Für volle Parität sind weitere gesetzliche Maßnahmen erforderlich
Wie Destatis heute berichtet, hat sich die Zahl der Männer
mit Elterngeldbezug im Vorjahresvergleich um 10.000 oder 2,1% erhöht. Dagegen
ging die Zahl der leistungsbeziehenden Frauen um 32.800 oder 2,3% zurück.
Dadurch stieg der Anteil der männlichen Bezieher an allen Elterngeldbezügen
(Väteranteil) im Jahr 2022 auf 26,1 % (2021: 25,3 %). Der
kontinuierliche Anstieg des Väteranteils hat sich damit fortgesetzt. Im Jahr
2015 hatte er noch bei 20,9 % gelegen.
Der Väteranteil gibt den Anteil der männlichen Bezieher an
allen Elterngeldbezügen an. Er würde also genau 50 % betragen, wenn bei allen
Kindern sowohl der Vater als auch die Mutter gleichermaßen Elterngeld beziehen
würde.
Die Stellschrauben, die eine Entwicklung zu dieser
partnerschaftlichen Aufteilung beschleunigen können, sind hinlänglich bekannt.
Da die Weichen unmittelbar nach der Geburt gestellt werden, ist eine voll
bezahlte ‚Vaterschaftsfreistellung‘ in Höhe von mindestens 14 Tagen, wie in der
EU Vereinbarkeitsrichtlinie vorgesehen, ein erster Schritt.
Der zweite wäre eine gleichmäßige Aufteilung der für Väter
und Mütter vorgesehenen bezahlten Elterngeldmonate, mindestens aber eine
deutliche Ausweitung auf 4 Monate, wie auch vom Bündnis Sorgearbeit fair
teilen, gefordert. Dazu muss auch noch eine Angleichung der 2007 festgelegten
Elterngeldbeträge an die Preisentwicklung sowie eine Vereinfachung der Anträge erfolgen.
606 000 Bezieherinnen und Bezieher von Elterngeld
planten im Jahr 2022 die Inanspruchnahme von Elterngeld Plus, und zwar
38,7 % der berechtigten Mütter und 16,1 % der Väter. Seit seiner
Einführung wird das Elterngeld Plus somit immer stärker nachgefragt.
2016, im ersten Jahr nach seiner Einführung, bezogen 20,1 % der Mütter und
8,2 % der Väter Elterngeld Plus. Zwar fällt das Elterngeld Plus in der
Regel monatlich niedriger aus als das sogenannte Basiselterngeld, wird dafür
aber länger gezahlt.
Der Vollständigkeit halber auch die weiteren in der
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes veröffentlichten Zahlen: Die
durchschnittliche Dauer des geplanten Elterngeldbezugs lag bei den Frauen im
Jahr 2022 – wie schon im Vorjahr – bei 14,6 Monaten (2020: 14,5 Monate; 2019:
14,3 Monate). Die von Männern angestrebte Bezugsdauer war mit durchschnittlich
3,6 Monaten dagegen deutlich kürzer und hat sich im Vergleich zu den
vergangenen Jahren sogar leicht verringert (2019 bis 2021: 3,7 Monate).
Spitzenreiter im Bundesländervergleich mit einem Väteranteil
von 30,2 % im Jahr 2022 war – wie im Vorjahr – Sachsen, gefolgt von
Thüringen (28,4 %), Bayern (28,3 %) und Baden-Württemberg
(28,3 %). Am niedrigsten lag der Väteranteil 2022 – ebenfalls wie im
Vorjahr – im Saarland (20,8 %).
Wenn die Politik das Ziel der Chancengleichheit für Frauen und Männer
am Arbeitsmarkt ernsthaft verfolgen will, sollte sie an der Aufteilung
der Sorge- und Erwerbsarbeit in der kritischen Lebensphase der
Familiengründung ansetzen, empfiehlt das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem aktuellen Wochenbericht.
Eine vielversprechende Maßnahme wäre, die Partnermonate beim Elterngeld
auszuweiten. Die derzeit zwei Partnermonate (von 14 Monaten Elternzeit
für beide Elternteile insgesamt) wurden 2007 eingeführt und haben dazu
geführt, dass deutlich mehr Väter Elternzeit nehmen als zuvor.
Überwiegend tun sie dies jedoch nur im Umfang des gesetzlichen
Minimums von zwei Monaten, während Mütter überwiegend zwölf Monate
Elternzeit nehmen. Die Partnermonate sollten daher schrittweise erhöht
werden, bis eine Quote von 50 Prozent (sieben von 14 Monaten) erreicht
ist.
Eine andere Möglichkeit, die längere Inanspruchnahme der Elternzeit
von Vätern finanziell zu fördern, wäre eine zeitlich absinkende
Lohnersatzrate beim Elterngeld. Beispielsweise könnten beide Elternteile
für sieben Monate Elterngeld mit einer Lohnersatzrate von 80 Prozent
beziehen, danach würde die Lohnersatzrate auf 50 Prozent gesenkt werden
(für maximal vier Monate). In diesem Modell, das der Sachverständigenrat
des 9. Familienberichts vorgeschlagen hat, wäre das Elterngeld beider
Elternteile insgesamt am höchsten, wenn beide Elternteile eine
siebenmonatige Elternzeit wählen.
Aber auch andere Bereiche des Steuer- und Transfersystems müssten
reformiert werden, um eine gleichmäßigere Aufteilung von Erwerbs- und
Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern zu fördern. So gehen vom
Ehegattensplitting – insbesondere in Kombination mit der steuerlichen
Behandlung der Einkünfte aus Minijobs – erwiesenermaßen negative
Erwerbsanreize für verheiratete Frauen aus.
Daher sollte einerseits eine Reform des Ehegattensplittings beispielsweise hin zu einem Realsplitting mit niedrigem Übertragungsbetrag umgesetzt werden. Zusätzlich sollten die Minijobs – bis auf mögliche Ausnahmen für Schüler*innen, Studierende und Rentner*innen – abgeschafft werden. Diese Maßnahmen hätten nicht nur wichtige gleichstellungspolitische Wirkungen, sondern sie wären auch wirksame Mittel, um dem Arbeitskräftemangel entgegen zu treten.
ChatGPT ist in aller Munde und vielfach werden Befürchtungen
geäußert. Es lag also nahe, auch um persönliche Neugierde zu befriedigen, einen
Zugang zu ergattern und die KI nach Väteranliegen zu befragen.
Die Antworten haben mich einerseits überrascht, andererseits
habe ich das Gefühl, ähnliche Vorschläge in den vergangenen Jahren selbst schon
einmal formuliert zu haben. Meine erste Frage lautete:
Wie kann man die Rechte der Väter stärken?
„Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man die Rechte der Väter
stärken kann:
Verbesserung der Familienrechtsvorschriften:
Gesetze und Vorschriften können so gestaltet werden, dass sie die Rechte der
Väter stärken. Dazu können zum Beispiel die Vaterschaftsanerkennung, das
Sorgerecht und Umgangsrecht gehören. Die Gesetze können auch klare Leitlinien
für Entscheidungen im Hinblick auf das Kindeswohl und das Wohl der Familie
bieten.
Sensibilisierung der Gesellschaft: Eine stärkere
Sensibilisierung der Gesellschaft für die Bedeutung der Vaterrolle und die
Herausforderungen, denen Väter gegenüberstehen, kann dazu beitragen, dass die
Rechte der Väter besser verstanden und unterstützt werden. Hierzu können zum
Beispiel Informationskampagnen und Schulungen für Fachleute wie Richter,
Anwälte und Sozialarbeiter beitragen.
Stärkere Beteiligung der Väter am Familienleben:
Eine stärkere Beteiligung der Väter am Familienleben kann dazu beitragen, dass
Väter eine wichtigere Rolle in der Erziehung ihrer Kinder spielen und ihre
Rechte besser geschützt werden. Hierzu können zum Beispiel flexible Arbeitszeiten
und Elternzeitangebote beitragen.
Förderung von Beratungs- und
Unterstützungsangeboten: Beratungs- und Unterstützungsangebote für Väter können
dazu beitragen, dass sie ihre Rechte besser wahrnehmen können. Hierzu können
zum Beispiel Vätergruppen, Beratungsstellen und Coachingangebote beitragen.
Insgesamt können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um
die Rechte der Väter zu stärken. Wichtig ist, dass dabei das Kindeswohl immer
im Vordergrund steht und die Interessen von Vätern, Müttern und Kindern
gleichermaßen berücksichtigt werden.“
… und eine zweite
Wie sieht eine Familienpolitik aus, die die Interessen
von Vätern und Müttern gleichermaßen berücksichtigt?
Eine Familienpolitik, die die Interessen von Vätern und
Müttern gleichermaßen berücksichtigt, kann folgende Maßnahmen umfassen:
Elternzeit: Eine familienfreundliche
Elternzeitpolitik, die Müttern und Vätern ermöglicht, nach der Geburt ihres
Kindes eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen, kann dazu beitragen, dass beide
Elternteile eine enge Bindung zu ihrem Kind aufbauen können. Es sollte darauf
geachtet werden, dass die Elternzeit flexibel gestaltet ist und auch Vätern die
Möglichkeit gibt, eine längere Auszeit von der Arbeit zu nehmen.
Kindergeld und steuerliche Entlastungen:
Kindergeld und steuerliche Entlastungen können eine finanzielle Unterstützung
für Familien darstellen und dazu beitragen, dass Mütter und Väter ihre Rolle
als Erziehungsberechtigte besser ausfüllen können.
Kinderbetreuung: Eine flächendeckende und
qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, die auch flexibel gestaltet ist, kann
dazu beitragen, dass Mütter und Väter Beruf und Familie besser vereinbaren
können.
Familienfreundliche Arbeitsbedingungen: Flexible
Arbeitszeitmodelle, Telearbeit und Jobsharing können dazu beitragen, dass Mütter
und Väter Beruf und Familie besser vereinbaren können. Arbeitgeber sollten
hierbei auch darauf achten, dass Väter und Mütter gleichermaßen Zugang zu
diesen Arbeitsbedingungen haben.
Familienberatung und Unterstützung:
Familienberatung und -unterstützung kann dazu beitragen, dass Mütter und Väter
ihre Rolle als Erziehungsberechtigte besser ausfüllen können und auch in
schwierigen Situationen Unterstützung erfahren.
Eine Familienpolitik, die die Interessen von Vätern und
Müttern gleichermaßen berücksichtigt, sollte also darauf achten, dass Väter und
Mütter gleichermaßen Zugang zu den genannten Maßnahmen haben und auch
individuelle Bedürfnisse und Lebensumstände berücksichtigt werden. Wichtig ist
auch, dass diese Maßnahmen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden
und gegebenenfalls angepasst werden.
Ist
die bisher wichtigste, schönste und aufregendste Epoche. Dies schreibt Reiner
Holbe in seinem Buch ‚Wir neuen Großväter – Der schönste Job der Welt‘. Und der
Altersforscher Eckart Hammer bezeichnet Großväter als die am meisten
unterschätzte Gruppe in unserer Gesellschaft.
Die Forschung über Großeltern in Deutschland ist noch nicht sehr umfangreich
und wenn Großeltern erwähnt werden, geht es, wie in der Generation darunter,
meist um Großmütter. Sie sind in der Familienpolitik vor allem als ‚Plan B‘ bei
der Kinderbetreuung interessant und haben während der Corona-Pandemie eine
wichtige Rolle gespielt.
Viele Großväter lassen sich in dieser Lebensphase aber nicht noch einmal an den
Familienrand verweisen und werden aktiv. Getreu einem holländischen Sprichwort
‚Großväter sind Väter, denen der liebe Gott eine zweite Chance gegeben hat.‘
Großväter brauchen Enkel und Enkel brauchen Großväter, für beide bietet diese
Beziehung eine Entwicklungschance.
Worin diese Chancen bestehen, wie Großväter, Söhne und Enkel sie nutzen können
und was die Väterarbeit in Kitas, Familienzentren und Familienbildung dazu
beitragen können, ist das Schwerpunktthema der LAG-Väterarbeit im 1. Quartal.
Lassen Sie sich überraschen.
Väter
sind wichtig, von Anfang an!
Das
ist die Grundüberzeugung der LAG-Väterarbeit und deshalb setzt sie sich dafür
ein, Rahmenbedingungen in Gesellschaft, Betrieben aber auch Familien so zu
gestalten, dass Väter aktive Vaterschaft leben und der Vater sein können, der
sie sein wollen.
Das schließt konkrete Angebote für Väter, politisches Handeln auf kommunaler
und Landesebene ebenso ein wie Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen in den
sozialen Medien. Zu Beginn des neuen Jahres hat die LAGV deshalb eine Kampagne
zum Thema ‚Väter sind wichtig, von Anfang an!‘ gestartet. Mindestens zweimal
pro Woche beleuchten Beiträge auf Facebook und Instagram die Bedeutung von
Vätern und die Rahmenbedingungen von Vaterschaft insbesondere im Kontext von
Erwerbsarbeit.
Im Rahmen dieser Kampagne führt die LAGV auch eine Kurzumfrage durch, deren
Ergebnisse ebenfalls genutzt werden, um Väter in NRW zu ermutigen, ihre
Vorstellungen von Vaterschaft auch zu leben.
Bitte beteiligen Sie sich an der Umfrage und teilen den Link bzw. den QR-Code
dazu. Die Beantwortung dauert 2 Minuten. Ebenfalls laden wir Sie herzlich ein,
die Beiträge auf Facebook und Instagram zu liken, zu kommentieren und zu
teilen. Damit können Sie deren Wirkung verstärken.
Hier geht es zur Umfrage:
Wenn Sie als Team, Verantwortliche
in einer Einrichtung, Gleichstellungsbeauftragte oder Personalverantwortliche
Fragen zu Vätern in bestimmten Lebenslagen oder auch im Allgemeinen haben, dann
finden wir gerne mit Ihnen gemeinsam in einem Strategiegespräch
passgenaue Antworten bzw. Lösungen.
Die Geschäftsstelle der LAG-Väterarbeit bietet auch Vorträge und Fortbildungen
an, die Beschäftigten verschiedener Einrichtungen oder auch einzelnen Teams die
Möglichkeit gibt, sich intensiv mit einem ‚Väterthema‘ auseinanderzusetzen und
ihre Arbeit mit und die Angebote für Väter weiterzuentwickeln. Melden Sie sich
einfach per Mail bei uns.
… es gibt eine neue
Papa-Lese-Liste von Christian Meyn-Schwarze
„Keiner erzählt die Gutenachtgeschichte
so lebendig wie Großvater. Es lag an seiner Stimme, eine Stimme, die die Kinder
noch lange hörten. Kaum hat er an diesem Abend die Gutenachtgeschichte für
seinen Enkel angefangen, kommen die Tiere aus der Geschichte eins nach dem
anderen ins Zimmer gesaust und versammeln sich ums Bett. …“
Dies ist nur eine von mehr als 300 Kurzrezensionen, mit der Christian
Meyn-Schwarze seit über 20 Jahren in seiner ‚Papa-Lese-Liste‘
Kinderbücher für und über Väter in allen Lebenslagen vorstellt und Väter
ermutigt, mit ihren Kindern zu lesen und ihnen vorzulesen.
Und da Christian jetzt im ‚Opa-Alter‘ ist, nimmt der Anteil der ‚Opa-Bücher‘
zu. Denn Großväter können mit ihrer Zeit und ihrer Lebenserfahrung wichtige
fördernde und fordernde Bezugspersonen – besonders für Jungs – werden. Allein 6
neue Titel sind in dieser Rubrik dazugekommen.
Wie sag ich es meinem Kinde?
Im November und Dezember stand das
Thema ‚Väter im Strafvollzug im Mittelpunkt. Einen kurzen Bericht zum Werkstattgespräch
am 5. Dezember mit Thomas Wendland, der bei der Diakonie in Bielefeld schon
seit 15 Jahren Vater-Kind-Gruppen sowie Elternkurse im Gefängnis anbietet, und
ein Video seiner Präsentation finden Sie hier.
… jugendliche Väter im Blick
Am 9. Mai 2023 findet im
Rahmen des von der Aktion Mensch geförderten Verbundprojekts ‚jugendliche Väter
im Blick‘ in Osnabrück eine Fachtagung statt. Impulsgeberinnen sind Prof*in
Anna Tarrant von der Universität in Lincoln/ GB die über ihre Erfahrungen in
den Projekten Following Young Fathers & Following Young Fathers Further
berichtet und Dr*in Kim Bräuer von der TH in Braunschweig, die aktuelle
Ergebnisse ihrer Forschung zu Vätern in Deutschland präsentiert.
Im Praxisteil der Tagung geht es um die Ansprache und Erreichbarkeit der jungen
Väter (nicht nur) im Rahmen der Frühen Hilfen. Hier
können Sie sich schon einen Platz bei der Fachtagung sichern.
Ausblick
Zum Thema ‚Gemeinsam getrennt
erziehen‘ hat der Beirat der Bundesregierung im Oktober 2021 ein Gutachten
vorgelegt. Anfang Januar hat die Familienministerin die Kommission für den 10.
Familienbericht berufen, diese wird sich mit dem Thema „Unterstützung
allein- und getrennterziehender Eltern und ihrer Kinder – Bestandsaufnahme und
Handlungsempfehlungen“ beschäftigen, die vielfältigen Lebenslagen von
Familien skizzieren und Empfehlungen für die Familienpolitik geben.
Anlass genug, auf die Lebenswirklichkeiten getrennt erziehender Väter zu
schauen und die Rahmenbedingungen zu beleuchten, die sie und die Mütter der
Kinder brauchen, damit gemeinsam getrennt erziehen gelingen kann.
Im 3. Quartal werden wir uns nach dem VäterSummit am 26. August in Essen damit
beschäftigen, wie Väter ermutigt werden können, ihr Vatersein so zu leben, wie
sie es sich vorstellen und wünschen.
Termine
28. Februar 2023, 15:30 bis 17
Uhr, Online Member Meeting der LAG-Väterarbeit
16. März 2023, 15:30 bis 17 Uhr,
Werkstattgespräch ‚Bedeutung von Großvätern‘ mit Jürgen Haas
Eine 14-tägige Vater- bzw. Partner*schaftsfreistellung ist
Bestandteil der 2019 verabschiedeten Vereinbarkeitsrichtlinie der EU, stand bei
allen Ampelparteien in den Wahlprogrammen und ist Bestandteil des
Koalitionsvertrags. Das in der EU-Richtlinie verbindlich festgelegte Datum für
die Umsetzung war August 2022. Dies hat die Bundesfamilienministerin Lisa Paus
verstreichen lassen. Ende November erklärte sie: Die zweiwöchige Freistellung
nach der Geburt komme nicht mehr in diesem Jahr, aber 2024. Die wirtschaftliche
Lage sei derzeit schwierig, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen. „Deshalb
möchte ich dieses wichtige Vorhaben im nächsten Jahr aufs Gleis setzen.“
Anfang Januar ist zu lesen, die Familienministerin rechne
mit Blick auf die Einführung einer zweiwöchigen, bezahlten Väterauszeit mit
Akzeptanz aufseiten der Arbeitgeber. „Ich gehe davon aus, dass die
Partnerfreistellung von den Unternehmen angenommen wird“, sagte Paus der
Deutschen Presse-Agentur. Die Unternehmen würden sich jetzt schon „große
Gedanken“ um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen – gerade auch „in
einer Zeit des Fachkräftemangels.“
Diese Erwartung hat sie auch vor dem Hintergrund einer vom
BMFSJ in Auftrag gegebenen und kurz vor Weihnachten veröffentlichten Studie
geäußert. Dort heißt es unter anderem: Für Väter ist eine gelingende
Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein sehr wichtiges Anliegen. Deutlich wird
das durch die Bereitschaft der Väter, ihre Arbeitsstelle zu wechseln. Rund
450.000 Väter in Deutschland haben schon einmal den Arbeitgeber zugunsten einer
besseren Vereinbarkeit gewechselt. Und mehr als 1,7 Millionen Väter denken
darüber häufig oder zumindest manchmal nach. Diese hohe Wechselbereitschaft ist
gerade in den aktuellen Zeiten des Fachkräftemangels ein großes
Unternehmensrisiko.
Da müssten doch eigentlich bei Unternehmen die Alarmglocken
läuten und die Vaterschaftsfreistellung, schon vorab auf freiwilliger Basis als
Instrument zur Steigerung der Arbeitgeber*attraktivität, ein Mittel der Wahl
sein. Aber denkste …
Quasi als Antwort auf die Äußerungen der Ministerin
gegenüber dpa veröffentlicht die FAZ einen Kommentar von Heike Göbel in dem sie
das Engagement von Vätern als ‚Freizeit‘ diffamiert. „Paus beruft sich auf eine
EU-Vorgabe, doch diese würde Deutschland mit seinen ohnehin reichlichen
Urlaubs- und Freistellungsregeln so wieder mal übererfüllen. Die Kritik der
Wirtschaft perlt an Paus ab. Sie gehe davon aus, dass die „Partnerfreistellung
von den Unternehmen angenommen werde“, ließ sie jetzt wissen. Zynischer geht es
kaum.
Und wer gedacht hat, diese Missachtung von Vätern und
Müttern lasse sich nicht steigern wird von Anke Heinrich eines Besseren
belehrt. In ihrem Beitrag für ‚Markt und Mittelstand‘ schreibt sie drei Tage
später: „Stellen Sie sich vor, man gibt der Bundesfamilienministerin eine Aufgabe:
Deutschlands Betrieben acht Millionen Arbeitstage im Wert von 1,8 Milliarden
Euro zu stehlen, Jahr für Jahr. Und zwar ohne, dass es irgendetwas bringt. Im
Gegenteil, es soll sogar mehr Schaden als Nutzen anrichten als nutzen. Das
klingt schwierig? Nicht für Lisa Paus. Wer wie die Grüne 22 Semester studiert
hat, um danach direkt Berufspolitikerin zu werden, dem fällt das schon etwas
ein: Jeder Vater soll nach der Geburt zwei Wochen Extra-Urlaub bekommen –
natürlich bezahlt vom Unternehmen.“
Sie verpackt ihre menschenverachtende Polemik geschickt in
Fragen, die zweite lautet: „Helfen die Väterwochen der Gesellschaft,
familienfreundlicher zu werden? In der Antwort wird jetzt gegen Väter
‚gekeilt‘: „Nein, denn wenn ein Vater keine zehn Urlaubstage mehr übrig hat für
die Phase nach der Geburt seines Kindes, wird er auch mit zehn zusätzlichen
Tagen wohl eher eine Kegeltour zum Ballermann unternehmen, als seiner Frau zu
helfen.“
Unternehmen und ihre vermeintlichen Helfer*innen, die auf einem derartigen Niveau polemisieren ist eigentlich nicht zu helfen. Norbert Walter, der ehemalige ‚Chefvolkswirt’ der Deutschen Bank, hat dazu beim ersten Netzwerktreffen des Unternehmensnetzwerks ‚Erfolgsfaktor Familie’ am 1. April 2008 in seiner Keynote zum Thema nachhaltige Familienpolitik in Unternehmen unter anderem angeregt, nicht ständig im Gegenwind zu arbeiten und zu predigen, sondern den Unternehmen, die der Überzeugung sind, Familienfreundlichkeit rechne sich nicht einen glücklichen Untergang zu wünschen. ‚Wir brauchen ja schließlich auch Verlierer im Wettbewerb’. Das gilt heute mehr als vor 15 Jahren.
Wie väterfreundlich ist die deutsche Wirtschaft wirklich?
Dieser Frage ist die Prognos AG im Rahmen einer Studie
für das „Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ der DIHK Service
GmbH Familie“ nachgegangen. Dazu wurden im Sommer 2022 zwei
repräsentative Befragungen durchgeführt und einander gegenübergestellt:
eine Telefonbefragung unter 600 Personalverantwortlichen/Geschäftsführungen von Unternehmen in Deutschland
eine Online- bzw. Telefonbefragung unter 1.000 Vätern, die in
Betrieben mit mindestens 10 Beschäftigten arbeiten und minderjährige
Kinder haben
Im Fazit heißt es unter anderem:
Die Väterfreundlichkeit der deutschen Wirtschaft ist
ausbaufähig und Unternehmen in Deutschland überschätzen ihre
Väterfreundlichkeit. Väter bewerten die Väterfreundlichkeit
deutlich verhaltener als Geschäftsführungen und Personalverantwortliche.
Die Unternehmen wurden in der Untersuchung in vier Kategorien
eingeteilt: Vorreiterunternehmen bei der Väterfreundlichkeit machen 27
Prozent aus. Ein breites Mittelfeld hat unterschiedliche
Herausforderungen und Potenziale; 15 Prozent der Unternehmen in
Deutschland haben als Nachzügler deutlichen Nachholbedarf auf dem Weg
zur Väterfreundlichkeit.
Auf dem Weg zu mehr Väterfreundlichkeit kommt es insbesondere auf die Führungskräfte an.
Väterfreundlichkeit umfasst verschiedene Facetten. Diese sind
unterschiedlich weit entwickelt. Es mangelt weniger an
vereinbarkeitsfördernden Personalmaßnahmen. Vielmehr sind Information
und Kommunikation sowie die Unternehmenskultur stärker als bisher auf
die Väter auszurichten. Dabei haben die Führungskräfte eine
Schlüsselfunktion, da sie die Kultur prägen, als Vorbilder fungieren und
ganz konkret über Vereinbarkeitsbedingungen von Vätern entscheiden
können.
Verbesserungen, die mit der Corona-Pandemie einhergingen, wirken nachhaltig.
Die betriebliche Unterstützung für die Vereinbarkeit von Familie und
Beruf während der Corona-Pandemie erweist sich im Zeitverlauf in vielen
Unternehmen als nachhaltig. Dabei ist besonders positiv, dass nicht nur
Personalmaßnahmen – und hier insbesondere Homeoffice/mobiles Arbeiten –
ausgeweitet wurden. Auch die Akzeptanz für Väter, die diese Maßnahmen
nutzen, und der Dialog über die Vereinbarkeitsbedürfnisse der Väter
haben sich zum Teil langfristig verbessert.
Väterfreundlichkeit sichert die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.
Die Unternehmen haben die Bedeutung des betrieblichen
Familienbewusstseins für ihre Arbeitgeberattraktivität erkannt. Sie sind
jedoch gut beraten, nicht beim erreichten Status stehen zu bleiben. Um
ihre Zukunftsfähigkeit mit Blick auf den gesellschaftlichen und
demografischen Wandel zu sichern und um Wettbewerbsvorteile auf dem
Arbeitsmarkt realisieren zu können, sollten sich die Unternehmen in
Deutschland engagiert auf den Weg machen, die betriebliche
Väterfreundlichkeit zu stärken.
In diesem Kontext weist die Studie auch auf die hohe Bereitschaft von Vätern, ihren Arbeitgebenden zu wechseln hin.
Was die ‚Freundlichkeit‘ betrifft gibt es noch Entwicklungspotenziale
hin zu einem Bewusstsein. Das Bewusstsein über die Bedeutung von Vätern
für die Entwicklung ihrer Kinder, eine partnerschaftliche Aufteilung
von Erwerbs- und Carearbeiten und vor allem darüber, dass es die neue
Vätergeneration ernst mein mit dem Vatersein und tatsächlich
Erwerbsarbeitszeiten reduzieren möchte bzw. sich erst gar nicht auf in
Vollzeit ausgeschriebene Stellen bewirbt.
Das sind Entwicklungen, die auch durch unzulängliche gesetzliche
Rahmenbedingungen bei der Elternzeit oder einer Verschiebung der
‚Vaterschaftsfreistellung‘ nicht aufgehalten werden können. Eine
‚Zumutung für die Wirtschaft‘ ergibt sich höchstens daraus, dass sie die
Signale, auch aus dieser Studie nicht ernst nehmen und weiter so tun,
als stünden Väter zeitlich unbegrenzt als Erwerbsarbeitskräfte zur
Verfügung.
Der Auswertung zufolge leisten Mütter immer noch den
Großteil der Kinderbetreuung. »Über die ersten Lebensmonate des Kindes hinaus
sind seit Einführung des Elterngeldes kaum weitere Fortschritte bei der
Aufteilung der Familienarbeit zu erkennen«, sagte Mathias Huebener,
wissenschaftlicher Mitarbeiter beim BIB.
Ebenso unverändert ist allerdings auch die Verteilung der
Erwerbsarbeitszeiten. Väter von kleinen Kindern leisten hier durchschnittlich
44 Stunden pro Woche, Mütter deutlich weniger als 20 Stunden.
Bei der am 14. Dezember veröffentlichten Studie über die
Langzeitwirkungen des Elterngeldes für Väter standen folgende Fragen im
Mittelpunkt:
Wie hat sich die Nutzung des Elterngelds im
Zeitverlauf geändert, und
wie partnerschaftlich wird der Bezug aufgeteilt?
Wie hat das die Aufteilung der Sorge- und
Hausarbeit verändert? Und schließlich:
Wie haben sich Karriereverläufe von Eltern nach
der Elternzeit entwickelt?
Die Ergebnisse: Für die Beteiligung der Väter macht es
keinen Unterschied, ob sie keine oder nur eine sehr kurze Elternzeit genommen
haben. In beiden Konstellationen wenden sie durchschnittlich nur etwa
zweieinhalb Stunden für die Kinderbetreuung und knapp eine Stunde für die
Hausarbeit auf. Dieser Umfang habe sich über die Zeit nicht verändert.
Eine „weniger ungleiche“ Arbeitsteilung lässt sich bei Paaren beobachten, in
denen Väter mindestens drei Monate Elternzeit genommen haben. Zwar ist auch
hier der Zeitaufwand der Mütter größer, allerdings beteiligen sich die Väter deutlich
stärker, insbesondere bei der Kinderbetreuung.
Die Karriereverläufe wurden anhand des ‚Berufsprestiges‘
gemessen, dabei zeigte sich, dass Mütter unabhängig von der Länge der Elternzeit
drei Jahre nach dem Wiedereinstieg in den Beruf Rückgänge im Berufsprestige
verzeichnen im Vergleich zur Zeit vor der Geburt. Bei Vätern ist es genau
umgekehrt: Sie gewannen an Berufsprestige, besonders jene mit einer längeren Elternzeit.
Und auch zu den Gründen, warum Väter überwiegend die für sie
vorgesehenen zwei Partnermonate in Anspruch nehmen, liefert der Artikel
plausible Erklärungen: Die Furcht vor dem Karriereknick wird erst an dritter
Stelle genannt.
Auf Platz eins der Hinderungsgründe stehen finanzielle Nachteile, gefolgt von
der Begründung, dass die Partnerin länger beim Kind bleiben wollte.
Der Höchstsatz beim Elterngeld liegt seit 2007 unverändert bei 1.800 €, eine
Anpassung ist bislang noch nicht vorgenommen worden.
Bereits zum Fünfjährigen hat die damalige Bundesfamilienministerin Schröder weitere
Maßnahmen angekündigt, um noch mehr Väter für die Elternzeit zu gewinnen. Es
gebe „starke Verunsicherungen“ bei beiden Elternteilen, da für Väter genauso
wie für Mütter die zeitliche Inanspruchnahme durch die Kinderbetreuung ein
„Knackpunkt“ sei. „Der Schlüssel liegt darin, die Arbeitszeiten zu verbessern
zum Beispiel eine Reduzierungsmöglichkeit auf 80 %“.
Was die zwei ‚Vätermonate‘ betrifft, haben schon bei der
Einführung der Elternzeit 2006 Erfahrungen aus den skandinavischen Ländern
gezeigt, dass sich die Inanspruchnahme durch Väter an die für sie ‚vorgesehene‘
Zeit annähert.
Und eine aktuelle Studie aus Schweden zeigt, dass eine Ausweitung der ‚Partnermonate‘ alleine nicht ausreicht: „Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Inanspruchnahme der Elternzeit sind sowohl bei Adoptiveltern als auch bei leiblichen Eltern groß. Wir wissen, dass einige politische Maßnahmen sehr wirksam waren, um die Normen der Vaterschaft und Mutterschaft in Schweden zu verändern, insbesondere Maßnahmen, die darauf abzielen, die Inanspruchnahme der Elternzeit durch den Vater zu erhöhen. Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass noch mehr getan werden muss, um die Aufteilung der elterlichen Fürsorge in Richtung einer größeren Geschlechtergleichheit zu verschieben“
„Ich kam nach Hause und habe gefragt, wo Papa ist. Da hat
Mama gesagt, was Sache ist. Und da war ich sehr, sehr traurig, weil ich ja
gewohnt war, dass mein Vater und meine Mutter da sind.“
Rund 62.000 Inhaftierte gibt es in Deutschland, die meisten
von ihnen sind Männer. Zwei Drittel, so schätzt man, haben Kinder unter 18
Jahren. Um die 100.000 Jungen und Mädchen können es sein, die damit leben
müssen, dass Vater oder Mutter im Gefängnis sitzen.
Immer mehr Haftanstalten beginnen damit, auch die
Angehörigen in den Blick zu nehmen. Oftmals ist diese eine Kooperation von
Gefängnisseelsorge, Straffälligenhilfe und Justiz. In einigen JVA‘s gibt es
inzwischen Langzeitbesuche über mehrere Stunden, Familientreffen,
Vater-Kind-Treffen, Familien-Sonntage oder Väter- bzw. Müttergruppen. Nur
wenige haben umfangreiche Angebote für die ganze Familie.
In Nordrhein-Westfalen gibt es 36 Gefängnisse mit insgesamt ca.
16.000 Inhaftierten. Vorreiter für einen familienorientierten Strafvollzug ist
die Anlaufstelle ‚Freiräume‘ der Diakonie für Bielefeld. Sie ist seit 15 Jahren
Kooperationspartner des geschlossenen Vollzugs in Bielefeld-Brackwede.
Einige europäische Länder wie etwa Dänemark, Schweden oder
die Niederlande sind viel weiter als Deutschland, was familienfreundlichen
Strafvollzug angeht. In Dänemark zum Beispiel gibt es sogar Kinderbeauftragte,
die Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Die dortigen Erfahrungen zeigen deutlich:
Familienorientierter Strafvollzug lohnt sich auch für die Gesellschaft. Die
Rückfallquoten sinken, die Resozialisierungschancen steigen. Das hat auch
Robert Dammann, der ehemalige Leiter der JVA Bielefeld-Brackwede, festgestellt:
„Die Väter sehen wir nie wieder. Das ist eine wunderbare
Begleiterscheinung dieses Projekt. Weil ich glaube, das haben mir auch viele
Väter so gesagt, dass sie so in die Pflicht genommen worden sind, auch
bezüglich ihrer Kinder, dass sie alles dransetzen, da nicht eine weitere
Enttäuschung zu setzen. Da hilft dieses Projekt 100 Prozent.“
Thomas Wendland arbeitet als Sozialpädagoge in der
Anlaufstelle ‚Freiräume‘. Er wird bei dem Werkstattgespräch am Montag, den 5.
Dezember über seine Väter – Arbeit im Strafvollzug berichten und aufzeigen, was
Kinder brauchen, deren Vater oder Mutter im Gefängnis sitzen oder gerade haftentlassen
sind.
„Wir werden zwar unterstützt in dem, was wir machen. Aber
es ist eben noch eine Menge Weg vor uns, um diesen Blick für die Familie
wirklich ganz im Vollzug drin zu haben.“ Thomas Wendland
Hier können Sie sich zu dem Werkstattgespräch anmelden.
im Oktober hat die LAG-Väterarbeit in NRW eine Kurzumfrage mit 5 Fragen zur Bedeutung von Vätern in der Geburtshilfe gestartet. Die erste Frage lautete:
Welche Bedeutung haben Väter Ihrer Meinung nach bei der Geburt?
Wichtig bzw. sehr wichtig antworteten 93%. Spannend ist bei dieser Frage der Blick auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Von den 98 Antwortenden haben sich 65 dem männlichen und 30 dem weiblichen Geschlecht zugeordnet. Drei haben keine Angaben gemacht.
Während die Einschätzung, sie haben gar keine oder eine geringe
Bedeutung gleichermaßen selten geäußert wird sind prozentual mehr Frauen
der Überzeugung, dass werdende Väter bei der Geburt unabkömmlich sind
als Männer. Eine große Mehrheit von 63% bzw. 73% schätzen ihre Rolle bei
der Geburt aber als wichtig ein.
Frage 2: Kennen Sie Angebote für Väter sich auf die Geburt bzw. aufs Vaterwerden vorzubereiten?
Im Durchschnitt kennen 58% der Antwortenden Angebote zur
Geburtsvorbereitung für Väter. Während aber lediglich 52% der Väter
entsprechende Angebote bekannt sind, äußern über 73% der Frauen diese
Angebote zu kennen.
Bei der Frage, welche Angebote bekannt sind, nennen 6 der 34 Männer
väterspezifische Angebote, bei den Frauen äußern drei, diese Angebote zu
nennen. Alle anderen Nennungen beziehen sich auf die Teilnahme an den
Kursen der Hebammen bzw. Paarkurse. …
Schlussfolgerungen für die Arbeit der LAG-Väterarbeit
Väter ‚spielen‘ bei der Geburt eine bedeutsame Rolle, vor, während
und unmittelbar nach der Geburt werden Weichen für väterliches
Engagement und eine partnerschaftliche Arbeitsteilung gestellt.
In diesem Kontext sind passende Angebote für Väter sind ein
unbedingtes Muss und die gemeinsame Vorbereitung im Rahmen eines
Hebammenkurses kann diese nicht ersetzen.
Im Rahmen dieser Angebote, die es bislang nur vereinzelt, vor allem
in städtischen Ballungszentren gibt, brauchen Väter Möglichkeiten, sich
mit anderen (werdenden) Vätern auszutauschen, alleine und gemeinsam mit
ihren Kindern, sich als bedeutsam für die Entwicklung ihrer Kinder zu
erleben und diese Bedeutung auch gesellschaftlich zugeschrieben zu
bekommen.
Für die Schaffung der konkreten Angebote braucht es politischen Gestaltungswillen und die entsprechenden Mittel. Die allgemeine Anerkennung der Bedeutung von Vätern für die Entwicklung von Kindern ist vor allem eine Frage der Haltung. Sie einzunehmen erleichtert die Gestaltung der passenden Rahmenbedingungen, di nicht nur den Vätern, sondern auch den Kindern und den Partnerschaften zugutekommen.
So lautete die Überschrift in dem Abschnitt ‚Eckpunkte für
eine zukünftige Familienpolitik‘ in dem Familienbericht, den die
Landesregierung 2015 veröffentlichte. Dem Bericht zugrunde lagen die Auswertung
statistischer Daten, eine eigens durchgeführte Familienbefragung sowie die
Ergebnisse verschiedener Workshops an denen Familien und Expert*innen sich
beteiligen konnten. Als letzte Veranstaltung fand im November 2014 unter der
Überschrift ‚Vatersein in Siegen, Vater sein in NRW‘ ein Familiendialog an der
Universität in Siegen statt.
Hier wurden bereits die Ambivalenzen und Widersprüche
deutlich, mit denen Väter und Mütter, nicht nur in NRW, konfrontiert werden. ‚Väter
sehen sich nicht mehr länger nur in der Rolle des Ernährers, sondern möchten
sich aktiv an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Bei der Familienbefragung
für NRW haben 42 Prozent der Väter erklärt, dass sie es ideal fänden, wenn
beide Elternteile in gleichem Maße erwerbstätig sind und sich um Haushalt und
Familie kümmern.‘
Die Ursache – Wirkung – Kette‘ wird in dem Bericht
folgendermaßen beschrieben: Dies spiegelt die individuellen Wünsche der Väter,
mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können – stellt aber auch eine
Grundvoraussetzung für eine erhöhte Erwerbstätigkeit der Mütter dar. „Einspruch
Euer Ehren“ würde es jetzt vor Gericht lauten. Hat doch die gleiche
Landesregierung bei der Prognos AG wenige Jahre zuvor eine Untersuchung in
Auftrag gegeben, wovon die Inanspruchnahme von Elternzeit in erster Linie
abhängt. Als die wichtigsten Faktoren wurden identifiziert:
die existierenden Kinderbetreuungsangebote
der Umfang der Berufstätigkeit von Frauen und
die Einstellung zur Betreuung von kleinen
Kindern durch eine andere Person als die Mutter
Insbesondere bei den beiden letzten
Kriterien liegt NRW weit zurück. Darüber hinaus konstatiert der Bericht: ‚die
im Bundesvergleich geringe Inanspruchnahme der Partnermonate beim Elterngeld
bei den Vätern in NRW belegt, dass auch Väter bei der Realisierung des von
ihnen gewünschten Familienmodells auf Widerstände stoßen. … Dass viele Väter
hiermit unzufrieden sind, ist bei den Familiendialogen sehr deutlich geworden:
Väter erklärten, sie hätten immer ein schlechtes Gewissen ihren Kindern
gegenüber, und sie beneideten ihre Partnerin um die Zeit, die diese mit den
gemeinsamen Kindern verbringen könne. Dazu passt, dass 24 Prozent der voll
erwerbstätigen Väter bei der Familienbefragung für NRW den Wunsch nach einer Reduzierung
ihrer Arbeitszeit geäußert haben.
Bei den Gründen, warum sie es nicht tun, spielten
finanzielle Erwägungen eine wichtige Rolle. Äußerungen aus den Familiendialogen
hätten aber auch gezeigt, dass viele Väter ihre Rechte im Hinblick auf eine
Teilzeittätigkeit nicht kennen. Als Ziel wird an dieser Stelle im Bericht
formuliert, die Entscheidungsspielräume für Eltern zu erweitern. Dazu „müssen
die traditionellen Geschlechterbilder für Frauen und Männer so verändert
werden, dass die wechselnden Phasen von Erwerbs- und Familienphasen nicht
länger zu unterschiedlichen Erwerbschancen von Frauen und Männern führen“.
Diese mechanistische Sichtweise karikiert das an sich
wünschenswerte Ziel ‚atmender‘ Lebensläufe von Vätern und Müttern. Verhalten
und noch mehr Haltungen lassen sich nicht durch Anweisungen verändern, sondern
dadurch, dass Väter und Mütter andere Erfahrungen machen können, z.B. durch
Elternzeiten und Verantwortungsübernahme in bislang „vernachlässigten“
Bereichen.
Hier setze die Arbeit der 16 Kompetenzzentren Frau und Beruf
an. Es gehe dabei auch um Strategien für eine bessere Vereinbarkeit von
Familie/Pflege und Beruf, flexible Übergänge zum Wiedereinstieg nach der
Elternzeit, aber auch bessere berufliche Entwicklungs- und
Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen und die Gewinnung weiblicher Auszubildender
in frauenuntypischen Berufen.
Alles gut und EU finanziert, aber was unternimmt die Landesregierung um Vätern
neue Erfahrungen zu ermöglichen? Dazu ist im Familienbericht zu lesen: Mit
ihrem Portal „www.vaeter.nrw.de“informiert die Landesregierung über
Wege zu einer aktiven Vaterschaft. Sie fördert außerdem eine Fachstelle für
Väterarbeit. Zusätzlich wird sie die Diskussion über die Bedeutung von Vaterschaft
stärker in die Gesellschaft hineintragen. Ziele einer Öffentlichkeitskampagne
sind deshalb u. a.:
die Attraktivität der Vaterrolle für Männer zu
steigern,
die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die
mit dem Rollenwandel einhergehenden Anforderungen,
die Bedeutung einer aktiven Vaterschaft für die kindliche
Erziehung darzustellen und
die notwendigen Aushandlungsprozesse von Eltern zu
begleiten.
Die Kampagne ist knapp 9 Monate nach der Veröffentlichung
des Familienberichts Ende Juni 2016 mit einer Plakataktion gestartet. Besonders
wirksam war der Aufbau eines SocialMedia Auftritts bei Facebook, bei dem
wöchentlich Erfahrungsberichte von Vätern publiziert wurden und der innerhalb
weniger Monate mehr als 8.000 Follower hatte.
Bereits fünf Monate vor dem Start der Kampagne fand der
ebenfalls im Bericht erwähnte Familiengipfel statt. In der Erklärung ist u.a.
zu lesen, „… dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit Müttern und Vätern
gemeinsam das Gespräch über die unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichen der
Elternzeit suchen und den werdenden Müttern und Vätern Ansprechpartner zur
Beratung und Beantragung des Elterngelds benennen, …“ und weiter unten „… dass
Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und
ihren Vertretungen in einer Kultur gegenseitiger Wertschätzung die
Inanspruchnahme der Elternzeit festlegen.“
Das klang und klingt gut und wäre, wenn den Worten denn
Taten gefolgt wären, echt innovativ gewesen, aber …
Und auch der Kampagne ging schnell die Luft bzw. das Geld
aus und nach der Landtagswahl im Mai 2017, bei der eine Koalition aus CDU und
FDP die bisherige Regierung ablöste wurde auch die erfolgreiche Facebook Seite
ebenso wie das Portal vaeter.nrw in den neuen Auftritt der Landesregierung
„integriert“. Die besondere Ansprache der Zielgruppe und das
Kommunikationsdesign dem allgemeinen ‚Corporate Design‘ untergeordnet.
Die Fachstelle ist bis Ende 2018
und mit einem halben Jahr Unterbrechung ab Juli 2019 die Geschäftsstelle der
LAG-Väterarbeit weiterhin gefördert. Seit dem Familienbericht sind sechs
Fachtagungen zu Väterthemen gefördert worden, u.a. 2017 in Bielefeld ‚Bewegte
Zeiten für Väter‘ und Olpe ‚Vater ist, was du draus machst!‘, 2019 in
Düsseldorf ‚Eltern bleiben trotz Trennung‘ und 2021 online per Zoom ‚Lockdown
als Chance? – Weichenstellungen für mehr väterliches Engagement‘.
Von den Veranstaltungen gingen
wichtige Impuls aus und die Geschäftsstelle der LAG-Väterarbeit arbeitet
kontinuierlich daran, die Weichen für väterliches Engagement zu stellen. Als
Dienstleister für alle diejenigen, die in Familienbildung- und beratung, Kitas
und Familienzentren Angebotejetzt schon Angebote für Väter machen, aber auch
als Lobbyist bei denen, die Rahmenbedingungen für väterliches Engagement strukturell
gestalten.
In dem Sinne sieht nicht nur die Landesregierung die
Arbeitgebenden als wichtige Akteure, wenn es um aktive Vaterschaft und eine
Unternehmenskultur geht, in der die Bedarfe von Vätern respektiert und
„mitgedacht“ werden.
Der Bericht „Familien gestalten Zukunft“ und insbesondere der Abschnitt ‚Mehr Zeit mit der Familie für Väter‘ sind ein erster Meilenstein nicht nur auf dem Weg zu einer kontinuierlichen Familienberichterstattung, sondern auch im Hinblick darauf, wie ernsthaft das Ziel einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Carearbeit in der Landespolitik verfolgt und umgesetzt wird. In der Legislaturperiode 2017 bis 2022 ist kein weiterer Bericht erfolgt. Dieses Vorhaben steht nun auf der Agenda der neuen Landesregierung und die Krisen ‚Corona‘ ‚Krieg‘ und ‚Inflation‘ und ihre Auswirkungen auf Väter, Mütter und Kinder sind mehr als ein Anlass für die Schwerpunktthemen des neuen Berichts.