Bericht zum Werkstattgespräch der LAG-Väterarbeit am 26. Oktober
Das in einem Strategiepapier des ‚Runden Tischs Eltern
werden‘ zur guten Geburt gefordert wird, Mutter und Kind als rechtliche Subjekte
in der Geburtshilfe zu betrachten, zeigt auf, dass dort einiges schiefläuft.
In seinem Impuls ‚Väter in der Geburtshilfe – systemische Perspektiven‘
zeigte Hans-Georg Nelles einige der ‚Krisensymptome‘ auf: Schließung von ‚unrentablen‘
Kreißsälen, fehlende Hebammen und werdende Väter, die während der Pandemie die
Geburt auf den Gängen der Krankenhäuser oder im kalten Auto begleiten mussten.
Dies sind in seinen Augen aber nur Symptome der eigentlichen Krise, die seiner
Auffassung darin besteht, dass Väter im Geburtshilfesystem nicht als Subjekte betrachtet
und vielfach noch nicht einmal in den Blick genommen werden. So erleben
92%
der Väter nehmen an Vorsorgeuntersuchungen teil, aber 61% berichten, dass
ihre Rolle als Vater zu keinem Zeitpunkt angesprochen worden ist
Väter
haben keinen formalen Status bei der Geburtsvorbereitung, selbst ihr Name
wird nicht erfasst. Lediglich 16 % der Väter werden während der Geburt
nach ihrem Befinden gefragt.
Wenn
‚Väter‘ und ‚Mütter‘ statt ‚Eltern‘ adressiert werden und deutlich gemacht
wird, dass beide gefragt sind, steigt die Beteiligung von Vätern bei der
Nachsorge von ca. 20% auf bis zu 70%
Ergebnisse der Väterforschung zeigen auch, dass Väter, die
bei der Geburt dabei sind, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, ihre Kinder
häufiger wickeln, ihre Kinder öfter am Körper tragen, häufiger mit ihrem Kind
an der frischen Luft unterwegs sind sowie sicherer im Umgang mit dem Kind sind
und mehr Spaß daran haben. Dieses Engagement profitiert auch die Partnerschaft.
In dem Beitrag ging der Referent auch auf gute Beispiele ein,
Studien des Fatherhoodinstitute aus Großbritannien und die Initiative Erzählcafé,
die einen Kostenlosen Flyer für Väter entwickelt hat.
Um Veränderungen im System Geburtshilfe zu bewirken sind
jedoch weitere Initiativen und politische Maßnahmen erforderlich. Eine
bundesweite Befragung von Hebammen zu ihren Erfahrungen mit Vätern bei der
Geburtsvorbereitung und unter der Geburt könnten dem Thema Aufmerksamkeit
verleihen. Auch bei der momentan laufenden Umstellung der Hebammenausbildung
könnte darauf hingewirkt werden, das gesamte System werdende Familie in den
Blick zu nehmen und die Rolle der Hebammen bei der (Te-) Konstruktion
traditioneller Rollenbilder zu reflektieren. Im politischen Raum geht es vor
diesem Hintergrund vor allem darum:
Die Bedeutung von Hebammen für das Paar im
Übergang in die Elternschaft mit den psychosozialen Aspekten bei der
akademischen Ausbildung angemessen zu berücksichtigen
Fortbildungsangebote, Informationskampagnen durchzuführen
sowie die Zusammenarbeit mit Hebammenverbänden zu intensivieren, um das Thema
zu etablieren und auch den Nutzen zu kommunizieren, der der Hebammenarbeit
durch die Einbeziehung der Väter zugutekommt.
Neben der Sensibilisierung im Rahmen von Aus-
und Fortbildung muss diese Aufgabe der Hebammen vom Gesetzgeber und den
Krankenkassen ausdrücklich zugeschrieben und honoriert werden.
Damit dies Wirklichkeit werden kann kommt es darauf an, (werdende)
Väter so zu empowern, dass sie ihre Bedürfnisse artikulieren und entsprechende
Angebote einfordern.
Die Teilnehmenden des Werkstattgesprächs, die allesamt
beruflich mit der Beratung und Begleitung von Vätern und Müttern rund um die
Geburt befasst sind, tauschten sich im anschließenden Gespräch über ihre
Erfahrungen mit der ‚Missachtung‘ von Vätern aus. Ein trauriges Resümee: die
traumatisierenden Erfahrungen von Vätern unter der Geburt haben signifikant
zugenommen, während es so gut wie keine Angebote für Väter gibt. Vielfach ist die
Diagnose ‚postnatale Depression‘ bei Vätern selbst beim Fachpersonal nicht
bekannt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage,
inwieweit es sinnvoll ist im Rahmen der Geburtsvorbereitung Risiken zu
thematisieren. Ja, das ist wichtig, es geht dabei nicht darum, die (Vor-)
Freude auf die Geburt zu trüben, sondern das Paar in die Lage zu versetzen, zum
Beispiel im Fall einer ungeplanten Sectio handlungsfähig zu sein und im
Gespräch zu bleiben.
Stefanie Schmid-Altringer, die Initiatorin der Erzählcafés fasste
die Aufgaben der Väter, nicht nur in solchen Situationen, folgendermaßen
zusammen:
Sie unterstützen die Mutter bei der Geburt
Sie haben eine Bodyguard Funktion im Hinblick
auf Gewalt und Respektlosigkeit
Sie achten auf sich selbst (Selbstfürsorge)
Sie sind als Patient auch rechtliches Subjekt im
System
Ein Ergebnis des Gesprächs ist, eine Umfrage unter Vätern
und Expert*innen durchzuführen und zu erfragen, was Väter im Kontext dieses
existenziellen Lebensereignisses brauchen.
Das trifft auf viele Bereiche zu, insbesondere aber dann,
wenn es um die Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit geht. Sich eine
partnerschaftliche Aufgabenteilung zu wünschen ist die eine, sie tatsächlich leben
zu können die andere Seite der Medaille.
Dies stellt auch das Beratungsunternehmen prognos in dem im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Unternehmensprogramms “Erfolgsfaktor Familie” erstellten Policy Paper` ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Beitrag zur Fachkräftesicherung‘ fest. Eine der Kernaussagen des Papers lautet:
„Vereinbarkeit darf sich jedoch nicht nur an Frauen und
Mütter richten, sondern muss auch Männer und Väter adressieren und eine partnerschaftliche
Arbeitsteilung von Müttern und Vätern ermöglichen.“
Meiner Meinung nach kann die Strategie nur erfolgreich sein,
wenn sie Männer und Väter als handelnde Subjekte in dem komplexen System
Familie und Partnerschaft ansieht und nicht nur als Beiwerk‘ adressiert. Die in
dem Papier angeführten Fakten und Studien sprechen dafür. Unter anderem heißt
es dort:
„Väter sind indirekter Teil der Fachkräftestrategie –
ohne ihre Vereinbarkeit geht es nicht.
Der Fokus auf die Potenziale der Müttererwerbstätigkeit
bedeutet nicht, dass Vereinbarkeit ein Frauenthema ist und sich weiterhin
hauptsächlich auf Branchen konzentrieren kann, in denen der Frauen- und
Mütteranteil besonders hoch ist. Väter sind zwar kein direkter Teil der
Fachkräftestrategie, aber dass sie Familie und Beruf gut vereinbaren können ist
existenziell, damit die von vielen Elternpaaren gewünschte partnerschaftliche
Arbeitsteilung realisiert werden kann, Mütter mehr Freiraum für eine
umfassendere Erwerbstätigkeit haben und ihr Fachkräftepotenzial gehoben werden
kann.
Zudem bestätigen Studien eine erkennbare Änderung der
Haltung von „aktiven Vätern“, die zunehmend aktiver in der familiären
Fürsorgearbeit werden wollen. Haben 2018 noch 83 Prozent der Väter Vereinbarkeitsangebote
in Unternehmen als Angebote für Mütter wahrgenommen, wollen die „Neuen Väter“
gleichfalls Angebote für ihre Vereinbarkeit. 59 Prozent der jungen Männer, die
im Alter einer möglichen Vaterschaft oder Familiengründung sind, würden wegen
fehlender Möglichkeiten den Arbeitgeber wechseln.
Insbesondere die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten während
der COVID-19 Pandemie haben einen Schub der Vereinbarkeit von Vätern
verursacht. So geben in der repräsentativen Studie „Neue Chancen für
Vereinbarkeit“ 43 Prozent der befragten Väter an, dass sie während der Pandemie
ihren Arbeitgeber auf Veränderungen ihrer Arbeitsweise oder ihres Arbeitsortes
zugunsten der Kinderbetreuung angesprochen haben.
Vereinbarkeit von Müttern und Vätern ist der Schlüssel zu
Arbeitgeberattraktivität und Fachkräftegewinnung und -bindung.
Hinweise, dass eine partnerschaftliche Arbeitsteilung von Vätern und Müttern, aber auch Angebote für haushaltsnahe Dienstleistungen, einen positiven Einfluss auf die Fachkräftesituation entfalten können, gibt ein aktueller Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e. V. (DIW). Demnach ist in Deutschland unbezahlte Hausarbeit, Betreuung und Pflege von Kindern und älteren Angehörigen zwischen Männern und Frauen immer noch sehr ungleich verteilt. In rund drei Viertel der deutschen Paarhaushalte übernehmen Frauen mehr als die Hälfte der Sorgearbeit. Reduziert sich jedoch die Sorgearbeit des gesamten Haushalts, steigen sowohl Beschäftigungswahrscheinlichkeit als auch -umfang beider Partner, vor allem jedoch bei Frauen.
43 Prozent der Eltern wünschen sich aktuell eine
partnerschaftliche Teilung von Berufs- und Familienarbeit. Je jünger die Frauen
und je besser sie gebildet sind, desto höher ist ihr Anspruch an eine
partnerschaftliche Arbeitsteilung. Der Väterreport 2021 zeigt auf, dass
mittlerweile auch 48 Prozent der Väter mit einem ältesten Kind unter 10 Jahren
diese Ansicht teilen.“
Vater werden und sein verändert alles. Diese an sich
triviale Aussage verweist auf die Großartigkeit des Ereignisses einer Geburt
und die Komplexität der Wirkungen, die sie auslöst. Sie zeigt aber auch auf die
Fülle der Möglichkeiten auf, die Hebammen und andere haben, werdende Väter und
Mütter auf diesem Weg zu begleiten und sie auf das dieses Ereignis und die
folgenden Jahrzehnte vorzubereiten. Mehr als 90 Prozent der werdenden Väter
sind bei der Geburt ihres Kindes dabei und eine gute Vorbereitung wirkt sich
nicht nur auf den Geburtsverlauf positiv aus.
Wenn Männer Väter werden, wollen sie nicht nur beruflich
weiterhin erfolgreich, sondern gleichermaßen auch gute Väter sein. Das bedeutet
in erster Linie, Zeit haben, für die Kinder da zu sein, präsent zu sein, ihre
Entwicklung zu begleiten und zu fördern, ihnen die besten Möglichkeiten für
einen guten Schulabschluss zu verschaffen sowie möglichst viele Risiken des
Alltags von ihnen fernzuhalten. Also ein durch und durch fürsorglicher Vater zu
sein.
Im Hinblick auf die Partnerschaft und die Partnerin steht
der Anspruch, sich anfallende Aufgaben partnerschaftlich aufzuteilen und nicht
in traditionelle Rollenmuster zurückzufallen, im Raum. Eltern werden, Partner
bleiben. Die große Herausforderung bei der Umsetzung dieser Ansprüche ist, dass
Väter (und Mütter) kaum auf erprobte Muster und Rollenmodelle zurückgreifen
können und sich einen eigenen Weg suchen müssen. Es ist zwar inzwischen viel zu
diesem Thema geschrieben worden, aber verwirklichen müssen Mann und Frau ihren
Traum von einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung, einer geteilten
Verantwortung für die Kinder und genügend Gelegenheiten für die Pflege der
Paarbeziehung schon selber.
Erfahrungen und Studienergebnisse (BMFSFJ, 2011) zeigen,
dass die gewählten Lebensmodelle vielfach nicht Ergebnis zielgerichteter
Aushandlungsprozesse sind, sondern Paare vor dem Hintergrund vermeintlich
rationaler Gründe nach der Geburt dort ‚hineingeschliddert‘ sind und Väter sich
mehr oder weniger freiwillig auf die traditionelle Rolle des Ernährers und
Assistenten in der Familie einlassen.
Was Väter brauchen, sind passende Erwartungshaltungen,
Rahmenbedingungen und Wertschätzungsstrukturen. Es kommt vor allem darauf an,
dass es völlig normal sein wird, beruflichen Erfolg und fürsorgliches Verhalten
in Familie und anderswo nicht mehr als Gegensätze zu denken, sondern als
gegenseitige Ergänzung und Bereicherung.
In dem Zeitraum zwischen der Entscheidung Vater und Mutter
werden zu wollen und der Geburt, der in den meisten Fällen länger als die 280
Tage der Schwangerschaft umfasst, werden nicht nur Pläne geschmiedet und das
‚Nest‘ hergerichtet, sondern die Weichen dafür gestellt, ob die Vorstellungen
sich Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich aufzuteilen gelingen können oder
nicht.
Auf die Vorbereitung kommt es an
Auf der Grundlage internationaler Forschungsergebnisse, die
die Zusammenhänge zwischen dem Verhalten, den Erfahrungen, Einstellungen und
Merkmalen von werdenden und neuen Vätern und der Gesundheit und Wohlbefinden
von Mutter und Kind aufzeigen, hat die Weltgesundheits-organisation (WHO) eine
der zehn Empfehlungen zu Maßnahmen der Gesundheitsförderung von Müttern und
Neugeborenen zur Einbeziehung von Vätern formuliert.
Die WHO empfiehlt, die Beteiligung von Männern während der Schwangerschaft, der Geburt und nach der Geburt zu fördern, um die Selbstsorge von Frauen und die häuslichen Pflegepraktiken für Frauen und Neugeborene zu verbessern, den Einsatz qualifizierter Vorsorge für Frauen und Neugeborene während der Schwangerschaft, der Entbindung sowie in der postnatalen Periode zu erleichtern, und die Einrichtung für Geburtshilfe rechtzeitig zu nutzen falls es Komplikationen bei den Neugeborenen gibt.
Neben dieser auf die
Gesundheit von Mutter und Kind bezogenen Perspektive, die für sich genommen
schon Grund genug ist, Väter während der Schwangerschaft, bei der
Geburtsvorbereitung, der Geburt und der Zeit danach aktiv einzubeziehen, gibt
es weitere, ebenfalls wissenschaftlich gut belegte Gründe, dies zu tun.
Die Gesundheit der
Väter und ihre Beziehung zu dem ungeborenen Kind haben einen großen Einfluss
darauf, in welchem Maße sie sich an der Erziehung des Kindes beteiligen und
Ressourcen für seine gelingende Entwicklung zur Verfügung stellen.
In dem 2016 auf 136
Seiten ausformuliertem ‚Nationalen Gesundheitsziel Gesunde Geburt‘ wird die
Einbeziehung von Vätern an verschiedenen Stellen erwähnt. Unter anderem heißt
es dort ‚Väter bzw. Partnerinnen und Partner sollen dazu ermutigt werden, sich
von Anfang an in der Babyversorgung zu engagieren und einen eigenen positiven
Stil im Umgang mit dem Neugeborenen zu finden‘.
Ansprüche und
Wirklichkeiten
Obwohl also Alles
dafürspricht, (werdende) Väter rechtzeitig einzubeziehen und als aktive
Subjekte im Geburtsgeschehen zu betrachten, werden sie hierzulande häufig immer
noch als ‚Beifahrer‘ (BZgA 2011) betrachtet. In Großbritannien, wo bereits 2006
im Nationalen Gesundheitssystem ein Paradigmenwechsel zugunsten der
Einbeziehung von Vätern stattgefunden hat, zeigen gerade veröffentlichte
Befragungsergebnisse, dass dieser empfohlene Wandel auch dort noch längst nicht
überall praktiziert wird. (Thorpe, 2018)
92% der Väter nehmen an den Vorsorgeuntersuchungen teil,
aber 61% berichten, dass ihre Rolle als Vater zu keinem Zeitpunkt
angesprochen worden ist
Väter haben keinen formalen Status bei der
Geburtsvorbereitung, selbst ihr Name wird nicht erfasst. Lediglich 16 %
der Väter werden während der Geburt nach ihrem Befinden gefragt.
Wenn ‚Väter‘ und ‚Mütter‘ statt ‚Eltern‘ adressiert werden
und deutlich gemacht wird, dass beide gefragt sind, steigt die Beteiligung
von Vätern bei der Nachsorge von ca. 20% auf bis zu 70%
Ein Blick hinter die Kulissen
Zu der Thematik liegen vor allem Praxis- und
Forschungsberichte aus dem angelsächsischen Raum vor. Auf der Website www.familyincluded.com werden diese seit 2015 systematisch
ausgewertet, thematisch gelistet und zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist
nach der Erklärung der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2013, in der erklärt
wurde, dass die Zusammenarbeit mit den Vätern eine globale Priorität für die
Gesundheitsversorgung von Müttern haben sollte, und vor dem Hintergrund, dass
es weder Pläne noch Ressourcen gab, um dies umzusetzen, entstanden. Als
Haupthindernisse für die tatsächliche Einbeziehung von Vätern werden dort
folgende Punkte identifiziert:
Das erste Problem ist die Professionalisierung und die
Perspektive auf die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen. Häufig wird diese
Gesundheitsversorgung als eine Angelegenheit betrachtet, die sich nur zwischen
dem Gesundheitspersonal und der „Patientin“, in diesem Fall der
Schwangeren abspielt.
Das zweite Problem ist die Sorge um die Gleichberechtigung
der Geschlechter. Fast alle Familien umfassen Männer, und sie haben oft mehr
vor allem finanzielle Ressourcen. Wenn man sie in die Pflege einbezieht, so
wird befürchtet, könnte dies dazu führen, dass die Autonomie der Frauen
eingeschränkt wird und die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Familien
nicht in Frage gestellt werden. Diese Aussage spiegelt die Tatsache wider, dass
zahlreiche Forschungsprojekte in Ländern mit noch ausgeprägteren patriarchalen
Strukturen durchgeführt werden.
Hierzulande geht es vor allem darum, Väter für eine
Beteiligung in Familie und an den in der Familie zu erledigenden Arbeiten zu
gewinnen und zwar von Anfang an. Für den deutschsprachigen Raum liegen zwei
Untersuchungen vor, die die von ‚Family Included‘ identifizierten Hindernisse
bestätigen.
Marion Müller und Nicole Zilien (2016) verifizieren in ihrem
Forschungsprojekt die Ausgangsthese, „dass die heutigen
Geburtsvorbereitungskurse durch ihre Ausgestaltung Geschlechterdifferenzen
hervorheben, diese weiterhin mit geschlechterdifferenzierenden Zuschreibungen
häuslicher Arbeit koppeln und durch eine wissenschaftlich gestützte
Naturalisierung legitimieren. Geburtsvorbereitungskurse bahnen demnach bereits
in der pränatalen Phase eine geschlechterdifferenzierende Arbeitsteilung an und
lassen sich deshalb als Institutionen der Retraditionalisierung
interpretieren.“
Lisa Maria Groß (2017) kommt in ihrer Arbeit ‚Väter als
Adressaten in Frühen Hilfen? Über die Konstruktion von Väterlichkeit im
professionellen Handeln von Familienhebammen‘ zu dem Ergebnis, „In Interviews mit Familienhebammen und ethnographischen
Beobachtungsprotokollen von Hausbesuchen zeigt sich allerdings eine Mütterorientierung
im professionellen Handeln von Familienhebammen, die zu einer sekundären
Adressierung der Väter hinsichtlich innerfamilialer Sorgetätigkeiten bis hin
zur Exklusion väterlicher Fürsorge aus dem Binnenraum der Familie
führt.“
Die Vorbereitung des geburtshilflichen Teams auf die
Väter
Wie Väter auf die Geburt vorbereitet werden können und
welche Rolle die verschiedenen Professionen dabei spielen, hat schon 2014 das,
in einer von der Bundeszentrale für gesundheitliche veröffentlichten Broschüre,
Ergebnis einer multiprofessionellen Arbeitsgruppe deutlich gemacht. (BZgA 2014)
Ein entscheidender Faktor dabei ist die Haltung gegenüber
der Rolle sowie der aktiven Einbeziehung von Vätern. Ihre gute Vorbereitung auf
die Geburt kommt auch der werdenden Mutter zugute. Studien zeigen, dass Väter,
die ihre Rolle während der Geburt kennen und verstehen, was dort geschieht,
selbst besser vor übermäßigem Stress geschützt sind und seltener Gefahr laufen,
den Ablauf der Geburt negativ zu beeinflussen. Das gilt insbesondere in den
Momenten, in dem es mal nicht „nach Plan läuft“, was aber auch völlig normal
ist. (Schäfer, Abu Dakn 2008)
Die Rolle, die sie während der Geburt wahrnehmen können, für
ihre Partnerin da zu sein, den neuen Lebensabschnitt gemeinsam zu beginnen und
von Anfang an als Vater präsent zu sein. Dabei erleben sie sich vielfach in
einer völlig ungewohnten Situation: Sie haben keine Kontrolle über das
Geschehen und die Mächtigkeit der Gefühle führt sie vielfach nicht nur
emotional an ihre Grenzen, sondern manchmal sogar darüber hinaus. Das Vertrauen
in die Kompetenzen des geburtshilflichen Teams und ihr Wissen um die
natürlichen Abläufe sind in diesen Momenten gute Stützen.
Dieses Vertrauen kann im Vorfeld der Geburt durch
verschiedene Angebote zur Geburtsvorbereitung in den Geburtskliniken und den
Kursen der Hebammen bzw. der Familienbildung gebildet werden. Dabei geht es
verständlicherweise vorrangig um die biologischen Abläufe der Geburt und die
Vorbereitung der Mütter darauf, um ihre Bedürfnisse, Ängste und Sorgen.
Darüber hinaus sind aber zwei weitere Ebenen der
Vorbereitung auf die Geburt und vor allem die Zeit danach für Väter von großer
Bedeutung. Die gemeinsamen Planungen der werdenden Eltern für die Zeit zu Dritt
und der Austausch des werdenden Vaters mit anderen Männern.
Einbeziehung von Vätern nutzt partnerschaftlicher
Aufgabenteilung
Die Entscheidung Eltern werden zu wollen, ist heute eine
bewusste, auch wenn eine exakte Planung nicht garantiert ist. Im Rahmen dieses
Prozesses können Fragen der beruflichen Weiterentwicklung, der familiären
Arbeitsteilung und auch die Vorstellungen zu den Rollen als Mutter und Vater sowie
die Erfahrungen und Prägungen in der eigenen Herkunftsfamilie thematisiert
werden. In ihrem Papa Handbuch beschreiben die Autoren eine Fülle von
praktischen Möglichkeiten dazu. (Richter, Schäfer 2020)
Darüber hinaus gibt es eine Fülle an ‚Väterthemen und fragen‘,
die am besten bearbeitet werden können, wenn Väter unter sich sind und diese
Phase auch von einem erfahrenen Mann und Vater betreut wird:
Welche Wünsche und Befürchtungen habe ich für
die Geburt?
Will ich bei der Geburt dabei sein? Was will ich
sehen, was nicht?
Was ist mir wichtig für die erste Zeit zuhause?
Welche Bedeutung habe ich als Vater für die
Entwicklung des Kindes?
Wie kann ich meine Vaterkompetenzen entfalten?
Wie entwickelt sich das Verhältnis zu meiner
Partnerin, wenn sie auch Mutter ist?
Was ist mit dem Sex in der Schwangerschaft und
nach der Geburt?
Wie kann es gelingen, dass wir auch als Vater
und Mutter die Verantwortung für finanzielle Versorgung der Familie und die
dort anfallenden Care-Aufgaben partnerschaftlich aufteilen?
Die Möglichkeit, sich mit anderen Vätern darüber auszutauschen,
haben einen bedeutenden Einfluss auf das spätere Geburtsgeschehen. Derart
vorbereitet können Väter vom geburtshilflichen Team als unmittelbar Beteiligte
des Geschehens wahrgenommen und als Personen mit eigenen Bedürfnissen und
eigenem Erleben angesprochen und einbezogen werden.
Diese „Männerrunden“ sind teilweise schon Praxis bei der
Geburtsvorbereitung. Darüber hinaus gibt es an wenigen Orten spezielle Angebote
für werdende Väter. (Mens Health 2016)
Ergebnisse eines Praxisprojekts in NRW
Ein vom Familienministerium in NRW gefördertes Praxisprojekt
beschäftigte sich mit der Fragestellung, wie die Einbeziehung von Vätern im
Rahmen der Geburtsvorbereitung durch Hebammen gefördert werden kann. Im Zentrum
standen dabei die Entwicklung und Erprobung eines Fortbildungs-Curriculums.
(Nelles 2020)
Die Annahme, Väter und Mütter im Kontext der
Geburtsvorbereitung durch Hebammen anzusprechen und dort das Anliegen
‚partnerschaftliche Aufgabenteilung‘ zu thematisieren hat sich bestätigt, da in
diesem Zeitraum entscheidende Weichenstellungen vorgenommen werden und mehr als
90 % der Väter an der Geburt und, zumindest beim ersten Kind, auch an
angebotenen Kursen zur Vorbereitung teilnehmen.
Auf der Basis freiwilliger Fortbildungen für Hebammen lässt
sich das Ziel, partnerschaftliche Aufgabenteilung im Rahmen der
Geburtsvorbereitung zu thematisieren jedoch nicht erreichen. Das liegt zum
einen, an der von der, an den unterschiedlichsten Stellen beschriebenen Haltung
der Hebammen, Frauen und Männern traditionelle Rollen zuweisen und selbst wenn
sie Angebote für Väter machen, diesen Unterstützungs- und Assistentenaufgaben
zuweisen.
Auf der anderen Seite sind es strukturelle Rahmenbedingungen
wie Personalschlüssel in Kliniken und der Blick der dort arbeitenden Gynäkologen
auf die Hebammen sowie die schlechte Bezahlung von letzteren. Dazu kommt die
Akademisierung der Hebammenausbildung und die Umsetzung der entsprechenden
Verordnungen und die Sicherstellung der praktischen Ausbildungsanteile auf den
‚letzten Drücker‘.
Die Neuaufstellung der Hebammenausbildung bietet, zumindest
theoretisch, die Chance, die Themen ‚Bedeutung von Vätern‘ und ‚Aufstellung der
Akteure im System Familie‘ in den neuen Curricula zu verankern zumal es in der
Anlage 1 der ‚Studien- und Prüfungsverordnung für Hebammen des
Bundesministeriums für Gesundheit‘, in der die Kompetenzen von Hebammen
aufgeführt sind, ausdrücklich heißt: [ sie] ‚verfügen über Kenntnisse … über Prozesse der Familiengründung und bereiten
die schwangere Frau und ihre Familie ihrer individuellen Lebenssituation
entsprechend auf die Geburt, das Wochenbett und die Elternschaft vor …‘ (BMG
2019)
Um die Chance, die Themen im Rahmen der zu erarbeitenden
neuen Ausbildungsordnungen breiter zu verankern, wird es aber notwendig sein,
mit Unterstützung bereits im System tätigen Akteur*innen, Professor*innen mit
ausgewiesener Väterexpertise und Praktikern der Väterbildung zunächst eine
Expertise und darauf aufbauend Bausteine für die universitären Lehrpläne zu
entwickeln.
Ein anderer Ansatzpunkt die Themen in bestehenden
Geburtsvorbereitungskursen zu verankern sind die Qualitätsstandards. Die Kurse
werden, zumindest für die Frauen, von den gesetzlichen Krankenkassen
finanziert. Jede Hebamme, die derartige Kurse anbietet kann sie über die
Krankenkassen abrechnen. Diese könnten also mit entsprechenden Standards auch
Einfluss auf die Inhalte ausüben
Fazit
Als Vision und Wunsch abschließend formuliert: um werdenden
und gewordenen Vätern und Müttern die Verwirklichung ihres Wunsches nach einer
gleichberechtigten Aufgabenteilung zu ermöglichen braucht es, neben den
äußeren, passenden Rahmenbedingungen, ein Angebot sich vor und nach der Geburt
mit den oben genannten Themen auseinanderzusetzen. Und zwar an den Orten und zu
den Anlässen, die Väter und Mütter sowieso gemeinsam oder getrennt aufsuchen
und nutzen. Die Geburtsvorbereitung gehört in jedem Fall dazu. Es braucht aber
neben den Hebammen weitere (männliche) Akteure und Angebote für Väter, vor
allem für die Zeit nach der Geburt.
Im System der Geburtshilfe rumort es. Immer mehr
Geburtskliniken schließen, aus Mangel an Hebammen oder Renditegründen. Während
der Pandemie wurden Väter ganz oder teilweise bei Vorsorgeuntersuchungen und
der Geburt ausgeschlossen und auch wenn sie dabei sein dürfen, fühlen sich
Väter vielfach nicht einbezogen.
Es gibt zwar seit 2016 ein auf 136 Seiten ausformuliertes
‚Nationales Gesundheitsziel Gesunde Geburt‘, aber die von vielen Seiten
erhobene Forderung nach einem ‚Geburtsgipfel‘ und der im Frühjahr gestarteten
Initiative ‚Bündnis Gute Geburt‘ verdeutlichen den tatsächlichen
Handlungsbedarf.
Dort ist die Einbeziehung von Vätern an verschiedenen Stellen erwähnt, ‚Väter bzw. Partnerinnen und Partner sollen dazu ermutigt werden, sich von Anfang an in der Babyversorgung zu engagieren und einen eigenen positiven Stil im Umgang mit dem Neugeborenen zu finden.‘ Die Wirklichkeit ist von dieser bereits 2008 formulierten Vision weit entfernt, das macht auch eine anlässlich der ‚Weltstillwoche‘ veröffentlichte Befragung deutlich. Es braucht passende Rahmenbedingungen damit aus dem ‚Sollen‘ und ‚Wollen‘ tatsächliches Handeln wird.
Bei der Gestaltung von ‚passenden‘ Rahmenbedingungen gibt es
sicherlich Spielräume. Um diese auszuloten haben wir eine Kurzumfrage entworfen
und bitte Sie, sich 2 Minuten Zeit für eine Beantwortung zu nehmen.
Bei einem Werkstattgespräch am 26. Oktober werden wir die Ergebnisse präsentieren, Eckpunkte zu Veränderungen in der Geburtshilfe aus der Perspektive der Väter formulieren und diese in die aktuelle Diskussion einordnen.
„Frühe Vaterschaft: gewagt, riskant und
instabil!“ lautet das Resümee eines Beitrags von Cornelißen und Bien vom
Deutschen Jugend Institut im April 2014. Der SKM Bundesverband e.V. hat daher
in den vergangenen Jahren seine Beratungsangebote für Jungen, Männer und Väter
deutschlandweit ausgebaut und mit der Trägerschaft der Geschäftsstelle der „LAG
Väterarbeit in NRW“ sein fachliches Profil in dem Themenfeld „Vaterschaft“
vertieft.
Jugendliche Eltern und
ihre Herausforderungen
Während erwachsene Eltern in aller Regel bereits
mitten im Leben stehen, sehen sich jugendliche Mütter und Väter nicht nur mit
der Bewältigung der eigenen Entwicklung, sondern gleichzeitig auch mit
Elternaufgaben konfrontiert. Ihre Voraussetzungen für diese doppelte Belastung
sind in aller Regel mangelhaft. Viele jugendliche Eltern stammen aus einem
problematischen sozialen Umfeld und nicht wenige haben die Schule abgebrochen
oder keinen Einstieg in eine Ausbildung gefunden. Die Folge: Die meisten
jugendlichen Eltern leben in einer prekären wirtschaftlichen Situation, wie
Daten des Mikrozensus in Deutschland zeigen. So haben knapp ein Drittel der
jugendlichen Väter keinen beruflichen Abschluss und ihre frühe Elternschaft
korrespondiert mit einer kurzen Schulbildung.
Darüber hinaus sehen sie sich mit der weit verbreiteten Vorstellung
konfrontiert, dass eine frühe Elternschaft als Lebensform „jenseits der Norm“
betrachtet wird. Noch immer geht man in der Gesellschaft davon aus, dass Frauen
und Männer eine Ausbildung abgeschlossen und einen (sicheren) Arbeitsplatz
gefunden haben sollten, bevor sie eine Familie gründen. Dahingegen können junge
Männer durch eine frühe Vaterschaft aber durchaus in ihrer Identitätsfindung
bestärkt werden. Als junge Väter können und müssen Verantwortung übernehmen und
finden so in ihrer Vaterschaft eine Brücke zum Erwachsenwerden. Dies kann aber
nur gelingen, wenn der Prozess des Erwachsenwerdens nicht durch zusätzliche,
Krisen erzeugende Widrigkeiten wie Geldmangel, belastende Arbeitsanforderungen
oder Konflikte in der Herkunftsfamilie gefährdet wird.
„Väter fördern“
bedeutet auch „Mütter fördern“
Neben der prekären wirtschaftlichen Situation vieler
junger Familien fällt die weitverbreitete Instabilität ihrer Paarbeziehungen
auf: Unter den frühen Müttern sind sehr viel mehr alleinerziehend (42 Prozent),
als dies allgemein bei Müttern mit Kindern unter 7 Jahren der Fall ist (16
Prozent). Dies verschärft nicht nur die wirtschaftliche Lage von Mutter und
Kind. Es bedeutet gleichzeitig, dass die Bindung zwischen Vater und Kind bei
frühen Vätern häufiger in Frage steht. Die „ausgegrenzten“ Väter werden selten
in die alltägliche Betreuung und Versorgung des Kindes einbezogen, so dass
alleinerziehenden Müttern die Entlastung fehlt, die ihnen den erfolgreichen
Abschluss einer Ausbildung oder die berufliche Etablierung erleichtern könnte.
Es ist daher naheliegend jugendlichen Vätern die Hilfe und Unterstützung
anzubieten, die sie benötigen, um mit der neuen Aufgabe und Rolle als Vater und
Partner der Mutter verantwortlich umgehen zu lernen.
Die frühzeitige Einbeziehung der jugendlichen Väter
lohnt sich aber auch, wenn es um die Gesundheit von Mutter und Kind geht. So
hat eine Studie aus Großbritannien gezeigt, dass die Unterstützung junger Väter
auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der jungen Mutter und die
Entwicklung des gemeinsamen Kindes. Gestützt wird dieses Ergebnis von weiteren
Studien aus den USA und Großbritannien, welche die Wirksamkeit von Programmen
für jugendliche Väter und die notwendigen Veränderungen bei den Angeboten und
im Mindset der Hilfesysteme untersucht haben.
Ein weiterer entscheidender Grund, auch jugendliche
Väter in den Blick zu nehmen, ist, dass Hilfemaßnahmen für Familien und Kinder
insgesamt erfolgreicher verlaufen, wenn das gesamte Familiensystem eingebunden
wird.
Sie benötigen dringend Unterstützung und Hilfe, da
ansonsten eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass deren Söhne ebenfalls
wieder jugendliche Väter mit ähnlicher sozialer Problematik werden.
Jugendliche Väter im
Blick
Das Verbundprojekt „… jugendliche Väter im Blick“
trägt mit seinen niedrig schwelligen Angeboten dazu bei, dass jugendliche Väter
von bestehenden Hilfsangeboten erreicht werden. So geht beispielsweise der SKFM
in Düsseldorf davon aus, dass die jungen Väter durch die klassischen
Beratungsangebote nicht erreicht werden. Er sucht die Väter daher direkt in
ihrem Sozialraum auf, spricht sie aktiv über Streetwork- und schulische
Sozialarbeit an und macht ihnen niedrigschwellige Gruppenangebote.
Der SKM Osnabrück setzt er auf neue Wege der Ansprache
und die Kooperation mit anderen Akteuren in der Kommune. Durch die Entwicklung
passender Ansprachekonzepte werden junge Väter ermutigt, ihre neue Rolle an und
Verantwortung zu übernehmen. Das Angebot des SKM Rheydt e.V. beginnt mit einem
Gruppentraining, in dem die Rolle der Vaterschaft und der individuelle
Hilfebedarf partizipatorisch und diskursiv bearbeitet werden. So haben die
jungen Männer die Möglichkeit, Rollenerwartungen an sich und die damit
verbundenen Herausforderungen mit anderen jungen Vätern zu verhandeln – auch in
interkulturellen Kontexten. In anschließenden begleiteten Freizeitangeboten
können die jungen Männer die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern als positives
Erlebnis wahrnehmen und dabei auch andere junge Väter bei ihrer
Selbstwirksamkeit als Väter unterstützen.
Du bist schon lange in der Geburtsvorbereitung für Väter tätig.
Wie war der Blick darauf, als du mit dieser Arbeit begonnen hast?
Ja, ich habe damit angefangen 2004. Also das ist jetzt
wirklich 18 Jahre her. Das heißt, die Geburtsvorbereitung ist jetzt endlich
volljährig. Wir haben damals ein Projekt gestartet, noch mit Martin Verlinden
im Sozialpädagogischen Institut. Es gab schon ein bisschen Geburtsvorbereitung
für Väter, die war unstrukturiert, noch nicht wirklich aufgearbeitet, auch
nicht evaluiert. Und salopp würde ich jetzt sagen, dass man die Väter in der
Regel davon überzeugen musste, an diesen Stunden teilzunehmen, weil die selber
wenig davon gehört hatten, und wenig Ideen hatten im Zusammenhang mit der Geburtsvorbereitung.
Die war und ist weiblich konnotiert und die Väter kamen da überhaupt nicht vor.
Die Väter konnten dann in der Regel mit dem Angebot super
viel anfangen, waren im Nachhinein sehr überrascht, fanden das toll, waren aber
sozusagen von der Erwartungshaltung mehr auf so technische Dinge eingestellt,
die eine Geburt mitbringt: wie atmen, Stellungen einnehmen, Frau unterstützen,
das war so der Fokus. Und die eigenen Themen, die eine Rolle spielten, waren
selten Gegenstand. Es waren eher die Erwartungsfragen, die wir damals an die
Väter gerichtet haben. Im Nachhinein war das Feedback aber häufig so, dass da
der Wunsch geäußert wurde, sich mehr unter Vätern zu treffen, dass der Fokus
auf die eigene Befindlichkeit während des Geburtsvorgangs als hilfreich
empfunden wurde. Also auch solche Fragen, wie: Was kann ich machen, wenn es mir
zu viel wird? Wo bleibt meine eigene Unversehrtheit? Und so weiter. Und es war
auch häufig dieser Aspekt: Wir sind ja Männer. Wir werden Väter. Wenn das Kind
auf der Welt ist, dann wird es für uns viel interessanter. Da bestand viel
Bedarf, dazu mehr Informationen zu bekommen.
Also wie baue ich eine gute Beziehung auf? Wie gehe ich mit
dem Kind um, wenn meine Frau das eigentlich viel mehr für sich vereinnahmt? Wie
regle ich das mit dem Arbeitgeber? Damals war das Elterngeld und die Novelle
des Gesetzes gerade neu, aber noch nicht so differenziert, wie wir es jetzt
haben. Also da gab es viel Beratungsbedarf in die Richtung für die Zeit nach
der Geburt. Was Väter für sich tatsächlich als Thema dann begriffen hatten. Ich
kann mich erinnern, dass ich auch bei Hebammen viel Überzeugungsarbeit leisten
musste, weil das in dem Feld damals noch nicht üblich war und manchmal sogar
auch als Angriff verstanden wurde, dass da jetzt Männer kommen und in ein
weiblich konnotiertes Feld hineinarbeiten wollen. Also das war auch immer viel
Überzeugungsarbeit, dann meinen Standpunkt zu erklären und meinen Ansatz und
den Nutzen, der natürlich ein riesengroßer Synergieeffekt ist, darzulegen.
Und ich fand es dann spannend, als dann die Familienhebamme
quasi „geboren“ wurde und sich dann auch über die frühen Hilfen, die damals eingeführt
wurden, das Thema Gewaltprävention auch auf dem Plan stand. Ich habe versucht,
da wissenschaftlich so ein bisschen mehr zu argumentieren und die
Geburtsvorbereitung auch als Gewaltprävention zu etablieren.
Ich habe versucht, den Kurs auch unter verschiedenen
Akzenten zu differenzieren: bildungsgewohnte Väter, Väter mit
Migrationshintergrund, Väter aus sozial schwächer strukturierteren Familien,
Väter in der Stadt, auf dem Land und so weiter. Das war allerdings nur bedingt
möglich, weil vor allem bildungsgewohnte Väter Zugänge zur Geburtsvorbereitung hatten.
Was hat sich seitdem verändert?
Vor allem ist es das Selbstverständnis, das sich sehr stark
verändert hat und das in zwei Richtungen. Auf der einen Seite gibt es ein
Umdenken. Die neuen Väter, die sich ja mittlerweile fragen, ob sie nicht
vielleicht auch neue Mütter bräuchten, die sind ja damals „erfunden“ und haben
sich ja auch weiterentwickelt. Nicht nur zahlenmäßig, wir wissen es von den
ganzen Untersuchungen, neben den ganzen Bekunden mehr Carearbeit machen zu
wollen, gibt es ja tatsächlich auch Väter, die dies machen. Und auf der anderen
Seite, das habe ich immer wieder festgestellt, es ist wichtig, wenn Politik
Rahmenbedingungen schafft, die Gesellschaft aufgreifen kann. Und durch die
Veränderungen des Elterngeldes in vor allem der Elternzeit ist tatsächlich das
Bedürfnis der stillen Gruppe der Väter, die sich gerne auch mehr engagieren,
getroffen wurden. Und es waren diese beiden Bewegungen, die dazu geführt haben,
dass das Thema mittlerweile selbstverständlich ist.
Mein Kurs ist im letzten Jahr auch in einem Fernsehfeature aufgenommen
worden. Und es wurde immer wieder bekräftigt, ja, das ist eine super Sache.
Warum gibt es das eigentlich so wenig?
Die Väter melden sich heute selbst an. Wir haben keinen Kurs, der auch nur einen Platz frei hätte. Es gibt einen Riesenbedarf, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, weil immer mehr verstanden wird, dass diese ganzen „weichen“ Themen wie Bindungen, Beziehungen aufbauen, Regulation, Gesundheitsprävention einfach eine große Bedeutung haben. Es gibt mittlerweile ein unübersichtliches Angebot an Büchern, Ratgebern, Podcasts und Sendungen, die Geburtsvorbereitung für Väter hat vor diesem Hintergrund an Bedeutung gewonnen und ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, zumindest in der Stadt Was mich sehr freut.
Das ist eine zentrale Aussage in dem Strategiepapier des ‚Runden
Tisches Elternwerden‘ das im Februar letzten Jahres erstmals veröffentlicht und
im August aktualisiert wurde. Dieser Aussage können wir uneingeschränkt
zustimmen. In unseren Augen braucht es aber es aber auch einen
Paradigmenwechsel im System der Geburtshilfe.
Und zwar was die Bedeutung der Väter angeht: werdende Väter sind neben den
Hebammen und dem ärztlichen Personal wichtige Akteure im gruppendynamischen
Geschehen einer Geburt. Ihre Handlungen beeinflussen den Geburtsprozess, die
Geburt selbst wirkt nachhaltig auf sie.
Die Vorbereitung auf die Geburt und das Vatersein, die Zuschreibung und das
Erleben der eigenen Bedeutung und Selbstwirksamkeit sind prägende
Weichenstellungen für zukünftiges väterliches Engagement und die Stabilität der
Paarbeziehung.
Mit den damit zusammenhängenden Themen und Herausforderungen werden
wir uns in diesem und dem kommenden Monat beschäftigen.
Väter ansprechen und erreichen
Väter sind schwer zu erreichen und Angebote, die in Kitas und
Familienzentren gemacht werden, kommen häufig nicht zustande, weil sich zu
wenige Väter anmelden.
Auf der anderen Seite wollen Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und
suchen nach passenden Angeboten und Möglichkeiten sich mit anderen Vätern
auszutauschen.
Die Geschäftsstelle der LAG-Väterarbeit möchte dazu beitragen dieses Dilemma aufzulösen und bietet dazu Vorträge und Fortbildungen an, die Beschäftigten verschiedener Einrichtungen oder auch einzelnen Teams die Möglichkeit gibt, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und ihre Arbeit mit und die Angebote für Väter weiterzuentwickeln. Mögliche Themen sind: ‚Grundlagen der Arbeit mit Vätern‘, ‚Väter ansprechen und erreichen‘, ‚Wie ticken Väter eigentlich?‘, ‚Die Bedeutung von Vätern für die Entwicklung von Kindern‘, ‚Väter in den frühen Hilfen‘ …
Melden Sie sich einfach telefonisch oder per Mail bei uns. Die
Kontaktdaten finden Sie am Ende des Newsletters.
… mir fehlt vor allem eine systemische Perspektive
In den vergangenen beiden Monaten standen Väter und Kinder, die Opfer
von Gewalt geworden sind, im Blickpunkt.
Bei dem Werkstattgespräch am 12.
August berichtete Tobias Schiefer über die Arbeit der Männerschutzwohnungen in
Düsseldorf: Ziele des Schutzkonzepts, das mit regelmäßiger Beratung verbunden
ist, sind Schutz-, Rückzugs- und Wohnraum für einen begrenzten Zeitraum zur
Verfügung zu stellen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt ca. 3
Monate.
Im Mittelpunkt der Arbeit mit den Klienten steht deren psychische
Stabilisierung und Entlastung sowie die Stärkung der Handlungsfähigkeit und der
Selbstbestimmung. Perspektivisch geht es um die persönliche Weiterentwicklung
und Neuorientierung außerhalb der ‚Gewaltbeziehung‘ sowie die Vermittlung
weiterführender Hilfen.
In einem Interview mit Christoph Liel vom Deutschen Jugend Institut in München
äußerte er sich unter anderem zu den zukünftigen Bedarfen in diesem
Hanlungsfeld:
„Ich finde schon, dass es in Bezug auf Väter große blinde Flecken gibt, und
zwar sowohl in der Praxis wie auch in der Forschung. Und zwar im gesamten
erweiterten Kontext des Kinderschutzes. Weil Väter da häufig keine oder eine
untergeordnete Rolle spielen, obwohl sie sowohl eben als Gefährder für Kinder
auftreten können, wie auch als Unterstützer in der familiären Situation. Und da
brauchen wir sehr viel mehr Wissen.“ Die Aufzeichnung des Gesprächs können Sie hier nachlesen und
hören.
Welchen Kulturwandel brauchen Väter in der Geburtshilfe – aktuelle Eckpunkte und Perspektiven
Im System der Geburtshilfe rumort es. Immer mehr Geburtskliniken
schließen, aus Mangel an Hebammen oder Renditegründen. Während der Pandemie
wurden Väter ganz oder teilweise bei Vorsorgeuntersuchungen und der Geburt
ausgeschlossen und auch wenn sie dabei sein dürfen, fühlen sich Väter vielfach
nicht einbezogen.
Es gibt zwar seit 2016 ein auf 136 Seiten ausformuliertes ‚Nationales
Gesundheitsziel Gesunde Geburt‘, aber die von vielen Seiten erhobene Forderung
nach einem ‚Geburtsgipfel‘ und der im Frühjahr gestarteten Initiative ‚Bündnis
Gute Geburt‘ verdeutlichen den tatsächlichen Handlungsbedarf.
In dem Werkstattgespräch am 26. Oktober wird Hans-Georg Nelles, der u.a.
bei der Broschüre der BZgA ‚Väter auf die Geburt vorbereiten – Informationen
und praktische Tipps für Fachkräfte‘ mitgewirkt hat, Eckpunkte einer Reform in
der Geburtshilfe aus der Perspektive der Väter präsentieren und diese in die aktuelle
Diskussion einordnen.
Zu dem Werkstattgespräch können Sie sich hier anmelden
Jeder Mann sollte mit gutem Gefühl Vaterwerden können. Deshalb unterstützt die ‚Erzählcafé-Aktion‘ Väter mit einem kostenlosen Flyer voller Fakten & Forschung. Kurz und knackig bringt dieser auf den Punkt, was Männer beim Vaterwerden wissen sollten, auch um selbst gesund zu bleiben. „Lies los Mann, damit Du gestärkt aus dem größten Abenteuer Deines Lebens hervorzugehen kannst!“
Der Flyer ‚Respekt Mann, Du wirst Vater‘ ist kostenfrei und gibt es hier zum Download!
Ausblick
Das letzte Schwerpunktthema in diesem Jahr wird im November und
Dezember ‚Väter im Strafvollzug‘ sein. Dazu planen wir interessante Einblicke,
Praxistipps und ein Werkstattgespräch, bei dem es um die praktische Arbeit mit Vätern
und deren Kindern im Justizvollzug gehen wird.
Im kommenden Jahr haben wir uns vorgenommen, uns noch intensiver mit
den einzelnen Themen auseinanderzusetzen und vor allem durch unsere Arbeit
darauf hinzuwirken, in den angesprochenen Bereichen nachhaltige Veränderungen
für Väter und aktive Vaterschaft anzustoßen und da wo möglich auch strukturell
zu verankern.
Im Themenspeicher stehen jetzt schon ‚Großväter‘ und ‚getrennt
erziehende Väter‘.
Termine
25. Oktober 2022, 15:30 bis 17 Uhr, Online Member Meeting der LAG Väterarbeit
26. Oktober 2022, 15:30 bis 17 Uhr, Werkstattgespräch Kulturwandel in
der Geburtshilfe
Qualifizierung für Multipliator*innen in der Väterarbeit
Wie erreiche ich interessierte Väter für Erziehungs-, Fürsorge- oder
andere Themen? Wie gelingt es mir, (wirksame) Bildungsangebote für Väter
zu entwickeln und umzusetzen? Wo finde ich (neue) Ideen und Anregungen
und welche Netzwerke gibt es?
Mit diesen oder ähnlichen Fragen beschäftigen sich viele planende
Kolleg*innen aus Bildungseinrichtungen. Die vom Niedersächsischen
Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung geförderte
Qualifizierung möchte Antworten darauf geben.
Die Qualifizierung wird von einem Referententeam durchgeführt und richtet sich an:
Personen, die für organisierte Bildungsangebote zuständig sind (z.B. in Familien- oder Erwachsenenbildung u.a.),
Personen mit pädagogischer Vorerfahrung (z.B. pädag. Fachkräfte aus
Kitas, den Frühen Hilfen, Fachberatungen, Sozialarbeiter*innen,
Jugendämtern, Kinderschutz u.a.),
Studierende (z.B. aus den Feldern der Sozialen Arbeit, Erwachsenenbildung, u.a.),
Frauen und Männer in der Väterarbeit.
Modul 1: Boden bereiten – Basics der Väterarbeit
04.11.2022, 10:00 – 17:00 Uhr, Hannover, Referententeam: Carsten
Vonnoh, Prof. Dr. Andreas Eickhorst (Präsenz), Axel Hengst, Karsten
Piehl, Christian Beuker (online dabei)
Überblick über den aktuellen Stand der Forschung (psychosoziale und
soziologische Aspekte) sowie über die Vielfalt von Väter-Themen
Gesellschaftliche Erwartungen an Väter (Standortbestimmung)
Eigene Väter-/Erziehungsbilder und ihr Einfluss auf die pädagogische Arbeit
Einführung Praxisprojekt u.a.
Modul 2: Gleichgewicht halten – Work-Life-Balance von Vätern
Methoden und Angebote für unterschiedliche Zielgruppen
Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
Netzwerke(n)
Modul 5: Blick zurück nach vorn – Reflexion und Ausblick
17.02.2023, 10:00 – 17:00 Uhr, Hannover, Referententeam: Carsten
Vonnoh, Prof. Dr. Andreas Eickhorst (Präsenz), Axel Hengst, Karsten
Piehl, Christian Beuker (online dabei)
Projektpräsentation, kollegialer Austausch
Strategien für die nachhaltige Umsetzung des Gelernten
Auswertung und Zertifikatsübergabe
Die Teilnehmenden entwickeln im Laufe der Qualifizierung eigene
Projektideen, die im letzten Modul präsentiert werden. Sie nutzen für
den Austausch untereinander die AEWB+ Lernplattform.
Die digitale und kulturelle Transformation eines Geschäftsbereichs starten und umsetzen, dabei eine inspirierende und motivierende Führungskraft sein, eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen und über allem ein aktiver Vater die beiden Söhne sein.
In seinem Buch ‚Working Dad, Vereinbarkeit von Familie und
Karriere leben‘ beschreibt Roman Gaida ehrlich und authentisch seinen Weg, den
er gegangen ist, um das alles hinzubekommen aber auch seine Ängste und Zweifel,
mit denen er sich an entscheidenden Abzweigungen auseinandergesetzt hat.
Die Erfahrungen, die er dabei gemacht hat beschreibt er
ausführlich und lässt den Leser und natürlich auch die Leserinnen daran teilhaben.
Am Ende fast jedes der 45 Kapitel gibt es ‚Tools‘. Hacks‘ oder Checklisten, die
den Abschnitt zusammenfassen und leicht anwendbare Werkzeuge darstellen.
Am Anfang steht diese Erkenntnis „Was einem auch niemand sagt,
ist, wie es einen Mann verändert, wenn er Vater wird. Natürlich nehmen wir uns
vor, ein guter Vater zu sein. Ein Vater, der da ist, sich um die Familie
kümmert und trotzdem weiter an seiner Karriere schraubt. Aber die Realität
sieht ganz anders aus.“
Wichtig ist es, dass jeder Vater für sich entscheidet, was für ihn
Sinn macht oder besser noch die Leidenschaft brennt. Und „vor allem für uns
Väter ist es an der Zeit, Karriere neu zu definieren – weg von
gesellschaftlichen Normen und vermeintlichen Selbstverständlichkeiten hin zu
individuellen Lebensmodellen“.
Und dies ist ja in einer Partnerschaft nicht nur eine Karriere,
eine berufliche Entwicklung. Es geht darum, in einem kurzen Lebensabschnitt,
der Rushhour des Lebens, die Beziehung zur Partnerin, die Bindung zu den
Kindern und die Verantwortung im Job in einen guten Rhythmus zu bekommen. Karriere
ist nämlich auch, und das steht nicht im Buch, wenn die Beziehung hält.
Für die Beziehung zu den Kindern braucht vor allem Zeit, „die Entscheidung
fällt auf dem Spielplatz“ zitiert der Autor Björn Süffke. Wichtig sei die emotionale Präsenz als Vater,
„die wir nur in allen Facetten des täglichen Lebens bieten
können. … Unsere Gefühle, die
schönen und eben auch die nicht so schönen, unsere Ängste, Freuden, Trauer – und ja, auch wenn wir mal nicht
mehr weiterwissen – machen uns zu einem Menschen.“
Dafür müssen Entscheidungen getroffen werden und die haben
Konsequenzen bzw. einen Preis. Eine Entscheidung, die jeder werdende Vater für
sich und gemeinsam mit seiner Partnerin treffen muss, und zwar rechtzeitig, ist
die Inanspruchnahme der Elternzeit und die Verteilung von bezahlter Erwerbs-
und unbezahlter Familienarbeit, die faire Aufteilung von Financial und Mental
Load
„Wenn wir erst miteinander darüber sprechen, wer sich nun zu Hause
um alles kümmern soll, wenn das Baby schon da ist, dann sind Chaos und eine
Beziehungskrise vorprogrammiert. Mama bleibt zu Hause, und Papa geht zur
Arbeit. In einigen Fällen mag das beide auf Dauer glücklich machen, aber in
vielen Fällen eben nicht. Weder Väter noch Mütter wollen sich heute in die
Schublade der alten Geschlechterrolle quetschen lassen, um stillschweigend
Vorgelebtes zu wiederholen. Mütter möchten völlig zu Recht ihre ebenfalls
mühsam aufgebaute Karriere nicht ganz begraben. Väter wollen nicht das
Gewohnheitsrecht der F rauen auf die Kindererziehung akzeptieren. Neue Väter
brauchen auch neue Mütter. Kommunikation und Abstimmung bereits vor dem ersten
Kind kann helfen, nicht in diese Vereinbarkeitsfalle zu tappen.“
Das ist auch seit über 25 Jahren ein Grundsatz meiner
Beratungsarbeit in dem Feld. Diese Fragen müssen auf Augenhöhe verhandelt
werden, wenn beide im Job sind.
Und was die Elternzeit angeht, braucht es auch 15 Jahre nach ihrer
Einführung in Deutschland noch viel Ermutigung. Gaida hat sie nach der Geburt
seiner beiden Söhne nicht in Anspruch genommen.
„Nicht weil mich mein neuer Arbeitgeber davon abgehalten hätte
oder die Signale dafür negativ waren, sondern schlichtweg, weil ich Angst
hatte, es könnte alles, was ich mir bis dahin aufgebaut hatte, zerstören. Seit
meiner Zeit an der Maschine in Schichtarbeit hatte ich so viel investiert, um
im Management zu landen. Das wollte ich jetzt nicht leichtfertig verspielen.“
Mit dieser Angst Mit der Angst, stehe er jedoch nicht allein da und
führt eine Befragung der Soziolog:innen Thordis Reimer und Mechthild Oechsle aus dem Jahr 2017 an, nach der 45%
der Väter befürchten, das eine
Elternzeit sich negativ auf ihre berufliche Entwicklung auswirken könnte.
Das dem
nicht so ist hat ein Jahr zuvor Mareike Bünning, wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), in
einer Studie herausgefunden. Wenn Väter Elternzeit nehmen, wirkt sich das nicht
negativ auf die Entwicklung ihrer Löhne aus. Wählen Väter dagegen Teilzeit, um
Beruf und Familie besser zu verbinden und mehr Zeit für ihre Kinder zu haben,
müssen sie mit Lohneinbußen und Karrierenachteilen rechnen. Schon 2015
berichtet das Forschungsinstitut Sowitra in einer Studie: „Langfristige
berufliche Nachteile für die Elterngeldväter sind laut der Studie kaum
nachweisbar. Mit vorübergehenden Beeinträchtigungen sei allerdings durchaus zu
rechnen. Jeder zehnte Befragte berichtet von temporären Auswirkungen auf den
Karriereverlauf, wobei die Gefahr mit der Dauer der Elterngeldnutzung ansteigt.“
Roman Gaida thematisiert diese Ambivalenzen jedoch auch und
reflektiert seine Verantwortung als Führungskraft an dieser Stelle: „#1 Zu
erfahren, dass man Vater wird, ist der schönste Moment im Leben eines Mannes.
Denk daran, wenn der nächste Mitarbeiter zu dir kommt und dir freudig davon
erzählt, dass er Vater wird.“
In den weiteren drei Teilen geht es dann um die Themen ‚Familienfreundlichkeit:
Win-Win für Unternehmen und Leadership‘, ‚Familie‘ und ‚Me-Time‘, in denen der
Autor sein Füllhorn an Fragen, Erfahrungen und Tipps ausschüttet. Einer der
letzten, meines Erachtens aber sehr wichtigen im Abschnitt ‚Vergesst euch nicht
als Paar‘ lautet „Nur wenn beide
glücklich sind und sowohl berufliche als auch private
Bedürfnisse befriedigt werden,
ist Vereinbarkeit möglich.“
Das Buch ist am 14. September beim Campus Verlag erschienen, hat 224 Seiten und kostet 24 €.
Berufstätige Väter in der EU haben ab dem 23. August einen
Anspruch auf zehn Tage Freistellung unmittelbar nach der Geburt. Eigentlich …
In Deutschland wird die Vorschrift zunächst nicht umgesetzt – Eltern seien
hierzulande schon jetzt „bessergestellt“ erklärt das zuständige Ministerium und
verweist auf die zwei Partnermonate.
Dass es sich bei der obligatorischen Freistellung nach der
Geburt um etwas grundsätzlich anderes handelt, wird nicht berücksichtigt.
Abgesehen von der Höhe der Lohnersatzleistung geht es um elementare
Weichenstellungen in der Phase der Familiengründung. Väter können sich von
Anfang an als selbstwirksam erleben und erkennen, dass es die ‚geborene Mutter‘
nicht gibt. Ihre Partnerin und sie selbst erlernen den Umgang und die
notwendigen ‚Handgriffe‘, indem sie sich auf das Kind einlassen.
Und was die vermeintliche Besserstellung angeht: In einer Studie aus dem Jahr 2020 hat die
OECD die Länge des Vaterschaftsurlaubs mit der in diesem Zeitraum
geleisteten Bezahlung ins Verhältnis gesetzt und errechnet, wie vielen Wochen
vollbezahltem Urlaub dies entspräche. Deutschland lag dabei mit 5,7
„vollbezahlten“ Wochen im oberen Mittelfeld. Spitzenreiter innerhalb der EU
sind laut diesem Papier Luxemburg (21,2 vollbezahlte Wochen), Portugal (12,5
vollbezahlte Wochen) und Spanien (12 bzw. seit Anfang 2021 16 vollbezahlte
Wochen).
Deutschland
In Deutschland gilt seit 2007 eine Elterngeldregelung, die
14 Monate bezahlte Elternzeit vorsieht. Es gilt der 12 plus 2 Grundsatz,
mindestens zwei Monate müssen von der jeweiligen Partnerin bzw. dem Partner in
Anspruch genommen werden. Die obligatorischen zwei Mutterschaftsmonate nach der
Geburt werden mit der Elternzeit verrechnet.
Die Elternzeitmonate können als sogenannte Basiselterngeld-
oder Elterngeldplusmonate genutzt werden. Durch diese Regelung kann die
Aufteilung der Elternzeit zwischen Vätern und Müttern flexibler gestaltet und
mit einer Teilzeittätigkeit während der Elternzeit, erlaubt sind bis zu 32
Stunden, kombiniert werden. Als zusätzlichen Anreiz für eine partnerschaftliche
Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit gibt es den Partnerschaftsbonus, der
für drei Monate in Anspruch genommen werden kann, wenn beide zwischen 24 und 32
Stunden pro Woche erwerbstätig sind.
Das Elterngeld beträgt 65 % des Nettoeinkommens des Vorjahres, mindestens 300 € und höchstens 1.800 € pro Monat. Der Anteil der Väter, die Elterngeld in Anspruch genommen haben, lag im Bundesdurchschnitt im 3. Quartal 2019 bei 44 Prozent.
Dänemark
In Dänemark sind zum 1. August neue Regelungen zur
gleichmäßigeren Verteilung der Elternzeit in Kraft getreten. Für beide
Elternteile sind jetzt jeweils elf Wochen vorgesehen. Hinzu kommen insgesamt 26
weitere bezahlte Wochen, die beliebig aufgeteilt werden können.
Eltern haben jetzt einen gemeinsamen Anspruch auf insgesamt
48 bezahlte Wochen Elternzeit. Bislang waren nur zwei davon für Väter
festgeschrieben, für Mütter 14. Das Elterngeld beträgt durchschnittlich 52,4
Prozent des letzten Verdienstes.
Im Jahr 2018 nahmen 78,3 Prozent der Väter Elternzeit in
Anspruch. Insgesamt hat sich der Anteil der Väter, die Elternzeit nehmen, seit
2015 kaum verändert.
Finnland
Die Dauer des „Paternity Leaves“ beträgt 54 Arbeitstage
(neun Wochen), davon kann der Vater bis zu 18 Tage in Anspruch nehmen, während
die Mutter im Mutterschafts- oder Elternurlaub ist.
Als Lohnersatz werden 70 Prozent bei einem Jahresverdienst
zwischen 12.452 € und 39.144 €, 40 Prozent bei einem Verdienst von bis zu
60.225 € und 25 % bei einem höheren, gezahlt. Diejenigen, deren Jahres
Jahresverdienst vor der Geburt unter 12.452 € liegt, erhalten einen Mindestpauschalbetrag.
Im Jahr 2020 erhielten 3,8 Prozent der Väter die Mindestpauschale. Während des
Vaterschaftsurlaubs dürfen die Väter nicht arbeiten.
Nach dem Ende des Mutterschaftsurlaubs können weiter 158 Tage
Elternzeit genommen werden. Es handelt sich um einen Familienanspruch, und die
Eltern können sich den Urlaub nach eigenem Ermessen aufteilen.
Frankreich
Die Dauer der Vaterschaftsfreistellung beträgt 14
Arbeitstage, diese muss innerhalb der ersten vier Monate nach der Geburt
genommen werden.
Die Vergütung beträgt 100 Prozent des Verdienstes, bis zu
einer Verdienstgrenze von 3.428 Euro pro Monat. Im öffentlichen Sektor wird der
Urlaub voll bezahlt, d. h. es gibt keine Obergrenze. In der Privatwirtschaft
zahlen einige Arbeitgebende, insbesondere größere Unternehmen das Gehalt
ebenfals in voller Höhe weiter.
Bis das Kind drei Jahre alt ist. besteht ein individueller
Anspruch auf Elternzeit, d. h. sowohl Mutter als auch Vater können sie, ggf.
auch gleichzeitig, in Anspruch nehmen. In dem Fall wird ein „Erziehungsgeld“
gezahlt. Die Höhe ist unter anderem davon abhängig, ob und in welchem Umfang Vater
oder Mutter arbeiten. Die Grundleistung beträgt 398,40 € pro Monat, wenn sie
nicht arbeiten; 257,55 € pro Monat, wenn sie weniger als die Hälfte der
Vollzeitarbeitszeit arbeiten.
95 Prozent der Väter im Vaterschaftsurlaub nehmen alle Tage
in Anspruch, etwa zwei Drittel der anspruchsberechtigten Väter haben im Jahr
2016 diese Freistellung genommen.
Großbritannien
Dauer der Vaterschaftsfreistellung beträgt im Vereinigten
Königreich eine oder zwei Wochen. Eine Woche entspricht dabei der Anzahl der
Tage, die der Arbeitnehmer normalerweise in einer Woche arbeitet.
Vergütet wird diese Zeit mit einer Pauschalzahlung in Höhe
von 151,97 GBP pro Woche oder 90 Prozent des durchschnittlichen
Wochenverdienstes, wenn dieser geringer ist.
Die Elternzeit kann erst nach der Geburt des Kindes beginnen
und muss innerhalb von 56 Tagen nach der Geburt des Kindes oder innerhalb von
acht Wochen nach dem Geburtstermin enden, wenn das Kind zu früh geboren wurde.
Sie muss in einem Stück genommen werden.
Island
Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen Mutterschafts-,
Vaterschafts- und Elternurlaub, sondern spricht nur von „Geburtsurlaub“.
Davon sind seit 2021 sechs Monate für Mütter und sechs Monate für Väter
vorgesehen, wobei jeder Elternteil bis zu sechs Wochen auf den anderen
übertragen kann. Davor galt die Regel drei Monate für die Mutter, drei für den
Vater und drei zur freien Verfügung.
Bezahlt wird während dieser Zeit 80 % des durchschnittlichen
Gesamteinkommens der Person bis zu einem Höchstbetrag von 4.080 € pro Monat.
Im Jahr 2017 nahmen 86,4 Prozent der Väter eine Elternzeit
in Anspruch, wobei sie durchschnittlich 91 Tage nahmen (im Vergleich zu 180 für
Mütter).
Niederlande
Die Dauer der Freistellung nach der Geburt entspricht der wöchentlichen
Anzahl der Arbeitsstunden Vaters. Bei einer Vollzeitbeschäftigung von 38
Stunden ergibt sich beispielsweise ein Urlaubsanspruch von 38 Stunden (d. h.
eine Woche).
Der zusätzlichen Geburtsurlaub beträgt das Fünffache der
Anzahl der Arbeitsstunden pro Woche, bis zu einer Höchstdauer von fünf Wochen.
Bei einer Vollzeitbeschäftigung von 40 Stunden pro Woche ergibt sich beispielsweise
ein Anspruch auf einen zusätzlichen Urlaub von fünf Wochen.
Die erste Woche wird vom Arbeitgeber mit 100 % des
Verdienstes bezahlt, Es gibt keine Obergrenze für die Zahlungen. Die Wochen des
Zusatzurlaubs werden von der Versicherungsanstalt für Angestellte mit 70 % des
Verdienstes bezahlt, mit einer Obergrenze von 70 % des täglichen Höchstlohns
von derzeit 223,40 €.
Die erste Woche kann innerhalb von vier Wochen nach der
Geburt des Kindes genommen werden. Die zusätzlichen Wochen können flexibel innerhalb
von sechs Monaten nach der Geburt des Kindes genommen werden.
Im Jahr 2019 nahmen 83 Prozent der Väter den Urlaub direkt
nach der Geburt ihres Kindes, das waren etwas weniger als 2017 (86 Prozent).
Norwegen
In Norwegen ist der Elternurlaub in drei Teile aufgeteilt – einen Teil für
die Mutter, einen Teil für den Partner und einem Teil, der frei zwischen beiden
Elternteilen aufgeteilt werden kann.
Väter und Mütter können entscheiden, ob Sie 49 Wochen lang Elterngeld bei
vollem Gehalt oder 59 Wochen lang bei 80 % Gehalt beziehen möchten. Die von
Ihnen getroffene Wahl gilt für beide Elternteile und kann nicht mehr geändert
werden, sobald die Elternzeit begonnen hat.
Die so genannte „Vaterschaftsquote“ beträgt 15 Wochen. Nimmt der Partner
diesen Urlaub nicht in Anspruch, wird er widerrufen. Wenn der Partner zu krank
ist, um sich um das Kind zu kümmern, kann die Mutter beantragen, das väterliche
Kontingent zu übernehmen.
Die gemeinsame Zeit des Urlaubs kann von den Eltern frei aufgeteilt werden.
Er beträgt 16 oder 26 Wochen, je nachdem, ob Sie sich für 80 oder 100 Prozent
Bezahlung entschieden haben. Die Mutter muss arbeiten, wenn ihr Partner während
dieses gemeinsamen Zeitraums Elternzeit nimmt.
Partner haben zusätzlich zur väterlichen Quote Anspruch auf zwei Wochen
Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt eines Kindes. Es besteht jedoch kein
gesetzlicher Anspruch auf Bezahlung während dieser zwei Wochen, aber viele
Arbeitgeber zahlen während dieser Zeit ein reguläres Gehalt.
Die Inanspruchnahme der Elternzeit in Norwegen durch Väter beträgt etwa 89
Prozent.
Österreich
Seit März 2017 haben Väter Anspruch auf einen
„Familienzeitbonus“, eine Geldleistung für erwerbstätige Väter, die ihre
Erwerbstätigkeit im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber für 28 bis 31 Tagen
innerhalb von 3 Monaten nach der Geburt des Kindes unterbrechen.
Seit September 2019 haben alle erwerbstätigen Väter, die mit
Mutter und Kind in einem Haushalt leben Haushalt mit Mutter und Kind leben,
einen Rechtsanspruch auf einen Monat Vaterschaftsurlaub, wenn sie vor der
„Familienzeit“ mindestens 182 Kalendertage erwerbstätig waren.
Zusätzlich gibt es eine Elternkarenz von zwei Jahren. Die
Karenzzeit kann maximal zweimal zwischen beiden Elternteilen aufgeteilt, wobei
ein Teil mindestens 2 Monate dauern muss, vergütet wird diese Zeit mit dem
„Kinderbetreuungsgeld“. Wenn beide Elternteile diese Leistung in Anspruch
nehmen (mindestens 20 % der beantragten Tage sind nicht übertragbar), kann das
Geld innerhalb eines Zeitraums zwischen 456 Tagen (bei einem Tagesbetrag von
33,88 €) und 1.063 Tagen (bei einem Tagesbetrag von 14,53 €) genutzt werden.
Der Familienzeitbonus beläuft sich auf 22,60 € pro
Kalendertag. Entscheidet sich der Vater jedoch später für den Bezug des
Kinderbetreuungsgeldes, wird die Leistung um den Betrag des Familienzeitbonus
gekürzt, den er unmittelbar nach der Geburt erhalten hat.
Derzeit erhalten etwa 8 Prozent aller Väter während ihres
Vaterschaftsurlaubs den „Familienzeit-Bonus“.
Schweden
In Schweden gibt es 10 Tage Partnerschaftsfreistellung. Sie sind dafür
gedacht, dass der andere Elternteil (oder die Betreuungsperson) bei der
Entbindung dabei ist, sich um ältere Geschwister kümmert, während die Mutter im
Krankenhaus ist, und/oder sich an der Kinderbetreuung beteiligt, wenn die
Mutter nach Hause kommt. Meistens wird dies vom Vater des Kindes in Anspruch
genommen und wurde früher „Vatertage“ genannt.
Bezahlt wird für diesen Zeitraum 77,6 Prozent des Verdienstes bis zu einer
Verdienstgrenze von 35.678 € pro Jahr. Die Zahlungen werden von der schwedischen
Sozialversicherungsanstalt geleistet.
Darüber hinaus können beide Elternteile zusammen 480 Tage freinehmen, um
sich um die Kinder zu kümmern. Vergütet wird diese Zeit mit bis zu 80 Prozent
des Gehalts. 300 Tage können sich die Eltern dabei völlig frei aufteilen.
Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht haben Anspruch auf jeweils
240 Tage Elterngeld, wobei einige Tage zwischen ihnen übertragen werden können,
während andere nicht übertragbar sind. Für jeden Elternteil sind 195 der 240
Elternzeittage einkommensabhängig. Für Kinder, die nach 2016 geboren wurden,
können 90 dieser Tage nicht auf den anderen Elternteil übertragen.
Eltern, die Anspruch auf einkommensbezogene Leistungen
haben, werden 195 Tage zu 77,6 % des Verdienstes bis zu einer jährlichen Obergrenze
von 47.571,04 € bezahlt. Im Jahr 2020 nahmen rund 76,5 Prozent der Väter,
gleichgeschlechtlicher Partner oder andere benannten Personen die Elternzeit in
Anspruch.
Schweiz
Schweizer Väter haben seit dem 1. Januar 2021 Anspruch auf 2
Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub.
Der Anspruch ermöglicht einen Anspruch von 10 Tagen, wobei
diese am Stück oder in einzelnen Tagen bezogen werden können. Der Bezug hat
innerhalb von 6 Monaten nach der Geburt des Kindes zu erfolgen. Der Anspruch
besteht zusätzlich zum normalen Urlaubsanspruch.
Der Erwerbsausfall aufgrund
der zusätzlichen Arbeitsfreien Zeit wird entschädigt. Sie kommt den Vätern
zugute, wenn sie die folgenden Voraussetzungen erfüllen: Erwerbstätigkeit zum
Geburtszeitpunkt, entweder als Arbeitsnehmer oder als Selbstständige, in den 9
Monaten vor der Geburt in der Arbeits- und Rentenversicherung obligatorisch
versichert und in diesem Zeitraum für mindestens 5 Monate erwerbstätig waren.
Der Erwerbsersatz entspricht jenem für Mütter im Mutterschaftsurlaub,
nämlich 80 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens vor der Geburt,
höchstens jedoch 196 CHF pro Tag. Im Normalfall wird der Lohn durch den
Arbeitgeber bezahlt, der den Betrag erstattet bekommt.
Spanien
Seit dem 1. Januar 2021 steht Vätern in Spanien genauso viel
Elternzeit wie Müttern zu. Mit der Besonderheit, dass diese Zeit nicht auf die
Mütter übertragbar ist.
Väter haben damit Anspruch auf 16 Wochen Elternzeit. Die
ersten sechs Wochen direkt nach der Geburt müssen Väter nehmen, die restlichen
zehn Wochen können sie bis zum 1. Geburtstag des Kindes am Stück oder als
einzelne Wochen nehmen.
Für die 16 Wochen erhalten sie einen vollen Lohnausgleich.
Faktoren die die Inanspruchnahme von „Paternal Leave“ und
Elternzeiten durch Väter begünstigen
(Eltern-) Zeiten die für die Väter reserviert
sind
Höhe der Vergütung während der Elternzeit
Gleichstellungsorientierte Familienpolitik
Väterbewusste Unternehmenskulturen
Berufstätigkeit und -orientierung der Partnerin
Zuschreibung von Kompetenzen und Bedeutung als
Vater
Und zum Schluss noch eine Anmerkung zu der Bezeichnung ‚Urlaub‘,
der wörtlichen Übersetzung von ‚Leave‘. Es geht um eine arbeitsrechtliche
Einordnung, Urlaub bedeutet eine voll vergütete, zeitlich befristete Freistellung
von der Arbeit mit dem Recht im Anschluss am selben Arbeitsplatz weiter tätig
sein zu können.