Erstellt von Hans-Georg Nelles am 28. Juli 2026
Wie familienfreundlich ist Deutschland? Dieser Frage ist der Sozialverband Deutschland (SoVD) mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey nachgegangen. Dabei ist ein umfangreiches Bild zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Rolle der Arbeitgeber und der Frage nach Verfügbarkeit von Kita-Plätzen und Betreuungsangeboten für Schulkinder nach Unterrichtsende entstanden. Bei letzterem halten nur 12 Prozent der Eltern die Verfügbarkeit wirklich für ausreichend. Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier sieht hier dringenden Handlungsbedarf. „Durch die Unterversorgung sind besonders Frauen benachteiligt, weil sie mangels Betreuungsangeboten oft nur in Teilzeit oder Minijobs arbeiten können. Darum muss dringend in den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur für Krippe, Kita und Grundschule investiert werden – mit verlässlichen Öffnungszeiten, die zu Arbeitszeiten passen.“
Folgerichtig stellen die Eltern auch bei der Frage, wie sich Familie und Beruf miteinander vereinbaren lassen, Deutschland ein vernichtendes Urteil aus. Nur rund 11 Prozent halten sie für gut, besonders Frauen sehen hier Defizite. Während noch 38 Prozent der Männer die Vereinbarkeit als schlecht bewerten, liegt die Negativquote bei Frauen bei knapp 48 Prozent.

„Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf nicht allein vom persönlichen Organisationstalent abhängig sein, sondern braucht klare politische Rahmenbedingungen. Dazu gehören zehn Tage Freistellung für Väter bzw. zweite Elternteile rund um die Geburt eines Kindes mit vollem Entgeltersatz oder auch die öffentliche Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen. Auch die partnerschaftliche Ausgestaltung des Elterngeldes, die Umsetzung der EU-Entgelttransparentrichtlinie die Abschaffung der Lohnsteuerklasse V und eine Reform des Ehegattensplittings würden das bestehende Ungleichgewicht auflösen“, fordert Michaela Engelmeier. „Hier sehen wir aber auch eine gesellschaftliche, gleichstellungspolitische Dimension: Denn Sorgearbeit muss endlich gerechter zwischen den Geschlechtern verteilt werden.“
Eine relativ gute Bewertung mit über 40 Prozent Zustimmung erhalten die deutschen Arbeitgeber bei der Frage nach ausreichenden Möglichkeiten, Arbeitszeiten an familiäre Bedürfnisse anzupassen. Aber auch hier bewerten Frauen deutlich kritischer: Über 40 Prozent sehen Defizite, dagegen nur 33 Prozent der Männer.
Detaillierte Ergebnisse und Forderungen des SoVD finden Sie HIER.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. Juli 2026
Während körperliche Hausarbeit oft sichtbar ist, bleibt die mentale Care-Arbeit – das Planen, Organisieren und Sorgen – meist verborgen. Das Team um HMU Professorin Dr. Rebecca Wiczorek konnte nachweisen, dass Frauen in Deutschland signifikant mehr mentale Care-Arbeit leisten als Männer. Besonders deutlich ist der Unterschied im organisatorischen Bereich, gefolgt von kognitiven Aufgaben. Bemerkenswert ist hierbei: Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind in Deutschland mehr als doppelt so groß wie in vergleichbaren US-amerikanischen Studien, was auf kulturelle Unterschiede hindeutet.
Emotionale Care-Arbeit als größter Stressfaktor
Die Studie belegt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der mentalen Care-Arbeit und einer schlechteren psychischen Gesundheit. Wer mehr mentale Care-Arbeit leistet, berichtet über mehr Stress, stärkere Depressivität und höhere emotionale Erschöpfung. „Der entscheidende Faktor ist dabei die emotionale Komponente, also das ständige Sich-Sorgen-Machen um das Wohlbefinden der Familienmitglieder“, erklärt Professorin Rebecca Wiczorek. Diese Form der Arbeit ist oft grenzenlos und führt dazu, dass Betroffene auch nach Abschluss physischer Tätigkeiten gedanklich nicht zur Ruhe kommen.

Männer und Frauen reagieren unterschiedlich
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass das Geschlecht die Wirkung dieser Belastung beeinflusst. Während Frauen vor allem bei einem sehr hohen Pensum an mentaler Care-Arbeit überproportionale Einbußen ihrer psychischen Gesundheit erleben, zeigen Männer bei geringer bis moderater Belastung stärkere negative Auswirkungen als Frauen. Dies könnte darauf hindeuten, dass gesellschaftliche Rollenerwartungen und die Art der übernommenen Aufgaben eine wesentliche Rolle bei der Verarbeitung des „Mental Load“ spielen.
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Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. Juli 2026
Der kürzlich veröffentlichte Bericht „State of the World’s Fathers 2026: Stretched to the Breaking Point“ von Equimundo zeigt: Väter möchten sich weltweit stärker an der Sorgearbeit beteiligen und erleben diese als bereichernd. Gleichzeitig geraten viele Familien durch wirtschaftlichen Druck und unzureichende Unterstützungsstrukturen an ihre Belastungsgrenzen.
Für den Bericht wurden 8.000 Eltern und Sorgeverantwortliche aus 16 Ländern befragt. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass die Hälfte der Väter zusätzliche Jobs annimmt, um die Familie finanziell abzusichern, und drei von vier Vätern sich große Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft machen.
Zugleich wünschen sich viele Eltern bessere öffentliche Unterstützungsangebote und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen. Mehr als 60 Prozent der befragten Väter sprechen sich sogar für höhere Steuern aus, wenn damit der Ausbau öffentlicher Sorgeinfrastruktur finanziert wird. Der Bericht macht deutlich: Nicht nur die Bereitschaft zur Sorgearbeit ist entscheidend – sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die sie ermöglichen.
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