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Archiv für die 'Elternzeit' Kategorie

Väterbeteiligung beim Elterngeld steigt weiter an

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 15. Februar 2017

Für mehr als jedes dritte Kind (35,7 %), das im zweiten Quartal 2015 in Deutschland geboren wurde, bezog der Vater Elterngeld. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, hat sich die sogenannte Väterbeteiligung beim Elterngeld damit im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,3 Prozentpunkte erhöht. Dies zeigen die aktuellen Berechnungen zu den abgeschlossenen Leistungsbezügen für im zweiten Quartal 2015 geborene Kinder aus der amtlichen Statistik zum Elterngeld.

Sachsen war im zweiten Quartal 2015 mit inzwischen 46,7 % weiterhin Spitzenreiter bei der Väterbeteiligung, gefolgt von Bayern mit 43,4 % und Thüringen (42,7 %). Die geringsten Werte wiesen Bremen mit 27,3 % und das Saarland mit 24,5 % auf.

Elterngeld 2015-2

Die Väterbeteiligung steigt seit Beginn der Berechnungen (Geburtsjahr 2008) kontinuierlich an. Bei den im zweiten Quartal 2008 geborenen Kindern war es bundesweit noch jedes fünfte Kind (20,5 %) gewesen, für das der Vater Elterngeld in Anspruch nahm. Zwei Jahre später war es bereits jedes vierte Kind (25,4 %). Die Mütterbeteiligung am Elterngeld lag während des gesamten Zeitraums bei 95 bis 96 %.

Deutschlandweit ist die Väterbeteiligung zwischen dem zweiten Quartal 2008 und dem zweiten Quartal 2015 um 15,2 Prozentpunkte gestiegen. Ausgehend von unterschiedlichen Niveaus in den einzelnen Bundesländern gab es in den letzten 7 Jahren die höchsten Anstiege in Baden-Württemberg (+ 20,0 Prozentpunkte), Sachsen (+ 19,6 Prozentpunkte) und Thüringen (+ 17,5 Prozentpunkte), die geringste Zunahme wies Bremen auf (+ 9,8 Prozentpunkte).

Detaillierte Ergebnisse der Elterngeldstatistik für im zweiten Quartal 2015 geborene Kinder sowie Ergebnisse zum Elterngeld Plus (detaillierte Ergebnisse zu Bestandsdaten bis zum dritten Quartal 2016) sind im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes abrufbar.

Quelle

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Was die Beteiligung von Vätern an der Erziehung ihrer Kinder stärkt

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. Februar 2017

Colette Fagan und Helen Norman von der Manchester University haben erforscht, welche Faktoren die Beteiligung von Vätern an der Erziehung ihrer Kinder stärken. Ihre Ergebnisse:

Die Möglichkeit für den Vater, Vaterschafts- und Elternurlaub zu nehmen, ist von entscheidender Bedeutung, ebenso wie die Förderung von Arbeitszeiten für Männer, die ihnen ein aktives Familienleben ermöglichen, also insbesondere eine kürzere Vollzeit. Bei der Elternzeit kommt es darauf an, dass die Monate für den Vater reserviert sind

Die Forscherinnen fanden zudem heraus, dass ein Vater eher an der Kinderbetreuung beteiligt ist, wenn die Mutter Vollzeit beschäftigt ist. Daher sind Maßnahmen, die es allen Frauen ermöglichen, eine sanfte Wiederaufnahme der Beschäftigung nach der Geburt zu ermöglichen, zu einer gleichberechtigteren Gleichstellung der Geschlechter förderlich. Eine qualitativ hochwertige, erschwingliche und flexible Kinderbetreuung ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

Schließlich sei es auch wichtig, das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu reduzieren. Wenn Mütter weniger verdienen und deshalb in Teilzeit wechseln reduziert dies die Wahrscheinlichkeit, dass der Väter an der Betreuung ihrer Kinder beteiligt sind.

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26 Wochen Elternzeit für alle Väter und Mütter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 1. Februar 2017

Im April 2016 kündigte Etsy, eine internationale Handelsplattform für den Kauf und Verkauf von handgemachten Produkten, Vintage und Künstlerbedarf an, allen Beschäftigten, unabhängig von Geschlecht, Land, Wohnsitz oder Familienstand 26 Wochen bezahlte Elternzeit zu gewähren.

Nach neun Monaten wurde eine erste Bilanz gezogen: 48 Beschäftigte haben die Möglichkeit genutzt, jeweils zur Hälfte Männer und Frauen (der Frauenanteil bei Etsy beträgt 54%). Die Inanspruchnahme der Elternzeit hatte einen überwiegend positiven Einfluss auf die berufliche Entwicklung: 35% sind seit April 2016 befördert worden, von ihnen 41% auf das Level eines Direktors oder höher.

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Happy Birthday Elternzeit und Partnermonate

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 31. Dezember 2016

Zum Jahreswechsel werden Elternzeit und Partnermonate 10 Jahre alt. Väter und Mütter, deren Kinder am 1. Januar 2007 und danach geboren wurden, konnten die neuen Regelungen in Anspruch nehmen. Die damit verbundenen Entwicklungen sind an dieser Stelle intensiv begleitet und kommentiert worden und ich möchte den Jahrestag nutzen, um eine Perspektive auf die nächsten Jahre zu eröffnen.

In dem kürzlich erschienenen Väterreport 2016 heißt es dazu: “Die Bilanz zur Nutzung des ElterngeldPlus für das zweite Quartal 2016 fällt positiv aus: 18,1 Prozent – in einigen Regionen sogar bis 30 Prozent – der Eltern, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren wurden, haben sich für das ElterngeldPlus entschieden. Bei Vätern kommt besonders der Partnerschaftsbonus gut an, der die gleichzeitige Erwerbstätigkeit von 25 bis 30 Wochenstunden mit der Partnerin fördert: Bis zu 37 Prozent der Väter, die ElterngeldPlus beantragen, entscheiden sich zugleich für den Partnerschaftsbonus.” Das ist alles korrekt aber in absoluten Zahlen ausgedrückt haben 1887 Väter den Partnerschaftsbonus in Anspruch genommen, das sind 2,4% derjenigen die Elternzeit genommen haben. Was braucht es also, um mehr Vätern die Realisierung ihrer Wünsche zu ermöglichen?

‚Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler bzw. der Elterngeldstelle‘ lautet sinngemäß eine Erkenntnis aus dem Marketing. In Island sind bei der Formulierung der Elternzeitregelungen Väter beteiligt worden. Eine über 90prozentige Inanspruchnahme durch Väter ist das Ergebnis. Antoine de Saint-Exupery hat geschrieben: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ In diesem Sinne geht es nicht darum, komplizierte Regeln immer wieder zu erklären, sondern Wünsche und Sehnsüchte von Vätern aufzugreifen und ihnen deren Verwirklichung zu erleichtern.

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Gedanken und Zahlen zum Partnerschaftsbonus

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 29. November 2016

… beschäftige mich gerade mit den Aussagen des gestern veröffentlichten Väterreport 2016 zum ElterngeldPlus bzw. dem Partnerschaftsbonus. Dazu heißt es dort u.a.:

“Die Bilanz zur Nutzung des ElterngeldPlus für das zweite Quartal 2016 fällt positiv aus: 18,1 Prozent – in einigen Regionen sogar bis 30 Prozent – der Eltern, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren wurden, haben sich für das ElterngeldPlus entschieden. Bei Vätern kommt besonders der Partnerschaftsbonus gut an, der die gleichzeitige Erwerbstätigkeit von 25 bis 30 Wochenstunden mit der Partnerin fördert: Bis zu 37 Prozent der Väter, die ElterngeldPlus beantragen, entscheiden sich zugleich für den Partnerschaftsbonus.”

Das ist alles korrekt aber in absoluten Zahlen ausgedrückt haben 1887 Väter den Partnerschaftsbonus in Anspruch genommen, das sind 2,4% derjenigen die Elternzeit genommen haben. Es gibt also noch eine Menge zu tun!

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Väter-Barometer 2016 erschienen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 22. November 2016

Bei Unternehmen gibt es in Sachen Väterfreundlichkeit noch einen deutlichen Handlungsbedarf – doch es bewegt sich was: Junge Väter nehmen, laut dem gerade veröffentlichten 2. Väter-Barometer, die Väterfreundlichkeit ihrer Arbeitgeber etwas positiver wahr als der Durchschnitt.

Eine väterbewusste Personalpolitik ist ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur und als solche in der Arbeitswelt angekommen. Dies bestätigen Väter und Arbeitgeber in der jetzt erschienenen zweiten Auflage des Väter-Barometers. Die befragten Unternehmen haben erkannt, dass „klassische“ Vereinbarkeitsangebote Väter nicht angemessen ansprechen und bieten deshalb vermehrt individuell gestaltbare Maßnahmen wie flexible Arbeitszeit, flexible Führungsmodelle oder mobiles Arbeiten an. So plant beispielsweise mittlerweile jedes vierte Unternehmen Maßnahmen zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Allerdings sind sie von einem niedrigen Niveau gestartet – gerade für Väter älterer Kinder bleiben Defizite bestehen, was Kommunikation und Angebote betrifft.

Die repräsentative Befragung von 1.000 Vätern und 300 Arbeitgebern zeigt, dass sich Väter ein Arbeitsleben wünschen, das mit dem Familienleben vereinbar ist. Gerade bei jungen Vätern zwischen 18 und 29 Jahren ist der Wunsch nach einer möglichen Arbeitszeitreduzierung zugunsten der Familie besonders stark: Sieben von zehn Befragten interessieren sich dafür. Insbesondere der Wunsch nach vollzeitnaher Teilzeit ist in dieser Altersgruppe ausgeprägt. Der Anteil der jungen Väter, die ihre Arbeitszeit um bis zu 20% reduzieren wollen, hat sich gegenüber 2015 auf 46% verdoppelt.

Zudem empfinden junge Väter die Kultur in ihren Unternehmen als väterfreundlicher als die Gesamtheit der Väter. Sie nehmen sowohl ein stärkeres systematisches Interesse der Arbeitgeber an ihnen und ihrer Rolle als Väter wahr und fühlen sich auch durch die Kommunikation der Unternehmen besser angesprochen als die Gesamtheit der Väter.

Deutschlands Arbeitgeber schätzen ihre Vereinbarkeitsangebote realistischer ein als noch 2015, haben ihr Angebot an Vereinbarkeitsmaßnahmen – gestartet von niedrigem Niveau – aber hinsichtlich flexibler Modelle ausgebaut. Die familienpolitischen Leistungen wie Elterngeld und ElterngeldPlus haben das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Vätern gestärkt: Gerade junge Väter fühlen sich von den Angeboten angesprochen und haben das Gefühl, familiäres Engagement werde von den Unternehmen verstärkt akzeptiert und unterstützt. Die Unternehmen sind offen für väterfreundliche Maßnahmen – Väter machen gute Erfahrungen mit der Elternzeit. Spielräume für Verbesserungen gibt es aber für Väter älterer Kinder. Nun müssen gute Beispiele und Vorbilder auf allen Ebenen geschaffen und aktiv kommuniziert werden.

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Die meisten Väter in Elternzeit gibt es in Jena die wenigsten in Gelsenkirchen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Oktober 2016

In der thüringischen Stadt Jena lag die Väterbeteiligung beim Elterngeld für Nachwuchs, der im Jahr 2014 geboren wurde, bei 57,8 %. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, löste Jena damit den bayerischen Landkreis Main-Spessart von der Spitzenposition ab. Hier war die Väterbeteiligung mit 49,5 % am sechsthöchsten. Im Bundesdurchschnitt lag die Beteiligung von Vätern bei 34,2 %; die Mütterbeteiligung betrug 95,9 %. Schlusslicht ist mit 14,2 % Gelsenkirchen.

Elterngeld_Kreise_2014

In acht von zehn Kreisen (in 334 von insgesamt 402 Landkreisen beziehungsweise kreisfreien Städten) lag der Anteil der Kinder, deren Väter Elterngeld in Anspruch genommen haben, bei mindestens 25 %. In fast der Hälfte der Kreise (191) wurde sogar ein Anteil von mindestens 35 % erreicht – mit einer klaren regionalen Konzentration im Süden und Südosten Deutschlands.

Die Höhe des Elterngeldes ist entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen abhängig vom bisherigen Einkommen der Elterngeldbeziehenden. Auch hier gab es deutliche regionale Unterschiede: Die 286 kreisfreien Städte und Landkreise, in denen der durchschnittliche Elterngeldanspruch von vor der Geburt erwerbstätigen Vätern mindestens 1 200 Euro betrug, befanden sich ausschließlich im früheren Bundesgebiet. 18 der 19 Kreise, in denen dieser Anspruch weniger als 1 000 Euro betrug, lagen in ostdeutschen Bundesländern.

Der Elterngeldanspruch von Vätern, die vor der Geburt erwerbstätig waren, war mit bundesweit durchschnittlich 1 266 Euro – wie auch schon in den Vorjahren – deutlich höher als der Elterngeldanspruch von vor der Geburt des Kindes erwerbstätigen Müttern (921 Euro). Anders als bei den Vätern betrug der vergleichbare durchschnittliche monatliche Elterngeldanspruch von Müttern nur in 32 Kreisen mindestens 1 000 Euro. Die unterschiedlich hohen Elterngeldansprüche sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass Väter häufiger vor der Geburt ihres Kindes erwerbstätig waren und in der Regel ein höheres anrechenbares Einkommen erzielten.

Die Bezugsdauer des Elterngeldes für im Jahr 2014 geborene Kinder lag im Schnitt für Väter bei 3,1 Monaten und für Mütter bei 11,6 Monaten. Während die Bezugsdauer bei Müttern regional ähnlich war, unterschied sich diese bei Elterngeld beziehenden Vätern deutlich. Die höchsten Anteile an Vätern, die sich für die Mindestbezugsdauer von zwei Monaten entschieden, gab es in Bayern (85 %) sowie in Baden-Württemberg und Thüringen (84 %).

Die Ergebnisse bietet die Publikation Elterngeldstatistik für im Jahr 2014 geborene Kinder zu allen 402 Kreisen in Deutschland sowie dazugehörige Kreiskarten.

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52 – 69 – 47

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. September 2016

Die Zahlen sind beeindruckend: 52 Prozent der Väter möchten mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen, 69 Prozent geben an, sich mehr an der Erziehung und Betreuung der Kinder zu beteiligen als die Väter ihrer Elterngeneration und 47 Prozent der Eltern mit Kindern unter sechs Jahren wünschen sich eine Erwerbskonstellation, in der beide Partner (annähernd) gleich lange arbeiten.

Diese und viele weitere Zahlen finden sich in der aktuellen Broschüre „Mehr Zeit für die Familie: Väter und das ElterngeldPlus“ des Familienministeriums, die sich an die neue Generation Vereinbarkeit richtet und Vätern Elternzeit verbunden mit einer Teilzeittätigkeit schmackhaft machen möchte. Dazu werden dann eine ganze Reihe guter Argumente aufgezählt:

  • Arbeitgeber respektierten inzwischen Väter, die von ihrem guten Recht Gebrauch machen
  • der Fachkräftemangel befördere diesen Gesinnungsumschwung und
  • die Unternehmen profitieren von zufriedenen , loyalen und motivierten Mitarbeitenden

Alles richtig und auch mit einer lockeren Überschrift versehen. Aber Vätern geht es nicht um „Applaus aus der Business Lounge“, sie möchten, dass das, was sie tun als normal angesehen und wertgeschätzt wird. Und das was sich in neun Jahren Elternzeit und Partnermonaten zur NORMalität entwickelt hat, sind die im Gesetz vorgesehenen zwei Monate Elternzeit der Väter. Diese werden, dass zeigen verschiedenen Untersuchungen, inzwischen durchgewunken.

In der Broschüre werden dazu die absoluten Zahlen geliefert, die eine gleichmäßige Steigerung nahelegen, aber die Trends sind gegenläufig: Die Zahl der Väter, die Elterngeld bezogen haben ist im Zeitraum 2008 bis 2014 im Bundesdurchschnitt von 20,8 auf 34,2 Prozent angestiegen, der Anteil derer, die dies länger als zwei Monate gemacht haben allerdings von 28,2 auf 20,6 Prozent gesunken. Ein vertiefender Blick in die Zahlen zeigt zudem, dass in den Bundesländern, in denen die Quote höher ist wie z.B. in Sachsen oder Bayern, die Bezugsdauer noch niedriger ist.

Das neue ElterngeldPlus und die Partnerschaftsbonusmonate sollten diese Entwicklung stoppen und Vätern (und Müttern) mehr Möglichkeiten geben, ihre Wünsche nach einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zu realisieren. Mehr Möglichkeiten gibt es in der Tat, die Regelungen sind aber so komplex, dass sie mehrere 100 Seiten umfassen und vor allem an den betrieblichen Wirklichkeiten komplett vorbeigehen.

So wird auch nach der Reform an einer eigenen Zeitrechnung, die den Tag der Geburt des Kindes zum Ausgangspunkt hat, festgehalten. Diese Stunde verändert zwar in der Tag den gesamten Alltag, für die Aushandlungsprozesse mit zwei unterschlichen Arbeitgebenden zur Vereinbarung einer exakt gleichzeitigen 4monatigen , zwischen 25 und 30 Stunden, als Voraussetzung für den Bezug des Partnerschaftsbonus, ist sie weniger geeignet.

Die Regelung an sich, als Familienarbeitszeit Light gedacht, in der beide, aber insbesondere die Väter ‚unverbindlich‘ und ohne Risiko ausprobieren können, wie sich eine Arbeitszeitreduzierung anfühlt ist ja schon unflexibel. Dadurch, dass es im betrieblichen Alltag fünf Monate sind, von denen zwei mittendrin anfangen und enden, wird sie noch schwerer händelbar. Wie lautet der alte Marketingspruch: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler bzw. der Elterngeldstelle.

Antoine de Saint-Exupery hat geschrieben: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ In diesem Sinne geht es nicht (in erster) Linie darum, komplizierte Regeln immer wieder zu erklären, sondern Wünsche und Sehnsüchte von Vätern aufzugreifen und ihnen deren Verwirklichung zu erleichtern.

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Kann Mann als Spitzenpolitiker auch ein sorgender Vater sein?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 7. August 2016

balancierenAuf den WDR Beitrag „Papa an der Macht“ habe ich an dieser Stelle ja bereits hingewiesen. Quasi als „Abschrift“ haben Von Julia Friedrichs und Nicol Ljubic einen umfangreichen Beitrag in der ZEIT veröffentlicht, in dem sie auch auf Hintergründe zu dem Dreh eingehen.

„… Die kurze Antwort, das sagen alle, die sich für diese Reportage interviewen ließen, lautet: Nein, eigentlich nicht. Mehr noch als Spitzenjobs in Wirtschaft und Verwaltung verlangt die Politik nach permanenter Anwesenheit und Verfügbarkeit. Dienstreisen, Nachtsitzungen, ständige Erreichbarkeit gehören zum Alltag. Wissenschaftler des Münchner ifo Instituts schätzen einer bisher unveröffentlichten Umfrage zufolge, dass die Arbeitszeit von Spitzenpolitikern in ruhigen, also Nicht-Wahlkampf- und Nicht-Krisenzeiten, bei mehr als 80 Wochenstunden liegt. Das führt zu zwei Absurditäten: Während die Politik seit Jahren daran arbeitet, dass in diesem Land Job und Familie vereinbar sein sollen, haben ausgerechnet die Politiker selbst extrem wenig Raum für Kinder, für ein Privatleben. Und obwohl viele Deutsche ihren Spitzenpolitikern vorwerfen, dass sie in einer Blase leben, abgekoppelt vom normalen Leben und von den Sorgen des Alltags, trauen sich viele Politiker auch aus Angst vor der Wut des Wählers nicht, mehr Zeit für die Familie einzufordern.

Dabei wären die Zeiten für Veränderungen günstig: Im Kabinett Merkel saßen noch nie so viele Minister, die Eltern kleiner Kinder sind. Während aber die Frauen wie Manuela Schwesig (Mutter von Julian, 9, und Julia, die im März geboren wurde) oder Andrea Nahles (Mutter von Ella Marie, 5) oft gefragt werden, ob die Kinder daheim die Mutter nicht vermissen, interessiert die Frage kaum, wie es die Männer schaffen, Politiker und Vater zu sein.“

In dem Beitrag wir oft von Zwängen gesprochen, ich sehe diese als Entscheidungen an. Dass PolitikerInnen nicht in der Lage, oder Willens sind, die Rahmenbedingungen unter denen sie wirken (wollen) auch entsprechend zu gestalten, ist weniger als ein Armutszeugnis und lässt die Forderung ‚Deutschland muss kinderfreundlicher werden‘ als hohle Phrase erscheinen. Leider!

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1873 Väter haben Partnerschaftsbonus beantragt

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 5. August 2016

Zu viel Zeit im Job, zu wenig für die Kinder. Junge Mütter und Väter fühlen sich zunehmend überlastet und beklagen Zeitknappheit. Jeder zweite Vater und jede vierte Mutter in Deutschland würde gern weniger Zeit mit Erwerbsarbeit verbringen, um dafür mehr Zeit für Kinder und Familie zu haben. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor. 65 Prozent der berufstätigen Eltern geben an, sie könnten ihre Arbeitszeit entgegen ihren Wünschen nicht reduzieren, weil sie auf die Einkünfte angewiesen seien.

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Diese Angaben finden sich auch in auch in der AOK-Familienstudie: Auch dort äußert etwa die Hälfte aller Eltern, dass sie sich im Alltag zwischen Job und Familie durch Zeitmangel gestresst fühlen. 2010 lag der Anteil der überlasteten Eltern erst bei 40 Prozent.

Während Väter sehr häufig Vollzeit arbeiten, gehen die meisten erwerbstätigen Mütter einer Teilzeitbeschäftigung nach. Dies trifft den Zahlen der Regierung zufolge auch dann noch zu, wenn die Kinder bereits älter sind. Rund 2,5 Millionen vollzeiterwerbstätigen Vätern mit Kindern zwischen acht und 14 Jahren standen 2014 nur rund 700.000 vollzeittätige Mütter gegenüber, wie aus der Regierungsantwort hervorgeht. Auch Väter von Kindern zwischen drei und acht Jahren arbeiteten viermal häufiger Vollzeit als die Mütter. Dagegen war der Teilzeitanteil von Vätern der bis zu Dreijährigen im Vergleich zum Teilzeitanteil der Mütter gering: 500.000 teilzeitbeschäftigten jungen Müttern in Paarbeziehungen standen 21.000 Teilzeit-Väter gegenüber.

Mit wirklichen Zeitbedürfnissen hat das wenig zu tun, wie das Papier zeigt. 28 Prozent der erwerbstätigen Mütter wünschen sich mehr Zeit für den Job. Zwar wollen das nur sieben Prozent der Väter, aber 79 Prozent von ihnen hätten gern mehr Zeit für die Familie. “Gut 60 Prozent der Eltern, deren jüngstes Kind zwischen einem und drei Jahre alt ist, wünschen, dass beide Partner im gleichen Umfang erwerbstätig sind und sich gleichermaßen um Haushalt und Familie kümmern.” Auch 47 Prozent der Eltern älterer Kinder “würden idealerweise eine Konstellation wählen, in der beide Partner gleich oder annähernd gleich lange ihrem Beruf nachgehen”.

2015 wurde neben dem ElterngeldPlus ein Partnerschaftsbonus eingeführt: Eltern, die sich die Betreuung des Kindes teilen und beide mindestens 25 Wochenstunden arbeiten, bekommen vier zusätzliche Elterngeld-Monate. Doch bislang fruchtet das kaum: “Von den 42.772 Personen, die im vierten Quartal 2015 Elterngeld bezogen und Elterngeld plus beantragt haben, haben 1873 auch den Partnerschaftsbonus beantragt”, das sind 4,38 Prozent.

Die Grünen-Fraktionsvize Katja Dörner äußert zu der Antwort der Bundesregierung: „Eltern wollen mehr Zeit für ihre Kinder. Und sie wollen sich Erwerbs- und Familienarbeit gerecht untereinander aufteilen. Elterngeld und Elterngeld plus reichen nicht, um Eltern dies zu ermöglichen.” Sie plädiert dafür, die Subventionierung der Familienzeit deutlich auszuweiten und an die Bedürfnisse der Eltern anzupassen.

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