Väter sind unglaublich flexibel sind, wenn es darum geht,
was sie für ihre Familien leisten können und den Anforderungen der jeweiligen
Situation gerecht werden zu können.
Dr. Mairi Macleod, Evolutionsbiologin, Wissenschaftsautorin
und Beraterin, hat bei einem DADx-Sitzung des Fathers Network Scotland erklärt,
warum Männer biologisch so angepasst sind, dass sie, wenn die Bedingungen
stimmen, zupackende Väter sind, und auch danach zu fragen:
Wie können wir die Praxis am Arbeitsplatz
ändern, damit Väter Väter sein können?
Was sind die Vorteile für Arbeitgeber, Väter und
die ganze Familie?
Und wie könnte die globale Pandemie dazu
beitragen, die Dinge in Zukunft zum Besseren zu wenden?
Dr. Macleod leistet Pionierarbeit, wenn es darum geht, gewachsene Motivationen zu verstehen und aufzuzeigen, wie wir unser Umfeld, unsere Gewohnheiten und unsere Einstellungen so verändern können, dass sie unseren Bedürfnissen in der modernen Welt besser entsprechen.
Der demografische Wandel, die Alterung von Gesellschaften und der Mangel an Fachkräften, gerade auch in der Pflege sind Themen, die in fast allen Ländern an Bedeutung gewinnen. Die aktuelle Studie und der Bericht „State of America’s Fathers“ hat die Einbeziehung von Männern ins Pflegesystem als Jahresthema.
Männer, nicht nur in den in den USA, wollen sich kümmern und übernehmen mehr Pflegearbeit als je zuvor. Die Autor:innen der Studie gehen von der Überzeugung aus, dass die Befähigung und Unterstützung von Männern zur Pflege für alle notwendig ist – für Frauen, für Kinder und für Männer selbst.
Ihnen geht es vor allem darum, Männer als Verbündete in den
Diskurs über die Care Arbeit einzubeziehen und die Leistungen der Männer
anzuerkennen, die sich bereits heute für die Pflegepolitik, die Unterstützung
und die Gleichstellung einsetzen. Die Diskussion über die Pflegearbeit von
Männern ist für sie auch eine Gelegenheit, politische Polarisierungen zu
überwinden und alle Männer dazu aufzurufen, sich zu verbinden, mitfühlend zu
sein und nach Gleichberechtigung zu streben, und die Fortschritte in der
Pflegepolitik zu erreichen, die benötigt werden.
Um eine stärkere Beteiligung von Männern an der Pflege zu
erreichen, ist es unabdingbar Männer und Väter dabei zu unterstützen, sich in
die Pflege einzubringen zu können. Vor allem gilt es, die strukturellen
Faktoren zu verändern, die den Wert der Pflege in der Gesellschaft bestimmen
und beeinflussen, und die festlegen, wer diese Arbeit übernimmt. Zusätzlich
braucht es einen Kulturwandel, der uns davon abbringt, die Pflege durch eine
individuelle Brille zu betrachten, und der uns zu gemeinsamen Problemlösungen
und öffentlichen Lösungen führt.
Konkrete Maßnahmen – große und kleine – können uns zu einer
Welt führen, in der alle ein berufliches und persönliches Leben mit Würde gestalten
können. Dazu gehören Änderungen von Gesetzen und Politiken mit angemessener
Mittelausstattung und klaren Umsetzungsplänen, Änderungen in Schulen, am
Arbeitsplatz und in Gesundheitseinrichtungen, Änderungen kultureller Narrative,
Änderungen der Geschlechternormen im Zusammenhang mit der Pflegearbeit und
Änderungen in unserem öffentlichen und privaten Leben und Lebensunterhalt.
Konkret werden in dem Report unter anderem folgende
Forderungen aufgestellt:
Nationale Politiken für bezahlte Pflegezeit zu
unterstützen, zusammen mit Maßnahmen am Arbeitsplatz, die Männer (und alle
pflegenden Angehörigen) dabei unterstützen, Pflegezeit zu nehmen und Pflege zu
übernehmen.
Herausstellen, dass Pflege durch Männer wichtig
ist, und dies sowohl online als auch an allen Orten, an denen sich Männer
aufhalten
Männer als Aktivisten und Fürsprecher für die
Pflegepolitik zu ermutigen und zu engagieren
Medien dabei unterstützen, über die Pflegearbeit
von Männern zu berichten.
die Art und Weise, wie Jungen sich mit Pflege
auseinandersetzen können, radikal verändern und ihnen von klein auf Möglichkeiten
geben zu erfahren, Pflegeaufgaben ist.
Die Studie „State of America’s Fathers“ bestätigt, was
wir auch in Deutschland schon lange wissen: Eltern und alle Menschen, die sich
um ein Kind oder einen geliebten Menschen kümmern, brauchen Unterstützung dabei,
Fürsorgeaufgaben wahrzunehmen, ohne ihren Job, ihre finanzielle Stabilität oder
ihr Wohlergehen zu riskieren.
Wenn ein Paar mit Kindern sich trennt ist dies eine enorme
Herausforderung zur Neuorganisation für alle Familienmitglieder. In der Regel
fehlen den Eltern Erfahrungen wie sie ihre Kinder dabei am besten begleiten
können, meist sind sie akut und lange danach damit beschäftigt, ihre eigene
Situation neu einzurichten.
Auch wenn in den letzten Jahren immer mehr Eltern für ihre
Kinder eine gute Regelung suchen und dabei Rat und Hilfe suchen, erleben immer
noch zu viele Kinder unsichere und schlimmstenfalls hochstreitende
Eltern.
Der Familienkongress des Väteraufbruch für Kinder beschäftigt
sich deshalb nach einer Bestandsaufnahme der Lage von Trennungskindern und
ihren Familien mit Konzepten, wie Familien vor, während und nach einer Trennung
unterstützt und wie sie das für sich und ihre Kinder geeignete Betreuungsmodell
finden können.
Der Familienkongress findet von Freitag, den 24. November, 19:00 Uhr bis Sonntag, 26. November, 15:00 Uhr, im Stephanstift, in 30625 Hannover statt.
Referent:innen
Dr. Stefan Rücker, Leitung Forschungsgruppe PETRA u.a.
Prof. Dr. Nina Weimann-Sandig, Professur für Soziologie und Empirische Sozialforschung, EFS Dresden
RA Sabine Hufschmidt, Mediatorin/Anwältin
n.n.
Themen
Von der Bindungsfürsorge bis Eltern-Kind-Entfremdung – wie Erziehungsverhalten getrennter Eltern auf Kinder wirkt (Dr. Stefan Rücker, Leitung Forschungsgruppe PETRA u.a)
Kinder brauchen beide Eltern (Prof. Dr. Nina Weimann-Sandig, Professur für Soziologie und Empirische Sozialforschung, EFS Dresden)
Chancen der Familienmediation – auch bei hochstrittigen Trennungseltern? (RA Sabine Hufschmidt, Mediatorin/Anwältin)
Mutter, Mutter Kind – Regenbogenfamilien und mögliche Eltern-Kind-Beziehungen mit anschließender Diskussion (Film am Vorabend)
Teilnahmebeitrag
In den Kosten ist auch die Verpflegung Mittag-, Kaffee und
Abendessen enthalten.
80,00 € Mitglieder und Kooperationsvereinbarungen mit anderen Verbänden
60,00 € Studierende
110,00 € sonstige Teilnehmende bei Anmeldung bis zum 31.10.2023
140,00 € ab dem 01.11.2023 (soweit noch Plätze verfügbar)
Nähere Informationen zum Programm werden auf der Kongress-Seite veröffentlicht und fortlaufend aktualisiert. Dort ist ab sofort auch eine Voranmeldung möglich.
… was Väter können, was sie fürs Vatersein noch benötigen
und was sie gemeinsam lernen können
Diese Fragen werden beim ersten VäterSummit in NRW am 26.
August in Essen thematisiert. Am Vormittag wird Teresa Bücker, Journalistin und
Autorin des Buchs ‚Alle Zeit‘ unter der Überschrift ‚Ist es radikal, wenn Väter
sich mehr Zeit für die Familie nehmen?‘ ihre Gedanken und Vorschläge zu dem
Thema formulieren. Eingerahmt wird ihr Beitrag durch Impulse ‚aus dem
Väter-Leben‘ mit Comedian Florian Hacke. Moderiert wird der Väter von Sascha
Verlan, Mitinitiator des ‚Equal Care Days‘
Inhaltlich geht es dann nach der Mittagspause mit einem
BarCamp weiter. Die Väter können ihre Anliegen vorbringen und in zwei Runden
gemeinsam mit anderen Vätern bearbeiten. Unterstützt werden sie dabei unter
anderem Heiner Fischer (www.vaterwelten.de),
Hans-Georg Nelles (www.lag-vaeterarbeit.nrw)
und Sascha Verlan.
Für die Kinder gibt es den ganzen Tag spannende Spiel und
Bastelangebote.
Der #VaeterSummitNRW wird von der LAG Väterarbeit NRW gemeinsam mit den Gleichstellungsstellen in Bonn, Dortmund, Essen und Münster veranstaltet und richtet sich an Väter mit ihren Kindern sowie an Väterarbeit interessierte Fachkräfte. Weitere Informationen und eine Anmeldemöglichkeit zur Veranstaltung am 26. August finden Sie hier.
Stellungnahme des Vorstands der LAG Väterarbeit NRW zu den
Befragungsergebnissen von Plan International
Die Veröffentlichung von Ergebnissen der Umfrage
‚Spannungsfeld Männlichkeit‘ schlägt hohe Wellen. Im Mittelpunkt der Empörung
steht die vermeintliche Gewaltbereitschaft von mehr als einem Drittel der
befragten Männer.
Neben dem Thema ‚Gewalt in der Partnerschaft‘ zielte die
Umfrage aber auf weitere Aspekte von Männlichkeiten und die Ergebnisse sind,
völlig unabhängig von der Frage, ob sie repräsentativ sind oder nicht, ein
Weckruf zum Handeln. Für uns als Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit, aber
auch die Verantwortlichen in Kindertagesstätten, Schulen, Familienbildung- und
-beratung und die politisch Verantwortlichen in NRW und im Bund.
Die von den befragten jungen Männern im Alter zwischen 18
und 35 Jahren geäußerten Haltungen und Meinungen zeugen von einer großen
Verunsicherung darüber, was Männlichkeiten heute ausmachen und einer
Rückbesinnung auf überwunden geglaubte Vorstellungen.
Das kommt deutlich in den Vorstellungen zur Aufgabenteilung
in der Familie zum Ausdruck: 52 Prozent der jungen Männer sehen ihre Rolle
darin, im Beruf genug Geld zu verdienen, die Zuständigkeit für die Carearbeit
weisen sie ihrer Partnerin zu.
Abgesehen davon, dass dies auch bedeutet, dass 48 Prozent der Befragten einer
partnerschaftlichen Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zustimmt,
ist diese Rollenerwartung wirklich aus der Welt? Das Gerangel um die
Familienstartzeit, die als Vaterschaftsfreistellung im Koalitionsvertrag
verankert ist, weckt Zweifel.
Dabei sind diese zwei Wochen mehr als eine gemeinsame
Startzeit für Familien. Sie sind ein deutliches Signal, Vater du gehörst auch
an den Wickeltisch, du hast von Anfang an die Möglichkeit eine Bindung zu
deinem Kind aufzubauen und Verantwortung in und nicht nur für die Familie zu
übernehmen.
Diese Erfahrungen prägen und wirken langfristig im Hinblick auf
Partnerschaftszufriedenheit, fürsorglichem Verhalten und Engagement und beugen
so Konflikten und Gewalt in Beziehungen vor.
Fast alle befragten Männer empfinden einen
Veränderungsdruck. Damit sich dieser Druck und die damit verbundene
Verunsicherung nicht in Gewalt und anderen destruktiven Handlungen entlädt,
brauchen die jungen Männer Angebote, ihr Verhalten und ihre Ansichten im
Austausch mit anderen Männern zu reflektieren und bei einer Krise auch passende
Beratung.
Wir sind der Überzeugung, dass die kruden Rollenvorstellungen
und Männlichkeitsbilder auch Ergebnis von Erziehung sind. In Kindertagesstätten
und Schulen gibt es zu wenig geschlechterreflektierte Jungenarbeit und die
Anliegen und Bedürfnisse von Jungen spielen in der Ausbildung von
Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen kaum eine Rolle.
Das gleiche gilt für das Geburtshilfesystem, Väter und ihre Anliegen sind auch
hier nicht im Blick. Die Potenziale und Ressourcen einer Geburtsvorbereitung,
die auch auf eine geschlechtergerechte Aufgabenteilung in der Familie abzielt,
bleiben ungenutzt.
Die LAG Väterarbeit und ihre Mitglieder bieten Mitarbeitenden in den verschiedenen Einrichtungen und Hilfesystemen hierzu Fortbildungsangebote an. Vätern selbst werden Räume und Möglichkeiten eröffnet, sich mit anderen Vätern über ihren Alltag als Väter zu verständigen, auszutauschen und Sicherheut in der neuen Rolle zu finden.
Vom 16. Mai bis zum 14. Juni zeigte die LAG Väterarbeit NRW
in der Zentralbibliothek in Düsseldorf Schwarz-Weiß-Fotografien von Vätern und
ihren Kindern. Martin Moog, Fotograf aus Frankfurt, der seit knapp 20 Jahren
als ‚Tagesvater‘ arbeitet, hat Väter mit ihren Kindern und Männer, die in
verschiedenen Situationen für Kinder Verantwortung übernommen haben,
porträtiert. Seine Fotografien zeichnen ein Bild davon, wie ‚engagierte
Vaterschaft‘ aussehen kann und welche Zufriedenheit Männer und Kinder in dieser
Zweisamkeit ausstrahlen.
Das Selbstverständnis von Vätern sowie die Zuschreibungen
und Erwartungen an sie sind seit Jahrzehnten im Wandel. Väter wollen gute Väter
sein, von Anfang an für ihre Kinder da sein, ihre Entwicklung aktiv begleiten,
es besser machen als ihre eigenen, vielfach abwesenden Väter.
Im Alltag fällt es ihnen, auch aufgrund von unpassenden Rahmenbedingungen, schwer,
diese Vorstellungen zu leben. Die Bilder sind auch eine Ermutigung, diese
Wünsche nicht vorschnell aufzugeben.
Konfrontiert und ergänzt wurden die Fotografien mit Aussagen
von Vätern sowie Zahlen und Fakten zu den vielfältigen Lebenswirklichkeiten von
Vätern in NRW.
Eröffnet wurde die Ausstellung am Dienstag, den 16. Mai mit einer Lesung von Tillmann Prüfer, Autor des Buchs ‚Vatersein, Warum wir mehr denn je neue Väter brauchen‘ und der Zeit Kolumne ‚Prüfers Töchter‘ Im Gespräch mit dem Vorsitzenden der LAG-Väterarbeit, Hans-Georg Nelles hat er unter anderem die Geschichte der existierenden ‚Väterbilder‘ skizziert und dargelegt, dass es nur eine Person auf der Welt gibt, die einem Mann beibringen kann, wie gutes Vatersein geht: … das eigene Kind.
Zuvor hatte Norbert Kamp, Leiter der Bibliotheken in Düsseldorf,
in seinem Grußwort auf die Aktualität und gesellschaftliche Bedeutung des ‚Väterthemas‘
hingewiesen und Martin Moog etwas zur Idee und Entstehungsgeschichte der Fotografien
erzählt. Der Ort der Ausstellung, der ‚Freiraum‘ befindet sich im
Eingangsbereich der Zentralbibliothek gegenüber der Düsseldorfer Hauptbahnhofs.
Pro Monat hat die Bücherei etwa 100.000 Besucher.
Zum Abschluss der Ausstellung gab es am 12. Juni eine Finissage mit Fabian Soethof. „Väter können das auch!“, der Titel des Buchs von Fabian Soethof ist eine klare Ansage. Es ist wirklich Zeit, Familie gleichberechtigt zu leben. Die Fragen und Zweifel, die in dem Zusammenhang auftauchen drehen sich eher um das Wollen und Dürfen. Das wurde auch bei dem Talk und im Gespräch mit den Zuhörenden deutlich
Väter und Mütter wollen raus aus den traditionellen Mustern,
Erwartungen und Klischeefallen, das Vater- und Elternsein anders gestalten als
die eigenen Eltern. Das ist eine große Chance, aber auch eine Herausforderung,
die nicht nur aus unpassenden strukturellen Rahmenbedingungen besteht.
Fabian Soethof begleitet seine Leser:innen bei den
anstrengenden und verunsichernden Prozessen, Gewohntes in Frage zu stellen und
eigene Vorstellungen von Mann- und Vatersein auf den Prüfstand zu stellen.
Gleichzeitig inspiriert und ermutigt er Väter und Mütter, miteinander neue Wege
zu gehen.
Als die drei wichtigsten Punkte auf dem Weg zu mehr
Gleichberechtigung benannte er:
Privilegien,
patriarchale Strukturen, Rollenbilder und Ungerechtigkeiten erkennen: Nur
wer weiß, wie vergleichsweise gut er oder sie es hat, kann dafür sorgen,
dass es anderen auch mal besser geht.
Es
gibt kein Wissens-, sondern ein Handlungsdefizit: Fast alles, was in
meinem Buch steht, ist seit Jahren bekannt. Theoretisch steht
Gleichberechtigung also nichts mehr im Wege – praktisch unter anderem das,
was ich auf die erste Frage hin antwortete.
Das
Private ist politisch (und umgekehrt): Nur wer Gleichberechtigung
selbstverständlich in der Familie und von dort hinaus vorlebt, kann zu
einem Rollenwandel beitragen. Und nur, wer von Politik und Wirtschaft
dabei hinreichend unterstützt wird, kann sein Privatleben ändern.
Da es während der Ausstellung schon Fragen danach gab: die Ausstellung kann ausgeliehen und an anderen Orten gezeigt werden. Nachfragen können Sie gerne an die LAG-Väterarbeit stellen, die Ihr Vorhaben in NRW gerne unterstützt.
Väter wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und
Frauen finden Karriere besser als Kinder
„Wenn wir über Frauen nachdenken, kommen wir immer mehr von
einem ‚Und‘ zu einem ‚Oder‘. Die Wahl: Familie oder Erwerbstätigkeit.“ So Jutta
Allmendinger
Frauen in Deutschland ist es nicht mehr so wichtig, Kinder
zu bekommen. Das ist nachvollziehbar und legitim – zeichnet sich bei näherer
Betrachtung jedoch als unfreiwillige und dramatische Entwicklung ab. Beim ZEIT
für Arbeit-Event am 23. Mai in Berlin haben Jutta Allmendinger, Präsidentin des
Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), und Lena Hipp,
Leiterin der Forschungsgruppe „Arbeit und Fürsorge“ am WZB, die Ergebnisse der
vierten Vermächtnisstudie vorgestellt.
Fragen zur Einschätzung von Vätern in Deutschland wurde 2023
erstmals erhoben. Bei den Antworten fällt auf, dass Väter Kritik an sich selbst
äußern: Väter sollten in Zukunft mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, als sie
es heute tun. Wer mehr arbeitet (Vollzeit im Vergleich zu Teilzeit oder nicht
arbeitstätig), stimmt der Aussage, dass er genügend Zeit mit der Familie
verbringt, weniger zu. Die befragten Väter reflektieren also, dass mehr Arbeit
weniger Zeit für die Familie bedeutet.
Sie wünschen
sich für die Zukunft mehr Zeit in der Familie und gehen auch davon aus, dass
Väter in Deutschland mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen werden, als sie es
heute tun.
Hürden für Väter
Woran liegt es, dass Männer in Deutschland nicht genügend
Zeit mit ihren Kindern verbringen? Auch dazu wurden die Studienteilnehmerinnen
und -teilnehmer befragt. Auf einer Skala von 1 bis 7 sollten sie angeben,
welche Gründe ihrer Meinung nach Väter davon abhalten, mehr Zeit mit ihren
Kindern zu verbringen. Nachstehend werden die gewichteten Antworten von rund
2.160 Frauen und 2.040 Männern auf diese Frage abgebildet.
Das Haupthindernis sind finanzielle Gründe. Das sehen sowohl
Männer als auch Frauen so. An zweiter Stelle werden Hürden in der Arbeitswelt
genannt: Rund zwei Drittel der Männer in Deutschland und ein knappes Viertel
der Frauen stimmen der Aussage, dass der „Druck vom Arbeitgeber“ Männer davon
abhielte „mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen“ zu bzw. sehr zu. Interessant
ist, dass weniger als die Hälfte der Männer und Frauen den Druck seitens der
Kollegen als Hindernis ausmachen. 45 Prozent der Männer und 31 Prozent der
Frauen sagen, dass das nicht bzw. überhaupt nicht zutrifft. Fehlender Mut der
Väter scheint jedoch ein gewichtigeres Hindernis zu sein. Mehr als die Hälfte
der Bevölkerung im Alter von 23 bis 65 Jahren sieht den mangelnden Mut als
Ursache, warum Väter in Deutschland nicht genügend Zeit mit ihren Kindern
verbringen.
Von den etwas mehr als 1.500 Befragten, die auf die Frage, ob es „aus Ihrer Sicht noch andere Gründe … [gibt], warum nicht alle Väter in Deutschland so viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, wie sie gerne möchten“ geantwortet haben, wissen wir außerdem: Vorherrschende Rollenbilder, Egoismus und Desinteresse der Väter werden noch als weitere wichtige Hindernisse wahrgenommen. Auch Karriere und die Wünsche und das Verhalten von Müttern wurden von mehr als 10 Prozent der Befragten als Hindernis angegeben
Väter spielen Fußball, klettern ohne Seil. Väter zeigen, wo
es langgeht. Väter sind mit ihren Kindern Kind. Väter sind anders, sind
besonders, sind selten da, kein sicherer Hafen, aber für jedes Abenteuer zu
haben. Ist das wirklich so? Claudia Friedrich hakt nach.
(c) Tatjana Syrikova
Geschlechter-Identitäten brechen auf. Transgender und Queer
sägen an überkommenen Rollen. Auch heterosexuell gelesene Familien schneiden
alte Zöpfe ab. Doch immer noch verdienen Männer im Durchschnitt mehr Geld und
sind in Spitzenämtern unabkömmlich. Wie können sie dann Vater sein?
Seit den 1970er Jahren sind Väter Forschungsgegenstand.
Tendenz steigend. Es gibt Vater-Kind-Freizeiten, Vater-Workshops,
Vater-Beratungen. Forschende sezieren das Konstrukt Vaterschaft und die
Stereotype, die über Generationen hinweg transportiert werden.
Und was zeigt der Alltag? Wie engagieren sich Väter? Welche
Beziehungen pflegen sie zu ihren Kindern? Wie lebt es sich in einer Familie mit
zwei Vätern? WDR 5 setzt sich an Familientische.
WDR 5 Neugier genügt – das Feature. 17.05.2023. 23:31 Min.. Verfügbar bis 15.05.2024. WDR 5. Von Claudia Friedrich
Neben Coaching und Mediation bietest du verschiedene Kurse für Eltern, unter anderem „Starke Eltern, starke Kinder an“, was ist für dich der ‚rote Faden‘ deiner Arbeit?
Eltern zu stärken, weil
verunsicherte, belastete, beschimpfte und verurteilte Eltern wenig Kapazitäten
haben, ihre Kinder gelassen und präsent zu begleiten. Und Eltern bekommen von
allen Seiten Kritik, was sie tun und lassen sollen und was sie alles falsch
machen! Im Elternkurs arbeiten wir ressourcenorientiert und
lebensweltorientiert und helfen den Eltern dabei, ihre eigenen Lösungen für ihre
Herausforderungen zu entwickeln.
Seit einigen Jahren bietest du auch einen Kurs ‚Starke Väter, starke Kinder‘ an. Was ist das Besondere an diesem Angebot?
Die Kurse heißen „Wir Väter“
oder „Väter Solo“. In den Kursen arbeiten wir daran, die Vaterrolle unabhängig
vom tradierten Vaterbild, für jeden individuell zu entwickeln. In einer
Zukunftswerkstatt (Robert Jungk) wird, von der Kritik an der augenblicklichen
Situation ausgehend, über die Phantasie, wie es idealerweise wünschenswert sei,
an einem Weg zur Realisation einer eigenverantwortlichen Vaterrolle gearbeitet.
Nach dem Modell „neue Autorität
durch Präsenz“ (Haim Omer, Arist von Schlippe) können wir gemeinsam erkunden,
was es heißt, ein präsenter Vater zu sein.
Warum ist es wichtig, Väter gezielt anzusprechen?
Um ihnen einen Ort und Zeit zu
geben, über ihre Situation als Vater zu reden und sie zu ermutigen z.B. an
Starke Eltern Kursen teilzunehmen, um sich mit anderen Eltern – Vätern und
Müttern – über herausfordernde Situationen in der Familie auszutauschen und
neue Handlungsoptionen zu entwickeln. (Kooperative Elternschaft)
Ein Schwerpunkt deiner Arbeit ist die Arbeit mit Eltern in Trennungssituationen. Welche Entwicklungen, z.B. was das Engagement von Vätern angeht, konntest du in den letzten 10 Jahren beobachten?
In den KiB Kursen sind oft Väter
und Mütter, die ihre Kinder selten, wenig bzw. zu wenig sehen. Oft ist der Kurs
eine Auflage/Empfehlung des Gerichts. Die Lebenssituationen dieser Eltern sind
geprägt vom Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Dabei ist es schwer, die
Kinder im Blick zu behalten. Das hat sich in den letzten 10 Jahren nicht
geändert.
Kinder im Blick ist auch der Titel eines Programms für Eltern in strittigen Trennungssituationen. Du bietest dazu regelmäßig Kurse an, warum ist dieses Angebot für dich besonders wirksam
Der Kurs bietet die Möglichkeit
sich mit Betroffenen auszutauschen. Oft verstehen die Teilnehmenden die
Gegenposition besser, wenn sie nicht persönlich betroffen sind. Väter können
einen Perspektivwechsel erleben und ebenso die beteiligten Mütter. Der Kurs
bietet die Möglichkeit, Anteile an Eigenverantwortlichkeit für die
Trennungssituation zu sehen und dem Kind zu ermöglichen beide Eltern weiter
lieben zu dürfen. Eine besondere Herausforderung für Eltern ist es, die
belastenden und schwierigen Gefühle ihrer Kinder zu akzeptieren und ihnen zu
helfen, damit leben zu können.
… und was können Väter in Trennungssituationen durch eine Teilnahme für sich und die Beziehung zu ihrem Kind gewinnen?
Väter können die Opferrolle überwinden, Vertrauen in ihre Beziehung zum Kind festigen und geduldig an der Beziehung zum Kind arbeiten, ohne am Kind zu zerren. (Kaukasischer Kreidekreis)
Der Titel des Buchs von Fabian Soethof ist eine klare
Ansage. Es ist wirklich Zeit, Familie gleichberechtigt zu leben. Die Fragen und
Zweifel, die in dem Zusammenhang auftauchen drehen sich eher um das Wollen und
Dürfen.
Klar wollen Väter und Mütter raus aus den traditionellen
Mustern, Erwartungen und Klischeefallen, das Vater- und Elternsein anders
gestalten als die eigenen Eltern. Das ist eine große Chance, aber auch eine
Herausforderung, die nicht nur aus unpassenden strukturellen Rahmenbedingungen
besteht.
Fabian Soethof begleitet seine Leser*innen bei den
anstrengenden und verunsichernden Prozessen, Gewohntes in Frage zu stellen und
eigene Vorstellungen von Mann- und Vatersein auf den Prüfstand zu stellen.
Gleichzeitig inspiriert und ermutigt er Väter und Mütter, miteinander neue Wege
zu gehen.
Fabian Soethof, 1981 am Niederrhein geboren, schloss ein
Studium als Kulturwirt und Kulturjournalist in Duisburg und Berlin ab und
schreibt u.a. für den Tagesspiegel, Mens Health Dad und Süddeutsche Zeitung. Seit
2016 leitet die Online-Redaktion des Musikexpress. Mit www.newkidandtheblog.de
war er einer der ersten bloggenden Väter. Soethof lebt mit Frau und zwei Söhnen
in Berlin.