der VÄTER Blog

lebe deinen Traum!

Der vergoldete Käfig

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 27. Februar 2007

So titelt der Spiegel in dieser Woche und bringt einen ausführlichen Beitrag zum Thema: ‚Wie der Staat die Frauen vom Beruf fernhält – und trotzdem nicht mehr Kinder geboren werden.

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Zum Schluss des Beitrags von Anke Dürr, Barbara Supp und Claudia Voigt kommen dann auch die Väter mit ins Spiel. Die Autorinnen präsentieren die ‚Musterfamilie Arlt‘.

‚Was er von den umstrittenen Vätermonaten hält? Grundsätzlich, sagt Arlt, … würde er das gern machen: „Bei den Kollegen wäre das kein Problem, die würden mir sogar auf die Schulter klopfen. Bei uns haben fast alle mindestens zwei Kinder.“ Den Antrag hat er trotzdem bisher nicht gestellt beim Amt. „Ich weiß doch jetzt noch nicht, welchen Kunden ich Anfang nächsten Jahres gerade zu betreuen habe“, sagt Arlt, „die Firma geht vor.“

Immerhin ermöglicht ihm sein Chef, Überstunden abzubummeln, etwa nach längeren Dienstreisen. So kann Arlt wochenweise ein sehr präsenter Vater sein – aber eben nur, wenn es die Auftragslage erlaubt.

Es ist nicht die vom Soziologen Ulrich Beck beschriebene männliche „verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“, die viele Väter davon abhält, „neue Väter“ zu sein, es ist verbale Aufgeschlossenheit bei gefühlter prekärer Arbeitsmarktlage. Flexible Arbeitszeiten, globale Märkte in unterschiedlichen Zeitzonen stehen gegen feste Zubettgehzeiten der Kinder. Dieses Dilemma wird bleiben. …

Es gibt sie …, die „neuen Väter“, die ihr Leben gern um der Familie willen anders organisieren würden. Die mehr sein wollen als ein Ernährer, der morgens einen Abschiedskuss auf marmeladeverschmierte Kinderbäckchen gibt und abends vielleicht gerade noch rechtzeitig heimkommt, um die Gutenachtgeschichte zu erzählen.

Das Bamberger Staatsinstitut für Familienforschung hebt in seinem Familienreport 2006 ein Potential von 20 Prozent dieser neuen Väter hervor: Sie würden gern, trauen sich aber häufig nicht.

Trauen sich nicht, in Teilzeit zu gehen oder Elternzeit zu nehmen, weil, wie bei Arlt, die Firma in Schwierigkeiten käme, weil das Geld nicht reichen könnte oder weil der Chef und die Kollegen mit Verachtung drohen – Väterzeit ist in Deutschland ein Statement, keine Selbstverständlichkeit. Bis jetzt jedenfalls.

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