der VÄTER Blog

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Kinder sorgen sich um Jobs ihrer Väter und Mütter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 15. Februar 2010

Kinder bekommen mehr von der Wirtschaftskrise mit als viele vermuten. Bei einer repräsentativen Studie der Zeitschrift „Eltern Family“ äußern 48 % der Sechs- bis Zwölfjährigen, dass sie Sorge um den Arbeitsplatz der Eltern haben.

Würde die aktuelle Hartz-IV-Diskussion von Kindern geführt, verliefe sie wahrscheinlich etwas anders. Auf die Frage „Was beschäftigt dich am meisten, wenn du über die Welt nachdenkst“, antworteten 60 % der befragten Sechs- bis Zwölfjährigen „Die vielen armen Kinder, denen es nicht gut geht.“

Die Sorge, dass die eigene Familie von Jobverlust und Arbeitslosigkeit betroffen sein könnte, teilten der Umfrage zufolge 48 % der Befragten, wobei die Einschätzung vom Bildungsstand der Eltern abhing: Bei Eltern mit Hauptschulabschluss äußerten sich 55 % der Kinder besorgt, bei Eltern mit Realschulabschluss 49 %. Um den Arbeitsplatz der Väter und Mütter mit Abitur machten sich laut Studie 39 % der Kinder manchmal Sorgen.

Schon jetzt beeinflusst die veränderte Wirtschaftssituation den Alltag vieler Kinder. „Bei uns wird jetzt mehr gespart“, haben fast die Hälfte der befragten Sechs- bis Zwölfjährigen (47 %) angegeben.

Generell müssen sich Familien in den neuen Bundesländern nach eigenen Angaben stärker einschränken: Lediglich 29 % der Ostdeutschen können demzufolge darauf verzichten, den Gürtel enger zu schnallen. In den alten Bundesländern sind der Studie zufolge immerhin 37 % in der Lage, ihren Lebensstandard zu halten.

Ganz oben auf der Streichliste steht laut Umfrage der Urlaub (im Osten: 33 %, im Westen: 26 %). Gespart werde auch bei Lebensmitteln (Osten: 36 %, Westen; 19 %) und bei den Freizeitaktivitäten. In den neuen Bundesländern gab rund ein Viertel der befragten Kinder an, dass sie „nicht mehr so oft etwas machen“ wie zum Beispiel ins Kino oder ins Schwimmbad gehen. Im Westen berichteten das nur 14 %.

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Haben wir eine Männerkrise?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. November 2009

In der aktuellen Sendung von frauTV geht es unter anderem um die provozierenden Thesen von Walter Hollstein, der in seinem Buch, ‚Was vom Manne übrig blieb’ die Männer in der Krise sieht.

‚Männer verdienen mehr als Frauen. Sie besetzen die Schlüsselstellen von Wirtschaft und Politik (abgesehen vom Bundeskanzleramt) – welchen Grund hätten sie also, zu klagen? Dennoch gibt es derzeit jede Menge Autoren, die sich ausgerechnet mit der Misere des Mannes beschäftigen. Wollen sie doch nur wieder jammern? Ist das der neueste Trend der Buchbranche oder doch ein Stück weit Ausdruck einer echten Krise?

Der wohl profilierteste unter den Forschern ist Walter Hollstein aus Basel. Hollstein ist emeritierter Professor für politische Soziologie, lehrte in Berlin und Bremen, war zweifach Gutachter für den Europarat für Männer- und Geschlechterfragen. In seiner jüngsten Publikation forscht er: “Was vom Manne übrig blieb”.

Hollstein räumt ein, es stimme, dass Männer nach wie vor die wichtigsten Positionen in der Gesellschaft innehalten. Doch zum einen schadet diese kleine rücksichtslose Machtelite der restlichen Männerschaft beim Aufbau eines modernen Männerbildes. Und zum anderen machen Männer eben nicht nur die kleine Spitze der Gesellschaft, sondern auch das Gros der Gesellschaftsverlierer aus – Arbeitslose, Obdachlose, Geringverdiener usw.

Sie haben überdies die riskanteren bis lebensgefährlichen Jobs – bei den Rettern von Ground Zero und bei Tschernobyl haben ausschließlich Männer ihr Leben gelassen. Dreckjobs, für die Frauen keineswegs auf die Straßen gehen. Und die Männer verlieren weiter. Denn – darauf scheint sich die Forschung geeinigt zu haben – die Zukunft der Arbeit ist weiblich. Gerade in der Wirtschaftskrise zeigt sich, dass die ‘klassischen’ Männerberufe abgebaut werden – man denke nur an die Automobilindustrie – während die ‘weiblichen’ wie etwa der Dienstleistungssektor tendenziell kaum verloren hat.

Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Vor allem dank der Erfolge der Frauen. Sie haben die Arbeitswelt und somit ihre Selbstbestimmung erobert. Großzügig gefördert durch den Staat, der weibliche Arbeitskräfte in den 60er Jahren an allen Ecken und Enden benötigte. So nimmt es nicht wunder, dass junge Frauen und Mädchen heute mit großer Mehrheit positive Erwartungen an das Leben haben.

Auf der anderen Seite, so Hollstein, sei die Sozialisation für Jungen traditionell geblieben. Sie habe sich nicht angepasst. Jungen werden unerbittlich auf Leistung und Erfolg getrimmt. Umgekehrt: Körperkontakt, Zärtlichkeit, Empathie, aber auch der Wert von sozialen Netzen werden ihnen abtrainiert. Probleme sollen sie möglich schnell alleine lösen. Folge: eingeschränktes Gefühlsleben, Homophobie, Frustration etc. Dass Jungen mit diesen Werten in einer gewandelten Gesellschaft verunsichert sind und wesentlich weniger zuversichtlich in die Zukunft schauen, liegt nahe.

Dass das Männerbild in den letzten Jahrhunderten immer ärger gelitten hat, steht außer Frage. Dass es aber heute kein Problem ist, Männer pauschal als Vergewaltiger, Schweine, Defizitwesen und dergleichen mehr darzustellen und dass diesem Bild nicht einmal Männer widersprechen, das sei, meint Hollstein, ein klares Verdienst des radikalen Feminismus. So widerspricht die Gesellschaft heute weitestgehend nicht, wenn Männer in der Werbung, in Filmen als Deppen oder triebgesteuert abgestempelt werden, wenn sie in Witzen verhöhnt werden.

Die daraus resultierende Unsicherheit und Demütigung treffe alle, vor allem die Heranwachsenden. Und äußere sich nicht selten in Gewalt bis hin zum Amoklauf. Sie zu belächeln oder zu ignorieren wäre fahrlässig. Dazu kommt, dass es zunehmend an männlichen Vorbildern fehlt. Denn die Gesellschaft werde, so Hollstein, immer stärker weiblich dominiert. Die Zahl der Alleinerziehenden (mind. 90% Frauen) steige an, Väter tauchen ab. Kein Mann weit und breit, da eben auch die Erziehungseinrichtungen durch und durch weiblich sind. Mutti-Muff lautet hier das Schlagwort. …’

Sendetermine: WDR FERNSEHEN, Donnerstag, 12. November 2009, 22.00 – 22.30 Uhr . und Montag, 16. November 2009, 11.30 – 12.00 Uhr (Wdh.).

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Die Praxis der ethischen Gefühle

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. August 2009

Im Gespräch mit Spiegel Online äußert sich der Psychoanalytiker Horst – Eberhard Richter über das Schwinden sozialen Verantwortungsgefühls, die Krankheit des modernen Kapitalismus und einen Weg aus der Krise:

‚ … SPIEGEL ONLINE: Ist die Art von freier Marktwirtschaft, die sich Adam Smith vorgestellt hat, überhaupt möglich?

Richter: Ich setze heute große Hoffnung auf die laufende Stärkung der Frauen in allen Berufen. Ich behaupte: Die Finanzkrise wäre nicht in die katastrophale Zockerei entglitten, hätten Frauen in dieser Branche schon deutlich mehr Führungspositionen innegehabt.

SPIEGEL ONLINE: Was machen denn Frauen anders?

Richter: Die Wertewelt von Frauen ist stärker durch Hilfsbereitschaft und Teilen mit anderen geprägt als bei Männern. Das zeigen Vergleichsstudien. Das ebenbürtige Einrücken der Frauen in Führungspositionen ist noch mitten im Gang und wird sich vermutlich eher noch beschleunigen.

SPIEGEL ONLINE: Aber werden die Männer in Führungspositionen nicht versuchen zu verhindern, dass Frauen ihnen diese Positionen streitig machen?

Richter: Es gibt natürlich Widerstände. Die Männer haben Angst, ihre Dominanz zu verlieren und unterdrücken vielfach schon die eigene moralische Sensibilität, um nicht als weichliche Gutmenschen zu erscheinen. Gerissenheit, Habgier und Egoismus werden in unserer Gesellschaft als Erfolgsfaktoren angesehen. Güte, Großzügigkeit, Ehrlichkeit stehen für Versagen. Wenn wir mehr Frauen in Führungspositionen in der Finanzindustrie haben, dann wird sich das ändern. Dann stehen die notwendigen Finanzmarkt-Regeln in Zukunft nicht nur auf dem Papier, sondern werden auch befolgt. Dann könnte Adam Smiths Vision der Marktwirtschaft Wirklichkeit werden. …’

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Schlechtes Zeugnis für Familienpolitik

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 16. August 2009

Besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten ist die Erziehung von Kindern für viele Eltern eine besonders schwere Aufgabe. Die meisten Eltern stellen der Familienpolitik, entgegen der Selbstdarstellung des zuständigen Ministeriums, ein schlechtes Zeugnis aus und fordern unterstützende Maßnahmen des Staates. Das belegen die Ergebnisse einer repräsentativen GfK-Umfrage im Auftrag des Apothekenmagazins “BABY und Familie”.

Neun von Zehn Befragten meinen, zumindest das letzte Kindergartenjahr sollte für alle kostenlos sein. Mehr als acht von zehn befragte Mütter und Väter erwarten künftig flexiblere Arbeitszeitmodelle, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können.

Drei Viertel der Eltern haben große Sorge, dass ihre Kinder später keinen Arbeitsplatz finden werden. Sechs von zehn Befragten stehen unter so großem finanziellem Druck, dass sie sich mehr Kinder einfach nicht leisten können.

Mehr als die Hälfte der befragten Eltern sind daher der Ansicht, es solle zusätzlich ein allgemeiner Solidaritätsbeitrag für Kinder eingeführt werden.

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Väter spüren die Krise stärker als Mütter

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 15. Juli 2009

In typischen Männerberufen wirkt sich die Krise stärker aus als bei klassischen weiblichen Tätigkeiten, wie die Studie “Familienmonitor” zeigt. Ministerin von der Leyen verweist deshalb auf die Vorteile von Familien mit zwei Verdienern. Gerade für berufstätige Eltern will sie die Rahmenbedingungen verbessern.

Der Wandel in der Familie liegt vor allem im veränderten Bild des Vaters. Diese Entwicklung sieht Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen auch vor dem Hintergrund der Finanzkrise. „Väter spüren die Auswirkungen der Krise stärker als Mütter“, sagte von der Leyen bei der Vorstellung des „Familienmonitors 2009“ in Berlin, einer repräsentativen Studie des Allensbach-Instituts.

47 % der Väter mit minderjährigen Kindern gaben an, dass ihr Betrieb von der Krise bereits konkret betroffen sei, hingegen nur 25 % der Mütter. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, sieht zwar für die Gesamtheit der deutschen Beschäftigen angesichts der befürchteten Folgen der Krise insgesamt noch immer ein „beruhigendes Bild“. Insgesamt fühlten sich nur 34 % der Beschäftigen betroffen, acht % davon stark. Es werde bei den Betroffenen jedoch zu wenig nach Branchen sortiert. Väter seien deshalb stärker betroffen, weil männerdominierte Berufe stärker unter Auftragsrückgang zu leiden hätten, wie zum Beispiel der Maschinenbau oder die Schwerindustrie. Frauendominierte Berufe seien dagegen weniger häufig betroffen.

Für Eltern sei darum eines der wichtigsten Familienthemen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert würden.

78 % der Bevölkerung wünschen sich demnach ein stärkeres Engagement der Unternehmen, um ihnen die Kindererziehung auch bei Berufstätigkeit zu ermöglichen. Für 87 % stehen dabei flexiblere Arbeitszeiten an erster Stelle, 67 % wünschen sich einen erleichterten Wiedereinstieg nach der Elternzeit und die Möglichkeit, Sonderurlaub zu nehmen, wenn das Kind krank ist. 56 % wünschen sich mehr Teilzeitstellen.

Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen unterschätzen die Wirkung familienfreundlicher Angebote, jedes dritte glaubt nicht, dass eine bessere Vereinbarkeit ein Grund für einen Stellenwechsel sein könnte.

Die spielt auch in der Krise eine zunehmende Rolle, als dass Männer sich heute immer mehr eine aktive Rolle im Familienleben wünschen und zunehmend Bereitschaft zeigen, dafür ihm Beruf zu pausieren. Arbeitgeber, die dies ermöglichen oder sogar unterstützen sind für qualifizierte Beschäftigte also attraktiver.

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Eine trendsetzende Avantgarde sind die Väter in Elternzeit allemal

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 30. Juni 2009

Sie plädiert für Elternzeit und Familienbewusstsein – gerade in der Krise. Sofie Geisel ist alles andere als eine Vertreterin des sonst gängigen Konzepts vieler Unternehmen “Kosten runter, Köpfe weg”. Am Mittwoch, 8. Juli, referiert die Projektleiterin des Unternehmensnetzwerks “Erfolgsfaktor Familie” bei der IHK in Wiesbaden über “Väterfreuden und Karriere – wie ist beides in Einklang zu bringen?”.

Immer mehr Väter kümmern sich um die Kinderbetreuung, was unter anderem auf die neuen Elterngeldregelungen zurückzuführen ist. “Sicherlich ist das noch kein Massenphänomen”, wie Sofie Geisel ergänzt. “Eine trendsetzende Avantgarde sind die Väter in Elternteilzeit jedoch allemal.”

Die studierte Politologin, Mutter dreier Kinder und Ehefrau eines Elternteilzeit-Manns, weiß aber auch: Redet sie von kinderbetreuenden Vätern, stößt sie ebenfalls auf folgende Vorbehalte: “Häufig werden Väter in Elternzeit unter Weichei-Verdacht gestellt und ihnen Karriere-Orientierung abgesprochen.”

Dem hält Geisel vehement dagegen: “Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss aus der Frauenecke rauskommen. Nur so können wir wirklich was erreichen.” Außerdem sei es auch ökonomisch sinnvoll, wenn zwei Einkommen eine Familie finanzieren. Das führe nicht nur zu mehr Sicherheit, sondern stelle auch eine Möglichkeit dar, lebenslanges Lernen für Kinder und Eltern zu finanzieren.

Sofie Geisel sieht in der Krise sehr wohl eine Chance, weiter an dem Elternzeit-Tabu für Väter, das es zweifellos in vielen Firmen immer noch gebe, zu kratzen. Die “Botschafterin” der Elternzeit verweist auch gerne auf “clevere Chefs”, die in der Krise die Gelegenheit nutzen, ihre Teams auf neue Konzepte einzuschwören. So könnten sich Firmen schließlich für den bevorstehenden Aufschwung gut positionieren. “Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie”, so Sofie Geisel, “gehören einfach dazu”.

Das Verfahren erläutert Hans-Georg Nelles von “Väter & Karriere”. Der Vater dreier Kinder, der sich als Sozialwissenschaftler und Organisationsberater seit mehr als zehn Jahren beruflich in unternehmensbezogenen Väterfragen engagiert, spricht über “Elternzeit und Elterngeld – wie läuft es für Betriebe und Väter richtig?”.

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Wünsche und Realitäten

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 21. Mai 2009

Einen Einblick in Realitäten und Haltungen mit denen aktive Väter (nicht nur) in Brandenburg konfrontiert werden gibt Eva-Maria Träger in ihrem Beitrag in der Märkischen Allgemeinen.

‚Stefan Parsch hat gleich zwei Söhne im Wickelalter. Elternzeit beantragte er bei beiden. Für den 39-Jährigen war klar, dass er diese Möglichkeit bei beiden Kindern nutzen würde, trotz des deutlich knapperen Geldes: „Für mich war das immer wie ein Wunder, wie sich Kinder im ersten Lebensjahr entwickeln. Das wollte ich von Nahem erleben.“ Hinzu kam die Gelegenheit, aus dem Alltag auszubrechen, seinen Job, den er zwar mag, doch einmal hinter sich zu lassen, um sich „als Familie zu finden“. Zwei Monate Zeit hat er sich dafür genommen, mehr wollte er seinem Arbeitgeber nicht zumuten.

Viele Väter trauen sich auch das nicht. … Ihnen ist das Risiko zu groß, nach der Rückkehr in den Job doch von den Kollegen gemobbt und im Zweifelsfall sogar gekündigt zu werden.

Gerlinde Grass, Koordinatorin der für ganz Brandenburg zuständigen „Servicestelle Arbeitswelt und Elternzeit“ in Potsdam, bestätigt: „Das Unternehmen kann noch so familienfreundlich sein – wenn der unmittelbare Vorgesetzte nicht für die Elternzeit ist, wird’s schwer. Dann ist Durchsetzungsvermögen gefragt.“

Parsch sagt, er habe Glück gehabt. Die Fachhochschule Brandenburg, an der er seit 2001 als Pressesprecher arbeitet, habe seine Entscheidung unterstützt, ebenso wie sein Vorgesetzter. Auch beim zweiten Kind, wo er – was der Gesetzgeber so für Väter nicht vorsieht – direkt nach der Geburt zuhause bleiben wollte, fand sich ein Kompromiss. Parsch ist dankbar für diese Möglichkeit, für diese „ganz andere Art zu leben“. Früher war das undenkbar.

Der gesellschaftliche Wandel, den Parsch spürt, ist noch nicht überall angekommen, das weiß auch er. In vielen Familien stellt sich nicht die Frage, wer wann und für wie lange zuhause bleibt: Der Vater bringt das größere Einkommen nach Hause, er bleibt der Versorger.

Daniel Zemlin beispielsweise kann seine Söhne weiter nur nach Feierabend sehen. Dass er momentan trotzdem viel Zeit hat, mit ihnen auf den Spielplatz zu gehen, verdankt der 33-Jährige der Wirtschaftskrise: das Elektrostahlwerk ist auf Kurzarbeit. Das bedeutet zwar weniger Geld, aber auch mehr Freiraum für die Familie – und viele Väter im Sandkasten.’

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Väterzeit und ‘Kurzarbeit’

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. Mai 2009

Babypause in der Krise: Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts in Halle (IWH), Ulrich Blum will Arbeitslosigkeit und Jobverlust mit einer ungewöhnlichen Maßnahme begegnen. Junge Leute sollten einfach Kinder kriegen – und so den Abschwung überbrücken.

In der Krise werde die Erwerbstätigkeit erheblich sinken, sagte der 55-Jährige der “Bild”-Zeitung”. “Warum nutzen wir dies nicht familienpolitisch, indem sich junge Paare jetzt den Kinderwunsch erfüllen?”

Soweit so gut, was dann kommt klingt aber eher nach ‚Frauen zurück an der Herd’ als nach einer unkonventionellen Idee.

Blum sprach sich in diesem Zusammenhang für mehr Unterstützung werdender Eltern durch den Staat aus. So müsse unter anderem der Kündigungsschutz für denjenigen Elternteil verbessert werden, der weiterhin einen Arbeitsplatz habe. Bei Jobverlust oder freiwilliger Aufgabe des Jobs sollte es einen besseren Kündigungsschutz für den anderen berufstätigen Partner geben, sagte Blum. Das könne zusätzliche Sicherheit geben, den Partner “zur Babypause in der Krise” zu motivieren.

Zukunftsweisend wäre der Vorschlag, die Krise zur Entzerrung der Rushhour des Lebens zu nutzen, wenn nicht ein Partner, natürlich der der weniger verdient, vollends aus dem Erwerbsprozess ausgegliedert wird, sondern biografieorientiert Vätern und Müttern eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Fürsorgearbeit ermöglicht wird. Gerade in der Krise!

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Familienbewusstsein trotz(t) Krise

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 6. Mai 2009

Dies macht eine repräsentative Unternehmensbefragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesfamilienministeriums deutlich, die heute beim Netzwerktreffen ‚Erfolgsfaktor Familie’ in Berlin präsentiert wurde:

Zwar leidet derzeit etwa ein Viertel der Betriebe sehr unter dem konjunkturellen Abschwung – vor diesem Hintergrund müssen im Moment manche Aktivitäten zum weiteren Ausbau der Familienfreundlichkeit zurückstehen. Fast 70 % sehen dadurch aber keinen längerfristigen Einfluss auf ihr Engagement beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Immer mehr Unternehmen profitieren von ihrer Familienfreundlichkeit: 74 % beobachten nachweisbare betriebswirtschaftliche Vorteile durch familienfreundliche Angebote. Zwei Drittel der Großunternehmen sind der Auffassung, dass Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zukünftig eine größere Rolle spielen, um qualifiziertes Personal zu finden.

Die Zustimmung der Wirtschaft zum Elterngeld ist – wie in der Bevölkerung – noch weiter gestiegen: 84 Prozent der Unternehmen beurteilen das Elterngeld positiv. Auch die Elternzeit der Väter wird positiv beurteilt: 71 % begrüßen es, wenn junge Väter ihre Arbeitszeit zur Kinderbetreuung reduzieren, 66 %, wenn Väter ihre Berufstätigkeit für mindestens zwei Monate unterbrechen.

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Die Macht der inneren Bilder …

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 28. März 2009

… oder warum Schimanski nie Jobangst hatte erklärt Gerald Hüther im Gespräch mit Focus Online. Der Hirnforscher beschreibt anschaulich, wie Existenzängste entstehen können und wie neue Erfahrungen, Vertrauen in sich selbst und in seine Freunde helfen die Angst zu vertreiben.

FOCUS: Wann genau entsteht dann Existenzangst?

Hüther: Eine lebensbedrohliche Situation, Krieg, Folter oder eine sehr schwere Krankheit können Existenzängste auslösen. Aus der Forschung wissen wir, dass es nicht das objektive Ereignis ist, das bei allen Menschen in der gleichen Situation Angst auslöst. Vielmehr entscheidet die subjektive Bewertung, ob uns etwas Angst macht oder nicht.

FOCUS: Das heißt, der eine Opel-Mitarbeiter gerät durch seinen möglichen Jobverlust in eine persönliche Krise, der andere nicht?

Hüther: Es kommt maßgeblich darauf an, wie sehr jemand seine gesamte Existenz, seine Identität und seinen Lebensinhalt an seinen Job und sein Einkommen gekoppelt hat. Wenn das so ist, hat er ein Problem.

FOCUS: Wie können wir uns vor einer solchen Situation schützen?

Hüther: Es gibt Menschen, die neben ihrem Einkommen und ihrer Beschäftigung in einem Betrieb auch noch anderen Dingen im Leben eine große Bedeutung beimessen. So zum Beispiel dem Interesse an der Arbeit an sich. … Eine lebendige Partnerschaft, Familie, Kinder, Freundschaften sowie die enge Anbindung an eine Gemeinschaft sind für diese Menschen wesentliche Teile des Lebens. Sie fühlen sich gebraucht und dazugehörig. So entstehen Unabhängigkeit und Stärke. …

FOCUS: Wie erklären Sie als Hirnforscher die Immunität einiger Menschen gegen Stress und Angst? Sind das besondere Persönlichkeiten?

Hüther: Sie sind souverän und authentisch. Sie lassen sich von außen nicht durch Katastrophenmeldungen verunsichern. Sie sind stressresistent. Stellen Sie sich eine gestandene Persönlichkeit wie zum Beispiel Götz George alias Schimanski vor. Glauben Sie, der hatte je Jobangst? …

FOCUS: Was ist, wenn von meinem Einkommen eine ganze Familie abhängt?

Hüther: Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder der Partner sagt, es ist nicht so schlimm, wir kämpfen uns da durch. Das Glück hängt nicht am Haus. Dann trägt dieses Gefühl. Oder aber die Familie gerät in Panik, wenn etwa auf dem Lebenskonzept mit einem bestimmten Lebensstil beharrt wird. Dann kann die Angst sehr groß werden. …

FOCUS: Wie entstehen denn nun Stress und Angst?

Hüther: Stellen Sie sich das Gehirn als eine Zwiebel mit mehreren Schichten vor, die nacheinander erregt werden können. Es geht meistens damit los, dass die Realität nicht unseren Erwartungen entspricht. Diese Diskrepanz löst Verunsicherung aus. Wird sie zu groß, entsteht eine Übererregung in der äußersten Zwiebelschicht unseres Denkorgans, dem Frontalhirn, das für komplexe Aufgabenlösungen zuständig ist. Die zu starke Erregung in diesem Bereich hat zur Folge, dass wir keine komplizierten Aufgaben mehr lösen können. Jetzt geht es mit dem Fahrstuhl der Angst nach unten, Schicht für Schicht. …

FOCUS: Wie kommt jemand aus diesem Angstzustand wieder heraus?
Hüther: Er muss Vertrauen zurückgewinnen. Zum einen in die eigenen Fähigkeiten. Er müsste die Erfahrung machen, dass er doch etwas bewirken kann, auch dass ihm andere bei den Problemen helfen, die er nicht allein lösen kann. Und als Letztes müsste er auch darauf vertrauen können, dass es trotzdem immer wieder weitergeht, dass das Leben einen Sinn hat.

FOCUS: Wie soll denn jemand, der in die Kurzarbeit geschickt wird, Vertrauen fassen? Weiterlesen »

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