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Geburt eines Kindes führt zu langfristigem Rückgang kultureller Teilhabe

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Sonntag 21. Juni 2026

Mit der Geburt des ersten Kindes verändern sich nicht nur Alltagsroutinen, sondern auch Freizeit- und Kulturaktivitäten von Eltern. „Das kulturelle Aktivitäten nach der Geburt eines Kindes zurückgehen, würden viele erwarten. Das Ausmaß und die Dauer dieses Rückgangs haben uns jedoch überrascht“, sagt PD Dr. Hendrik Sonnabend von der FernUniversität in Hagen.

Deutlicher und langfristiger Rückgang kultureller Aktivitäten

Die Analyse zeigt: Mit der Geburt des ersten Kindes sinkt die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten je nach Art der Aktivität um 13 bis 54 Prozent. Der Rückgang betrifft sowohl den Besuch kultureller Veranstaltungen wie Kino, Konzerte oder Theater als auch Museumsbesuche, sportliche Aktivitäten und andere Formen kultureller Teilhabe.

Besonders bemerkenswert ist aus Sicht der Forschenden, dass sich die Teilnahme auch langfristig nicht wieder vollständig erholt. Selbst zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes erreichen Eltern nicht wieder das Niveau kultureller Aktivitäten, das sie vor der Elternschaft aufwiesen.

Kurzfristig lassen sich die Veränderungen vor allem durch einen erhöhten Zeitaufwand für Betreuung und Haushalt sowie durch geringere zeitliche Flexibilität erklären. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Elternschaft darüber hinaus einen langfristigen Einfluss auf den Lebensrhythmus und das Freizeitverhalten hat.

Unterschiede zwischen Müttern und Vätern

Der Rückgang kultureller Aktivitäten betrifft sowohl Mütter als auch Väter, allerdings in unterschiedlicher Weise. Mütter reduzieren ihre kulturellen Aktivitäten unmittelbar nach der Geburt stärker und übernehmen häufiger zusätzliche Betreuungs- und Hausarbeit. Bei Vätern sinkt dagegen insbesondere die Wahrscheinlichkeit, überhaupt kulturell aktiv zu sein.

„Viele kulturelle Aktivitäten werden gemeinsam als Paar wahrgenommen. Wenn ein Elternteil nicht teilnehmen kann, verzichtet häufig auch der andere auf den Besuch“, erläutert Sonnabend.

Zusätzliche Kinder verändern die Effekte nur geringfügig

Hier zeigt die Untersuchung, dass ein weiteres Kind lediglich geringe oder keine zusätzlichen Auswirkungen auf die kulturelle Teilhabe hat. Der entscheidende Einschnitt erfolgt demnach bereits mit dem Übergang zur Elternschaft.

Ansatzpunkte für Kultur- und Familienpolitik

Kulturelle Teilhabe wird in der Forschung mit Wohlbefinden, sozialer Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt in Verbindung gebracht. Die Studienergebnisse legen daher nahe, dass insbesondere Familien mit kleinen Kindern stärker in den Blick genommen werden sollten.

„Die Studie zeigt, dass der entscheidende Einschnitt bei der Geburt des ersten Kindes stattfindet. Hier könnten kultur- und familienpolitische Maßnahmen ansetzen“, sagt Sonnabend. Mögliche Ansatzpunkte seien familienfreundliche Veranstaltungsformate mit flexiblen Zeiten, Betreuungsangebote in Kulturinstitutionen oder niedrigschwellige, wohnortnahe Kulturangebote.

Sonnabend, H., Westphal, M. Family first: the causal effect of family size on cultural participation. J Cult Econ (2026).

Quelle

 

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