der VÄTER Blog

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Dare to share – mehr partnerschaftliche Vereinbarkeit wagen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 3. März 2017

Am 20. Februar ist in Berlin die OECD-Studie „Dare to Share“ zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf in Deutschland veröffentlicht worden. “Deutschland hat in den vergangenen Jahren die Voraussetzungen für die Erwerbstätigkeit von Müttern deutlich verbessert. Auch gesellschaftlich wird heute die Erwerbstätigkeit von Müttern eher akzeptiert als noch vor 15 Jahren. Die hohe Teilzeitquote bei Müttern zeigt jedoch, dass eine wirklich ausgeglichene Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit innerhalb von Familien noch nicht die Regel ist. Dies schwächt nicht nur die wirtschaftliche Stellung von Frauen, angesichts des demografischen Wandels bleiben so auch wirtschaftliche Potenziale ungenutzt“, sagte die OECD-Sozialexpertin Monika Queisser.

Der Bericht empfiehlt unter anderem, mehr Väter zur Inanspruchnahme von Elternzeit zu ermutigen. Betreuungsangebote für Kleinkinder und auch für Grundschuldkinder sollten weiter ausgebaut und flexibler gestaltet werden. Ein Anspruch auf Rückkehr zu voller Erwerbstätigkeit nach einer familienbedingten Teilzeitphase könnte helfen, die Erwerbsbeteiligung von Müttern zu erhöhen. Durch eine Weiterentwicklung familienpolitischer Förderinstrumente könnte Eltern eine Erwerbstätigkeit in größerem Umfang ermöglicht werden. Im Bereich Steuern und Transfers könnte das System so angepasst werden, dass Paare zu einer partnerschaftlichen Aufteilung der Erwerbstätigkeit ermutigt werden. und damit dazu beitragen, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen weiter verringert werden.

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Befristete Beschäftigung: erhöhtes Armutsrisiko und seltener Kinder

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 7. Dezember 2016

Fast jeder fünfte abhängig Beschäftigte unter 35 Jahren hat nur einen befristeten Arbeitsvertrag, mehr als 60 Prozent aller befristet Beschäftigten in Deutschland sind jünger als 35. Damit sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Berufseinstiegs- und Familiengründungsphase auch besonders stark von den Nachteilen dieser atypischen Beschäftigungsform betroffen. Das zeigt eine neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Befristet Beschäftigte haben deutlich niedrigere Nettoeinkommen als gleich alte Arbeitnehmer mit unbegrenztem Vertrag. Dementsprechend sind sie trotz Arbeit doppelt so häufig von Armut bedroht. Junge Beschäftigte in befristeten Arbeitsverhältnissen sind zudem seltener verheiratet und haben deutlich weniger Kinder als unbefristet Beschäftigte.

„Der offenkundige Nachteil einer befristeten gegenüber einer unbefristeten Beschäftigung besteht darin, dass die Betroffenen mit erheblicher Planungsunsicherheit konfrontiert sind, die sich auch lebensweltlich auswirkt“, beschreibt WSI-Sozialexperte Dr. Eric Seils die Situation junger Menschen mit befristeter Beschäftigung. „Häufige Stellenwechsel, zum Teil verbunden mit Ortswechseln, erschweren die Bildung stabiler Partnerschaften. Und Kinder kosten Geld, daher dürften viele Paare die Realisierung ihres Kinderwunsches aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit verschieben“, so der Wissenschaftler.

Befristung_Jugend

Für seine Analyse hat Seils die aktuellsten vorliegenden Daten aus dem Mikrozensus 2015 ausgewertet. Die Kernergebnisse im Einzelnen:

Junge am stärksten betroffen. 19,3 Prozent aller Arbeitnehmer unter 35 Jahren haben nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Dabei sind Auszubildende, Praktikanten oder Umschüler bereits herausgerechnet. Klammert man auch die Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren aus, in der es viele befristete Ferienjobs geben dürfte, liegt die Befristungsquote der 20 bis 34-Jährigen immer noch bei 18,4 Prozent. Sie ist etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen (9,3 Prozent

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Darf es auch ein bisschen weniger sein?

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 8. Mai 2014

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Genders Dialog DAS MAGAZIN” ist mein Beitrag zum Thema “Darf es auch ein bisschen weniger sein?” zu lesen:

„Ich schreib’s an jede Häuserwand, neue Arbeitszeiten braucht das Land!“ In die Diskussion um die Länge der täglichen Arbeitszeiten und die Anwesenheitskulturen in Betrieben kommt Bewegung. In zahlreichen Befragungen äußern vor allem Männer den Wunsch, in bestimmten Lebensphasen den Umfang der Erwerbsarbeit zu reduzieren, um Zeit für Familie und Partnerschaft zu gewinnen.

Der zeitliche Umfang von Erwerbsarbeit, der täglichen Arbeitszeiten in Unternehmen bestimmt bislang die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten ebenso wie eine partnerschaftliche Aufgabenteilung in der Familie. Eine auch vorübergehende Reduzierung wird als Entscheidung gegen berufliche Ambitionen interpretiert und mit geringerer Bezahlung sanktioniert. Eine Führungsaufgabe in einem Teilzeitjob? Das ist bislang schwer vorstellbar.

Dieses bislang vorherrschende Arbeitszeitregime wird zunehmend in Frage gestellt. „Führung in Teilzeit muss möglich sein“ fordern selbst die Wirtschaftsjunioren. In Deutschland fordern Arbeits- und Familienministerin ein Ende des „Anwesenheitswahns“ in Unternehmen und formulieren Visionen zu neuen Familienarbeitszeiten, bei denen sich Frauen und Männer mit jeweils etwa 32 Stunden an der Erwerbsarbeit beteiligen und so Spielräume für eine partnerschaftliche Aufteilung der Haus- und Familienarbeit gewinnen.

In der Schweiz greift die Kampagne „Der Teilzeitmann“ den Wunsch von Männern Erwerbsarbeitszeit zu reduzieren auf, präsentiert gute Beispiele und ermutigt Männer in Unternehmen, ihre Wünsche in die Tat umzusetzen. Bei einer Befragung der Universität St. Gallen hatten immerhin 90 Prozent der Befragten geäußert, ihre Arbeitszeiten reduzieren zu wollen, in Teilzeit arbeiten Ende 2013 14,7 Prozent der männlichen Beschäftigten. Das sind immerhin 23.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Die in den Medien sehr präsente Kampagne trifft wohl den Zeitgeist, den Wunsch von Männern, nicht nur im Beruf erfolgreich zu sein, sondern auch im privaten gute Beziehungen zu haben und insbesondere in einer Partnerschaft mit Kindern als Vater präsent sein zu können.

Den Wirkungen der Kampagne liegen folgende Haltungen zugrunde:

Wir reden über Werte und nicht über Geld.
Wir sind 100 Prozent forderungs- und vorwurfsfrei
Wir reden über Zukunft

In der Praxis bedeutet das: bislang übliche „männliche“ Verhaltensweisen werden humorvoll und in Form von Geschichten entlarvt. Vorwiegend in Roadshows bei Unternehmen treten Vorbildmänner mit Witz und Stil auf und suchen den Dialog. Das «T» – es ist angelehnt an das «S» des Superman – steht als Symbol für ihre Heldengeschichten und die Überwindung der Widerstände auf dem Weg zur Teilzeit. Zentrales Ziel des Projekts ist die Beeinflussung der Erzählweisen zu Rollenbildern und –zuweisungen für Jungen, Männer und Väter im Kontext von Erwerbsarbeitszeiten.

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Diese Ansprüche werden durch die persönlichen Geschichten von Männern eingelöst, die über ihre Erfahrungen mit Teilzeit, die Konsequenzen aber auch die Schwierigkeiten berichten:

„Es braucht schon eine Konsequenz, dass der Donnerstag arbeitsfrei bleibt: Mein Papatag ist nicht verhandelbar.“, sagt Simon. Doch der Mehrwert ist da, und die Überzeugung zur Teilzeitarbeit ist bei Simon zentral: „Das wichtigste ist für mich, meine Zeit dem Kind zu geben. Nichts ist so wertvoll.“ Diese persönliche Zeit für sich und die Beziehung kann er genießen. Teilzeitmann Simon ist überzeugt: „Dieser Mehrwert lässt sich mit nichts kompensieren.“ (Simon Schmid, Raumplaner)

„Das schwierigste ist für mich, dass ich mich nicht selber herein lege.“ Konkret gibt es keine regelmäßigen Arbeitszeiten, aber doch „ein Stück Vogelfreiheit, die sehr viel Stress wegnimmt.“ Mal nimmt der Chef einen Nachmittag frei, mal sind es nur ein paar Stunden pro Woche. Abendveranstaltungen gehören sowieso zu den Aufgaben. Aber Howald hat auch kein Problem, Einladungen zu delegieren: „Man kann nicht überall sein. Und man sollte sich selber auch nicht zu wichtig nehmen.“ (Felix Howald, Direktor Industrie und Handelskammer Zentralschweiz)

Tradierte Vorstellungen von Männlichkeiten und Umfang der Erwerbsarbeit sind am ehesten durch eine andere Praxis, von Männern, die es vorleben und die darüber berichten, zu verändern. Die „Pioniere“ brauchen Mut und Ermutigung:

Durch eine Kampagne, die herausstellt, dass das, was sie tun „normal“ ist. Durch Verantwortliche in Unternehmen, die die Ressourcen dieser Arbeitsweise erkennen und nutzen und Führungskräfte im Umgang damit schulen. Durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die es Männern und Frauen erleichtert, entsprechend den Bedürfnissen ihrer jeweiligen Lebensphase und –ereignisse, Arbeitszeiten flexibel verändern zu können. Und es braucht Bereitschaft von Vätern und Müttern in Partnerschaften, Verantwortung in allen Lebensbereichen übernehmen zu wollen und zu können und dies auf Augenhöhe auszuhandeln.

Der Teilzeitmann zeigt, dass dies möglich ist.

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Jeder Zweite möchte, aber nur jeder Zehnte macht es

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 29. Mai 2013

… weniger arbeiten. Rinaldo Dieziger setzt sich im heutigen Papablog mit der Frage auseinander, wo Erklärungen und Gründe für diesen Widerspruch liegen könnten.

‚… Warum bieten bei derart rosigen Aussichten auf Effizienz- und letztendlich auch Gewinnsteigerung nicht mehr Unternehmen Teilzeitstellen an? Ist Teilzeit am Ende gar keine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern der Unternehmenskultur? Oder der Politik?

Weder noch. Der Hund liegt in unserem eigenen Garten begraben. Wir sind Angsthasen oder haben gelogen. Der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen hat mehrere Hundert Männer bei der UBS befragt. 78 Prozent gaben an, konkret über Teilzeit nachzudenken. Klingt wie ein Witz. Aber diese hohen Werte bestätigen die Ergebnisse der repräsentativen Studie im Kanton St. Gallen aus dem Jahre 2011 sowie zweier Befragungen, die nach der Lancierung des Projekts «Der Teilzeitmann» durchgeführt wurden. Gemäss einer Umfrage der «Coopzeitung» befürworten 62 Prozent Teilzeitarbeit, bei den 30- bis 49-Jährigen ziehen gar 78 Prozent eine Teilzeitstelle vor.

Wie zum Teufel kann es sein, dass trotzdem nur einer von zehn Männern zugunsten der Familie beruflich kürzer tritt? Weil sie nicht wollen. Jedenfalls nicht wirklich. Wahrscheinlich würden sie sogar, wenn sie könnten. Aber sie können nicht. Weil sie zwar still und heimlich bei ein paar Bier darüber sinnieren, aber nie beim Arbeitgeber nachfragen. …

Fragen kostet nichts. Ausser eine verdammt gute Vorbereitung. Clevere Arbeitnehmer mutieren in einem solchen Gespräch zum Arbeitgeber. Geben ist nun mal seliger denn Nehmen. Unternehmer schenken ungern einem Arbeitnehmer Gehör, der noch mehr (frei) nehmen will. Deshalb lohnt es sich, darüber nachzudenken, was Mann als Arbeitnehmer geben kann. Wie der Chef konkret von Teilzeitarbeit profitiert. Ich empfehle, eine Lösung gespickt mit schlagenden Argumenten für Steigerung von Effizienz und Gewinn zu präsentieren. Und kein Problem. Denn Probleme haben Arbeitgeber genug. Ich weiss das, weil ich selbst Unternehmer bin. Und 80 Prozent arbeite.‘

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Erwerbsmuster von Vätern und Müttern in Deutschland

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 20. März 2013

Frauen in Partnerschaften sind in Deutschland immer häufiger berufstätig. Ihr Beitrag zum gemeinsamen Verdienst lag im Jahr 2011 bei 30 Prozent, was einem Zuwachs von drei Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2000 entspricht. Dies zeigen aktuelle Berechnungen des DIW Berlin auf Grundlage von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist der zunehmende Wechsel von Frauen aus Nichterwerbstätigkeit in Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung, vor allem in Westdeutschland. In Ostdeutschland beträgt der Anteil, den Frauen zum gemeinsamen Verdienst leisten, sogar nahezu 40 Prozent. Denn: In den neuen Bundesländern sind Frauen schon seit langem häufiger und mit einer höheren Wochenarbeitszeit berufstätig als Frauen in Westdeutschland.

Erwerbstätigkeiten_2013

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Als engagierter Vater ist Mann sehr angesehen

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 13. Januar 2013

Was in Deutschland die Ausnahme ist, ist in Norwegen die Regel: Mütter arbeiten Vollzeit, viele gar in Führungspositionen, die Frage „Kind oder Karriere“ stellt sich nicht. Norwegen liegt 2011 nicht nur mit einer Geburtenrate von rechnerisch 1,95 Kindern pro Frau in der Spitzengruppe Europas. Auch die Zahl der Frauen in Führungspositionen ist eine der höchsten, seit 2008 eine umstrittene, aber wirksame Frauenquote eingeführt wurde: 40 % der Aufsichtsratsplätze aller größerer börsennotierter Aktiengesellschaften müssen mit Frauen besetzt sein.

Das funktioniert nur mit einer fortschrittlichen Familienpolitik, deren Herzstück eine gut organisierte öffentliche Kinderbetreuung ist. Jedes Kind bekommt einen Kindergartenplatz: 2008 besuchten 87 % aller Kinder zwischen einem und fünf Jahren einen Kindergarten, Tendenz steigend.

Maximal 300 Euro müssen die Eltern einkommensabhängig für die Betreuung bezahlen, den Rest übernimmt der Staat. Öffnungszeiten bis 16.30 Uhr sind normal, private Einrichtungen sind oft noch länger auf. So haben selbst Alleinerziehende die Möglichkeit, Vollzeit zu arbeiten. …

Auch das Recht auf Teilzeitarbeit für Eltern gilt nicht nur auf dem Papier. Wer es in Anspruch nimmt, setzt im Gegensatz zur deutschen Praxis nicht die nächste Beförderung aufs Spiel. Auch wenn ein Mann wegen seiner Kinder Wert auf einen frühen Feierabend legt, bedeutet das nicht, dass ihm die Arbeit unwichtig ist. „Man ist als engagierter Vater sogar sehr angesehen“, sagt Johnny. Nach der Schule macht er mit den Jungs Hausaufgaben, kocht und holt Lykke vom Kindergarten ab. Wenn Kirsti gegen 16.30 Uhr nach Hause kommt, läuft die Waschmaschine und das Essen dampft auf dem Herd. …

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Je länger, desto langsamer

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 11. Dezember 2008

Wer pro Woche weniger arbeitet, schafft pro Stunde mehr. Die EU-Länder mit den kürzesten Arbeitszeiten haben die höchste Produktivität. Das geht aus einer Auswertung des WSI-Arbeitsmarktexperten Hartmut Seifert hervor. Der Wissenschaftler hat vom europäischen Statistikamt erhobene Zahlen zur Arbeitszeit mit den Werten für die so genannte Stundenproduktivität verglichen. Der Zusammenhang zwischen beiden Datensätzen sei statistisch gut gesichert, sagt Seifert.

Zwei mögliche Erklärungen für die Beobachtungen: Der Spielraum für Arbeitsverkürzungen könnte in der Vergangenheit dort am größten gewesen sein, wo besonders effizient gearbeitet wurde. Zum anderen ermöglichen kürzere Wochenarbeitszeiten aber auch eine höhere Leistung pro Stunde. Das macht die Teilzeitarbeit für viele Unternehmen attraktiv, so der Forscher.

Und nicht nur aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive haben verringerte Wochenarbeitszeiten Vorteile. Sie reduzieren auch die Arbeitslosigkeit. Nach einer Überschlagsrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat der Trend zur Teilzeit allein zwischen 1994 und 2004 etwa 2,6 Millionen Jobs in Deutschland geschaffen oder gesichert.

Unter Experten bestehe weitgehende Einigkeit über die positive Beschäftigungswirkung der Teilzeitarbeit, stellt Seifert fest. Umso merkwürdiger sei es, dass Arbeitszeitverkürzungen für Vollzeitbeschäftigte dagegen häufig kritisch gesehen werden. Schließlich gebe es “keine grundsätzlichen Unterschiede in den Wirkungsmechanismen beider Formen der Arbeitszeitverkürzung”. Entscheidend seien immer die konkreten Bedingungen, vor allem die Frage des Lohnausgleichs.

Vor einigen Jahren lautete dementsprechend auch eine Kampagne des DGB: Hätt’ er Teilzeit könnt er länger!’

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Deutschland bremst Väter aus

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 1. Dezember 2008

‚Die Arbeitzeiten von Frauen sind in Deutschland deutlich gesunken. Dies gilt insbesondere für Mütter: Die Jobs von Beschäftigten mit zwei Kindern sind um 11,5 % geschrumpft. Damit gehe Deutschland bei der Erwerbstätigkeit von Frauen einen “Sonderweg”, heißt es in der Studie der Uni Duisburg-Essen, die heute veröffentlicht wird.

Zwar ist in Deutschland der Anteil erwerbstätiger Frauen wie andernorts in Europa gestiegen. Gleichzeitig verringerte sich jedoch die Arbeitszeit pro Kopf, und zwar um mehr als eine Stunde pro Woche.

Ein Hauptgrund: Immer mehr Frauen in Deutschland haben nur eine Teilzeitstelle – ihr Anteil ist um satte sechs Prozentpunkte auf 46 % gestiegen. Dabei müssen sich viele mit extrem kleinen Jobs begnügen: Die Arbeitszeiten von weiblichen Teilzeitkräften sind hierzulande so niedrig wie nirgendwo sonst in der EU und liegen bei 18 Wochenstunden, berichten die Arbeitsmarktexperten Angelika Kümmerling, Andreas Jansen und Steffen Lehndorff.

Gleichzeitig ist die Kluft zwischen den Arbeitszeiten von Männern und Frauen hierzulande größer geworden, und zwar insbesondere bei Eltern. Mütter mit zwei Kindern arbeiten heute drei Stunden pro Woche weniger als 2001, bei Vätern ist es nicht mal eine halbe Stunde. Dabei gilt: Männer bleiben umso länger im Betrieb, je mehr Nachwuchs sie haben. Bei Frauen ist es genau umgekehrt. Weiterlesen »

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Eine Schere im Kopf …

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 4. Oktober 2008

… haben nach Ansicht von Volker Baisch, Geschäftsführer bei vaeter.de in Hamburg, die meisten Männer beim Thema Arbeitszeitreduzierung. In Umfragen äußern sie, gerne 5 bis 10 Stunden weniger pro Woche arbeiten zu wollen, um mehr Zeit für Familie zu haben. Sie trauen sich aber nicht, dies einzufordern.

‚Volker Baisch:

… die meisten Männer haben bei diesem Thema eine Schere im Kopf. Umfragen zeigen, dass 71 Prozent glauben, ihre Karriere sei zu Ende, wenn sie Elternzeit in Anspruch nehmen oder nur noch in Teilzeit arbeiten.

Abendblatt:

Mal ehrlich, das ist doch in den meisten Firmen auch so. Wer Karriere machen will, von dem wird doch stillschweigend erwartet, dass er Überstunden macht.

Baisch:

Ich bin oft überrascht, wie selbstverständlich das Thema in vielen Unternehmen schon ist. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit auch Teilzeitangebote für Väter stehen auf der Agenda.

Abendblatt:

Sind das nicht oft nur Lippenbekenntnisse?

Baisch:

Das kommt darauf an, wen Sie fragen. Die Verantwortlichen in den Personalentscheidungen sind in dieser Hinsicht viel aufgeschlossener und haben die Bedeutung solcher Angebote für die Attraktivität ihres Unternehmens als Arbeitgeber erkannt.

Doch die Führungskräfte im Unternehmen sehen das oft anders. Sie stehen unter Druck, müssen Ergebnisse bringen und meinen, ihre Mitarbeiter in Vollzeit zu brauchen. Die Zustimmung von Führungskräften zu Eltern- und Teilzeit für Väter liegt vielleicht bei 20 bis 30 . Bei den Personalern sind es 65 %. …’

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Sechs Punkte für eine familienbewusste Arbeitszeitkultur

Erstellt von Hans-Georg Nelles am 18. September 2008

Eltern sind häufig unzufrieden mit ihren Arbeitszeiten: Viele Mütter möchten länger arbeiten, viele Väter kürzer. Ein modernes Arbeitszeitkonzept zeigt Wege aus dem Dilemma.

Christina Klenner vom WSI und Svenja Pfahl vom Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (Sowitra) haben auf der Basis von Datenanalysen und guter betrieblicher Praxis Eckpunkte für ein familien- und gleichstellungsorientiertes Arbeitszeitkonzept entwickelt:

1. Abschied vom “sorgelosen Arbeiter”. Betriebe müssen lernen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer grundsätzlich in beide Sphären eingebunden sein können: in die der betrieblichen, bezahlten und in die der familiären, unbezahlten Arbeit.

2. Neuer Arbeitszeitstandard und Recht auf Fürsorge. Die Betreuung und Erziehung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen kann arbeits- und sozialrechtlich anders behandelt werden als andere Lebensabschnitte.

3. Garantierte Teilzeitarbeit an jedem Arbeitsplatz. Teilzeitarbeit ist trotz gesetzlicher Regelungen keine betriebliche Selbstverständlichkeit. Besonders anspruchsvolle Tätigkeiten gelten weiterhin als unteilbar. An allen Arbeitsplätzen sollte jedoch das individuell gewünschte Arbeitszeitvolumen möglich sein.

4. Überwindung des Dogmas der Vollzeitkultur. Viele Betriebe organisieren Arbeit immer noch entlang der Arbeitszeitdauer eines Normalarbeitstages. Stattdessen werden Konzepte für eine bewegliche Arbeitsorganisation gebraucht.

5. Zurückdrängen der Kultur der überlangen Arbeitszeiten. Hier ist das Management dazu aufgerufen, (über)lange Arbeitszeiten nicht mehr als Ausweis der Loyalität und Konkurrenzvorteil zu werten. Führungskräfte sollten auch daran gemessen werden, ob Beschäftigte ihre Leistungen ohne überlange Arbeitszeiten erbringen.

6. Anreize für eine stärker egalitäre Arbeitszeitverteilung zwischen den Geschlechtern. Das Ehegattensplitting belohnt einen großen Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern – und damit auch unterschiedlich lange Arbeitszeiten.

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