Früher kam der Vater erst dann ins Spiel, wenn seine Kinder aus dem gröbsten raus waren. Es lag ja auch nahe: „Gerade in der ersten Lebensphase scheint das Kind eher mit der Mutter verbunden zu sein“, erläutert Reinhard Winter, Pädagoge und Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts in Tübingen (SOWIT). „Ziehen sich Väter dann zurück, treten sie in eine Falle.“
Das kann weitreichende Folgen haben: In den ersten Lebensjahren entwickeln Kinder das, was Psychologen Bindung nenne – eine enge und auf intensive Gefühle basierende Beziehung. „Das lässt sich später nicht nachholen“, erklärt Holger Simonszent, Psychologe in Gauting.
Eine solche Bindung kann ein Säugling zu Mutter und Vater entwickeln – vorausgesetzt, beide sind in dieser Lebensphase sehr präsent. Für berufstätige Väter jedoch ist das oft mit praktischen Hindernissen verbunden.
Die ersten Lebensmonate und -jahre des Kindes fallen häufig mit einer Zeit zusammen, in der der Vater beruflich stark belastet ist. Pausiert die Mutter einige Zeit in ihrem Job, ist der Druck noch höher. Da bleibt nicht viel Zeit für den Sohn. Wichtiger als die Häufigkeit sei aber die Qualität, sagt Simonszent. „Auch in kurzer Zeit lässt sich sehr viel Positives bewirken.“
Haben Väter in der Säuglingsphase ihres Kinder viel versäumt, können sie auch später noch eine funktionierende Beziehung aufbauen. „Eine gute Basis dafür sind feste Rituale, gemeinsame Wochenenden auch mal ohne Mama oder gemeinsame Hobbys“, rät Hans-Georg Nelles, Vorsitzender des Väter-Experten-Netzwerks in Düsseldorf (VEND-eV) vor.
Voraussetzung für das Engagement des Vaters ist, dass ihm die Mutter dafür genug Entfaltungsspielraum gibt und sich immer wieder zurücknimmt. „Im Säuglingsalter ist wichtig, dass sie ihm zutraut, die Fürsorge für das Kind zu übernehmen“, sagt Simonszent. „Und sie muss akzeptieren, dass ein Vater die Beziehung zu seinem Kind anders gestaltet als eine Mutter.“
Als Bezugsperson ist der Vater für Tochter und Sohn gleichermaßen unverzichtbar. Nur: Alle gemeinsamen Aktivitäten von Vater und Sohn helfen dem Kind, eine männliche Identität zu entwickeln. Hier hat der Vater also eine zusätzliche Funktion. Der Vater sei immer ein Vorbild für den Sohn, an dem er sich reiben und von dem er gleichzeitig lernen kann, sagt Nelles. Beim Rangeln mit dem Vater erfährt der Sohn die eigene Kraft. Mit ihm streitet, rivalisiert und konkurriert er.
„Daddy be cool“ist ein Projekt für Jungs ab der 7. Klasse rund um das Thema „wie wird das sein, wenn ich mal Vater bin“. Wenn Jungen zu ihrer Zukunft befragt werden, stellen sich viele eine Zukunft mit Familie und Kindern vor. Was aber bedeutet es, später mal Vater zu sein? An vier Nachmittagen wird sich spielerisch dem Themenfeld „aktive Vaterschaft“ genähert. Durch Haushaltsparcours, Vorlese Pate in der Kita, Kochschule und beim Babywickelkurs mit Experten gewinnen die Jungen einen Einblick in die Praxis und lernen Tipps und Kniffe. Ihre Kompetenzen werden reflektiert und anerkannt.
Modul 1 Haushaltsparcour – spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Haushaltsführung, Zukunftswerkstatt
Modul 2 Vorlese-Projekt Kita – Empathie, Kontakt mit Kindern in der Kita, Anerkennung, Wertschätzung
Modul 3 Kochprojekt – Haushalt und Versorgung
Modul 4 Babywickelkurs – Care & Pflege, Kooperation mit aktiven Vätern in Elternzeit & Männernetz Hessen
Wie macht man das eigentlich, in die Haut des eigenen Vaters zu schlüpfen? Der Schauspieler Götz George versucht es gerade in einem Dokudrama. Da geht es um Schuld und Verstrickung seines Vaters während der Nazizeit, und der Sohn versucht das nachzustellen.
Die 68er machten es ja bekanntlich anders: Sie rechneten mit ihren Vätern auf der Straße ab. Und heute? Sind viele Väter abwesend oder Greise in der Literatur.
In Yelkas Welt scheint eigentlich alles in Ordnung – bis die 29-Jährige eine erschütternde Entdeckung macht: Sie ist nicht die Tochter ihres vermeintlichen Papas, sie ist ein Kuckuckskind. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, erzählt Yelka. Ähnlich fühlt es sich auch für Miko an, nur die Rollen sind getauscht: Erst nach der Trennung von der Mutter des Kindes erfährt er, dass seine Vaterschaft nur auf dem Papier besteht.
„Als ich das Testergebnis in der Hand hatte, habe ich das immer noch nicht geglaubt. Erst ein paar Stunden später bin ich dann zusammengebrochen“, erinnert sich der Betrogene. Um solche verspätete traumatische Szenen im Vorfeld zu verhindern, sollte der Gesetzgeber die Hürden abbauen und jedem erlauben, sich testen zu lassen, erklärt Biologin Michaela Haas bei ML mona lisa.
Der Beitrag ist am Samstag, den 22. September 2012 um 18.00 Uhr bei ML mona lisa im ZDF zu sehen.
Rund 100 Menschen aus ganz Deutschland diskutierten beim 5. Väterkongress in Karlsruhe am 22. Juni 2012 darüber, ob die Entwicklung zu mehr Fremdbetreuung von Kindern tatsächlich familienfreundlich ist. Väter werden durch Elternzeit in die Familienarbeit eingebunden. Langfristig müsste aber eine Umverteilung der Familien und Erwerbsarbeit zwischen Müttern und Vätern stattfinden. Wie sind die Voraussetzungen – haben Väter überhaupt die Chance auf Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf?
Zu den Betreuungsangeboten gehört auch eine Umverteilung der Erwerbs- und Familienarbeit zwischen Müttern und Vätern. Wie kann gleichwertige Elternschaft auch nach einer Trennung und Scheidung umgesetzt werden? Die Doppelresidenz – also das Kind hat 2 Wohnungen, in denen es zu Hause ist – wurde als ein wesentlicher Schlüssel beschrieben.
Das Väterradio berichtet in seiner Septemberausgabe über den Kongress. Gäste der Sendung sind:
Prof. Dr. jur. Hildegund Sünderhauf-Kravets – Evangelische Hochschule Nürnberg, Fakultät für Sozialwissenschaften
Haushalte, in denen der Vater arbeitet und die Mutter zuhause bleibt, sind mittlerweile in der Schweiz in der Minderheit. Drei Viertel aller Mütter und fast alle Väter arbeiten heute. Dieser Spagat zwischen Beruf und Familie ist für junge Mütter und Väter anspruchsvoll. Gleichzeitig müssen Mütter und Väter heute verschiedensten Ansprüchen bezüglich Familienformen und Arbeitsteilung genügen. Unterstützungsangebote für Eltern sind aber noch gering. Darum lancierte die Stiftung Pro Juventute den ersten Elternratgeber der Stiftung zur Vereinbarkeit Familie und Beruf. Das Angebot richtet sich an werdende Eltern und Fachpersonen wie Mütterberaterinnen – und an Unternehmen.
«Eine nachhaltige Unterstützung von Familien gelingt, wenn sie sich ab der Schwangerschaft informieren können, wie sie das Familienleben angehen wollen», sagt Stéphanie Kebeiks, Leiterin der Pro Juventute Elternbriefe. Mit der Lancierung des Extrabriefs «Vereinbarkeit von Familie und Beruf» will Pro Juventute einen aktiven Beitrag zur Begegnung der Herausforderungen der heutigen Berufs- und Familienwelt leisten. Der Ratgeber unterstützt Eltern zu den Themen Erwerbsarbeit und Familienleben, zum Arbeitsrecht, zur familienergänzenden Betreuung oder zu Familienorganisation und Zeitmanagement.
«Die Thematik Familie und Beruf betrifft nicht nur die Eltern, sondern auch die Arbeitgeber», sagt Kebeiks. «Dieses Denken etabliert sich nun auch bei den Firmen.» Neben umfassenden Informationen dient das Angebot daher auch als Leitfaden für eine familienfreundliche Personalpolitik. Das wird für Unternehmen verstärkt zu einem Fokus. Denn: Eine Familie zu managen, verlangt Fähigkeiten wie Organisationstalent, Belastbarkeit, Flexibilität, Teamfähigkeit. Alles Voraussetzungen, die auch im Berufsleben sehr gefragt sind. Mütter und Väter sind ideale Arbeitskräfte und bedeuten ein Potenzial für Unternehmen. Leute, die Teilzeit arbeiten, sind in der Regel hoch motiviert.
Der Extrabrief „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ kann im Pro Juventute Shop bestellt werden.
Baytekin D. ist türkischstämmiger Deutscher, der mit 30 alles erreicht hatte, was er erreichen wollte: Eine Karriere als Ingenieur, eine glückliche Ehe mit einer Türkin und ein Wunschkind. Alles schien perfekt. Doch dann die Katastrophe: Seine Frau stirbt durch einen tragischen Unfall. Der gemeinsame Sohn Baycan ist gerade mal ein Jahr alt.
Für das Familienreferat des Landes Oberösterreich hat die Linzer Werbeagentur upart kürzlich eine Kampagne zum Thema „Väterkarenz“ kreiert. Unter dem Motto „Die neuen Väter sind ganz die alten, nur anders“, werden lässige Rollenbilder gezeigt, die zwar für ihren Nachwuchs sorgen, deshalb aber nicht ihre Männlichkeit verlieren. „Einerseits wollen sie einen engagierten Vater, andererseits einen coolen Hund“, so Günter Klinger, Creative Director upart. Demnach haben viele Männer trotz Vätermonaten und Emanzipation Probleme damit, Eigenschaften wie Fürsorglichkeit in ihr Männerbild zu integrieren.
Diese Thematik griffen die Linzer Kreativen auf und zeigen den Vater mit Baby-Fläschchen, ein anderes Mal mit einer Windel. „Wichtig ist uns, die Rolle des engagierten Vaters aus dem Softie-Eck zu holen“, so Daniel Frixeder, Geschäftsführer upart, „dafür haben wir uns für zwei Stilmittel entschieden. Die Überzeichnung und Selbstironie, besonders letztere steht jedem Mann gut an.“
Neben Anzeigen, Plakaten, Roll-up, Kinospot, Youtube-Video und Website gibt es eine Broschüre und eine Reihe von Veranstaltungen, in denen sich werdende und frisch gewordene Väter Tipps und Infos holen können.
Kinder zu haben ist für viele das größte Glück. Doch mit dem Nachwuchs beginnen auch schon die kleineren und größeren Sorgen: Sind die Kleinen gesund? Macht man bei der Erziehung alles richtig? Sind die Kinder allen gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen, die später einmal auf sie zukommen?
Das Apothekenmagazin “Baby und Familie” hat anlässlich seines 50. Geburtstags 524 Mütter und Väter in Deutschland von der GfK Marktforschung zu ihren größten Zukunftsängsten im Hinblick auf ihre Kinder befragen lassen. Das Ergebnis: Väter und Mütter fürchten sich am meisten davor, dass ihre Söhne oder Töchter Opfer von Kriminalität beziehungsweise von körperlicher oder sexueller Gewalt werden könnten (56,2 %).
Nahezu ebenso groß (54,0 %) ist die Angst, die Kinder könnten bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt werden. Für jeden Zweiten (48,0 %) zählt eine unheilbare Krankheit zu den größten Bedrohungen ihrer Kinder. Gut ein Drittel nannte auch die drohende Umweltzerstörung (36,3 %), eine spätere Arbeitslosigkeit der Kinder (36,2 %) sowie wirtschaftliche Notlagen (35,1 %). Drei von Zehn (28,4 %) fürchten, die Kinder könnten psychische Probleme bekommen, weil sie z. B. dem Leistungsdruck der Gesellschaft einfach nicht standhalten können.
Nur jeder Neunte ist relativ gelassen: 11,1 % der Mütter und Väter sagen, sie machten sich wegen keinem der aufgeführten Punkte Sorgen.
Aktuelle Forschungen aus den USA belegen, was wir in der Arbeitswelt so dringend bräuchten: Väter, die sich aktiv an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen und dadurch auch Frauen ein größeres Engagement im Job ermöglichen. Dass damit auch neue Probleme entstehen, versteht sich eigentlich von selbst. 1977 äußerten 35 % der arbeitenden Männer, dass sie ein Vereinbarkeitsproblem zwischen Familie und Karriere hätten. 2008 bejahten 60 % die entsprechende Frage.
Schwierigkeiten bei der Balance von Arbeit und Leben sind definitiv keine exklusive Angelegenheit der gestressten Mütter mehr, sondern vor allem auch der Männer. „Papa“ wird damit in den kommenden Jahren zu einer ‚prekären’ Rolle mit neuen Anforderungen. Das hat zur Folge, dass sich auch die Konsum-, Lebensstil- und Beratungsbedürfnisse der Männer deutlich verändern werden.
Im Jahr 2011, so fand das amerikanische Census Bureau heraus, kümmerten sich bereits 32 % der arbeitenden Männer, die mit arbeitenden Frauen zusammen leben, routinemäßig um ihre Kinder. Gegenüber dem Jahr 2002 bedeutet das einen Zuwachs fürsorglicher Väter von 6 %.
Bemerkenswert ist jedoch schon, dass fürsorgliche Väter signifikant robustere und glücklichere Kinder großziehen: Eine Analyse des Family Studies Center der Brigham Young University kam zu dem Ergebnis, dass „kümmernde“ und täglich präsente Väter deutlich angstfreieres Verhalten bei den Kindern zur Folge hat.
Die Väter profitieren aber offenbar auch von der neuen Rolle: Eine Studie der Ohio State University zeigt, dass mütterliche Väter in direktem Zusammenhang steht mit niedrigerer Betroffenheit bei Depressionen, Alkoholismus und Drogenmissbrauch. Zusätzlich erstaunlich: Das Ergebnis geht aus einer Untersuchung mit Vätern aus niedrigen Einkommensschichten hervor.