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Archiv für die 'Elterngeld' Kategorie

Share the joy – Kampagne zur Aufteilung der Elternzeit in Großbritannien

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. Februar 2018

Mit der neuen Kampagne möchte die britische Regierung Eltern darauf hinweisen, dass sie die Elternzeit im ersten Lebensjahr ihres Kindes gemeinsam nutzen und ihre berufliche Entwicklung mit dem „Shared Parental Leave“ fortsetzen können. Rund 285.000 Paare pro könnten dies machen, im Moment liegt die Inanspruchnahme aber bei lediglich 2%. Die Kampagne ist Teil der Verpflichtung der Regierung, das Bewusstsein für die Rechte der Arbeitnehmer zu schärfen, um die Arbeitszufriedenheit und Produktivität im Rahmen der modernen Industriestrategie und der Strategie für gute Arbeit zu steigern.

Dass der zuständige Minister, Andrew Griffiths, der im Mai selbst Vater wird, den „Shared Parental Leave“ nicht nutzen kann, ist nicht der einzige Makel der Kampagne. “Unfortunately, as a minister, I’m not allowed … Ministers are not allowed to take shared parental leave,” äußerte Griffiths in einem Interview.

Ein weiterer Stolperstein besteht in der finanziellen Ausstattung des Angebots für Väter. Wenn Vätern genauso viel angeboten würde wie Müttern und beide absolut frei und unter gleichen Bedingungen wählen könnten, dann würden Väter in großer Zahl Elternzeit in Anspruch nehmen

Eine Frau mit einem durchschnittlichen Jahreslohn von £27.000 bekommt im ersten Jahr sechs Wochen staatliches Mutterschaftsgeld von £466 (90% des Lohnes) plus 33 Wochen bei £141, was insgesamt £7.449 ergibt. Ein Vater bekommt zwei Wochen lang £141 also insgesamt £282. Väter bekommen also 26 mal weniger – ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle von 96%.

Würde der Staat Mütter und Väter gleich behandeln und ihnen den gleichen Anspruch bieten, wären teure Werbekampagnen überflüssig. Männer, die im ersten Jahr Elternzeit nehmen, würden innerhalb von ein oder zwei Jahren zu einer sozialen Norm werden, genau wie Männer, die an der Geburt eines Babys teilnehmen. Diese Aufassung vertritt Duncan Fisher, Gründer von ‚Fathers Direct‘  und Manager für Politik und Innovation der Family Initiative“.

Ein britischesUnternehmen, Aviva, hat eine Politik der Gleichbehandlung von Müttern und Vätern unter seinen Mitarbeitern eingeführt. Es kann aber auch nicht von den Arbeitgebenden erwartet werden, dass sie die Differenz von 7.200 Pfund bezahlen, den die Regierung zwischen Müttern und Vätern macht.

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Antrieb Familie – Väter in Elternzeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. Februar 2018

Kind oder Karriere?

Ein Ultimatum, das auch Männer treffen müssen, wenn sie mehr Zeit für die Erziehung ihrer Kinder haben wollen. Jörg Asmussen, ehemaliger Spitzenökonom im EZB-Direktorium, riskierte damit seine Karriere. Er ist nicht der Einzige.

So wird der Beitrag von Ute Schneider in der Deutschen Welle‘ angekündigt. Die Dramatik ist meines Erachtens, dass es dieses ‚Ultimatum‘ immer noch gibt bzw. die ‚deutsche Frage‘ du musst dich entscheiden, Kind oder Karriere‘ immer noch gestellt wird. Und zwar nicht nur den Vätern.

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Väter in Kalifornien nutzen ihre Chance, bezahlte Elternzeit zu nehmen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Februar 2018

Ungefähr 85.000 Männer nahmen in Kalifornien im vergangenen Jahr eine bezahlte Elternzeit in Anspruch, damit hat sich die Zahl der Inanspruchnahme des Vaterschaftsurlaubs seit 2009 verdoppelt. Die Zahl der Frauen, die in diesem Zeitraum bezahlten Mutterschaftsurlaub nehmen, stieg um bescheidene 6 Prozent.

PaudLeave

Im Rahmen eines kalifornischen Programms können Frauen nach einer Geburt bis zu 12 Wochen lang Zahlungen für Arbeitsunfähigkeit erhalten. Nach 2004 konnten auch Frauen und Männer bis zu sechs Wochen bezahlten Familienurlaub in Anspruch nehmen. Der Staat zahlt die Leistungen über die Beiträge der staatlichen Erwerbsunfähigkeitsversicherung (SDI). Arbeitnehmer können auch in einen freiwilligen Plan einzahlen; Arbeitgeber zahlen nicht.

Kalifornien ist einer von nur einer Handvoll Staaten, die bezahlten Familienurlaub für Männer und Frauen anbieten. Die meisten Staaten bieten stattdessen unbezahlten Urlaub an. Die bezahlte Elternzeit verringert den Druck auf die Männer, weiter zu arbeiten, nachdem ein Kind geboren wurde, um das Einkommen zu sichern.

Vor einem Jahrzehnt wurden weniger als 25 Prozent der Ansprüche auf Familienurlaub in Kalifornien von Männern eingereicht; im vergangenen Jahr stieg diese Zahl auf fast 40 Prozent. Väter nehmen in zunehmendem Maße die Väterzeit, nachdem Mütter zurück zur Arbeit gehen, um die Zeitspanne zu verlängern, die ein Neugeborenes mit einem Elternteil zu Hause ist.

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Job und Familie vereinbaren – klappt das?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. Januar 2018

Das Tagesgespräch im WDR 5 thematisierte heute den am 10. Januar vorgelegten Zwischenbericht der Bundesfamilienministerin Barley über die Auswirkungen der Regelungen zum ElterngeldPlus und der Leiter der Fachstelle Väterarbeit in NRW Hans-Georg Nelles war als Experte Gast im Studio. Nach dem Intro der Moderatorin Sabine Brandi:

“Frauen können wieder stärker in den Beruf einsteigen, Väter nehmen sich mehr Zeit für ihre Kinder”, sagt Bundesfamilienministerin Katarina Barley und freut sich darüber, dass seit der Einführung von ElterngeldPlus immer mehr Eltern die Leistung in Anspruch nehmen. Im dritten Quartal 2017 hätten sich 28 Prozent der Eltern, die Elterngeld beantragt haben, für das Modell entschieden. Damit hat sich die Zahl der Anträge seit 2015 verdoppelt.

Kritiker sagen, dass die Eltern insgesamt zu kurz unterstützt würden. Vor allem die erste gemeinsame Zeit mit dem Baby müsse für Mütter und Väter länger sein. Gleichzeitig befürchten viele, dass eine größere Auszeit Probleme beim Wiedereinstieg in den Job machen könnte und die Karriere behindern würde.

Wie regeln Sie die Kinderbetreuung? Klappt das partnerschaftlich und welche Rolle spielen für Sie dabei staatliche Angebote? War es schwierig, dem Arbeitgeber Ihre Auszeit schmackhaft zu machen? Und wie kam Ihr Wunsch bei den KollegInnen an? Was erhoffen Sie sich von der neuen Bundesregierung in Sachen Familie? Zurück in den Job und gleichzeitig Zeit für das Kind haben: Das ElterngeldPlus wird immer beliebter. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Diskutieren Sie mit!“

… kamen insgesamt acht Hörer und Hörerinnen zu Wort, die sehr detailliert berichteten, wie sie die neuen Regelungen genutzt haben um sich partnerschaftlich Erwerbs- und Familienarbeit zu teilen. Es waren schöne Beispiele dafür, dass die 2015 eingeleitete Weiterentwicklung des Elterngeldes Wirkung zeigen und die Veränderungen von den Vätern ausgehen, die diese Möglichkeiten nutzen.

Falls Sie die Sendung verpasst haben, hier können sie diese nachhören.

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ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus kommen an

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. Januar 2018

Am 10. Januar hat die Bundesregierung den von Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley vorgelegten Bericht über die Auswirkungen der Regelungen zum ElterngeldPlus und zum Partnerschaftsbonus sowie zur Elternzeit beschlossen.

Seit der Einführung von ElterngeldPlus im Sommer 2015 nehmen immer mehr Eltern die Leistung in Anspruch: Im dritten Quartal 2017 haben sich 28 Prozent – in einigen Regionen sogar bis 38,5 Prozent – der Eltern, die Elterngeld beantragt haben, für das ElterngeldPlus entschieden. Mehr als drei Viertel der Beziehenden bewertet das ElterngeldPlus als “gute Sache”.

Der Wunsch nach mehr Zeit mit dem Kind ist für Mütter und Väter der wichtigste Beweggrund, die Leistung zu beantragen. Väter sehen zudem den Vorteil, einen größeren Anteil der Kinderbetreuung zu übernehmen und die Kinder partnerschaftlich zu erziehen. 41 Prozent der ElterngeldPlus beziehenden Väter hätten sich ohne das ElterngeldPlus weniger Zeit für die Betreuung des eigenen Kindes genommen.

Partnerschaftsbonus stärkt Väter in der Kinderbetreuung

Kinderbetreuung-Partnerschaftsbonus

Bei den Vätern ist der Partnerschaftsbonus besonders beliebt. Er stärkt eine partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen den Eltern. In einzelnen Bundesländern entscheiden sich bis zu 40 Prozent der Väter, die ElterngeldPlus beantragen, zugleich für den Partnerschaftsbonus, im Bundesdurchschnitt sind es gut 27 Prozent.

Mit dem ElterngeldPlus, vor allem aber mit dem Partnerschaftsbonus, erfüllt sich für Eltern der Wunsch danach, sich die Betreuung des Kindes gleichmäßig aufzuteilen: Während des Bezugs von ElterngeldPlus betreuen 24 Prozent der Mütter und Väter ihr Kind etwa gleich viel, während der Partnerbonusmonate trifft dies auf 82 Prozent der Eltern zu.

Bei der Entscheidung für das Elterngeld Plus spielt bei den Vätern zudem mit 67 Prozent eine große Rolle, dass sie mit dem Elterngeld Plus einen höheren Anteil an der Kinderbetreuung übernehmen Weiterlesen »

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Rekord beim Elterngeld

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 27. Dezember 2017

Mehr als 6,5 Milliarden Euro werden im laufenden Jahr wohl für das Elterngeld ausgegeben. Das ist ein neuer Rekord. Vor knapp zehn Jahren waren es etwa 2 Milliarden weniger. Die Ausgaben für das staatliche Elterngeld werden im laufenden Jahr einen neuen Rekordwert von mindestens 6,5 Milliarden Euro erreichen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Bundesfamilienministeriums hervor.

Demnach lagen die Elterngeld-Ausgaben des Bundes in den elf Monaten von Januar bis November mit insgesamt rund 6,05 Milliarden Euro bereits nahezu auf dem Stand des gesamten Vorjahres von 6,1 Milliarden Euro. Im Monatsdurchschnitt 2017 gab der Bund für das Elterngeld rund 550 Millionen Euro aus.

Gründe für den Anstieg sind laut der Zeitung die leicht steigende Geburtenrate, höhere Gehälter der antragstellenden Eltern sowie mehr Väter oder auch Mütter, die die zusätzlichen zwei Partnermonate beanspruchen. Schon in den vergangenen Jahren war demzufolge das Elterngeld, das der Bund jungen Eltern nach der Geburt eines Kindes gewährt, kontinuierlich gestiegen. Betrugen sie 2008 noch 4,2 Milliarden Euro, erhöhten sie sich schrittweise auf 6,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr – und 2017 weiter auf voraussichtlich mindestens 6,5 Milliarden Euro.

Ich finde, das ist gut investiertes Geld: in die Entwicklung von Kindern, deren Väter in der Elternzeit eine intensive Beziehung zu ihnen aufbauen können und in die Stabilität von Beziehungen durch eine höhere Partnerschaftszufriedenheit. Mich würde nur noch interessieren, welchen Anteil die vier Partnerschaftsbonusmonate an den Ausgaben haben.

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Elternzeit als Lehre fürs Leben

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 9. Dezember 2017

Oliver Knoblauch, Digitalchef des Kinounternehmens Cinemaxx, beschreibt für XING Spielraum sein ganz persönliches Experiment in Sachen Work-Life-Balance. … „Was ist in den letzten vier Monaten Elternzeit passiert? Was ist mit der anfänglichen Euphorie und dem großen Traum geworden? Ist die Entscheidung der größte Fehler, den ich je gemacht habe?  Nach einem Vierteljahr ziehe ich die ersten Konsequenzen.

Ich sitze hier frühmorgens mitten in der Landschaft von Neuseeland mit meinem dicken Fleece-Pullover: Die Nacht war eiskalt, der Rücken tut seit Tagen weh, weil wir zu alle zusammen auf einer dünnen Matratze im selbstgebauten Sperrholzbett in unserem neu erworbenen, aber 18 Jahre altem Lieferwagen Mitsubishi L300, geschlafen haben. Zum Frühstück gibt es weißes Toastbrot mit Käse und Erdbeermarmelade. Die Füße sind zerstochen von Sandfliegen, aufgekratzt, weil der Juckreiz so unglaublich stark ist. Unweit von uns steht ein großes Wohnmobil, die Standheizung lief die Nacht durch, ein älterer Mann mit gebügeltem Hemd und kleinem Hund steigt entspannt aus und schaut uns mitleidig an. „Na, wie habt ihr geschlafen?“ …

Es gibt einige Beispiele in den letzten Wochen, die das immer wieder bestätigen, dass man ein Ziel haben muss und vertrauen muss, dass es einen Weg dorthin gibt. Der geht sicherlich nicht geradeaus, man verläuft sich auch mal, aber gerade dann ist Besonnenheit und Entspanntheit am Wichtigsten.

Meine persönliche Konsequenz der letzten Wochen ist sicherlich mehr Mut, Geduld und Durchhaltevermögen. Das mag für viele klingen wie „Das ist nichts Neues!“ Aber jeder sollte sich fragen, ob er das auch in die Tat umsetzt. Ich will, dass meine Kinder dieses mitnehmen und mehr Selbstsicherheit und Entspanntheit bekommen. Letzteres kann man von den Neuseeländern und Australiern wirklich gut lernen.

Die Frage des älteren Herrn, ob wir gut geschlafen haben, beantwortete ich übrigens mit „Ja! War es nicht ein herrlicher Sonnenuntergang und ein toller Sternenhimmel? … Der ältere Mann lachte und sagte „Ihr werdet euch sicherlich noch lange an diese Zeit erinnern.“

Ja, das werden wir.“

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Vaterschafts- und Elternzeitpolitiken in der Europäischen Union

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 29. November 2017

Leave_policiesTrotz der positiven Auswirkungen der Inanspruchnahme von Vaterschafts- und Elternzeiten durch Väter auf eine Reihe von wirtschaftlichen, sozialen und demografischen Ergebnissen ist die derzeitige Inanspruchnahme von Elternzeit durch Väter in Europa gering. Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass es eine Vielzahl von miteinander verflochtenen Faktoren gibt, die die Inanspruchnahme der Elternzeiten durch Väter beeinflussen, darunter die Höhe der Entschädigung, die Verfügbarkeit erschwinglicher Kinderbetreuungseinrichtungen, die Flexibilität der Regelungen, geschlechtsspezifische Normen und kulturelle Erwartungen. In diesem Forschungsbericht werden die verschiedenen politischen Ansätze, die sich mit der Inanspruchnahme von Vaterschaftsurlaub und Elternzeit befassen beschrieben, und die Zusammenhänge zu der jeweiligen Inanspruchnahme durch Väter diskutiert. Abschließend werden die wesentlichen Hindernisse für die Inanspruchnahme benannt und politische Maßnahmen identifiziert, die geeignet sind die Akzeptanz zu erhöhen.

Das niedrige oder fehlende Entschädigungsniveaus während der Elternzeit ist zwar ein Schlüsselfaktor dafür, warum Väter Elternzeit in Anspruch nehmen oder nicht, die Zunahme der Nutzung von Elternzeit in einigen Ländern ist aber in erster Linie auf eine kongruente ineinandergreifende Familienpolitik zurückzuführen, die Doppelverdienerfamilien dabei unterstützt, Beruf und Familie auf nachhaltige Weise miteinander zu vereinbaren.

Dazu gehören Maßnahmen, die Väter direkt zur Inanspruchnahme von Urlaub ermutigen, wie z.B. gut kompensierte individuelle Elternzeitansprüche, Maßnahmen, die darauf abzielen, eine nachhaltige Lösung für die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben zu finden, wie z.B. flexible und an die individuellen Bedürfnisse angepasste Elternzeitregelungen, aber auch Maßnahmen zur Veränderung der Arbeitskultur.

Wichtige Ergebnisse

  • Niedrige oder fehlende Vergütungsniveaus während der Elternzeit sind ein Schlüsselfaktor dafür, ob Väter sie in Anspruch nehmen oder nicht nehmen können.
  • Auswahlkriterien haben direkten Einfluss darauf, wer in Elternzeit gehen kann.
  • Flexibilität bei der zeitlichen Planung der Aufnahme wirkt sich positiv auf die Aufnahme aus.
  • Verfügbarkeit und Zugang zu Kinderbetreuungsangeboten stehen in einem positiven Zusammenhang mit der Inanspruchnahme.
  • Das Steuersystem kann negative Anreize für die Inanspruchnahme von Elternzeit schaffen.
  • Kulturelle Normen und Überzeugungen beeinflussen die Aufnahme

Die Studie können Sie hier herunterladen

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Wir brauchen eine Reform des Elterngeldgesetzes – auch wenn es teuer wird

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 27. September 2017

Diesen Appell formulierte Tatjana Heid am vergangenen Wochenende in der FAZ und verbindet ihn mit der Forderung „Weg mit den 2 Monats Vätern“:

„… Zwei Monate. So lange sind Frauen schon allein durch den Mutterschutz nach der Geburt raus, von den sechs Wochen davor ganz abgesehen. Zwei Monate, das sind acht Wochen, das ist weniger als man sich bei einem Sabbatical gönnt. Zwei Monate, das ist ein verlängerter Urlaub. So lange macht der Bundestag Sommerpause. Zwei Monate, das ist nicht einmal ein Prozent der durchschnittlichen Lebensarbeitszeit in Deutschland.

Das Elterngeld-Gesetz ist mittlerweile zehn Jahre alt. Es besagt: Paare bekommen zwölf Monate Elterngeld, wenn einer zu Hause bleibt. Nimmt der Partner ebenfalls mindestens zwei Monate, erhöht sich der Anspruch auf vierzehn Monate. Das Gesetz ist sinnvoll, war aber schon zur Zeit seines Entstehens alles andere als revolutionär. Ein Anreiz, der nicht wehtut, ein kleiner Schubs in die richtige Richtung, aber so, dass sich keiner bevormundet fühlt. Gleichberechtigung im Schongang. …

Es muss sich etwas ändern. Neben dem Mutterschutz sollte es einen Vaterschutz geben. Mama: sechs Wochen vor der Geburt, acht Wochen nach der Geburt. Papa: 14 Wochen nach der Geburt. Und zwar verpflichtend. …

Wer jetzt mit dem Argument kommt, das sei unbezahlbar, dem sei gesagt: Natürlich ist es teuer! Aber Deutschland gibt für wesentlich unsinnigere Dinge Geld aus. Und wir wollen doch Gleichberechtigung. Und mehr Kinder. Kinder, die später die Rentenkassen füllen. Kinder, deren Zahl zunehmen wird, wenn es Frauen und Männern leichter gemacht wird, sie gleichberechtigt großzuziehen. Wir wissen, dass glückliche Menschen produktiver sind. Und stabile Familien machen glücklich. Die Lebensarbeitszeit wird ohnehin steigen, egal was Politiker in Wahlkampfzeiten behaupten. Warum die 14 Wochen nicht am Ende draufschlagen? …

Unabhängig von einem Vaterschutz muss das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz reformiert und die Zahl der Partner-Monate auf vier erhöht werden. Das ist dann nicht mehr so ganz Alibi, tut vielleicht ein bisschen weh und, das wäre das Beste: Diejenigen, denen das zu lang ist, oder zu radikal, die lassen es einfach. Sie können ja immer noch zwei Monate Elternzeit nehmen, nur würden die dann nicht vom Staat bezahlt. Das wäre die ehrlichere Variante und würde einen Willen zur Gleichberechtigung zeigen, der nicht mit der ersten Anstrengung verpufft. Dann wird sich zeigen, wo Deutschland abseits von schönen Worten wirklich steht.“

Diese Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen und kann mich noch sehr gut an die Äußerung einer Firmenvertreterin aus Schweden erinnern, die bei einer Fachtagung im Sommer 2006, also kurz vor der Einführung der Partnermonate, sagte: „Wenn man wolle, das 100 Prozent der Väter Elternzeit nähmen, müsste man ihnen 100 Prozent Entgelt zahlen.“ Ihre Firma hat Vätern und Müttern schon seinerzeit das Elterngeld von 80 auf 100 Prozent aufgestockt.

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… und es geht doch

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. September 2017

Die Mehrzahl der Väter nimmt die für sie vorgesehenen zwei ‚Vätermonate‘ in Anspruch. Jeder vierte nimmt drei oder mehr Monate Elternzeit, obwohl dies 51% vorhaben. Einer der zahlreichen Erklärungen, warum sie es nicht tun, ist der befürchtete Karriereknick. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung lässt drei Männer, die ihre Wünsche umgesetzt haben und Beispiele, die Mut machen:

„Mir ist es wichtig, viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Meine Frau ist Justitiarin. Wir haben regelrecht darum gefeilscht, wer wie viele Monate Elternzeit nehmen darf. Meine große Tochter ist jetzt fünf. Ich hatte bereits mehrere Monate vor ihrer Geburt mit meinem Chef gesprochen und ihm angekündigt, dass ich Elternzeit nehmen möchte. Ich arbeite seit 14 Jahren für ein Ingenieurbüro aus der Schweiz. In der Schweiz sind Elternzeit und Teilzeit bei Vätern gar nicht üblich. In unserem Berliner Büro hatte ich ein gutes persönliches Verhältnis zum Chef. Wir waren damals nur vier Mitarbeiter. Er hat positiv-entspannt reagiert. In der Zeit, in der ich weg war, wurden meine Projekte größtenteils vom Mutter-Standort in der Schweiz aus erledigt. …

Als ich meinen Chefs nach der Geburt meiner ersten Tochter angekündigt habe, dass ich in Elternzeit gehen will, waren sie nicht gerade begeistert. Sie haben mir aber auch keine Steine in den Weg gelegt. Als meine Frau zum zweiten Mal schwanger wurde, sagte der stellvertretende Chef: „Oh, dann verlassen Sie uns ja bald wieder“. Das war seine einzige Reaktion. Einen Glückwunsch oder nette Worte gab es nicht. Mich hat beide Male ein Springer vertreten, der dafür aber an anderer Stelle fehlte. …

Für meine Freundin und mich war von Anfang an klar, dass wir beide Elternzeit nehmen. Schließlich haben wir beide Job und Karriere. Warum soll alles an ihr hängenbleiben? Für uns war das eine Frage der Gerechtigkeit – auch, wenn ich mehr verdiene und wir durch meine Familienpause insgesamt weniger Einkommen hatten. Ich habe zweimal Elternzeit genommen, einmal war ich sechs Monate zuhause und einmal habe ich in Teilzeit weitergearbeitet (50 Prozent des bisherigen Jobs).

Die Erfahrungen waren sehr unterschiedlich. Beim ersten Job, vor sechs Jahren, dachte ich, es wird hart. Das wurde es dann gar nicht, im Gegenteil. Ich habe damals für eine Nachrichtenagentur gearbeitet. Mein Chef hat meine Ankündigung, Elternzeit zu nehmen, schmerzfrei geschluckt. Als ich nach einem halben Jahr zurückgekehrt bin, wurde gerade eine Stelle frei, die einen Aufstieg für mich bedeutete – und ich habe sie ohne weiteres bekommen. Von einem Nachteil durch die Elternzeit keine Spur.“

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