der VÄTER Blog

innovative Unternehmen nutzen die Potenziale aktiver Vaterschaft

Kolumne

In dem Magazin Lob, der ‘Zeitschrift für berufstätige Mütter und Väter’ schreibe ich eine Väterkolumne, in der kontroverse Sichtweisen rund um die Aufgabenteilung zwischen Vätern und Müttern in Beruf und Familie aufgegriffen und ausgeleuchtet werden. In der zweiten Ausgabe geht es unter der Überschrift ‚Sie steht im Tor und er …‘ um mütterliche Torwächterinnen, also um die Frage, darf Vater mehr sein als ein Handlanger?

Sie steht im Tor und er …

Keine Sorge, ich werde mich an dieser Stelle nicht noch einmal über die deutschen Sommermädchen und die mit ihnen in Verbindung gebrachten Sprüche wie ‚3. Platz ist was für Jungs’ auseinandersetzen. Ich bin weder nachtragend noch besonders gerne schadensfroh. Es geht vielmehr um die Tore und Türen, in denen ganz normale Frauen und Mütter stehen, ihrem Partner den Zugang verwehren und darüber wachen, dass, wenn er schon in ihrem Reich tätig wird, es gefälligst so macht, wie sie sich das vorstellt.

Es geht um ‚Mothering Gatekeeping’, so wird das Phänomen schon seit 30 Jahren in der angelsächsischen Welt genannt und auch wissenschaftlich untersucht und beschrieben. Eine Sichtung und Zusammenfassung der Ergebnisse würde den hier zur Verfügung stehenden Rahmen bei weitem sprengen, deshalb soll ein kurzer Streifzug durch nachvollziehbare Alltagserlebnisse ausreichen.

Die Frage, die sich nicht nur ‚Brigitte’ seit langem stellt, warum äußern so viele Männer und Väter in immer mehr Befragungen, sie möchten mehr Zeit in Familie mit den Kindern verbringen und sich Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich aufteilen, und lassen sich dem zum Trotz am Schreibtisch festnageln? Verbale Aufgeschlossenheit und sozial erwünschte Antworten bei weitgehender Verhaltensstarre, wie ein bedeutender Soziologe Mitte der 80er Jahre behauptete?

‚Brigitte’ sah dass schon 1988 etwas differenzierter, skizzierte die Rahmenbedingungen, die die traditionelle Rollenaufteilung begünstigen, und die haben sich erschreckenderweise seit dem kaum verändert, und fragte dann nach dem Anteil, den ihre Leserinnen an der Aufgabenteilung haben. Lassen es Mütter denn zu, dass ihre Partner im heimischen Reich ihre Ordnung durcheinanderbringen? Den Kindern viel zu dünne Sachen anziehen und Farbkombinationen auswählen, die jedem guten Geschmack und vor allem dem Farbkreis widersprechen?

Das sind ja noch Dinge über die Mann schmunzeln kann. Folgenreicher wird es schon, wenn Frau ihrem Partner gar nicht zutraut, dass er mit dem gemeinsamen Kind richtig umgehen kann. Wenn sie zum Beispiel am Vätertag in der Pekip Gruppe nur unwillig den Raum verlässt, an der Tür lauscht und beim kleinsten Laut wieder in den Raum stürmt um ihr Kind zu ‚stillen’.

Und da steht ja dann auch die Frage, was denn alles zur Hausarbeit gehört und wer die Qualitätsmaßstäbe festlegt, nach denen sie ausgeführt werden soll. In den zahlreichen Interviews mit Vätern frage ich auch immer danach, wie die arbeit im Haushalt aufgeteilt wird und wie diese Aufteilung zustande gekommen ist. Und da Ergebnis, ohne jetzt in die Details zu gehen: vor der Geburt ersten Kindes in den allermeisten Fällen gleichmäßig, auch was die Aufgabenbereiche angeht.

Wenn dann die Familie gewachsen und dem Vater die Zuständigkeit für den Erwerb zugewiesen worden ist, wird sein Einsatz in den heimischen vier Wänden zwar nach wie vor erwartet und auch selbstverständlich geleistet, den Qualitätsansprüchen in Sachen Sauberkeit genügt er aber in vielen Fällen nicht mehr. Und all die Dinge, die sie nicht gerne macht: Steuererklärung, Gartenarbeiten, Reparaturen etc. sind ja keine Hausarbeit sondern Hobbys des Gatten.

Und das ist häufig nicht Ergebnis einer bewussten Absprache, es hat sich einfach so ‚ergeben’. Oder anders ausgedrückt, wenn Mann erlebt, dass die Ergebnisse seiner Tätigkeit nie gut genug sind, er den imaginäre Ansprüchen auch gar nicht gerecht werden kann, macht er halt das, wofür es Anerkennung gibt bzw. dem männlichen Bereich zugeschrieben wird.

Apropos Zuschreibung, zum Abschluss doch noch ein Ergebnis aus der umfangreichen Forschung zum Phänomen der mütterlichen Türsteherinnen. Wenn dem Partner vor der Geburt des Kindes zugeschrieben wird, das er mit dem Kind gut umgehen kann, engagiert er sich auch in einem erheblich größeren Umfang.

Darf Mann das?

Die Elternzeit gemeinsam mit der Partnerin nehmen und dann auch noch das Elterngeld nutzen, um 2 Monate eine gemeinsame Reise zu finanzieren? Die Elternzeit und die Partnermonate sind dem Krabbelalter inzwischen entwachsen und es ist sicherlich angebracht, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen, Erfolge oder Fehlentwicklungen aufzuzeigen, vor allem aber Weiterentwicklungsbedarfe zu benennen.

Das Väter die Elternzeit nutzen und nebenbei ein Buch darüber schreiben, wenn sie die Zeit dazu finden, was soll’s. Manche haben es in die Bestsellerlisten geschafft, die meisten sind wohl eher Ladenhüter geblieben. Eines dieser Bücher, das ausnahmsweise von der Mutter geschrieben wurde, hat jedoch die Aufmerksamkeit der Kritiker auf sich gezogen. Es schildert die zweimonatige Reise der jungen Eltern mit dem kleinen Nepomuk entlang der Seidenstraße.

Da haben wir es also: Väter, die es sich sowieso leisten können, missbrauchen die Sozialleistung Elterngeld, um sich einen verlängerten Urlaub zu gönnen. Dieses Argument fehlt seit der Veröffentlichung des Reiseberichts in kaum einer Kritik an den Regelungen zur Elternzeit. Dazu kommt die Behauptung, dass die Geburtenrate ja auch weiterhin auf niedrigem Niveau verharre und die Väter ‚nur’ die zwei Monate, in der Regel sogar gemeinsam mit der Partnerin verbringen. Die geforderten Konsequenzen gehen bis hin zur Abschaffung des Elterngeldes und die Verwendung der Mittel für den Ausbau der Kinderbetreuung.

Kinderbetreuung ist auch wichtig. Fakt ist aber, die zwei Partnermonate stehen im Gesetz. Bis heute ist daran, trotz der Ankündigungen aller Parteien vor der letzten Bundestagswahl, nichts geändert worden. Auch die kostenneutrale Variante, entsprechend dem isländischen Modell: nach dem Mutterschutz 4 Monate für die Mutter, 4 für den Vater und 4 weitere zur freien Verfügung, wurde erst kürzlich wieder von der Familienministerin mit der Begründung, das könne man den Müttern nicht zumuten, abgelehnt. Auch die Regelungen zur Elternteilzeit, die Vätern und Müttern eine partnerschaftlichere Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit ermöglichen würden, liegen auf Eis.

Die 2 Monate sind aber ein Anfang. Wenn sie am Anfang der neuen Lebensphase, dem Übergang zur Elternschaft, gemeinsam genutzt werden, entfalten sie eine besondere Wirkung. Mann und Vater kann nämlich erleben, dass es die geborene Mutter nicht gibt und seine Partnerin genauso wie er anfängt etwas Neues zu lernen. Wenn Mann sich ebenfalls darauf einlässt, lernt er es in gleicher Weise und bekommt eine ganz andere Beziehung zu dem Kind. Von Anfang an.

Dabei spielt es dann eine nach geordnete Rolle, ob diese Lernprozesse in der heimischen Wohnung oder im Wohnmobil unterwegs stattfinden. Letzteres erhöht sogar noch die Intensität des gemeinsamen Erlebens. Und zu den weiteren Einwänden: Das Elterngeld ist mitnichten eine Gebärprämie sondern eine Lohnersatzleistung. Die Ursache für den Stillstand bei den Geburten, in Deutschland liegt die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau schon lange bei ca. 1,35, liegt ganz sicher nicht bei den Elterngeldregelungen. Im Gegenteil, ein Blick zum Beispiel in die skandinavischen Länder zeigt, dass hierzulande jahrzehntelang die Wünsche von Frauen und Männer, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, sträflich vernachlässigt wurden.

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen. Ich möchte alle Väter ermutigen, die Elternzeit in Anspruch zu nehmen und die acht, besser natürlich 26 oder mehr Wochen zu nutzen, intensive Erfahrungen mit ihrem Kind und der Partnerin in der neuen Lebensphase zu machen. Wenn es passt gerne auch im Wohnmobil, auf einer Insel oder in den Bergen. Ein Buch muss dabei aber nicht unbedingt herausspringen.

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2 Kommentare zu “Kolumne”

  1. Grit sagt:

    Netter Artikel – fühle mich als Frau und Mutter hier auch in gewissen Punkten ertappt ;-)
    Fakt ist jedoch, daß sich das „traditionelle Muster der Arbeitsteilung in Paarbeziehungen“ kaum verändert hat (vgl. Quelle Stefanie Neidhart http://www.grin.com/de/e-book/184245/innerfamiliale-arbeitsteilung-und-elternschaft-in-deutschland) auch trotz den ganzen politischen Bemühungen. Wir Frauen brauchen die Männer – umgekehrt aber ebenso!

  2. finestdads sagt:

    Hallo,
    toller Artikel!
    lg, finestdads

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