Führungskräfte sind immer auch Coaches und Mentoren ihrer Mitarbeitenden und die damit verbundenen Aufgaben und Anforderungen korrespondieren mit denen von Väterlichkeit. In einem Handbuch zur Mitarbeiterführung wird der Zusammenhang folgendermaßen beschrieben: „Bei der Auswahl von Führungskräften wird häufig viel zu einseitig auf das Expertenwissen geachtet nicht aber darauf, ob jemand die menschliche Reife hat, eine solche „Vaterrolle” auch auszufüllen. Vorgesetzte, die das Vatersein im psychischen Sinne nicht einigermaßen verwirklicht haben, stürzen ihre Mitarbeiter oft in tiefe Enttäuschung und Verbitterung, Sie geben ihnen zu wenig Orientierung, schützen sie nicht, kümmern sich nicht um sie, fällen ihnen in den Rücken und versuchen, nur von ihnen zu nehmen, statt ihnen zu geben.“
Eine reflektierte Väterlichkeit wird, und das ist eine kulturelle Zuschreibung, als eine Voraussetzung für gelingende Führung betrachtet. Diese Sichtweise teilt auch die im Januar gebildete „Initiative für Väterlichkeit in Familie und Unternehmen“. Die Gründer der Initiative haben die Vision, dass in Deutschland bis 2025 die Mehrheit der Männer und Frauen in Unternehmen Väterlichkeit als wertvoll erlebt hat. In den Augen der Initiatoren, Fachkräfte und Experten aus verschiedenen Professionen und in der Arbeit mit Vätern in Unternehmen beschäftigt, sind damit folgende strategischen Ziele verbunden:
Die Initiative für Väterlichkeit in Familie und Unternehmen organisieren, den Begriff der Väterlichkeit (Inhalte, Praktiken) und ihren Wert definieren und öffentlichkeitswirksam kommunizieren und für Unternehmen den Nachweis erbringen, dass gelebte Väterlichkeit ein Wettbewerbsvorteil ist.
Dies soll vor dem Hintergrund der folgenden Werte und Prinzipien geschehen: Verantwortung für sich und andere – insbesondere für Kinder übernehmen, Offenheit nach innen und außen sowie Vielfalt, Gleichwertigkeit der Unterschiedlichkeit gewährleisten und Partnerschaft im Dialog zwischen Männern und Frauen praktizieren sowie Brückenfunktionen zwischen Familien und Unternehmen wahrnehmen.
Der Kapitalismus wird immer seltsamer. Während das ‚Zeitalter der Arbeit‘ zu Ende geht, wird die Arbeit immer präsenter – wir leben in einer Arbeitsgesellschaft, der sich niemand entziehen kann. Der Arbeiter heute fühlt sich leer und tot.
Das Buch ‚Dead Man Working‚ von Carl Cederström und Peter Flemmingerzählt die Geschichte des toten Menschen, von den erniedrigenden ‚Teambildungsübungen‘ und den peinlichen Begegnungen mit dem hippen Boss, der vorgibt, den Kapitalismus zu hassen, und seine Untergebenen auffordert, ‚authentisch‘ zu sein.
In dieser Gesellschaft wird Arbeit als lebendiger Tod erfahren. Und doch ist der ‚Dead Man Working‘ gezwungen, ein nettes Lächeln aufzusetzen, Begeisterung vorzutäuschen und zwischendurch einen faden Witz zu machen. Wenn die Unternehmen das Leben bis in unsere Träume hinein kolonisiert haben, dann wird die Frage nach dem Entkommen umso drängender
Ein ganz anderes Szenario entwickelt das Fraunhofer Institut in seinem Projekt ‚Office 21’bei dem unter anderem im Rahmen einer Delphi-Studie, mehr als 130 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu 48 Schlüsselthesen über die Zukunft der Arbeit befragt wurden.
Darunter finden sich Thesen zur Vereinbarkeit und zur Life-Balance genauso wie zu technologischen und organisatorischen Entwicklungen und zu globalen Megatrends. Eine Kernaussage dieser Szenariostudie lautet:
Die Integration von Arbeit und Freizeit wird sich weiter verbreiten, Personen und Geräte werden sich umfassend vernetzen, Büroarbeit wird sich individueller organisieren und gestalten lassen.
Im Interview mit der Zeitschrift derStandars.at äußert Hirnforscher Joachim Bauer was ihn an einer Arbeitsweise, die uns ruiniert und Führungskräften, die ihre Mitarbeitenden nicht mehr erreichen bedrückt.
STANDARD: Persönliche Anerkennung und Wertschätzung aktivieren die neurobiologischen Motivationssysteme. So viel ist aus der Hirnforschung bewiesen, … Warum läuft trotzdem so viel in die gegenteilige Richtung?
Bauer: Wir erleben seit 20 Jahren einen Prozess, den Richard Sennett als „neuen Kapitalismus“ bezeichnet, den Druck auf Unternehmen, die Politik der steigenden Kurse und immerfort steigende Gewinne zu machen. Dadurch sind Instabilität und Umstrukturierungen zu einem Selbstwert geworden. Permanente Unruhe gilt da als Qualitätsmerkmal inklusive Personalwechsel. Da hat gute Führung gar keine Zeit mehr, sich auszubilden.
STANDARD: Wie sähe sie aus?
Bauer: Um Potenziale auszuschöpfen, muss zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten eine produktive Resonanz in Gang kommen, für deren Gelingen unser Gehirn die Spiegelnervenzellen bereithält. Führungspersonen sollten starke Resonanz-Empfänger sein, um die innere Position ihrer Mitarbeiter ein Stück weit intuitiv zu erfassen und zu begreifen – nicht um sie in Watte zu packen, sondern um die Mitarbeiter auch zu erreichen. Und sie sollten auch starke Sender-Eigenschaften haben: Manager können durch ihr Auftreten Mitarbeiter intuitiv veranlassen, die innere Position der Führungsperson, vor allem deren Erwartungen und Visionen, zu erfassen und zu übernehmen.
STANDARD: Mit Unehrlichkeit und bloßer „Performance“ bleibt statt positiver Resonanz lediglich Misstrauen, weil gefühlt wird, dass es nicht stimmt?
Bauer: Natürlich. Auch Fairness ist kein Fantasiekonstrukt irgendwelcher Gutmenschen, sondern ein neurobiologisch verankertes Prinzip des zwischenmenschlichen Umgangs. Erlebte Unfairness ergibt Widerstand, Passivität, Verweigerung. Besonders gefährlich sind Führungsstile, die als ausgrenzend und demütigend wahrgenommen werden: Vom Gehirn können sie als willkürlich zugefügter körperlicher Schmerz wahrgenommen werden und zu Reaktionen wie Aggressivität oder Sabotage führen. …
… lautet das Schwerpunktthema im aktuellen Switchboard, der Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit. In seinem Editorial schreibt Alexander Bentheim dazu:
‚“Alles geht, nichts funktioniert“ titelte der Stern im März 2007 anlässlich einer Studie des Instituts für Sozialforschung über »Neue Väter« und resümierte: „Zwischen Dienst- und Kinderwagen verzetteln sich so einige“. Nun gibt es Väterstudien mittlerweile eine Menge, und nicht erst seit sechs Jahren. Offenbar jedoch muss der Erkenntniszugewinn immer wieder in Typisierungen oder Trends verpackt werden, um unters Volk gebracht zu werden – Missverständnisse aufgrund von Simplifizierungen oder Pointierungen dabei billigend in Kauf nehmend, manchmal auch vorsätzlich provoziert.
Für den interessierten Laien – der natürlich nicht selbst alles nachrecherchieren kann – eine selten hilfreiche Gemengelage zwischen dem subtextuellen „Tu dies“ und „Lass das“. Einmal mehr möchten wir deshalb mit dem Schwerpunkt dieser Ausgabe anregen, Väterlichkeiten – und da gibt es immer wieder Neues zu entdecken – als „lebendiges Prinzip“ in diversen Reifeprozessen zu verstehen, wie es Hans-Georg Nelles vorschlägt.
Weitere Erlebensangebote kommen von Guido Wiermann, der einen – so oder so – mitnimmt in eine Zeit, in der sich so vieles noch langsam entwickeln durfte, von Tobias Niebergall über Väterbeteiligungen in Kitas oder von Marc Melcher zu spielerischen Auseinandersetzungen von Jungen mit aktiver Vaterschaft. Neue Väterlichkeiten können ebenso weitergedacht werden, wo sich Matthias Stiehler gegen verunsichernde Entstrukturierungen wendet oder Andreas Eickhoff sich damit beschäftigt, dass und wie er selbst nicht Vater wurde.‘
Die Isländer legen väterpolitisch in Europa wieder einen ‚Benchmark‚ vor: nicht nur eine Verlängerung der bezahlten Elternzeit von 9 auf 12 Monate, sondern sogar eine Änderung der bisherigen Zeit-Drittelung auf eine väterinklusive 5-2-5-Regelung. Fünf Monate für die Mutter, fünf für den Vater und 2 Monate zur freien Verfügung. Und die finanzielle Kompensationsdeckelung von 75%, die 2008 in Zeiten der Wirtschaftskrise eingeführt wurde, soll bald wieder auf das Ausgangsniveau von 80% angehoben werden.
Wirklich ermutigende Signale, v.a. weil man auch sieht, dass die schwere Wirtschaftskrise in Island eben nicht zu einem Zurückfahren bisheriger sozialpolitischer Errungenschaften geführt hat (das Land stand ja kurz vor dem Kollaps und hat sich durch einen konsequenten Sparkurs und wirtschaftliche Produktivität regeneriert), sondern diese, nach einer vorübergehenden Pause, sogar weiter ausgebaut.
Frau Schröder könnte sich davon etwas abschauen, anstatt das Elterngeld zu senken und sonstige Anachronismen wie zum Beispiel das einzuführen.
Der Fotograf Karsten de Riese hat mit „Von Vätern und Söhnen“ einen beeindruckenden Bildband zum prägenden Verhältnis zwischen Männern gestaltet. Die schwarz-weißen Bilder offenbaren die Schattierungen in den Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen, die reduzierten Settings fokussieren auf Blicke und Berührungen der Männer, auf die visuell verdichteten Beziehungen zwischen Alt und Jung.
Wie gewandet sich der Vater, wie der Sohn? Wer legt wem die Hand auf? Wer sitzt, wer steht und wie viel wortloses Einverständnis wirkt zwischen den beiden? Einige der Aufnahmen erzählen mehr über Nähe und Distanz zwischen Vater und Sohn, als es Worte wohl könnten. De Rieses fotografische Langzeitstudie hat sich über zehn Jahre erstreckt.
Familien befindet sich im Wandel. Vatersein liegt im Trend. Die ‚modernen Väter‘wollen in Beruf und Familie erfolgreich sein. Sie wollen ihre Karriere im Unternehmen verfolgen und sich zugleich aktiv an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen.
Kennen Sie die Väter in Ihrem Betrieb und nutzen Sie ihre Potenziale?
Wie gehen Sie in Ihrem Betrieb mit dem Thema Vereinbarkeit um?
Mit diesen Fragen und den ‚neuen Vätern beschäftigt sich am 22. April 2013 ab 18:30 Uhr im Kreishaus Dietzenbach die Veranstaltung „Guter Job, gutes Gehalt, guter Vater – Karriere und Familie sind vereinbar“. Im Vordergrund steht dabei die Frage, was Unternehmen wann und wie tun können, um ihre Angestellten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen und zu fördern, denn: Familienfreundlichkeit lohnt sich! Beispiele aus der Praxis zeigen: Es geht!
Dr. Ulrich Kuther, Geschäftsführer der hessenstiftung familie hat zukunft wird die Trendstudie „Moderne Väter“ vorzustellen. Der Rundfunkjournalist Andreas Horchler übernimmt die Moderation an diesem Abend. Die Veranstaltung richtet sich an Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Kreis Offenbach und andere Interessierte.
Frauen in Partnerschaften sind in Deutschland immer häufiger berufstätig. Ihr Beitrag zum gemeinsamen Verdienst lag im Jahr 2011 bei 30 Prozent, was einem Zuwachs von drei Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2000 entspricht. Dies zeigen aktuelle Berechnungen des DIW Berlin auf Grundlage von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).
Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist der zunehmende Wechsel von Frauen aus Nichterwerbstätigkeit in Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung, vor allem in Westdeutschland. In Ostdeutschland beträgt der Anteil, den Frauen zum gemeinsamen Verdienst leisten, sogar nahezu 40 Prozent. Denn: In den neuen Bundesländern sind Frauen schon seit langem häufiger und mit einer höheren Wochenarbeitszeit berufstätig als Frauen in Westdeutschland.
Durch hohen Erwartungs- und Leistungsdruck, moralische und normative Anforderungen, durch Zeitmangel, familiäre Trennungen, Abnabelung in der Pubertät, Konkurrenz, durch schulische und berufliche Belastungen, tradierte familiäre Glaubenssätze und viele andere Einflüsse kann die Beziehung von Sohn und Vater heute belastet sein. Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass Väter und Söhne zunehmend getrennte Wege gehen und intensive Begegnungen immer weniger stattfinden.
Dem setzen Lutz und Lukas Böning, Vater und Sohn, etwas entgegen: Eine Kanutour vom 9. Bis zum 12. Mai, bei der noch wenige Plätze für Vater-Sohn Paare frei sind. In ihrem Blog schreiben die beiden über die Tour:
‚Wir werden von Thomsdorf nach Bredereiche mit dem Kanu unterwegs sein, durchfahren den Küstrinchenbach und überqueren klare Seen. Abends bauen wir auf Biwakplätzen unsere Zelte auf, bereiten gemeinsam Essen zu, sitzen am Lagerfeuer und genießen die Natur.
In den vier Tagen werden Sie als Gruppe oder als Sohn- Vater- Paar interaktive Aufgaben bewältigen und reflektieren. Wir tauschen uns über Themen aus, die für Väter und Söhne wichtig sind. Dabei suchen wir nach Fragen und Antworten in der Beziehung. Es ergeben sich Möglichkeiten, weg von alten Gewohnheiten, sich anders aufeinander einzulassen. Sie können sich als Vater und Sohn mit anderen Sohn- Vater- Paaren austauschen und praktische Erfahrungen in den Alltag mitnehmen.
Wir wollen aber auch Abenteuer erleben, toben, gemeinsam singen, vielleicht kämpfen, spielen und Spaß haben, auftanken, kreative Ideen entwickeln und uns gegenseitig stärken.‘
Detailinformationen zu Anmeldung und Preis gibt es hier.