Am 17. April startet die VäterWerkstatt 2026 für Multiplikator:innen in der Väterarbeit. Bereits zum vierten Mal vermittelt die Fortbildung der AEWB in einer Mischung aus Präsenztagen und Online-Modulen Fachwissen und Methoden, mit denen Bildungsangebote für Väter entwickelt und umgesetzt werden können. Am 26. Februar 2026 können Interessierte bei einer digitalen Informationsveranstaltung mehr über die VäterWerkstatt erfahren. Die Qualifizierung wird vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung gefördert.
Wie erreiche ich interessierte Väter für Erziehungs-, Fürsorge- oder andere Themen? Wie gelingt es, (wirksame) Bildungsangebote für Väter zu entwickeln und umzusetzen? Wo gibt es (neue) Ideen und Anregungen und welche Netzwerke gibt es? Mit diesen oder ähnlichen Fragen beschäftigen sich viele planende Kolleg:innen aus Bildungseinrichtungen.
In der VäterWerkstatt gibt es fachlich fundierte und kreative Antworten auf diese Fragen. Die Qualifizierung ist aus der Zusammenarbeit im niedersächsischen Landesarbeitsforums „Aktive Vaterrolle“ entstanden und wird von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) durchgeführt.
Die Qualifizierung richtet sich an:
Personen, die für organisierte Bildungsangebote zuständig sind (z.B. in Familien- oder Erwachsenenbildung u.a.)
Personen mit pädagogischer Vorerfahrung (z.B. pädag. Fachkräfte aus Kitas, den Frühen Hilfen, Fachberatungen, Sozialarbeiter:innen, Jugendämtern, Kinderschutz u.a.)
Studierende (z.B. aus den Feldern der Sozialen Arbeit, Erwachsenenbildung, u.a.)
dafür setzt sich Christian Meyn Schwarze seit über 20 Jahren ein und macht Väter Vorschläge, welche Bücher sich dafür eignen. Seine Papa-Lese-Liste ist eine Institution. Gestern kam, wie in den vergangenen Jahren auch die über die Feiertage aktualisierte Liste mit den von ihm und seinem Team rezensierten Kinderbüchern.
Beim Öffnen der Mail wird schnell klar, dass es in diesem Januar aber anders ist als sonst. Es ist die letzte Papa-Lese-Liste. Christian schreibt dazu:
„das junge Jahr ist erst ein paar Tage alt und schon
gehen wir zum Alltag mit seinen Herausforderungen über. Ich habe die Zeit
zwischen den Jahren genutzt, um die sogenannte „Papa-Liste“ zu
aktualisieren: welche Titel über aktive Papas gibt es neu, welche über Opas –
welche kommen in den nächsten Monaten heraus.
Das Ergebnis füge ich als Anlage bei, in blau die Titel, die
ich seit der 2023er-Liste neu aufgenommen habe, in grün die Titel, die
demnächst erscheinen sollen.
Besonders gerne weise ich auf zwei Titel auf der Seite 12
hin: „Alles über Väter“ – ich bin gespannt, ob da alle meine Vätertypen
auftauchen, die ich der Papa-Liste vorstelle. Und dann der Titel „Papa liest
vor“ – das Leitmotiv meiner Arbeit, denn mit dieser Papa-Liste möchte ich
den Vätern Lese- und Vorlesestoff anbieten. …
Und wer nun die Anlage genau liest erkennt, dass das
meine „letzte“ Liste ist. Über zwanzig Jahre habe ich mit einem
literarischen Kompetenzteam mehrere hundert Titel gelesen und bewertet. Nun
möchte ich in meinem 71. Lebensjahr andere Herausforderungen annehmen: ich bin
nach der Corona-Pandemie wieder mit meinem Mitmachzirkus unterwegs, lese in
Bibliotheken vor, spiele in Kindertagesstätten mit Vätern und Kindern und nutze
meine Zeit für „Leihenkel-Kinder“, um meiner eigenen Familie dann in ein
paar Jahren Zertifikate als „Opa“ vorlegen zu können.
So ist es also „Papa-Liste, die Letzte“ und bringt
mich zum Nachdenken über „das letzte Mal“: wann habe ich zuletzt einen
Handstand gemacht, wann hat die Waage zum letzten Mal eine niedrigere Zahl
gezeigt, wann habe ich zum letzten Mal eine Bergwanderung gemacht, einen
Sonnenaufgang gesehen. …
Ihr und
Euer Christian“
Christian ist also nicht aus der Welt, auch der Mitmachzirkus ist schon lange Tradition, die Papa-Lese-Liste werden, so denke ich, viele vermissen. Insbesondere die Großväter und ‚Opas‘, die Zeit und Muße haben, ihren Enkeln und Enkelinnen vorzulesen.
In unserer Kurzumfrage im 4. Quartal des vergangenen Jahres haben
wir nach Bekanntheit, Sinn, Nutzen und Wirkung von Väternetzwerken gefragt.
Die erst Frage zielte auf den Bekanntheitsgrad von Netzwerken
für Väter.
Gut 90 % der Antwortenden bejahten diese Frage. Die
Antworten der Nachfrage „wenn ja, welche?“ ergeben eine fast vollständige Aufzählung
der größeren Väternetzwerke in NRW aber auch darüber hinaus:
Väter in Köln e.V., Vaterwelten, Conpadres (Vaeter-ggmbh.de),
Vätertreff Väteraufbruch, einfach Vater, LAG Väterarbeit NRW, ManyDads, DRK
Familientreff, Die Netzwerke im Kontext der Familienbildungsseminare und
Angebote der Vater-Kind-Agentur des Institut für Kirche und Gesellschaft, interkultureller
Vätertreff Essen- Katernberg, offener Vater-Kind-Treff in der Villa Rü in Essen
Rüttenscheid, esperanza Väterberatung im Erzbistum Köln mit inzwischen 11
Väterberatern in der Schwangerschaftsberatung, Väter u Männerarbeit des SKM
Bundesverbandes, Arbeitsstelle Männerseelsorge der dt. Diözesen, Bundesforum
Männer, Väterexpertennetz VEND e.V., Männer.ch, DMÖ – Österreich
Die 2. Frage lautete: An welchen Orten sind Ihrer Auffassung
nach Väternetzwerke sinnvoll?
Knapp 80 % der Antwortenden halten mit den Betrieben/ Unternehmen
den Ort, an dem sich Väter tagsüber ‚aufhalten‘ als sinnvoll für die Schaffung
von Väternetzwerken. An zweiter Stelle werden Kindertagesstätten, an dritter mögliche
Angebote der Familienbildung genannt.
Ergänzend werden Stadtteilzentren, Nachbarschaft; Lokal-
Landes- und Bundespolitik, große Institutionen, Gewerkschaften, Gremien der
Arbeit- und Dienstgeber*innen, Landschaftsverbände, Beratungsstellen,
Sportvereine und Schulen angeführt
Bei der dritten Frage nach dem Nutzen von Väternetzwerken
haben wir vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Der größte Nutzen wird von über
95 % der Antwortenden im Austausches mit anderen Vätern gesehen, gefolgt von der
Möglichkeit, von der Erfahrungen anderer Väter zu profitieren, das Rad also
nicht selber noch einmal erfinden zu müssen.
Weiterer Nutzen wird insbesondere in der Stärkung des
friedlichen Zusammenhalts der Gesellschaft, durch die Begegnung von Männern in
einem Setting der Gleichstellung gesehen. Aber auch darin, gemeinsame
Erlebnisse zu organisieren: Väter-Kinder-Tage, Wochenenden und Zeltlager. In
der gegenseitigen Unterstützung. Auch auf der Großväter – Väter Linie nutzt ein
Austausch und aktive Unterstützung gerade auch in der Care-Arbeit.
Väter können darüber hinaus durch Netzwerke ihr Vatersein und
ihre Lebenskontexte sichtbarer machen und in der Gesellschaft auf die Bedeutung
von Vaterschaft hinweisen.
Die vierte Frage zielte auf die Wirkung von Väternetzwerken
auf die Väter und die Ausgestaltung ihrer Vaterschaft.
Der bedeutendste Effekt wird in der gegenseitigen Ermutigung,
Vaterschaft auch zu leben gesehen. An zweiter Stelle wird die positive Wirkung
von Väternetzwerken auf eine partnerschaftliche Aufgabenteilung genannt,
gefolgt davon, dass Väter dort auch Vorbilder, Rolemodels finden können.
In den ergänzenden Antworten wurde unter anderem angeführt,
dass Väternetzwerke der Vereinzelung der Familien etwas entgegensetzen und die ‚toxischen
Nebenwirkungen der kleinbürgerlichen Ehe‘ entschärfen können. Väter können es
als Entlastung erleben, wenn Sie wahrnehmen, dass auch andere Väter Probleme
mit der Vereinbarkeit haben. Außerdem
bekommen sie auf diesem Weg viele Informationen über das ‚Familienfeld‘,
die ihnen eine argumentative Auseinandersetzung auf Augenhöhe mit ihren
Arbeitgebenden und in der eigenen Partnerschaft ermöglicht. Und auch ganz
wichtig, die Sichtbarkeit der Vaterschaft im Lebensalltag und somit in der Gesellschaft.
Mit der fünften und letzten Frage haben wir den
Familienstatus erkundet.
Das „Fatherhoodinstitut“ hat unter der Überschrift ‚The kids
are alright – Adolescents and their fathers in the UK’ eine neue Studie
veröffentlicht. Dabei konnten sie auf eine einmalige Datenlage zugreifen.
Im Großbritannien gibt es eine Reihe von „Längsschnittstudien“,
in denen Kohorten von Kindern über einen längeren Zeitraum hinweg in mehreren Wellen
Daten erhoben wurden. Dies ermöglicht es Forscher*innen, über eine gesamte
Lebensspanne Zusammenhänge zwischen „Vaterfaktoren“ (Verhalten, Umstände,
Eigenschaften, Einstellungen usw. der Väter) und der Entwicklung ihrer Kinder
zu verfolgen. Weitere Daten stammen aus großen einmaligen „Momentaufnahmen“,
häufig Erhebungen, die Zusammenhänge zwischen den „Vater-Faktoren“ zum
jeweiligen Zeitpunkt und der Entwicklung und dem Wohlbefinden der Kinder
aufzeigen können. Insgesamt konnten aus 118 Studien und deren detaillierte
Analysen Ergebnisse abgeleitet werden
Die wichtigsten Ergebnisse sind:
Erstens wurde festgestellt, dass wir nicht in einer „vaterlosen“
Gesellschaft leben. Letztes Jahr meldeten in England 95,4 % der Mütter und
Väter die Geburt ihres Kindes gemeinsam an (die Prozentsätze sind in den
anderen Ländern des Vereinigten Königreichs ähnlich); und von den 95 % der
Väter, die im Jahr 2000 im Leben ihres Kindes anwesend waren, waren neun von
zehn auch noch im Teenageralter Teil ihres Lebens.
Zweitens hat die Forschung gezeigt, dass Väter wichtig sind
– vom ersten Tag an. Längsschnittstudien haben ergeben, wenn Väter im Jahr nach
der Geburt an Depressionen leiden, ist dies mit schlechteren Schulleistungen im
Alter von 16 Jahren und mit höheren Depressionswerten bei 9- bis 10-Jährigen verbunden
– und, wenn der Bildungsstand des Vaters niedrig war, sowohl bei Söhnen als
auch bei Töchtern im Alter von 16 Jahren.
Die Qualität der Beziehung zwischen Vater und Kind während
der Adoleszenz spielt ebenfalls eine Rolle – und zwar sind sowohl die „Zeit mit
Papa“ als auch die Qualität der Beziehung von Bedeutung. Wenn Väter
beispielsweise wenig Zeit mit ihren Teenagern verbringen, geht dies mit hohen
Werten für „Gesamtschwierigkeiten“ und Hyperaktivität sowie einem
niedrigeren Glücksniveau einher – und bei Jungen auch mit Mobbing. Umgekehrt
sind Lebenszufriedenheit und Selbstwertgefühl höher, wenn Jugendliche die
Beziehung zum Vater als „eng“ erleben, psychische Probleme und
Selbstverletzungen sind dann weniger wahrscheinlich.
Nähere Informationen zu der Studie finden Sie hier.
‚Father Unknown‘
erzählt die Geschichte von Alfie, der während eines Englischkurses
herausfindet, dass er Vater werden wird. Alfies Leben bestand bisher
hauptsächlich aus Monsterdosen, U-Bahn-Sprüngen, Xbox-Spielen und dem knappen
Entgehen eines Rauswurfs aus der Klasse, aber die Dinge werden sich ändern…
und zwar schnell.
Diese Show
hat eine faszinierende Reise hinter sich. Geboren aus der Leidenschaft, ihre
Geschichte zu erzählen, haben die jungen Väter von The North East Young Dads
and Lads den Humangeographen Dr. Michael Richardson und den Kreativpraktiker
Jonah York für die Produktion ihrer Geschichte gewonnen. Beide Künstler haben
eine unglaublich enge Verbindung zu diesen jungen Männern, da sie in den
letzten drei Jahren in verschiedenen Funktionen für die
Wohltätigkeitsorganisation gearbeitet haben und von dem kreativen Potenzial
dieser jungen Männer und ihrer Geschichten inspiriert wurden.
Father
Unknown ist eine Zusammenstellung einer Auswahl von jungen Vätern, die an einem
langfristigen künstlerischen Projekt teilgenommen haben. Diese jungen Väter
durchdringen den gesamten kreativen Prozess von Father Unknown und treten als
Autoren, Interviewer, Schöpfer und Vermittler auf. Dies ist mehr als eine Show,
es ist Fürsprache, Jugendarbeit und eine Feier der Elternschaft, der Familie
und des Heranwachsens, der Höhen, der Tiefen und der unsterblichen Liebe, die
jeder junge Vater für sein Kind empfindet.
Father
Unknown ist ein witziger, herausfordernder und ehrlicher Blick auf die junge
Vaterschaft, der in Zusammenarbeit mit jungen Vätern der North East Young Dads
and Lads und der Newcastle University entstanden ist.
Das Stück
wurde am 15. Juni im Gala Durham und anschließend am 16. und 17. Juni 2023 im
Northern Stage aufgeführt. Diese digitale Theaterfassung der Show wurde am
Freitag, den 16. Juni, von Stephen Smith vom Threedom Theatre auf der Northern
Stage (Stage 3) gefilmt.
Jürgen Haas ist seit vielen Jahren als Koordinator der Väterkindagentur im Bereich der Evangelischen Kirche von Westfalen in der Familienbildung tätig. Ihm ist Vernetzungsarbeit und die Kooperation mit andern für die Belange von Vätern und Kindern sehr wichtig. Als Supervisor, Gestalttherapeut und wissenschaftlicher Referent hat er zahlreiche Zugänge zur Männer- und Väterarbeit und ist selbst leidenschaftlich gerne Vater und Großvater von zwei Töchtern und einem Enkelkind.
Ergänzen Sie bitte den Satz ‚Vater werden ist …‘
… eine wunderbare Herausforderung und ein nachhaltiges Erlebnis.
Welche Eigenschaften fallen ihnen beim Wort ‚Vater‘ ein?
Was sollte Mann beim Vater werden unbedingt beachten?
Nach meiner nun fast 30 jährigen Erfahrung ist es wichtig immer mit dem eigenen Kind empathisch und nachhaltig in Kontakt zu bleiben und dies auch in sogenannten schwierigen Zeiten. Für mich beginnt diese Nähe und die von Verantwortung und Liebe getragene Verbundenheit vor der Geburt und gilt ein Leben lang, durch alle Lebensabschnitte und -phasen meines Kindes, bzw. meiner Kinder. Dieser Kontakt setzt gemeinsame Zeit voraus, für die es wichtig ist zu kämpfen, um konsequent Zeiträume und Zeitfenster zu sichern. Ich finde es wichtig elterliche Verantwortung gemeinsam zu tragen und trotz der Diversität mit Blick auf Einstellungen und Ansichten gemeinsame Wege zu suchen. Diese Grundhaltung sollte ggf. auch über die Partnerschaft hinaus (Stichwort: Trennung) Gültigkeit haben.
Was würde Ihrer Meinung nach Vätern in Zukunft das Vater sein erleichtern?
Die Anerkennung von Care-Aufgaben als wichtigen gesellschaftlichen und nachhaltigen Beitrag und als elementare Voraussetzung für eine partnerschaftliche Aufteilung von Erziehungsverantwortung. In Konsequenz bedeutet dies für mich die Festschreibung und Umsetzung von politischen Maßnahmen und Rahmenbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zur finanziellen Absicherung von Familien.
An welches Erlebnis mit Ihrem Vater erinnern Sie sich am liebsten?
Mein Vater war Küchenmeister und hat leidenschaftlich gerne gekocht. An jedem Sonntag hatte ich die Gelegenheit ihm beim Kochen zuzuschauen und ihn dabei zu unterstützen. Es hat mich sehr beeindruckt, wie er mit Gewürzen „jonglieren“ und Geschmacksnuancen komponieren konnte. Das er mich daran teilhaben ließ und mir die Dinge liebevoll und mit viel Geduld erklärte, hat bei mir Spuren und wunderschöne Erinnerungsbilder hinterlassen, an denen ich gerne meine Kindern in Geschichten und Erzählungen teilhaben lasse.
Finnland ist weltweit führend, was die frühkindliche Bildung
angeht. Die Kinderbetreuung ist erschwinglich und Krippenplätze sind überall
verfügbar, und das in einem System, das die Rechte der Kinder in den
Mittelpunkt der Entscheidungsfindung stellt.
Jetzt wendet das Land die gleiche kinderfreundliche Denkweise auch auf die Politik der Elternzeit für Väter an, um die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern bei der Elternschaft zu bekämpfen.
Alexandra Topping vom britischen Guardian ist nach Helsinki gereist, um die Hintergründe dieser Politik für Kinder, Mütter und Väter zu erkunden.
Die Bedeutung von Vätern steht für Anna Machin außer Frage. Im Gespräch mit Chris Williamson erläuter sie ihre Forschungsergebnisse, aber auch die Kritik, die sie bekam, als sie das Buch ‚Papa werden‘ geschrieben hat.
Anna Machin ist Evolutionsanthropologin an der Universität Oxford, Forscherin über die Rolle der Vaterschaft im Laufe der Zeit und Autorin. Die moderne Welt hat Väter in vielerlei Hinsicht überflüssig gemacht. Der Versager-Vater ist in Sitcoms und Zeichentrickfilmen so präsent, dass es nicht verwunderlich ist, dass Männer das Gefühl haben, in der Kindererziehung keine Rolle zu spielen. Aber wie wichtig sind Väter für die Entwicklung von Jungen und Mädchen? Und was wissen wir nicht über ihren Einfluss?
Heute ist der #Vaeterreport2023 in Berlin offiziell vorgestellt worden.
Langfristige Wünsche und Sehnsüchte von Vätern werden
abermals bestätigt. Neu ist die Aufteilung der Väter in fünf ‚Typen‘ mit den ‚überzeugten
Rollenbewahrern‘ am einen und den ‚überzeugten Engagierten‘ am anderen Ende der
Engagements Skala.
Mit #Elternzeit, #Kinderbetreuung und #Arbeitszeiten werden
einige wesentliche Elemente väterlichen Engagements thematisiert, wesentliche
strukturelle bzw. familiäre Rahmenbedingungen werden für mich in einem kurzen
Absatz auf Seite 55 angesprochen:
„Partnerinnen der überzeugten Engagierten sind am häufigsten
erwerbstätig
Die Partnerinnen der überzeugten Engagierten sind insgesamt
am häufigsten (85 %) und zudem in überdurchschnittlichen Stundenumfängen
erwerbstätig. Nur 12 Prozent in dieser Gruppe sind Alleinverdiener. Die
Partnerinnen haben am häufigsten ein Studium abgeschlossen (41 %) und häufig
einen höheren Bildungsabschluss als der Vater (33 %).
Insgesamt sagen die überzeugten Engagierten sowie die
urbanen Mitgestalter am häufigsten, ihre Partnerin habe gute Berufsaussichten
(39 % beziehungsweise 26 %), die überzeugten Rollenbewahrer sagen dies am
seltensten (8 %).“
Der von Andreas Eickhorst und Christoph Liel editierte Sammelband
„Vater in den Frühen Hilfen“ greift die Zielgruppe der
Unterstützungsangebote für Eltern in der frühen Familienphase heraus, die in
der Praxis zunehmend an Bedeutung gewinnt, bislang aber zu wenig im Fokus
stand.
Aus Perspektive der Forschung betreten sie mit diesem Band
Neuland. Denn so intensiv die Frühen Hilfen für Familien während der
Schwangerschaft und der ersten Lebensjahre von Kindern auch ausgebaut wurden,
werden Väter in den einzelnen Konzeptionen und auch in den konkreten Angeboten in
der Regel noch nicht ausreichend berücksichtigt.
Vor diesem Hintergrund waren verschiedene Bemühungen am
Deutschen Jugendinstitut (DJI) in den Jahren 2015 bis 2020 darauf ausgerichtet,
Vätern dezidierte Aufmerksamkeit in der Forschung und Konzeptentwicklung zu
Angeboten der Frühen Kindheit zukommen zu lassen. Die Aktivitäten verfolgten im
Wesentlichen zwei Ziele:
Zum einen ging es darum zusammenzutragen, was an generellem
wissenschaftlichem Hintergrundwissen mit Relevanz für das Feld der Frühen
Hilfen sowie an (wenigen) vorhandenen konkreten Programmen und Praxisbeispielen
verfügbar ist, um dieses Wissen für die deutschsprachige Fachöffentlichkeit
aufzubereiten. Zum anderen war es wichtig, durch das Generieren und Erheben von
Daten sowie das Ableiten von Handlungsempfehlungen für die Praxis neue Impulse
im Feld der Frühen Kindheit zu setzen, die in der Folge von der Fachpraxis (und
gegebenenfalls wissenschaftlichen Akteuren) aufgegriffen, ausprobiert und
weiterentwickelt werden können.
Das vorliegende Buch bündelt die Ergebnisse dieser Bemühungen
und ist ein erster verbindender Aufschlag für Praktikerinnen und Praktiker und
ebenso für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um einen Fachdiskurs rund
um das Thema der Ansprache von Vätern mit Frühen Hilfen anzuregen. Das damit intendierte
breite Zielpublikum des Buches bedingt eine heterogene Zusammenstellung von
Beitragen aus Wissenschaft und Fachpraxis.
Den Ausgangspunkt der Aktivitäten bildete eine Fachtagung
zum Thema „Vater in den Frühen Hilfen“ am Deutschen
Jugendinstitut in München im Jahr 2015, bei der Themen und Beiträge dieses
Buches mit Väter-Expertinnen und -Experten aus den Frühen Hilfen und
angrenzenden Arbeits- und Forschungsfeldern diskutiert wurden.
Immer mehr jungen Vätern ist es ein echtes Anliegen, sich
als Vater zu engagieren, für sein Kind da zu sein, seine Partnerin zu
unterstutzen, sich aber auch selbst zu einem wesentlichen Anteil über die
Vaterrolle bzw. die direkte Beziehung zu seinem (Klein-)Kind mit all den damit
verbundenen Verantwortlichkeiten zu definieren und diese Rolle entsprechend
wahrzunehmen.
Dieses gestiegene Potenzial bei den Vätern zu nutzen, das
systemisch betrachtet einen wesentlichen Beitrag zum Entwicklungsprozess der
Familie als Ganzes, aber auch ihrer einzelnen Mitglieder leisten kann, ist in
den letzten Jahren äauch ein Anliegen im Rahmen der Frühen Hilfen. Es wäre fahrlässig,
in den Fällen, in denen Väter eine grundlegende Bereitschaft sich einzubringen zeigen,
nicht dazu beizutragen, dass diese Bereitschaft auch in Taten umgesetzt wird.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dies nicht nur den Kindern,
sondern auch den Müttern und nicht zuletzt auch dem Vater selbst zugutekommt,
ist hoch, zumal gerade in den ersten Lebensjahren der Kinder die involvierten
Familienmitglieder in aller Regel stark emotional verbunden und Familien als
kommunikative Einheiten zu verstehen sind.
Das zentrale Anliegen dieses Buches ist es, Anregungen zu
liefern, wie es besser gelingen kann, Frühe Hilfen auch vatergerecht, maßgeschneidert,
gut durchdacht und annehmbar zu gestalten, insbesondere „an
den Mann“, an die Väter zu bringen, diese „an Bord zu
holen“.
Der Sammelband ist im Beltz-Verlag erschienen, kostet in gedruckter Form 48 €, kann jedoch als pdf kostengfrei heruntergeladen werden.