Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 7. Mai 2007
Eine aktuelle Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung ergab: Nur noch für knapp 13 Prozent der Beschäftigten in Deutschland gilt die klassische „Normalarbeitszeit“, das heißt, sie arbeiten zwischen 35 und 42 Stunden, von montags bis freitags ohne Schichtdienst, Überstunden oder Gleitzeit. Seit 1989 hat sich diese Quote halbiert. Das zeigt die Analyse der Arbeitszeitforscher.
Die Forscher unterscheiden nach „moderaten“ und „extremen“ Formen der Flexibilisierung. Als „moderat“ definieren sie beispielsweise Teilzeitarbeit und Arbeit in Zwei-Schicht-Systemen.
Als „extrem flexibel“ qualifizieren die Wissenschaftler drei Arbeitszeitmuster: „Überlange Wochenarbeitszeiten“ von mehr als 42 Stunden, die im Jahr 2003 rund 29 Prozent aller Beschäftigten zu bewältigen hatten. Bei 15 Prozent schwankte die Arbeitszeit um mindestens 20 Stunden in der Woche. Knapp sechs Prozent der Beschäftigten mussten sich mit Mehrschicht- und Nachtarbeit arrangieren. Dabei gibt es Überschneidungen, etwa Arbeitszeiten, die sowohl sehr lang sind als auch stark schwanken. Insgesamt sehen die Forscher 40 Prozent aller Beschäftigten von „extremer Flexibilisierung“ betroffen.
Weitere Informationen erhalten Sie hier.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Donnerstag 3. Mai 2007
Kinderfeindlichkeit und andere Einflussfaktoren auf die Geburtenrate – ein deutsch-französischer Vergleich.
Jenseits der scheinheiligen Diskussion um die Krippenfinanzierung hat eine aktuelle Untersuchung von Allensbach ergeben, dass die unterschiedlichen Geburtenraten in Deutschland und Frankreich unter anderem auch mit sehr unterschiedlichen Einstellungen zu Kindern und verschiedenen persönlichen Prioritäten korrelieren.
Schon das Selbstbild beider Nationen unterscheidet sich gravierend: die französische Bevölkerung ist zutiefst überzeugt, in einem kinderfreundlichen Land zu leben (80 %), in Deutschland dagegen nur 25 %. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hält Deutschland für wenig kinderfreundlich.
Deutsche Kinderlose verbinden die Elternschaft mit auffallend vielen Nachteilen, weitaus mehr als dies französische Kinderlose tun. Dies gilt sowohl für finanzielle Einschränkungen wie für die Sorge, dass Kinder viel Stress bedeuten, enorme zeitliche Belastungen mit sich bringen, wenig Zeit für Freunde und Interessen lassen, ein Zurückstecken im Beruf erfordern und generell Probleme mit sich bringen, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.
Auf dem Feld Vereinbarkeit von Familie und Beruf treten die größten Diskrepanzen zwischen dem deutschen und französischen Meinungsbild auf. 62 % der Französinnen, aber nur 22 % der deutschen Frauen haben den Eindruck, dass sich Familie und Beruf alles in allem gut miteinander vereinbaren lassen.
Die Väter sind zwar auch befragt worden, scheinen hier aber entgegen anders lautenden Sonntagsreden keine Rolle zu spielen.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie hier.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 1. Mai 2007
‚Seit Anfang des Jahres können Väter in Elternzeit gehen – vom Staat finanziert. Auf große Nachfrage stößt das Angebot bisher nicht.’ Behauptet Anna v. Münchhausen in der FAS und liefert im Anschluss eine plausible Erklärung:
‚In der Regel wird es nach wie vor die Mutter sein, die ihr Kind im ersten Lebensjahr betreut. Zwei Monate länger wird das Elterngeld gezahlt, wenn auch der andere Elternteil sich zu Hause um das Kind kümmert.’
Mit dem Instrument der „Vätermonate“, Münchhausen greift hier nicht nur die diffamierende Bezeichnung des CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Ramsauer „Wickel-Volontariat“ auf, sondern wertet auch die Erziehungsaufgabe ab.
Durch das Wickelvolontariat ‚sollen auch Erzeuger die Chance bekommen, den Nachwuchs zu versorgen – um Routine darin zu bekommen, Schnuller zu sterilisieren, Kirschkernkissen aufzuwärmen oder Koliken wegzustreicheln.’
Aber die Rechnung geht laut Münchhausen nicht auf. ‚Auch vier Monate nach Einführung der Gesetzesnovelle gibt es angeblich kaum Männer, die aufgrund der Neuregelung vorübergehend zum Vollzeit-Vater werden.
Aber was es bislang nicht gibt, sind verlässliche Zahlen. Das Familienministerium hat eine erste Übersicht für den 10. Mai angekündigt. Allein aus Baden Württemberg wurde schon am 1. März eine Zahl von 15% Vätern in Elternzeit gemeldet, was einer Verachtfachung der bisherigen Zahl ausmacht.
Aber Münchhausen bleibt in der Tradition ihres berühmten Vorfahren: spekulieren, diskriminieren, schwadronieren …: Weiterlesen »
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 29. April 2007
Im letzten Karrieresprung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung widmet sich Bernhard Riester, Leiter des Bereichs Human Resource Services bei PricewaterhouseCoopers, den Vorboten des demografischen Wandels:
‚ …Schon jetzt klagt die Wirtschaft in einigen Branchen über Wachstumseinbußen aufgrund mangelnder Fachkräfte. Doch das ist erst der Anfang, denn Deutschland fehlt langfristig der Nachwuchs: Der Wettbewerb um die klugen Köpfe wird daher in den kommenden Jahren noch deutlich härter werden. Zunehmend sind es die Bewerber selbst, die die Spielregeln mitbestimmen. …
Qualifizierte Mitarbeiter werden in den kommenden Jahren immer begehrter, gleichzeitig aber auch anspruchsvoller. Geld allein wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, um sie zu gewinnen.
Die heutige Generation der Studienabsolventen legt ihrer Entscheidung, bei welchem Unternehmen sie den Vertrag unterschreibt, andere und vielfältigere Kriterien als in der Vergangenheit zu Grunde.
Neben einem guten Gehalt setzen die künftigen Mitarbeiter zunehmend auch gute Arbeitsbedingungen und Aspekte wie Work-Life-Balance voraus. Auch die Unternehmenskultur, also die gelebte Wertekultur am Arbeitsplatz, sowie das soziale Engagement der Firma für die Gesellschaft interessieren die Bewerber bei der Jobsuche. …’
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 27. April 2007
Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußert sich die Unternehmensberaterin Anne von Loeben zu den Karrierehindernissen, mit denen Frauen und Männer konfrontiert werden:
… Aber hat dieses Ausbleiben von Unterstützung tatsächlich mit dem Geschlecht zu tun? Oder ist es nicht vielmehr ein Organisationsproblem?
Am Ende ist es eine Machtfrage. Wenn einer – oder eine – zu viel Macht bekommt, weckt das immer Widerstände. Männer erleben wahrscheinlich ab einer bestimmten Ebene Ähnliches. Aber Frauen kann man leichter fernhalten von der Spitze, bei ihnen gibt es eben noch bessere Unterdrückungsmechanismen.
Welche?
Zum Beispiel die Behauptung, es sei unmöglich, mit Kindern Karriere zu machen. Das ist eine systematische Einschüchterung aller Frauen, die es versuchen wollen.
Haben Sie Kinder?
Nein.
Aber Kinder ließen sich mit Ihrer Position vereinbaren?
Mit dem entsprechenden Mann und einer guten Organisation der Kinderbetreuung auf jeden Fall. Das ist absolut möglich. Es ist in Deutschland umständlicher als etwa in Frankreich, aber es ist alles machbar. Es ist ja mittlerweile auch gesellschaftlich anerkannt und wird politisch intensiv diskutiert, dass die Kinderbetreuung kein Hindernis bei der Karriere sein darf. …
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Mittwoch 25. April 2007
Eine internationale Studie der Robert Half Finance & Accounting, einem Personaldienstleister im Finanz-und Rechnungswesen brachte interessante Ergebnisse. Befragt wurden 1.210 Personalmanager zu Karrieretrends im Finanz- und Rechnungswesen in 13 Ländern.
Die Frage „Glauben Sie, dass Mitarbeiter in Teilzeit ebenso produktiv sind wie Kollegen in Vollzeit?“ beantworteten 56 % der befragten Personalmanager in Deutschland mit Ja. Ihrer Ansicht nach hat die Zahl der Arbeitsstunden keinen Einfluss auf die Produktivität. 12 % halten Teilzeitbeschäftigte aber für produktiver.
Bereits 78 % der deutschen Unternehmen ermöglichen Mitarbeitern mit Kindern, als Teilzeitkräfte zu arbeiten. 28 % bieten jungen Eltern die Möglichkeit, sich mit einem oder mehreren Kollegen eine Vollzeitstelle zu teilen.
Jedes vierte Unternehmen ermöglicht Mitarbeitern mit Kindern, vom heimischen Schreibtisch aus zu arbeiten.
Die Pressemitteilung mit den wichtigtsen Ergebnissen erhalten Sie hier.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 24. April 2007
… bei den Arbeitszeiten.
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete am vergangenen Wochenende über die Ergebnisse einer Untersuchung zum Thema ‚Total Work, Gender and Social Norms‚, die der Berliner Ökonom Michael Burda zusammen mit den Kollegen Daniel Hammersh (University of Texas) und Philippe Weil (Free University of Brussels) im März veröffentlicht hat.
In der Untersuchung ging es um die Frage der Aufteilung von Erwerbs- und Hausarbeit und der Zeiten, die für Schlaf und Freizeit aufgewendet werden. Das Ergebnis:
Männer und Frauen arbeiten, zumindest in den ‚reichen‘ Ländern gleich viel. Für die These von der Doppelbelastung der Frau fanden die Wissenschaftler zumindest in Deutschland, den Vereinigten Staaten und den Niederlanden keine Bestätigung. In Deutschland arbeiten die Männer acht Minuten kürzer, in Holland sieben Minuten länger und in Amerika vier Minuten länger als Frauen.
Die genauen Zahlen sind in der folgenden Grafik ersichtlich:

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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 23. April 2007
So lautet der Titel des ForumFamilie des Kölner Bündnisses für Familien am 16. Mai im historischen Kölner Rathaus.
‚Zeit und Familie‚ ist das Leitthema des Forums in diesem Jahr. Gemeint ist damit ein zeitpolitischer Ansatz, der das Verständnis der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erweitert und neben dem Blick auf die Betriebe auch ein Zeitmanagement im öffentlichen Raum in den Blick nimmt.
Die Veranstaltung beginnt um 9:30 Uhr und wird nach der Begrüßung durch den Bürgermeister von einem Beitrag von Prof. Dr. Wassilios Fthenakis zum Thema ‚Keine Zeit – keine Kinder – keine Zukunft‘ eröffnet.
In der sich anschließenden Workshopsession geht es im Forum 4 unter der Überschrift ‚Karriere, Acht Zylinder, Baum gepflanzt und kinderlos!‘ um das Thema ‚Männer im Zeugungsstreik – Vor- und Nachteile männlicher Kinderlosigkeit‘
Nach der Mittagspause haben aktive Mütter und Väter Gelegenheit, sich auf dem Podium mit den politisch Verantwortlichen der Stadt auseinanderzusetzen. Die Veranstaltung endet um 16:00 Uhr.
Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie hier.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 22. April 2007
Das Bundesfamilienministerium und die Bertelsmann-Stiftung haben eine Studie zur Berufstätigkeit von Müttern veröffentlicht.
Danach ist Deutschland in Europa weiter das Schlusslicht. Während hierzulande rund 44 Prozent der Mütter mit kleinen Kindern berufstätig sind, sind es zum Beispiel in Portugal, Österreich und Großbritannien mehr als 60 Prozent. Auch bei der Geburtenrate liegt Deutschland an letzter Stelle.
Die Studie kritisiert, dass das zweite Einkommen in einer Familie vergleichsweise hoch versteuert wird. Viele Frauen würden deshalb nur bis zu einer Grenze von 400 Euro arbeiten.
Quelle
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 20. April 2007
In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung präsentiert die Chefin von Allensbach, Renate Köhler Zahlenmaterial zur Akzeptanz der Pläne zum Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren und analysiert die familienpolitischen Leitsätze der vergangenen Jahrzehnte und kommt dabei zu einem für mich nicht überraschendem Schluss.
Die große Mehrheit verfolgt den leidenschaftlichen Glaubenskrieg mit gewisser Ratlosigkeit. 68 Prozent der gesamten Bevölkerung, 76 Prozent der Eltern von Kindern unter 6 Jahren können nicht verstehen, warum über den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur eine derart hitzige Kontroverse entbrannt ist.

Laut Köhler war die Familienpolitik der letzten Jahrzehnten durch eine polarisierende Betrachtung von Familie und Beruf gekennzeichnet. Weiterlesen »
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