‚Das Verhältnis zu meinem Vater war nicht besonders innig’
Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. Januar 2009
Im Spiegel Online Interview mit Julia Jüttner äußert sich Matthias Brandt darüber, wie es ihm gelingt, ein guter Papa – und ein glücklicher Sohn zu sein, trotz der ‚schwierigen Kindheit’, die ihm nachgesagt wird.
‚SPIEGEL ONLINE: Herr Brandt, „Ich hab dich lieb“ – das sagen heute Millionen Väter ihren Kindern vor dem Schlafengehen, so wie Sie das jetzt im ARD-Film „Ein Sommer mit Paul“ sagen. In Ihrer Generation hätte ein solcher Satz wohl eher seltsam geklungen …
Brandt: Ja, weil es uns unangemessen erschienen wäre. Ich habe zu meinem Kind ein vollkommen anderes Verhältnis, als es meine Eltern zu mir hatten. Ich bin nach meiner Kinderzeit in eine andere Welt reingewachsen, als ich sie von Zuhause kannte. Den größeren Teil des Lebens wird der Mensch ja auch von anderen Menschen als von den Eltern geprägt.
SPIEGEL ONLINE: Die Beziehung zu Ihrem Vater Willy Brandt haben Sie mal als „herzlich sprachlos“ beschrieben. Konnte Ihre Mutter das distanzierte Verhältnis ausgleichen?
Brandt: Das Verhältnis zu meinem Vater war nicht besonders innig, aber ich habe das nie als Mangel empfunden. Er war so, wie er war und, wie alle Hochbegabten, ein sehr spezieller, auch schwieriger Mensch. Die angeblichen Probleme, die in diesem Zusammenhang immer thematisiert werden, werden von außen projiziert. …
SPIEGEL ONLINE: Vielleicht kommen Ihre Äußerungen, dass das Vater-Sohn-Verhältnis im Hause Brandt nicht so ideal war, auch bedeutungsschwerer daher als von Ihnen beabsichtigt.
Brandt: Nein, ich meine das schon so, weil es so war – aber es war eben nicht schlimm. Und es geht gar nicht exponiert um mich, sondern darum, dass dieser Fakt viele betrifft, die Eltern im Alter meiner Eltern haben. Diese Kriegs- und Nachkriegsgeneration war nicht sonderlich gesprächig oder extrovertiert. Insofern habe ich das nie als mein Problem empfunden, sondern eher als typisch für meine Generation und die meiner Eltern.
SPIEGEL ONLINE: Sie hatten seit Ihrem achten Lebensjahr Polizeischutz, mussten auf arrangierten Familienfotos lächeln, Politikergrößen saßen mit Ihnen am Esstisch. Worum beneiden Sie Kinder, die anders aufwachsen, wie Ihre Tochter beispielsweise?
Brandt: Ich habe meine Kindheit als überhaupt nicht belastend empfunden. Kinder sind viel pragmatischer, die stellen vieles nicht in Frage und machen das Beste daraus. …‘
Der Film ‚Ein Sommer mit Paul‘, in dem Matthias Brandt einen allein erziehenden Vater spielt, der sich nach dem Tod seiner Lebensgefährtin als Zauberkünstler durchs Leben schlägt, ist heute Abend um 20:15 Uhr, in der ARD zu sehen.
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