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lebe deinen Traum!

Hand aufs Herz – wieso bloggst du?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 12. Mai 2014

Die 11 Fragen der Bloggerkollegin Peggy Wandel habe ich gerne beantwortet:

Hans-Georg Nelles hat das Thema Vereinbarkeit zu seinem Beruf gemacht und thematisiert zum Beispiel in seinem Blogbeitrag “Darf es auch ein bisschen weniger sein“, dass Karriere und Teilzeit kein Widerspruch sein dürfen – für Männer und Frauen. Das kann man nicht oft genug sagen und schreiben, bis es selbstverständlich wird. “Aber von alleine geht nichts, es braucht schon den Mut, diese Vorstellungen auch tatsächlich zu äußern und zu leben“, so Hans-Georg Nelles.

1. Hand aufs Herz – wieso bloggst du?

Ich habe vor fast 8 Jahren angefangen zu bloggen, nachdem ich eine spannende Veranstaltung zum Thema Bloggen besucht habe und ich darin eine gute Möglichkeit gesehen habe, Väter und ihre Anliegen zum Thema zu machen und die Entwicklung, die ja just zu diesem Zeitpunkt durch die Diskussion um das Elterngeld an Dynamik gewonnen hat, zu dokumentieren.

2. Woher nimmst du die Zeit dafür?

Das Thema Väter und väterbewusste (Personal-) Politik habe ich zu meinem Beruf gemacht und die Texte im Blog sind Ergebnis meiner täglichen Beschäftigung damit.

3.  Gibt es Dinge in puncto Vereinbarkeit, die du gerne von anderen Ländern oder Kulturen nach Deutschland importieren würdest?

Ich habe drei inzwischen erwachsene Kinder und das beste was mir „passieren“ konnte ist eine Partnerin, die Spaß am Beruf hat, gerne arbeitet und die uns so eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit ermöglicht (hat).

4. Ein Blick in die Zukunft: Wird es in zehn Jahren einfacher sein, in Deutschland Familie und Job zu vereinbaren? Oder machen wir eher Rückschritte?

Es wird nach dem Muster zwei Schritte vor, einen zurück verlaufen, aber ich bin der Überzeugung, dass die kommenden Väter und Mütter gute Chancen haben, ihre Vorstellungen gegenüber den Arbeitgebenden durchzusetzen. Aber von alleine geht nichts, es braucht schon den Mut, diese Vorstellungen auch tatsächlich zu äußern und zu leben.

5. Wie sieht deiner Meinung nach die ideale Arbeitswelt aus?

Ideal sind Arbeitswelten, die zu den jeweiligen Bedürfnissen und Lebensereignissen von Männern und Frauen, Vätern und Müttern passen bzw. ihnen die Möglichkeit geben Arbeitszeiten und –orte so anzupassen, das gute Ergebnisse und Lebenszufriedenheit gleichermaßen erzielt werden.

6. Bist  du lieber selbständig oder angestellt?

Ich habe 25 Jahre im Anstellungsverhältnis gearbeitet und bin jetzt seit fast 6 Jahren freiberuflich tätig. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, von morgens bis abends an einem Schreibtisch zu sitzen und einer Tätigkeit nachzugehen.

7. Stadt oder Land?

Das Land ist ein Sehnsuchtsraum, in den Städter Wünsche und Erwartungen projizieren. Ich brauch den Puls der Stadt. Manchmal ist es Berlin und der Takt ist anregend. Zur Entspannung reicht mir mein Viertel in dem DüsselDorf am Rhein.

8. All-inclusive oder Abenteuerurlaub?

Weder noch, ich habe mir meine/ unsere Urlaube in den vergangenen 40 Jahren immer selber organisiert. Da war manches abenteuerlich, aber es war immer erholsam.

9. Dein Lieblingsbuch?

Der Dialog, Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen von David Bohm

10. Körper, Geist, Seele – was ist dein Rezept, um mit dir selbst in Einklang zu kommen?

Nichts unternehmen, was diese Einheit zu sehr auf die Zerreißprobe stellt und wenn doch, laufen und anschließend in die Sauna.

11. Angenommen eine Fee gewährt dir drei Wünsche. Was möchtest du sein, tun oder haben?

Gesundheit, Zufriedenheit und die Möglichkeit, meiner interessanten Tätigkeit möglichst lange nachgehen zu können und Wirkungen zu erzielen.

Quelle

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re:publica 2014 – Sind bloggende Väter eine Nischenerscheinung?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Samstag 10. Mai 2014

Mütter- & Mamiblogs gibt es wie Sand am Meer. Trauen sich die Väter nicht hinter dem Ofen hervor oder hindert sie die Karriere daran, sich mit einem eigenen Blog Gehör zu verschaffen? „Into the Wild“ ist dafür das richtige Thema. Kinder und Familie können wild sein. Lasst es uns zusammen bändigen. Eine spannende Diskussion darüber warum Väter (nicht) bloggen mit:

Sven Trautwein http://www.zwillingswelten.de/cms

Patricia Cammarata http://dasnuf.de/

Andreas Lorenz http://papa-online.com

Holger Reuss http://www.papaganda.org

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Wie sag ich´s meinem Chef? – Väter und Elternzeit

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 9. Mai 2014

„In der Regel werden die zwei Monate Elternzeit heute in den Firmen durchgewunken“, sagt Hans-Georg Nelles.

Vor 10 Jahren sei das noch ganz anders gewesen, erzählt der Organisationsberater, da waren es nur sechs Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, die am Audit „Familie und Beruf“ teilgenommen haben und in den Firmen zogen die Personalverantwortlichen irritiert ihre Augenbrauen hoch: wie – VÄTER und Elternzeit?

Klar, Väter, die in Elternzeit gehen möchten, müssen sich auch heute noch manch blöde Bemerkung anhören und Nordrhein-Westfalen liegt im Bundesdurchschnitt zurück, aber immerhin nehmen auch hier 20 Prozent der Väter Elternzeit.

Elternzeit = Karrierestopp: Ein Mythos

Und ja, räumt Nelles ein, es kann mal passieren, dass die Elternzeit die Karriere eines Vaters verzögert, aber in der Regel ist das nicht so. Das hat dem Sozialwissenschaftler seine Erfahrung gezeigt. Die wird auch bestätigt durch eine neue Studie der Hans-Böckler Stiftung zum Thema, in deren Beirat Nelles sitzt und deren Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte veröffentlicht werden. Die Befürchtung, durch eine Elternzeit ruiniere sich ein Vater die Karriere, sei ein ängstliches Vorurteil, betont er. „Diese Befürchtung wiederholen insbesondere solche Väter immer wieder, die selber noch keine Elternzeit genommen haben“.
Alles easy also?
Nein, werdenden Vätern, die in Elternzeit gehen wollen, rät Hans-Georg Nelles, unbedingt einige Punkte zu beachten, um Ärger mit den Vorgesetzten zu vermeiden.

Die erste Voraussetzung: das Gespräch mit der Partnerin

Als erstes sollte sich der werdende Vater darüber klarwerden, ob er sich die Betreuung des Kindes wirklich zutraut und sich fragen, wie eine Elternzeit mit seinen beruflichen Perspektiven zusammenpasst. Danach geht es darum, das Gespräch mit der Partnerin zu suchen und ganz grundlegend zu klären: Wie stellen wir uns unsere Aufgabenteilung vor? Vielleicht hat die Partnerin Bedenken bei der Vorstellung, dass ihr Mann länger zuhause bei den Kindern bleibt…

„Das erlebe ich immer wieder“, erzählt Hans-Georg Nelles, „dass mir Väter berichten, sie hätten sich nicht getraut, dagegen zu halten und sich dann eben mit zwei Monaten Elternzeit und der Ernährerrolle zufrieden gegeben“. In einem solchen Gespräch müssen die werdenden Eltern ihre Vorstellungen aushandeln und – nicht zuletzt – die finanzielle Verantwortung klären.

Gestärkt ins Gespräch mit den Vorgesetzten

Erst wenn ein werdender Vater klar für sich weiß, was er (und seine Partnerin) will, kann er mit ruhiger Sicherheit in das anstehende Gespräch mit seinem Vorgesetzten gehen. „Oft zielen die Bemerkungen des Chefs darauf ab, herauszufinden, wie ernst es dem Mitarbeiter X eigentlich mit seinem Plan ist“, erklärt Hans-Georg Nelles. „Da werden Spielchen gespielt. Aber wenn jemand klar macht, dass es ihm ernst ist, kommen Chef und Angestellter am Ende meist zu einem guten Ergebnis. Weiterlesen »

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Darf es auch ein bisschen weniger sein?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Donnerstag 8. Mai 2014

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Genders Dialog DAS MAGAZIN“ ist mein Beitrag zum Thema „Darf es auch ein bisschen weniger sein?“ zu lesen:

„Ich schreib’s an jede Häuserwand, neue Arbeitszeiten braucht das Land!“ In die Diskussion um die Länge der täglichen Arbeitszeiten und die Anwesenheitskulturen in Betrieben kommt Bewegung. In zahlreichen Befragungen äußern vor allem Männer den Wunsch, in bestimmten Lebensphasen den Umfang der Erwerbsarbeit zu reduzieren, um Zeit für Familie und Partnerschaft zu gewinnen.

Der zeitliche Umfang von Erwerbsarbeit, der täglichen Arbeitszeiten in Unternehmen bestimmt bislang die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten ebenso wie eine partnerschaftliche Aufgabenteilung in der Familie. Eine auch vorübergehende Reduzierung wird als Entscheidung gegen berufliche Ambitionen interpretiert und mit geringerer Bezahlung sanktioniert. Eine Führungsaufgabe in einem Teilzeitjob? Das ist bislang schwer vorstellbar.

Dieses bislang vorherrschende Arbeitszeitregime wird zunehmend in Frage gestellt. „Führung in Teilzeit muss möglich sein“ fordern selbst die Wirtschaftsjunioren. In Deutschland fordern Arbeits- und Familienministerin ein Ende des „Anwesenheitswahns“ in Unternehmen und formulieren Visionen zu neuen Familienarbeitszeiten, bei denen sich Frauen und Männer mit jeweils etwa 32 Stunden an der Erwerbsarbeit beteiligen und so Spielräume für eine partnerschaftliche Aufteilung der Haus- und Familienarbeit gewinnen.

In der Schweiz greift die Kampagne „Der Teilzeitmann“ den Wunsch von Männern Erwerbsarbeitszeit zu reduzieren auf, präsentiert gute Beispiele und ermutigt Männer in Unternehmen, ihre Wünsche in die Tat umzusetzen. Bei einer Befragung der Universität St. Gallen hatten immerhin 90 Prozent der Befragten geäußert, ihre Arbeitszeiten reduzieren zu wollen, in Teilzeit arbeiten Ende 2013 14,7 Prozent der männlichen Beschäftigten. Das sind immerhin 23.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Die in den Medien sehr präsente Kampagne trifft wohl den Zeitgeist, den Wunsch von Männern, nicht nur im Beruf erfolgreich zu sein, sondern auch im privaten gute Beziehungen zu haben und insbesondere in einer Partnerschaft mit Kindern als Vater präsent sein zu können.

Den Wirkungen der Kampagne liegen folgende Haltungen zugrunde:

Wir reden über Werte und nicht über Geld.
Wir sind 100 Prozent forderungs- und vorwurfsfrei
Wir reden über Zukunft

In der Praxis bedeutet das: bislang übliche „männliche“ Verhaltensweisen werden humorvoll und in Form von Geschichten entlarvt. Vorwiegend in Roadshows bei Unternehmen treten Vorbildmänner mit Witz und Stil auf und suchen den Dialog. Das «T» – es ist angelehnt an das «S» des Superman – steht als Symbol für ihre Heldengeschichten und die Überwindung der Widerstände auf dem Weg zur Teilzeit. Zentrales Ziel des Projekts ist die Beeinflussung der Erzählweisen zu Rollenbildern und –zuweisungen für Jungen, Männer und Väter im Kontext von Erwerbsarbeitszeiten.

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Diese Ansprüche werden durch die persönlichen Geschichten von Männern eingelöst, die über ihre Erfahrungen mit Teilzeit, die Konsequenzen aber auch die Schwierigkeiten berichten:

„Es braucht schon eine Konsequenz, dass der Donnerstag arbeitsfrei bleibt: Mein Papatag ist nicht verhandelbar.“, sagt Simon. Doch der Mehrwert ist da, und die Überzeugung zur Teilzeitarbeit ist bei Simon zentral: „Das wichtigste ist für mich, meine Zeit dem Kind zu geben. Nichts ist so wertvoll.“ Diese persönliche Zeit für sich und die Beziehung kann er genießen. Teilzeitmann Simon ist überzeugt: „Dieser Mehrwert lässt sich mit nichts kompensieren.“ (Simon Schmid, Raumplaner)

„Das schwierigste ist für mich, dass ich mich nicht selber herein lege.“ Konkret gibt es keine regelmäßigen Arbeitszeiten, aber doch „ein Stück Vogelfreiheit, die sehr viel Stress wegnimmt.“ Mal nimmt der Chef einen Nachmittag frei, mal sind es nur ein paar Stunden pro Woche. Abendveranstaltungen gehören sowieso zu den Aufgaben. Aber Howald hat auch kein Problem, Einladungen zu delegieren: „Man kann nicht überall sein. Und man sollte sich selber auch nicht zu wichtig nehmen.“ (Felix Howald, Direktor Industrie und Handelskammer Zentralschweiz)

Tradierte Vorstellungen von Männlichkeiten und Umfang der Erwerbsarbeit sind am ehesten durch eine andere Praxis, von Männern, die es vorleben und die darüber berichten, zu verändern. Die „Pioniere“ brauchen Mut und Ermutigung:

Durch eine Kampagne, die herausstellt, dass das, was sie tun „normal“ ist. Durch Verantwortliche in Unternehmen, die die Ressourcen dieser Arbeitsweise erkennen und nutzen und Führungskräfte im Umgang damit schulen. Durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die es Männern und Frauen erleichtert, entsprechend den Bedürfnissen ihrer jeweiligen Lebensphase und –ereignisse, Arbeitszeiten flexibel verändern zu können. Und es braucht Bereitschaft von Vätern und Müttern in Partnerschaften, Verantwortung in allen Lebensbereichen übernehmen zu wollen und zu können und dies auf Augenhöhe auszuhandeln.

Der Teilzeitmann zeigt, dass dies möglich ist.

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Halbe, halbe? Unterhalt beim Wechselmodell

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 6. Mai 2014

Wer seine Kinder nach einer Trennung weniger als zur Hälfte betreut, muss den gesamten Unterhalt zahlen. Oft ist das der Vater. Auf diesen Missstand weist Heide Ostreich in der taz hin.

Warum ist das so? Weil das Familienrecht so langsam ist. Im BGB ist für den Fall einer Trennung der Eltern festgehalten, dass eine(r) die Kinder betreut und eine(r) bezahlt. Das ist in Paragraf 1606 geregelt, der die Unterhaltsverpflichtung zum Thema hat. In Satz 3,2 heißt es dort: „Der Elternteil, der ein minderjähriges unverheiratetes Kind betreut, erfüllt seine Verpflichtung, zum Unterhalt des Kindes beizutragen, in der Regel durch die Pflege und die Erziehung des Kindes.“ Eine beiderseitige Betreuung im Wechsel ist schlicht nicht vorgesehen.

Rechtlich kann der Elternteil, der das Kind „in Obhut“ hat, dessen Anspruch auf Unterhalt beim anderen Elternteil geltend machen. In Obhut hat man das Kind, wenn es mehr als 50 Prozent der Zeit bei diesem Elternteil verbringt. Im Fall von Claudia und Ralf sind die Kinder also in ihrer Obhut. Und er zahlt.

Dem deutschen Familiengerichtstag, dem Forum der FamilienrichterInnen, ist diese Konstellation bekannt. Mehrere Arbeitsgruppen haben sich schon mit der Frage beschäftigt, wie hier mehr Gerechtigkeit einziehen kann. Heinrich Schürmann ist Familienrichter und an der Diskussion beteiligt. Er kritisiert insbesondere die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in dieser Frage. Der BGH hat gerade erst in diesem März geurteilt, dass ein Vater, der fast zum gleichen Teil wie die Mutter für sein Kind sorgt, kaum entlastet werden muss.

Die Männerlobby, das „Bundesforum Männer“ kritisiert die bisherige Regelung scharf: „Das ist unserer Ansicht nach eine klare Benachteiligung der Väter“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Verbands, Hans-Georg Nelles, der taz. Den Vätern werde „die Möglichkeit genommen, eigene Arbeitszeiten zu reduzieren und den Betreuungsaufwand für ihre Kinder zu erhöhen.

Damit werden alte Rollenzuschreibungen zementiert, Väter bleiben Ernährer und Mütter erleiden als Alleinerziehende Nachteile auf dem Arbeitsmarkt.“ Auch das Bundesforum regt an, den BGB-Paragrafen 1606 neu zu fassen: „Wir bedauern es, dass die Politik, die in den vergangenen 50 Jahren das BGB an vielen Stellen entrümpelt hat, trotz der seit Jahrzehnten verfolgten Gleichstellungspolitik an dieser veralteten Regelung festhält.“

Warum tut sie das? Warum ändert sich nichts? Schürmann vermutet: „Das ist ein hochemotionaler Bereich. Die Politik traut sich da nicht heran. Sie hat Angst vor einem Aufstand der Mütter.“

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Die Rechte der Väter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 4. Mai 2014

Martin Spiewak beschreibt in der ZEIT, was sich im Trennungsfall zugunsten von Vätern verändert hat: „Rechtlich sind Väter den Müttern inzwischen (fast) völlig gleichgestellt. Nach 95 Prozent der Scheidungen bestimmen Mutter und Vater zusammen, ob das Kind getauft wird oder nicht, welche Schule es besucht und wo es wohnt. Dieses gemeinsame Sorgerecht beider Elternteile gilt seit vergangenem Jahr auch für unverheiratete Paare. Nur noch in begründeten Ausnahmefällen (etwa bei „Kindeswohlgefährdung“) kann eine Mutter bis kurz nach der Geburt des Kindes Einspruch gegen den Wunsch des Vaters erheben, die Geschicke von Sohn oder Tochter mitzubestimmen. Kommt es zu einem Gerichtsverfahren, ziehen zwar noch immer meist die Väter den Kürzeren – in zwei Drittel der Konfliktfälle erhalten dann die Mütter das Sorgerecht. Doch auch Justitia erkennt, dass sich das Selbstverständnis vieler Väter wandelt. Da gleichzeitig immer mehr Frauen Vollzeit arbeiten, verliert das Argument, sie könnten sich als Mutter besser um den Nachwuchs kümmern, vor Gericht an Gewicht.

Die Rollenangleichung nährt auf der Seite der Väter neue Ansprüche. Auch nach dem Bruch mit der Frau wollen sie Pflaster kleben, beim Abendbrot Heldengeschichten aus Fußballverein oder Ballettunterricht hören oder Gute-Nacht-Geschichten vorlesen. Dafür sind gerade jüngere Männer heute bereit, auf Einkommen oder Karriere zu verzichten. „Ich treffe fast jede Woche auf in Trennung lebende Väter, die ihre Arbeitszeit reduziert haben, um sich intensiver um ihre Kinder zu kümmern“, sagt Marcus Borgolte.

Jeden Donnerstag hat der Rechtsanwalt Sprechstunde im Papaladen, einer Berliner Einrichtung für Väter. Dort klärt er Männer mit Kindern über ihre Rechte und Pflichten nach Scheidung oder Trennung auf. Häufig vertritt Borgolte diese Väter auch vor Gericht. Als Opfervertreter sieht er sich nicht. Denn: „Väter haben vor Gericht oder beim Jugendamt nach meiner Erfahrung nicht prinzipiell schlechtere Karten als Mütter.“

In jüngster Zeit häuften sich an ihrer Kammer Fälle, in denen Väter Recht bekämen, sagt Isabell Götz, Richterin am Münchner Oberlandesgericht und Sprecherin des Deutschen Familiengerichtstags. Auch sei es nicht mehr ungewöhnlich, dass Kinder ihre Mütter auf Unterhalt verklagen – was nur geht, wenn der Lebensmittelpunkt beim Vater ist. Noch ist diese Konstellation die Ausnahme. Doch selbst wenn das Kind den Wohnsitz bei der Mutter hat, sorgen immer mehr Gerichte dafür, dass sich der Kontakt zum Vater nicht auf wenige Besuche beschränkt, sondern wechselnde Zeitkontingente eingeplant werden. Urlaubs- und Feiertage werden gleichberechtigt verteilt.“

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Ich will trotzdem Vater sein! – Männer nach der Trennung

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 2. Mai 2014

Die Zahlen sprechen für sich: In Deutschland leben geschätzte vier Millionen Trennungskinder, und jährlich sind zirka 200 000 Kinder von Scheidungen oder Trennungen betroffen. Hinter diesen Zahlen stehen hochemotionale und ganz individuelle Schicksale von Trennungs-Familien. Denn oft beginnt ein komplizierter Kampf um Unterhaltszahlungen, Sorgerechts- und Besuchsregelungen.

Häufig werden dabei die Konflikte und Verletzungen der Eltern über die Kinder ausgetragen, und 40 Prozent der Väter verlieren schon im ersten Jahr nach der Trennung jeglichen Kontakt zu ihren Kindern. Doch wie geht es den Vätern, die das vertraute Zusammensein mit den eigenen Kindern vermissen, die weiterhin für die Kinder da sein wollen oder überhaupt darum kämpfen, den Kontakt aufrechtzuerhalten? „37º“ begleitet zwei Väter, die diese Entfremdung nach der Trennung nicht zulassen wollen. Und die darum kämpfen, den Alltag ihrer Kinder aktiv mitzuerleben.

„Die Trennung soll nicht zu Lasten der Kinder gehen.“ Andreas und seine ehemalige Frau Ines aus Markt Schwaben bei München versuchen – trotz schmerzlicher Trennung – sich die Betreuung der Kinder 50 zu 50 zu teilen, das so genannte Doppelresidenzmodell zu leben. Beide vermissen die Kinder sehr, wenn sie gerade beim anderen wohnen: „Die Stille ist dann fürchterlich, im Augenblick leben wir beide hauptsächlich für die Kinder.“

Als die Zwillinge klein waren, hat sich die meiste Zeit Ines um sie gekümmert. Kochen, lernen, waschen, die Kinder ins Bett bringen, oder alleine einen Zwillingsgeburtstag organisieren.

Andreas muss in seine Rolle als Alltags-Vater von achtjährigen Zwillings-Jungs noch hineinwachsen. Obwohl Andreas und Ines ihr Bestes geben, sind Paul und Moritz oft wütend und traurig. Die Zwillinge decken immer noch den Tisch für vier – und wünschen sich nichts mehr, als dass ihre Eltern wieder zusammenkommen. Kann eine Beratung der getrennten Familie helfen, wieder glücklicher zu werden?

Markus, 45, hat seinen sechsjährigen Sohn Daniel seit seiner Geburt erst elf Mal gesehen. Markus und die Mutter des Kindes waren nur kurz zusammen, sie ist nach der Geburt nach Fehmarn gezogen. Markus fährt nun insgesamt von Mainz aus 1300 Kilometer hin und zurück, um sein Kind zu sehen.

Die so genannten „Umgangs-Treffen“ selbst sind dagegen sehr kurz, sie finden am Strand von Fehmarn statt. Bei jedem Wetter und immer nur in Begleitung der Kindsmutter und deren neuem Lebensgefährten. Markus ist verzweifelt: Er möchte seine Vater-Rolle einnehmen, sehnt sich nach Nähe und Zweisamkeit mit seinem Sohn.

Er hat inzwischen ein Haus gebaut – mit drei Kinderzimmern, für seine neue Lebensgefährtin, ihre beiden Töchter und seinen Sohn? Denn er will zusammen mit einer Anwältin darum kämpfen, ihn häufiger zu sehen, auch wenn ihm ein langwieriger Rechtsstreit bevorsteht. Damit er seinem Sohn später sagen kann: „Ich habe einfach alles probiert.“

Ein Film von Ulrike Schenk, Sendetermin: ZDF, Dienstag 20. Mai 2014, 22:15 bis 22:44 Uhr.

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Was es bedeutet ein Vater zu sein

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Donnerstag 1. Mai 2014

Es ist zu simpel sich vorzustellen, dass Väter entweder unseren eigenen oder anderen vorstellbaren Idealen entsprechen. Dieses kurze Video verweist auf die unendlichen Räume zwischen.

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Karriere muss Sinn machen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Mittwoch 30. April 2014

Mit der Generation Y kündigt sich ein radikaler Wertewandel in der Arbeitswelt an. Das ist ein Ergebnis der jetzt veröffentlichten embrace-Studie „Karriere trifft Sinn“. Dafür wurden mehr als 3.600 Studenten nach ihren spezifischen Werten, Einstellungen und Zielen befragt, an denen sich die Nachwuchstalente orientieren, um Lebenstiefe und Sinn in ihrer Karriere erfahren.

Bemerkenswert sind die Ergebnisse der Studie vor allem in Hinblick auf die Familienplanung: 54 % der jungen Talente (Altersdurch-schnitt: 23 Jahre), sowohl Männer als auch Frauen, wollen spätestens nach drei Berufsjahren Kinder haben. Studienleiter Gero Hesse erklärt: „Die junge Generation hat radikal andere Vor-stellungen als ihre Eltern und Großeltern. Sie wollen sofort zu Karrierebeginn Kinder, um dann Karriere machen zu können. Früher wäre dies eine unrealistische Vorstellung gewesen. Angesichts des dramatischen Verlaufs der demografischen Entwicklung wird die begehrte künftige Fachkräfte- und Führungselite ihre Arbeitsbedingungen jedoch so stark selbst bestimmen können wie keine andere Generation zuvor.“

Denn 79 % der Befragten wollen auf jeden Fall Kinder, nur 4 % verneinen den Kinderwunsch. Aber auch 74 % wollen auf jeden Fall Karriere machen. Prof. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz, einer der führenden Experten für Human Resource Management in Deutschland, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat, sagt: „Wenn mehr als die Hälfte der Befragten nach spätestens drei Berufsjahren Nachwuchs haben will, dann ist dies ein absoluter Trend-Bruch. Wenn die junge Generation es ernst meint, wird es in Zukunft wieder mehr junge Akademikerfamilien geben“.

auch fast drei Viertel (74 %) Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Auf diese Trendumkehr müssen die Arbeitgeber reagieren – durch mehr hochqualifizierte Teilzeitjobs, flexiblere Arbeitszeiten und mehr Betriebskindergärten“, so Hesse, selbst Vater von vier Kindern.

95 % der Befragten ist es wichtig, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. 82 % möchten die Arbeitszeit der persönlichen Situation anpassen können und 57 % der Nachwuchstalente wünschen sich sogar explizit die freie Einteilung ihrer Arbeitszeit. Hesse weiß, was bei den Nachwuchstalenten zählt: „Die Machtverhältnisse verschieben sich. Bei Vertragsverhandlungen wird es zukünftig nicht nur um Geld, sondern vor allem um sehr gute Arbeitsbedingungen gehen. Konkret: um mehr Freizeit, mehr Urlaub, die Möglichkeit eines Sabbaticals, einen garantierten Feierabend, mehr Home-Office-Zeiten und eine freie Einteilung der Arbeitszeit. Wir stehen damit vor einer echten Revolutionierung der Arbeitswelt und damit der Unternehmenskultur in Deutschland“.

Geld spielt eine geringere Rolle als erwartet: Einen größeren Wert legen die zukünftigen Fach- und Führungskräfte auf Ethik und Moral. Viel Geld verdienen wollen zwar immerhin noch 73 % der Befragten, doch deutlich mehr, exakt 85 %, ist ethisches Verhalten ganz besonders wichtig. Studienleiter Gero Hesse erklärt: „Ein gutes Gehalt wird von der Generation Y erwartet, ist aber nicht mehr der entscheidende Faktor bei der Arbeitgeberwahl. Gerade die karriereorientierten Studenten suchen das Unternehmen in Zukunft auch danach aus, ob sie dort einen echten Mehrwert für unsere Gesellschaft erbringen können (78 %).“

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Plötzlich ist das Kind tot – Wenn Jugendämter versagen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 28. April 2014

In Deutschland und Frankreich sterben immer wieder Kinder an den Folgen von Misshandlungen. Oft sind die Familien, in denen solche Katastrophen geschehen, den Jugendämtern bekannt. Aber die Sozialarbeiter scheinen zu versagen. Welche Fehler begehen die Jugendämter in Deutschland und Frankreich – sind sie überhaupt in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen?

Die Verantwortlichen in den Ämtern verweisen oft auf eine zu dünne Personaldecke und die damit verbundene Überlastung ihrer Mitarbeiter. Kritiker monieren schlechte Bezahlung und fehlende Erfahrung. Fest steht: Die Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe steigen seit Jahren – in Deutschland von 5,1 Milliarden Euro im Jahr 2001 auf 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2010.

Aber auch die Fallzahlen steigen dramatisch: Erhielten 2008 knapp 800.000 Kinder und Jugendliche sogenannte „Hilfen zur Erziehung“, waren es zwei Jahre später schon 866.000 – ein Zuwachs von etwa acht Prozent. Steigende Armut, auseinanderbrechende Familien, zunehmende Gewalt – diese gesellschaftlichen Entwicklungen führen dazu, dass Jugendämter immer stärker die Rolle der „gesellschaftlichen Feuerwehr“ übernehmen müssen.

Ein Jahr nach dem Tod der elfjährigen Chantal in Hamburg gehen die Filmemacher Nadja Frenz und Michael Richter auf Spurensuche. Sie rekonstruieren – auch anhand interner Unterlagen – die Umstände, die zum Tod Chantals führten. Das Hamburger Jugendamt öffnete für diese Dokumentation erstmals seine Türen. Auch in Frankreich war ein Jugendamt bereit, Einblick in den Alltag der Behörde zu gewähren. So entsteht ein facettenreiches Bild einer gesellschaftlichen Realität, die gerne totgeschwiegen und ausgeblendet wird. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen, in politischen Sonntagsreden gerne propagiert, steht im Alltag meist ganz unten auf der Agenda der Verantwortlichen.

Sendetermin: Arte, Dienstag, 6. Mai um 22:55 Uhr

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