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Archiv für die 'Politik' Kategorie

Woozles und fehlende familienpolitische Diskurslinien in Deutschland

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. Mai 2018

Die Debatte um gemeinsame Elternschaft bzw. die Doppelresidenz hat der Psychologe Stefan Rücker, Leiter der von dem Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen PETRA Studie von Nachtrennungsfamilien, jüngst als eine zentrale gesellschaftspolitische Auseinandersetzung bezeichnet. Tatsächlich rührt die Debatte nicht nur an unserem Verständnis von Eltern- und Kindeswohl, sondern auch an tradierten Rollenbildern in der Familie.

Es ist nicht die erste gesellschaftliche Debatte, in der eine emotionalisierte Stimmungslage dazu führt, dass Sachinformation mit Werturteilen bzw. Ängsten und Hoffnungen vermischt werden. Dies ist nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen westlichen Demokratien so. Im angelsächsischen Raum hat sich im Rahmen der Debatte um gemeinsame Elternschaft mittlerweile sogar ein eigener Begriff – „Woozle“ – etabliert.

Ein Woozle ist gemäß des Kinderbuches Winnie the Pooh ein Popanz, ein Schreckgespenst, das im gesellschaftlichen Diskurs der Sachinformation das Fürchten lehrt. In dem vorliegenden Beitrag zur Debatte über die gemeinsame Elternschaft in Deutschland geht es vor allem darum, den Sachinformationen gegen den gemeinen Woozle den Rücken zu stärken.

Aber wissen wir denn überhaupt, was in Nachtrennungssituationen das Beste für das Kind ist? Mit dem Kindeswohl wird schließlich seit Jahrzehnten alles Mögliche begründet. Wie kann man unter diesen Umständen Fakten und Meinung auseinanderhalten?

Wir wissen, seitdem in breitangelegten empirischen Studien das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nach wissenschaftlichen Maßstäben gemessen wurde, tatsächlich bereits sehr viel über Kinder und Jugendliche in Nachtrennungsfamilien. Noch viel breiter und theoretischer erforscht sind die Voraussetzungen dafür, dass in einer offenen Gesellschaft die Entscheidungsträger Zugang zu den „besten verfügbaren Informationen“ haben.

Einer der prominentesten deutschen Philosophen und Politikwissenschaftlern der Nachkriegszeit – Jürgen Habermas – hat die Bedingungen für einen fairen und offenen Diskurs herausgearbeitet. An diesen Vorbedingungen dafür, dass Politikern, Juristen und Experten für die Familienbetreuung Zugang zu den „besten verfügbaren Informationen“ haben, mangelt es jedoch in Deutschland. Statt einer offenen, zwanglosen und wahrhaftigen Debatte um die besten Möglichkeiten, Eltern und Kinder nach einer Trennung zu unterstützen, hat sich in Deutschland ein von der internationalen Wissenschaft abgekoppelter Sonderdiskurs etabliert, der von wenigen prominenten Stichwortgebern und Experten dominiert wird.

In Folge dessen wird renommierte internationale Forschung in Deutschland gar nicht wahrgenommen oder im Zweifelsfall falsch dargestellt. Ein Grund dafür ist, dass die Qualitätskriterien für wissenschaftliche Forschung, die in anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen Standard sind, in den deutschen Publikationen zur gemeinsamen Elternschaft gar nicht zur Anwendung kommen.

Johannes Carl Busse zeigt in seinem Beitrag ‚The debate on shared parenting in Germany‘ die Qualitätsdefizite und die mangelnde Wahrhaftigkeit der wichtigsten Expertenbeiträge in Deutschland auf und macht Vorschläge, wie Entscheidungsträger dennoch zwischen Wissenschaft und Meinung unterscheiden können.

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Väter und Mütter wollen mehr Familienzeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Mai 2018

Sabine Walper und Shih-cheng Lien vom Deutschen Jugendinstitut in München werteten Tagebuchprotokolle von 665 Paarhaushalten mit mindestens einem Kind unter 10 Jahren aus. Als Grundlage dienten die Daten der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamts aus den Jahren 2012/2013. „Die empirischen Analysen zeigen, dass in Familien mit aktiven Vätern die Partnerinnen nicht weniger, sondern ebenfalls mehr Zeit für die Kinderbetreuung aufbringen“, sagt DJI-Forschungsdirektorin Walper. Die Betreuungszeiten der Männer werden vor allem als gemeinsame Zeit genutzt. Die Studienergebnisse entsprechen dem Trend einer Intensivierung von Elternschaft: Väter wie Mütter verwenden heute durchschnittlich mehr Zeit für die Kinderbetreuung, obwohl die Kinderzahl in den Familien im vergangenen Jahrzehnt gesunken ist und die Dauer zugenommen hat, die Kinder in Kita oder Schule verbringen.

Die DJI-Studie bestätigt Ergebnisse internationaler Zeitbudgetstudien. Demnach verändern sich in den meisten hoch entwickelten Industrieländern, auch den nordeuropäischen mit guter Infrastruktur für Kinder, Zeitbedarf und Zeitaufwand für Mütter weder durch zusätzliche Kinderbetreuungsangebote noch durch ein verstärktes Engagement der Väter. Vielmehr offenbart sich ein veränderter Anspruch an Familienleben und Partnerschaft: Während im traditionellen Familienmodell die Aufgaben von Mutter und Vater funktional aufgeteilt waren, wollen Frauen und Männer heute den Familienalltag gemeinsam gestalten. Partnerschaft bedeutet für sie auch, sich gemeinschaftlich um die Kinder zu kümmern.

Nötig sind bessere Möglichkeiten für Eltern, die Arbeitszeit zu reduzieren

Die Ergebnisse der DJI-Studie machen deutlich, dass familienpolitische Maßnahmen, die sich alleine auf die Entlastung der Eltern von Betreuungsaufgaben konzentrieren, nicht ausreichen, um sie bei der Verwirklichung ihrer Vorstellung von Familie zu unterstützen. Denn mehr Betreuungsangebote ermöglichen ihnen nicht mehr Familienzeit. Wichtig sind auch bessere Möglichkeiten für Eltern, ihre Arbeitszeit zu reduzieren – ohne dass sie ökonomische Einschnitte und Karrierenachteile in Kauf nehmen müssen.

Die Studienergebnisse sind unter dem Titel „Routinebetreuung und interaktive „Quality Time“: Was beeinflusst, wie viel Zeit Väter wie mit ihren Kindern verbringen?” in der Zeitschrift für Familienforschung (ZFF 1-2018) erschienen.

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Dresden bietet die besten Bedingungen für Väter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. Mai 2018

Männer, die aus Überzeugung Windeln wechseln und stolz den Kinderwagen schieben, sind schon lange kein Randphänomen mehr. Und wenn es nach den Vorstellungen moderner Väter ginge, würden sie am liebsten noch viel mehr für ihre Familie tun. Nach den Ergebnissen der Global Family Survey von Betreut.de streben 82 Prozent der deutschen Väter unter 50 Jahren eine gleichberechtigte Partnerschaft an. Die meisten verstehen darunter, Kindererziehung, Hausarbeit und Erwerbstätigkeit gerecht unter den beiden Elternteilen aufzuteilen und vor allem: genügend Zeit mit den Kindern zu verbringen. Doch die Realität sieht anders aus. Entgegen ihren eigenen Wünschen sind Väter nach der Familiengründung weiterhin mehrheitlich die Hauptverdiener und verbringen viele Stunden mit Erwerbsarbeit. Zwar ist das Elterngeld eine große Errungenschaft, um die Arbeit zugunsten der Familie zu reduzieren oder zu unterbrechen, doch belassen es die meisten Väter (79 Prozent) nur bei einem Bezug von bis zu zwei Monaten. Diverse Studien bestätigen, dass viele Väter eine längere Elternzeit beanspruchen würden, sich jedoch nicht trauen, zum Beispiel aus Angst vor beruflichen Nachteilen, oder es sich aufgrund ihrer Einkommenssituation schlichtweg nicht leisten können. Unflexible Arbeitgeber erschweren die Umsetzung dieses Vorhabens zusätzlich. Nur 14 Prozent der Eltern können das Modell einer partnerschaftlichen Aufteilung auch tatsächlich verwirklichen.

Wo können Väter ihren Wunsch nach einer aktiven Vaterrolle am besten umsetzen?

Um diese Frage zu beantworten, hat das Team von Betreut.de alle kreisfreien Städte in einer Datenanalyse unter die Lupe genommen und hinsichtlich der wichtigsten Bedingungen für die Väterbeteiligung miteinander verglichen. Die erste Komponente bilden dabei familienfreundliche Arbeitgeber. Studien zufolge ist eine partnerschaftliche Vereinbarkeit am ehesten möglich, wenn Arbeitgeber Familienfreundlichkeit mit Gleichstellungszielen verbinden und sowohl Frauen als auch Männern anbieten, Voll- und Teilzeitmodelle ohne Karrierenachteile nach ihren Bedürfnissen nutzen zu können. Flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Lösungen werden ebenfalls von vielen Vätern als Erleichterung erlebt. Des Weiteren stellen Vorbilder am Arbeitsplatz eine wichtige Komponente dar. Wo Väter als Führungskräfte selbst Elternzeit in Anspruch nehmen, ist der Anteil der männlichen Beschäftigten in Elternzeit fünfmal so hoch wie in Unternehmen ohne Vorbilder. Daher wurden die Elterngeldbezugsquote und -dauer durch Väter sowie die Quote teilzeitarbeitender Männer in die Analyse einbezogen. Weitere Analysefaktoren, die eine ausgeglichene partnerschaftliche Aufteilung positiv begünstigen, sind die Erwerbstätigkeit der Frauen sowie das lokale Kinderbetreuungsangebot.

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… in Deutschland wird es Vätern schwergemacht

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 26. März 2018

Im Interview mit Carolin Würfel spricht die Schwedin Malin Elmlid in der ZEIT über ihre Erfahrungen während ihrer Schwangerschaft in Berlin, die sie auch in dem Buch „Mein persönlicher Mutterpass” verarbeitet hat:

„ … In Deutschland muss man sich entscheiden. Entweder Karriere oder Mutterschaft. Beides geht nicht. Das ist zumindest mein Eindruck. Deshalb wollte ich lange keine Kinder und deshalb ist die Geburtenrate in Deutschland lange Zeit dramatisch gesunken. Frauen wollten keine Kinder mehr, weil sie wussten, dass ihre hart erkämpften Karrieren darunter leiden würden. Die Politik hat diese Signale zwar verstanden und versucht, die Situation zu verbessern, aber in der Realität ist es trotzdem so, dass man als Schwangere von seinem Umfeld vor allem darauf vorbereitet wird, was nach der Geburt alles nicht mehr geht. Was sich verändern wird, was man aufgeben und zurückstellen muss. Und das Erste, was zurückgestellt werden muss, ist der Beruf. Die wenigsten Frauen mit Kindern arbeiten Vollzeit, während die Väter weiter Fünfzigstundenwochen absolvieren. In keinem anderen OECD-Land tragen Frauen mit Kindern so wenig Geld zum Familienhaushalt bei wie in Deutschland. Das schafft Abhängigkeiten und führt dazu, dass Frauen im Alter möglicherweise unzureichend abgesichert sind. Das kann doch niemand wollen.

ZEIT ONLINE: … Werden Väter in Deutschland nicht in ihre Pflicht genommen?

Elmlid: Sagen wir es so: Es wird ihnen schwer gemacht, sich gleichberechtigt um ihre Kinder zu kümmern. In Deutschland wird immer noch vom Mutterinstinkt gesprochen, als hätten Frauen von vornherein mehr Ahnung als Männer. Das ist natürlich totaler Quatsch. Instinkt, … ist ein Zeichen von Liebe für dein Kind. Ich liebe mein Kind und fühle, was ihm guttut, aber diesen Instinkt hat der Vater auch. Er liebt sein Kind ja nicht weniger. Mütter und Väter müssen nach der Geburt erst mal eine Bindung zu ihrem Kind aufbauen, das passiert nicht automatisch. Deshalb ist die Elternzeit auch so wichtig und eine gute Zeit, um das Kind kennenzulernen. Mein deutscher Mann ist nach der Geburt unseres Sohnes beispielsweise die ersten vier Monate mit mir zu Hause geblieben, damit wir gemeinsam von null starten konnten. Und danach sind wir für einige Zeit nach Finnland gezogen, weil es ihm nicht möglich war, in Berlin eine familienfreundliche Anstellung zu finden. …“

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Reservierte Elternzeit für Väter – die Konsequenzen von ‚Väter – Quoten‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 23. März 2018

Um Väter zu motivieren, Elternzeit zu nehmen, haben zahlreiche Länder ihre Elternzeitprogramme reformiert, die Lohnersatzleistungen erhöht und Elternzeittage für Väter reserviert. Obwohl die Akzeptanz zugenommen hat, ist bislang unklar, wie Väter auf finanzielle Anreize oder die „Nur – Vater”-Etiketten reagieren. Auch wenn der Vaterschaftsurlaub vorübergehende Veränderungen in der Arbeitsteilung im Haushalt erleichtern kann, ist wenig darüber bekannt, ob diese Effekte auch in späteren Jahren anhalten.

Ankita Patnaik untersucht in der Studie „Reserving Time for Daddy: The Consequences of Fathers’ Quotas“ diese Fragen anhand des „Quebec Parental Insurance Program“ (QPIP), einer wegweisenden Reform des Elternurlaubs in Kanada, die die Leistungen für alle Eltern erhöht und einige Wochen für Väter reserviert hat.

Alle Analysen deuten darauf hin, dass QPIP die Teilnahmequoten der Väter um 250% und die Nutzungsdauer um 3 Wochen erhöht hat. Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass Väter nicht nur auf die höheren Leistungen im Rahmen von QPIP reagierten, sondern auch auf das Etikett „nur für Väter”, das mit der Quote verbunden ist. Eine Kombination dieser beiden Faktoren führte zu einem dramatischen Anstieg der Beteiligung von Männern am Elternurlaub. Diese Studie liefert somit auch den Beleg dafür, dass Papa-Quoten eine starke Kennzeichnungswirkung haben können, wenn sie mit einem erhöhten Nutzen einhergehen.

Auch die Untersuchung der langfristigen Auswirkungen auf die Haushaltsdynamik liefert den Beweis dar, dass die Inanspruchnahme des Vaterschaftsurlaubs einen großen und anhaltenden Effekt auf die Arbeitsteilung im Haushalt haben kann: Haushalte, die das QPIP nutzen konnten, sind deutlich weniger auf eine traditionelle Arbeitsteilung ausgerichtet.

Die Forschungsergebnisse geben auch Aufschluss darüber, wie Elternzeitregelungen gestaltet werden können, um Väter zur Teilnahme zu bewegen, und sie deuten darauf hin, dass kleine Veränderungen in der anfänglichen Erziehungserfahrung nachhaltige Auswirkungen auf das Verhalten der Eltern haben können. Sie machen auch deutlich, dass die Menschen auf eine Kombination von Labels und finanziellen Anreizen reagieren – und dass das Verhalten, das zu Beginn der Elternzeit gelernt wurde, in späteren Jahren tendenziell anhält. Die Ergebnisse legen nah, dass es keinen Kompromiss zwischen Geschlechtergleichstellung und Elternzeit mit Kindern geben muss: Vaterschaftsurlaub kann die Verantwortung für die Haushaltsarbeit gleichmäßiger verteilen und die Zeit, die Väter mit ihren Kindern verbringen, erhöhen.

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Aufruf zur Gründung einer Landesarbeitsgemeinschaft Väter(arbeit) in Hessen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 1. März 2018

Die hessenstiftung – familie hat zukunft verfolgt das Ziel, in Hessen eine Landesarbeitsgemeinschaft Väter(arbeit) aufzubauen. Dabei wird die Stiftung die Rolle des Moderators zur Gründung übernehmen und den weiteren Prozess entlastend für die anderen Mitglieder vorantreiben. Ein Treffen zur Konstituierung wird am 23. Mai 2018 um 15 Uhr in Frankfurt stattfinden. Für eine stabile Struktur ist an die Gründung als Verein gedacht. Organisationen wie Familienzentren, Träger der Familienbildung, Sportvereine etc. sind herzlich aufgerufen, ihr Interesse an einer Mitgliedschaft gegenüber der hessenstiftung jetzt schon zu bekunden.

In der Praxis wird es um Know-How-Transfer, Sammlung von gelungenen und übertragbaren Beispielen sowie mittelfristig um die Organisation von Workshops für Multiplikatoren gehen. In Anlehnung an die LAG Väterarbeit in NRW wird Selbstverständnis in folgende Richtung formuliert werden:

„Die Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit in Hessen hat das Ziel, Väterarbeit im umfassenden Sinn reflektiert und praxisnah zu stärken. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen den Initiativen und Organisationen vor Ort und den politischen Entscheidern. Wir wollen erreichen, dass Väterpolitik stärker als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe wahrgenommen wird. Insbesondere in den Bereichen Familien- und Gleichstellungspolitik, Bildungs-, Rechts-, Arbeits- und Sozialpolitik möchte die LAG aktiv werden.

Vaterschaft soll ein anerkannter gesellschaftlicher Wert und die Gleichstellung von Vätern und Müttern selbstverständlich werden. Wir wollen, dass politische Akteure Väter ermutigen und unterstützen, sich von der alleinigen Funktion als Ernährer zu verabschieden und ihrer sozialen Funktion für die Familie mehr Raum zu geben. Dazu brauchen Väter Orte und Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung mit anderen Vätern über ihre Vorstellungen und Probleme. Sie benötigen eine väterbewusste Familienpolitik und Unternehmenskultur, die es ihnen ermöglicht, Beruf und Vaterschaft nach ihrem bevorzugten Modell zu gestalten.“

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Share the joy – Kampagne zur Aufteilung der Elternzeit in Großbritannien

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. Februar 2018

Mit der neuen Kampagne möchte die britische Regierung Eltern darauf hinweisen, dass sie die Elternzeit im ersten Lebensjahr ihres Kindes gemeinsam nutzen und ihre berufliche Entwicklung mit dem „Shared Parental Leave“ fortsetzen können. Rund 285.000 Paare pro könnten dies machen, im Moment liegt die Inanspruchnahme aber bei lediglich 2%. Die Kampagne ist Teil der Verpflichtung der Regierung, das Bewusstsein für die Rechte der Arbeitnehmer zu schärfen, um die Arbeitszufriedenheit und Produktivität im Rahmen der modernen Industriestrategie und der Strategie für gute Arbeit zu steigern.

Dass der zuständige Minister, Andrew Griffiths, der im Mai selbst Vater wird, den „Shared Parental Leave“ nicht nutzen kann, ist nicht der einzige Makel der Kampagne. “Unfortunately, as a minister, I’m not allowed … Ministers are not allowed to take shared parental leave,” äußerte Griffiths in einem Interview.

Ein weiterer Stolperstein besteht in der finanziellen Ausstattung des Angebots für Väter. Wenn Vätern genauso viel angeboten würde wie Müttern und beide absolut frei und unter gleichen Bedingungen wählen könnten, dann würden Väter in großer Zahl Elternzeit in Anspruch nehmen

Eine Frau mit einem durchschnittlichen Jahreslohn von £27.000 bekommt im ersten Jahr sechs Wochen staatliches Mutterschaftsgeld von £466 (90% des Lohnes) plus 33 Wochen bei £141, was insgesamt £7.449 ergibt. Ein Vater bekommt zwei Wochen lang £141 also insgesamt £282. Väter bekommen also 26 mal weniger – ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle von 96%.

Würde der Staat Mütter und Väter gleich behandeln und ihnen den gleichen Anspruch bieten, wären teure Werbekampagnen überflüssig. Männer, die im ersten Jahr Elternzeit nehmen, würden innerhalb von ein oder zwei Jahren zu einer sozialen Norm werden, genau wie Männer, die an der Geburt eines Babys teilnehmen. Diese Aufassung vertritt Duncan Fisher, Gründer von ‚Fathers Direct‘  und Manager für Politik und Innovation der Family Initiative“.

Ein britischesUnternehmen, Aviva, hat eine Politik der Gleichbehandlung von Müttern und Vätern unter seinen Mitarbeitern eingeführt. Es kann aber auch nicht von den Arbeitgebenden erwartet werden, dass sie die Differenz von 7.200 Pfund bezahlen, den die Regierung zwischen Müttern und Vätern macht.

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Antrieb Familie – Väter in Elternzeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. Februar 2018

Kind oder Karriere?

Ein Ultimatum, das auch Männer treffen müssen, wenn sie mehr Zeit für die Erziehung ihrer Kinder haben wollen. Jörg Asmussen, ehemaliger Spitzenökonom im EZB-Direktorium, riskierte damit seine Karriere. Er ist nicht der Einzige.

So wird der Beitrag von Ute Schneider in der Deutschen Welle‘ angekündigt. Die Dramatik ist meines Erachtens, dass es dieses ‚Ultimatum‘ immer noch gibt bzw. die ‚deutsche Frage‘ du musst dich entscheiden, Kind oder Karriere‘ immer noch gestellt wird. Und zwar nicht nur den Vätern.

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Wo ist der Vater? Wir brauchen ein Umdenken in Bezug auf Familiendaten und -politik

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 13. Februar 2018

WhereisthedaddyDie dreijährige Studie „Where’s the Daddy?“ des britischen Fatherhood Instituts, die von der Nuffield Foundation finanziert wird, legt bis ins kleinste Details dar, wie zahlreiche, groß angelegte und wiederholte Querschnitt- und Längsschnittdatensätze (wie die Census- und die British Social Attitudes-Studie) Daten über britische Väter identifizieren, differenzieren und sammeln – oder allzu oft auch nicht.

In seinem Bericht schlägt das Fatherhood Institut vor, wie Forscher und politische Entscheidungsträger in Zukunft die Vielfalt der Vaterschaft im modernen Großbritannien besser erfassen können.

Erstens müssen die verschiedenen Arten von Vaterschaft, biologische, soziale, Adoptiv, Stief- … identifiziert werden, anstatt sie beiläufig in einen Topf zu werfen.

Zweitens müssen getrenntlebende Väter neu klassifiziert werden, je nachdem, ob und wie viel Zeit sie mit ihren Kindern zusammenleben: Vollzeit-, Teilzeit-, Teilzeit- oder Nichtinländer. Solche Väter werden typischerweise als “nicht gebietsansässig” oder gar als kinderlos eingestuft. Tatsächlich verbringen sie oft sehr viel Zeit (sogar so viel wie die Mutter) mit ihren Kindern und sind für sie und ihre langfristige Entwicklung sehr wichtig.

Sie können alle „Where’s the Daddy?“ Berichte herunterladen. Die Kurzfassung, den Kurzbericht und den Gesamtbericht finden Sie hier. Sie sind alle Teil einer Serie namens Contemporary Fathers in Großbritannien, die von der Nuffield Foundation finanziert wird.

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Ein sauberer Deal? – Tiefere Steuern für Firmen gegen eine Väterzeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. Januar 2018

Der Schweizer Finanzminister Ueli Maurer steht vor einer kniffligen Aufgabe: Wie kann er die Reform der Unternehmenssteuern ausgestalten, damit sie die Bürgerlichen unterstützen und die Linke nicht erneut das Referendum dagegen ergreift und sie so vors Volk bringt? Erst vor einem Jahr ist die Unternehmenssteuerreform an der Urne mit 59 Prozent klar gescheitert.

Nun bringen die Gewerkschaften einen neuen Vorschlag ein, wie Maurer ein Referendum von linker Seite verhindern kann: mit einem Vaterschaftsurlaub. «Das wäre ein eigentlicher Referendumsblocker», ist Adrian Wüthrich überzeugt, Geschäftsleiter des Gewerkschaftsdachverbands Travailsuisse.

Die Gewerkschaften wollen, dass Väter bei der Geburt eines Kindes künftig 20 Tage Urlaub beziehen können. Finanziert werden soll er wie schon der Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung. Nach Berechnungen des Bundesrats entstünden dadurch Kosten von 420 Millionen Franken pro Jahr. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten dafür einen Bruchteil eines Lohnprozents – 0,055 Prozent – bezahlen.

Wenn der Vaterschaftsurlaub eingeführt wäre der Bundesrat nach Einschätzung Wüthrichs mit seiner Vorlage auf der sicheren Seite. Er sieht auch Vorteile für kleine und mittlere Unternehmen: Gerade diese könnten es sich nicht leisten, auf eigene Kosten einen Vaterschaftsurlaub einzuführen, und gerieten dadurch im Wettbewerb um gut qualifizierte Arbeitskräfte ins Hintertreffen.

Die Gewerkschaften orientieren sich mit ihrem Vorschlag am Kanton Waadt: Den Bürgerlichen und der Wirtschaft wurden vor der Abstimmung zur kantonalen Unternehmenssteuerreform tiefere Steuern in Aussicht gestellt, den Privaten Kindergelder, Beiträge an die Kinderbetreuung und an die Krankenkassenprämien. Die Vorlage wurde 2016 von 87 Prozent der Stimmenden angenommen.

Die Gewerkschaften stoßen mit ihrem Vorschlag auch in der politischen Mitte auf Sympathien. Für Pirmin Bischof, Präsident der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats, ist der Vaterschaftsurlaub eine denkbare Option. Damit eine Reform bei der Stimmbevölkerung eine Chance habe, brauche es einen sozialen Ausgleich, und der Vaterschaftsurlaub sei dafür eine Option. Die neue Steuervorlage aber sei praktisch dieselbe wie jene, die vor einem Jahr an der Urne abgestürzt sei. Damit sich das nicht wiederhole, brauche es zusätzliche Anstrengungen.

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