Erstellt von Hans-Georg Nelles am 15. August 2011
Die Kinderlosigkeit in Deutschland liegt nach Ansicht des Bevölkerungsforschers Norbert Schneider an zu hohen gesellschaftlichen Erwartungen an Eltern. “Die optimale Förderung der kindlichen Entwicklung ist in den Mittelpunkt der Familien gerückt.
Elternschaft ist dadurch anspruchsvoller geworden, begleitet von einer massiven Professionalisierung und Pädagogisierung der Elternrollen”, sagte Schneider der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Deshalb verzichteten viele lieber auf ein Kind, als sich diesem Druck zu stellen.
Allerdings verschärfe das unzureichende Angebot von Betreuungsplätzen die Situation. “Würde man den Erwartungsdruck von den Eltern nehmen, und das heißt vor allem von den Müttern, dann würden bei steigender Erwerbsbeteiligung und wachsender Mobilität der Frauen mehr Kinder geboren werden”, so Schneider. Für die Richtigkeit dieser These spreche das Beispiel Schweden.
Derzeit werde Frauen in Deutschland überall dort die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert, “wo Mobilität im Beruf erwartet wird”. Während Väter beruflich sogar mobiler seien als kinderlose Väter, seien beruflich mobile Frauen selten auch Mütter, sagte Schneider. Bei der Rollenverteilung von Vätern und Müttern lasse sich in Deutschland keine große Veränderung feststellen. “Im Kern dominiert Stabilität und nicht Wandel.”
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Juli 2011
Im Gespräch mit derStandard.at analysiert der Familienforscher Wolfgang Mazal die Gründe für diese Entwicklung. Seiner Ansicht nach signalisieren viele Unternehmer nur in Sonntagsreden Familienfreundlichkeit. An der konkreten Umsetzung hapere es jedoch. Zudem lehnten immer mehr junge Männer dem Spagat zwischen Familienernährer und aktiver Vaterschaft ab.
‚… derStandard.at: Auch Männer tragen zur geringen Geburtenrate bei. Neben dem Geburtenstreik spricht man von der Zeugungsverweigerung. Was ist das Problem der Männer?
Mazal: Dazu gibt es unterschiedliche Theorien und das Thema ist noch nicht sehr gut beforscht. Zum Teil führen das Forscherkollegen darauf zurück, dass jetzt Männer in die Familienphase treten, die selbst in Kleinstfamilien aufgewachsen sind, dementsprechend gestalten sie ihre eigene Familiengründung. Allerdings ist dieser Effekt in anderen Ländern, wo Männer ebenfalls aus Kleinstfamilien kommen nicht beobachtbar. Das ist ein statistisches Sonderphänomen in Österreich. In Österreich nimmt der Kinderwunsch der Männer signifikant ab, während das in anderen Ländern nicht der Fall ist.
derStandard.at: Warum wollen immer weniger Männer in Österreich Kinder bekommen?
Mazal: Das ist auf viele Faktoren zurückzuführen. Das mag zusammenhängen mit dem als stark männerfeindlich empfunden Scheidungsfolgenrecht. Viele Männer mögen sich denken, wenn es zu einer Scheidung kommt, sehen sie ihr Kind nicht mehr und dürfen nur mehr dafür bezahlen. Valide erforscht ist die Ursache noch nicht. Wir haben zu wenig Geld für komplexe Männerforschung in Österreich.
derStandard.at: Sie haben bei einer Podiumsdiskussion gesagt, von Männer wird einerseits erwartet, dass sie die Familie ernähren und andererseits auch ein aktives Familienleben führen. Sind sie damit überfordert?
Mazal: Die Erwartungshaltung an die Männer ist nach wie vor sehr traditionell und ist gleichzeitig angereichert mit der Erwartung, er muss sich auch um die Familie mehr kümmern. Das ist ein Spagat, den junge Männer mit Sicherheit auch ablehnen.
derStandard.at: Und was wollen die Männer eigentlich? Wollen sie arbeiten oder sich mehr um die Kinder kümmern?
Mazal: Junge Männer wollen die Erwerbsarbeit nicht aufgeben, möchten sich aber auch stark an die Familie orientieren. …’
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. Mai 2011
In einem Beitrag in der Zeit weist Tanja Dückers auf die eklatanten Widersprüche zwischen der verbalen Betonung der Bedeutung von Familie mit Kindern und der Lebenswirklichkeit hin.
‚Junge Paare sollen zwar möglichst schnell mehrere Kinder bekommen. Aber jeder, der mit Kindern zu tun hat, wird offiziell gering geschätzt und schlecht bezahlt. In Deutschland zeichnet sich eine paradoxe Situation ab: Da wird über die demografische Kurve geklagt und das Aussterben der Deutschen heraufbeschworen. Die wenigen Kinder, die es gibt, werden zum Teil in übertriebener Weise zur Schau gestellt und verhätschelt. …
Doch diese punktuelle Auratisierung von Kindern und Kindheit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hierzulande zentrale Belange von Kindern und Jugendlichen, von vernünftigen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen bis hin zu Ausbildungsplätzen, äußerst stiefmütterlich behandelt werden. …
Der Staat freut sich angeblich über jedes Neugeborene und prämiert es sogar, aber was danach mit den Kindern passiert, scheint nicht weiter von Belang zu sein: Überall fehlt es an Kitaplätzen, allein in Berlin fehlen 15.000. Viele Kitas stehen im Moment vor dem Bankrott, die Betreuungsschlüssel können oft wegen der hohen Krankenstände und fehlendem Personal nicht eingehalten werden …
Der staatlichen Missachtung stehen umgekehrt die Eltern gegenüber, die sich für ihren kleinen Liebling “nur das Beste” wünschen und voller Sorge sind, ob die Person, die nun über viele Stunden am Tag ihr Kind betreut, dafür wohl geeignet ist. …
Jungen Menschen im gebärfähigen Alter werden zwei widersprüchliche Botschaften vermittelt: Weiterlesen »
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 16. Februar 2011
Kinder sind für die Gesellschaft wichtig, doch der Einzelne kann kaum vernünftige Gründe fürs Kinderkriegen nennen. Denn sie kosten Mutter und Vater Geld und Kraft, machen Lärm und Schmutz. Karriere und Einkommen leiden, wenn man sich Zeit für den Nachwuchs nimmt.
Laut einer repräsentativen Umfrage unter 1000 kinderlosen Männern und Frauen von forsa im Auftrag der Zeitschrift Eltern sagen folgerichtig 79 % der befragten Kinderlosen, das Leben sei ohne Kinder anstrengend genug. Und 74 % wollen ihren Lebensstil vorerst nicht für ein Kind einschränken. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass nur 22 % beschließen, nie Kinder zu wollen.
Kinder bekommt man dann doch, weil in vielen Menschen ein irrationaler Wunsch wächst, der auf Erfüllung drängt. Es geht darum zu lieben und gebraucht zu werden. Die forsa-Umfrage zeigt, dass schon zwei Drittel der jungen Erwachsenen einen solchen Wunsch verspüren. Männer sind übrigens nicht die Kinderverweigerer, als die sie oft gelten. Zumindest behaupten die jungen Männer zu 70 %, Kinder zu wollen. Junge Frauen sind skeptischer – nur 61 wünschen sich Nachwuchs.
Trotzdem schieben die Zwanzig- bis Dreißigjährigen (Männer und Frauen) das Kinderkriegen meist auf. Denn obwohl der Kinderwunsch reine Gefühlssache ist, wird die Entscheidung, wirklich ein Kind zu bekommen, im Kopf getroffen.
Und so werden Kinder zu einem ‚Projekt’, das sich anzustellen hat hinter rational besser zu begründenden Projekten: Zwei Drittel wollen vor der Geburt eines Babys eine solide finanzielle Basis schaffen. Eine gute Ausbildung und ein guter Job haben vor allem für Akademiker Vorrang. Weiterlesen »
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 29. Dezember 2010
Nachdem in den vergangenen Wochen die KritikerInnen des Elterngeldes die weiterhin sinkenden Geburtenzahlen als Argument gegen die bezahlte Elternzeit, insbesondere von Vätern angeführt haben, ‚schlägt’ die Statistik jetzt zurück.
Die Zahl der Geburten in Deutschland ist in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 stark gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen zwischen Januar und September insgesamt etwa 510.000 Kinder zur Welt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 492.000 Kinder. Das entspricht einem Plus von 3,6 %. Ein derart großer Zuwachs war im gesamten letzten Jahrzehnt nicht feststellbar.
Dieser Anstieg kann unter zwei Bedingungen zu einer deutlich höheren Geburtenrate führen. Erstens muss der Trend der ersten neun Monate des Jahres 2010 im verbleibenden Vierteljahr stabil bleiben. Zweitens handelt es sich bei den Zahlen um sogenannte “vorläufige Angaben” des Statistischen Bundesamtes. Diese Zahlen können noch nach oben oder unten korrigiert werden. In den vergangenen Jahren zeigte sich allerdings, dass diese Daten die endgültigen Aufwärts- oder Abwärtstrends der Geburtenzahlen relativ gut wiedergeben.
Der Geburtenzuwachs, den die Daten signalisieren, ist erstaunlich, weil die Zahl der potenziellen Mütter seit langem kontinuierlich sinkt. Jedes Jahr gehören etwa 300.000 Frauen weniger zur Gruppe der 15- bis 45-Jährigen, die aufgrund ihres Alters überhaupt Kinder bekommen können. Wenn nun im Jahr 2010 sogar die absolute Zahl der Geburten in Deutschland wächst, markiert dies eine doppelte Veränderung: Es gibt zwar weniger potenzielle Mütter, doch diese wenigen Frauen bekommen mehr Kinder.
Falls sich das Wachstum als stabil erweist, wird das die Geburtenrate deutlich nach oben treiben. Sie liegt seit einigen Jahren ohne große Veränderungen zwischen 1,36 und 1,38 Kindern pro Frau. … Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2010 deuten auf einen höheren Zuwachs in Höhe von fast 20.000 Geburten hin. Dies könnte die Geburtenrate also noch stärker beeinflussen. Wie viele der neugeborenen Kinder von Frauen mit Migrationshintergrund zur Welt gebracht werden, geht aus der Statistik nicht hervor.
Bemerkenswert ist auch, Weiterlesen »
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 15. Dezember 2010
Die aktuelle Debatte um das Elterngeld wird auch von der Frage bestimmt, wodurch sich denn eine Geburtenrate überhaupt beeinflussen lässt. Kurzfristig und durch Geld offensichtlich nicht!
Eine fundierte Antwort auf diese Frage liefert die Anfang des Jahres veröffentlichte Längsschnittstudie ‚Fertilität und Partnerschaft’ von Yve Ströbel-Richter. Sie beantwortet die Frage, Was bewegt Paare zur Entscheidung für ein erstes bzw. weitere Kinder. Dazu analysiert die Autorin die Auswirkungen des demografischen Wandels in Deutschland im Hinblick auf die Familiengründung und die Geburtenrate auf individueller Ebene. Die zahlenmäßige Grundlage für die Untersuchung liefert die seit 20 Jahren laufende Sächsische Längsschnittstudie.
Im Einzelnen werden nach der Darstellung von theoretischen Erklärungsansätzen zur Familiengründung Faktoren wie Kinderwunsch und Realisierung, Lebensziele und Zufriedenheit, die Wirksamkeit von Rollenleitbildern und der Einfluss einer vorübergehenden Arbeitslosigkeit auf die Familiengründung und die Kinderzahl betrachtet.
Überrascht hat mich im Abschnitt ‚Rollenleitbilder – Sind Männer und Frauen gleichberechtigt’ die Aussage ‚Die StudienteilnehmerInnen sind in einem Rollenleitbild aufgewachsen, welches die meisten Frauen in eine Doppelrolle zwang, … heißt es doch wenige Zeilen später Frauen sind noch entschiedener für eine Gleichberechtigung als Männer. Das zeige sich auch bei dem einzigen signifikanten Unterschied auf der Skala – ‚Frauen sind häufiger der Meinung als Männer, dass ein Mann seine Familie nicht allein versorgen muss.’ Weiterlesen »
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. Juni 2010
Das 2007 eingeführte Elterngeld hat einer Studie zufolge vor allem in einkommens- und bildungsstarken Familien für Zuwachs gesorgt. Das geht aus einer Studie von Forschern der Greifswalder Universität hervor.
Demnach hat sich der Anteil von Frauen mit Hochschulabschluss, die ihr erstes Kind bekamen, nach Einführung der Hilfe um 30 % erhöht, wie der Chef des Instituts für Community Medicine, Wolfgang Hoffmann, sagte.
Die stärksten Effekte gebe es bei Frauen, deren Haushaltseinkommen bei über 2.500 Euro lag. In dieser Gruppe entschieden sich 70 % mehr für ein Kind. Frauen, die aus Angst um Job oder Karriere entmutigt gewesen seien, hätten sich für ein erstes oder weiteres Kind entschieden. Auch in der Gruppe der Frauen mit Arbeitsstelle habe sich der Anteil derer, die sich für ein zweites oder drittes Kind entschieden, um 30 % erhöht. “Die Ergebnisse sind eine Bestätigung für das Elterngeld”, sagte der Sozialmediziner und Epidemiologe Hoffmann.
Insgesamt stieg die Anzahl der Babys aber nicht. Dies führte Hoffmann auf den allgemeinen Trend sinkender Geburtenraten zurück. Zudem seien die Auswirkungen des Elterngeldes gering, weil der kleinen Gruppe der einkommensstarken Familien die größere Gruppe der einkommensschwächeren gegenüberstehe. Elterngeld sei deshalb aber nicht sozial ungerecht. “Das Elterngeld hat einer Gruppe der Frauen genützt und keiner geschadet”, sagte Hoffmann.
Die Untersuchung ist nach Angaben der Forscher die deutschlandweit erste soziodemografische Untersuchung zum Elterngeld. Im Rahmen der Studie Survey of Neonates in Pommerania (SNiP) wurden alle Mütter befragt und deren soziale Daten erhoben, die zwischen Mitte 2003 und Ende 2008 Kinder in den Krankenhäusern Greifswald, Anklam und Wolgast geboren hatten. Insgesamt gingen die Daten der Mütter von 3.358 Geburten in die Untersuchung ein.
Interessant sind die Schlussfolgerungen der Studie, so empfehlen die AutorInnen unter anderem:
Our results indicate that future changes in policy should focus on primigravidae, as these women have not been reached by the new policy so far. The legislation also aims to increase opportunities and incentives for men to be “active fathers,” and it attempts to make a mother’s return to her job an easier transition.’
Ohne die Einbeziehung der Väter sind also keine weiteren Fortschritte zu erzielen.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Juni 2010
Ein uneheliches Kind hat eine alleinerziehende Mutter – diese Gleichung stimmt nach einer Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock nicht mehr.
Vielmehr lebten heute auch uneheliche Kinder meist bei Vater und Mutter statt bei einem alleinerziehenden Elternteil, berichtet die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” aus der noch unveröffentlichten Studie des Instituts. Grund sei der Trend junger Paare zu einer Partnerschaft ohne Trauschein. Die Forscher hatten dazu Familienstand und Geburten bei 12.000 Frauen der Jahrgänge 1971 bis 1973 erhoben.
Das Ergebnis: In nichtehelichen Gemeinschaften lebten bei der Geburt des ersten Kindes 25 % der West-Frauen und 45 % der Ost- Frauen. Das waren deutlich mehr als jene, die bei der ersten Geburt alleinerziehend waren – 12 % im Westen und 20 % im Osten.
Die Mehrzahl unehelicher Kinder lebe damit in eheähnlichen Partnerschaften, erklärten die Forscher die Daten. Als eine Ursache nannten sie die Reform des Kindschaftsrechts 1998, die auch unverheirateten Eltern das gemeinsame Sorgerecht ermögliche.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 24. Mai 2010

Am 21. Mai 1939 wir das Mutterkreuz erstmals verliehen
Durch den ‚Geburtenabsturz’ droht der Kollaps der Sozialsysteme. Diese seit langem absehbare und sichtbare Entwicklung nutzen konservative Politiker jetzt wieder einmal, um auf ihre antiquierten und seit 55 Jahren wirkungslose ‚demografischen Offensive’ hinzuweisen. 71 Jahre nach der erstmaligen Verleihung des Mutterkreuzes fordern sie eine Mütterquote, also eine Bevorzugung der Mütter im Arbeitsleben.
Angesichts des dramatischen Rückgangs der Geburtenzahlen in Deutschland fordern sie ein ‚radikales Umdenken in der Familien- und Bevölkerungspolitik’. Der Vizevorsitzende der Unionsfraktion, Johannes Singhammer, sagte, Deutschland brauche jetzt dringend eine Mütterquote Er und seine Verbündeten wischen im gleichen Zug alles beiseite, was den Namen Familienpolitik verdient
Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg hält die bisherige Familienpolitik für gescheitert. Sie habe gar nicht das Ziel, die Geburtenrate anzuheben.
„Wir haben den entscheidenden Durchbruch nicht erreicht“, sagte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU). Entscheidend sei nicht das Krippenangebot, wie sich im Osten zeige, wo viele Betreuungsplätze wegen des Kindermangels ungenutzt blieben. Auch das Elterngeld, das bis zu 14 Monate lang gezahlt werde, könne keine Wende bringen. „Denn Kinder kann man sich nicht kaufen.“
Eben, auch nicht mit einer Mütterquote, die Rahmenbedingungen für Väter und Mütter und solche, die es werden möchten oder könnten, müssen stimmen. Und die …
‚Die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland stimmen nicht’, sagte Grünen-Chefin Claudia Roth. … Junge Paare brauchten Sicherheit, indem ihnen eine qualitätsvolle Infrastruktur zur Verfügung stünde, sagte die Grünen-Politikerin. Auch die Bundesfamilienministerin Schröder stellte klar, dass sie am Krippenausbau festhalten werde. Der für 2013 angekündigte Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Ein- und Zweijährige werde kommen. ‚Das Geld ist gut angelegt.’
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. Mai 2010
Nicht nur das Mai Wetter wird durch anhaltende Tiefdruckgebiete dominiert. Nach einer kurzen Pressemeldung des statistischen Bundesamts, in der die bisherige Prognose der Geburtenzahlen für 2009 bestätigt wird, titelt Focus:
Elterngeld, Krippenausbau und Vätermonaten zum Trotz – Deutschland steckt in einem neuen Geburtentief. Während sich in anderen Industriestaaten Besserung abzeichnet, kamen hierzulande so wenige Kinder zur Welt wie seit Jahrzehnten nicht.
Die Bundesrepublik erreicht mit der niedrigsten Geburtenzahl seit dem Zweiten Weltkrieg einen neuen Negativrekord. Nach vorläufigen Ergebnissen kamen 2009 rund 651.000 Jungen und Mädchen lebend zur Welt. Das waren noch einmal rund 30.000 oder 3,6 % weniger als 2008.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder weist auf die gesunkene Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter hin und erklärt, dass die Zahl der Kinder pro Frau konstant geblieben sei. Diese ist aber mit durchschnittlich 1,38 Kindern pro Frau im internationalen Vergleich immer noch sehr niedrig. Und vor allem haben viele Staaten, die in der Vergangenheit ähnlich lagen, inzwischen deutlich aufgeholt. „Ausnahmen sind Österreich und Westdeutschland“, heißt es in einer Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock.
Muss also die Familienpolitik auf den Prüfstand, wie die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post fragt? Familienministerin Schröder bekennt sich zum weiteren Ausbau der Kleinkindbetreuung und betont: „Der Rechtsanspruch auf einen Kita – Platz wird kommen. Das Geld ist gut angelegt.“ Das hat die Stadt Zürich schon vor 10 Jahren mit der Studie ‚Volkswirtschaftlicher Nutzen von Kindertagesstätten‘ nachgewiesen. Demnach zahlt sich jeder in die Kinderbetreuung investierte Franken mindestens dreifach aus.
Aber hierzulande wird die Finanznot der öffentlichen Haushalte genutzt, um konservative Vorstellungen und Familienbilder wiederzubeleben und den ab 2013 vom Staat versprochenen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz in Frage zu stellen. Das ist die sicherste Methode, dem jetzt herrschenden Geburtentief weitere folgen zu lassen.
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