… Vater Rene Haase bewältigt den Alltag mit seiner großen Patchworkfamilie und hat gerade eine Quarantänezeit überstanden. Gerne möchte er wieder arbeiten und seinen Kindern ein gutes Vorbild sein.
Ein ganz normaler Morgen bei Familie Haase zwischen
Weihnachten und Silvester: „Um sechs Uhr aufgestanden, dann trinke ich erstmal
meinen Kaffee. Geschirrspüler ist schon einmal fertig. Waschmaschine läuft. Wir
müssen jetzt noch Einkäufe erledigen. Mittagessen? – Da habe ich noch keinen
Plan. Dann muss ich noch zum PCR-Test“, schildert der Vater Rene Haase seinen
Start in den Tag.
Jane, Denni, Conner und Aaron sind zwischen acht und zwölf
Jahren alt und fläzen sich noch etwas verschlafen auf dem großen Sofa. Conni
ist bereits erwachsen und hat gerade die zweite Kanne Kaffee gekocht, die
anderen beiden Großen haben heute bei Freunden übernachtet. Normalerweise sei
die Patchworkfamilie zu acht, sagt Vater Haase: „Ich bin gekommen mit vieren,
da ist Conni die jüngste davon. Meine Frau kam mit dreien, da ist Leann die
mittelste. Hier wohnen tun jetzt nur noch Leann, von meiner Frau der Älteste,
der ist jetzt 20, Conni, und die vier gemeinsamen.“
Zwei Wochen Quarantäne
Seine Frau hat die Familie vor knapp zwei Jahren verlassen, seitdem ist der Vater mit den Kindern alleine. Haase ist Mitte 50. Er ist schlank und durchtrainiert, ein Kämpfertyp. Aber jetzt sieht er müde aus. Gerade erst haben alle zwei Wochen Quarantäne hinter sich, weil Denni sich auf einer Klassenfahrt mit Corona infiziert hatte: „Es ist schon anstrengend, die ganze Zeit in der Bude zu hocken“, sagt der Junge. „Wir gucken Fernsehen, aber ich habe dann noch ab und zu mal mit meinen Spielsachen gespielt.“ Weihnachten sei es dann besser geworden, weil vier der Kinder einen Computer bekommen hätten. Ohne PC seien seine Kinder zu Corona-Zeiten in der Schule chancenlos, sagt Haase. Er war früher Lkw-Fahrer und Gerüstbauer. Bis zum Sommer ging er abends, wenn die Kinder im Bett waren, noch putzen, in einem Kindergarten in der Nähe. Dann kam der Schlaganfall. …
Bisherige Ergebnisse der Studie fasste Frau Buschmeyer so zusammen:
Wer vorher mehr Care-Arbeit gemacht hat, macht das meist auch während der Pandemie (mit Ausnahmen)
Für Getrennt- bzw. Alleinerziehende ist die Pandemie dann besonders
herausfordernd, wenn sie kein/wenig Unterstützung durch Ex-Partner*in
oder ein größeres Netzwerk haben
Gefühl der Entschleunigung ist in der zweiten Welle der Verdichtung gewichen
Vorstellungen von Mütterlichkeit und Väterlichkeit beeinflussen die Übernahme von Care-Arbeit oder deren Auslagerung
Väterliches Engagement hat sich in der Corona-Pandemie folgendermaßen entwickelt:
Insgesamt haben (die befragten) Väter einen großen Anteil an der Care-Arbeit übernommen und ihr Engagement in der Krise erhöht
Wo Väter vorher eher abwesend waren à Mehr Engagement möglich
Wo die Väter vorher mit viel Engagement in der Familienarbeit dabei waren à In der Pandemie beibehalten
Je mehr die Väter sich einbringen (möchten) in die Care-Arbeit, desto größer die Zerrissenheit
Je größer das Netzwerk aus Betreuungspersonen, desto einfacher ist die Vereinbarkeit individuell gelöst
Wenn andere den Großteil der Betreuungsarbeit leisten, können Väter durch die neue Flexibilität mehr „unterstützen“
In der zweiten Welle hat das Engagement teilweise wieder abgenommen, die Erwerbsarbeit wird (wieder) zentraler angesehen
Auch wenn es einfacher ist, die Care-Arbeit anderen zu überlassen:
Mehr Engagement von mehr Personen ist für alle eine Erleichterung!
Handlungsempfehlungen, damit das Positive bleibt
Anerkennen, dass Sorgearbeit Arbeit ist und genauso fordert wie Erwerbsarbeit
Dienstreisen und viele Überstunden (Abendtermine) reduzieren (à Positive Aspekte der Digitalisierung nutzen)
Vorteile des Homeoffice auch für Sorgearbeit nutzen (Wäsche wäscht nebenbei, Kinder können schnell abgeholt werden etc.)
Zeit mit der Familie einplanen und gestalten (Regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten etc.)
Absprachen unter den Eltern einfordern und beibehalten
(Priorisierung der Erwerbsarbeit vielleicht nicht nur unter finanziellen
Gesichtspunkten)
Freizeittermine (der Kinder) reduzieren
Das Netzwerk möglicher Unterstützer*innen bei der Kinderbetreuung ausbauen
Dies fasst die Aussage eines Studienteilnehmers gut zusammen:
„Na ja, vielleicht reichen drei Abendtermine ja auch und die anderen
zwei Tage setzt du dich mal in den Garten und guckst den Blumen beim
Wachsen zu. Könnte ja so für die eigene Psychohygiene auch mal ganz
hilfreich sein. Also so nochmal zu gucken, was ist eigentlich wirklich
wichtig und was brauche ich eigentlich für mich?“
Vaterschaft ist im Wandel und Rollenbilder ändern sich fortlaufend.
‚Vater sein‘ heute ist anders als ‚Vater sein‘ früher. Nicht nur die
Erwartungen der Väter an ihre Rolle haben sich grundlegend geändert,
auch die gesellschaftlichen Erwartungen sind im Wandel und Elternschaft
intensiviert sich. Das Leitbild der aktiven Väter verbreitet sich immer
stärker.
Auch Corona hat die familiäre Aufgabenteilung verändert und wirkt zugleich wie ein Spiegel und ein Brennglas:
Einerseits hat die Corona-Krise zu einer Retraditionalisierung der
Elternrollen geführt: Mütter übernehmen in der Krise den Großteil der
Betreuungs- und Erziehungsaufgaben. Das haben sie auch schon vor der
Krise getan.
In 20 Prozent der Familien ist die Aufgabenteilung ungleicher
geworden. Mütter bleiben möglicherweise häufiger im Homeoffice und sind
im Unternehmen weniger sichtbar.
Andererseits hat die Corona-Krise auch Chancen geboten, traditionelle
Elternrollen zu überwinden. Die Krise wirkt wie ein Innovationslabor:
Schon jetzt ist in 20 Prozent der Familien die Aufgabenteilung
partnerschaftlicher geworden als vor der Pandemie. Gerade Väter mit
kleinem Einkommen oder niedrigem Bildungsstand verbringen mehr Zeit
mit der Kinderbetreuung.
Es ist wieder Winter, eine Zeit, sich mit Büchern zu beschäftigen, selber zu lesen oder Kindern oder Erwachsenen vorzulesen. Christian Meyn Schwarze sucht seit 20 Jahren den Vater – und nun auch altersbedingt – den Großvater in der Literatur.
Kinderbücherei
Christian Meyn Schwarze wird einen Papa Jungen Vormittag veranstalten mit lesen und Murmelbahn basteln
Einige Bücher macht er ‚lebendig‘ und gestaltet in
Büchereien die sogenannte ‚Papa-Zeit‘ – eine Mischung aus einer Lesung und
einem kleinen Erlebnis – einer Aktion oder einer Bastelei. Papas und Opas
erleben zwei intensive Stunden und dann leihen noch Bücher aus und Papa liest
zuhause vor.
Um den richtigen Vorlesestoff für Papas zu finden, verfasst er die Papa-Lese-Liste. Sie enthält lieferbare Titel, in denen ein Vater oder ein Großvater eine wichtige Rolle spielen. Manchmal auch ein anderer Mann, der für die Entwicklung eines Kindes eine bedeutsam ist.
Und damit Väter auch etwas mit ihren Kindern unternehmen,
gibt es auch eine Reihe von ‚Beschäftigungsbüchern‘ für diejenigen, die noch
Anregungen brauchen.
Damit das ganze jetzt ein bisschen bunter wird, hat er diejenigen Titel, die seit Juni 2021 neu dazu gekommen sind, blau eingefärbt. Und druckfrische Titel des Frühjahrs 2022 sind grün markiert.
„Damit
die Corona-Krise nicht zur familiären Krise wird, hilft nur eines:
reden, reden, reden.“ Das hat David Hanisch, Agenturchef, Vater von zwei
Kindern und Teilnehmer der Paneldiskussion als Resümee geäußert.
Bei der Fachtagung am 16. November ist viel geredet worden. Damit die
Teilnehmenden, aber vor allem diejenigen, die nicht dabei sein konnten,
noch einmal in Ruhe nachhören können, was die zahlreichen Väter in dem
Film ‚Corona#Changes#Families‘
die beiden eingeladenen Expert*innen, Jan Braukmann von der Prognos AG
und Anna Buschmeyer vom Deutschen Jugend Institut, geäußert haben,
veröffentlichen wir die verschiedenen Beiträge auf unserem Youtube Kanal.
Weitere Stellungnahmen von Vätern und Müttern finden Sie hier.
Die Eröffnungsrunde
der Fachtagung: Vorstandsmitglieder der LAG Väterarbeit im Gespräch:
Stephan Buttgereit, Jürgen Haas und Hans-Georg Nelles zu den
Herausforderungen und Erfahrungen in der Arbeit der letzten 20 Monate
‚Engagement von Vätern – Entwicklungen, Bedeutung und Rahmenbedingungen‘ Jan Braukmann von der Prognos AG. Vortrag von Jan Braukmann
bei der Fachtagung ‚Lockdown als Chance? – Weichenstellungen für mehr
väterliches Engagement‘ der LAG Väterarbeit in NRW am 16. November 2021
Corona als Brennglas – Herausforderungen und Empfehlungen für Väterliches Engagement. Vortrag von Anna Buschmeyer
bei der Fachtagung ‚Lockdown als Chance? – Weichenstellungen für mehr
väterliches Engagement‘ der LAG Väterarbeit in NRW am 16. November 2021
Corona Changes Families
– … und auf einmal saßen wir zu Hause. Auswirkungen von Corona auf das
Familienleben und die Aufgabenteilung zwischen Vätern und Müttern.
Panelgespräch mit den beiden Keynotegeber:innen Jan Braukmann und
Anna Buschmeyer sowie David Hanisch, Vater von zwei Kindern, der sich
schon vor Corona mit seiner Frau Erwerbs- und Familienarbeit
partnerschaftlich aufgeteilt hat.
Die Highlights der Fachtagung ‚Lockdown als Chance? – Weichenstellungen für mehr väterliches Engagement‘ am 16. November 2021 in 10 Minuten zusammengefasst.
Hans-Georg Nelles vertritt das Väterexpertennetz Deutschland VEND-eV in der LAG und ist auch deren Vorsitzender.
Ergänzen Sie bitte den Satz ‚Vater werden ist …‘
das spannendste Projekt, auf dass Mann sich einlassen kann und bei
dem alle Beteiligten gemeinsam wachsen, auch wenn sie schon oder irgend
wann einmal Erwachsene sind.
Welche Eigenschaften fallen ihnen beim Wort ‚Vater‘ ein?
… vom Wortstamm her bedeutet Vater ‚nähren, hüten, schützen‘. Das ist
quasi die Beschreibung der traditionellen Vaterrolle. Heute wollen
Väter aber mehr sein als Ernährer der Familie. Sie wollen die
Entwicklung ihrer Kinder von Anfang an aktiv begleiten und eine
Hauptrolle in ihrem Leben einnehmen.
Was sollte Mann beim Vater werden unbedingt beachten?
‚Vater werden ist nicht schwer‘ hat Wilhelm Busch vor über 150 Jahren
gedichtet, aber machen sich Viele die Entscheidung fürs ‚Vater werden‘
nicht leicht. Es gibt Einiges zu beachten und ändern tut sich danach
fast Alles. Aber darauf kann Mann sich vorbereiten, alleine, gemeinsam
mit der Partnerin und anderen werdenden Vätern. Es ist wichtig für sich
als Vater und gemeinsam als Eltern positive Vorstellungen und Bilder zu
entwickeln. Also eine Vorstellung davon, wie man Vater sein möchte.
Anschließend können Bedingungen geschaffen und Entscheidungen getroffen
werden, die eine Verwirklichung der (gemeinsamen) Vorstellungen
ermöglichen.
Was würde Ihrer Meinung nach Vätern in Zukunft das Vater sein erleichtern?
… wenn Vätern von Anfang an die Kompetenzen und Bedeutung
zugeschrieben wird, die sie für die Entwicklung ihrer Kinder haben und
ihnen auch die Zeit zugestanden wird, die Vatersein braucht. Es braucht
aber auch passende Rahmenbedingungen in Gesellschaft und Unternehmen
sowie von Seiten der Väter mehr Gelassenheit und Zuversicht.
An welches Erlebnis mit Ihrem Vater erinnern Sie sich am liebsten?
Das sind die Fahrradtouren die er mit uns unternommen hat. Außerdem
habe ich einem Haushalt ohne Auto erfahren, (trotzdem) mobil sein zu
können.
Ihr aktuelles Buch hat die Bestsellerautorin Nicola Schmidt
gemeinsam mit ihrem Partner Klaus Althoff geschrieben und ist mit dem
Untertitel ‚Dein Weg zum Kind‘ versehen. Damit stapeln die beiden tief, erstens
beschreiben sie eine Vielzahl von Wegen und Möglichkeiten zum Vatersein und
zweitens beinhalten diese Pfade auch die gemeinsamen Schritte zum Eltern und
Familie werden, in welcher Konstellation auch immer, aber mit der Aussicht auf
eine gleichberechtigte und partnerschaftliche Aufteilung von bezahlten und
unbezahlten Aufgaben und Arbeiten.
Dass dieser Weg schon lange vor der Geburt anfängt,
schreiben die beiden schon im zweiten Absatz des Vorworts: ‚Wie gut sich alle
Beteiligten … schon vor der Geburt vorstellen können, eine Familie zu sein,
sagt viel darüber aus, wie es später sein wird. Es gilt also, die wichtigen
Informationen rechtzeitig zu haben, die Weichen frühzeitig zu stellen und
‚kluge‘ Entscheidungen zu treffen.
Und dafür liefern Schmidt und Althoff auf den folgenden 235
Seiten eine wahre Fülle an Ideen, Wissen, Anregungen und Erfahrungen in einem
inhaltlich und grafisch sehr ansprechenden Format.
Das Buch behandelt in drei Kapiteln Schwangerschaft, Geburt
und Wochenbett wobei die ersten 9 Monate in sieben Abschnitte aufgeteilt sind.
Der siebte beschäftigt sich unter der Überschrift ‚Cool bleiben‘ mit
Terminüberschreitung und Übertragung. Innerhalb dieser Anordnung gibt es
verschiedene inhaltliche Blöcke, die sich in jedem Abschnitt wiederholen: ‚Das
sollten Väter vorher wissen‘, ‚Wissenschaftscheck‘, ‚Übungen‘ und ‚So sieht es
aus‘. In letzterem beschreiben Klaus und/ oder Nicola ihre Ansichten zu den
zuvor behandelten Themen und geben persönliche Erfahrungen weiter.
Neben diesen großen Blöcken gibt es kleinere Merkposten, die
sich direkt an die werdenden Väter richten bzw. Erfahrungen und Fragen von
Vätern wiedergeben: ‚Was hättest du gern vorher gewusst?‘, ‚You have a new
message‘ sind Impulse aus der Perspektive des ungeborenen Kindes. Eine ‚Not to
do Liste‘ fasst die Empfehlungen der Autor*innen prägnant zusammen sowie ‚Dein
Clan‘. In dieser Rubrik werden Ansprechpartner und Vertrauenspersonen für die
Väter und deren Bedeutung benannt.
Apropos ‚Clan‘, insbesondere Klaus Althoff betont an
verschiedenen Stellen seiner Statements immer wieder die Bedeutung einer
Vätergruppe in der sich Männer über ihre Anliegen, Ängste und Hoffnungen
austauschen können. Vor und auch nach der Geburt: ‚Was aber … ganz wichtig ist,
ist der Austausch mit anderen Vätern. Wir Männer reden oft so wenig – vor allem
wenig miteinander und über die Dinge, die uns schwerfallen und belasten.‘ Er
lädt die Männer deshalb dazu ein ‚Väterbanden‘ zu bilden.
Auch an anderen Stellen greift er auf seine Erfahrungen als
Personalentwickler zurück. Der Weg zum Vatersein ist ein Change Prozess. Beim
Eltern werden geht es, vor allem im Hinblick auf die Fragen, wer macht was, zu
welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang auch um einen Teambuildingprozess bei
dem Erfahrungen aus dem Projektmanagement genutzt werden können. Diese Begriffe
werden von beiden Autor*innen situationsbezogen und praxisnah mit Inhalten
gefüllt und im Managementtraining bewährte Methoden wie der Dialogspaziergang
auf den Alltag werdender Eltern übersetzt. Sie betonen immer wieder, wie
wichtig die Entwicklung eine geteilten Vorstellung von dem Leben zu Dritt für
eine gelingende Vater-, Mutter- und Elternschaft ist.
Neben pädagogischen und biologischen Themen werden aber auch
ganz praktische insbesondere für nicht verheiratete Väter bedeutsame Dinge
angesprochen: Es ist wichtig, rechtzeitig über eine Vaterschaftsanerkennung und
gemeinsame Sorge zu sprechen und die erforderlichen Schritte rechtzeitig in die
Wege zu leiten. Das gleiche gilt für Absprachen über Aufteilung der Elternzeit.
Entgegen der lange Zeit von der Familienpolitik propagierten 12 plus 2 Regelung
betonen Schmidt und Althoff die Bedeutung der frühen Elternzeit des Vaters und
treten auch für die ‚Vaterschaftsfreistellung unmittelbar nach der Geburt ein.
Im Kapitel Geburt weisen die beiden zum einen besonders auf
die Bedeutung einer Geburtsvorbereitung für Väter hin, diese senke das Risiko
für operative Geburtseingriffe. Wohl auch, weil Väter in der Lage sind, unter
der Geburt gegebenenfalls ihre Schutzfunktion für die Partnerin wahrzunehmen.
Zum anderen thematisieren sie das Risiko einer postpartalen Depression für
Väter. Die Zahlen aus den angelsächsischen Ländern weisen eine hohe Bandbreite
auf, wohl auch, weil Väter nicht durchgehend auf diese gesundheitliche
Belastung gescannt werden. In den deutschsprachigen Ländern wird dieses
Phänomen erst allmählich wahr- und ernst genommen. Die umfassende Behandlung
des Themas in diesem Band wird dazu sicherlich auch beitragen.
Auch wenn im letzten Abschnitt das Thema Fehlgeburt aus der
Perspektive der Väter, die mit dem Thema in der Regel alleingelassen werden,
thematisiert wird, eine ganz wichtige Botschaft steckt für mich einige Seiten
davor. Es ist die Sache mit der Performanzschere. ‚Es ist nämlich so, dass
viele Väter durchaus über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um ihre Kinder
liebevoll zu versorgen. Das Problem ist aber oft, dass sie diese Kompetenzen
nur unzureichend nutzen. … Klafft die Performanzschere erst einmal auseinander,
ist es schwierig, sie wieder zu schließen und die väterlichen Kompetenzen im
Alltag einzusetzen.‘ Auch dass ist ein Appell, von Anfang an aktiv dabei zu
sein und durch gemeinsames Tun väterliche Kompetenzen zu entwickeln und
anzuwenden.
Das Buch von Nicola Schmidt und Klaus Althoff ist für mich
nach dem 2005 ebenfalls im Gräfe und Unzer Verlag erschienen ‚Das Papa
Handbuch‘ von Robert Richter und Eberhard Schäfer ein zweiter Meilenstein, der
den Weg der Väter zu ihren Kindern nicht nur beschreibt, sondern Väter
ermutigt, diesen Weg auch zu gehen und die Rolle im Leben ihrer Kinder zu spielen,
die diese brauchen.
Es geht um die
erforderlichen Weichenstellungen für mehr väterliches Engagement. Katja
Gelinsky hat in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den
roten Faden der Fachtagung der LAG-Väterarbeit in NRW aufgegriffen und notwendige
Konsequenzen aufgezeigt.
‚Marco hat in der Corona- Pandemie seine Stelle als Fahrer
verloren – und seine Stellung als Ernährer der Familie. Die übernahm seine
Frau; sie ist Bürokauffrau. Marco kümmerte sich den ganzen Tag um den zweijährigen
Sohn; das Kind erhält in normalen Zeiten Frühförderung. Seine Frau sei nach
ihrem anstrengenden Arbeitstag kaputt gewesen, erzählt Marco in einem
Interview. „Bis spätabends war ich mit dem Kind beschäftigt.“
Klingt nach einer weiteren der vielen Corona-Stress-Geschichten.
Doch dann die Überraschung: „In einer ruhigen Minute, wenn mich keiner sieht, springe
ich manchmal noch vor Freude in die Luft“, berichtet Marco. Der Mann mit eckiger
Brille im grauen Sweatshirt lächelt vorsichtig, dann ein bisschen mehr: „Dass
ich das geschafft habe, was ich immer wollte – ein besserer Vater zu werden,
als mein Vater es gewesen ist!“
Andere Väter, deren Corona-Erfahrungen ebenfalls unlängst
auf einer Tagung der „Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit in NRW“ in
Video-Einspielern vorgestellt wurden, äußern sich nicht ganz so enthusiastisch.
Aber im Ergebnis stimmten die Männer – Krankenpfleger, Beamte, Handwerker und Architekten
– Marco zu: Die Pandemie habe sie zu engagierteren, sensibleren Vätern gemacht.
Es ist die Art Erfahrung, wie die Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit sie
fördern will; die LAG ist ein Zusammenschluss von etwa einem Dutzend
Organisationen und Vereinen, der sich, unterstützt vom Land, dafür einsetzt,
dass Väterpolitik stärker als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe wahrgenommen
wird. …‘
In der
Schriftenreihe „ehs-Forschung“ der Evangelischen Hochschule Dresden
(ehs) hat Nina Weimann-Sandig, Professorin für Soziologie und Empirische
Sozialforschung an der ehs, die Ergebnisse ihrer explorativen Untersuchung zu Perspektiven von Familienmitgliedern auf das Wechselmodell veröffentlicht.
Das Wechselmodell gehört in Deutschland zu denjenigen
Betreuungsmodellen, die als Alternative zum traditionellen
Residenzmodell diskutiert werden. Während das Wechselmodell in anderen
Ländern bereits rechtlich abgesichert wurde als zu präferierendes Modell
nach der Trennung von Eltern, konnte sich Deutschland bislang dazu
nicht durchringen. Die Diskussion über das Wechselmodell ist in
Deutschland emotional stark aufgeladen und geprägt von den
unterschiedlichen Interessen der Lobbyverbände getrenntlebender Väter
und Mütter. Um eine Diskussion über elterliche Nachtrennungsfamilien
objektiv führen zu können, braucht es deswegen empirisches
Datenmaterial. Die vorliegende Studie analysiert die Perspektiven von
betroffenen Müttern, Vätern und Kindern auf das Wechselmodell.
Im Koalitionsvertrag der ‚Ampel‘ ist zu diesem Thema zu lesen: „Wir
wollen gemeinsam mit den Ländern die Erziehungs-, sowie Trennungs- und
Konfliktberatung verbessern und dabei insbesondere das Wechselmodell in
den Mittelpunkt stellen.“
Fast alle zukünftigen Eltern wollen Elternzeit in Anspruch
nehmen und viele wünschen sich bessere Arbeitszeitmodelle. Gleichzeitig wachsen
die Erwartungen an Unternehmen und Organisationen im Bereich der
Familienfreundlichkeit für Mütter und Väter.
Am Freitag hat das Väternetzwerk conpadres in Hamburg die Trendstudie „Zukunft Vereinbarkeit“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Forsa befragte für die repräsentative Trendstudie zukünftige Eltern nach ihren Plänen und Erwartungen. „Unsere Studienergebnisse zeigen deutlich, dass Männer und Frauen mit Kinderwunsch einen ausgeprägten Wunsch nach mehr Familienbewusstsein haben und erwarten, dass ihre Arbeitgebenden diesem mit passenden neuen Arbeitsmodellen proaktiv begegnen“, fasst der Initiator des Väternetzwerks conpadres, Volker Baisch, die Ergebnisse zusammen. Er warnt außerdem, dass fast zwei Drittel der Befragten ihre Arbeitgebenden wechseln würden, wenn diese nicht auf die Wünsche der Eltern ausreichend eingingen.
Elternzeit für alle
Väter wollen aber nicht nur familienbewusste Angebote. 93
Prozent der befragten zukünftigen Väter planen in Elternzeit zu gehen. Ein
Ergebnis, das selbst den erfahrenen Väterspezialisten Baisch überrascht hat.
„Wir beobachten schon seit Jahren, dass sich immer mehr Väter eine längere
Elternzeit wünschen. Dass jetzt aber 93 Prozent der Väter Elternzeit nehmen
wollen und die große Mehrheit sogar mehr als die klassischen zwei
Partnerschaftsmonate, hat selbst uns überrascht.“
Vollzeit wird Auslaufmodell
Ein weiteres Ergebnis der Trendstudie ist, dass zukünftige
Väter sich die Kindererziehung gleichberechtigter mit ihren Partner:innen
teilen wollen. „Wir sehen deutlich, dass die künftigen Väter nicht nur
flexibler, sondern auch weniger Stunden arbeiten wollen.“ erklärt Baisch
„Das ‚New Normal‘ wird die 4-Tage-Woche, um Familie und Beruf im
Gleichgewicht zu halten“ schätzt der Unternehmensberater die Ergebnisse
ein. Die Erkenntnisse aus der Studie setzten damit nicht nur in der Wirtschaft
ein deutliches Zeichen, so Baisch, sondern seien auch richtungsweisend für die
zukünftige Regierung.
Starke Väter bedeuten starke Unternehmen
„Das Land braucht keine neuen Väter, sondern eine neue
Personalpolitik, einen modernen Unternehmergeist und eine Politik, die soziale
Nachhaltigkeit in der Unternehmenswelt stärkt und fördert,“ fasst Volker
Baisch die Aufgaben zusammen, die sich aus den Ergebnissen für Arbeitgebenden
und Politiker:innen ergeben. „Starke Väter bedeuten in der Folge starke
und attraktive Unternehmen für die kommende Elterngeneration.“
Mit der Studie will die gemeinnützige Unternehmensberatung Potentiale für eine zukunftsweisende und gewinnbringende Perspektive für Mütter und Väter aufzeigen und Unternehmen wettbewerbsfähig halten. Laut Baisch sei das Kernproblem nicht nur die ungerechte Lastenverteilung bei der Carearbeit, sondern auch die damit zusammenhängende ungleiche Bezahlung. Der Experte für das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Vätern“ freut sich über die deutlichen Studienergebnisse: „Denn aus den Ergebnissen können wir konkrete Maßnahmen ableiten und so werden wir gemeinsam mit unseren 30 Mitgliedsunternehmen im Väternetzwerk conpadres den gesellschaftlichen Wandel hin zu einer chancengerechteren Arbeitswelt beschleunigen.“