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Keine Vater Morgana

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 29. Dezember 2009

‚Der moderne Papa nimmt Elternzeit, wickelt, kocht Brei und redet gern darüber wie Cem Özdemir. Aber nach ein paar Wochen ist er wieder verschwunden’, schreibt Jana Hensel in ihrer persönlichen Bilanz zum Jahresende ‚Vater Morgana‘ in der Zeit. Diese fällt meines Erachtens auch deshalb so negativ aus, weil dem Elterngeld das Potenzial zur Lösung aller offenen Fragen in Sachen Rollenaufteilung zugeschrieben werden, die Rahmenbedingungen weitgehend ausgeblendet und der individuelle Vater für die Väter an sich in Haftung genommen wird.

So heißt es unter anderem: ‚Über die Von-der-Leyen-Väter ist in den drei Jahren nach der Einführung des Elterngeldes am 1. Januar 2007 viel Gutes geschrieben worden. Väter, die nach der Geburt eine Auszeit nahmen und zu Hause blieben, waren die Stars der letzten Saison. Was aber ist aus ihnen geworden?

Die Fakten sind ernüchternd. … Die Elternzeit – Utopie ist abgestürzt wie eine Aktie, die an der Börse zu hoch gehandelt wurde. Die ehemalige Familienministerin und jetzige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat sich verspekuliert.’

Wenn ich im Bild bleibe, hat sich nicht die Emittentin der Aktie Elterngeld, sondern diejenigen, die allein auf diese Karte setzen geirrt. Hensel weiter

‚Denn nach der Elternzeit kehren die neuen Väter an ihre Arbeitsplätze zurück, als sei nichts gewesen. Für sie gilt: Nach der Elternzeit ist vor der Elternzeit. … Das Leben der Mütter unterdessen wurde binnen eines Jahres auf den Kopf gestellt. Während 55 Prozent von ihnen vor dem ersten Kind in Vollzeit beschäftigt waren, rutscht die Quote danach in den Keller. Nur 14 Prozent kehren in die Vollbeschäftigung zurück; nach zwei Kindern sind es nur noch 6 Prozent.’

Das was hier als Konsequenz bei den Müttern beschrieben wird, könnte ich genauso als Begründung für das Verhalten der Väter betrachten. Nur in einer Partnerschaft, wo auf Augenhöhe über das berufliche Engagement nach der Geburt des ersten und aller weiteren Kinder gesprochen wird und auch die Frau bereit ist nach kurzer Elternzeit in Vollzeit wieder arbeiten zu gehen, kann Mann und Vater ein ‚Risiko’ eingehen.

Ansonsten bleibt die Situation in der Tat so anachronistisch wie zuvor. ‚Papa bringt das Geld nach Hause und macht Karriere. Mama verdient dazu und kümmert sich um den Nachwuchs.’ An diesem Zustand kann nicht das neue Elterngeld sondern nur das tatsächliche Verhalten in der Partnerschaft etwas ändern.

Und zwar nicht nur symbolisch sondern real. Väter haben längst begriffen und zunehmend auch erfahren, dass Kindererziehung Spaß macht.

Die Realität ist aber auch, dass heute ein Einkommen für eine Familie mit Kindern in der Regel nicht ausreicht und die bestmögliche Lösung, kurze Vollzeit für beide, Mütter und Väter, mit den entsprechenden betrieblichen Regelungen zeitlich und räumlich flexibler Arbeitszeiten kaum existieren.

Stattdessen wird, insbesondere bei verantwortlichen Tätigkeiten und Führungsaufgaben in Unternehmen immer noch am Vollzeit Anwesenheitsdogma festgehalten und den Versuchen es anders zu regeln ein Riegel vorgeschoben. Mutige Väter, die es anders machen wollen, werden abgestraft und kalt gestellt.

‚Der Teilzeit-Vater existiert nicht.’ Das stimmt, selbst mit einer 40 Stunden Woche ist Mann auch ein Vollzeit Vater. In der realen Partnerschaft müssen Mann und Frau bezahlte Erwerbs- und unbezahlte Familienarbeiten so aufteilen, dass beide zufrieden sind. Das heißt reden, aushandeln und handeln, und zwar in einer Endlosschleife. Dass dabei auf beiden Seiten auch Kompromisse gemacht werden müssen, liegt in der Natur der Sache.

Diese Zufriedenheit der Eltern mit ihrer Situation erhöht nicht nur die Stabilität und die Qualität der Partnerschaft sondern auch die Beziehung zu den Kindern.

Quelle

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Ein Kommentar zu “Keine Vater Morgana”

  1. nelles sagt:

    Dirk von Gehlen hat in seinem Blog ‚digitale Notizen‘ einen Beitrag zu den ’symbolischen Vätern‘ geschrieben:

    http://www.dirkvongehlen.de/index.php/politik/die-symbolischen-vater/

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