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Warum Frauen nicht die besseren Kapitalistinnen sind

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Mittwoch 23. September 2009

… und die Krise zeigt, dass auch der Markt ein vergeschlechtlichter Prozess ist erklärt die Soziologin Christa Wichterich im Standard.at – Interview

Seit Beginn der Wirtschaftskrise werden Frauen gerne als die „besseren“ Kapitalistinnen vorgeführt – weniger risikobereit, teamfähiger, fleißiger, flexibler, denken nachhaltiger usw. Was halten Sie davon?

Christa Wichterich: Das ist die erste Krise, bei der das so geschieht. Es ist insofern interessant, weil es den Blick darauf richtet, dass die Märkte und auch die Krise vergeschlechtlichte Prozesse sind, in denen Männer und Frauen eine unterschiedliche Rolle spielen. Diese Rollen werden in der Krise auf einmal hinterfragt. Das hat im Jänner begonnen, als der „Observer“ in England gefragt hat: „Wäre der Crash auch gekommen, wenn die Lehman-Brothers Sisters gewesen wären?“

Es wurden auch gleich Studien nachgeschoben, die zeigten, dass sich an den Börsen und Banken eine Kultur der Zocker-Männlichkeit mit einem zu hohen Testosteronspiegel entwickelt hat. Das hatte zur Folge, dass es eine zu hohe Risikobereitschaft gibt und Spekulationen vorangetrieben werden, die dann zum Crash führten.

Das ist eine individualistische Analyse der Krise und eine solche lenkt von den Gesetzmäßigkeiten des Finanzmarktes ab, die dazu antreiben, immer neue Finanzmarktinstrumente zu erfinden, Wetten abzuschließen und zu spekulieren, um die Rendite zu steigern, das heißt aus Geld mehr Geld zu machen. Das führt zwangsläufig zu Blasen und schließlich zu einem Crash. Wenn man nur auf die Individuen schaut, die da eingespannt sind, lenkt das von den Gesetzmäßigkeiten des Marktes und davon ab, nach welcher Logik dieser funktioniert.

Die Kritik am Zockerverhalten Einzelner und der männlichen Finanzmarkt-Kultur ist völlig berechtigt wie auch die Kritik daran, dass die Gier nach Boni für Risiken blind macht, Risiken, die auf die Gesellschaft verlagert werden und nicht von den Verantwortlichen getragen werden. Das ist alles richtig.

Nur diese Form, die Kritik nur auf Individuen zuzuspitzen, auf individuelle Boni-Geilheit und auf Männlichkeit, das geht an der Funktionslogik des Marktes vorbei. Frauen würden sich in den entsprechenden Positionen dieser Funktionslogik und den Zwängen des Marktes und des Geldes, immer weiter zu wachsen, auch nicht entziehen können. …

In den vergangenen Jahrzehnten wurden zweifelsohne große Gleichstellungsfortschritte gemacht. Die Geschlechterrollen- und Verhältnisse sind in Bewegung gekommen. Frauen haben Lebensmöglichkeiten, von denen ihre Großmütter nur geträumt haben. Aber die geschlechtsspezifische Arbeit ist bei weitem nicht geknackt. Zwar sind immer mehr Frauen in die Erwerbsarbeit reingekommen und somit gab es eine starke Flexibilisierung und Erweiterung von Frauenrollen. Aber Männer haben keineswegs in gleichem Ausmaß Versorgungsarbeiten übernommen.

Männliche Rollen haben sich viel weniger flexibilisiert als weibliche Rollen. Von Gleichheit noch weit entfernt stellen wir also fest, dass sich in vielen politischen Bereichen, in der Beschäftigungspolitik, in der Gleichstellungspolitik bei uns aber auch in der Entwicklungspolitik, eine Gender.Fatigue breitgemacht hat, eine Geschlechtererschöpfung.

Die Politik sagt: Ach nein, nicht wieder das Thema, Frauen sind doch soweit vorangekommen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass Geschlecht immer noch ein Ordnungsprinzip in der Gesellschaft und – neben anderen – immer noch als Kategorie der Diskriminierung und sozialer Ungleichheit wirkt, obwohl Frauen immer weiter in die Öffentlichkeit, in die Medien, in die Politik, in die Erwerbsarbeit integriert wurden.

Das nenne ich eine paradoxe Integration, denn weiterhin bestehen Ungleichheiten und auch die Krise wirkt so, dass Frauen als soziale Air Bags funktionieren, wo sie viel auffangen, viele Kosten übernehmen. Somit werden soziale Ungleichheiten – auch zwischen Frauen – erneut verstärkt. Mein Buch beschäftigt sich mit diesen Widersprüchlichkeiten und den weiterhin bestehenden sozialen Ungleichheiten’

Quelle

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Ein Kommentar zu “Warum Frauen nicht die besseren Kapitalistinnen sind”

  1. ein Mensch sagt:

    So läßt sich Feminismus auch schön verpacken. Erst erwähnen, Frauen seien nicht besser, und dann nachlegen, wie benachteiligt die armen „Airbag-Frauen“ doch wären. Wenn schon Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten zur Sprache kommen, wird natürlich nicht drauf auf die Privilegien eingegangen, wie z.B. die Verfügungsgewalt über Kinder nach einer Trennung zu behalten. Jeder Trennungsvater, insbesondere ein unehelicher, kann ein Lied von sozialer Ungerechtigkeit singen.

    Ich erlebe beruflich und politisch keine Geschlechterdifferenzierung. Ach Entschuldigung, Bundeskanzler Angelo Merkel ist ja auch ein Mann, hatte ich ganz vergessen.

    Per Gesetz ist mir nur Geschlechterdiskriminierung des Mannes bekannt, eben in der Familienpolitik. Auch Wehrpflicht und Zwangsdienste richten sich gegen Männer. Nirgens kenne ich Paragraphen, in denen zwischen Geschlechtern zum Nachteil der Frauen unterschieden wird. Man sollte einfach solche Gesetze streichen und und das leidige Thema Geschlechterdifferenzen beilegen, ansonsten verschwinden die Unterschiede nie aus den Köpfen, ganz ähnlich wie bei der Ost-West-Problematik. Frauen haben alle Rechte, um ihren eigenen Willen durchzusetzen. Wer dann immer noch mit sich machen läßt und seine Möglichkeiten nicht nutzt, ist selber Schuld. Wenn die böse Männerwelt sie nicht in Führungspositionen lassen will, besteht die Möglichkeit, selbst ein Unternehmen zu gründen und die bösen Männer nicht in Führungsposition zu lassen – einfacher noch, denn Männerquoten sind nicht geregelt.
    Die Gesellschaft ist mündig genug, ihre eigenen Probleme zu lösen, solange der politische Rahmen dies zuläßt.

    Für mich ist der Artikel nichts weiter als aus der Jauchegrube hervorgeholte, gequirlte Exkremente, die schon lange ins Klärwerk gehören.

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