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Facetten grüner Väterpolitik

Erstellt von Hans-Georg Nelles am Montag 17. Dezember 2007

Ende Oktober fand ein familienpolitischer Kongress der Bundestagsfraktion der Grünen statt. Am zweiten Tag stand auch das Thema Väterpolitik auf der Agenda.

Ein eigenständiger Blick auf Vaterschaft findet in der öffentlichen, der fachpolitischen und in der wissenschaftlichen Debatte kaum statt. Zumeist stehen Frauen und Mütter im Mittelpunkt der Diskussion. Die Situation von Vätern taucht dabei kaum auf, zumindest wird sie nicht vertieft. Zu Unrecht, meinte Prof. Fthenakis.

Das Selbstverständnis von Männern habe sich erheblich gewandelt legte Prof. Fthenakis auch mit Verweis auf seine eigenen Forschungsergebnisse dar. Damit ist zwar noch keine Gleichstellung der Geschlechter erreicht, aber doch mehr Bewegung entstanden als bisweilen vermutet wird.

Neue, egalitäre Vaterschaftskonzepte sind eben überhaupt keine Seltenheit, so dass bei der Etablierung symmetrischer, partnerschaftlich organisierter Beziehungen zwischen Frauen und Männern, bei der Übernahme von Erziehungsverantwortung der Männer sowie bei der stärkeren Realisierung des Kinderwunschs es zum Besten stehen müsste.

Eigentlich!

Seine zentrale These jedoch besagte, das gesellschaftspolitische System ist „hochgradig effizient organisiert, wenn es darum geht, die Umsetzung solcher Konzepte zu verhindern.“

Die Präsentation umfangreicher Untersuchungsergebnisse ließ die These überaus plausibel erscheinen. Denn kulturelle, sozialpolitische und auch fiskalische Mechanismen funktionierten noch immer so, dass das relativ egalitäre Rollenverhältnis zwischen den Geschlechtern sich mit Familiengründung rapide auseinander entwickelt.

Tendenziell wird der Beruf dann zur väterlichen Domäne, die Fürsorgearbeit die der dann auch finanziell abhängigen Mutter. Das wiederum führe nach Auffassung von Prof. Fthenakis unter anderem zu erheblichen Belastungen für die elterliche Partnerschaft als Schlüssel für die weitere Familienentwicklung. Konkret gefährdet sind die soziale Entwicklung des Kindes, das Engagement des Vaters für die Familie und, nicht zuletzt, die Haltung des Mannes gegenüber weiteren Kindern.

Aus diesen Erkenntnissen sind neue Ansatzpunkte einer Politik mit Familien auszumachen. Dazu gehöre eine stärkere Kindeswohlorientierung der Politik. Ganz wichtig sind zudem der Aufbau einer familienfreundlichen Infrastruktur und eine engere Verknüpfung von Bildungs- und Familienpolitik. Es bedürfte zusätzlich einer Ausweitung präventiver Maßnahmen, um bei oben beschriebener Entwicklung frühzeitig zu intervenieren und in Familien partizipative Partnerschaft und Beziehungen zu etablieren.

Dazu ist unter anderem ein umfassendes und konsistentes Politikmodell notwendig, welches sich auf den familiären Lebenslauf konzentriert und besonders prozessuale Aspekte der Familienentwicklung berücksichtigt.

Fazit: Eine Familienpolitik ohne den spezifischen Blick auf die Väter bleibt unvollständig.

Die Ergebnisse des Kongresses finden Sie hier.

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Ein Kommentar zu “Facetten grüner Väterpolitik”

  1. Ralf Ruhl sagt:

    Prima, da gibt es also einen familienpolitischen Kongress bei der Öko-FDP. Und ein einziger Vortag befasst sich mit Vätern! Es ist schon ungeheuerlich, wie die Grünen – auch die Grünmänner- es immer wieder schaffen, die Hälfte der Menschheit schlichtweg zu ignorieren oder nur als Bösewichte hinzustellen. Inhaltlich ist an dem, was Herr Fthenakis seit Jahrzehnten forscht und predigt, nicht viel auszusetzen. Jetzt ist er pensioniert. Und jetzt, nach über 20 Jahren „neuer Väterforschung“, kommt die Partei, die uns den Gutmenschen brachte, endlich auf die Idee, dort mal ein ganz klein wenig am Rande zuzuhören. Nebenbei übrigens die Partei, die uns mit Konzernkanzler Schröder die Hartz-Gesetze und die Agenda 2010 mit den für Famililen extrem schädlichen Konsequenzen gebracht hat. Hoffen wir, dass auch bei den Grünen Erneuerung möglich ist!

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