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Medienschlacht um das Recht, Mutter zu werden und Vorstand zu bleiben

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Dienstag 6. Oktober 2009

Die Schwangerschaft einer Top-Managerin löste eine bemerkenswerte Debatte in den Medien aus. Michael Stuber (Ungleich Besser Diversity Consulting) analysiert die Diskussion, die der frisch gebackene Vater Roger Köppel, Chefredakteur der rechts-konservativen ‚Weltwoche’, ausgelöst hat.

Seine markigen Formulierungen wie ‘Würden Sie Ihre Armee einem General anvertrauen, der sich im Krieg aus familiären Gründen beurlauben lässt?’ und seine schieflagige Frage nach dem ‘Recht auf Selbstverwirklichung’ wurden in Online-Kommentaren gar als Angriff auf die Bundesverfassung und die Menschenrechte kritisiert.

Das Corpus ‘Delicati’ bildet die Vorsitzende der Geschäftsleitung von ABB Schweiz, dem eidgenössischen Teil des Technologiekonzerns ABB. Die 39-jährige Jasmin Staiblin trat im Juli ihren 16-wöchigen Mutterschaftsurlaub an und informierte ihre Beschäftigten per Email über die abwesenheitsbedingte Vertretung. Seither tobt die Schlacht um die Anwendung von Auszeit-Modellen gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten. Dabei könnte Staiblin mit ihrer Karriere als Vorbild gelten. Die Deutsche ist eine von nur 5 % Frauen in den Geschäftsleitungen der 100 größten Schweizer Unternehmen, eine der wenigen Mütter in diesem Umfeld und die einzige Frau, die es ganz an die Spitze schaffte.

Wie unangemessen die Diskussion um vorübergehende Abwesenheiten ist beschreibt DIE ZEIT online, die darauf hinweist, dass der ehemalige Chef der ABB, Fred Kindle, mit Pauken und Trompeten ging und ein halbes Jahr kein Nachfolger benannt worden war. dieStandard.at zitiert Weltwoche-Chef Köppel unter anderem mit den Worten, Frauen haben ‘in Spitzenpositionen nicht zu suchen’ und dass die Fragen lauten müssen, weshalb sie ‘nicht länger bei ihrem Kind bleibt’. Der Berner Korrespondent des Standard weist süffisant darauf hin, dass Köppel als berufstätiger Vater im eigenen Haus schwieriges zu leisten habe, denn die Weltwoche verzeichnet einen deutlichen Leser- und Inserentenschwund.

Auch die Süddeutsche Zeitung verwies vor kurzem auf die Absurdität der Diskussion. Sie stelle alle Bemühungen, Kinder und Karriere miteinander zu verbinden, auf den Kopf und befördere uralte Rollenklischees. Das Blatt stellt die eigentliche Frage, die Köppel anscheinend gar nicht in den Sinn kam: Warum schaffen es nicht mehr Frauen ganz nach oben, nachdem es der Wirtschaft doch gut tut?

Einige schweizerische Medien wie die Neue Zürcher Zeitung und der Tages-Anzeiger ignorierten elegant die Entgleisungen der Weltwoche. Die Boulevardpresse ließ sich die Sensationsäußerungen indes nicht entgehen und stießen ins politisch korrekte Horn. ‘Der Blick’ druckte einen Meinungsaustausch emanzipierter Personen und kam zu dem bahnbrechenden Fazit, dass es berufstätige Mütter schwer hätten.

Staiblin sieht das eventuell anders. Sie trennt Berufliches und Privates streng und gab keine Auskünfte über ihr privates Arrangement zur Kinderbetreuung. Ganz so, wie männliche Top-Manager, die Vater werden.

Quelle

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Ein Kommentar zu “Medienschlacht um das Recht, Mutter zu werden und Vorstand zu bleiben”

  1. Thomas sagt:

    Geht man bei popularjournalistischen Effekten etwas mehr in die Tiefe, eröffnet sich nicht nur ein vollkommen neues Bild, sondern auch neue Möglichkeiten :

    http://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/res/BDA_Position_Ursachen_f%C3%BCr_Lohnuntschiede.pdf/$file/BDA_Position_Ursachen_f%C3%BCr_Lohnuntschiede.pdf

    „Die Unternehmen engagieren sich auch selbst immer stärker im Bereich der Kinderbetreuung. Der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2006 vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend kommt zu dem Ergebnis, dass 27 % aller Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Unterstützung bei der Kinderbetreuung, zum Beispiel in Form von einem Tagesmütterservice, anbieten.“ (s.o., S. 7).

    „Das Steuer- und Sozialversicherungsrecht begünstigt teilweise noch immer die sog. Alleinverdienerehe und setzt damit falsche Anreize für Frauen, für kürzere oder längere Zeit auf eine Erwerbstätigkeit zu verzichten.“ (s.o., S. 9)

    „Zur Anerkennung dieser Unterschiede gehört auch, daß man den eher nicht-linearen Verlauf weiblicher Berufswege akzeptiert und deshalb die notwendigen Rahmenbedingungen schafft, die es Frauen ermöglichen, ihre Arbeitsbelastung variabler zu gestalten oder nach einer Unterbrechung wieder in den Beruf einzusteigen“.

    (Quelle : Susan Pinker, „Das Geschlechterparadox“, S. 339) :

    Hier wurde es realisiert :

    http://www.daimler.com/dccom/0-5-1209020-49-1201104-1-0-0-0-0-0-135-7145-0-0-0-0-0-0-0.html

    Die guten alten Zeiten der 50`er bietet für vielseitig interessierte und moderne Männer, die ein facettenreiches und abwechslungsreiches Mannsein leben wollen, keine Lebensalternative mehr.

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