der VAETER.blog

lebe deinen Traum!

Archiv für die 'Vater werden' Kategorie

#VaeterSummitNRW – VATER SEIN … MACH WAS DU KANNST!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 26. Juni 2023

… was Väter können, was sie fürs Vatersein noch benötigen und was sie gemeinsam lernen können

Diese Fragen werden beim ersten VäterSummit in NRW am 26. August in Essen thematisiert. Am Vormittag wird Teresa Bücker, Journalistin und Autorin des Buchs ‚Alle Zeit‘ unter der Überschrift ‚Ist es radikal, wenn Väter sich mehr Zeit für die Familie nehmen?‘ ihre Gedanken und Vorschläge zu dem Thema formulieren. Eingerahmt wird ihr Beitrag durch Impulse ‚aus dem Väter-Leben‘ mit Comedian Florian Hacke. Moderiert wird der Väter von Sascha Verlan, Mitinitiator des ‚Equal Care Days‘

Inhaltlich geht es dann nach der Mittagspause mit einem BarCamp weiter. Die Väter können ihre Anliegen vorbringen und in zwei Runden gemeinsam mit anderen Vätern bearbeiten. Unterstützt werden sie dabei unter anderem Heiner Fischer (www.vaterwelten.de), Hans-Georg Nelles (www.lag-vaeterarbeit.nrw) und Sascha Verlan.

Für die Kinder gibt es den ganzen Tag spannende Spiel und Bastelangebote.

Der #VaeterSummitNRW wird von der LAG Väterarbeit NRW gemeinsam mit den Gleichstellungsstellen in Bonn, Dortmund, Essen und Münster veranstaltet und richtet sich an Väter mit ihren Kindern sowie an Väterarbeit interessierte Fachkräfte. Weitere Informationen und eine Anmeldemöglichkeit zur Veranstaltung am 26. August finden Sie hier.

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Kinder, Partnerschaft, Rolllenbilder, Vater werden | Keine Kommentare »

Kinder machen Väter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. Juni 2023

Vom 16. Mai bis zum 14. Juni zeigte die LAG Väterarbeit NRW in der Zentralbibliothek in Düsseldorf Schwarz-Weiß-Fotografien von Vätern und ihren Kindern. Martin Moog, Fotograf aus Frankfurt, der seit knapp 20 Jahren als ‚Tagesvater‘ arbeitet, hat Väter mit ihren Kindern und Männer, die in verschiedenen Situationen für Kinder Verantwortung übernommen haben, porträtiert. Seine Fotografien zeichnen ein Bild davon, wie ‚engagierte Vaterschaft‘ aussehen kann und welche Zufriedenheit Männer und Kinder in dieser Zweisamkeit ausstrahlen.

Das Selbstverständnis von Vätern sowie die Zuschreibungen und Erwartungen an sie sind seit Jahrzehnten im Wandel. Väter wollen gute Väter sein, von Anfang an für ihre Kinder da sein, ihre Entwicklung aktiv begleiten, es besser machen als ihre eigenen, vielfach abwesenden Väter.
Im Alltag fällt es ihnen, auch aufgrund von unpassenden Rahmenbedingungen, schwer, diese Vorstellungen zu leben. Die Bilder sind auch eine Ermutigung, diese Wünsche nicht vorschnell aufzugeben.

Konfrontiert und ergänzt wurden die Fotografien mit Aussagen von Vätern sowie Zahlen und Fakten zu den vielfältigen Lebenswirklichkeiten von Vätern in NRW.

Eröffnet wurde die Ausstellung am Dienstag, den 16. Mai mit einer Lesung von Tillmann Prüfer, Autor des Buchs ‚Vatersein, Warum wir mehr denn je neue Väter brauchen‘ und der Zeit Kolumne ‚Prüfers Töchter‘ Im Gespräch mit dem Vorsitzenden der LAG-Väterarbeit, Hans-Georg Nelles hat er unter anderem die Geschichte der existierenden ‚Väterbilder‘ skizziert und dargelegt, dass es nur eine Person auf der Welt gibt, die einem Mann beibringen kann, wie gutes Vatersein geht: … das eigene Kind.

Zuvor hatte Norbert Kamp, Leiter der Bibliotheken in Düsseldorf, in seinem Grußwort auf die Aktualität und gesellschaftliche Bedeutung des ‚Väterthemas‘ hingewiesen und Martin Moog etwas zur Idee und Entstehungsgeschichte der Fotografien erzählt. Der Ort der Ausstellung, der ‚Freiraum‘ befindet sich im Eingangsbereich der Zentralbibliothek gegenüber der Düsseldorfer Hauptbahnhofs. Pro Monat hat die Bücherei etwa 100.000 Besucher.

Zum Abschluss der Ausstellung gab es am 12. Juni eine Finissage mit Fabian Soethof. „Väter können das auch!“, der Titel des Buchs von Fabian Soethof ist eine klare Ansage. Es ist wirklich Zeit, Familie gleichberechtigt zu leben. Die Fragen und Zweifel, die in dem Zusammenhang auftauchen drehen sich eher um das Wollen und Dürfen. Das wurde auch bei dem Talk und im Gespräch mit den Zuhörenden deutlich

Väter und Mütter wollen raus aus den traditionellen Mustern, Erwartungen und Klischeefallen, das Vater- und Elternsein anders gestalten als die eigenen Eltern. Das ist eine große Chance, aber auch eine Herausforderung, die nicht nur aus unpassenden strukturellen Rahmenbedingungen besteht.

Fabian Soethof begleitet seine Leser:innen bei den anstrengenden und verunsichernden Prozessen, Gewohntes in Frage zu stellen und eigene Vorstellungen von Mann- und Vatersein auf den Prüfstand zu stellen. Gleichzeitig inspiriert und ermutigt er Väter und Mütter, miteinander neue Wege zu gehen.

Als die drei wichtigsten Punkte auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung benannte er:

  1. Privilegien, patriarchale Strukturen, Rollenbilder und Ungerechtigkeiten erkennen: Nur wer weiß, wie vergleichsweise gut er oder sie es hat, kann dafür sorgen, dass es anderen auch mal besser geht.
  2. Es gibt kein Wissens-, sondern ein Handlungsdefizit: Fast alles, was in meinem Buch steht, ist seit Jahren bekannt. Theoretisch steht Gleichberechtigung also nichts mehr im Wege – praktisch unter anderem das, was ich auf die erste Frage hin antwortete.
  3. Das Private ist politisch (und umgekehrt): Nur wer Gleichberechtigung selbstverständlich in der Familie und von dort hinaus vorlebt, kann zu einem Rollenwandel beitragen. Und nur, wer von Politik und Wirtschaft dabei hinreichend unterstützt wird, kann sein Privatleben ändern.

Da es während der Ausstellung schon Fragen danach gab: die Ausstellung kann ausgeliehen und an anderen Orten gezeigt werden. Nachfragen können Sie gerne an die LAG-Väterarbeit stellen, die Ihr Vorhaben in NRW gerne unterstützt.

Quelle

Abgelegt unter Rolllenbilder, Vater werden, Väterbilder | Keine Kommentare »

Referentenentwurf zur Vaterschaftsfreistellung ist fertig

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 1. April 2023

… und liegt der Redaktion des ARD Hauptstadtstudios ‚exklusiv‘ vor. Das meldet der Sender gestern Nachmittag und titelt mit der Überschrift „Gesetzentwurf Sonderurlaub nach Geburt des Kindes“ Bundesfamilienministerin Lisa Paus wolle mit dem „Familienstartzeitgesetz“ eine gerechtere Verteilung der Kinderbetreuung und Hausarbeit stärken. Der Partner oder die Partnerin der entbindenden Person soll künftig zwei Wochen nach der Geburt bezahlt freigestellt werden. Finanziert werden soll die Freistellung durch eine Umlage analog zur Mutterschaftsfreistellung sechs Wochen vor und acht nach der Geburt. Über die Höhe der Lohnersatzleistung wird in dem Beitrag nichts gesagt.

Bereits im Dezember 2021 habe ich in einem Interview Stellung zu den ‚kritischen‘ Punkten dieses Vorhabens, dass nach EU Recht auch in Deutschland schon längst gängige Praxis sein müsste, Stellung bezogen.

Wo könnte es Herausforderungen oder Stolpersteine bei der Umsetzung geben?

… Eine Herausforderung ist sicherlich die Finanzierung. Wenn diese jedoch analog zum Mutterschaftsgeld organisiert, also in einem Umlageverfahren durch alle Arbeitgebenden finanziert wird, sehe ich an dieser Stelle keine großen finanziellen Belastungen auf die durch Corona strapazierte Staatskasse und einzelne Arbeitgebende zukommen.
Zufriedene Väter sind ein Gewinn für jeden Betrieb und die Kompetenzen, die sie durch ihr Engagement in Familie erwerben, gleichen die Kosten für die Umlage sehr schnell wieder aus.

Sind zwei Wochen bezahlter Urlaub für das zweite Elternteil genug, um eine Bindung zum Neugeborenen aufzubauen?

Die zwei Wochen bezahlte Freistellung sind meines Erachtens kein ‚Urlaub‘ im landläufigen Sinn. Sie ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg ins Vatersein, nach der Geburt hat jeder neuer Vater die Möglichkeit, seine Partnerin in der Zeit des Wochenbetts zu unterstützen und eine Beziehung zu seinem Kind aufzubauen. Für eine sichere Bindung sind zwei Wochen eine zu kurze Zeit, aber es geht um einen guten Einstieg und die gesellschaftliche Zuschreibung ‚Mann du kannst ein guter Vater sein und du bist bedeutsam für die Entwicklung deines Kindes‘.

Wie viele Elterngeldmonate für Paare würden Sie sich wünschen? Wie viel bezahlte Freistellung beider Elternteile ist Ihrer Meinung nach nötig?

Bislang gibt es ja 14 Elterngeldmonate, die nach dem Muster 12 plus 2 konstruiert sind und durch Regelungen wie ‚Elterngeld-Plus Monate‘ und dem ‚Partnerschaftsbonus‘ auf bis zu 28 bezahlte Monate Elternzeit ausgedehnt werden können. Die Regelungen sind kompliziert, auch wenn in der Corona Zeit schon einiges vereinfacht worden ist.

Ich würde mir wünschen, dass es für Väter und Mütter jeweils 8 reservierte Elterngeldmonate gibt und dass es weitere 8 bezahlte Monate gibt, die flexibel bis zum Schuleintritt des Kindes eingesetzt werden können. Damit würde ein klares Signal dafür gesetzt, dass Väter und Mütter gleichermaßen für ihre Kinder verantwortlich sind und die damit verbundenen Aufgaben und Arbeiten von Anfang an partnerschaftlich aufgeteilt werden können.

Die weiteren acht Monate bieten den Eltern dann die Möglichkeit sich nach Bedarf und flexibel Zeit für die Kinder zu nehmen, wenn sie gebraucht wird. Neben dem Geld spielt die Zeit, die Väter und Mütter einsetzen können eine große Rolle.
Dazu kommt noch die Infrastruktur, also zum Beispiel die qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungsangebote, die in ausreichender Zahl und mit passenden Öffnungszeiten wohnungsnah zur Verfügung stehen.

Gibt es etwas anders, was Sie sich hinsichtlich der Elternzeit-/Elterngeldregelung wünschen würden?

Ja, ich wünsche mir, dass das Engagement von Vätern für ihre Familie und insbesondere für ihre Beteiligung an der Erziehung ihrer Kinder nicht als ‚Ergänzung‘ oder ‚Unterstützung‘ der Leistungen der Mütter betrachtet werden sondern als genauso notwendig wie selbstverständlich. Und zwar von Anfang an und nicht nach dem Motto ‚krabbeln lerne ich bei Mama, laufen dann bei Papa‘.

Damit das Wirklichkeit werden kann, braucht es, quasi als notwendige Bedingung, gute gesetzliche Regelungen zu Elterngeld und Elternzeit, aber auch passende strukturelle Rahmenbedingungen wie Arbeitszeitregelungen und Kinderbetreuungsangebote.

Damit es hinreicht, sind aber auch Haltungen erforderlich, die Vätern von Anfang an, also schon lange vor der Geburt, Kompetenzen zuschreiben und ihnen von Geburt an Möglichkeiten geben, diese zu erwerben und weiterzuentwickeln.

In diesem komplexen Gebilde sind die zwei Wochen Vaterschaftsfreistellung ein ganz wichtiger Baustein.

Quelle

Abgelegt unter Elternzeit, Politik, Rolllenbilder, Vater werden | Keine Kommentare »

Kurze Anmerkungen zur Bindungssicherheit von Vätern

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 14. März 2023

… Die Tatsache, dass die Mutter ihrem Kind am Anfang seines Lebens körperlich näher ist als der Vater, vermindert dessen Fähigkeiten bei der Betreuung und Versorgung seiner Kinder nicht. In Stresssituationen gilt der ‚hinreichend gute‘ Vater nach der Mutter als wichtigste Bindungsperson für das Kind und gibt dem Kind ebenfalls das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Die Bindungssicherheit, die Kinder an ihre Väter entwickelt haben. Ist recht stabil. Eine Längsschnittstudie an 112 Vätern und ihren Kindern, die im Alter von 13 Monaten und 3 Jahren untersucht worden waren, zeigte nicht nur eine hohe Stabilität über diesen Zeitraum, sondern auch, dass die Bindungssicherheit der Kinder mit einer langfristigen Zunahme der väterlichen Feinfühligkeit verbunden war – sicher Kinder sind also eine gute Entwicklungschance für Väter!

Inge Seiffge-Krenke, Väter, Männer und kindliche Entwicklung, Mainz 2015, S.15

Quelle

Abgelegt unter Geburt, Gender, Vater werden | Keine Kommentare »

Werden Großväter ‚neue Väter‘?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 10. März 2023

In dieser Studie aus dem Jahr 2010 untersuchten Penny Sorensena und Neil J. Coopera, wie 14 Großväter, die in einem ländlichen Gebiet im Osten Englands leben, ihr Großvatersein und -werden verstehen. Mit den Großvätern wurden locker strukturierte Interviews geführt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, über die Themen zu sprechen, die sie für wichtig hielten. Mit Hilfe der ‚Grounded-Theory‘ wurde die Großvaterschaft in den Lebensgeschichten der Teilnehmer verortet, wobei drei Hauptelemente im Vordergrund standen: das Mann-Werden, die Aufrechterhaltung der Männlichkeit während der Vaterschaft und die potenzielle Neupositionierung der Männlichkeit als Großvater. Diese Studie zeigt, dass die Großvaterschaft vor allem eine individuelle Erfahrung ist.

Zu Beginn der Studie stellen die Autor*innen die bisherige Forschungslage dar. Großelternschaft hat ihrer Auffassung nach in der Forschung einige Aufmerksamkeit erregt, aber ältere Menschen in Familien wurden tendenziell stereotypisiert oder übersehen und bei der Untersuchung von Großeltern bedeutet der Begriff „Großeltern“ meist „Großmutter. Ältere Männer erden als unsichtbare Männer beschrieben, die in der Forschung häufig vernachlässigt werden.

Die frühe Forschung zur Großelternschaft verknüpfte die Großmutterschaft mit geschlechtsspezifischen Betreuungsaufgaben und positionierte Großväter als Randfiguren. Eine Studie über Familien in East London aus dem Jahr 1957 lieferte einige der ersten Erkenntnisse über die Beziehungen zwischen Rentnern und ihren Kindern, zeigte aber insbesondere die Bedeutung der Mutter-Tochter-Beziehung auf, insbesondere den gegenseitigen Austausch bei häuslichen und pflegerischen Tätigkeiten.

Mit dem Wandel der Familienstrukturen und dem Eintritt von mehr Frauen in den Beruf wird der potenzielle Wert von Großeltern in der britischen Politik zunehmend anerkannt. Dementsprechend hat die Forschung zur Großelternschaft zugenommen, wobei anerkannt wird, dass sie routinemäßige Unterstützung bei der Kinderbetreuung und Hilfe in Krisenzeiten, z. B. bei Beziehungsabbrüchen, leisten.

In dem politischen Diskurs wird nach wie vor davon ausgegangen, dass Großmütter oder geschlechtsneutrale „Großeltern“ an der Familienbetreuung beteiligt sind. Diese Position wird von der zeitgenössischen Forschung geteilt, die an den traditionellen Erwartungen an Frauen als „Angehörigenpflegerinnen“ festhält, die für die Aufrechterhaltung von Familienbeziehungen über den gesamten Lebensverlauf hinweg von zentraler Bedeutung sind.
Es wird davon ausgegangen, dass diese Identitätsnorm das Engagement von Großmüttern für ihre Enkelkinder fördert. Im Gegensatz dazu war für viele Männer, die Großväter sind, die Arbeit die Grundlage ihrer Identität, und männliche Berufe schlossen Betreuungsarbeit aus, insbesondere für die Generation, die in den 1950er und 1960er Jahren ins Berufsleben eintrat. Ohne Erfahrung in der Pflegearbeit können ältere Männer in der Familienforschung ins Abseits geraten.

In einer US-amerikanischen Arbeit über Großelternschaft wurden 1964 fünf verschiedene Stile der Großelternschaft entwickelt: formell; spaßsuchend; Reservoir der Familienweisheit; distanzierte Figur; und Elternersatz. Die „formelle“ Rolle wurde von etwa einem Drittel der Großväter und Großmütter eingenommen, die sich an das hielten, was sie als „richtige“ Bindung ansahen, während sie eine Trennung zwischen Elternschaft und Großelternschaft aufrechterhielten. Die Rolle des Vergnügungsträgers, die als Freizeitbeschäftigung und Quelle des Selbstgenusses charakterisiert wird, wurde von 24 % der Großväter und 29 % der Großmütter eingenommen. Die Rolle des Reservoirs der Familienweisheit wurde von 6 % der Großväter und 1 % der Großmütter eingenommen. Die Rolle der distanzierten Figur, die wenig soziales oder emotionales Engagement für die Enkelkinder beinhaltet, wurde von 29 % der Großväter gegenüber 19 % der Großmütter angegeben. Während 14 % der Großmütter eine elterliche Betreuungsrolle übernahmen, waren keine Großväter in dieser Funktion zu finden.

20 Jahre später fanden weitere Studien heraus, dass Großmütter sich stärker engagierten, wenn die Enkelkinder noch klein waren, während das Engagement der Männer mit zunehmendem Alter der Kinder zunahm. Und, dass Großväter den Wunsch nach einer kontinuierlichen Beziehung zu ihren Enkelkindern haben und ein starkes emotionales Engagement zeigen. Großväter üben ihre Großelternschaft auf individuelle Weise aus und vermischen ihre Rollen oft.
Sich für die Familie einzusetzen und zu ihrem Wohlergehen beizutragen, kann auch als generative Tätigkeit betrachtet werden. Männer und Frauen können nach Abschluss der Erziehung der eigenen Kinder Aspekte ihrer selbst, die sie verdrängt haben, zurückgewinnen. Insbesondere Männer, die für die elterliche Rolle als Ernährer und Verteidiger der Familie ihre fürsorglichen Züge aufgegeben haben, können nach dem Wegfall der elterlichen Verantwortung diese Eigenschaften zurückgewinnen und beginnen, „Sinnlichkeit, Zugehörigkeit und mütterliche Tendenzen“ zu zeigen.

„Als Mann hatte man nicht wirklich viel mit seinen Kindern zu tun, man musste es auch nicht. Das hat nur deine Frau gemacht. Es war nicht so wie heute, wo alles aufgeteilt werden muss und jeder zuerst darüber spricht und all das. Die Kinder waren ihr Ding.“

Als Ergebnis der 14 Interviews halten die Autor*innen fest, dass die Gespräche über die Großvaterschaft mit denen über die Kindheit und die Vaterschaft einhergingen. Die eigenen Kindheitserfahrungen beeinflusste die Art von Vätern, die die Männer wurden, und diese wiederum beeinflusste die Art von Großvätern, die sie wurden.
Der historische Kontext, Zweite Weltkrieg und Wehrdienst, prägte die Karrierewege vieler Männer, aber auch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in den Familien machte sie zu Ernährern. Die Erwerbsarbeit war ein zentrales Element ihrer männlichen und väterlichen Identitäten. Als Ernährer beschrieben sie, dass sie durch die Geburt von Kindern länger arbeiten mussten, was bedeutete, dass sie weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen konnten. Die Vaterschaft wurde zwar als positiv beschrieben, sie hatten aber nicht so viel mit den Kindern zu tun, da die Mutter die zentrale Familienfigur war.

Die Mehrheit der Männer betrachtete die Großvaterschaft als eine Gelegenheit, neue und enge Beziehungen zu den Kindern in der Familie aufzubauen. Der Verwandtschaft spielte dabei keine Rolle, es wurden keine Unterschiede zwischen Stiefenkeln und leiblichen Enkeln gemacht. Diese Männer waren nicht die in der 1980er Jahren beschriebenen „distanzierten Großvaterfiguren“. Vielmehr waren sie aktive Mitgestalter von Beziehungen, und diese Rolle war von zentraler Bedeutung für ihre Selbstidentität.
Enkelkinder, insbesondere Enkel, ermöglichten den Männern einen Zugang zur Emotionalität und schufen eine Nähe, die sie mit ihren Kindern nur selten erlebt hatten. Während väterliche Identitäten sozial und historisch konstruiert sind und entsprechende Vorstellungen davon haben, wie „gute Vaterschaft“ ausgeübt wird, scheint Großvaterschaft stärker individualisiert zu sein. Großvaterschaft bietet einen „Spielraum“ bei der Schaffung neuer männlicher Identitäten innerhalb der Familie.

Diese Studie zeigt die Bedeutung des Vaters als Versorger im Leben von Männern, die jetzt Großväter sind. Sorensena und Coopera halten es für wahrscheinlich, dass die heutigen Väter, die sich mit der Erwartung des engagierten Vaters auseinandersetzen, die Großvaterschaft anders umsetzen und erleben als ihre Väter. Die Teilnehmer dieser Studie beschrieben, dass sie als Väter ein Leben am Rande ihrer Familien führten, was es ihnen erschwerte, aktiv an den Alltagserfahrungen ihrer Kinder teilzuhaben. Als Großväter waren diese Männer im Leben ihrer Enkelkinder präsent und nahmen diese Rolle mit Begeisterung an. Im Gegenzug beeinflussten die Enkelkinder das Leben der Männer, indem sie eine Quelle demonstrativer Emotionalität einbrachten, die ihnen in ihrer Erfahrung als Väter fehlte.

Quelle

Abgelegt unter Rolllenbilder, Vater werden | Keine Kommentare »

Es geht nicht darum, ein Teenager zu sein, es geht um die Mutterschaft

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. März 2023

In der dritten Ausgabe der monatlichen Webinar-Reihe begrüßt das Team von „Following Young Father’s Further“ Dr. Aniela Wenham und Judith Cork, um ihre Forschungen mit jungen Müttern zu diskutieren.

„Es geht nicht darum, ein Teenager zu sein, es geht um die Mutterschaft.“ Das „Problem“ der jungen Mutterschaft neu formulieren.

Judith Cork (Koordinatorin des Programms für junge Eltern, Romsey Mill) ist seit mehr als 20 Jahren in der Jugendarbeit tätig und arbeitet seit 2009 in Romsey Mill, insbesondere mit jungen Eltern. Romsey Mill arbeitet sowohl mit jungen Müttern als auch mit jungen Vätern und bietet ein breites Spektrum an Unterstützung in Einzel- und Gruppensettings. Romsey Mill ist auch vom Cambridgeshire County Council beauftragt, die Unterstützung für junge Eltern in der gesamten Grafschaft zu koordinieren. Inspiriert durch ihre Unterstützungsarbeit führte Judiths Wunsch, Veränderungen für Familien auf systemischer oder gesellschaftlicher Ebene herbeizuführen, dazu, dass sie ein Teilzeitstudium der Gemeindepsychologie an der Universität Brighton absolvierte.

Die Präsentation gibt Einblicke in ein Forschungsprojekt, das untersucht, wie junge Mütter in der heutigen englischen Gesellschaft konstruiert sind. Mithilfe der kreativen Methode des Photovoice wurden von ehemaligen jungen Müttern aufgenommene Fotos mit Bildunterschriften erstellt, die in Online-Fokusgruppen mit Hebammen und jungen Müttern diskutiert und anschließend in einer öffentlichen Online-Ausstellung mit einer begleitenden qualitativen Umfrage gezeigt wurden.

Die Ergebnisse der Studie stellen negative Stereotypen über junge Mütter in Frage, und in dieser Präsentation wird argumentiert, dass defizitorientierte Diskurse über „problematische“ junge Mütter durch einen neuen Diskurs ersetzt werden sollten, der junge Mütter als Mütter identifiziert, die eher Empathie und Verständnis als Kritik und Sanktionen verdienen.

Anmeldung unter https://www.eventbrite.co.uk/e/researching-with-young-mothers-tickets-560353019967

Quelle

Abgelegt unter Gender, Mütter, Vater werden | Keine Kommentare »

‚THINK DAD! A Father-inclusive Toolkit for Professionals‘

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 24. Februar 2023

Am 20. Februar 2023 haben das Following Young Fathers Further-Team und die North East Young Dads and Lads (NEDYL) das „Think Dad! Vorgestellt. Das Toolkit wurde gemeinsam mit jungen Vätern entwickelt und richtet sich an Fachkräfte und Dienste, die ihre Arbeit mit jungen Vätern (bis 25 Jahre) verbessern wollen. 

Dieses interaktive Toolkit enthält Ressourcen, Aktivitäten und Ratschläge, wie Sie väterintegrative Ansätze in der Praxis anwenden können, die sowohl Müttern und Kindern als auch Vätern zugute kommen. Das Toolkit stellt die Stimmen und Erfahrungen junger Väter in den Vordergrund und bietet darüber hinaus Anleitungen für eine bessere Unterstützung von Vätern im Allgemeinen. 

Dieses Toolkit wurde von North East Young Dads and Lads mit Unterstützung des Forschungsteams Following Young Fathers Further der Universität Lincoln entwickelt. Dem Co-Creation-Team gehörten die jungen Väter und Peer-Forscher Robert Oughton und Jordan Richardson von North East Young Dads and Lads an, die sich beide für die Verbesserung der Elternschaft und der Unterstützungserfahrungen junger Männer engagieren, die in jungen Jahren Eltern werden.

NEYDL ist ein einzigartiger Jugendhilfedienst, der jungen Männern und jungen Vätern helfen will, eine aktive und sinnvolle Rolle im Leben ihrer Kinder, in der Familie und in der Gesellschaft zu spielen. Das Projekt „Following Young Fathers Further“ (FYFF), das vom UKRI Future Leaders Fellowship Scheme finanziert wird, ist eine vierjährige qualitative Längsschnittstudie an der Universität Lincoln, die den Erziehungsverlauf und den Unterstützungsbedarf junger Väter (unter 25 Jahren) untersucht. 

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Vater werden | Keine Kommentare »

Glückwunsch und echt großartig, dass du so jung Vater geworden bist!

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 13. Februar 2023

… dass bekommen jugendliche Väter eher selten zu hören. Eine Vaterschaft in ihrem Alter wird als riskant und unverantwortlich betrachtet. Ohne abgeschlossene Ausbildung und vielfach in prekären Lebensverhältnissen Vater zu werden gehört sich nicht. Wenn schon Sex, dann bitte mit Verhütung.

Jugendliche Väter werden beschämt und ihre Vaterschaft wird problematisiert, gesellschaftlich anerkannte positive Bilder existieren nicht. Das war und ist die Ausgangslage des Verbundprojekts ‚… jugendliche Väter im Blick‘.
Die Projekte in Osnabrück, Rheydt und Düsseldorf machen jungen Männern niedrigschwellige Angebote und tragen dazu bei, dass die jungen Väter von bestehenden Hilfsangeboten erreicht werden und ihre Ressourcen für ihre Kinder einsetzen können. Gleichzeitig wird eine gesellschaftliche Debatte zur Bedeutung jugendlicher Väter angestoßen

Bei dieser Fachtagung werden die beiden Keynote Speakerinnen, Dr. Kim Bräuer und Prof. Anna Tarrant zunächst ihre aus wissenschaftlicher Perspektive und praktischen Erfahrungen mit jugendlichen Vätern gespeiste Expertise vortragen.

In den vier Workshops am Nachmittag haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich mit den in verschiedenen Projekten gemachten Erfahrungen insbesondere mit dem Blick auf die Zugänge zu und die Erreichbarkeit von jungen Vätern auseinanderzusetzen und neue Ansätze kennenzulernen.

… jetzt anmelden

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Geburt, Jugend, Vater werden | Keine Kommentare »

Maenner.ch startet Plattform zur Geburtsvorbereitung

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 7. Februar 2023

Niudad.ch will Männer auf ihre neue Rolle als Vater vorbereiten. 

Vatercrashkurse, Tests und Checklisten – die neue Plattform Niudad.ch soll werdenden Vätern dabei helfen, sich auf ihre neue Rolle vorzubereiten. Wie der Dachverband der Schweizer Männer- und Vaterorganisationen Männer.ch in einer Mitteilung schreibt, starte der Schweizer Durchschnittsmann bislang mit wenig Wissen, Vorbildern und Vernetzung ins Abenteuer Vaterschaft– so auch Metin (36). .

‚Für werdende Väter gibt es kaum Angebote und Ressourcen‘

Er wurde letztes Jahr Vater von Zwillingen. ‚Die ersten Wochen waren sehr anspruchsvoll.‘ Vor der Geburt seiner Söhne habe er sich nicht vorstellen können, was es brauche, um ein engagierter Vater zu sein, und was man bei der Kindererziehung alles beachten müsse. ‚Für werdende Väter gibt es kaum Angebote und Ressourcen. Alles, was ich damals gefunden habe, war zu Finanzen und Versicherungen, nicht zum Vatersein selbst.‘ Wie er sagt, wusste er während der Schwangerschaft seiner Partnerin nicht, wohin mit seinen Fragen. ‚Ich habe in meinem näheren Umfeld nicht viele Freundinnen und Freunde, die Eltern sind.‘ Einige Informationen habe er sich online zusammengesucht.

‚Viele haben Mühe damit, über ihre Ängste und Fragen zu sprechen‘

‚Es ist heute immer noch so, dass sich Frauen viel stärker aufs Elternsein vorbereiten als Männer‘, sagt Thomas Neumeyer, Leiter Kommunikation von Männer.ch. Regelmäßige Arztbesuche und Beratungen der werdenden Mutter seien Gründe dafür. Zudem sei ein Großteil der zur Verfügung stehenden Literatur zu Kind und Geburt auf Frauen ausgerichtet.

Jungen Männern fehle es hingegen oftmals an Gelegenheiten, sich über die zukünftige Rolle auszutauschen. ‚Auch haben viele Männer Mühe damit, über ihre Ängste und Fragen zu sprechen.‘ Diese würden vielfach einfach totgeschwiegen. ‚Das muss sich ändern.‘

Mit der Plattform Niudad.ch wollen Neumeyer und sein Team deshalb den Austausch unter neuen Vätern aktiv fördern und ihnen in Kursen und Beratungen die Möglichkeit geben, von den Erfahrungen anderer zu profitieren. 

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Vater werden | Keine Kommentare »

Verständnisvoller Spielkamerad statt abwesender Ernährer

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Februar 2023

Studie der TU Braunschweig und FH Kiel gibt Einblicke in Selbstbild und Selbstverständnis von Vätern

Wie nehmen Väter sich selbst und ihre Familie wahr? Haben sie Probleme, Vaterschaft und Berufstätigkeit zu vereinbaren? Wie sieht es mit der Geschlechtergerechtigkeit und der Arbeitsorganisation im Familienalltag aus? Diese und andere Fragen untersuchten Sozialwissenschafter*innen der Technischen Universität Braunschweig und der Fachhochschule Kiel in ihrer Studie „VAPRO – You don’t need to be Superheroes“.

(c) Kim Bräuer

Die Rolle von Vätern ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den gesellschaftlichen Fokus gerückt. Debatten wie #dazuhatpapanichtszusagen, Diskussionen um einen 14-tägigen Vaterschutz und nicht zuletzt die Erweiterung der Elternzeit um zwei Vätermonate spiegeln diese Entwicklung wider. „Trotz der vermehrten Diskussion um die Rolle von Vätern ist diese seit einigen Jahren nicht mehr umfassend wissenschaftlich untersucht worden. Diese Lücke wollten wir mit unserer Studie schließen“, erklärt Projektleiterin Dr. Kim Bräuer von der TU Braunschweig. Im Rahmen der VAPRO-Studie befragte das Team um Bräuer und Prof. Dr. Kai Marquardsen von der Fachhochschule Kiel 2.200 Väter online und führten 55 qualitative Interviews. Dabei berücksichtigten sie neben rechtlichen und biologischen Vätern auch Pflegeväter, Väter in Co-Parenting-Konstellationen und homosexuelle Väterpaare. Außerdem wurden nicht nur die Männer selbst befragt, sondern auch die (Eigen-)Darstellung von Vaterschaft in sozialen Medien analysiert.

Das Bild vom Vater, der mit seinem Einkommen die Familie ernährt und mit den Kindern höchstens am Wochenende spielt, ist passé. Tatsächlich ist es Vätern heute vor allem wichtig, ihre Kinder „empathisch und verständnisvoll“ zu erziehen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der VAPRO-Studie. Das Ideal des emotionalen Vaters ist weit verbreitet. So ist es fast 60 Prozent der Väter am wichtigsten, dass sie ihrem Kind bzw. ihren Kindern Zuneigung zeigen. Der Trend zu vermehrter aktiver Vaterschaft sei klar erkennbar, so die Wissenschaftler*innen. Dabei engagieren sich die Väter am häufigsten in der Kinderbetreuung, indem sie zum Beispiel mit den Kindern spielen. Deutlich seltener übernehmen die Väter aktive Erziehungsmaßnahmen.

Das Bild vom Vater als Ernährer dominiert nicht mehr

Ein Großteil der befragten Väter hat sich von dem Bild des Vaters als Ernährer gelöst. Nur rund 12 Prozent von ihnen halten es für ihre wichtigste Aufgabe, der Familie finanzielle Sicherheit zu bieten. „Die von uns befragten Väter haben angegeben, dass ihnen monetäre Werte nicht so wichtig seien, wie soziale oder emotionale Werte“, erklärt Prof. Dr. Kai Marquardsen. In diesem Zusammenhang kritisierten viele der Interviewten ihre eigenen Väter unter anderem als „zu bestimmend“, als „abwesend“ und „mit der Arbeit zu beschäftigt“. Sie nutzen ihre Väter als „negatives Vorbild“ und betonen, dass sie selbst als Vater bewusst anders handeln würden.

Dennoch sind fast 85 Prozent der Väter wöchentlich 40 Stunden oder mehr erwerbstätig, während fast drei Viertel der anderen Elternteile nicht oder maximal 30 Stunden in der Woche arbeiten. Trotzdem nimmt fast jeder zweite Vater an, dass er sich genauso viel um familiäre Angelegenheiten der Kinderbetreuung kümmert, wie der andere Elternteil. Lediglich jeder zehnte Vater übernimmt die meisten Aufgaben der Familienarbeit. Dies sind vor allem Väter, die ihre Erwerbstätigkeit beendet oder deren Umfang reduziert haben, um mehr Zeit für ihre Familie und die Versorgung der Kinder zu haben.

Viele Väter, auch das ist eine Erkenntnis der Studie, geben an, ihren eigenen Vorstellungen guter Vaterschaft nicht gerecht zu werden. „Hier zeigen sich Parallelen zur Mutter als Allrounderin, die im Job erfolgreich sein muss und gleichzeitig liebevoll die Kinder und ihre Verwandten umsorgt“, erklärt Kim Bräuer. „Der Trend geht also weg von der ‚klassischen‘ Rollentrennung hin zu einem ‚Alle-erfüllen-alle-Rollen‘ und dieses möglichst perfekt. Dabei erleben die Väter nicht nur einen Work-Family-Konflikt. Es scheint auch darum zu gehen, sich in ihrem Freundeskreis, in Vereinen oder bei der Versorgung der Eltern einzubringen und ihren Kindern auf diese Weise soziale Werte vorzuleben,“ so Bräuer.

Väter bloggen nicht über Armut

Im Rahmen ihrer Studie haben die Sozialwissenschaftler*innen die Instagram-Accounts von sieben sehr populären Väterbloggern und deren Bild von Vaterschaft analysiert. Hier herrscht das Ideal des zumeist weißen, aktiven Vaters. Vaterschaft in Armut oder Vatersein mit Migrationserfahrung würden hingegen kaum thematisiert, erklärt Prof. Marquardsen. „Das lässt sich damit erklären, dass Armut mit Scham behaftet ist und Väter in Armutslagen sich – auch virtuell – nicht offenbaren wollen. Väter, deren Leben von einem geringen Einkommen geprägt ist oder die auf Leistungen vom Staat angewiesen sind, finden unter Väterbloggern also niemanden in ähnlicher Lebenslage.“ Auch unter #ichbinarmutsbetroffen fanden die Wissenschaftler*innen nur wenige Berichte von Vätern in Armutslagen.

Es sei schwierig gewesen, für Interviews Kontakt zu Betroffenen herzustellen, da diese in besonderer Weise unter dem Druck gesellschaftlicher Normalitätsvorstellungen stünden, erklärt der Kieler Sozialwissenschaftler: „Selbstverständlich finden wir auch unter Vätern in Armutslagen eine Vielfalt im Erleben von Vaterschaft. Aber im Unterschied zu anderen Vätern ist für sie vor allem die materielle Versorgung der Familie wichtigeres Thema. In unseren Interviews wurde deutlich, dass für sie insbesondere Herausforderungen auf materieller Ebene eine Rolle spielen, die bei Vätern in gesicherten Verhältnissen kein Thema waren “, so Marquardsen. „Insgesamt besteht bezüglich des Erlebens von Vaterschaft von Vätern in Armut aber weiter dringender Forschungsbedarf. Nicht zuletzt wissen wir noch zu wenig darüber, welche kurz- und längerfristigen Einflüsse gesellschaftliche Krisenereignisse wie Corona oder eine steigende Inflation auf die Praxis gelebter Vaterschaft in verschiedenen Milieus haben.“

Handlungsempfehlungen für die Praxis

Ziel des Projekts war es auch, Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber*innen, Koordinator*innen von Väternetzwerken und politische Akteur*innen zu entwickeln, um die Lebenslagen von Vätern sichtbarer zu machen und ihre Situation und die ihrer Familien nachhaltig zu verbessern. Väterarbeit, so die Empfehlung der Forschenden, solle sich verstärkt auf deren alltägliches Handeln beziehen. Es gehe weniger darum, ein neues Bild von Vaterschaft zu vermitteln, als die Väter stärker in alltägliche Aufgaben einzubinden, erklärt Bräuer: „Es wäre denkbar, Väter aktiv als Elternsprecher anzufragen, Väterschwimmkurse anzubieten oder sie aktiv zum Beispiel in Elternchats anzusprechen.“ Unterstützung wünschen sich die Wissenschaftler*innen außerdem durch entsprechende familienpolitische Reformen. „Das würde es vielen Vätern leichter machen, spezielle Angebote der Arbeitgeber*innen auch tatsächlich anzunehmen.“

Studiendesign

Die VAPRO Studie hatte eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren und wurde von der Stabstelle für Chancengleichheit der TU Braunschweig und dem Braunschweiger Zentrum für Gender Studies finanziert. Die Forscher*innen wählten einen Methoden-Mix und werteten 55 qualitative Interviews, eine Online-Umfrage mit bundesweit 2.200 Teilnehmern und sieben Instagram-Accounts von Väterbloggern aus.

Weitere Informationen

Abschlussbericht: https://leopard.tu-braunschweig.de/receive/dbbs_mods_00071776

Projekthomepage: www.tu-braunschweig.de/familienbuero/vaeter

VAPRO-Instagram-Account: https://www.instagram.com/dadsaredads/

Quelle

Abgelegt unter aktive Vaterschaft, Rolllenbilder, Vater werden | Keine Kommentare »