{"id":9603,"date":"2018-07-08T09:11:01","date_gmt":"2018-07-08T09:11:01","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=9603"},"modified":"2018-09-11T10:07:33","modified_gmt":"2018-09-11T10:07:33","slug":"fehlende-anerkennung-macht-vater-unglucklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2018\/07\/08\/fehlende-anerkennung-macht-vater-unglucklich\/","title":{"rendered":"Fehlende Anerkennung macht V\u00e4ter ungl\u00fccklich"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4nner sind lieber im B\u00fcro als zu Hause bei ihrer Familie \u2013 so das Ergebnis einer neuen <a href=\"https:\/\/www.bernerzeitung.ch\/leben\/gesellschaft\/teilzeitarbeit-macht-die-vaeter-ungluecklich\/story\/21102956 \" target=\"_blank\">Studie<\/a> des deutschen Soziologen Martin Schr\u00f6der. Je mehr ein Vater also sein Arbeitspensum runterschraubt, desto ungl\u00fccklicher wird er. Die M\u00fctter hingegen? Die seien mit allen Situationen etwa gleich zufrieden, egal ob Vollzeit-Mami, Karrierefrau oder Teilzeit-Jobberin.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit dem Friday Magazin \u00e4u\u00dfert sich Markus Theunert, Leiter des Schweizerischen Instituts f\u00fcr M\u00e4nner- und Geschlechterfragen SIMG, der Fachstelle des Dachverbands <a href=\"http:\/\/www.maenner.ch\/\" target=\"_blank\">m\u00e4nner.ch<\/a> zu den Ergebnissen der Studie.<\/p>\n<p><strong>Herr Theunert, die meisten V\u00e4ter wollen laut der Studie\u00a0Vollzeit arbeiten \u2013 haben Sie mit diesem Ergebnis gerechnet? <\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es einfacher, so zu leben, wie der Mainstream das will und wie es den veralteten politischen Rahmenbedingungen entspricht. Insofern \u00fcberrascht mich das Ergebnis nicht. Mich \u00fcberrascht h\u00f6chstens die einseitige Interpretation der Ergebnisse. Es ist doch nicht die Teilzeitarbeit als solche, die V\u00e4ter ungl\u00fccklich macht \u2013 es ist die fehlende Normalit\u00e4t und Anerkennung teilzeitarbeitender M\u00e4nner.<\/p>\n<p><strong>Also h\u00e4tten M\u00e4nner eigentlich gar nichts gegen Teilzeitarbeit einzuwenden?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Studie von <a href=\"http:\/\/www.profamilia.ch\/tl_files\/Dokumente\/jobundfamilie\/Studie%20Was%20Maenner%20wollen%20-%20Publikation.pdf \" target=\"_blank\">Pro Familia<\/a> zeigt, dass 9 von 10 M\u00e4nnern in der Schweiz weniger und flexibler arbeiten m\u00f6chten. Die meisten \u00e4ussern auch den Wunsch, aktiv am Alltag ihres Kindes teilzuhaben. Die Umsetzung aber ist schwieriger: Wer im Job nicht dauernd verf\u00fcgbar ist, gilt schnell als Underperformer. Die ganzen Rahmenbedingungen und unsere Arbeitskultur sind schlicht nicht auf eine faire Arbeitsteilung zwischen M\u00fcttern und V\u00e4tern angelegt. Die Sache ist also wesentlich komplexer und widerspr\u00fcchlicher, als es diese Studie darstellt.<\/p>\n<p><strong>Verschiedene \u00e4ltere Studien zeigen, dass M\u00e4nner zwar vorhaben, ihr Pensum zu reduzieren \u2013 nach der Geburt ihres Kindes\u00a0aber noch mehr Zeit im B\u00fcro verbringen. Ist das als Flucht vor dem anstrengenden Familienalltag zu deuten? <\/strong><\/p>\n<p>V\u00e4ter scheuen nicht die Anstrengung. Sie scheuen das unangenehme Gef\u00fchl, etwas nicht oder noch nicht zu k\u00f6nnen. Ein Baby zu betreuen, das braucht Kompetenzen, ist fremdes Terrain. Gleich nach der Geburt sind Mutter und Vater zwar vergleichbar unbeholfen, dann aber schl\u00e4gt die Traditionsfalle zu: M\u00fctter entwickeln sich schnell, V\u00e4ter lassen sich \u2013 gerade auch wegen des fehlenden Vaterschaftsurlaubs \u2013 abh\u00e4ngen. Und dann finden sie aus der undankbaren Assistenten-Rolle nicht mehr heraus. Genau in diesem Moment wird die Arbeit umso\u00a0attraktiver, weil ich mich dort als\u00a0Mann souver\u00e4n bewegen kann.<\/p>\n<p><strong>Finden Sie es problematisch, dass sich M\u00e4nner \u2013 so der Soziologe und Initiator der Studie \u2013 sehr stark \u00fcber ihren Job definieren? <\/strong><\/p>\n<p>Das wird dann zum Problem, wenn sie sich nur \u00fcber ihren Job definieren. Es ist gef\u00e4hrlich und gesundheitsgef\u00e4hrdend, Identit\u00e4t und Selbstwert nur auf eine S\u00e4ule zu bauen. Wichtig ist, der Familie, den Freunden, Hobbys und der pers\u00f6nlichen Entwicklung mehr Aufmerksamkeit und Wert zu geben. Das gesellschaftliche M\u00e4nnerbild muss sich wandeln. Es muss normal werden, dass auch der Mann seine H\u00e4lfte der unbezahlten Arbeit, die nun mal anf\u00e4llt, leistet.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie einen Rat f\u00fcr M\u00fctter,\u00a0die merken, dass sich ihre M\u00e4nner vor dem Familienalltag dr\u00fccken?<\/strong><\/p>\n<p>M\u00e4nner dr\u00fccken sich nicht. Sie leisten ja auch in der traditionellen Ern\u00e4hrerrolle viel f\u00fcr die Familie \u2013 aber halt wenig innerhalb der Familie. M\u00fcttern rate ich generell: Gebt euren M\u00e4nnern Raum und Zeit allein mit dem Baby, damit sie ihre Kompetenzen entwickeln k\u00f6nnen. Dann hilft auch die Biologie: M\u00fctter sch\u00fctten das F\u00fcrsorgehormon Prolaktin automatisch aus, V\u00e4ter nur, wenn sie sich intensiv mit dem Baby besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>Macht die Studie der Vaterschaftsurlaubs-Initiative einen Strich durch die Rechnung? <\/strong><\/p>\n<p>Ach was. Erstens ist Gleichstellung ein Verfassungsauftrag, bei dem es schlicht keine Rolle spielt, ob die Betroffenen Interesse daran haben. Es fragt ja auch niemand, ob jemand aus Interesse Steuern zahlt \u2013 oder aus Pflicht. Zweitens haben V\u00e4ter nat\u00fcrlich ein Interesse daran, rund um die Geburt nahe bei Frau und Kind zu sein. Sie sp\u00fcren aber auch, dass diese Erfahrung etwas in ihnen ver\u00e4ndern wird, ihre einseitige Erwerbsorientierung in Frage stellen k\u00f6nnte. Das kann Angst machen \u2013 Pioniere haben es immer schwerer.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.friday-magazine.ch\/articles\/die-fehlende-anerkennung-macht-vaeter-ungluecklich \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4nner sind lieber im B\u00fcro als zu Hause bei ihrer Familie \u2013 so das Ergebnis einer neuen Studie des deutschen Soziologen Martin Schr\u00f6der. Je mehr ein Vater also sein Arbeitspensum runterschraubt, desto ungl\u00fccklicher wird er. 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