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Viel Lärm um nichts?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 17. August 2010

… Der Einfluss der Elterngeldreform auf die Inanspruchnahme von Elternzeit durch Väter“. Unter diesem Titel haben Kerstin Pull und Ann-Cathrin Vogt vom Lehrstuhl für Personal und Organisation der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen die Ergebnisse einer Online-Befragung noch einmal als Zeitschriftenbeitrag veröffentlicht. Bei der im Jahr 2008 durchgeführten und im Frühjahr 2010 veröffentlichten Studie haben insgesamt 1290 Väter Auskünfte über ihre Entscheidung pro oder contra Elternzeit vor oder nach der Reform, die Dauer eventueller Elternzeit und die Hintergründe ihrer Entscheidung im beruflichen, sozialen und familiären Umfeld gegeben.

Diese Überschrift gilt auch für den Aufhänger der Presseerklärung: Die Reform des Elterngelds habe dazu geführt, dass Väter zwar eher in Elternzeit gehen. Dafür übernähmen sie diese Rolle aber kürzer. Mit der Begründung, ‚zum einen nehmen die Väter im Wesentlichen die zwei Vätermonate in Anspruch. Zum anderen sind nach der Reform Elterngeld-Bezugsdauern von mehr als 14 Monaten, die vorher durchaus vorkamen, nicht mehr möglich. Für beide Aussagen gibt es keine nachvollziehbare Begründung. Dafür weisen die Ergebnisse der Studie auf andere, nachhaltige Veränderungen hin:

Hat nun die Reform die Entscheidungen der Väter verändert? Drei Kriterien haben vor der Reform die Entscheidung eines Vaters für die Elternzeit deutlich befördert und tun dies heute nicht mehr: wenn sein Einkommen geringer war als das der Partnerin, wenn die Partnerin vor einem Karriereschritt stand und wenn der Vater keine besonders extrovertierte Persönlichkeit hatte. Nach der Reform ist die Entscheidung des Vaters nun von diesen Kriterien unabhängig.

Kerstin Pull: „Hier hat die Reform offenbar durchaus etwas bewegt.“ Stattdessen werden nun andere Dinge wichtiger. Ein Vater entscheidet sich heute deutlich weniger häufig für die Elternzeit, wenn er sich stark mit seinem Arbeitgeber identifiziert und seine berufliche Belastung hoch ist, und er entscheidet sich häufiger dafür, wenn er stark an der Familie orientiert ist. Großes Gewicht für eine positive Entscheidung zur Elternzeit haben nach wie vor eine Partnerin mit höherem Bildungsstand, die Teilnahme an der Hausarbeit auch vor der Entscheidung über Elternzeit, die Modernität des Geschlechterrollenverständnisses und eine geringere Sorge, sich ein Karrierehindernis zu schaffen.

Eine Chance sehen die Autorinnen in der gesellschaftlichen Langzeitwirkung der Reform. Ann-Cathrin Vogt: „Wenn es gelingt, durch die Reform tragfähige Impulse in Richtung auf ein modernes Verständnis der Geschlechterrollen zu geben, etwa was die Verteilung der Hausarbeit angeht, und wenn die Reform mit der Zeit dazu führt, dass Männer, die in Elternzeit gehen, mehr soziale Akzeptanz erleben, dann dürften sich die Effekte der Elterngeldreform noch deutlich verstärken und möglicherweise irgendwann zu messbaren Auswirkungen führen – über die Inanspruchnahme von Vätermonaten hinaus.“ Die Daten der Studie liefern darauf erste Hinweise: Seit der Elterngeldreform erwarten Väter statistisch signifikant seltener, dass sich eine Elternzeit als Karrierehindernis entpuppen könnte.

Quelle

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