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Die Reise mit Vater

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Freitag 11. November 2016

Es klingt verrückt, aber 1968 war es für rumänische Besucher der DDR für einen kurzen Moment möglich, trotz eingeschränkter Reisefreiheit nach Westdeutschland zu reisen. Klar, dass manche die Gelegenheit, dort einen Asylantrag zu stellen, nutzten. Der Vater von Regisseurin Anca Miruna Lăzărescu hat diese Situation tatsächlich erlebt, seine Tochter rekapituliert seine damaligen Erfahrungen und Erinnerungen mit nostalgischem Charme und einer Prise Ironie mit einer unterhaltsamen und in ein Roadmovie gepackten Geschichtsstunde.

Man muss sich das mal vorstellen: da fährt eine Familie aus Rumänien in den Urlaub in die Deutsche Demokratische Republik, wird dort aber festgenommen und in ein Lager gesteckt. Hintergrund sind politische Unruhen in der Tschechoslowakei, 1968 in die Geschichte eingegangen als „Prager Frühling“. Weil das rumänische Staatsoberhaupt Nicolae Ceauşescu damals den Einmarsch ostdeutscher Truppen in der CSSR kritisierte, wird die Familie ausgewiesen, kann die Rückkehr in ihre Heimat aufgrund der politischen Situation jedoch nur mittels eines Transitvisums über die Bundesrepublik via Österreich und Jugoslawien antreten. Klar, dass dies eine Einladung zur Einwanderung in die BRD bedeutet.

Der Vater von Regisseurin Anca Miruna Lăzărescu hat dies 1968 als 18-Jähriger genau so erlebt, seine Tochter rekapitulierte die Ereignisse nun für ihr Spielfilmdebüt in Form einer Tragikomödie. Herausgekommen ist eine Geschichte, die von der Liebe und der Freiheit handelt, dabei aber auch deutlich macht, wie schwer es sein kann, beides miteinander zu vereinen. Lăzărescu macht aber nicht den Vater, wie man vielleicht meinen könnte, zum Hauptdarsteller. Hierfür gewählt hat sie den jungen Arzt Mihai, der sich nach dem Tod der Mutter um den kranken Vater und den jüngeren Bruder kümmert. Man erfährt nebenbei, dass im rumänischen Radio die Beatles als eine ungarische Rockband gespielt wurden, in einer späteren Szene rechtfertigt der Bruder das Hören von „Strawberry Fields forever“ gegenüber Ostbeamten damit, dass es sich bei diesem Lied doch ganz klar um eine Hymne auf eine kollektive landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft für Erdbeeren handeln würde. …

(La Drum Cu Tata) Deutschland/Rumänien/Ungarn 2016 – 111 Min. – Regie: Anca Miruna Lăzărescu Darsteller: Alex Mărgineanu, Răzvan Enciu, Ovidiu Schumacher, Susanne Bormann, Manuel Klein, Doru Ana, Marcela Nistor

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