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Archiv für die 'Elternzeit' Kategorie

Vaterschaftsfreistellung jetzt einführen!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Mai 2022

Petition noch bis zum 19. Juni unterzeichnen

Vor drei Jahren wurde die EU-Vereinbarkeitsrichtlinie beschlossen, um in der Europäischen Union notwendige Mindeststandards zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben herzustellen und die Rahmenbedingungen für eine partnerschaftliche Aufteilung von Haus-, Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern zu verbessern.

Bis August 2022 muss die Vereinbarkeitsrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Ein zentraler Bestandteil der Richtlinie ist die Einführung einer Vaterschaftsfreistellung. Eine solche Leistung gibt es in dieser Form in Deutschland bisher nicht, anders als in anderen EU-Mitgliedsstaaten.

Das Bundesfamilienministerium hat Ende April einen Referent*innenentwurf für ein Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie vorgelegt. Die Vaterschaftsfreistellung wird darin mit keinem Wort erwähnt, obwohl die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt hat, „eine zweiwöchige vergütete Freistellung für die Partnerin oder den Partner nach der Geburt eines Kindes ein[zu]führen.“

Die LAG Väterarbeit NRW, die sich von Anfang an für die Umsetzung der Richtlinie eingesetzt hat ist darüber sehr irritiert und fordern die Bundesregierung auf, zeitnah zu klären und öffentlich bekannt zu machen, wann und in welcher Form eine vergütete Freistellung für Väter (und andere zweite Elternteile) nach der Geburt gesetzlich eingeführt werden soll. Die Gleichstellung der Geschlechter geht nur gemeinsam und wird nur dann nachhaltig gelingen, wenn auch Jungen, Männer und Väter dabei stärker als bisher in den Blick genommen werden.

Anlässlich des »Vatertags« am 26. Mai möchten wir daran erinnern. Jetzt ist es an der Ampelkoalition zu zeigen, dass sie es beim Thema Gleichstellung ernst meint und auch Männer für das Thema gewinnen will.

Bis zur Vorlage des Gesetzentwurfs schien die Vaterschaftsfreistellung politisch ein Selbstläufer zu sein. Die vormalige Familienministerin Anne Spiegel kündigte sie im vergangenen Dezember als wichtiges Vorhaben an. Nun schweigt allerdings der Referent*innenentwurf der Bundesregierung ausgerechnet zur Vaterschaftsfreistellung. Diese ist wichtig, um einen klaren rechtlichen Rahmen auch gegenüber Arbeitgeber*innen zu schaffen, damit Väter sich in dieser wichtigen ersten Phase voll und ganz auf ihre Kinder und die Unterstützung ihrer Partnerinnen konzentrieren können.

In einem offenen Brief an Bundesfamilienministerin Lisa Paus vom 20. Mai 2022 fordert Holger Strenz vom Projekt »Papaseiten.de« des Väterzentrum Dresden die Einführung der Vaterschaftsfreistellung nicht weiter hinauszuzögern. Vor einem Jahr hat Papaseiten.de eine Petition zur Vaterschaftsfreistellung initiiert, die auch von der LAG-Väterarbeit NRW unterstützt wird und die noch bis zum Internationalen Vatertag am 19. Juni 2022 mitgezeichnet und geteilt werden kann.

Bislang sind mehr als 9.000 Unterschriften zusammengekommen. Gemeinsam können wir bis zum Internationalen Vatertag ein deutliches Zeichen setzen. Dafür benötigen wir gerade jetzt Eure und Ihre Unterstützung!

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Vaterschaftsfreistellung ermöglicht einen niedrigschwelligen Einstieg ins Vatersein

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. April 2022

Vor einigen Wochen hat eine Fachzeitschrift nach meiner Einschätzung zur Vaterschaftsfreistellung gefragt. Frau Spiegel ist zwar inzwischen nicht mehr Familienministerin, aber ihre Nachfolgerin Lisa Paus hat angekündigt, an deren Inititiativen anzuknüpfen und das Thema steht für mich weiterhin oben auf der Agenda

Wie finden Sie den Vorschlag von Frau Spiegel?

Frau Spiegel greift mit ihrem Vorschlag eine Forderung auf, die wir und andere Väterverbände schon lange erhoben haben. Die zwei Wochen Vaterschaftsfreistellung finden sich zudem mit unterschiedlichen Bezeichnungen in den Wahlprogrammen der drei Ampelparteien und sind auch Gegenstand der EU Vereinbarkeitsrichtlinie, die bis zum Herbst 2022 in geltendes Recht umgesetzt werden muss.

Inhaltlich geht es in der Zeit unmittelbar nach der Geburt darum, sich als Familie neu aufzustellen, aus dem Paar ist eine Triade geworden. Zu sehen, dass es die ‚geborene Mutter‘ nicht gibt und Mann es genauso gut kann, wenn er es einfach tut. Sich dabei als Vater wirksam zu erleben,. die Reaktionen des neugeborenen Kindes wahrzunehmen, es zu begleiten und eine sichere Beziehung und Bindung zu ihm aufzubauen. Dafür ist die 14tägige Lohnfortzahlung eine Investition, die sich ein Leben lang auszahlt.

In dem Vorschlag stecken aber noch weitere Potenziale. In einer Untersuchung, die das Beratungsunternehmen EY 2016 bei mehr als 21.000 Kund*innen in 91 Ländern durchgeführt hat, zeigte sich nämlich, dass in Unternehmen, die Beschäftigten eine bezahlte Freistellung nach der Geburt gewährten, der Anteil von Frauen in Führungspositionen deutlich höher war.

Wo könnte es Herausforderungen oder Stolpersteine bei der Umsetzung geben?

Da diese Regelung von allen drei Ampelparteien gleichermaßen gewollt ist, dürfte es an dieser Stelle keine Stolpersteine geben. Eine Herausforderung ist sicherlich die Finanzierung. Wenn diese jedoch analog zum Mutterschaftsgeld organisiert, also in einem Umlageverfahren durch alle Arbeitgebenden finanziert wird, sehe ich an dieser Stelle keine großen finanziellen Belastungen auf die durch Corona strapazierte Staatskasse und einzelne Arbeitgebende zukommen.
Zufriedene Väter sind ein Gewinn für jeden Betrieb und die Kompetenzen die sie durch ihr Engagement in Familie erwerben, gleichen die Kosten für die Umlage sehr schnell wieder aus.

Sind zwei Wochen bezahlter Urlaub für das zweite Elternteil genug, um eine Bindung zum Neugeborenen aufzubauen?

Die zwei Wochen bezahlte Freistellung sind meines Erachtens kein ‚Urlaub‘ im landläufigen Sinn. Sie ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg ins Vatersein, nach der Geburt hat jeder neuer Vater die Möglichkeit, seine Partnerin in der Zeit des Wochenbetts zu unterstützen und eine Beziehung zu seinem Kind aufzubauen. Für eine sichere Bindung sind zwei Wochen eine zu kurze Zeit, aber es geht um einen guten Einstieg und die gesellschaftliche Zuschreibung ‚Mann du kannst ein guter Vater sein und du bist bedeutsam für die Entwicklung deines Kindes‘.

Wie viele Elterngeldmonate für Paare würden Sie sich wünschen? Wie viel bezahlte Freistellung beider Elternteile ist Ihrer Meinung nach nötig?

Bislang gibt es ja 14 Elterngeldmonate die nach dem Muster 12 plus 2 konstruiert sind und durch Regelungen wie ‚Elterngeld-Plus Monate‘ und dem ‚Partnerschaftsbonus‘ auf bis zu 28 bezahlte Monate Elternzeit ausgedehnt werden können. Die Regelungen sind ziemlich kompliziert, auch wenn in der Corona Zeit schon einiges vereinfacht worden ist.

Ich würde mir wünschen, dass es für Väter und Mütter jeweils 8 reservierte Elterngeldmonate gibt und dass es weitere 8 bezahlte Monate gibt, die flexibel bis zum Schuleintritt des Kindes eingesetzt werden können. Damit würde ein klares Signal dafür gesetzt, dass Väter und Mütter gleichermaßen für ihre Kinder verantwortlich sind und die damit verbundenen Aufgaben und Arbeiten von Anfang an partnerschaftlich aufgeteilt werden können.

Die weiteren acht Monate bieten den Eltern dann die Möglichkeit sich nach Bedarf und flexibel Zeit für die Kinder zu nehmen, wenn sie gebraucht wird. Neben dem Geld spielt die Zeit, die Väter und Mütter einsetzen können eine große Rolle.
Dazu kommt noch die Infrastruktur, also zum Beispiel die qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungsangebote, die in ausreichender Zahl und mit passenden Öffnungszeiten wohnungsnah zur Verfügung stehen.

Gibt es etwas anders, was Sie sich hinsichtlich der Elternzeit-/Elterngeldregelung wünschen würden?

Ja, ich wünsche mir, dass das Engagement von Vätern für ihre Familie und insbesondere für ihre Beteiligung an der Erziehung ihrer Kinder nicht als ‚Ergänzung‘ oder ‚Unterstützung‘ der Leistungen der Mütter betrachtet werden sondern als genauso notwendig wie selbstverständlich. Und zwar von Anfang an und nicht nach dem Motto ‚krabbeln lerne ich bei Mama, laufen dann bei Papa‘.

Damit das Wirklichkeit werden kann, braucht es, quasi als notwendige Bedingung, gute gesetzliche Regelungen zu Elterngeld und Elternzeit, aber auch passende strukturelle Rahmenbedingungen wie Arbeitszeitregelungen und Kinderbetreuungsangebote.

Damit es hinreicht, sind aber auch Haltungen erforderlich, die Vätern von Anfang an, also schon lange vor der Geburt, Kompetenzen zuschreiben und ihnen von Geburt an Möglichkeiten geben, diese zu erwerben und weiterzuentwickeln.

In diesem komplexen Gebilde sind die zwei Wochen Vaterschaftsfreistellung ein ganz wichtiger Baustein.

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Anstieg des Väteranteils beim Elterngeld setzt sich fort

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 31. März 2022

Rund 1,9 Millionen Frauen und Männer in Deutschland haben im Jahr 2021 Elterngeld erhalten. Das waren rund 7.800 oder 0,4 % mehr als im Jahr 2020. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hat sich die Zahl der Männer mit Elterngeldbezug im Vorjahresvergleich um 9.700 oder 2,1 % erhöht. Dagegen ging die Zahl der leistungsbeziehenden Frauen leicht um 1.900 oder 0,1 % zurück. Dadurch stieg der Väteranteil im Jahr 2021 auf 25,3 % (2020: 24,8 %). Der kontinuierliche Anstieg des Väteranteils hat sich damit fortgesetzt. Im Jahr 2015 hatte er noch bei 20,9 % gelegen. 

Der Väteranteil gibt den Anteil der männlichen Bezieher an allen Elterngeldbezügen an. Er würde also genau 50 % betragen, wenn bei allen Kindern sowohl der Vater als auch die Mutter gleichermaßen Elterngeld beziehen würde. 

Väteranteil in Sachsen am höchsten, in Bremen und im Saarland am niedrigsten 

Spitzenreiter im Bundesländervergleich mit einem Väteranteil von 29,9 % im Jahr 2021 war – wie im Vorjahr – Sachsen, gefolgt von Berlin (27,6 %), Bayern (27,5 %) und Baden-Württemberg (27,4 %). Am niedrigsten lagen die Väteranteile 2021 – ebenfalls wie im Vorjahr – im Saarland (20,1 %) sowie in Bremen (20,3 %). 

Mehr als jede dritte Frau und jeder siebte Mann wählte Elterngeld Plus 

588.000 Bezieherinnen und Bezieher von Elterngeld planten im Jahr 2021 die Inanspruchnahme von Elterngeld Plus, und zwar 36,9 % der berechtigten Mütter und 15,4 % der Väter. Seit seiner Einführung wird das Elterngeld Plus somit immer stärker nachgefragt. Zwar fällt das Elterngeld Plus in der Regel monatlich niedriger aus als das sogenannte Basiselterngeld, wird dafür aber länger gezahlt (bis zu 36 Bezugsmonate für beide Elternteile zusammen im Vergleich zu 14 Monaten beim Basiselterngeld). Der prozentuale Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von Elterngeld, die bei ihrem Elterngeldbezug zumindest anteilig auch Elterngeld Plus einplanten, betrug im Jahr 2021 insgesamt 31,4 % (2020: 29,6 %). 

Geplante Bezugsdauer bei Müttern leicht gestiegen, bei Vätern unverändert 

Die durchschnittliche Dauer des geplanten Elterngeldbezugs lag bei den Frauen im Jahr 2021 bei 14,6 Monaten (2020: 14,5 Monate; 2019: 14,3 Monate). Die von Männern angestrebte Bezugsdauer war mit durchschnittlich 3,7 Monaten dagegen deutlich kürzer. Damit blieben die geplanten Bezugsdauern der Väter in den vergangenen Jahren praktisch konstant (2017, 2019 und 2020: ebenfalls 3,7 Monate; 2018: 3,8 Monate). 

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Elternzeit für Väter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 22. Februar 2022

Noch immer nehmen Mütter mehr Elternzeit als Väter in Anspruch. Warum ist das so? Liegt es an fehlenden Vorbildern, an der Vermutung, dass man nicht ersetzbar ist oder an den Rahmenbedingungen?

Im ersten Job-Talk 2022 der Badischen Zeitung interviewt Moderator Andreas Seltmann die beiden Väter Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg und Roland Meder, Leiter des Haupt- und Personalamtes der Stadt Freiburg. Eine kurzweilige halbe Stunde, die ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die Elternzeit bietet.

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Mehr Elternzeit für Väter ist überfälliger und guter Schritt nach vorne

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. Januar 2022

Im Interview mit der WELT äußert sich die neue Familienministerin Anne Spiegel zu ihren Plänen für die kommenden vier Jahre. Auf der Agenda stehen einige der Punkte, die auch die LAG Väterarbeit in NRW seit langem anmahnt. Dies sind zum Beispiel die Vaterschaftsfreistellung, die Weiterentwicklung der Elternzeit und Reformen im Unterhalts- und Umgangsrecht.

WELT: Um mehr Partnerschaftlichkeit in der Kindererziehung zu erreichen, plant die Ampel-Koalition einen Monat mehr Väterzeit in der Elternzeit. Ist das nicht zu kurz gesprungen?

Spiegel: Es ist zunächst mal ein überfälliger und guter Schritt nach vorne, dass wir die Partnermonate um einen Monat erweitern wollen. Man kann jetzt bedauern, dass wir nicht mehr tun. Ich tendiere zu einer anderen Sicht. Wir haben uns mit dem Koalitionsvertrag wirklich viel vorgenommen, und ich kann es kaum erwarten, jetzt loszulegen.

WELT: Überfällig ist auch die Umsetzung der EU-Richtlinie für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub nach der Geburt. Warum kommt Deutschland damit so spät?

Spiegel: Das müssen Sie die Vorgängerregierung fragen. Ich habe mich schon als Landesfamilienministerin in Rheinland-Pfalz dafür eingesetzt. Die Zeit nach der Geburt ist so entscheidend und wichtig, dass es selbstverständlich sein sollte, wenn beide Eltern beim Baby sein können.

WELT: Kinder wachsen in verschiedenen Familienkonstellationen auf. Vor allem Patchwork- und Stieffamilien sind auf dem Vormarsch – ohne dass die sozialen Eltern irgendwelche Rechte haben. Wie wollen Sie das ändern?

Spiegel: Das ist für mich ein absolutes Herzensthema. Es ist dringend erforderlich, dass wir die rechtlichen Rahmenbedingungen an die gesellschaftliche Realität anpassen. In Patchwork-Familien wird oft selbstverständlich Verantwortung füreinander übernommen. Das muss rechtlich abgesichert werden. Wir brauchen ein kleines Sorgerecht für „Bonuseltern“, wie ich sie gerne nenne.

Wir müssen auch endlich dafür sorgen, dass lesbische Mütter, die zusammen ein Kind bekommen, von Anfang an die rechtliche Anerkennung als Eltern bekommen. Und wenn der biologische Vater zum Beispiel aus dem Freundeskreis kommt, sollte auch er die Möglichkeit bekommen, aktiv seine Vaterrolle wahrzunehmen. …

WELT: Auch die bereits existierenden Familienformen sind schon anfällig für Brüche. Ein Großteil der Kinder erlebt die Trennung der Eltern – Streit um Unterhalt und Betreuung inklusive. Was wollen Sie für diese Trennungskinder tun?

Spiegel: Vor allem wollen wir die Trennungs- und Konfliktberatung verbessern und Eltern dabei helfen, das für sie richtige Betreuungsmodell zu finden, zum Beispiel das Wechselmodell. Denn auch nach einer Trennung gibt es viele Möglichkeiten, sich die Betreuung für die Kinder partnerschaftlich aufzuteilen.

Eine Trennung ist eine emotionale Ausnahmesituation, da kann es helfen, sich von Profis beraten zu lassen. Idealerweise einigt man sich danach außergerichtlich auf ein Modell der Betreuung, das dem Kindeswohl am besten entspricht. Wir wollen Partnerschaftlichkeit und die geteilte Verantwortung für Erwerbs- und Sorgearbeit auch in Trennungsfamilien unterstützen.

WELT: Ein solcher Paradigmenwechsel würde große Reformen erfordern. Lässt sich das in dieser Legislaturperiode auf die Beine stellen?

Spiegel: Das ist auf jeden Fall der Plan. Es ist ein sehr komplexes Vorhaben, da vom Umgangsrecht über Unterhaltsregelungen bis zum Steuer- und Melderecht viele Bereiche tangiert sind. Aber der Wille ist da. Wir wollen das jetzt anpacken. Hoffentlich schaffen wir es parallel, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Das wäre eine gute Grundlage, solche Prozesse im Sinne der Kinder zu gestalten. …

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9 von 10 Vätern wollen Elternzeit nehmen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 19. November 2021

Fast alle zukünftigen Eltern wollen Elternzeit in Anspruch nehmen und viele wünschen sich bessere Arbeitszeitmodelle. Gleichzeitig wachsen die Erwartungen an Unternehmen und Organisationen im Bereich der Familienfreundlichkeit für Mütter und Väter.

Am Freitag hat das Väternetzwerk conpadres in Hamburg die Trendstudie “Zukunft Vereinbarkeit” der Öffentlichkeit vorgestellt. Forsa befragte für die repräsentative Trendstudie zukünftige Eltern nach ihren Plänen und Erwartungen. “Unsere Studienergebnisse zeigen deutlich, dass Männer und Frauen mit Kinderwunsch einen ausgeprägten Wunsch nach mehr Familienbewusstsein haben und erwarten, dass ihre Arbeitgebenden diesem mit passenden neuen Arbeitsmodellen proaktiv begegnen”, fasst der Initiator des Väternetzwerks conpadres, Volker Baisch, die Ergebnisse zusammen. Er warnt außerdem, dass fast zwei Drittel der Befragten ihre Arbeitgebenden wechseln würden, wenn diese nicht auf die Wünsche der Eltern ausreichend eingingen.

Elternzeit für alle

Väter wollen aber nicht nur familienbewusste Angebote. 93 Prozent der befragten zukünftigen Väter planen in Elternzeit zu gehen. Ein Ergebnis, das selbst den erfahrenen Väterspezialisten Baisch überrascht hat. “Wir beobachten schon seit Jahren, dass sich immer mehr Väter eine längere Elternzeit wünschen. Dass jetzt aber 93 Prozent der Väter Elternzeit nehmen wollen und die große Mehrheit sogar mehr als die klassischen zwei Partnerschaftsmonate, hat selbst uns überrascht.”

Vollzeit wird Auslaufmodell

Ein weiteres Ergebnis der Trendstudie ist, dass zukünftige Väter sich die Kindererziehung gleichberechtigter mit ihren Partner:innen teilen wollen. “Wir sehen deutlich, dass die künftigen Väter nicht nur flexibler, sondern auch weniger Stunden arbeiten wollen.” erklärt Baisch “Das ‘New Normal’ wird die 4-Tage-Woche, um Familie und Beruf im Gleichgewicht zu halten” schätzt der Unternehmensberater die Ergebnisse ein. Die Erkenntnisse aus der Studie setzten damit nicht nur in der Wirtschaft ein deutliches Zeichen, so Baisch, sondern seien auch richtungsweisend für die zukünftige Regierung.

Starke Väter bedeuten starke Unternehmen

“Das Land braucht keine neuen Väter, sondern eine neue Personalpolitik, einen modernen Unternehmergeist und eine Politik, die soziale Nachhaltigkeit in der Unternehmenswelt stärkt und fördert,” fasst Volker Baisch die Aufgaben zusammen, die sich aus den Ergebnissen für Arbeitgebenden und Politiker:innen ergeben. “Starke Väter bedeuten in der Folge starke und attraktive Unternehmen für die kommende Elterngeneration.”

Mit der Studie will die gemeinnützige Unternehmensberatung Potentiale für eine zukunftsweisende und gewinnbringende Perspektive für Mütter und Väter aufzeigen und Unternehmen wettbewerbsfähig halten. Laut Baisch sei das Kernproblem nicht nur die ungerechte Lastenverteilung bei der Carearbeit, sondern auch die damit zusammenhängende ungleiche Bezahlung. Der Experte für das Thema “Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Vätern” freut sich über die deutlichen Studienergebnisse: “Denn aus den Ergebnissen können wir konkrete Maßnahmen ableiten und so werden wir gemeinsam mit unseren 30 Mitgliedsunternehmen im Väternetzwerk conpadres den gesellschaftlichen Wandel hin zu einer chancengerechteren Arbeitswelt beschleunigen.”

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Warum mehr Väter volle Verantwortung zu Hause übernehmen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 16. November 2021

Einem Bericht von Pew Research aus dem Jahr 2018 zufolge bleiben in den USA mehr Männer zu Hause, um sich um ihre Familien zu kümmern. In der Vergangenheit haben wirtschaftliche Abschwünge Männer aus dem Erwerbsleben gedrängt und sie in die Rolle des Hausmannes gedrängt. „Je nachdem, wie man es misst, waren auf dem Höhepunkt der Großen Rezession vielleicht zwei Millionen Männer Väter, die zu Hause blieben”, sagt Soziologieprofessor Scott Melzer. “Und wenn wir uns heute die Pandemie ansehen, haben wir eine weitere wirtschaftliche Katastrophe.”

Aber auch die Veränderungen bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und der Aufstieg von Frauen im Bildungswesen haben die Geschlechterrollen nachhaltig beeinflusst. Im Jahr 2020 stellten Frauen zum ersten Mal mehr als die Hälfte der US-Arbeitskräfte. „Junge Frauen überholen jetzt die jungen Männer bei den Hochschulabschlüssen und vielen Graduiertenabschlüssen”, sagt Kim Parker, Direktorin der Abteilung für soziale Trends am Pew Research Center.

Fünf Väter erzählen CNBC Make It, warum sie sich berufen fühlten, einen der anspruchsvollsten Jobs der Welt zu übernehmen.

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Und jetzt ist Papa dran

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 13. Mai 2021

Nur wenige Väter gehen länger als zwei Monate in Elternzeit. Das liegt an strukturellen Ungleichheiten, an Arbeitgebern – und auch an den Vätern selbst. Doch es gibt Ideen, wie sich das ändern ließe.

Als Hans-Georg Nelles vor 25 Jahren mit seiner Arbeit begann, hieß die Elternzeit noch Erziehungsurlaub. Nur ungefähr ein Prozent der Väter machten damals die Erfahrung, dass es eher Arbeit als All-inclusive-Ferien gleichkommt, ein Baby zu wickeln, zu füttern und herumzutragen, bis es einschlummert. Denn all das erledigten fast immer die Mütter. Wenn in politischen Willenserklärungen und bunten Arbeitgeber-Broschüren von “Vereinbarkeit von Beruf und Familie” die Rede war, dann ging es meist um Mütter, fast nie um Väter. “Das wollte ich ändern”, sagt Nelles, der selbst drei erwachsene Kinder hat. Heute leitet er die Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit in NRW und berät Unternehmen, wie sie “väterbewusste Personalpolitik” machen können.

Auch wenn sich in den vergangenen 25 Jahren viel getan hat: Die Arbeit dürfte ihm so schnell nicht ausgehen.

Spricht man mit Aktivisten wie Nelles, mit Juristinnen und Juristen oder Wissenschaftlern, dann wird klar: Ähnlich wie Mütter machen auch Väter im Beruf diskriminierende Erfahrungen. Es fällt nur seltener auf, weil Männer generell seltener und kürzer in Elternzeit gehen. Da ist der Arbeitgeber, der den werdenden Vater sicherheitshalber noch mal fragt, ob er sich das mit der Elternzeit denn gut überlegt habe. Oder der Angestellte, dessen Leistungsbeurteilung nach der beruflichen Auszeit schlechter ausfällt als zuvor. Oder aber, im Extremfall, der Mitarbeiter, dem direkt nach seiner Elternzeit die Kündigung ins Haus flattert. Andererseits gibt es auch Beispiele, die Väter ermutigen könnten, länger im Job auszusetzen.

Bis zu drei Jahre lang können Eltern hierzulande pro Kind in Elternzeit gehen, egal ob Vater oder Mutter. Das Elterngeld, das die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen im Jahr 2007 auf den Weg brachte, wird in der Basis-Version bis zu 14 Monate an die Eltern ausgezahlt, wobei maximal zwölf Monate von einem Elternteil genommen werden dürfen. In der Praxis beantragt ein Elternteil, meist die Mutter, das Elterngeld in knapp drei Viertel aller Fälle für zwölf Monate, der andere Elternteil, meist der Vater, für zwei. Auch deshalb gelten sie umgangssprachlich als “Vätermonate”. Das kann schon mal zu Missverständnissen führen: “Teilweise fragen Vorgesetzte werdende Väter, ob sie das denn überhaupt dürften – mehr als zwei Monate in Elternzeit gehen”, berichtet Nelles. Er lacht dabei ein wenig verzweifelt. …

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‚…die Belange von Familie sind politisch nichts wert‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Mai 2021

Birk Grüling, Autor von ‚Eltern als Team – Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit‘ im Gespräch mit der LAG Väterarbeit in NRW

Was war der Anlass für dich, den Ratgeber zu schreiben?

Sowohl privat als auch als Journalist habe ich mich in den letzten Jahren sehr viel mit dem Thema Vereinbarkeit auseinandergesetzt und damit auch mit der Frage, wie ich eigentlich arbeiten und wie viel Zeit ich für die Familie haben will. Ein ganz wichtiger Moment in diesem Zusammenhang war der Tod meines eigenen Vaters in der Schwangerschaft meiner Frau. Das hat mich sehr zum Grübeln gebracht. Mein Vater hat immer viel gearbeitet und wenig auf seine Gesundheit geachtet, am Ende hat er dadurch seinen Enkel verpasst. Und als Journalist habe ich das Privileg, meinen eigenen Fragen auch noch beruflich nachzugehen. So entstanden aus der privaten Suche nach meiner eigenen Vater-Rolle viele Texte und irgendwann dieses Buch. In dem Buch erzähle ich aber nicht nur von mir, sondern stelle Menschen und ihre tollen Ideen zu den ganz verschiedenen Aspekten von Vereinbarkeit vor. Ein Patent-Rezept entsteht daraus zwar nicht, aber viele spannende Impulse wie ich finde.

Zu Beginn des Buchs schreibst du „Vereinbarkeit ist nicht unmöglich“. Mir kommen da zwei Titel, vor 6 Jahren auch von Journalist:innen geschrieben, in den Kopf. Nämlich: „Geht alles gar nicht“ von Marc Brost und Heinrich Wefing und „Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ von Susanne Garsoffky und Britta Sembach. Was entgegnest du Ihnen aus heutiger Perspektive?

Ich habe beide Bücher nicht gelesen und kann zu ihnen auch wenig sagen. Allerdings bin ich ein großer Fan von konstruktivem Journalismus. Also Probleme benennen und Lösungen suchen, statt einfach nur zu jammern und die Flinte in Korn zu werfen. Und ja, es gibt sehr viele Probleme – von fehlenden Betreuungsplätzen bis zu alles anderes als familienfreundlichen Arbeitsmodellen. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich das Thema Vereinbarkeit für mich abharken und alles so mache wie unsere Eltern-Generation. Es muss doch etwas zwischen Hausmann und 60 Stunden Wochen Karrieremann geben.

Eine große Rolle spielt für dich die Vorbereitung auf das Elternsein. Du sprichst da von der Entwicklung einer „Familienvision“. Wie können sich Väter auf das Vatersein vorbereiten und auf welche „Rolemodels“ und Unterstützung können sie dabei zurückgreifen?

Ich glaube, der wichtigste Schritt ist die bewusste Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen der Vaterrolle. Also sehe ich mich eher als Ernährer und „Wochenendpapa“ oder will ich wirklich in Teilzeit arbeiten und kann ich mir dabei sogar vorstellen auf bestimmte Symbole zu verzichten. Ich habe das Gefühl, dass selbst vorher gleichberechtigte Paare ganz schnell in „traditionelle“ Rollenbilder abrutschen, einfach weil sie diese nie richtig hinterfragt haben. Und daraus entstehen oft Konflikte. Im Babykurs meiner Frau beschwerten sich zum Beispiel unzählige Mütter darüber, dass ihre Männer doch gar nicht so engagierte Papas waren, wie der Generation der „Neuen Väter“ gemeinhin nachgesagt wird. Und ich kann sagen: Konflikte über unausgesprochene Erwartungen klärt man lieber im Vorfeld, als völlig übermüdet und genervt mit zahnendem Baby auf dem Arm. Deshalb würde ich jedem raten, sich mit seiner zukünftigen Rolle auszusetzen und ruhig mal mit anderen Vätern und natürlich mit der eigenen Partnerin darüber zu sprechen. Und wenn ich die Rolemodels vielleicht nicht im eigenen Freundeskreis findet, kann ich sie mir im Internet suchen und mit ihnen in Kontakt treten.

Im Zusammenhang mit der Elternzeit schreibst du: „Noch nie standen die Chancen besser, mit alten Werten zu brechen, der Last des alleinigen Ernährers zu entfliehen und die eigene Vaterrolle neu und anders zu gestalten.“ Die Elternzeit gibt es ja schon seit 14 Jahren, woher rührt dein Optimismus?

Ist das wirklich optimistisch? Im Vergleich zu allen Väter-Generationen vor uns haben wir fürstliche Möglichkeiten. Gleichzeitig nutzen wir sie nicht genug und rutschen immer noch viel zu oft in Rollenbilder aus den 50er Jahren. Deshalb muss es noch mehr Druck zur Gleichberechtigung geben – zum Beispiel könnten Mütter und Väter, die gleichberechtigt in Elternzeit gehen, mehr Geld bekommen oder sogar eine „Pflicht“ zur Gleichberechtigung eingeführt werden, jedenfalls wenn man Elterngeld bekommen möchte. Ich bin also eher enttäuscht darüber, dass wir Eltern immer noch zu wenig aus den Chancen machen, bin aber froh, dass es sie überhaupt gibt – auch wenn bei ihnen durchaus Nachholbedarf besteht.

Welche Rolle spielen dabei die letzten 14 Monate mit Corona?

Corona ist ein komplexes Thema – einerseits haben wir gespürt, dass zuhause arbeiten deutlich besser funktioniert und daraus könnte eine deutlich rasantere Flexibilisierung der Arbeitswelt entstehen. Auch manche Väter haben sich nun stärker in die Care-Arbeit eingebracht und damit einen Wertewandel durchlaufen. Andererseits hat die Pandemie auch gezeigt, wie groß die Probleme in diesem Land sind – zum Beispiel, dass die Belange von Familie politisch nichts wert sind oder das auch Bildung keine so große Rolle spielte wie die Belange von Industrie und Wirtschaft. Und wir haben erlebt, dass am Ende in vielen Familien die Mütter die Last der Pandemie tragen und die Väter selbst im Homeoffice gut auf Tauchstation gehen können.  Am Ende sehe ich die Pandemie aber durchaus als Chance für Veränderungen. Jedenfalls kann man jetzt die Probleme und die Versäumnisse nicht mehr klein oder schön reden.

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist die Erwerbsarbeitszeit bzw. die „30 Stunden Woche“ als neue Vollzeit. Warum ist die Möglichkeit einer Reduzierung der Erwerbsarbeitszeit für Väter so wichtig?

Ich hole mal etwas theoretisch aus. Forscher der Oxford University kamen in einer Studie zum Schluss, dass in den USA 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten bedroht sind. In Deutschland sieht es ähnlich aus. Wir müssen uns also schon heute Gedanken machen, wie wir bald weniger vorhandene Arbeit besser verteilen können. Und ich halte dabei die 30 Stunden Woche für ein tolles Modell. Die Zeit reicht aus, um Arbeit zu gestalten und auch „Karriere“ zu machen. Auf der anderen Seite bleibt so deutlich mehr Platz für die Familie oder das Privatleben. Außerdem ließe sich die Arbeit besser und gerechter verteilen. Dadurch das auch sehr hochqualifizierte Mütter oft nur geringen Umfang arbeiten, geht Unternehmen viel Wissen und Knowhow verloren. Kurzum: Die 30-Stunden Woche wäre geeignet, um die „Work-Life-Balance“ zu verbessern und mehr Gleichberechtigung zu schaffen. Allerdings darf das nicht eine Akademiker-Geschichte bleiben. Auch in der Pflege oder im Einzelhandel muss eine 30 Stunden Woche so gut bezahlt sein, dass ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Und davon sind wir leider oft noch etwas entfernt.

Der Begriff des „Mental Load“ wird ja im Kontext von partnerschaftlicher Arbeitsteilung von vielen angeführt. Du schreibst in dem Abschnitt „Wir müssen über Geld reden“ von einem „Financial Load“, sind das zwei Seiten einer Medaille?

Ich glaube, 1 zu 1 übertragbar sind die beiden Dinge nicht. Aber die (fast) alleinige Last des Familienernährers ist für mich ein wichtiges Thema, über das zu wenig besprochen wird. Dieses Modell ist nämlich immens gefährlich und sehr belastend. Dem Alleinernährer darf nichts passieren, von seinem Gehalt lebt die Familie. Kommt es doch zu einem Unfall oder einer schweren Erkrankung, wird es richtig schwer für die Familie – nicht nur emotional, sondern auch finanziell. Von den negativen Auswirkungen auf die Rentenansprüche der Frau ganz zu schweigen – Kinder groß zu ziehen, ist ein großes Armutsrisiko im Alter. Deshalb müssen wir dringend auch die „Last“ der Erwerbsarbeit besser verteilen und dazu gehört auch die Überwindung des Gender Pay Gaps. Und wir Väter gewinnen dabei nur: Wir müssen weniger arbeiten, müssen uns weniger Sorgen machen, ob das Gehalt für alle wohl reicht und haben noch mehr Zeit für die Kinder. Achja, Paare, die gleichberechtigt arbeiten, haben auch noch ein deutlich höheres Familieneinkommen als Alleinernährer.

„Vereinbarkeit ist kein Sprint sondern ein Marathon“ steht auf einer der letzten Seiten deines Buchs. Was müssen Väter in jedem Fall beachten, damit sie die „Strecke“ durchhalten?

Familienleben ist hoch dynamisch. Ständig tauchen neue Herausforderungen auf. Geschwister werden geboren, Arbeitszeiten verändern sich, die Schulzeit beginnt, auch unvorhersehbare Dinge wie Krankheiten bringen alte Routinen durcheinander. Deshalb muss ich auch in Sachen Vereinbarkeit ständig nachjustieren und immer wieder neue Wege und Lösungen suchen. Denn alles was gestern noch reibungslos klappte, kann morgen schon völlig unpassend sein. Deshalb ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben und sich auch als Eltern-Team regelmäßig zu fragen, ob die vor zwei Monaten oder zwei Jahren getroffenen Entscheidungen noch heute passen oder ob gegengesteuert werden muss. Das ist glaube ich das wichtigste Rezept beim Durchhalten. Am Ende müssen einfach alle Beteiligten zufrieden sein.

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Eltern als Team – Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. Mai 2021

Das ist der Titel des ‚konstruktiven Buches‘ von Birk Grüling, Jahrgang 1985 und selbst Vater eines Sohnes. Konstruktiv in dem Sinne, dass er Vereinbarkeit für möglich hält und sich vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen selbstkritisch mit den Möglichkeiten und Hindernissen auseinandersetzt. Diese subjektive Perspektive wird ergänzt durch die Perspektive von 16 Praktiker:innen, Coaches, Therapeut:innen, Trainer:innen und Personalverantwortlichen sowie zahlreichen Vätern und Müttern, die ihr Ringen um eine gemeinsame Lösung beschreiben.

„Eltern als Team“, das ist die Übersetzung des seit langem geäußerten Wunschs junger Mütter und Väter nach einer partnerschaftlichen Aufteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Familien- bzw. Care-Arbeit. Vereinbarkeit geht nur gemeinsam, wenn überhaupt.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich ebenfalls Journalist:innen, Marc Brost und Heinrich Wefing mit „Geht alles gar nicht“ und Susanne Garsoffky und Britta Sembach mit „Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ ganz anders positioniert haben.

Aber auch Grüling macht an dieser Stelle keine falschen Versprechungen. Vereinbarkeit ist kein Sprint, den Mann oder Frau mal eben abläuft, sondern ein Marathon, der den permanenten Austausch zwischen Vater und Mutter erfordert. Und damit beginnen die werdenden Eltern am besten vor der Geburt.

Damit meint der Autor nicht nur die ‚Geburtsvorbereitung und den „Nestbau“, er skizziert quasi als Vorbereitung auf die Vereinbarkeit für eine gemeinsame ‚Familienvision‘ die natürlich voraussetzt, dass auch der werdende Vater eine Vorstellung davon entwickelt, welcher Vater er sein möchte. Wie dieser Visionsentwicklungsprozess aussehen kann, beschreibt er sehr anschaulich. „Die erste Frage für dich wäre also: Welches Bild von mir als Vater … habe ich selbst?“ und dabei geht es natürlich auch um die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen mit dem eigenen Vater bzw. der eigenen Mutter.

Die Hinweise und Fragestellungen die Grüling an dieser, aber auch an vielen anderen Stellen formuliert, sind ein passendes Angebot und verleiten wirklich dazu, sich auf die entsprechenden Situationen und Herausforderungen einzulassen und im Anschluss daran, das Gespräch mit der Partnerin zu suchen.

Apropos Partnerschaft, dass es nicht nur um eine möglichst optimale und gleichberechtigte Aufgabenteilung geht, sondern um die Pflege einer Beziehung und die Selbstsorge, macht er in einem eigenen Abschnitt deutlich. Wie wichtig dies ist, macht das Zitat zu Beginn dieses Abschnitts deutlich, dass Jeder und Jede kennt, die schon einmal geflogen ist: „Im unwahrscheinlichsten Fall eines Druckverlusts falle automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke … Atmen Sie normal weiter. Helfen Sie danach Kindern und hilfsbedürftigen Menschen.“ Nur in dieser Reihenfolge gelingen Beziehungen, Vereinbarkeit und Erziehung von Kindern.

Weitere Themen sind Elternzeit, Bedeutung und Auswahl von Kinderbetreuungseinrichtungen und die Routine, die sich irgendwann einstellt. Grüling spricht in diesem Zusammenhang auch von den „Drei Säulen der Vereinbarkeit“ und macht deutlich, dass sich zwar jedes werdende und gewordene Elternpaar für ihren Weg entscheidet, dass die Gestaltung der Rahmenbedingungen keineswegs nur Privatsache ist.

Diese eröffnen Möglichkeiten oder engen sie ein. Das fängt bei Regelungen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht an, geht über die Kinderbetreuung und hört bei Regelungen zur Arbeitszeit noch lange nicht auf. Die „30 Stunden Woche“ taucht an vielen Stellen als Option auf und es wird deutlich, dass diese in der Lebensphase mit kleinen Kindern, der Weg sein kann, „Mental- und Financial Load“ gerecht zu verteilen und Väter und Mütter in die Lage zu versetzen, als Team zu agieren.

„Noch nie standen die Chancen besser, mit alten Werten zu brechen, der Last des alleinigen Ernährers zu entfliehen und die eigene Vaterrolle neu und anders zu gestalten.“ Lautet eine der Kernaussagen des Buchs, dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Familien in den vergangenen 14 Monaten gemacht haben. Der Ratgeber von Birk Grüling ist bestens dazu geeignet, die richtigen Lehren aus dieser Zeit zu ziehen und sich als werdende oder gewordene Väter und Mütter mit der eigenen Zukunft als Eltern und Paar auseinanderzusetzen.

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