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Aus der Krise lernen – Väterarbeit nach Corona

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 19. Januar 2021

Am 16. Dezember hat der zweite ‘harte’ Lockdown begonnen und nicht nur der Jahreswechsel gibt Anlass, eine erste Bilanz der ‘Learnings’ aus der bisherigen Zeit mit Corona zu ziehen.

“Eltern sind in der Corona-Zeit mehrheitlich nicht in traditionelle Rollen „zurückgefallen“. Meist blieb die Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen den Elternteilen unverändert, in etwa jeder fünften Familie wurde die Aufteilung gleichmäßiger, in ebenso vielen Familien aber auch ungleichmäßiger. Die zusätzlich anfallenden Betreuungsaufgaben haben Mütter und Väter vielfach gemeinsam geschultert.” heißt es in der kürzlich veröffentlichten Broschüre ‘Familien in der Corona Zeit’ des BMFSFJ.

Die  britischen Zeitung Guardian beurteilt die Auswirkungen von Corona noch optimistischer: “Das Jahr 2020 verändert die Art und Weise, wie die Gesellschaft Vaterschaft sieht, und könnte nach Ansicht von Forschern, Wirtschaftsführern und Aktivisten die tiefgreifendste Veränderung der Betreuungsaufgaben seit dem Zweiten Weltkrieg bewirken….”

So oder so wird es aber darauf ankommen, genauer auf die Situationen in den Familien und die Erfahrungen der Väter und Mütter zu schauen, und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen und die jetzt sichtbar werdenden Effekte nachhaltig wirksam werden zu lassen.

Väter & Corona – die positiven Erfahrungen aus der Krise für eine geschlechtergerechte Gestaltung der Zukunft und die Arbeit mit Vätern nutzen

In der gesellschaftlichen Diskussion der Corona Pandemie und ihrer Auswirkungen standen angesichts von Schul- und Kitaschließungen und anderer Einschränkungen vor allem die Herausforderungen und Belastungen für Familien im Vordergrund. Die Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit in NRW hat die Entwicklungen von Anfang an im engen Austausch mit ihren Mitgliedern und in zahlreichen Gesprächen mit Vätern verfolgt und sieht neben den Mehrbelastungen und Problemen für Väter und Mütter auch positive Erfahrungen aus der Krise. Damit diese bei der Arbeit mit Vätern aber insbesondere auch bei der Gestaltung der neuen ‚Normalität‘ genutzt werden kann, möchten wir sie in den folgenden sieben ‚Corona Lektionen gelernt‘ Punkten zusammenfassen: 

1.      Zusätzliche Herausforderungen
Väter und Mütter sind in vergangenen Monaten mit neuen Herausforderungen konfrontiert worden. Mühsam ausbalancierte ‘Vereinbarkeiten’ sind durch die Schließung von Kitas und Schulen oft wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Väter und Mütter sind je nach Branche und Tätigkeitsfeld als systemrelevant eingestuft, in Kurzarbeit geschickt oder konnten im Homeoffice weiterarbeiten. Zusätzlich zu den Sorgen um die Betreuung und Beschulung der Kinder kamen vielfach die um die finanzielle Absicherung der Familien und in allen Fällen die um die Gesundheit, die eigene, die der Kinder und vor allem die der älteren Familienangehörigen. Diese Herausforderungen sind von vielen Familien gestemmt worden, in einer Zeit, in der Beratungs- und Unterstützungssysteme, wenn überhaupt, nur per Telefon zu erreichen waren. 

2.      Care- und Betreuungsarbeiten
Sowohl bezahlte als auch unbezahlte Care- und Betreuungsarbeiten sind ungleich zwischen Vätern und Müttern aufgeteilt. Dies hat unter anderem mit Bezahlung und Zuschreibungen dieser Tätigkeiten zu tun. Bereits die Zeitverwendungsstudie hat aber gezeigt, dass Väter und Mütter in der Summe der bezahlten Erwerbs- und unbezahlten Care- und Betreuungsarbeiten gleich viel Zeit aufwenden. Die Berichte von Vätern, vor allem aber die in den letzten Monaten durchgeführten Studien zeigen auf, dass sich Väter mit zusätzlichen Zeitanteilen an Care- und Betreuungsarbeiten beteiligen, insbesondere, wenn sie in Kurzarbeit oder Homeoffice und ihre Partnerin in einem systemrelevanten Beruf tätig ist. Die Erzählungen der Väter, diese Erfahrungen seien eine Bereicherung gewesen, wollen wir für eine gerechtere Aufteilung von bezahlten und unbezahlten Tätigkeiten nutzen. 

3.     Beziehung zu den Kindern
Kinder wünschen sich in allen Befragungen mehr Zeit mit ihren Vätern und auch diese wollen von Anfang an für diese da sein und sich aktiv an deren Erziehung beteiligen und das Aufwachsen begleiten. In der Vergangenheit haben wir bei unseren Angeboten eine Unsicherheit der Väter gespürt, ob sie über ausreichende Kompetenzen in der Betreuung insbesondere der jüngeren Kinder verfügen. Diese Kompetenzen können sie erwerben, indem sie Zeit mit ihren Kindern verbringen, sich auf diese einlassen und so eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Diese Erfahrungen haben Väter während der Krise machen können und sich dabei zunehmend als wirksam und bedeutend für ihre Kinder erlebt. Diese Erfahrungen werden auch das Ausmaß des zukünftigen väterlichen Engagements bestimmen, es wird aber darauf ankommen, sie einzubeziehen und passende Rahmenbedingungen zu schaffen. 

4.     Partnerschaftliche Arbeitsteilung  
Aus den Wünschen junger Paare, sich Erwerbs- und Familienarbeiten partnerschaftlich aufzuteilen wird nach der Geburt des ersten Kindes häufig eine mehr oder weniger traditionelle Arbeitsteilung, die Väter in die Ernährerrolle und Mütter in die sorgende Sphäre verweist. In der Folge sinken Zufriedenheit und Partnerschaftsqualität mit weiteren negativen Wirkungen auf das Engagement von Vätern.  
Diese Kreisläufe sind in den vergangenen Wochen vielfach durchbrochen worden. Den Vätern und Müttern, denen es schon vor der Pandemie gelungen ist, eine partnerschaftliche Arbeitsteilung zu leben, berichten zwar am häufigsten von extremen Belastungen, wollen aber keineswegs zurück zu einer klassischen Arbeitsteilung. In den zahlreichen anderen Fällen ist die traditionelle Arbeitsteilung, in die man vielfach ‘hineingerutscht’ ist, wieder zu einem Aushandlungsthema geworden. Wir wollen Väter dabei unterstützen, ihre Wünsche nach einer Reduzierung von Erwerbsarbeitszeiten auch umzusetzen 

5.      Stärkung des familiären Zusammenhalts
Die Bewältigung der Herausforderungen ist selbstverständlich nicht ohne Krisen und Konflikte verlaufen. Väter und Mütter sind in den vergangenen Monaten häufig und für längere Zeiträume über ihre Grenzen hinaus gegangen und mit den Erfahrungen auch gewachsen. Die Stärkung der Resilienzen ist eine wichtige Erfahrung für den Zusammenhalt von Familien.  
Wir wünschen uns selbstverständlich keine Wiederholung dieser ‘Lernsituation’ durch einen weiteren ‘Lockdown’, werden aber Väter und ihre Familien dabei begleiten, ihre Erfahrungen aufzuarbeiten und für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen nutzbar zu machen. In den Fällen,, in der die Krisen in der Familie eskaliert sind, gilt es hinzuschauen welche Unterstützungsangebote nötig sind um Krisensituationen konstruktiv meistern zu können.

6.     Andere Formen der Erwerbsarbeit Auch außerhalb von Familien haben Väter neue Erfahrungen machen können. Arbeitsorte, -zeiten und -abläufe haben sich in vielen Bereichen grundlegend verändert, in anderen ist schlagartig die gesellschaftliche Relevanz von vielfach unterbezahlten Tätigkeiten deutlich geworden. Die Väter, die zeitweise oder ganz im Homeoffice arbeiten konnten (oder mussten) wünschen sich, dass sie diese Möglichkeiten auch weiterhin zumindest an zwei bis drei Tagen pro Woche nutzen können, um mehr Zeit für Familie und Kinder zu haben.  
Darüber hinaus geht es auch um Verantwortungsübernahme und Selbststeuerung, die letztlich Auswirkungen auf Abläufe und Kulturen in den Unternehmen haben werden. Dass die Arbeit im Homeoffice kein Ersatz für eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung ist ja auch eine Lernerfahrung der letzten Monate. 

7.     Wege der Arbeit mit Vätern  
Die Krise und die damit einhergehenden ‘Coronaschutzverordnungen’ haben auch unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeit unserer Mitglieder gehabt. Einrichtungen haben geschlossen und selbst nach der Wiederöffnung ist Vätern der Zugang verwehrt oder nur streng reglementiert. Hygienekonzepte führen dazu, dass offene Angebote kaum noch möglich sind. 
Diese Rahmenbedingungen haben zu einem Lernschub bei der Nutzung von neuen, insbesondere digitalen Zugängen zu Vätern geführt und damit auch Vätern, die schon vorher keine Angebote vor Ort gefunden haben, Möglichkeiten zur Teilnahme eröffnet und Schwellen gesenkt. Nach anfänglichen Unsicherheiten finden Beratungen zunehmend per Video statt und auch bei thematischen Veranstaltungen und Weiterbildungsangeboten sind wertvolle Erfahrungen mit dieser Form des Zusammenkommens und Austauschs gemacht worden, die die zukünftige Arbeit mit Vätern erweitern können.  

Ich bin mir bewusst, dass es auch zahlreiche Väter und Mütter gab, die andere Erfahrungen gemacht haben, weil der Partner bzw. die Partnerin nicht zur Verfügung standen, prekäre Lebenssituationen und unsichere Arbeitsverhältnisse sich während der Pandemie noch verschärft haben und diese oder andere Rahmenbedingungen zur Verschärfung von Konflikten beigetragen haben. Diese Familien brauchen auch weiterhin passende Beratungs- und Unterstützungsangebote. 

Aber auch dabei lohnt sich der Blick auf die oben skizzierten Gelingensfaktoren. Diese wollen wir auch in Zukunft durch die Arbeit der LAG-Väterarbeit in NRW sowie der 26 Mitgliedsorganisationen stärken, um Vätern Wege in die Familie zu ebnen, Kindern eine gelingende Entwicklung und Partnerschaften zufriedenstellende Beziehungen zu ermöglichen. 

Ihre Erfahrungen sind gefragt

Das ist eine erste Zwischenbilanz, die wir aus zahlreichen Gesprächen und Zoom Konferenzen mit Kollegen und Kolleginnen zum Jahresende ziehen. Wir sind uns bewusst, dass Sie und andere Menschen auch ganz andere Erfahrungen gemacht haben können bzw. andere Konsequenzen aus diesen Erfahrungen ziehen können.

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Geschlechtergerechtigkeit und dialogische Haltung sind zentral

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Januar 2021

Am 3. Januar erschien in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Interview mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bundesforum Männer:

Herr Nelles, Frauen- und Kinderverbände wurden aus der gesellschaftlichen Defensive gegründet. Gegen wen will sich das Bundesforum Männer behaupten?

Wir wenden uns gegen Ignoranz gegenüber den Anliegen von Männern, Jungen und Vätern. Aber wir haben uns nicht aus der Defensive heraus zusammengeschlossen. Ich habe damals in den neunziger Jahren bei meinem damaligen Arbeitgeber mit einem Projekt zur beruflichen Qualifizierung während des Erziehungsurlaubs begonnen. Wir haben ausdrücklich auch Väter angesprochen. Das Thema Erziehungsurlaub musste aus der Frauenecke heraus.  Die Zahl der Väter, die Erziehungsurlaub nahmen, war zwar sehr gering. Aber es gab auch damals schon den Wunsch nach einer anderen Aufteilung von Berufs- und Familienarbeit. Daran haben wir gearbeitet und uns zusammengetan, um Kommunikationslinien in die Politik und in die Verbände hinein aufbauen. Den Anfang machte das „Väterexpertennetz“. Bald kamen auch Themen für Nichtväter dazu. Ein wichtiger Partner war die evangelische Kirche, die schon lange eine sehr elaborierte Männerarbeit geleistet hat. 2008 sind wir mit dem Bundesfamilienministerium in Gespräch gekommen. Dort zeigte man sich sehr aufgeschlossen, denn einen zentralen Ansprechpartner für die Belange von Männern gab es nicht. 2010 haben wir mit zunächst zwei Dutzend Verbänden das Bundesforum Männer gegründet – nicht gegen irgendjemanden, sondern um Themen von Jungen, Männern und Vätern gebündelt nach vorne zu bringen.

Personell grenzen Sie sich von Frauenverbänden ab, inhaltlich von Männerbündnissen mit traditionellen Rollenbildern.  Was genau ist Ihr Markenkern?

Zentral für uns sind Geschlechtergerechtigkeit und Dialog. Es geht uns um Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen. Wir treten in den Dialog mit denjenigen, die zuständig sind für Gesetzgebung und für Arbeitsbedingungen. Mit der IG Metall haben wir uns zum Beispiel darüber auseinandergesetzt, wie sich Arbeitszeiten so gestalten lassen, dass sie aktive Vaterschaft ermöglichen. Einige unserer Mitgliedsvereine legen ihren Schwerpunkt auf Gewaltprävention oder Gesundheitsvorsorge. Die Lebens- und Arbeitsweise von Männern führt dazu, dass sie eine niedrigere Lebenserwartung haben. Zu vernünftigen Ergebnissen in der Gleichstellungspolitik kommen wir nur, wenn wir das ganze Leben von Männern betrachten.

Gehören dem Bundesforum Männer auch Vereine und Organisationen mit traditionellen Männerthemen an?

Wir sind im Gespräch zum Beispiel mit dem Nationalen Olympischen Komitee und anderen Vereinen. Aber Bedingung für eine Mitgliedschaft bei uns ist, dass die Interessen von Männern in der eigenen Organisation thematisiert werden. Es gibt zwar viele große Vereine, in denen massenhaft Männer organisiert sind, die spezifische Perspektive von Jungen, Männern und Vätern wird dort aber oft noch nicht adressiert. Doch es gibt Bewegung. Väter im Fußball, zum Beispiel, ist durchaus ein Thema.

Klassiker traditioneller Männerarbeit sind Holzhacken oder Reparaturen rund ums Haus. Was ist Ihr Verständnis von Männerarbeit?

Wir arbeiten daran, Geschlechterklischees zu überwinden. Viele Männer wollen beim Kindergartenfest nicht nur am Grill stehen. Sie möchten auch fürsorglich sein und als Erziehungspartner akzeptiert werden. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen, etwa das Ehegattensplitting, wirken jedoch einer partnerschaftlichen Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit entgegen. Derartige Fehlanreize führen dazu, dass Männer, gerade wenn sie Väter geworden sind, nicht das Leben führen können, das sie eigentlich gerne leben würden.

Die meisten Ihrer Mitgliedsorganisationen kommen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Kirche, Arbeit und Soziales. Sind auch Unternehmen eingebunden?

Mit der „Väter gGmbH“ haben wir ein Mitglied, das sehr aktiv und erfolgreich Netzwerkarbeit für Väter in Unternehmen betreibt. Die Väter gGmbh berät bundesweit Unternehmen zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus Vätersicht. In verschiedenen Branchen wurden Väternetzwerke aufgebaut, im Bankenwesen ebenso wie in Mobilfunkunternehmen, in der Pharmaindustrie und im Handel. Ich würde allerdings vehement der These widersprechen, dass kleine Betriebe sich mit der Väterarbeit schwerer tun als Großkonzerne. Aus eigener Erfahrung in Unternehmen verschiedener Größe kann ich berichten, dass es immer darauf ankommt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich zu leben und vorzuleben. Wenn ein Handwerksmeister ein halbes Jahr in Elternzeit geht und tatsächlich „nur“ 30 Wochenstunden im Betrieb ist, wird sich etwas verändern.

Sie haben viele Aktive aus dem kirchlichen Bereich. Wie sieht es aus mit Organisationen anderer Religionsgemeinschaften. Gibt es unter Ihrem Dach islamische Verbände?

Aktuell liegt uns ein Mitgliedsantrag des Sozialdienstes muslimischer Frauen (SmF) vor . . .

Eines Frauenverbandes?

Ja, der Sozialdienst betreibt auch eine sehr engagierte Väterarbeit. Einen Sozialdienst muslimischer Männer gibt es bislang nicht. Die Aufnahme des SmF wäre in der Tat ein Präzedenzfall. Aber in unseren Mitgliedsverbänden sind nicht ausschließlich Männer tätig. Einige schicken auch weibliche Delegierte zu unseren Mitgliedsversammlungen.

Ihr Verband empfiehlt sich der Politik aber als Ansprechpartner für die Anliegen von Männern. Was unterscheidet männer- von frauenpolitischen Themen?

Die unterschiedliche Perspektive. Im Koalitionsvertrag ist zum Beispiel vereinbart, dass das Umgangs- und Sorgerecht neu geregelt wird. Unsere Erwartung war, dass die Interessen von Vätern künftig früher berücksichtigt werden und unverheiratete Väter nach der Vaterschaftsanerkennung automatisch sorgeberechtigt sein werden. Danach sieht es aber nun leider nicht aus. Dabei hatte eine Arbeitsgruppe von Familienrechtlern diesen Reformschritt empfohlen und überzeugend dargelegt, dass Kinder von Geburt an Anspruch auf zwei sorgeberechtigte Eltern haben.

Wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf, wenn es um die Rechte und Interessen von Jungen, Männern und Vätern geht?

Das Feld vor und rund um die Geburt von Kindern muss insgesamt stärker ins Blickfeld rücken. Denn bereits bei der Geburtsvorbereitung werden die Weichen gestellt für alles weitere, was man später versucht, durch Gleichstellungspolitik zu reparieren. Deshalb ist es so wichtig, Vätern zu diesem frühen Zeitpunkt Angebote zu machen. Noch viel mehr passieren müsste beim Gewaltschutz. Auch Männer werden Opfer häuslicher Gewalt. Zumindest im Hellfeld nicht so häufig wie Frauen, aber der Anteil liegt immerhin bei rund 20 Prozent. Für Männer gibt es jedoch kaum Schutzräume. Einige Gewaltschutzwohnungen wurden mittlerweile im Rahmen von Modellprojekten in Bayern und in Nordrhein-Westfalen eingerichtet. In Sachsen gibt es ebenfalls eine Einrichtung. Aber insgesamt sind es viel zu wenige. Wir bräuchten auch deutlich mehr Beratungsstellen für Männer, die häusliche Gewalt erleben. Auf einer Internetseite haben wir bislang rund 280 Angebote gebündelt, damit Männer möglichst frühzeitig Hilfe suchen und Krisen überwunden werden können, ohne dass es zur Trennung kommt.

Ihr Verband arbeitet ja auch mit Frauenorganisationen zusammen. Bei welchen Themen funktioniert die Kooperation gut und wo gibt es Differenzen?

Wir haben von Anfang an mit dem Deutschen Frauenrat zusammengearbeitet. In den allermeisten Fällen klappt das sehr gut. Aber manchmal haben wir unterschiedliche Perspektiven, etwa im Bereich Pflege. Mit der Ausgangsthese, Männer würden sich hier nicht engagieren, erreicht man nichts. Gerade ältere Männer übernehmen häufig Pflegeverantwortung für ihre Frauen oder Partnerinnen, fast ebenso häufig wie ältere Frauen. Wenn man erreichen möchte, dass Männer sich insgesamt mehr in der Pflege engagieren, auch beruflich, sollte man auch anerkennen, wo sie bereits als Pflegende aktiv sind.

Die Corona-Pandemie gilt als Rückschlag für die Gleichstellungspolitik. Frauen und Mütter gelten als die Verliererinnen. Stimmen Sie zu?

Nein, das sehe ich nicht so. Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas, das heißt man sieht in besonderer Schärfe, was vorher schon war. So hat sich in der Pandemie besonders bemerkbar gemacht, dass überwiegend die Männer Vollzeit arbeiten und die Frauen sehr häufig in Teilzeit tätig sind, wenn sie Familie haben. Wie sich dieses Modell in der Corona-Krise auf die Familie ausgewirkt hat, war zum Teil sehr stark branchenabhängig. Arbeitet der Mann in einem Unternehmen, das Kurzarbeit anmeldete, blieb er zu Hause. Eine Partnerin, die im Pflegebereich tätig ist, war beruflich voll eingespannt. Aber nach einer Umfrage, die das Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben hatte, ist die Aufteilung bei der Kinderbetreuung in knapp 60 Prozent der Familien so gut wie gleich geblieben. In rund 20 Prozent der befragten Familien ging  es partnerschaftlicher zu und in weiteren rund 20 Prozent wurde die Aufteilung ungleicher. Einen großen Trend zur Retraditionalisierung sehe ich hier nicht.  Im Gegenteil: Das familiäre Engagement der Väter hat in der Corona-Krise stärker zugenommen als in früheren Jahren, auch wenn Frauen sich insgesamt noch mehr engagieren.

Ihr Verband blickte im November 2020 auf sein zehnjähriges Jubiläum zurück. Was gab es zu feiern?

Unser Verband und unser Einfluss sind deutlich gewachsen. Nicht nur in Berlin, auch in vielen Bundesländern werden unsere Themen aufgegriffen. Aber es gibt weiterhin viel zu tun. Die traditionelle Überzeugung, dass Kinder und Mütter mehr zusammengehören und Väter zweitrangig sind, ist immer noch da. Vor allem bei den Themen Trennung, Sorge und Unterhalt sind wir noch lange nicht am Ziel.

Treffen Sie sich mit Ihrem Sohn manchmal zu einem klassischen Männerabend?

Dazu haben wir leider zu selten Gelegenheit gehabt. Seit dem Abitur vor 13 Jahren ist mein Sohn in der Weltgeschichte unterwegs. Mal gemeinsam vor dem Fernseher abzuhängen und Bier zu trinken, das wird, in Zeiten von Corona, in diesem Jahr aber klappen.

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Väter der Zukunft

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 20. März 2020

‚Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr …‘ dichtete Wilhelm Busch vor 150 Jahren. Zumindest der zweite Teil des Satzes gilt bis heute und die Schwierigkeiten haben sich noch erhöht. Vater sein reicht nicht mehr aus. Die allermeisten Männer die heute Vater werden nehmen sich vor, ein guter Vater zu sein, es besser zu machen als sie es selbst erlebt haben. Aber wie geht das, ein guter Vater zu sein, wenn es an erlebten Vorbildern mangelt. Und, ist überhaupt ausgemacht, was ein Vater ist. Ist er sowas wie ein Mupa? Eine Kopie der Mutter, oder zumindest ihr guter Assistent? Es gibt inzwischen zahlreiche Väterratgeber und Erfahrungsberichte von Vätern, die Elternzeit gemacht haben und davon berichten, vor welchen Herausforderungen junge Väter und Mütter stehen, die sich aus alten Rollenvorstellungen emanzipieren wollen und dabei über einen Rollentausch

Björn Vedder bearbeitet in seinem Buch ‚Väter der Zukunft‘ das Thema völlig anders, in Form eines philosophischen Essays. Er ist von Beruf Philosoph, Publizist und Kurator im Europäischen Künstlerhaus Oberbayern. Außerdem ist er selbst Vater von zwei Töchtern und hat selber von den Erfahrungen zwei grundverschiedener Väter profitieren können.

Mit seinem 150seitigen Essay möchte er Väter aus dem Schatten des eigenen abwesenden Vaters befreien. Dazu braucht es eine Beschreibung, wie und was Väter heute sein können und zwar ‚jenseits von Überkommenen Männlichkeitsvorstellungen, patriarchalen Familienmodellen oder der Idee einer geschlechtslosen Elternschaft‘. Um es vorwegzunehmen, diesen Anspruch löst er auch tatsächlich ein und es lohnt sich wirklich, das Buch Seite für Seite zu lesen, es regelmäßig zur Seite zu legen und die Thesen, Geschichten und Berichte aus eigenen Erfahrungen, die Vedder virtuos verknüpft, wirken zu lassen.

Er betrachtet das, was er herleitet, als einen Vorschlag an Männer, sich von der tradierten Rolle des Patriarchen zu emanzipieren, ohne einfach die Mutterrolle zu kopieren. Eine angemessene Beschreibung der Vaterrolle unterstützt sie dabei. Kinder brauchen, das zeigt die Bindungsforschung, zwei verschiedene, sich ergänzende Bezugspersonen. Eine mit der sie eine symbiotische Beziehung pflegen und eine andere, die diese Beziehung nach außen, zur Gesellschaft, zur Welt hin öffnet. Letztere Aufgabe nehmen die wahr, die üblicherweise ‚Vater‘ genannt werden.

Nach dieser kurzen Beschreibung des Selbstverständlichen wird es schnell grundsätzlich. Eine Erziehung, die auf der Logik des Kapitalismus, des Wachstums basiere bereite Kinder nicht darauf vor mit zukünftigen Herausforderungen des Lebens vor. Das Leben sei keine Goldmine, die es auszubeuten gelte. Es sei elementar auch mit Verlusten umgehen zu können gerade weil die Logik des Kapitalismus derartige Erfahrungen ausschließe. An dieser Stelle komme dem Vater eine zentrale Bedeutung zu: Vedder schlägt vor, ‚dass sich in der Figur des Vaters ein Ort für diese Erfahrungen findet, … dass es eine Aufgabe der Väter ist, den Umgang mit Verlust und Verzicht wieder in unser Leben zu integrieren. Ebendas macht sie zu Vätern der Zukunft.‘

Damit dies gelingen kann, benötigen Väter eine Bedeutung in der Erziehung der Kinder. Wie diese Rolle auf der ‚familiären Bühne‘ aussehen und wie sie wahrgenommen werden kann beschreibt der Autor in den folgenden Abschnitten. Ein roter Faden dabei ist Aspekt der Selbstbeschränkung und des Verzichts. Er wendet sich explizit gegen eine ‚Eventisierung des Familienlebens‘: ‚Der einzige Ausweg daraus wäre freilich, in das Leben zurückzukehren. Eine Grenze zu ziehen. Den Sprung in die Beschränkung zu wagen. Sich für das eine Wirkliche gegenüber den vielen Möglichkeiten zu entscheiden. Entweder oder zu sagen und zu leben.‘

Es ist Aufgabe des Vaters sich für das gute Leben anstelle eines schönen Lebens zu entscheiden, nur dann werde er der Bedeutung des Kindes als eigenständigen Subjektes gerecht. ‚Es ist ein Wesen, das nicht nur eine Bedeutung für mich hat, sondern für das es selbst Bedeutung gibt.‘ Dieser Perspektivwechsel auf die Unverfügbarkeit seiner Kinder ist gleichzeitig der Wechsel ‚vom ästhetischen Standpunkt auf den ethischen, vom schönen Leben in das gute Leben.‘

In diesem guten Leben gilt es, Entscheidungen zu treffen und nicht einfach nach Gusto alles zu tun oder zu lassen. Um diese Freiheit, entscheiden zu können wie ich mich den Dingen, die mir begegnen gegenüber verhalte, ausüben zu können ist es aber wichtig so wie der Sänger das ganze Lied vor Augen hat, als Vater das ganze Leben in den Blick zu nehmen, also zum Tode vorzulaufen. ‚Zum Tode vorzulaufen heißt also, das eigene Leben in den Griff zu bekommen, es zu leben und nicht nur zu erleben, es zu singen.‘

Was es konkret bedeuten kann, das ‚väterliche Sein zum Tode‘ einzusetzen um den Herausforderungen der Zukunft angemessen begegnen zu können, verdeutlicht Vedder am Beispiel des Klimawandels. Mit dem Bild des von Aristoteles skizzierten Hausvaters beschreibt er worauf es ankommt: es geht ‚weniger um den Erwerb als um die Pflege der Dinge, weniger um ihren Konsum als um ihren Erhalt. … Die Reflexion unseres Konsums in Bezug darauf, was er mit uns macht, ist eine Möglichkeit für Väter, unser Wirtschaften zu verändern.

Das aus der Möglichkeit im Zuge der Corona-Pandemie so schnell eine wirkliche Herausforderung, nicht nur für Väter geworden ist, hat Vedder nicht ahnen können. Alle Eventgelegenheiten sind geschlossen, soziale Kontakte außerhalb der Kernfamilie weitestgehend eingeschränkt und Krankheit und Tod kommen via Bildschirm und soziale Medien in jedes Haus und Verzicht und Verlust sind zum Alltag geworden. Die noch existierenden patriarchalen Strukturen sind genauso ratlos wie die ansonsten so lautstarken Populisten. Sie versuchen zwar noch mit haarsträubenden und erlogenen Geschichten Einfluss zu nehmen, werden aber im weiteren Verlauf der Krise verstummen. Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes Nichts zu sagen.

Worauf es ankommt und diese Rolle kommt in den Familien den Vätern zu, vom Ende der Krise her, im Rahmen einer Regnose, zurückblickend mögliche, positive und mutmachende Szenarien zu beschreiben. Was das Klima angeht die Tatsache, dass in diesem Jahr weltweit der CO² Ausstoß sinken wird. Die Bilder aus Italien mit auf den Balkonen singenden Menschen und den neuen Solidargemeinschaften die überall entstanden sind. All das sind Geschichten, die Väter erzählen können, wenn sie mit ihren Kindern am Fluss des Lebens sitzen.

Der philosophische Essay von Björn Vedder ist absolut empfehlenswert, weil er gerade heute, in dem alte Gewissheiten und Ordnungen ins Wanken geraten, Männern eine Möglichkeit bietet für ihr Vatersein einen (Nach-) Denkraum zu öffnen und vielleicht erstmalig Sicherheit in ihrer Rolle als Vater zu gewinnen. Für diejenigen, die auch im Krimi zuerst das Ende lesen, das kurze Resümee von Vedder findet sich im einseitigen 8. Kapitel.

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Väter-Netzwerk-Summit in Frankfurt

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Dezember 2018

Vaeter-summit

Wie wollen Väter in Zukunft leben und arbeiten und welche Beiträge können die Digitalisierung bzw. digitale Unterstützungssysteme dazu beisteuern. Um diese und andere Fragen ging es beim 1. Väter-Summit der Väter-gGmbH in Frankfurt.

Die hessenschau hat darüber kurz berichtet.

Quelle

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Erfahrungen mit der Doppelresidenz

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 12. November 2018

Wie es ist, wenn Kinder die halbe Woche bei Papa und die andere halbe bei Mama leben? Katrin Halbhuber berichtet in der „WIENERIN” über ihre Erfahrungen mit der Doppelresidenz, von Zweifeln, Wünschen und einem Familien-Plan B, der richtig gut funktioniert:

„Tschüß, Mami, wir sehen uns bei dir in der Wohnung, dann schlaf ich wieder bei dir!“, schreit meine zweieinhalbjährige Tochter, während sie mit ihrem drei Jahre älteren Bruder mit den Rädern zu ihrem Papa fährt. Der Weg ist nur ein Radweg, Papas Wohnung nur 200 Meter entfernt. Ich stehe da, schaue ihnen nach, hoffe, dass sie nicht zusammenstoßen, und winke. Und dabei ist mir ein wenig zum Heulen.

Seit einem Jahr leben unsere Kinder im Doppelresidenzmodell. Die erste Wochenhälfte sind sie bei ihrem Papa, am Mittwochnachmittag beim Opa und die zweite Hälfte bei mir, die Wochenende werden gewechselt. Das klingt stressig. Das ist unser Leben.

Seit einem Jahr, zwei Jahre nach unserer Trennung, haben unsere Kinder zwei Zuhause. Als R. vor kurzem ein Freundebuch aus dem Kindergarten mitbrachte, haben wir bei „Hier wohne ich“ zwei Adressen eingetragen. Als wäre es das Normalste auf der Welt. Und doch weiß ich, dass unser Lebensmodell bei weitem nicht normal ist. Einerseits, weil es ein Modell für privilegierte Eltern ist: Zwei voll ausgestattete Wohnungen zu finanzieren, klappt nur, weil wir beide gut verdienen. Durch die 50-50-Aufteilung fließen keine Alimente, Ausgaben wie Kindergarten oder Kleidung werden halbe-halbe von einem Familienkonto beglichen.

Andererseits ist es nicht normal, weil wir in den Kindergartengruppen der Kinder die einzige Familie sind, die getrennt lebt, und in unserem Umfeld die einzige im Wechselmodell. Unseren Sohn beschäftigt das: „Kann Papa auch einmal bei uns schlafen?“ Beim Antworten auf diese Fragen werde ich wohl nie Routine bekommen.

Seit einem Jahr schaffen wir es, unsere lebenslange Beziehung als Eltern über eine zerbrochene als Paar zu stellen. … weiterlesen

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Neue Impulse zur Vaterschaft – Onlinekongress Väter 2018

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Juni 2018

Wer nach Anregungen zum Thema „Vater-Sein“ sucht, kann sich den Onlinekongress der Väter gGmbH vormerken. Mehr als 30 namhafte Experten aus Forschung und Praxis wollen Mitte September neue Sichtweisen und eine große Bandbreite an Väter-Wissen per Podcasts vermitteln.

Unter dem Schlagwort „Väter 2018“ werden Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in Podcasts ihre Meinungen und Erfahrungen vorstellen. Zu den Vortragenden zählen zum Beispiel der Gehirnforscher Dr. Gerald Hüther, der Bildungs- und Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Wassilios E. Fthenakis, die Pädagogen Jesper Juul und Remo Largo sowie Väterexperten wie der Autor und Psychologe Björn Süfke und Marco Krahl, Chefredakteur der Zeitschrift „Men‘s Health Dad“.

Eine Anmeldung ist jetzt schon möglich; weitere Informationen zu Programm, Termin und Ablauf des Online-Kongresses erhalten Interessierte nach ihrer Registrierung per E-Mail. Die Teilnahme ist kostenlos.

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PapalapApp – ein Kindagotchi für Nochnichtväter und alle die es wissen sollen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 24. Oktober 2017

papalapappWie ist das, als junge Mutter oder junger Vater im Schichtdienst zu arbeiten und gleichzeitig die Verantwortung für ein oder mehrere Kinder zu tragen? Wissen Führungskräfte eigentlich, was alles passieren kann und welche alltäglichen Herausforderungen da zu meistern sind?

Am Freitag, dem 3. November 2017, wird Sozialministerin Stefanie Drese an der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten Dr. Astrid Petersmann ein außergewöhnliches Projekt zur Familienförderung vorstellen.

Die App wird kostenfrei erhältlich sein und ermöglicht es den Anwendern für bis zu zwei Wochen für maximal drei Kinder „verantwortlich“ zu sein. Das Abenteuer Vereinbarkeit von Familie und Beruf beginnt mit einer Einführungsaufgabe, anschließend benachrichtigt PapalapApp über die anstehenden Pflichten: für Mahlzeiten sorgen, ein Kind zum Musikunterricht oder ein krankes Kind zum Arzt bringen. PapalapApp prüft, ob die Aufgaben erledigt oder die angegebenen Orte erreicht wurden. Am Ende eines jeden individuellen PapalapApp-Projektes bekommen die Nutzer eine übersichtliche Auswertung. Mit PapalapApp kann also eine ganz normale Arbeitswoche zum Vereinbarkeitsabenteuer für jeden werden. Dabei wird es nicht möglich sein, die App auszutricksen. „Wenn die App meldet, dass das Kind aufgrund einer Erkrankung aus dem Kindergarten abgeholt werden muss, ist die Aufgabe nur erfüllt, wenn tatsächlich die Kita aufgesucht worden ist“, erläuterte Petersmann. Das soll gerade den überwiegend männlichen Universitätsprofessoren einen Einblick in die nicht immer leichte Vereinbarkeit von Beruf, Forschung und Familie ermöglichen.

„Wir brauchen neben den Müttern mehr Väter, die familiäre Verantwortung übernehmen, vor allem mehr Führungskräfte, die aus eigener Anschauung wissen, was es bedeutet, täglich den Spagat zwischen Familie und Beruf zu leben“, bekräftigte auch der Ärztliche Vorstand und erster „virtueller Testvater“, Prof. Claus-Dieter Heidecke. „Das ist auch ein wichtiger Punkt für die Mitarbeiterzufriedenheit und ein gewichtiges Argument im Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Schließlich suchen sich junge Leute heute ihr berufliches Umfeld auch danach aus, wie familienfreundlich es aufgestellt ist. Dafür braucht es unter anderem Vorgesetzte, die gute Entscheidungen treffen, am besten auf der Basis eigener Erfahrungen. So hilft es Führungskräften in ihrer täglichen Arbeit, wenn sie bereits selbst familiäre Verantwortung, beispielsweise für die Betreuung von Kindern, getragen haben.“

Doch was tun, wenn in einem Unternehmen viele Führungskräfte aufgrund des eigenen Lebensentwurfes nicht die Chance hatten, diese Erfahrungen zu sammeln? Gerade in der universitären Medizin haben viele Führungskräfte für sich einen anderen Lebensentwurf gewählt als ihre jüngeren Mitarbeitenden. Aber gerade im Alltag entscheidet sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft in den kleinen Dingen. Und sie beginnt mit Verständnis, Wertschätzung und Unterstützung von und durch die Vorgesetzten; kurz einer familienfreundlichen Unternehmenskultur. Und genau hier setzt nun die PapalapApp an, die Führungskräften – aber natürlich auch alle anderen Interessierten – einen kleinen Ausflug in die täglichen Herausforderungen ermöglichen möchte, die mit der Verantwortung für Familie und Beruf verbunden sind.

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Der Teilzeitmann – Das Buch

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 12. November 2014

Teilzeitarbeit liegt im Trend. Doch nicht nur in der Schweiz wird das Modell bis heute überwiegend von Frauen praktiziert. Neun von zehn Männern würden zwar dies auch gerne erfahren, aber nur einer von sieben tut es.

Hier setzt ‹Der Teilzeitmann› an. Vor zwei Jahren hat ein kleines Team unter Leitung von Andy Keel das Projekt lanciert und sich zum Ziel gesetzt, Teilzeitarbeit salonfähig zu machen. Vor allem Männer sollen ermutigt werden. Es ist ja nicht so, dass sie nicht möchten. Viele junge Väter wollen nicht lediglich stiller Ernährer ihrer Familie sein, sondern auch eine aktive Beziehung mit ihren Kindern pflegen. Doch der Weg zur Teilzeitarbeit ist voll von Hindernissen.

Manche Firmen sind skeptisch, weil die flexiblen Modelle meist mit höherem Aufwand verbunden sind. Und auch in der Familie spielt ein Teilzeitmann eine andere Rolle, welche mit der Partnerin ausgehandelt werden will. Dieses Buch ist ein Handbuch auf dem Weg in die neue flexible Arbeitswelt. Es zeigt in einem kleinen Einmaleins Widerstände auf, die es zu überwinden gilt. Verschiedene Interviews, Porträts und Geschichten aus allen Schichten und Berufen zeigen, was es braucht, damit alle mit den Einschränkungen glücklich sein können: der Teilzeitmann, seine Liebsten und der Chef. Denn Teilzeit lohnt sich – auch für Unternehmen. Und die Statistik zeigt: Immer mehr Männer setzen ihren Teilzeitplan auch in die Tat um.

Das Buch macht Männern Mut, ihre traditionelle Ernährerrolle aufzubrechen und sich den Herausforderungen von heute zu stellen. Ein informativer und vergnüglicher Leitfaden für Männer und ihre Familien. ‚Teilzeit wirkt antidepressiv, maximiert den Lebensgenuss und stärkt erst noch das Immunsystem.‘ Y. H., Arzt ‚Das Leben bietet doch so viel mehr als nur den Job. Teilzeit ist ein Stück Vogelfreiheit, die sehr viel Stress wegnimmt.‘ F. H., Direktor ‚Das Leben wird vielfältiger und intensiver. Man spürt Kräfte, die man sich vorher nicht zugetraut hat.‘ T. P., Berufsmusiker.

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Eine Initiative für mehr Väterlichkeit in Unternehmen und Familien

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 27. März 2013

Führungskräfte sind immer auch Coaches und Mentoren ihrer Mitarbeitenden und die damit verbundenen Aufgaben und Anforderungen korrespondieren mit denen von Väterlichkeit. In einem Handbuch zur Mitarbeiterführung wird der Zusammenhang folgendermaßen beschrieben: „Bei der Auswahl von Führungskräften wird häufig viel zu einseitig auf das Expertenwissen geachtet nicht aber darauf, ob jemand die menschliche Reife hat, eine solche „Vaterrolle” auch auszufüllen. Vorgesetzte, die das Vatersein im psychischen Sinne nicht einigermaßen verwirklicht haben, stürzen ihre Mitarbeiter oft in tiefe Enttäuschung und Verbitterung, Sie geben ihnen zu wenig Orientierung, schützen sie nicht, kümmern sich nicht um sie, fällen ihnen in den Rücken und versuchen, nur von ihnen zu nehmen, statt ihnen zu geben.“

Eine reflektierte Väterlichkeit wird, und das ist eine kulturelle Zuschreibung, als eine Voraussetzung für gelingende Führung betrachtet. Diese Sichtweise teilt auch die im Januar gebildete „Initiative für Väterlichkeit in Familie und Unternehmen“. Die Gründer der Initiative haben die Vision, dass in Deutschland bis 2025 die Mehrheit der Männer und Frauen in Unternehmen Väterlichkeit als wertvoll erlebt hat. In den Augen der Initiatoren, Fachkräfte und Experten aus verschiedenen Professionen und in der Arbeit mit Vätern in Unternehmen beschäftigt, sind damit folgende strategischen Ziele verbunden:

Die Initiative für Väterlichkeit in Familie und Unternehmen organisieren, den Begriff der Väterlichkeit (Inhalte, Praktiken) und ihren Wert definieren und öffentlichkeitswirksam kommunizieren und für Unternehmen den Nachweis erbringen, dass gelebte Väterlichkeit ein Wettbewerbsvorteil ist.

Dies soll vor dem Hintergrund der folgenden Werte und Prinzipien geschehen: Verantwortung für sich und andere – insbesondere für Kinder übernehmen, Offenheit nach innen und außen sowie Vielfalt, Gleichwertigkeit der Unterschiedlichkeit gewährleisten und Partnerschaft im Dialog zwischen Männern und Frauen praktizieren  sowie Brückenfunktionen zwischen Familien und Unternehmen wahrnehmen.

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30-Stunden Vollzeit für Eltern

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 27. Dezember 2012

Der Vorschlag von Andrea Nahles klingt interessant: Im ersten Lebensjahr des Kindes betreut man den Nachwuchs – finanziell durch das Elterngeld einigermaßen abgesichert – zu Hause. Danach arbeiten Mutter oder Vater für weitere zwei bis drei Jahre nur 30 statt der üblichen 40 Stunden in der Woche. Und zwar ohne wirtschaftliche Einbußen. Denn nun gleicht der Staat den Eltern die Einkommensdifferenz zwischen Teilzeit zum Vollzeit Erwerbsjob aus.

Nahles, 42, selbst Mutter eines kleinen Kindes, findet, dass junge Leute zwischen 25 und 40 Jahren durch die Doppelverantwortung von beruflicher Entwicklung und Familiengründung besonders gefordert sind. Wenn ihre Partei, die SPD, in den nächsten Monaten das Programm für die Bundestagswahl im Herbst aufstellen wird, will sie deshalb eine 30-Stunden-Woche für diese Eltern als „Idee“ mit aufnehmen.

„Zwei bis drei Jahre“ sollen die Eltern mehr Zeit für ihre kleinen Kinder bekommen, sagte Nahles der Nachrichtenagentur dpa. Bezahlt werden soll das vom „Staat“, wie sie vorschlägt. Und zwar nach dem Vorbild des „Hamburger Modells“.

Das sogenannte Hamburger Modell, das im Sozialgesetzbuch geregelt ist, stützt sich auf eine verkürzte Arbeitszeit und soll Menschen nach einer schweren längeren Krankheit die Rückkehr ins Berufsleben erleichtern.

Unterstützung erhielt Nahles von den Grünen. Deren Familienpolitikerin Katja Dörner sagte, neben Kita-Ausbau und der Einführung einer Kindergrundsicherung sei es die wichtigste familienpolitische Herausforderung der nächsten Jahre, den Arbeitsalltag von Eltern familienfreundlich zu organisieren. Die meisten Eltern wünschten sich auch, die Arbeitszeiten gleichmäßiger untereinander aufteilen zu können.

Abgesehen davon, dass die Familiengründungsphase keine schwere Krankheit ist, fände ich es noch konsequenter, Vätern und Müttern in den Lebensphasen und nach den Lebensereignissen, wo sie gewünscht wird, einen Anspruch auf eine Vollzeit von 30 Stunden zu ermöglichen und wenn sie dann auch von beiden gleichzeitig in Anspruch genommen wird, dies auch beim ‚Familiensplitting‘ zu berücksichtigen.

Quelle

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