oder können sie diese Zeit nicht wesentlich ausbauen – aufgrund einer Vielzahl von Gründen, worunter finanzielle Entscheidungen ebenso wie die (manchmal auch nur vermuteten) Einstellungen von Partnerin und Arbeitgeber fallen.

Es ist aber ein großer Erfolg, dass Väter sich heute in Wissenschaft und Gesellschaft als bedeutsam und unterstützenswert wahrnehmen können – das war ja nicht immer so. Welche Rolle sie aber dabei wahrnehmen wollen, etwa als „neue Väter“ oder aber ganz bewusst auch als arbeitende Väter, die trotzdem Zeit mit den Kindern verbringen möchten, kann sehr verschieden sein.

Leider ist es aber eine Sache, die in der Regel bei allen versuchten Vereinbarkeiten unter den Tisch fällt – die Selbstfürsorge.

Frage: Welche Unterstützung benötigen junge Familien und insbesondere junge Väter?

Da würde ich in der Tat eben die Selbstfürsorge ganz oben anstellen. Denn nur wer ausreichend mit sich selber im Reinen ist und sich psychologisch wie physiologisch wohl fühlt, kann seine (mit großer Wahrscheinlichkeit vorhandenen) Ressourcen an Motivation, Zeit und Kompetenzen abrufen.

Natürlich ist auch eine ausgebaute Förderung von Elternzeit, für das Thema affine Arbeitgeber sowie die Berücksichtigung der Belange der Väter in edukativen und psychosozialen Angeboten wichtig und ausbaufähig – diese Dinge dürften aber als potentielle Bedarfe in den Köpfen vieler EntscheiderInnen deutlich präsenter sein.

Frage: Welche Forschungsfragen lassen sich aus dem Handlungskonzept „Zukunftsorientierte Väterpolitik in Niedersachsen“ ableiten?
Das Konzept ist ja in erster Linie ein praktisches Konzept, das von der Umsetzung der dort beschriebenen ganz konkreten Projektideen lebt.

Zwei Forschungsvorhaben stehen auch drin:
A) Gründe für einen Rückfall von Vätern und Müttern in ein traditionelles Rollenmuster nach der Geburt eines Kindes und
B) Väter im Kontext „Rund um die Geburt“

Hier ist es sicherlich wichtig, rechtzeitig Forschungspartner zu finden, um zeigen zu können, dass diese Vorhaben auch tatsächlich in absehbarer Zukunft realisiert werden sollen.

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