der VÄTER Blog

lebe deinen Traum!

Väterrollen in (amerikanischen) Fernsehserien

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. April 2018

  • Wie wird Vaterschaft in Fernsehserien inszeniert?
  • Welche Modelle von Elternschaft entwerfen sie und wie wird dabei über Geschlechter- und Familienrollen reflektiert?
  • Wie thematisieren sie die Widersprüche von Affekt und Macht, von Autonomie und Abhängigkeit in Familienbeziehungen?

Der Band „Väter allerlei Geschlechts“ lädt ein darüber nachzudenken, wie Fernsehserien Vaterschaft (und durchaus auch Mutterschaft) inszenieren und welche Momente der gesellschaftlichen Selbstreflexion und Projektion sich darin abzeichnen. Dabei gilt das besondere Interesse dem spezifischen Reflexionspotential serieller Formate: Unter dem Stichwort der Intergenerationenambivalenz fragen wir, wie serielle Fernseherzählungen von Vaterschaft die zunehmende Spannung zwischen traditionellen, auch normativen Rollenbildern und gelebten Familienpraxen auffächern.

Aus dem Inhaltsverzeichnis:

Wenn Mütter auch Väter sind und Väter auch Mütter. Eine Einleitung Anja Besand, Mark Arenhövel und Olaf Sanders

Ben Cartwright und andere Väter: Bonanza Brigitte Georgi-Findlay

Komische Väter? Das Lustige, das Lächerliche und Vorstellungen von der ‚guten Familie‘ in Sitcoms. Katja Kanzler

Väterliche Prekarität in The Sopranos Karl-Josef Pazzini und Olaf Sanders

Von Max zu Maura: Auf der Suche nach Trans*gressiver Elternschaft im US-amerikanischen Fernsehen. Mirjam M. Frotscher und Gesine Wegner

Abraham, Agnew, McNulty und die anderen. Väter-Cops und ihre Opfer.Christian Schwarke

Family Values in New Mexico. Patriarchale Eskalation in Serie. Mark Arenhövel

Von einsamen Müttern und verzweifelten Vätern: Fernsehserien als Erziehungsratgeber. Anja Besand

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‚Vater und Sohn‘ – Ausstellung in Troisdorf

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 1. März 2018

Das Bilderbuch Museum in Troisdorf zeigt die ‚Vater und Sohn‘-Geschichten von e.o.plauen in einer Ausstellung und ergänzt die historischen Werke um die moderne Aufarbeitung der Comic-Reihe durch Ulf K. und Marc Lizano. Väter und Söhne, Eltern und Kinder können sich bis zum 1. Juli 2018 ein eigenes Bild machen von der stummen Erzählkunst dreier Comiczeichner aus zwei Jahrhunderten, die ein ewiges Thema beschreiben: Vater und Sohn. Denn ein Zitat Erich Ohsers trifft auf alle zu: “Ich bin als Kind geboren und habe mich zum Vater emporgearbeitet – habe sozusagen von der Pike auf gedient.

‚Vater und Sohn‘ – dies sind heitere Bildergeschichten in Schwarz-Weiß, zumeist ohne Worte erzählt. Im Mittelpunkt aller Bilderfolgen stehen ein strubbelhaariger Sohn und ein kugelförmiger Vater mit Glatze und Schnauzbart. Beide, Vater und Sohn, bilden ein liebevolles Gespann, das zumeist damit befasst ist, die Probleme des Alltags zu bewältigen. Zum ersten Mal erschien die Bilderfolge am 13. Dezember 1934 mit dem Titel „Der schlechte Hausaufsatz“ und wurde schnell zum großen Erfolg – und damit auch Ziel für Propagandazwecke des „Dritten Reichs“, dem Erich Ohser alias e.o.plauen (1903 – 1944) von Grund auf ablehnend gegenüberstand. Als Buchillustrator, vor allem als Karikaturist hatte er mit diffamierenden Zeichnungen den Hass der Nationalsozialisten auf sich gezogen. Die Folge war ein Berufsverbot, das erst durch das Zulegen seines Pseudonyms e.o.plauen und unter der Auflage, sich nicht mehr politisch zu betätigen, aufgehoben werden konnte. Die Denunziationsschrift seines Nachbarn führte 1944 trotzdem zur Verhaftung und zum Selbstmord des Illustrators.

Mehr als 80 Jahre später gelang es dem Duo Ulf K. und Marc Lizano „Neue Geschichten von Vater und Sohn“ ins Leben zu rufen. Traditionell in der Art „stumm“ zu erzählen und die Protagonisten in ihren „klassischen“ Erscheinungsformen auftreten zu lassen, siedeln die „Neuen Geschichten“ mit Stil und Inhalten in unserer Jetztzeit. Damit wirken sie alt und neu zugleich und bilden damit eine gelungene Reminiszenz an Vergangenes ohne zu kopieren.

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Großväter sind wichtig!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 25. Februar 2018

GrossvaterseinIm Gespräch mit Teresa Nauber erläutert der Altersforscher Professor Eckart Hammer die Bedeutung der Großväter für ihre Enkel”

“Herr Professor Hammer, wenn es um Großeltern geht, ist häufig nur von der Oma die Rede. Warum kommen die Opas seltener vor?

Großväter hatten mal eine Konjunktur Anfang des 19. Jahrhunderts. Da galten sie als gütige Ratgeber, alte Weise im Lehnstuhl. Dann wurde dieses Bild allmählich verdrängt von der guten Großmutter. Der Mann geriet in den Hintergrund, als der distanzierte, strenge Großvater, den man nicht anfassen kann.

Warum verändert sich das jetzt?

Das hat auch mit der Entwicklung der Bevölkerung zu tun. Großväter haben heute so viel Zeit mit ihren Enkeln wie zu keiner Zeit zuvor. 1890 haben zwei Drittel aller Kinder keine Großeltern erlebt. Heute liegt das Durchschnittsalter, um Großvater zu werden, bei 56. Zugleich gehen viele Arbeitnehmer früher in den Ruhestand. Und beeinflusst durch die 1968er-Jahre haben sie häufig auch den gleichen Anspruch, für ihre Enkel da zu sein, wie die Großmutter. Opas wollen Gleichberechtigung.

Diesen Anspruch durchzusetzen, ist aber manchmal gar nicht so einfach. Häufig steht die Großmutter immer noch im Mittelpunkt, wenn es um die Versorgung der Enkel geht.

Das stimmt. Es geht darum, von Anfang an mitzumachen und nicht erst zu warten, bis die Kinder Fußball spielen können. Männer können auch wickeln. Das sollten sie selbstbewusst formulieren und vor allem durchhalten. Wenn das Baby dann mal einen Mucks macht, darf man es eben nicht gleich in die Arme der Großmutter oder Mutter geben, sondern kann sagen: Nee, das mache ich jetzt. …

Und nützt es auch den Enkeln, wenn sich der Großvater aktiv einbringt, oder ist das egal – Hauptsache, Großeltern sind da?

Nein. Großväter sind ganz wichtige Partner für die Kinder – gerade in einer so frauendominierten Erziehungswelt. Die Kindergärten und Schulen sind ja zum Beispiel überwiegend weibliches Terrain. Und es ist auch immer noch so, dass die Väter häufig mehr arbeiten als die Mütter. Männliche Bezugspersonen sind aber als zweiter Pol sehr wichtig für Kinder.

Vätern sagt man ja nach, sie würden mit manchen Dingen entspannter umgehen als Mütter. Gibt es diesen Unterschied auch zwischen Omas und Opas?

… Man sieht vieles aus einer größeren Distanz, hat noch die Erziehung der eigenen Kinder im Kopf und weiß, dass ohnehin vieles anders kommt als geplant.”

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Der Blick auf Vater und Mutter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. April 2016

Das Kinder Eltern, Väter und Mütter brauchen ist heute unbestritten. Auf die Fragen, wie sie Aufwachsen in Familie und anderen Einrichtungen erleben, geben Erwachsene auf der Grundlage ihrer Maßstäbe Antworten, die wiederum die von ihnen beschriebenen Rahmenbedingungen beeinflussen. Mit dem Sammelband „Der Blick auf Vater und Mutter, Wie Kinder ihre Eltern erleben“ stellen die Herausgeber Johannes Huber und Heinz Walter diese Perspektive auf den Kopf und rücken das kindliche Erleben in den Mittelpunkt. Dabei setzen sie sich auch intensiv mit der Frage auseinander, wie diese Kinderperspektive von fragenden und forschenden Erwachsenen zu erschließen ist und welche Wege gangbar sind ohne schon durch die Fragen selbst die Kinder durch den Blick der Erwachsenen zu beeinflussen. „Die Kindersicht ist in ein Korsetterwachsener Vorprogrammierung gespannt: Erwachsenen wählen Aspekte der vermeintlichen kindlichen Lebenswelt aus, konkretisieren sie über vermeintlich geeignete Formulierungen in Form von Feststellungen oder Fragen, erwarten Stellungnahmen der Kinder mithilfe vorgegebener Reaktionsmodi.“

Aber wann sind Kinderaussagen Kinderaussagen? Die Herausgaben nähern sich dieser Frage behutsam an und beschreiben die Herausforderungen und Schwierigkeiten. Dabei gehen sie davon aus, dass kindliche Interaktionen vor allem dann nicht verstanden werden, wenn sie an den restriktiven Bedingungen formalisierter Erwachsenenkommunikation gemessen werden. „Will man Aussagen >aus der Perspektive vom Kinde aus< treffen, quasi die passenden Schlüssel für das Aufsperren der verborgenen Kinderwelt finden, so gilt es, sich zunächst der generationalen Differenz von Erwachsenen und Kindern – als ein strukturelles Merkmal innerhalb der Kind-Erwachsenen-Beziehung – bewusst zu werden und diese anzuerkennen.“ Das Annähern an und das Verstehen von kindlichen Erlebniswelten können nur vor diesem Hintergrund und einer selbstreflexiven Haltung gelingen. „Denn der Versuch, etwas über das Wesen des Kindes zu erfahren, ist zugleich mit dem Paradoxon konfrontiert, an eine >Perspektive des Kindes< anknüpfen zu müssen, die man doch eigentlich erst erforschen bzw. kennenlernen will.“

Ein besonders krasses Beispiel dafür, wie Forschung an Kindern vorbeireden kann, ist der vom Kinderhilfswerk UNICEF vorgelegte Befund, dass deutsche Kinder eine einmalige Diskrepanz aufweisen: „Während sie im Bereich objektiver Indikatoren des Wohlbefindens mit dem 6. Platz in der Spitzengruppe aller Länder liegen, stürzen sie in der subjektiven Selbsteinschätzung auf den 22. Platz ab.“

Nach der erkenntnistheoretischen Grundlegung ihres Perspektivenwechsels führen Huber und Walter verschiedene historische Beispiele für den kindzentrierten Ansatz an. Beeindruckend ist das Wirken der Schweizer Forscherin Margrit Erni, die Mitte der 1960er Jahre die Diskussion um die „Vaterkrise“ aufgriff und in 84 Schulklassen 252 männliche und 1217 weibliche Jugendliche umfassend und wertschätzend interviewte. Das Ziel ihrer Untersuchungen war, den Vätern aufzuzeigen, was die Jugend von ihnen erwartet.

In den folgenden vier Abschnitten „Aus der Praxis für die Praxis“, „Forschungszugänge – eine Auswahl“, „Zur Psychodynamik des Einzelfalls im therapeutischen Setting“ und „Sensibilisierung für eine Kinderperspektive als präventive Maßnahme“ werden 14 weitere Zugänge beschrieben. Diese reichen von dem Versuch, sich durch Vätergeschichten dem Vater erzählend zu nähern, bis hin zu dem Grundrecht der „Kindesanhörung“ zum Beispiel bei Trennung und Scheidung der Eltern. Einem Thema, das auch in der aktuellen Diskussion um das Wechselmodell eine große Rolle spielt.

Der vorliegende Band und insbesondere auch die vielfältigen Beispiele machen deutlich, dass der Perspektivenwechsel überfällig ist und leistet einen grundlegend wertvollen Beitrag dazu, Kindeswohl und –interessen nicht nur als Lippenbekenntnis zu formulieren sondern tatsächlich zu erkennen und zu berücksichtigen.

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Das Erbe der Kriegseltern

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 15. Februar 2016

Die Kriegserlebnisse unserer (Groß-) Väter und Mütter beinflussen Wahrnehmung und Gefühle ihrer Kinder und Enkel.

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‚Lasst Väter Vater sein‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. September 2015

© Random House / Stephanie Fuessenich

© Random House / Stephanie Fuessenich

Im Interview mit Ralf Ruhl auf väterzeit.de erklärt Barbara Streidl, warum sie als bekennende Feministin sich in ihrer Streitschrift „Lasst Väter Vater sein“ für Väter einsetzt:

„…Ich habe mich immer für eine Welt eingesetzt, in der niemand benachteiligt wird aufgrund seines Geschlechts. Und es waren bis jetzt fast immer Frauen, die zurückgesteckt haben, wenn die Kinder kamen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist aber auch für Männer ein schwerer Rucksack, und es liegt mir ebenso wenig daran, dass sie da zurückstecken. Ich sage nicht: „Männer, jetzt sind mal die Frauen dran, setzt euch auf die Ersatzbank.“

Im Gegenteil, ich möchte Brücken bauen zwischen den Geschlechtern, die allen zugutekommen. Ich weise auf patriarchale Strukturen hin, die Einzelne schwächen, Frauen wie Männer. Heute gilt diese Alles-ist-möglich-Doktrin. Wenn man es nicht schafft, ein paar Wochen nach der Geburt eines Kindes wie ein Model auszusehen und Vollzeit zu arbeiten, dann wird das als persönliches Versagen angesehen. Für Väter gilt das auch: Was, du nimmst nur zwei Partnermonate, bist nicht im Elternbeirat, gehst nicht jeden zweiten Nachmittag mit den Kindern auf den Spielplatz?

Väter sind extrem wichtig – für ihre Kinder und für ihre Partnerin. Sie sollten nicht in den Schatten der Mutter gestellt werden, und sie sollten ebenso wenig wie Mütter strukturell darunter leiden, dass sie Kinder haben. …”

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Väter sind unverzichtbar!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 23. August 2015

Lasst Väter Vater sein‘ lautet der Titel der aktuellen Veröffentlichung von Barbara Streidl, die noch mit dem Zusatz ‚Eine Streitschrift‘ versehen ist. Als jemand, der selbst Vater von drei erwachsenen Kindern ist und sich seit fast 20 Jahren beruflich mit dem Thema Vaterschaft in ihren unterschiedlichsten Facetten in Politik, Gesellschaft und Unternehmen, aber auch auf der privaten Ebene beschäftigt, kommt mir als erstes die Frage in den Kopf: Was ist daran strittig, Väter Vater sein zu lassen?

Ist es die Tatsache, dass sich mit Barbara Streidl eines der Alphamädchen und Mitbegründerin des Blogs ‚Mädchenmannschaft‘ für Väter schreibt und zum Umdenken aufruft? Sind es ihre neun Forderungen am Ende des Buches für eine bessere Zukunft? Oder die Sichtweisen, die sie in Gesprächen mit Autoren wie Thomas Gesterkamp und Reinhard Winter und anderen Vätern zusammenträgt? Ich denke daran ist nichts Spektakuläres. Auch die Fakten über die Bedeutung und Unersetzbarkeit von Vätern die Paul Raeburn in seinem Band ‚Do Fathers Matter? What Science is telling Us About the Parent We’ve Overlooked‘ zusammengetragen hat und von denen sie einige Wenige anführt machen noch nicht die Provokation aus, die eine ‚Streitschrift‘ hervorruft.

Es ist vielmehr die Klarheit in der Gedankenführung und die Konsequenz, mit der Streidl Dinge benennt, die scheinbar unstrittig sind, aber zu einer permanenten Abwertung von Vätern und väterlichem Engagement führen. Diese wird auch in der deutschen Übersetzung des Bandes von Paul Raeburn ‚Väter! Warum sie trotzdem wichtig sind‘ lautet der übersetzte Titel.

„Ich bin sicher: Ohne Väter geht es nicht. … Väter sind unverzichtbar, weil Eltern sein zu zweit nicht nur leichter ist, sondern auch besser. Für alle Beteiligten! Mama ist nicht genug …“ Diese Haltung ist der rote Faden von Barbara Streidl und ist vielleicht für Manche der strittige Punkt. Aber es kommt nicht nur auf individuelle Haltungen, sondern auch auf gesellschaftliche Werte, die ihren Ausdruck in gesetzlichen Regelungen, Anerkennung und Wertschätzung finden, an. Diese zeigen sich insbesondere an Regelungen und Konsequenzen bei Krisen- und Konfliktsituationen wie z.B. Trennung und Scheidung. „Trennungsväter benötigen Unterstützung und zwar nicht nur aus ihren engen familiären Beziehungen. … Wenn eine geschiedene Mutter fast schon zur Heiligen verklärt wird, weil sie sich aufopfernd um ihr Kind kümmert, das ja nun niemanden mehr hat als sie …“ „Ein Kind, das ohne Vater aufwächst, wird dadurch seelisch beschädigt. Mal mehr, mal weniger…“ „Wir brauchen mehr Empathie, mehr Verständnis für Väter, die ebenso schwer unter ‚Kindesentzug leiden können wie Mütter…“ Es sind solche Aussagen von Streidl, die Widerspruch hervorrufen werden und die Diskussion um Getrennterziehende und einer neuen, gleichen Aufteilung von elterlicher Verantwortung nach einer Trennung hoffentlich beleben werden.

Dass Mütter und Väter Zeit brauchen, neue Arbeitszeitmodelle wie Familienarbeitszeit dabei hilfreich sind, darüber gibt es Interessenkonflikte zwischen Beschäftigten und ihren Arbeitgebern, die müssen und können ausgehandelt werden. Die Zuschreibung von Autorität, Anerkennung und Vertrauen in väterliches Handeln und die Fähigkeiten von Vätern kommt von außen. Ohne sie wird vielen Vätern der Weg zu einer eigenen Väteridentität und der Nutzung der Väterchance verschlossen bleiben. Dafür lohnt es sich zu streiten.

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Die ‚Papa-Liste‘ – Leseempfehlungen für Väter und Großväter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 23. Juni 2015

Um Väter und Großväter bei der Buchauswahl zu unterstützen, sammelt und rezensiert der Hildener Vater und Buchrezensent Christian Meyn-Schwarze Bücher zum Thema Vaterschaft. Entstanden ist die sogenannte „Papa-Liste“, auf der ca. 300 lieferbare Bücher und anderen Medien vorgestellt werden. Darunter sind Ratgeber für werdende Väter, Unterhaltsames für genervte Männer mit Baby und auch Bilderbücher, in denen Väter mit ihren Kindern die Hauptrolle spielen. Zur besseren Orientierung ist die Liste in einzelne Rubriken nach dem Alter des Kindes aufgeteilt. In einer Rubrik werden Bilderbücher vorgestellt, die Kindern helfen, wenn der Vater auszieht. Auch alleinerziehende Väter und Väter, die ein Kind adoptiert oder als Pflegekind in ihre Familie aufgenommen haben, finden speziell für sie zusammengestellte Buchtipps, ebenso Großväter, die sich bewusst Zeit für ihre Enkelkinder nehmen.

Anregende Beschäftigungsbücher für eine gemeinsame Zeit zwischen dem Kind und dem Vater sowie einige Fachbücher und “Unterhaltsames” bieten viel Anregungen für Papa`s Lesestoff.

Im Juni 2015 wurde diese “Papa-Liste” aktualisiert. Neuerscheinungen und Aktualisierungen sind mit roter Schrift hervorgehoben. Alle Bücher können für Väter-Kinder-Veranstaltungen, Tagungen, Fortbildungen, aber auch für wissenschaftliche Zwecke bei mir ausgeliehen werden.

Übrigens: Christian Meyn-Schwarze liest in drei Büchereien regelmäßig samstagsvormittags vor, seine Angebote der Vorlese- und Erlebnisstunden nur für Väter und Kinder werden immer beliebter. “Bücher werden lebendig” und Väter lesen mit mir vor – mal im Tipi, mal im Zirkuszelt, mal als Pirat, mal als Kullerbahnbauer.

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Schluss mit dem Spagat

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Juni 2015

Wie Sie aufhören, sich zwischen Familie und Beruf zu zerreißen. Eigentlich mag ich keine Ratgeber und der Titel haut mich auch nicht gerade vom Hocker. Aber da ich die Autorin Felicitas Richter neulich bei einer Veranstaltung zum Thema in Berlin getroffen habe und sie mir sagte, dass sie viele positive Rückmeldungen, gerade auch von Vätern bekommen hat, habe ich mir das Buch doch einmal etwas genauer angesehen.

Es passt wunderbar zum aktuellen Diskurs über das was geht und was Mann oder Frau sich in die Tasche lügen, bietet aber deutlich mehr als die Werke von Brost und Garsoffky. Richter bleibt nicht bei der Aussage stehen, dass Arbeit und Leben für Väter und Mütter nicht ins Gleichgewicht zu bringen sind. Da der Tag nun mal zeitlich limitiert ist, kann ich ein Mehr an Arbeit nicht beliebig durch zusätzliche Ruhe- und Entspannungsphasen auf der anderen Seite der Waage ausgleichen. Das Bild der Waage passt auch gar nicht, da Arbeit ein Teil des Lebens ist und die Abspaltung zu den Problemen führt, die ‚Vereinbarkeit‘ flicken möchte.

Richter setzt mit dem von ihr entwickelten Konzept ‚simple present‘ vielmehr darauf, die scheinbar diametral wirkenden Kräfte analog zu denen eines Kreisels ins Gleichgewicht zu bringen. Die aktive Konzentration auf eine Sache, in sich selbst ruhen und die Gegenwärtigkeit im Hier und Jetzt, vergleichbar mit dem Verhalten spielender Kinder, kann ihrer Ansicht nach auch gestressten Eltern weiterhelfen.

Wie dies im Alltag praktiziert werden kann verdeutlicht die Autorin an einer Vielzahl alltäglicher Situationen, die sie anhand eigener Erfahrungen als Mutter von vier Kindern nachvollziehbar und ansprechend beschreibt. Rubriken wie ‚Zum Ausprobieren‘ und ‚Wenn es hart auf hart kommt‘ machen deutlich, dass es nicht um einfache ‚Rezepte‘ geht, sondern um Kommunikation und Aushandlungsprozesse: Mit den (eigenen) Kindern, dem Partner und der Partnerin, dem Arbeitgeber und …

Im hinteren Klappentext fasst sie noch einmal die wichtigsten ‚Tools‘ zusammen. Mein Favorit: „Perfektionismus ablegen … setzen Sie sich und andere nicht unter Druck. Dabei verlieren Sie zu viel Kraft. …“

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Alles ist möglich! Über Wirklichkeiten, Verantwortung und Lügen.

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 24. Februar 2015

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist keine Lüge, sondern ein Anspruch, den die Familien haben. Die Politik muss alles dafür tun, dass dieser Anspruch auch realisiert werden kann. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Es ist eine Frage, die Mütter und Väter betrifft.“ Mit dieser Aussage wandte sich Familienministerin Schwesig in der ersten Lesung des Gesetzes zum Elterngeld Plus am 26. September im Deutschen Bundestag gegen eine Diskussion, die im Januar 2014 von Marc Brost und Heinrich Wefing in der Zeit angestoßen worden ist.

Sie stellen viele gute Fragen: „Aber warum ist es nur so verdammt schwer, Kinder und Ehe und Beruf unter einen Hut zu bekommen? Warum sind wir erschöpft und müde und einfach erledigt, warum haben wir ständig das Gefühl, dass wir zu wenig Zeit für alles haben: für die Kinder, für den Job, für die Partnerin, für uns selbst?“ Ihre Antwort: „Es geht alles gar nicht“ ist aber nicht zielorientiert sondern fatalistisch. Damit geben sie den Gestaltungswillen aus der Hand und erklären die von ihnen beschriebenen Wirklichkeiten als unveränderbar und allmächtig.

Das aber ist das Letzte, was dem Anliegen, Arbeit so zu gestalten und zu verteilen, dass Väter sich beteiligen können, am Leben der Kinder und am eigenen, nutzt. Im Gegenteil!

Diesem Diskurs haben sich inzwischen weitere Autoren und Autorinnen angeschlossen. Im September veröffentlichten Susanne Garsoffky und Britta Sembach das Buch ‚Die Alles ist möglich Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind.” Was auf den ersten Blick verwundert ist, dass auch Wirtschaftswoche und Handelsblatt ins gleiche Horn pusten und sogar gegen die Vormacht der Wirtschaft argumentieren: „Die totale Mobilisierung aller Arbeitsfähigen für die Wirtschaft zehrt an der Substanz. Sie wird bezahlt durch psychische Erschöpfung und vor allem: durch ungeborene Kinder. … Solange dabei weiterhin die Prioritäten verdreht bleiben, solange also das Bedürfnis der Wirtschaft nach menschlicher Arbeitskraft immer Vorrang hat, wird das illusionäre Versprechen der Vereinbarkeit eine Quelle dauernder Enttäuschung sein. … Die Wirtschaft hat dem Menschen zu dienen, nicht umgekehrt.“

In der weiteren Argumentation wird die rückwärtsgewandte Ideologie aber nicht nur zwischen den Zeilen deutlich: „Wenn Männer und Frauen sich von der Illusion befreien und erkennen, dass sie nicht zwei Leben in einem führen wollen …“ Beruf oder Familie, Kinder oder Karriere, da ist sie wieder die ‚deutsche Frage‘, die die Geburtenrate zum Absturz gebracht hat.

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann in einer emanzipierten geschlechtergerechten Gesellschaft dann nur bedeuten, dass zwei in Vollzeit arbeitende Elternteile nicht die Regel sein können. Wer von beiden weniger oder vielleicht auch gar nicht arbeitet, ist deren Privatangelegenheit. Es zu ermöglichen wäre Angelegenheit des Staates und der Unternehmen.“ Der Staat soll sich also einerseits raushalten, den Grundgesetzartikel 3 Absatz 2, der die tatsächliche Gleichberechtigung als Staatsziel verankert ignorieren, andererseits aber die Alleinverdienerehe subventionieren. Unternehmen den Vätern wieder Gehälter zahlen, mit denen sie eine Familie ernähren können.

Es ist dankenswert, dass Ferdinand Knauß das ‚Reiseziel‘ klar umschreibt. Brost und Wefing plädieren zwar in ihrem Beitrag, der Ende März auch als Buch erscheint, für Ehrlichkeit, bleiben aber in der Beschreibung dessen, was nicht geht, stecken.

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