der VÄTER Blog

lebe deinen Traum!

Auch die beste Freundin weiß nicht, dass der Vater in Haft sitzt

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. November 2022

„Ich kam nach Hause und habe gefragt, wo Papa ist. Da hat Mama gesagt, was Sache ist. Und da war ich sehr, sehr traurig, weil ich ja gewohnt war, dass mein Vater und meine Mutter da sind.“

Rund 62.000 Inhaftierte gibt es in Deutschland, die meisten von ihnen sind Männer. Zwei Drittel, so schätzt man, haben Kinder unter 18 Jahren. Um die 100.000 Jungen und Mädchen können es sein, die damit leben müssen, dass Vater oder Mutter im Gefängnis sitzen.

Immer mehr Haftanstalten beginnen damit, auch die Angehörigen in den Blick zu nehmen. Oftmals ist diese eine Kooperation von Gefängnisseelsorge, Straffälligenhilfe und Justiz. In einigen JVA‘s gibt es inzwischen Langzeitbesuche über mehrere Stunden, Familientreffen, Vater-Kind-Treffen, Familien-Sonntage oder Väter- bzw. Müttergruppen. Nur wenige haben umfangreiche Angebote für die ganze Familie.

In Nordrhein-Westfalen gibt es 36 Gefängnisse mit insgesamt ca. 16.000 Inhaftierten. Vorreiter für einen familienorientierten Strafvollzug ist die Anlaufstelle ‚Freiräume‘ der Diakonie für Bielefeld. Sie ist seit 15 Jahren Kooperationspartner des geschlossenen Vollzugs in Bielefeld-Brackwede.

Einige europäische Länder wie etwa Dänemark, Schweden oder die Niederlande sind viel weiter als Deutschland, was familienfreundlichen Strafvollzug angeht. In Dänemark zum Beispiel gibt es sogar Kinderbeauftragte, die Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Die dortigen Erfahrungen zeigen deutlich: Familienorientierter Strafvollzug lohnt sich auch für die Gesellschaft. Die Rückfallquoten sinken, die Resozialisierungschancen steigen. Das hat auch Robert Dammann, der ehemalige Leiter der JVA Bielefeld-Brackwede, festgestellt:

„Die Väter sehen wir nie wieder. Das ist eine wunderbare Begleiterscheinung dieses Projekt. Weil ich glaube, das haben mir auch viele Väter so gesagt, dass sie so in die Pflicht genommen worden sind, auch bezüglich ihrer Kinder, dass sie alles dransetzen, da nicht eine weitere Enttäuschung zu setzen. Da hilft dieses Projekt 100 Prozent.“

Thomas Wendland arbeitet als Sozialpädagoge in der Anlaufstelle ‚Freiräume‘. Er wird bei dem Werkstattgespräch am Montag, den 5. Dezember über seine Väter – Arbeit im Strafvollzug berichten und aufzeigen, was Kinder brauchen, deren Vater oder Mutter im Gefängnis sitzen oder gerade haftentlassen sind.

„Wir werden zwar unterstützt in dem, was wir machen. Aber es ist eben noch eine Menge Weg vor uns, um diesen Blick für die Familie wirklich ganz im Vollzug drin zu haben.“ Thomas Wendland

Hier können Sie sich zu dem Werkstattgespräch anmelden.

https://www.surveymonkey.de/r/LAG20221205

Quelle

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Auswertung der Kurzumfrage – Bedeutung von Vätern in der Geburtshilfe

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 15. November 2022

im Oktober hat die LAG-Väterarbeit in NRW eine Kurzumfrage mit 5 Fragen zur Bedeutung von Vätern in der Geburtshilfe gestartet.
Die erste Frage lautete:

Welche Bedeutung haben Väter Ihrer Meinung nach bei der Geburt?

Wichtig bzw. sehr wichtig antworteten 93%. Spannend ist bei dieser Frage der Blick auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Von den 98 Antwortenden haben sich 65 dem männlichen und 30 dem weiblichen Geschlecht zugeordnet. Drei haben keine Angaben gemacht.

Während die Einschätzung, sie haben gar keine oder eine geringe Bedeutung gleichermaßen selten geäußert wird sind prozentual mehr Frauen der Überzeugung, dass werdende Väter bei der Geburt unabkömmlich sind als Männer. Eine große Mehrheit von 63% bzw. 73% schätzen ihre Rolle bei der Geburt aber als wichtig ein.

Frage 2: Kennen Sie Angebote für Väter sich auf die Geburt bzw. aufs Vaterwerden vorzubereiten?

Im Durchschnitt kennen 58% der Antwortenden Angebote zur Geburtsvorbereitung für Väter. Während aber lediglich 52% der Väter entsprechende Angebote bekannt sind, äußern über 73% der Frauen diese Angebote zu kennen.
Bei der Frage, welche Angebote bekannt sind, nennen 6 der 34 Männer väterspezifische Angebote, bei den Frauen äußern drei, diese Angebote zu nennen. Alle anderen Nennungen beziehen sich auf die Teilnahme an den Kursen der Hebammen bzw. Paarkurse. …

Die vollständige Auswertung mit den Grafiken: Bedeutung von Vätern in der Geburtshilfe – Ergebnisse der Kurzumfrage der LAG-Väterarbeit

Schlussfolgerungen für die Arbeit der LAG-Väterarbeit

Väter ‚spielen‘ bei der Geburt eine bedeutsame Rolle, vor, während und unmittelbar nach der Geburt werden Weichen für väterliches Engagement und eine partnerschaftliche Arbeitsteilung gestellt.

In diesem Kontext sind passende Angebote für Väter sind ein unbedingtes Muss und die gemeinsame Vorbereitung im Rahmen eines Hebammenkurses kann diese nicht ersetzen.

Im Rahmen dieser Angebote, die es bislang nur vereinzelt, vor allem in städtischen Ballungszentren gibt, brauchen Väter Möglichkeiten, sich mit anderen (werdenden) Vätern auszutauschen, alleine und gemeinsam mit ihren Kindern, sich als bedeutsam für die Entwicklung ihrer Kinder zu erleben und diese Bedeutung auch gesellschaftlich zugeschrieben zu bekommen.

Für die Schaffung der konkreten Angebote braucht es politischen Gestaltungswillen und die entsprechenden Mittel. Die allgemeine Anerkennung der Bedeutung von Vätern für die Entwicklung von Kindern ist vor allem eine Frage der Haltung. Sie einzunehmen erleichtert die Gestaltung der passenden Rahmenbedingungen, di nicht nur den Vätern, sondern auch den Kindern und den Partnerschaften zugutekommen.

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Mehr Zeit mit der Familie für Väter …

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 31. Oktober 2022

So lautete die Überschrift in dem Abschnitt ‘Eckpunkte für eine zukünftige Familienpolitik’ in dem Familienbericht, den die Landesregierung 2015 veröffentlichte. Dem Bericht zugrunde lagen die Auswertung statistischer Daten, eine eigens durchgeführte Familienbefragung sowie die Ergebnisse verschiedener Workshops an denen Familien und Expert*innen sich beteiligen konnten. Als letzte Veranstaltung fand im November 2014 unter der Überschrift ‚Vatersein in Siegen, Vater sein in NRW‘ ein Familiendialog an der Universität in Siegen statt.

Hier wurden bereits die Ambivalenzen und Widersprüche deutlich, mit denen Väter und Mütter, nicht nur in NRW, konfrontiert werden. ‚Väter sehen sich nicht mehr länger nur in der Rolle des Ernährers, sondern möchten sich aktiv an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Bei der Familienbefragung für NRW haben 42 Prozent der Väter erklärt, dass sie es ideal fänden, wenn beide Elternteile in gleichem Maße erwerbstätig sind und sich um Haushalt und Familie kümmern.‘

Die Ursache – Wirkung – Kette‘ wird in dem Bericht folgendermaßen beschrieben: Dies spiegelt die individuellen Wünsche der Väter, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können – stellt aber auch eine Grundvoraussetzung für eine erhöhte Erwerbstätigkeit der Mütter dar. „Einspruch Euer Ehren“ würde es jetzt vor Gericht lauten. Hat doch die gleiche Landesregierung bei der Prognos AG wenige Jahre zuvor eine Untersuchung in Auftrag gegeben, wovon die Inanspruchnahme von Elternzeit in erster Linie abhängt. Als die wichtigsten Faktoren wurden identifiziert:

  • die existierenden Kinderbetreuungsangebote
  • der Umfang der Berufstätigkeit von Frauen und
  • die Einstellung zur Betreuung von kleinen Kindern durch eine andere Person als die Mutter

Insbesondere bei den beiden letzten Kriterien liegt NRW weit zurück. Darüber hinaus konstatiert der Bericht: ‚die im Bundesvergleich geringe Inanspruchnahme der Partnermonate beim Elterngeld bei den Vätern in NRW belegt, dass auch Väter bei der Realisierung des von ihnen gewünschten Familienmodells auf Widerstände stoßen. … Dass viele Väter hiermit unzufrieden sind, ist bei den Familiendialogen sehr deutlich geworden: Väter erklärten, sie hätten immer ein schlechtes Gewissen ihren Kindern gegenüber, und sie beneideten ihre Partnerin um die Zeit, die diese mit den gemeinsamen Kindern verbringen könne. Dazu passt, dass 24 Prozent der voll erwerbstätigen Väter bei der Familienbefragung für NRW den Wunsch nach einer Reduzierung ihrer Arbeitszeit geäußert haben.

Bei den Gründen, warum sie es nicht tun, spielten finanzielle Erwägungen eine wichtige Rolle. Äußerungen aus den Familiendialogen hätten aber auch gezeigt, dass viele Väter ihre Rechte im Hinblick auf eine Teilzeittätigkeit nicht kennen. Als Ziel wird an dieser Stelle im Bericht formuliert, die Entscheidungsspielräume für Eltern zu erweitern. Dazu „müssen die traditionellen Geschlechterbilder für Frauen und Männer so verändert werden, dass die wechselnden Phasen von Erwerbs- und Familienphasen nicht länger zu unterschiedlichen Erwerbschancen von Frauen und Männern führen“.

Diese mechanistische Sichtweise karikiert das an sich wünschenswerte Ziel ‚atmender‘ Lebensläufe von Vätern und Müttern. Verhalten und noch mehr Haltungen lassen sich nicht durch Anweisungen verändern, sondern dadurch, dass Väter und Mütter andere Erfahrungen machen können, z.B. durch Elternzeiten und Verantwortungsübernahme in bislang „vernachlässigten“ Bereichen.

Hier setze die Arbeit der 16 Kompetenzzentren Frau und Beruf an. Es gehe dabei auch um Strategien für eine bessere Vereinbarkeit von Familie/Pflege und Beruf, flexible Übergänge zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit, aber auch bessere berufliche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen und die Gewinnung weiblicher Auszubildender in frauenuntypischen Berufen.
Alles gut und EU finanziert, aber was unternimmt die Landesregierung um Vätern neue Erfahrungen zu ermöglichen? Dazu ist im Familienbericht zu lesen: Mit ihrem Portal „www.vaeter.nrw.de“informiert die Landesregierung über Wege zu einer aktiven Vaterschaft. Sie fördert außerdem eine Fachstelle für Väterarbeit. Zusätzlich wird sie die Diskussion über die Bedeutung von Vaterschaft stärker in die Gesellschaft hineintragen. Ziele einer Öffentlichkeitskampagne sind deshalb u. a.:

  • die Attraktivität der Vaterrolle für Männer zu steigern,
  • die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die mit dem Rollenwandel einhergehenden Anforderungen,
  • die Bedeutung einer aktiven Vaterschaft für die kindliche Erziehung darzustellen und
  • die notwendigen Aushandlungsprozesse von Eltern zu begleiten.

Die Kampagne ist knapp 9 Monate nach der Veröffentlichung des Familienberichts Ende Juni 2016 mit einer Plakataktion gestartet. Besonders wirksam war der Aufbau eines SocialMedia Auftritts bei Facebook, bei dem wöchentlich Erfahrungsberichte von Vätern publiziert wurden und der innerhalb weniger Monate mehr als 8.000 Follower hatte.

Bereits fünf Monate vor dem Start der Kampagne fand der ebenfalls im Bericht erwähnte Familiengipfel statt. In der Erklärung ist u.a. zu lesen, „… dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit Müttern und Vätern gemeinsam das Gespräch über die unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichen der Elternzeit suchen und den werdenden Müttern und Vätern Ansprechpartner zur Beratung und Beantragung des Elterngelds benennen, …“ und weiter unten „… dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und ihren Vertretungen in einer Kultur gegenseitiger Wertschätzung die Inanspruchnahme der Elternzeit festlegen.“

Das klang und klingt gut und wäre, wenn den Worten denn Taten gefolgt wären, echt innovativ gewesen, aber …

Und auch der Kampagne ging schnell die Luft bzw. das Geld aus und nach der Landtagswahl im Mai 2017, bei der eine Koalition aus CDU und FDP die bisherige Regierung ablöste wurde auch die erfolgreiche Facebook Seite ebenso wie das Portal vaeter.nrw in den neuen Auftritt der Landesregierung „integriert“. Die besondere Ansprache der Zielgruppe und das Kommunikationsdesign dem allgemeinen ‚Corporate Design‘ untergeordnet.

Die Fachstelle ist bis Ende 2018 und mit einem halben Jahr Unterbrechung ab Juli 2019 die Geschäftsstelle der LAG-Väterarbeit weiterhin gefördert. Seit dem Familienbericht sind sechs Fachtagungen zu Väterthemen gefördert worden, u.a. 2017 in Bielefeld ‚Bewegte Zeiten für Väter‘ und Olpe ‚Vater ist, was du draus machst!‘, 2019 in Düsseldorf ‚Eltern bleiben trotz Trennung‘ und 2021 online per Zoom ‚Lockdown als Chance? – Weichenstellungen für mehr väterliches Engagement‘.

Von den Veranstaltungen gingen wichtige Impuls aus und die Geschäftsstelle der LAG-Väterarbeit arbeitet kontinuierlich daran, die Weichen für väterliches Engagement zu stellen. Als Dienstleister für alle diejenigen, die in Familienbildung- und beratung, Kitas und Familienzentren Angebotejetzt schon Angebote für Väter machen, aber auch als Lobbyist bei denen, die Rahmenbedingungen für väterliches Engagement strukturell gestalten.

In dem Sinne sieht nicht nur die Landesregierung die Arbeitgebenden als wichtige Akteure, wenn es um aktive Vaterschaft und eine Unternehmenskultur geht, in der die Bedarfe von Vätern respektiert und „mitgedacht“ werden.

Der Bericht „Familien gestalten Zukunft“ und insbesondere der Abschnitt ‚Mehr Zeit mit der Familie für Väter‘ sind ein erster Meilenstein nicht nur auf dem Weg zu einer kontinuierlichen Familienberichterstattung, sondern auch im Hinblick darauf, wie ernsthaft das Ziel einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Carearbeit in der Landespolitik verfolgt und umgesetzt wird. In der Legislaturperiode 2017 bis 2022 ist kein weiterer Bericht erfolgt. Dieses Vorhaben steht nun auf der Agenda der neuen Landesregierung und die Krisen ‚Corona‘ ‚Krieg‘ und ‚Inflation‘ und ihre Auswirkungen auf Väter, Mütter und Kinder sind mehr als ein Anlass für die Schwerpunktthemen des neuen Berichts.

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Väter sind auch rechtliche Subjekte

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 26. Oktober 2022

Bericht zum Werkstattgespräch der LAG-Väterarbeit am 26. Oktober

Das in einem Strategiepapier des ‚Runden Tischs Eltern werden‘ zur guten Geburt gefordert wird, Mutter und Kind als rechtliche Subjekte in der Geburtshilfe zu betrachten, zeigt auf, dass dort einiges schiefläuft.

In seinem Impuls ‚Väter in der Geburtshilfe – systemische Perspektiven‘ zeigte Hans-Georg Nelles einige der ‚Krisensymptome‘ auf: Schließung von ‚unrentablen‘ Kreißsälen, fehlende Hebammen und werdende Väter, die während der Pandemie die Geburt auf den Gängen der Krankenhäuser oder im kalten Auto begleiten mussten. Dies sind in seinen Augen aber nur Symptome der eigentlichen Krise, die seiner Auffassung darin besteht, dass Väter im Geburtshilfesystem nicht als Subjekte betrachtet und vielfach noch nicht einmal in den Blick genommen werden. So erleben

  • 92% der Väter nehmen an Vorsorgeuntersuchungen teil, aber 61% berichten, dass ihre Rolle als Vater zu keinem Zeitpunkt angesprochen worden ist
  • Väter haben keinen formalen Status bei der Geburtsvorbereitung, selbst ihr Name wird nicht erfasst. Lediglich 16 % der Väter werden während der Geburt nach ihrem Befinden gefragt.
  • Wenn ‚Väter‘ und ‚Mütter‘ statt ‚Eltern‘ adressiert werden und deutlich gemacht wird, dass beide gefragt sind, steigt die Beteiligung von Vätern bei der Nachsorge von ca. 20% auf bis zu 70%

Ergebnisse der Väterforschung zeigen auch, dass Väter, die bei der Geburt dabei sind, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, ihre Kinder häufiger wickeln, ihre Kinder öfter am Körper tragen, häufiger mit ihrem Kind an der frischen Luft unterwegs sind sowie sicherer im Umgang mit dem Kind sind und mehr Spaß daran haben. Dieses Engagement profitiert auch die Partnerschaft.

In dem Beitrag ging der Referent auch auf gute Beispiele ein, Studien des Fatherhoodinstitute aus Großbritannien und die Initiative Erzählcafé, die einen Kostenlosen Flyer für Väter entwickelt hat.

Um Veränderungen im System Geburtshilfe zu bewirken sind jedoch weitere Initiativen und politische Maßnahmen erforderlich. Eine bundesweite Befragung von Hebammen zu ihren Erfahrungen mit Vätern bei der Geburtsvorbereitung und unter der Geburt könnten dem Thema Aufmerksamkeit verleihen. Auch bei der momentan laufenden Umstellung der Hebammenausbildung könnte darauf hingewirkt werden, das gesamte System werdende Familie in den Blick zu nehmen und die Rolle der Hebammen bei der (Te-) Konstruktion traditioneller Rollenbilder zu reflektieren. Im politischen Raum geht es vor diesem Hintergrund vor allem darum:

  • Die Bedeutung von Hebammen für das Paar im Übergang in die Elternschaft mit den psychosozialen Aspekten bei der akademischen Ausbildung angemessen zu berücksichtigen
  • Fortbildungsangebote, Informationskampagnen durchzuführen sowie die Zusammenarbeit mit Hebammenverbänden zu intensivieren, um das Thema zu etablieren und auch den Nutzen zu kommunizieren, der der Hebammenarbeit durch die Einbeziehung der Väter zugutekommt.
  • Neben der Sensibilisierung im Rahmen von Aus- und Fortbildung muss diese Aufgabe der Hebammen vom Gesetzgeber und den Krankenkassen ausdrücklich zugeschrieben und honoriert werden.

Damit dies Wirklichkeit werden kann kommt es darauf an, (werdende) Väter so zu empowern, dass sie ihre Bedürfnisse artikulieren und entsprechende Angebote einfordern.

Die Teilnehmenden des Werkstattgesprächs, die allesamt beruflich mit der Beratung und Begleitung von Vätern und Müttern rund um die Geburt befasst sind, tauschten sich im anschließenden Gespräch über ihre Erfahrungen mit der ‚Missachtung‘ von Vätern aus. Ein trauriges Resümee: die traumatisierenden Erfahrungen von Vätern unter der Geburt haben signifikant zugenommen, während es so gut wie keine Angebote für Väter gibt. Vielfach ist die Diagnose ‚postnatale Depression‘ bei Vätern selbst beim Fachpersonal nicht bekannt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage, inwieweit es sinnvoll ist im Rahmen der Geburtsvorbereitung Risiken zu thematisieren. Ja, das ist wichtig, es geht dabei nicht darum, die (Vor-) Freude auf die Geburt zu trüben, sondern das Paar in die Lage zu versetzen, zum Beispiel im Fall einer ungeplanten Sectio handlungsfähig zu sein und im Gespräch zu bleiben.

Stefanie Schmid-Altringer, die Initiatorin der Erzählcafés fasste die Aufgaben der Väter, nicht nur in solchen Situationen, folgendermaßen zusammen:

  • Sie unterstützen die Mutter bei der Geburt
  • Sie haben eine Bodyguard Funktion im Hinblick auf Gewalt und Respektlosigkeit
  • Sie achten auf sich selbst (Selbstfürsorge)
  • Sie sind als Patient auch rechtliches Subjekt im System

Ein Ergebnis des Gesprächs ist, eine Umfrage unter Vätern und Expert*innen durchzuführen und zu erfragen, was Väter im Kontext dieses existenziellen Lebensereignisses brauchen.

Den Impuls zum Download: https://www.lag-vaeterarbeit.nrw/wp-content/uploads/2022/10/Vaeter-in-der-Geburtshilfe-20221026.pdf

Zu den Erzählcafés geht es hier https://erzaehlcafe.net/vaeter/

Der Flyer „Respekt Mann, Du wirst Vater” kann hier heruntergeladen werden https://erzaehlcafe.net/data/uploads/vaeterflyer_online.pdf

Die Veranstaltungen ‚Es war eine schwere Geburt … und vieles kam anders‘ finden Sie hier https://www.guterstart.nrw.de/fhiangebot/details/id/45090

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Ohne Väter geht es nicht

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. Oktober 2022

Das trifft auf viele Bereiche zu, insbesondere aber dann, wenn es um die Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit geht. Sich eine partnerschaftliche Aufgabenteilung zu wünschen ist die eine, sie tatsächlich leben zu können die andere Seite der Medaille.

Dies stellt auch das Beratungsunternehmen prognos in dem im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Unternehmensprogramms “Erfolgsfaktor Familie” erstellten Policy Paper` ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Beitrag zur Fachkräftesicherung‘ fest. Eine der Kernaussagen des Papers lautet:

„Vereinbarkeit darf sich jedoch nicht nur an Frauen und Mütter richten, sondern muss auch Männer und Väter adressieren und eine partnerschaftliche Arbeitsteilung von Müttern und Vätern ermöglichen.“

Meiner Meinung nach kann die Strategie nur erfolgreich sein, wenn sie Männer und Väter als handelnde Subjekte in dem komplexen System Familie und Partnerschaft ansieht und nicht nur als Beiwerk‘ adressiert. Die in dem Papier angeführten Fakten und Studien sprechen dafür. Unter anderem heißt es dort:

„Väter sind indirekter Teil der Fachkräftestrategie – ohne ihre Vereinbarkeit geht es nicht.

Der Fokus auf die Potenziale der Müttererwerbstätigkeit bedeutet nicht, dass Vereinbarkeit ein Frauenthema ist und sich weiterhin hauptsächlich auf Branchen konzentrieren kann, in denen der Frauen- und Mütteranteil besonders hoch ist. Väter sind zwar kein direkter Teil der Fachkräftestrategie, aber dass sie Familie und Beruf gut vereinbaren können ist existenziell, damit die von vielen Elternpaaren gewünschte partnerschaftliche Arbeitsteilung realisiert werden kann, Mütter mehr Freiraum für eine umfassendere Erwerbstätigkeit haben und ihr Fachkräftepotenzial gehoben werden kann.

Zudem bestätigen Studien eine erkennbare Änderung der Haltung von „aktiven Vätern“, die zunehmend aktiver in der familiären Fürsorgearbeit werden wollen. Haben 2018 noch 83 Prozent der Väter Vereinbarkeitsangebote in Unternehmen als Angebote für Mütter wahrgenommen, wollen die „Neuen Väter“ gleichfalls Angebote für ihre Vereinbarkeit. 59 Prozent der jungen Männer, die im Alter einer möglichen Vaterschaft oder Familiengründung sind, würden wegen fehlender Möglichkeiten den Arbeitgeber wechseln.

Insbesondere die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten während der COVID-19 Pandemie haben einen Schub der Vereinbarkeit von Vätern verursacht. So geben in der repräsentativen Studie „Neue Chancen für Vereinbarkeit“ 43 Prozent der befragten Väter an, dass sie während der Pandemie ihren Arbeitgeber auf Veränderungen ihrer Arbeitsweise oder ihres Arbeitsortes zugunsten der Kinderbetreuung angesprochen haben.

Vereinbarkeit von Müttern und Vätern ist der Schlüssel zu Arbeitgeberattraktivität und Fachkräftegewinnung und -bindung.

Hinweise, dass eine partnerschaftliche Arbeitsteilung von Vätern und Müttern, aber auch Angebote für haushaltsnahe Dienstleistungen, einen positiven Einfluss auf die Fachkräftesituation entfalten können, gibt ein aktueller Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e. V. (DIW). Demnach ist in Deutschland unbezahlte Hausarbeit, Betreuung und Pflege von Kindern und älteren Angehörigen zwischen Männern und Frauen immer noch sehr ungleich verteilt. In rund drei Viertel der deutschen Paarhaushalte übernehmen Frauen mehr als die Hälfte der Sorgearbeit. Reduziert sich jedoch die Sorgearbeit des gesamten Haushalts, steigen sowohl Beschäftigungswahrscheinlichkeit als auch -umfang beider Partner, vor allem jedoch bei Frauen.

43 Prozent der Eltern wünschen sich aktuell eine partnerschaftliche Teilung von Berufs- und Familienarbeit. Je jünger die Frauen und je besser sie gebildet sind, desto höher ist ihr Anspruch an eine partnerschaftliche Arbeitsteilung. Der Väterreport 2021 zeigt auf, dass mittlerweile auch 48 Prozent der Väter mit einem ältesten Kind unter 10 Jahren diese Ansicht teilen.“

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… jugendliche Väter im Blick

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Oktober 2022

„Frühe Vaterschaft: gewagt, riskant und instabil!” lautet das Resümee eines Beitrags von Cornelißen und Bien vom Deutschen Jugend Institut im April 2014. Der SKM Bundesverband e.V. hat daher in den vergangenen Jahren seine Beratungsangebote für Jungen, Männer und Väter deutschlandweit ausgebaut und mit der Trägerschaft der Geschäftsstelle der „LAG Väterarbeit in NRW“ sein fachliches Profil in dem Themenfeld „Vaterschaft“ vertieft.

Jugendliche Eltern und ihre Herausforderungen

Während erwachsene Eltern in aller Regel bereits mitten im Leben stehen, sehen sich jugendliche Mütter und Väter nicht nur mit der Bewältigung der eigenen Entwicklung, sondern gleichzeitig auch mit Elternaufgaben konfrontiert. Ihre Voraussetzungen für diese doppelte Belastung sind in aller Regel mangelhaft. Viele jugendliche Eltern stammen aus einem problematischen sozialen Umfeld und nicht wenige haben die Schule abgebrochen oder keinen Einstieg in eine Ausbildung gefunden. Die Folge: Die meisten jugendlichen Eltern leben in einer prekären wirtschaftlichen Situation, wie Daten des Mikrozensus in Deutschland zeigen. So haben knapp ein Drittel der jugendlichen Väter keinen beruflichen Abschluss und ihre frühe Elternschaft korrespondiert mit einer kurzen Schulbildung.
Darüber hinaus sehen sie sich mit der weit verbreiteten Vorstellung konfrontiert, dass eine frühe Elternschaft als Lebensform „jenseits der Norm“ betrachtet wird. Noch immer geht man in der Gesellschaft davon aus, dass Frauen und Männer eine Ausbildung abgeschlossen und einen (sicheren) Arbeitsplatz gefunden haben sollten, bevor sie eine Familie gründen. Dahingegen können junge Männer durch eine frühe Vaterschaft aber durchaus in ihrer Identitätsfindung bestärkt werden. Als junge Väter können und müssen Verantwortung übernehmen und finden so in ihrer Vaterschaft eine Brücke zum Erwachsenwerden. Dies kann aber nur gelingen, wenn der Prozess des Erwachsenwerdens nicht durch zusätzliche, Krisen erzeugende Widrigkeiten wie Geldmangel, belastende Arbeitsanforderungen oder Konflikte in der Herkunftsfamilie gefährdet wird.

„Väter fördern“ bedeutet auch „Mütter fördern“

Neben der prekären wirtschaftlichen Situation vieler junger Familien fällt die weitverbreitete Instabilität ihrer Paarbeziehungen auf: Unter den frühen Müttern sind sehr viel mehr alleinerziehend (42 Prozent), als dies allgemein bei Müttern mit Kindern unter 7 Jahren der Fall ist (16 Prozent). Dies verschärft nicht nur die wirtschaftliche Lage von Mutter und Kind. Es bedeutet gleichzeitig, dass die Bindung zwischen Vater und Kind bei frühen Vätern häufiger in Frage steht. Die „ausgegrenzten“ Väter werden selten in die alltägliche Betreuung und Versorgung des Kindes einbezogen, so dass alleinerziehenden Müttern die Entlastung fehlt, die ihnen den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung oder die berufliche Etablierung erleichtern könnte. Es ist daher naheliegend jugendlichen Vätern die Hilfe und Unterstützung anzubieten, die sie benötigen, um mit der neuen Aufgabe und Rolle als Vater und Partner der Mutter verantwortlich umgehen zu lernen.

Die frühzeitige Einbeziehung der jugendlichen Väter lohnt sich aber auch, wenn es um die Gesundheit von Mutter und Kind geht. So hat eine Studie aus Großbritannien gezeigt, dass die Unterstützung junger Väter auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der jungen Mutter und die Entwicklung des gemeinsamen Kindes. Gestützt wird dieses Ergebnis von weiteren Studien aus den USA und Großbritannien, welche die Wirksamkeit von Programmen für jugendliche Väter und die notwendigen Veränderungen bei den Angeboten und im Mindset der Hilfesysteme untersucht haben.

Ein weiterer entscheidender Grund, auch jugendliche Väter in den Blick zu nehmen, ist, dass Hilfemaßnahmen für Familien und Kinder insgesamt erfolgreicher verlaufen, wenn das gesamte Familiensystem eingebunden wird.

Sie benötigen dringend Unterstützung und Hilfe, da ansonsten eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass deren Söhne ebenfalls wieder jugendliche Väter mit ähnlicher sozialer Problematik werden.

Jugendliche Väter im Blick

Das Verbundprojekt „… jugendliche Väter im Blick“ trägt mit seinen niedrig schwelligen Angeboten dazu bei, dass jugendliche Väter von bestehenden Hilfsangeboten erreicht werden. So geht beispielsweise der SKFM in Düsseldorf davon aus, dass die jungen Väter durch die klassischen Beratungsangebote nicht erreicht werden. Er sucht die Väter daher direkt in ihrem Sozialraum auf, spricht sie aktiv über Streetwork- und schulische Sozialarbeit an und macht ihnen niedrigschwellige Gruppenangebote.

Der SKM Osnabrück setzt er auf neue Wege der Ansprache und die Kooperation mit anderen Akteuren in der Kommune. Durch die Entwicklung passender Ansprachekonzepte werden junge Väter ermutigt, ihre neue Rolle an und Verantwortung zu übernehmen. Das Angebot des SKM Rheydt e.V. beginnt mit einem Gruppentraining, in dem die Rolle der Vaterschaft und der individuelle Hilfebedarf partizipatorisch und diskursiv bearbeitet werden. So haben die jungen Männer die Möglichkeit, Rollenerwartungen an sich und die damit verbundenen Herausforderungen mit anderen jungen Vätern zu verhandeln – auch in interkulturellen Kontexten. In anschließenden begleiteten Freizeitangeboten können die jungen Männer die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern als positives Erlebnis wahrnehmen und dabei auch andere junge Väter bei ihrer Selbstwirksamkeit als Väter unterstützen.

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Wann kommt die Vaterschaftsfreistellung?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 20. Juni 2022

Offener Brief an Lisa Paus macht Anliegen von Vätern deutlich

Auf Initiative des Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer & Väter e.V. fordern insgesamt 19 Organisationen aus der gleichstellungsorientierten Männer- und Väterarbeit Bundesfamilienministerin Lisa Paus in einem offenen Brief dazu auf, bei Vereinbarkeitsfragen Väter offensiver in den Blick zu nehmen und eine zweiwöchige Vaterschaftsfreistellung mit Lohnausgleich noch in diesem Jahr einzuführen.

In ihrem Koalitionsvertrag »Mehr Fortschritt wagen« einigten sich SPD, Grüne und FDP im vergangenen Jahr unter anderem darauf, Eltern dabei zu unterstützen, Erwerbs- und Sorgearbeit partnerschaftlicher aufteilen zu können. Ein zentrales Vorhaben in dieser Hinsicht ist die zweiwöchige vergütete Freistellung für Partner:innen nach der Geburt.

Genau eine solche Leistung ist als Vaterschaftsfreistellung (§4 paternity leave) bereits in der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie verankert. Die Richtlinie definiert Mindeststandards zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für alle Mitgliedsstaaten der EU. Sie muss bis August 2022 in nationales Recht umgesetzt werden. Die Erwartung aus der Zivilgesellschaft war insofern, dass die vergütete Freistellung nach Geburt als erste große Maßnahme für mehr Partnerschaftlichkeit nun im Sommer kommt.

Jetzt aber verweist die Bundesregierung darauf, die Vaterschaftsfreistellung aufgrund der in Deutschland geltenden umfassenderen Regelungen bei Elterngeld und Elternzeit nicht im Rahmen der Umsetzung der Richtlinie einführen zu müssen. Geplant sei demgegenüber, die im Koalitionsvertrag verabredete „zweiwöchige vergütete Freistellung für die Partnerin oder den Partner nach der Geburt eines Kindes“ in einem eigenen Gesetzgebungsverfahren auf den Weg zu bringen – immerhin angestrebt noch für das Jahr 2022.

Ein hartes Datum zur Einführung dieser wichtigen familien- und gleichstellungspolitischen Leistung ist damit vom Tisch. Auch ist nun politisch erst mal offen, wie diese Leistung konkret ausgestaltet sein wird. Und im Gegensatz zur EU-Vereinbarkeitsrichtlinie, wird Vaterschaft im Wortlaut der Leistung nicht mehr explizit in den Fokus genommen. Dabei wäre aus unserer Sicht gerade dies notwendig, um die gleichstellungspolitische Bedeutung von Vätern hervorzuheben. Viele Väter wollen heute mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und sich partnerschaftlich einbringen. Sie sind ein selbstverständlicher Teil der Familie und von Anfang an wichtig. Daher müssen Väter bei politischen Maßnahmen, die sie betreffen, auch deutlich als Zielgruppe adressiert werden.

Gemeinsam mit allen am offenen Brief Beteiligten fordert die LAG Väterarbeit NRW die Bundesfamilienministerin deshalb auf, den Koalitionsvertag ernst zu nehmen und durch die schnelle Einführung der Vaterschaftsfreistellung eine partnerschaftliche und gleichstellungsorientierte Familienpolitik zu stärken. Dazu sind in dem Offenen Brief Eckpunkte zur Ausgestaltung formuliert.

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‚… gleichermaßen ist es wichtig, Väter in ihrer Rolle zu bestärken‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 2. Juni 2022

… diese Aussage haben die Grünen in ihrer Stellungnahme zu den Forderungen der LAG Väterarbeit anlässlich der Landtagswahl am 15 Mai getroffen.

Auch vor der Wahl im Mai 2017 haben wir den Parteien 7 Fragen zur Väterpolitik gestellt. Seinerzeit haben die Grünen auf die Frage ‚Welche Hindernisse müssen ausgeräumt werden, damit es Männern ermöglicht wird, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu leben?‘ geantwortet „Wir müssen die Denkstruktur in unserer Gesellschaft verändern. Das bedeutet, durch Kampagnenarbeit auch weiterhin die Rollenverteilungen zu thematisieren. Die Wirtschaft muss vor allem Männern ermöglichen, diese Rolle zu übernehmen, ohne dass Nachteile entstehen.“

Aber auch die CDU äußerte sich ähnlich „Wir möchten Unternehmen dazu ermutigen, familiengerechte Arbeitszeitmodelle zu implementieren und Betriebskindegärten einzurichten. Hier hat das Land Nordrhein-Westfalen mit seinen Behörden als öffentlicher Arbeitgeber eine Vorbildfunktion.“

Die 2017 von der LAG Väterarbeit skizzierten Herausforderungen bestehen nach wie vor und wir sind gespannt, wie sich eine Regierungsbeteiligung der Grünen auf die ‚Denkstruktur‘ der Landesregierung auswirken wird.

Politik für Väter in NRW

Ist das Schwerpunktthema der LAG im m Mai und Juni. Im Vorfeld der Landtagswahl hat die LAG Väterarbeit 5 Forderungen aufgestellt und alle im Landtag vertretenen Parteien um eine Stellungnahme gebeten. Die Antworten haben wir auf unserer Webseite dokumentiert und am 11. Mai kommentiert:

„Zumindest bei drei Parteien ist eine verbale Aufgeschlossenheit vorhanden und es bleibt abzuwarten, wer mit wem koalieren wird bzw. kann und was dann auch tatsächlich vereinbart wird.

Die LAG Väterarbeit wird diesen Prozess in jedem Fall kritisch begleiten und wir werden die Parteien an ihre wenn auch vagen ‚Zusagen‘ erinnern.“

Bei dem Werkstattgespräch am 30. Juni werden wir einen ersten Blick darauf werfen, was bei den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und Grünen vereinbart worden ist bzw. was sich an Ergebnissen abzeichnet.

Rückblick

Am 5. Mai berichte Alexander Stathopoulos, Geschäftsführer des Verbands Binationaler Familien in Frankfurt, beim Werkstattgespräch der LAG Väterarbeit von den Erfahrungen des Arbeitskreises Migrationssensible Väterarbeit (MiseV) in Hessen.

Nach seinem Vortrag entspann sich eine interessante Diskussion, deren wichtigste Punkte wir in einem Bericht zusammengefasst haben.

Väter profitieren vom Austausch mit anderen Vätern. In Frankfurt existiert seit 2020 eine Vätergruppe, die sich aus Vätern mit unterschiedlichen Herkünften zusammensetzt. Diese ‚globale‘ Zusammensetzung hat sich als gewinnbringend für alle Beteiligten herausgestellt.

‚Herkunftssprache ist Herzenssprache‘, für den Fall, dass Väter über zu geringe deutsche Sprachkenntnisse verfügen, kann zunächst auch eine sprachhomogene Gruppe angezeigt sein, aber Menschen verstehen sich nicht automatisch gut, nur weil sie eine gemeinsame Sprache sprechen. Die Gemeinsamkeit entsteht in der Regel in beiden Varianten über das Vatersein und das Interesse, sich mit den eigenen Kindern zu befassen. Väter haben in der Regel auch positiv darauf reagiert, wenn sie auf Spielplätzen angesprochen und auf die Vätergruppe hingewiesen worden sind.

Ausblick

Am 19. Juni ist Internationaler Vätertag. Bis zu diesem Sonntag wird auch die vor einem Jahr gestartete Petition zur Einführung einer ‚Vaterschaftsfreistellung‘ laufen. Was, insbesondere nach einem Interview der ehemaligen Familienministerin Anne Spiegel. Nach einem Selbstläufer aussah, erweist sich jetzt doch als schwierig. Im aktuellen Referent*innenentwurf zur Umsetzung der EU- Vereinbarkeitsrichtlinie ist dieses Vorhaben nicht erwähnt.
Bislang sind mehr als 9.000 Unterschriften zusammengekommen. Gemeinsam können wir bis zum Internationalen Vatertag ein deutliches Zeichen setzen. Dafür benötigen wir gerade jetzt Eure und Ihre Unterstützung, zeichnen Sie bitte die Petition.

In den beiden Sommermonaten Juli und August werden wir uns mit dem Thema ‚Väter und Kinder als Opfer häuslicher Gewalt‘ beschäftigen. Am Donnerstag, den 17. August wird Tobias Schiefer in einem Werkstattgespräch über die Erfahrungen in der Düsseldorfer Gewaltschutzwohnung ‚Freiraum‘ berichten

Alle Beiträge und Terminhinweise finden Sie auf der Webseite www.lag-vaeterarbeit.nrw

Termine

14. Juni 2022, Online Member Meeting der LAG Väterarbeit

30. Juni 2022, 16 bis 17:30 Uhr, Online Werkstattgespräch ‚Migrationssensible Väterarbeit‘

Nordrhein-Westfalen hat gewählt und die beiden Gewinner*innen der Wahl, CDU und Grüne haben am vergangenen Wochenende beschlossen, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen. In Sondierungsgesprächen haben sich die beiden Parteien auf Eckpunkte geeignet die in einem 12 seitigen Papier zusammengefasst worden sind.

Im Abschnitt ‚ ‚Kinder, Jugend, Familie, Frauen und Vielfalt‘ tauchen die Begriffe Väter und Mütter nicht auf, das Papier konzentriert sich auf „zentrale Aspekte für die Zukunft Nordrhein-Westfalens“, die in den Koalitionsgesprächen ergänzt werden sollen.

In dem Werkstattgespräch am Donnerstag, den 30. Juni werden wir einen ersten Blick auf die Ergebnisse werfen und nachfragen, was die zukünftige Landesregierung unternehmen wird, um eine partnerschaftliche Arbeitsteilung in den Familien auf Landesebene zu stärken und Väter zu ermutigen, mehr Verantwortung in Familie zu übernehmen.

Zu dieser Veranstaltung können Sie sich hier anmelden:

https://www.surveymonkey.de/r/LAGV_20220630

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Werkstattgespräch ‚Väter & Familien – Was plant die neue Landesregierung in NRW?‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 31. Mai 2022

‚… gleichermaßen ist es wichtig, Väter in ihrer Rolle zu bestärken‘

Nordrhein-Westfalen hat gewählt und die beiden Gewinner*innen der Wahl, CDU und Grüne haben am vergangenen Wochenende beschlossen, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen. In Sondierungsgesprächen haben sich die beiden Parteien auf Eckpunkte geeignet die in einem 12 seitigen Papier zusammengefasst worden sind.

Im Abschnitt ‚ ‚Kinder, Jugend, Familie, Frauen und Vielfalt‘ tauchen die Begriffe Väter und Mütter nicht auf, das Papier konzentriert sich auf „zentrale Aspekte für die Zukunft Nordrhein-Westfalens“, die in den Koalitionsgesprächen ergänzt werden sollen.

In dem Werkstattgespräch am Donnerstag, den 30. Juni werden wir einen ersten Blick auf die Ergebnisse werfen und nachfragen, was die zukünftige Landesregierung unternehmen wird, um eine partnerschaftliche Arbeitsteilung in den Familien auf Landesebene zu stärken und Väter zu ermutigen, mehr Verantwortung in Familie zu übernehmen.

In Ihren Antworten auf die Fragen der LAG-Väterarbeit haben ja alle im Landtag vertretenen Parteien einiges dazu angekündigt.

Datum 30. Juni 16 bis 17:30 Uhr

Online per Zoom

Anmeldung https://www.surveymonkey.de/r/LAGV_20220630

Quelle

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Vaterschaftsfreistellung jetzt einführen!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Mai 2022

Petition noch bis zum 19. Juni unterzeichnen

Vor drei Jahren wurde die EU-Vereinbarkeitsrichtlinie beschlossen, um in der Europäischen Union notwendige Mindeststandards zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben herzustellen und die Rahmenbedingungen für eine partnerschaftliche Aufteilung von Haus-, Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern zu verbessern.

Bis August 2022 muss die Vereinbarkeitsrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Ein zentraler Bestandteil der Richtlinie ist die Einführung einer Vaterschaftsfreistellung. Eine solche Leistung gibt es in dieser Form in Deutschland bisher nicht, anders als in anderen EU-Mitgliedsstaaten.

Das Bundesfamilienministerium hat Ende April einen Referent*innenentwurf für ein Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie vorgelegt. Die Vaterschaftsfreistellung wird darin mit keinem Wort erwähnt, obwohl die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt hat, „eine zweiwöchige vergütete Freistellung für die Partnerin oder den Partner nach der Geburt eines Kindes ein[zu]führen.“

Die LAG Väterarbeit NRW, die sich von Anfang an für die Umsetzung der Richtlinie eingesetzt hat ist darüber sehr irritiert und fordern die Bundesregierung auf, zeitnah zu klären und öffentlich bekannt zu machen, wann und in welcher Form eine vergütete Freistellung für Väter (und andere zweite Elternteile) nach der Geburt gesetzlich eingeführt werden soll. Die Gleichstellung der Geschlechter geht nur gemeinsam und wird nur dann nachhaltig gelingen, wenn auch Jungen, Männer und Väter dabei stärker als bisher in den Blick genommen werden.

Anlässlich des »Vatertags« am 26. Mai möchten wir daran erinnern. Jetzt ist es an der Ampelkoalition zu zeigen, dass sie es beim Thema Gleichstellung ernst meint und auch Männer für das Thema gewinnen will.

Bis zur Vorlage des Gesetzentwurfs schien die Vaterschaftsfreistellung politisch ein Selbstläufer zu sein. Die vormalige Familienministerin Anne Spiegel kündigte sie im vergangenen Dezember als wichtiges Vorhaben an. Nun schweigt allerdings der Referent*innenentwurf der Bundesregierung ausgerechnet zur Vaterschaftsfreistellung. Diese ist wichtig, um einen klaren rechtlichen Rahmen auch gegenüber Arbeitgeber*innen zu schaffen, damit Väter sich in dieser wichtigen ersten Phase voll und ganz auf ihre Kinder und die Unterstützung ihrer Partnerinnen konzentrieren können.

In einem offenen Brief an Bundesfamilienministerin Lisa Paus vom 20. Mai 2022 fordert Holger Strenz vom Projekt »Papaseiten.de« des Väterzentrum Dresden die Einführung der Vaterschaftsfreistellung nicht weiter hinauszuzögern. Vor einem Jahr hat Papaseiten.de eine Petition zur Vaterschaftsfreistellung initiiert, die auch von der LAG-Väterarbeit NRW unterstützt wird und die noch bis zum Internationalen Vatertag am 19. Juni 2022 mitgezeichnet und geteilt werden kann.

Bislang sind mehr als 9.000 Unterschriften zusammengekommen. Gemeinsam können wir bis zum Internationalen Vatertag ein deutliches Zeichen setzen. Dafür benötigen wir gerade jetzt Eure und Ihre Unterstützung!

Quelle

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