der VAETER.blog

lebe deinen Traum!

Das Kind hat einen Vater

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 2. Februar 2014

Ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung, der sich wohltuend von der momentanen Berichterstattung abhebt und an dem ich mitwirken durfte:

„… Die harten Zahlen sähen zwar nicht danach aus, doch die meisten Väter reagierten sehr sensibel auf die von ihren Frauen, ihrem Arbeitgeber oder der weiteren Umgebung an sie herangetragenen Erwartungen. Und sie hätten auch selber eine andere Vorstellung von ihrem Leben als ihre eigene Vätergeneration, wollten „mehr sein als Ernährer und sich bei der Betreuung ihrer Kinder engagieren“.

Veränderungen passierten im Moment vor allem im Kleinen, sagt Possinger. Oft gingen sie auf Kosten der Väter. Moderne Väter rissen sich ein Bein aus, um den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Erst Arbeit, dann Hausaufgabenbetreuung, Lesen mit den Kindern und Elternabende – „Väter haben heute oft noch eine zweite Schicht nach der Erwerbsarbeit“, stellt die Familienforscherin fest.

Das Schlagwort der Doppelbelastung scheint also mittlerweile auch für immer mehr Männer zu gelten. Doch warum will der überwiegende Teil der Väter dann trotzdem am liebsten zwischen 35 und 40 Stunden arbeiten – und nicht weniger? Sind die Männer vielleicht einfach selbst schuld an ihrer Misere, weil sie in den vorgegebenen Bahnen weitertraben, ohne sie zu hinterfragen?

Den Vorwurf lässt Georg Nelles vom Bundesforum Männer nicht gelten. „Mit der gleichen Argumentation könnte man auch sagen, dass Frauen keine Führungspositionen haben wollen“, sagt er. Es ginge hier doch um die Frage: Wo bekomme ich Anerkennung und Wertschätzung? Und für eine Teilzeitstelle bekämen Männer diese eben nicht. Nelles folgert: „Väter brauchen eine Ermutigung.“ Und sie bräuchten auf sie zugeschnittene politische Regelungen.

Das zeigt sich ganz deutlich beim Elterngeld. Immer mehr Väter nehmen Elternzeit, doch fast alle nur die sogenannten „Vätermonate“. Das heißt die zwei Monate, die Väter nehmen müssen, damit die Familie 14 und nicht nur 12 Monate Elterngeld bekommt. Und das, so Nelles, sei nicht nur in Deutschland so, sondern auch in Island oder Schweden, wo es schon sehr viel länger Elternzeit-ähnliche Regelungen gebe. „Egal, wo ich die Grenze setze, das Verhalten in den Unternehmen orientiert sich immer daran“, sagt Nelles, der selbst beruflich Firmen auf dem Weg zu einem väterfreundlichen Unternehmen berät.

Was daraus folgt, ist klar – zumindest, wenn man eine stärkere Beteiligung der Männer an der Kleinkinderbetreuung für wünschenswert erachtet: zusätzliche Vätermonate. Familienexpertin Possinger führt noch einen weiteren Aspekt an: „Man darf die neuen Väter nicht ohne die neuen Mütter denken.“ Denn die Sichtweise der Mütter sei ganz wesentlich dafür, ob und wie lange Väter in Elternzeit gingen. Doch der Spielraum sei nicht groß, da die meisten Mütter zwölf Monate für sich selbst beanspruchten.

Neben passenden Regelungen wünschen sich viele Väter aber vor allem auch auch eine verlässliche und widerspruchsfreie Politik. „Von der Gesellschaft wird gefordert, dass Eltern sich Erwerbs- und Familienarbeit aufteilen. In der Realität wird aber gerade das Gegenteil gefördert, beispielsweise durch das Ehegattensplitting, das Alleinverdiener-Ehen bevorteilt“, kritisiert Nelles.  …“

Quelle

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Alles nur gebaut

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Samstag 1. Februar 2014

… ist mir als Variante des Hits der Prinzen aus dem Jahr 1993 spontan eingefallen, als ich den Zeit Beitrag von Marc Brost und Heinrich Wefing gelesen habe. Vereinbarkeit von Kindern und Karriere geht gar nicht. Die Beiden sprechen gar von einer Vereinbarkeitslüge und plädieren für mehr Ehrlichkeit. Die Journalisten sind ehrlich und bezeichnen ihren Alltag, in dem Beruf, Familie und Kinder ‚irgendwie klappen‘ als ‚Hölle‘. Und früher? War früher alles einfacher?

Aber der Reihe nach. Brost und Wefing verweisen nicht auf Andere oder die Rahmenbedingungen. Sie fangen bei sich an: „… warum ist es nur so verdammt schwer, Kinder und Ehe und Beruf unter einen Hut zu bekommen? Warum sind wir erschöpft und müde und einfach erledigt, warum haben wir ständig das Gefühl, dass wir zu wenig Zeit für alles haben: für die Kinder, für den Job, für die Partnerin, für uns selbst?“

Das hat selbstverständlich etwas mit der Konstruktion dessen, was ich mit Familie, Beruf, Kindern und Partnerschaft verbinde und den Bedeutungszuschreibungen und Erwrtungen zu tun.

Brost und Wefing schreiben über diese Erwartungen: „Auch früher gab es Erwartungen an Väter und Mütter, aber sie waren klarer und eindeutiger, weil es auch klare und eindeutige Rollen gab. Heute dagegen gibt es unendlich viele Erwartungen, weil es unendlich viele Möglichkeiten gibt, eine gute Mutter und ein guter Vater zu sein, und deswegen scheint es das Beste zu sein, einfach alle Erwartungen zu erfüllen.“

Ich bin der Überzeugung, dass genau an dieser Stelle der Selbstbetrug anfängt. Everybody’s Darling zu sein, das geht nicht. Genauso wenig wie ich Kinder erziehen kann, ohne das Wort ‚NEIN‘ zu benutzen. Es geht darum Grenzen zu setzen. Ich meine damit nicht die von den beiden ebenfalls beschriebene Verschränkung von Arbeits- und Lebenswelten, das 9/17 Paradigma galt eh nur im Industriezeitalter.

Die Wiedervereinigung der beiden Sphären bietet Chancen, vor allem dann, wenn geklärt ist, dass Mann und Frau, auch wenn sie Spaß am Beruf haben, nicht ständig verfügbar sein müssen. Dass ist meines Erachtens einer der Mythen, die den Vorhof der Hölle, den in dem Beitrag sehr bildhaft beschriebenen alltäglichen Wahnsinn, ausmachen. Und Scheitern? Ja selbstverständlich! Nobody ist perfekt und aus Fehlern lernt jeder, auch als Vater.

Und welche Konsequenzen ziehen die beiden aus der ehrlichen Bilanz? „…Zurück in die Fünfziger, Mutti wieder an den Herd, Vati geht arbeiten?
Natürlich nicht. Dass Frauen Karriere machen, ist gut. Gut für die Frauen, gut für die Gesellschaft. Dass Männer sich mehr um ihre Kinder kümmern, ist auch gut. Gut für die Kinder, für die Männer und für die Gesellschaft. Und wenn sich immer mehr Männer um ihre Kinder kümmern wollen, erzeugt das Druck auf die Wirtschaft, flexibler zu werden.“

Ja, dem stimme ich voll zu! Männer können sich um Kinder kümmern und Männer können vor allem auch äußern, was sie von den Arbeitsbedingungen, einer zunehmenden Arbeitsverdichtung und-beschleunigung halten. Auch an dieser Stelle hilft mehr Ehrlichkeit  als ein erster Schritt zur Auflösung des Dilemmas und des Selbstbetrugs.

Keine Kinder zu kriegen, hier schreiben die Autoren die Verantwortung alleine den Frauen zu, ist keine Lösung und vor allem auch nicht ehrlich. Glück und Stress sind Gefühle, die zum ganzen Leben dazu gehören. Das Leben ist ein Abenteuer, die von den Autoren benutzten markigen Begriffe aber lediglich soziale Konstruktionen, die vielen das Leben schwer machen. Eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit und Absprachen darüber, wer wann für was verantwortlich können hilfreich sein. Es geht fast alles, nur nicht immer gleichzeitig!

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Vaterfreuden

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 31. Januar 2014

Eine humorvolle Variante der derzeitigen Berichterstattung über die Freuden und Leiden von Vätern, ab dem 6. Februar im Kino

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Familie versenken

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Donnerstag 30. Januar 2014

Die Plattform ATKearney 361° möchte nichts Geringeres als „Die Neuerfindung der Familie“. Dazu kommen regelmäßig Autoren und Autorinnen zu Wort, die auch abseits des Mainstreams Positionen darlegen und Provokationen formulieren.

Das gerade auch die in der Vergangenheit, gelinde formuliert, widersprüchliche Familienpolitik einer Neuausrichtung bedarf, steht ohne Zweifel. Insbesondere bei den sich gegenseitig widersprechenden finanziellen Anreizen: Ehegattensplitting und Betreuungsgeld auf der einen, Elterngeld und Väterbeteiligung auf der anderen Seite, sind Reformen erforderlich. Und dass die im vergangenen Jahr durchgeführte Offensive beim Ausbau der Kinderbetreuung nur der Anfang war, ist unbestritten.

Die vorhandenen Instrumente stehen dem Wunsch von Vätern und Müttern, sich Erwerbs- und Familienaufgaben partnerschaftlich aufzuteilen und dafür verlässliche Bedingungen vorzufinden, teilweise diametral im Wege.

Das die neue Familienministerin diese Gedanken aufgreift und die im Konzept ‚Partnerschaftliche Familie als öffentliches Gut‘ formulierten Grundsätze mit politischen Vorschlägen unterfüttert: einer Eltern-Teilzeit mit finanzieller Abfederung zur Ermöglichung neuer Entwicklungsperspektiven für junge Väter und Mütter, ist genau das, was dem Anspruch einer Neuerfindung gerecht wird.

Dass es dazu andere Meinungen gibt und diese ebenfalls Gehör finden müssen, ist völlig in Ordnung. Sie sollten aber ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden.

So bezeichnet Klaus Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn, in seinem Beitrag ‚Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf‘ die angedachte Eltern-Teilzeit als fatal. „Denn wir müssen in Zukunft mehr arbeiten, nicht weniger. Abgesehen davon, dass derartige Modelle insbesondere für mittelständische Betriebe kaum praktikabel sind, verteuern sie zudem zumeist die Arbeitskosten und führen eher zum Verlust von Arbeitsplätzen.
Statt falsche Anreize und sogar neue Subventionen zu schaffen, sollten alle verfügbaren Mittel in eine bessere Betreuung investiert werden – quantitativ, aber auch qualitativ. „

Ins gleiche Horn stößt heute Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln. „Statt ein solches steuerfinanziertes Teilzeitmodell durchzuboxen, wäre es familienpolitisch ratsam, in Deutschland endlich eine qualitativ und quantitativ gut ausgestattete Kinderbetreuungsinfrastruktur voranzubringen. Gute Betreuungsangebote – höhere Geburtenrate – diesen Zusammenhang haben schon viele wissenschaftliche Untersuchungen belegt.“

Von einem neuen Paradigma der Familienpolitik sind beide Einwände weit entfernt. Dass wir gute Betreuungsplätze brauchen ist unbestritten. Aber Erwerbstätigkeit als Arbeit und die Wahrnehmung von die Wahrnehmung von Familienaufgaben als selbstverständlich vorauszusetzen, ist wirklich alte Denke.

Nicht die Eltern-Teilzeit, sondern die Ignoranz der Herren Professoren den Bedürfnissen von Vätern und Müttern gegenüber, in bestimmten Lebensphasen mehr Zeit für ihre Kinder zu haben, ist fatal. Erstens, weil dies auch Arbeit ist und zweitens, weil es ein qualitativ hochwertiges Betreuungssystem und verantwortungsvolle Väter und Mütter braucht, damit auch in Zukunft Kinder in diesem Land geboren werden. Sonst lohnt es sich nämlich überhaupt nicht, mehr zu arbeiten!

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Neue, Aktive, Moderne, Väter?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 28. Januar 2014

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein …“ Vieles spricht dafür, dass dieser Teil des Reims von Wilhelm Busch heute nicht mehr zutrifft. Reicht es doch nicht mehr aus, einfach Vater zu werden, die Erwartungen und Ansprüche, vor allem der möglichen Väter an sich selbst, sind gestiegen.

Vor 10 Jahren waren sie noch „Exoten“, Väter, die Erziehungsurlaub genommen haben um von Anfang an eine enge Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. Das hat sich geändert, heute verwirklichen Männer ihren Anspruch, sich an der Erziehung ihrer Kinder zu beteiligen. Die wachsende Anzahl von Vätern, die die Elternzeit in Anspruch nehmen ist ein Anhaltspunkt dafür.

In der Öffentlichkeit werden diese Väter mit positiv klingenden Adjektiven bezeichnet: es ist von neuen, modernen oder aktiven Vätern die Rede. Mit diesen Bezeichnungen sind oft diffuse Erwartungen verbunden, denen kaum ein Vater gerecht werden kann. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass diese neuen Ansprüche vielfach auf die alten, die des Versorgers der Familie, draufgesattelt werden.

Wie kann es dennoch gelingen, Vaterschaft aktiv auszuüben? Auch wenn dafür keine allgemeingültigen Regeln oder Maßstäbe existieren, gibt es Anhaltspunkte, an denen Sie sich orientieren können:

An erster Stelle steht die Zufriedenheit, Sind Sie zufrieden mit sich und mit Ihrer Partnerschaft? Traut Ihnen Ihre Partnerin zu, dass Sie mit dem Kind zu Recht kommen? Und wie sieht es im beruflichen Alltag aus? Dass es Konflikte und Krisen gibt ist völlig normal, wenn die Grundlagen stimmen, wird sich dies positiv auf Ihr Engagement als Vater auswirken.

An nächster Stelle steht die Zeit. Das Engagement in Familie und mit den Kindern braucht Zeit. Auch wenn Sie Vollzeit arbeiten, können Sie sich diese Zeit nehmen und für die Kinder da sein. Was Kinder brauchen ist vor allem Verlässlichkeit und das Gefühl, dass Sie wirklich für sie da sind.

Als dritter Faktor spielt die Zuwendung eine bedeutende Rolle. Wenn Sie sich auf ihr Kind einlassen, wirklich präsent sind entwickelt sich eine Beziehung dir trägt und belastbar ist. Eine Beziehung die eine gute Basis darstellt, auch Konflikte mit den Kindern auszutragen und die Gelassenheit in sich birgt auch die Ablösungsprozesse in der Pubertät durchzustehen.

Das klingt sicherlich einfacher als es im Leben passiert. Im VaeterBlog finden Sie Hinweise, Tipps und Erfahrungsberichte, die Ihnen in den verschiedensten Lebenssituationen hilfreich sein und ihre Vaterschaft gelingen lassen können.

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Partnerschaft auf Augenhöhe ist der Schlüssel für ein gelingendes Familienleben

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 26. Januar 2014

Was sich Familienministerin Schwesig von Vätern wünscht, hat sie am 9. Januar in einem Interview mit dem Tagesspiegel formuliert:

„… Tagesspiegel: Was trägt Ihr Mann dazu bei, damit das funktioniert?

Manuela Schwesig: Viel. Mein Mann hat seine Arbeitszeit reduziert und arbeitet zudem einen Tag von zu Hause aus. Für uns ist die Partnerschaft auf Augenhöhe bei Kindererziehung und Beruf der Schlüssel zu einem glücklichen Familienleben. Deshalb können wir beide Familie und Beruf in Einklang bringen. Die Väter haben heute den Anspruch, nicht nur zum Gutenachtkuss nach Hause zu kommen.

Tagesspiegel: Wünschen Sie sich, dass viele Väter dem Beispiel Ihres Mannes folgen und zurückstecken zugunsten der Partnerin?

Manuela Schwesig: Ich weiß, dass viele Väter dazu auch bereit sind und das auch gerne machen würden. Das Problem ist, dass sie für diesen Wunsch in der Arbeitswelt noch oft belächelt werden und Chefs glauben, wer die Familie so wichtig nehme, missachte deshalb seinen Job. Ich will, dass niemand wegen seiner Kinder auf den Job verzichten muss, weder die Mutter noch der Vater. Deshalb will ich als Familienministerin die Partnerschaftlichkeit unterstützen. Meine Vision ist die Familienarbeitszeit. Das bedeutet, wir müssen Vollzeit für Eltern neu definieren. Vollzeit sollte für Eltern mit kleinen Kindern nicht 40, sondern zum Beispiel 32 Stunden sein.

Tagesspiegel: Das müssen Sie uns erläutern.

Manuela Schwesig: Es darf kein Nachteil sein, wenn Eltern kleiner Kinder ihre Arbeitszeit reduzieren. Ich wünsche mir eine Arbeitskultur, in der Arbeitgeber auf die Bedürfnisse junger Familien flexibel reagieren. …“

Quelle

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Moderne Väter – Was heißt das eigentlich?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 24. Januar 2014

Vor einiger Zeit habe ich mit der Bloggerin Michaela Schonhöft ein Gespräch über ‚moderne‘ Väter geführt. Das Interview hat sie heute in Ihrem Blog ‚Frau Schonhöft‚ veröffentlicht:

Lieber Herr Nelles, in Ihrem Blog machen Sie sich stark für eine gleichberechtigtere Rolle von Vätern im Familienleben. Was macht für Sie einen modernen Vater aus?

Im Väterblog schreibe ich seit über sieben Jahren für eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit und dokumentiere unter anderem auch die gesellschaftliche Auseinandersetzung über die Rolle der Väter. Dabei werden Väter sowohl mit positiv klingenden Adjektiven wie „moderne“ oder „neue“ als auch negativen wie „abwesende“ beschrieben. Dieses Vorgehen ist weder neu noch zielführend. Ich erinnere nur an die Aussage des Soziologen Ulrich Beck, der von verbaler Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre sprach. Das war Mitte der 80er Jahre. In verschiedenen Studien hatten Väter geäußert, dass sie sich nicht mehr nur als Ernährer ihrer Kinder sondern auch als deren Erzieher sehen.

Die Vorstellung dies zu wollen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass eine gleichberechtigte Aufgabenteilung Wirklichkeit werden kann. Was Väter in jedem Fall auch brauchen sind passende Erwartungshaltungen, Rahmenbedingungen und Wertschätzungsstrukturen. Sprachlich machen wir einen Unterschied zwischen „daneben benehmen“ und „aus der Rolle fallen“. Letzteres will und kann sich niemand leisten. Ich wünsche mir an dieser Stelle, dass es völlig normal sein wird, beruflichen Erfolg und fürsorgliches Verhalten in Familie oder anderswo nicht mehr als Gegensätze zu denken sondern als wunderbare Ergänzung und Bereicherung.

Väter sind bei den Debatten über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer eine Randerscheinung. Vereinbarkeit erscheint häufig als ein alleiniges Problem von Frauen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich bin vor über 15 Jahren genau aus diesem Grund in einem Projekt eingestellt worden. Das Thema, es ging um berufliche Qualifizierung während des Erziehungsurlaubs, sollte raus aus der Mütter und Frauenecke und dies sollte ich als Mann vor allem in Unternehmen repräsentieren. Seitdem hat sich eine Menge getan, die Elternzeit mit den Partnermonaten ist ein sichtbares Zeichen für die Veränderungen. Aber sie haben Recht, Vereinbarkeit wird von Politikern und Politikerinnen und von Unternehmen immer wieder als Problem von Frauen und Müttern dargestellt. Damit tun sie diesen keinen Gefallen, auch wenn die Interventionen gut gemeint sind. Sie bewirken wie so oft das Gegenteil. Frauen werden auf die Familien-, Männer auf die Erwerbsarbeit verwiesen und diejenigen, die es anders machen wollen, fallen auf.

Nichts ist einfacher als in alte Muster zurück zu fallen, aber einen Wandel kann nicht verordnet werden. Er kann „nur“ gelebt werden. Ein bisschen schneller geht es vielleicht, wenn diese Erfahrungen auch für andere zugänglich, also kommuniziert werden. …

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Mehr Väter ins Familienleben

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Mittwoch 22. Januar 2014

Ich freue mich, dass mein Beitrag ‚Mehr Väter ins Familienleben’in der aktuellen Ausgabe von Pandsid, dem Fachmagazin für Gender Communication, erschienen ist:

Tatsächliche Verhaltensänderungen von Vätern sind vor allem eine Frage der Anerkennung und Wertschätzung. Durch andere Männer, Führungskräften in den Unternehmen vor allem aber der Partnerinnen. Es braucht Mut, Entscheidungen zu treffen, die die Realisierung der Lebensentwürfe ermöglichen.

Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorauszusagen ist, sich an ihrer Gestaltung zu beteiligen. Das gilt auch für die Beziehung von Vätern zu ihren Kindern. Der Wunsch, mehr Zeit für Kinder und Familie zu haben wird schon lange geäußert, die Wirklichkeiten sehen jedoch oft anders aus. Die in diesem Zusammenhang oft geäußerte Erklärung, da würde gesagt, was sozial erwünscht ist, aber anders gehandelt, ist wenig zielführend.

Erstens ist es bedeutsam, sich ein anderes Verhalten vorstellen zu können, denn was nicht vorstellbar ist kann niemals Wirklichkeit werden. Und zweitens klammert sie sämtliche Rahmenbedingungen und die Entwicklung dieses Verhaltens aus. Mit dieser Logik könnte man auch zu dem Schluss kommen, Frauen wollten nicht in Führungspositionen. Aber wie lassen sich diese Widersprüche auflösen, welche Bedingungen brauchen Männer und Frauen, partnerschaftliche Lebensentwürfe auch tatsächlich zu leben?

Die Frauenzeitschrift ‚Brigitte‘ hat dazu bereits 1988 einen (leider) auch heute noch aktuellen Einwand formuliert. „Theoretisch haben die jungen Männer schon einiges von echter Partnerschaft begriffen. Und sogar praktisch deuten sich erfreuliche Tendenzen an. Nur: Wenn ein Kind kommt, ist meistens Feierabend. Dann tauchen die alten Rollenbilder wieder auf – Papi füllt Konto. Mutti schaukelt Baby. Ein Wunder ist es nicht: Das Modell der Versorgerehe wird leider noch von allen Seiten gefördert, von der Arbeitswelt, von Schulen, Kindergärten – und von den Frauen selbst.“

Und diese Aufgabenteilung hat etwas mit Familienpolitik zu tun. Da wird viel Geld ausgegeben und die Wirkung bleibt aus, es werden immer weniger Kinder geboren und überhaupt, ‚Familien sind anders!‘ lautet der Titel eines Buches, der gerade auf meinem Schreibtisch liegt. ‚Anstöße für eine neue Familienpolitik‘ heißt es im Untertitel. Beim Überfliegen bin ich im Abschnitt ‚Tendenzwende‘ hängen geblieben, da schreiben die Autoren ‚Wenn wir abends mit den Ehepaaren sprachen … so war es fast in allen Familien selbstverständlich, dass beide Elternteile – Mütter wie Väter – abwechselnd die Kinder mit Liebe und Geduld trösteten, und es kam häufig vor, dass die Kinder ausdrücklich nach dem Vater riefen, wenn sie wach wurden, oder dass die Väter die Kinder als erste hörten, wenn sie weinten.‘ Die erwähnte Untersuchung ist nicht in den vergangenen Jahren in den skandinavischen Ländern gemacht worden, sondern in den Jahren 1977 bis 1979 in deutschen Unterschichtsfamilien.

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Manchmal brauchst du nur einen großen Bruder

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 20. Januar 2014

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In einer besseren Welt – Ein Film über Väter und Söhne

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 19. Januar 2014

Der in Schweden geborene Arzt Anton lebt in Dänemark, von wo aus er regelmäßig nach Afrika reist, um in einem provisorischen Savannenhospital auszuhelfen. Zu seinen Patienten zählen Schwangere, die von einem blutrünstigen Miliz-Anführer immer wieder grausam zugerichtet werden. Ausgerechnet dem verhassten Frauenmörder rettet Anton das Leben – weil es seine ärztliche Pflicht ist. Als ein aufgebrachter Lynchmob sich für begangene Gräueltaten rächt, schreitet Anton nicht ein und gerät so in Konflikt mit seiner pazifistischen Überzeugung.

Wieder zu Hause im vergleichsweise idyllischen Dänemark, ist der idealistische Mediziner vollauf mit seiner gescheiterten Ehe beschäftigt. Dabei entgeht ihm, wie sehr sein sensibler Sohn Elias unter dem Mobbing brutaler Mitschüler leidet. Unerwartete Hilfe erhält das Opfer von dem neu in die Klasse gekommenen Christian, der das Problem mit Gewalt löst.

Elias hat nun endlich einen Freund, doch dadurch bahnen sich neue Schwierigkeiten an. Die beiden Jungen werden Zeugen, wie Anton bei dem Schlichtungsversuch auf dem Kinderspielplatz von einem Fremden geohrfeigt wird. Anton lebt Gewaltlosigkeit vor und hält dem Peiniger die andere Wange hin. Doch seine Botschaft wirkt zunächst fatal. Um ihn zu rächen, bauen Elias und Christian eine Bombe.

Sendetermin: Einsfestival, Montag 20. Januar von 20.15 bis 22.10 Uhr.

Quelle

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