Viele junge Paare wünschen sich eine gleichberechtigte Partnerschaft. Doch wenn das erste Kind kommt, fallen die meisten Mütter und Väter zurück in traditionelle Rollenaufteilung. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie liegen in der ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern, unzureichender Kinderbetreuung, starren Karrieremodellen oder dem in Deutschland immer noch verbreiteten Vorurteil, eine gute Mutter sollte zu Hause bei den Kindern bleiben.
Die Zeit Autorin Stefanie Lohaus und ihr Partner haben sich vorgenommen, nicht in diese Gleichberechtigungsfalle zu tappen. Wie sie ihre Vorsätze in die Tat umsetzen, beschreibt Lohaus in der Serie Das Prinzip 50/50. Bis jetzt erschienen sind:
Ostdeutsche Väter teilen sich die Erwerbsarbeit mit ihren Partnerinnen sehr häufig gleichmäßig auf. Im Westen dagegen setzt nur eine Minderheit dieses Erwerbsarrangement um. Dr. Angelika Tölke vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München untersuchte das Phänomen.
Zu ihrem Wohlbefinden in der Familie befragt, äußerten sich die ostdeutschen Väter am zufriedensten, gefolgt von den ostdeutschen Müttern und den westdeutschen Väter. Die westdeutschen Mütter bildeten das Schlusslicht. Dass sowohl die ost- als auch die westdeutschen Väter sich im Vergleich zu den Müttern als glücklicher mit der Familie einschätzen, führt Angelika Tölke darauf zurück, dass den Müttern – hier wie dort – nach wie vor eher die Verantwortung für Familienthemen zugeordnet wird.
Im Osten bezieht sich dies vor allen auf Tätigkeiten im Haushalt. „Es gibt übrigens interessanterweise weder in Ost- noch in Westdeutschland einen Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden und dem gewählten Erwerbsmodell“, sagt die Wissenschaftlerin. Die in Westdeutschland häufig angeführte „Doppelbelastung“ von Frauen durch Beruf und Familie, lässt sich empirisch nicht nachweisen bzw. schlägt sich nicht im Wohlbefinden nieder.
Zur Zufriedenheit der ostdeutschen Väter scheint beizutragen, dass sie sich – besonders am Wochenende – mehr Zeit für ihre Kinder nehmen als ihre Geschlechtsgenossen im Westen und diese Freizeit aktiv gestalten. In ihrer stärkeren „Familienzentrierung“, so nimmt Angelika Tölke an, wirke die hohe Wertschätzung von Familienzeit in der DDR nach. Die Freizeit im Familienkreis bot Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten.
Dagegen war die berufliche Laufbahn an ein strenges Reglement gebunden und hatte sich dem Allgemeinwohl unterzuordnen. Im Westen ist eine Bereitschaft zu beobachten, die Freizeit dem Erwerbsleben nachzuordnen: „Insbesondere für Männer scheint der eigene ‚Status‘ sehr vom beruflichen Erfolg abzuhängen. Überlange Arbeitszeiten sind vielfach eine als wichtig erachtete Investition in diesen Status, der immer aufs Neue gefestigt werden muss“, sagt Angelika Tölke.
Während in Westdeutschland Grundsatzdiskussionen über Geschlechterrollen oder „Doppelbelastung“ geführt würden und sich viele Mütter mit der Frage plagten, ob sie erwerbstätig und gleichzeitig eine gute Mutter sein könnten, betrachteten Paare im Osten die Aufgabenteilung in der Partnerschaft vor allem pragmatisch.
Das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder hat sich seit Mitte der 70er-Jahre bis 2011 von 27 auf 32 Jahre verschoben. Das ist eines der Ergebnisse des neuen Monatshefts des Statistischen Amtes in Stuttgart. Der Bericht „Mütter und Väter werden immer älter“ zeigt auch, dass immer noch die Väter im Schnitt älter sind als die Mütter.
Die Abbildung zeigt die Anteile der Geburten nach Alter des Vaters und der Mutter an allen Geburten in Promille. Ein Wert von 10 bedeutet, das 10 von 1000 Geburten von Elternm der entsprechenden Alterskombination realisiert wurden. Der Schwerpunkt der Verteilungen liegt über der diagonalen Linie. Dies deutet darauf hin, dass der Vater durchschnittlich älter ist als die Mutter.
Daran hat sich seit den 70er-Jahren wenig verändert. Bei nur jeder fünften Geburt ist die Mutter älter als der Vater. Heute sind in etwa gleich viele Mütter unter 20 Jahre wie über 43 Jahre alt. 1980 dagegen gab es rund 25 Mal mehr junge (unter 20 Jahre) als ältere Mütter (über 43 Jahre).
In der Koalitionsvereinbarung „Erneuerung und Zusammenhalt“ ist zum Thema Familie auf Seite 37 folgendes zu lesen:
Familie ist für die rot-grüne Koalition dort, wo Kinder sind. Dazu gehören auch Alleinerziehende, Patchwork- und Regenbogenfamilien. Die rot-grüne Koalition wird Rahmenbedingungen schaffen, damit Frauen und Männer gleichermaßen ihre Lebensentwürfe verwirklichen können. Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zur Sicherung der familiären Existenzgrundlage verdienen Familien eine stärkere staatliche Unterstützung. ….
Auf Landesebene wird die Regierung
einen Auf- und Ausbau von Familienzentren u.a. in Kitas unterstützen, die Eltern in allen Lebensbereichen niedrigschwellig Beratung und Unterstützung aus einer Hand anbieten (s. a. Kinder und Jugend) und dabei die Kompetenz der lokalen „Bündnisse für Familie und Beruf“ einbeziehen. Bestehende Mehrgenerationenhäuser und Familienbildungszentren werden in diesem Sinne weiterentwickelt und sie erhalten Planungssicherheit. Das Land setzt dabei insbesondere auf die Unterstützung der Wohlfahrts- und Familienverbände;
Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass auch für Unternehmen betriebliches Engagement bei Kinderbetreuung und Pflege Angehöriger selbstverständlicher Bestandteil aktiver Personalpolitik wird. Das Land wird dabei eine Vorbildfunktion übernehmen, um beispielsweise teilzeitbeschäftigen Frauen und Männern die gleichen Ein- und Aufstiegsmöglichkeiten wie Vollzeitbeschäftigten zu eröffnen.
die Rolle der Väter in der Erziehung durch ein Handlungskonzept zur künftigen Entwicklung der Väterarbeit stärken und so insbesondere in der Arbeitswelt, für mehr gesellschaftliche Akzeptanz sorgen. Auch hier wird das Land eine Vorbildfunktion übernehmen.
… lautet das Schwerpunktthema im aktuellen Switchboard, der Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit. In seinem Editorial schreibt Alexander Bentheim dazu:
‚“Alles geht, nichts funktioniert“ titelte der Stern im März 2007 anlässlich einer Studie des Instituts für Sozialforschung über »Neue Väter« und resümierte: „Zwischen Dienst- und Kinderwagen verzetteln sich so einige“. Nun gibt es Väterstudien mittlerweile eine Menge, und nicht erst seit sechs Jahren. Offenbar jedoch muss der Erkenntniszugewinn immer wieder in Typisierungen oder Trends verpackt werden, um unters Volk gebracht zu werden – Missverständnisse aufgrund von Simplifizierungen oder Pointierungen dabei billigend in Kauf nehmend, manchmal auch vorsätzlich provoziert.
Für den interessierten Laien – der natürlich nicht selbst alles nachrecherchieren kann – eine selten hilfreiche Gemengelage zwischen dem subtextuellen „Tu dies“ und „Lass das“. Einmal mehr möchten wir deshalb mit dem Schwerpunkt dieser Ausgabe anregen, Väterlichkeiten – und da gibt es immer wieder Neues zu entdecken – als „lebendiges Prinzip“ in diversen Reifeprozessen zu verstehen, wie es Hans-Georg Nelles vorschlägt.
Weitere Erlebensangebote kommen von Guido Wiermann, der einen – so oder so – mitnimmt in eine Zeit, in der sich so vieles noch langsam entwickeln durfte, von Tobias Niebergall über Väterbeteiligungen in Kitas oder von Marc Melcher zu spielerischen Auseinandersetzungen von Jungen mit aktiver Vaterschaft. Neue Väterlichkeiten können ebenso weitergedacht werden, wo sich Matthias Stiehler gegen verunsichernde Entstrukturierungen wendet oder Andreas Eickhoff sich damit beschäftigt, dass und wie er selbst nicht Vater wurde.‘
Der Fotograf Karsten de Riese hat mit „Von Vätern und Söhnen“ einen beeindruckenden Bildband zum prägenden Verhältnis zwischen Männern gestaltet. Die schwarz-weißen Bilder offenbaren die Schattierungen in den Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen, die reduzierten Settings fokussieren auf Blicke und Berührungen der Männer, auf die visuell verdichteten Beziehungen zwischen Alt und Jung.
Wie gewandet sich der Vater, wie der Sohn? Wer legt wem die Hand auf? Wer sitzt, wer steht und wie viel wortloses Einverständnis wirkt zwischen den beiden? Einige der Aufnahmen erzählen mehr über Nähe und Distanz zwischen Vater und Sohn, als es Worte wohl könnten. De Rieses fotografische Langzeitstudie hat sich über zehn Jahre erstreckt.
Durch hohen Erwartungs- und Leistungsdruck, moralische und normative Anforderungen, durch Zeitmangel, familiäre Trennungen, Abnabelung in der Pubertät, Konkurrenz, durch schulische und berufliche Belastungen, tradierte familiäre Glaubenssätze und viele andere Einflüsse kann die Beziehung von Sohn und Vater heute belastet sein. Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass Väter und Söhne zunehmend getrennte Wege gehen und intensive Begegnungen immer weniger stattfinden.
Dem setzen Lutz und Lukas Böning, Vater und Sohn, etwas entgegen: Eine Kanutour vom 9. Bis zum 12. Mai, bei der noch wenige Plätze für Vater-Sohn Paare frei sind. In ihrem Blog schreiben die beiden über die Tour:
‚Wir werden von Thomsdorf nach Bredereiche mit dem Kanu unterwegs sein, durchfahren den Küstrinchenbach und überqueren klare Seen. Abends bauen wir auf Biwakplätzen unsere Zelte auf, bereiten gemeinsam Essen zu, sitzen am Lagerfeuer und genießen die Natur.
In den vier Tagen werden Sie als Gruppe oder als Sohn- Vater- Paar interaktive Aufgaben bewältigen und reflektieren. Wir tauschen uns über Themen aus, die für Väter und Söhne wichtig sind. Dabei suchen wir nach Fragen und Antworten in der Beziehung. Es ergeben sich Möglichkeiten, weg von alten Gewohnheiten, sich anders aufeinander einzulassen. Sie können sich als Vater und Sohn mit anderen Sohn- Vater- Paaren austauschen und praktische Erfahrungen in den Alltag mitnehmen.
Wir wollen aber auch Abenteuer erleben, toben, gemeinsam singen, vielleicht kämpfen, spielen und Spaß haben, auftanken, kreative Ideen entwickeln und uns gegenseitig stärken.‘
Detailinformationen zu Anmeldung und Preis gibt es hier.
In einem Interview äußert sich Prof. Dr. Stephan Höyng, Leiter der Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ über die Väterarbeit in den ESF-Modellprojekten und darüber, wie sie langfristig in den Alltag von Kitas integriert werden kann.
In der Landwirtschaft hat die Vater-Sohn-Beziehung noch eine ganz besondere Bedeutung: Da geht es häufig um das Hoferbe und die Tradition. Der Lebensweg des männlichen Nachwuchses scheint bereits bei der Geburt vorprogrammiert zu sein – auch heute noch.
Am Hof der Hörmanns in der Nähe von Kaufbeuren gibt es gleich dreimal männlichen Nachwuchs: Thomas, Stefan und Christoph. Geboren wurden die drei vor 37, 38 und 39 Jahren. Aus den Buben sind mittlerweile drei echte Allgäuer Mannsbilder geworden. Am Hof lebt noch einer von ihnen – wobei der hier die Familientradition weiterführen wird.
Klar war das nicht immer, denn Stefan hatte zunächst eine Schreinerlehre gemacht. Die anderen beiden wollten ebenfalls keine Landwirte werden. Doch dann besann sich der Zweitälteste: Er erkannte die Freiheit, die man als Landwirt am eigenen Hof hat.
Doch die Arbeit ist enorm. Unter anderem ist das denkmalgeschützte Haus der Großfamilie eine Dauerbaustelle. Und dann sind da natürlich auch noch die Konflikte zwischen den Generationen. Der Junge hat Ideen, der Alte die Erfahrung. Ungeduld trifft auf Bedächtigkeit. Da kracht es zwischendurch gehörig.
Und auch sonst treffen unterschiedliche Einstellungen aufeinander: Stefan lebt mit seiner Familie in der ersten Etage – bewusst getrennt von der älteren Generation und so ganz und gar nicht im bäuerlichen Stil. Seine Frau Karin arbeitet auch nicht als Bäuerin mit, sondern hat einen Beruf außerhalb des Hofes.
Und doch: Befragt man Vater und Sohn getrennt voneinander über den jeweils anderen, dann wird mit Lob nicht gespart…