Wie verändern uns Abstand, Isolation und unsichere
Lockerungen? Welcher Gefühlskreislauf kommt in Gang durch Isolation, Quarantäne
und Fernbeziehungen? Und wie kann man als Familie, Paar oder als Single durch
diese Zeit kommen, deren Maßnahmen womöglich noch für Monate den Alltag
bestimmen werden?
Solchen und weiteren Fragen nimmt sich eine neue Broschüre des Zentralinstituts für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) an. Die Publikation enthält viele wissenschaftlich erforschte und bewährte Inspirationen sowie Verhaltensregeln, um die vielfältigen Belastungen zu reduzieren und zu meistern. Sie wird der Bevölkerung kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt. Das Spektrum der Beiträge reicht vom Entwickeln und Einhalten einer Tagesstruktur über den Umgang mit Einsamkeit und Fernbeziehungen bis hin zu Tipps für Eltern – differenziert nach dem Alter des Nachwuchses.
„Mit dieser Broschüre möchten wir Familien und allen, die in
Ehe und Partnerschaft leben, Informationen an die Hand geben, die sie bei der
Bewältigung dieser Situation unterstützen sollen. Ziel ist es, auf der Basis
wissenschaftlicher Expertise ganz konkrete Tipps und Hinweise für die Praxis zu
geben. Auch dies ist Aufgabe einer Universität. Wir hoffen, dass diese
Broschüre daher vielen Familien, allen, die in Ehe und Partnerschaft leben,
sowie Singles und Alleinstehenden eine wertvolle Hilfe ist“, erklärt
ZFG-Direktor Prof. Dr. Klaus Stüwe.
Derzeit erleben viele Familien
einige ungekannte Herausforderungen. Doch zugleich stellt die Coronasituation
viele Chancen dar. Bspw. die (wieder) besonders intensive Zeit in Familie, mit
den Kindern bewusst zu gestalten. Dazu gibt beispielsweise ein uralten Zauber:
Das Vorlesen.
Hört Euch gern die Aufnahmen von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ gemeinsam an. Bestenfalls greift Ihr danach selbst zu einem Buch, denn für Kindern gibt es keine schöneren Stimmen als die von Papa, Mama, Opa und Oma. Der Brachvogel im dritten Kapitel fasst es gut zusammen „Man kann es am besten erklären indem man es macht“.
Sozialwissenschaftler untersuchten Daten von 2.970
US-Familien und fanden heraus, dass Väter, die im Alter von einem Jahr am Leben
ihres Kindes beteiligt waren, Kinder hatten, die im Alter von neun Jahren von
einer besseren Vater-Kind-Beziehung berichteten. Die Ergebnisse deuten darauf
hin, dass die Muster der Vater-Beteiligung und der Vater-Kind-Beziehungen über
Generationen hinweg weitergegeben werden.
Eine Familie mit schwulem Elternpaar auf dem Titel – diesen für deutsche Leser noch sehr ungewohnten Schritt wagt das Magazin MEN’S HEALTH DAD mit der aktuellen Ausgabe, die am 5. Mai 2020 auf den Markt kommt. „Auch international ist das eine Seltenheit“, sagt Redaktionsleiter Marco Krahl. „Ich freue mich sehr, dass wir Kevin und René Silvergieter Hoogstad und ihre beiden Kinder für das Cover unseres Magazins gewinnen konnten. Sie repräsentieren sehr gut die moderne Familienvielfalt in Deutschland, zu der neben Regenbogenfamilien natürlich auch alleinerziehende Mütter und Väter sowie Patchwork-Familien gehören.“
Begleitet wird das Titelbild von einem berührenden Report
über die sogenannte ‚Regenbogenfamilie‘. Im Abstand von drei Jahren haben die
beiden miteinander verheirateten Väter zwei Pflegekinder aufgenommen, erst
einen Jungen, dann ein Mädchen. Sie berichten vom ganz normalen Alltag mit
Windeln, aufgeschürften Knien und Musikschule, aber auch von den besonderen
Herausforderungen, die sowohl eine Pflegschaft als auch ihre besondere ‚Papa-Papi‘-Konstellation
mit sich bringen. Da ihnen immer wieder die gleichen Fragen begegnen, haben sie
sich entschlossen, von ihrem Familienleben zu erzählen. „In ihrer kleinen Stadt
haben sie viel Zuspruch erfahren, im Netz dagegen auch üble Anfeindungen“,
erzählt Krahl. Doch auch dort sind die meisten Reaktionen positiv; ihr
Instagram-Account (@_papapi_) hat inzwischen 70.000 Follower. Im Juni erscheint
ihr Buch „Papa, Papi, Kind“.
Zudem erzählt die aktuelle Ausgabe von MEN’S HEALTH DAD die Geschichten von drei Vätern mit Behinderung, berichtet über die Erfahrung der Sterilisation nach abgeschlossener Familienplanung (Vasektomie), bietet Inspirationen und Infos zu familienkompatiblen Jobmodellen und thematisiert, wo sich Väter mehr einmischen und Mitspracherecht fordern müssen.
“Lass das mal lieber die Mama machen!” Viele Mütter klagen über ungleiche Rollenverteilung in der Erziehung. Gleichzeitig sagt man Müttern nach, sie seien einfach die “besseren Eltern” und hätten nun einmal eine ganz besondere Bindung zum Kind, allein schon durch die Schwangerschaft. Was sagt die Wissenschaft dazu? Wir betrachten Väter und ihre “Elternkompetenz” hormonell, neurologisch, psychologisch und anthropologisch … und irgendwie hat das Ganze sogar mit der Coronakrise zu tun.
Schaut bei Frank & Die Frage vorbei: https://youtu.be/QPsU2isVqro
(Hebamme: So bereitet Mai (maiLab) sich auf ihr Baby vor | Bin ich bereit für
ein Kind? Folge 3)
Prof. Dr. Andreas Eickhorst, Entwicklungspsychologie an der
Hochschule Hannover: https://www.hs-hannover.de/service/pe… Andreas hat
außerdem diesen Väterverein gegründet, vielleicht interessant für Väter in
Augsburg oder auch für Fachleute als Idee: https://www.papagen.com
QUELLEN
Studie 1: Kein Unterschied in Oxytocin-Leveln von Müttern
und Vätern kurz nach der Geburt oder sechs Monate später Gordon, I.,
Zagoory-Sharon, O., Leckman, J. F., & Feldman, R. (2010). Oxytocin and the development of parenting in
humans. Biological Psychiatry, 68(4), 377-382. https://www.sciencedirect.com/science…
Studie 2: Testosteronspiegel nimmt bei jungen Vätern ab
Gettler, L. T., McDade, T. W., Feranil, A. B., & Kuzawa, C. W. (2011). Longitudinal evidence that
fatherhood decreases testosterone in human males. Proceedings of the National
Academy of Sciences, 108(39), 16194-16199. https://www.pnas.org/content/pnas/ear…
Studie 3: Aktivierung der Amygdala hängt nicht vom
Geschlecht ab, sondern davon, wie viel Zeit man mit dem Baby verbringt Abraham,
E., Hendler, T., Shapira-Lichter, I., Kanat-Maymon, Y., Zagoory-Sharon, O.,
& Feldman, R. (2014). Father’s
brain is sensitive to childcare experiences. Proceedings of the National
Academy of Sciences, 111(27), 9792-9797. https://www.pnas.org/content/pnas/ear…
Der Väterreport vom Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend: „Der Väterreport gibt unter anderem Auskunft über
Einstellungen und Erwartungen heutiger Väter, die Nutzung von Elterngeld und
ElterngeldPlus sowie darüber, wie sich die Nutzung von Elterngeldmonaten
auswirkt. Der Report zeigt: Die aktive Vaterschaft liegt im Trend. Väter wollen
sich stärker an der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder beteiligen und
wünschen sich mehr Zeit für Familie.“ https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/…
Das Deutsche Institut für Wirschaftsforschung über
systemrelevante Berufe – “Systemrelevant und dennoch kaum anerkannt: Das Lohn-
und Prestigeniveau unverzichtbarer Berufe in Zeiten von Corona”: https://www.diw.de/de/diw_01.c.743872…
Der Ausschluss eines Vaters vom Geburtsvorgang schadet
seiner Bindung zu Mutter und Baby, argumentiert Dr. Andrew Mayers, ein Experte
für perinatale psychische Gesundheit an der Universität Bournemouth (BU). Dies
hat negative Auswirkungen auf die sich entwickelnde psychische Gesundheit des
Säuglings und gefährdet auch die psychische Gesundheit beider Elternteile.
In den letzten Wochen während der Coronavirus-Krise Covid-19
gab es eine Reihe von Berichten über Krankenhäuser, die Vätern oder Partnern
schwangerer Frauen verbieten bei der Geburt dabei zu sein. Es besteht kein
Zweifel daran, dass diese Entscheidungen von Krankenhäusern, die sich darauf
konzentrieren, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, ernst genommen und mit
den besten Absichten getroffen werden. In der Tat wurde in Aussagen einiger
Krankenhäuser darauf hingewiesen, wie schwierig dies für die Mutter ist. Doch
die jüngste Forschung von Dr. Mayers zeigt, dass der Ausschluss des Vaters vom
Geburtsvorgang sowohl der psychischen Gesundheit des Vaters als auch der Mutter
und des Kindes schaden kann.
Diese neue Studie wurde kürzlich in BMC Schwangerschaft und Geburt veröffentlicht. Sie wurde von Dr. Mayers zusammen mit der BU-Kollegin Dr. Emily Arden-Close und Emily Daniels, einer ehemaligen Studentin der BU, auf deren Projektarbeit diese Studie basierte, verfasst.
Dr. Mayers: „Die Forschung hat gezeigt, dass Männer nach der
Geburt eines Kindes genauso unter Depressionen leiden können wie Frauen unter
postnatalen Depressionen. Es gibt Risikofaktoren für Depressionen, die mit
einem Neugeborenen einhergehen können – wie eine Verringerung des Einkommens
und eine veränderte Beziehung, die Väter dem Risiko einer Depression aussetzen.
Unsere Erkenntnisse zeigen, dass das Erleben einer traumatischen Geburt
ebenfalls ein bedeutender Risikofaktor ist und die Wahrscheinlichkeit erhöht,
dass Männer eine schlechte psychische Gesundheit erleben“.
Die vielen Informationen über den Coronavirus und die Covid19-Erkrankungen belasten nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. Sie sind von den vielen Expertenmeinungen und anderen Medieninformationen ziemlich überfordert. Eltern, Erzieher*innen und Lehrer*innen sind gefordert, Kindern die Ängste zu nehmen und Informationen altersgerecht aufzubereiten. Eine echte Herausforderung!
Da kommt das Kinderbuch „Coronavirus – Ein Buch für Kinder“
gerade recht, das der englische Verlag Nosy Crow entwickelt hat und vom Beltz&Gelberg Verlag übersetzt wurde. Die tollen
Illustrationen stammen von Axel Scheffler, vielen sicher als der
Grüffelo-Schöpfer bekannt.
Beltz & Gelberg schreibt über das Projekt: „Das
Coronavirus hat auch den Alltag von Kindern durcheinandergewirbelt und
vieles auf den Kopf gestellt. Doch was ist das neuartige Coronavirus
eigentlich? Was passiert, wenn jemand an Covid19 erkrankt? Und wie kann ich
mich und meine Familie vor einer Ansteckung schützen? Diese Fragen
interessieren Kinder genauso wie Erwachsene. Der englische Verlag Nosy Crow hat
zusammen mit Prof. Graham Medley von der London School of Hygiene &
Tropical Medicine sowie Lehrer*innen und Kinderpsycholog*innen ein
Informationsbuch für Kinder entwickelt, das genau diese Fragen beantwortet. In
verständlichen Texten – und mit vielen Illustrationen von Axel Scheffler –
erklärt es Kindern ab 5 Jahren alles rund um das Virus und seine Folgen.“
Das Buch wird von allen Beteiligten kostenfrei zum Download als PDF zur Verfügung gestellt, damit möglichst viele Menschen Zugang dazu erhalten.
Es wird viel über «neue» Väter gesprochen – was aber, wenn
sie selbst zu Wort kommen? Ein Forschungsteam sowie ein Filmemacher haben 18
Väter sowie 14 Fachpersonen interviewt. «Die Geburt eines Vaters» zeigt
erstmals ungeschminkt, was werdende und frischgebackene Väter rund um die
Geburt wirklich bewegt.
Aus den Interviews sind 5 Episoden von je 12 Minuten
entstanden, die Einblick geben in die Gefühlswelten und Erlebnisse von Vätern
rund um die Geburt – emotional berührend und wissenschaftlich fundiert:
Neun Monate, um Vater zu werden
Der Vater während der Geburt
Die Anfangszeit als Vater
Vielfältiges Vatersein
Was Fachpersonen über (zukünftige) Väter zu sagen haben
Vaterwerden ist kein Selbstläufer
Der Film macht deutlich: Wie Männer das Vaterwerden erleben,
ist vielfältig und facettenreich. Offensichtlich wird jedoch auch: Väter werden
mit ihren Fragen und Bedürfnissen immer noch häufig «übersehen». Empfehlungen
im Film zeigen auf, was es braucht, dass sich dies ändern. Und an den Online-Filmpremieren
mit Live-Chat erfährst du mehr darüber, wie es gelingen kann, dass Väter von
Beginn weg ihren Platz finden.
Involvierte Väter und Co-Parenting von Anfang an
ermöglichen
Die Weltgesundheitsorganisation hat die Beteiligung von
Männern/Vätern während der Schwangerschaft, bei der Geburt und nach der Geburt
als vorrangiges Ziel erklärt. Denn wissenschaftliche Studien belegen mehr als
deutlich: Männer, die vor, während und nach der Geburt eingebunden sind, tragen
dadurch kurz-, mittel- und langfristig zur Verbesserung der Gesundheit der
gesamten Familie bei.
Bei Elternpaaren, die partnerschaftlich unterwegs sind, sind
nicht nur die Väter im Schnitt deutlich zufriedener, sondern auch die
Partnerinnen und Mütter. Es lohnt sich also, sich den damit verbundenen
Herausforderungen zu stellen und für einen guten gemeinsamen Start in die
Familie zu sorgen.
«Die Geburt eines Vaters» – nicht nur Dok-Film, sondern
auch Forschungsprojekt
Der Dokumentar-Film zeigt nicht nur Stimmen von Väter und Fachpersonen, sondern bilanziert auch, wie Väter besser einbezogen werden können. Best-Practice-Erfahrungen sowie Studienergebnissen werden in 15 Empfehlungen zusammengefasst.
Der Deutsche Hebammenverband hat örtliche Kreißsaalverbote für werdende Väter zur Bekämpfung der Corona-Epidemie vehement kritisiert. „Eine Geburt ist für die ganze Familie ein existenzielles Ereignis“, betonte Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer. „Die Familie ist eine Einheit, deren Trennung während und nach der Geburt weitreichende Folgen für die Familienbindung und Familiengesundheit hat.“
Auch die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes,
Christiane Groß, urteilt: „Ist die Begleitperson nicht augenscheinlich mit
Corona infiziert, überwiegt der Nutzen der Begleitung das minimale Risiko einer
Infektion von ärztlichem und Pflegepersonal.“ Voraussetzung sei natürlich, dass
die Klinik ausreichend mit Schutzausrüstung versorgt sei.
Die beiden Verbände verweisen auch darauf, dass Frauen unter der Geburt in vielen Kliniken nicht durchgängig von einer Hebamme betreut würden. „Da macht sich die prekäre Personalsituation ganz deutlich bemerkbar“, betonte Andrea Ramsell, Präsidiumsmitglied im Deutschen Hebammenverband. „Wir haben keine standardmäßige 1:1-Betreuung. Wir haben oft die Situation, dass eine Hebamme drei, vier Frauen gleichzeitig betreut. Die Frauen sind dann ohne Begleitung allein im Kreißsaal, das ist eine Zumutung.“
Im Zuge der Besuchsverbote zur Bekämpfung der
Corona-Epidemie hatten bundesweit Kliniken auch werdenden Vätern den Zutritt
verweigert. Viele davon hoben entsprechende Verbote inzwischen wieder auf.
Andere lassen die Väter beziehungsweise andere Bezugspersonen zwar zur Geburt
zu, verbieten aber anschließend Besuche auf der Wöchnerinnenstation. Wie viele
Kliniken dies jeweils so handhaben, ist laut Deutscher Krankenhausgesellschaft
nicht erfasst und ändert sich laut Hebammenverband nahezu täglich. (dpa)