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Windeln wechseln im Bundestag – ein publizistischer Testlauf

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 17. Februar 2009

Der Hauptstadtkorrespondent der Frankfurter Rundschau Steffen, Hebestreit,hat den Test gemacht, wie das nach vier Jahren große Koalition zusammengeht: Kind und Karriere:

Die Recherche beginnt mit Reiswaffel und Birnenbrei. Wir sind zufrieden, die erste Hürde erfolgreich genommen zu haben – wir haben es mit Kinderwagen in den Bundestag geschafft. Paul verschläft den ersten Teil der Recherche. Selbst die Fahrstühle, die unaufhörlich nach oben oder unten surren und mit ihrem „Bing“ ab und an die Ruhe durchbrechen, stören ihn nicht. Auf den langen Schiffsstegen, die hier als Gänge dienen, ist kaum ein Mensch zu sehen.

So kann der Praxistest natürlich nicht funktionieren. Ich lasse mir den Auftrag der Frankfurter Zentrale noch mal durch den Kopf gehen. „Du gehst einfach mit deinem Sohn zur Pressekonferenz eines Ministers und beschreibst, wie der politische Betrieb darauf reagiert“, hatte mir der – übrigens noch kinderlose – Kollege vorgeschlagen.

Die Balance zwischen Kindern und Karriere zu finden, ist nicht von ungefähr so schwierig. Schon im Alltag können sich jeden Tag genügend Hindernisse auftürmen, wenn sich frühe Konferenztermine nicht mit Kita-Öffnungszeiten vertragen, wenn Maser oder Windpocken die Redaktionsplanung durcheinanderbringen. Berufstätige Eltern müssen ständig flexibel reagieren. Wenn sie dabei nicht höllisch aufpassen, haben sie zwar immer noch einen Beruf, aber keine Karriere mehr. Familienpolitik ist nicht allein Sache der Regierung, sondern auch der Unternehmen.

Vatersein im Jahre 2009 ist eine befriedigende Angelegenheit. In Zeiten von Elterngeld, Wickelvolontariat und Ursula von der Leyen liegen selbst Väter, die sich auch nur ein bisschen um ihren Nachwuchs kümmern, ziemlich im Trend. Sie werden bewundert, man applaudiert ihnen für eine Tätigkeit, die seit Jahrtausenden – weitgehend unbeachtet – von Müttern ausgeübt wird.

Ich schiebe Paul weiter, durch die Katakomben zum Reichstag. Wir stoßen auf Polit-Prominenz: „Na, was für ein schönes Bild“, entfährt es Andrea Nahles, der stellvertretenden SPD-Parteivorsitzenden. „Aha, unser Nachwuchs“, kommt mir der altgediente SPD-Parlamentarier Joachim Stünker entgegen. „Na, auf Familienausflug?“, fragt der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Die neue Vaterrolle mag zurzeit auch deshalb so stark ins öffentliche Bewusstsein drängen, weil sich beinahe jeder der sogenannten „neuen Väter“ berufen fühlt, seine Erlebnisse mit Säugling in Buchform zu publizieren. Oder in Texten wie diesen.

Die Reaktionen der Kollegen auf Paul? „Oh, wie süüüß!“, „Ach, ist das deiner?“, „Na, willste ihm mal zeigen, wo du arbeitest?“ Die Kollegen sind freundlich, interessiert und glauben nicht im Entferntesten daran, ich könnte hier tatsächlich aus beruflichen Gründen sein. Ich wolle doch nur ein bisschen angeben mit Paul. Man kennt das ja – von den neuen Vätern. Von Müttern kennt man das nicht. Ich frage mich, welche Erfahrung wohl eine Kollegin an meiner Stelle gemacht hätte?

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