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Archiv für Dezember 21st, 2025

… na sowas: Ausgerechnet gut gemeinte Frauen-Netzwerke können Ungleichheit verstärken

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Dezember 2025

Frauen-Netzwerke gelten in vielen Unternehmen als zentrale Maßnahme, um den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Eine neue Studie von Prof. Dr. Karin Kreutzer, Patricia Hein und Maikki Diehl zeigt: Ob solche Formate tatsächlich Empowerment fördern oder unbeabsichtigt bestehende Ungleichheiten verfestigen, hängt entscheidend von ihrer Gestaltung ab.

„Viele Unternehmen wollen mit Frauen-Netzwerken Gleichstellung fördern. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass diese Initiativen schnell kontraproduktiv wirken können, wenn sie vor allem darauf abzielen, Frauen an bestehende – häufig männlich geprägte – Praktiken anzupassen“, erklärt Karin Kreutzer.

Besonders kritisch bewerten die Autorinnen ein paradoxes Muster: Obwohl Unternehmen Gleichstellung betonen, reproduzieren sie durch bestimmte Netzwerkformate subtile Formen von Diskriminierung. In der Forschung wird dies als „benevolent sexism“ bezeichnet – eine scheinbar wohlwollende Haltung, die Frauen als schutzbedürftige Empfängerinnen von Unterstützung adressiert und kollektives Handeln eher bremst als stärkt. Statt strukturelle Ungleichheiten zu hinterfragen, geraten Frauen so in die Rolle derjenigen, die sich an bestehende Macht- und Karrierelogiken anpassen sollen.

Dies gilt umso mehr, wenn Männer und Väter nicht gleichermaßen als Subjekte im Gleichstellungsdiskurs angesehen werden und eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Carearbeit nicht thematisiert wird.

Die Studie zeigt außerdem, unter welchen Bedingungen Frauen-Netzwerke ihr Potenzial entfalten können. Erfolgreich sind sie insbesondere dann, wenn:

  • sie auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet sind statt auf symbolische Sichtbarkeit,
  • sie zukunftsorientiert arbeiten und nicht vermeintliche Defizite adressieren,
  • sie Hierarchien abbauen, sodass Frauen die Formate eigenständig prägen können.

Netzwerke sind also keine Reparaturinstrument für individuelle Defizite, sondern können Katalysator für strukturellen Wandel sein. Voraussetzung ist jedoch, dass sie nicht als gut gemeinte „Hilfe“ verstanden werden, sondern als Raum, um diskriminierende Strukturen sichtbar zu machen und zu verändern.

Quelle

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