{"id":9572,"date":"2018-05-17T08:56:26","date_gmt":"2018-05-17T08:56:26","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=9572"},"modified":"2018-06-03T09:18:40","modified_gmt":"2018-06-03T09:18:40","slug":"woozles-und-fehlende-familienpolitische-diskurslinien-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2018\/05\/17\/woozles-und-fehlende-familienpolitische-diskurslinien-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Woozles und fehlende familienpolitische Diskurslinien in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Die Debatte um gemeinsame Elternschaft bzw. die Doppelresidenz hat der Psychologe Stefan R\u00fccker, Leiter der von dem Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen <a href=\"http:\/\/www.projekt-petra.de\/nachrichtenleser\/kindeswohl-und-umgangsrecht-forschungsgruppe-petra-realisiert-bundesweite-studie-im-auftrag-des-bmfsfj.html\" target=\"_blank\">PETRA Studie<\/a> von Nachtrennungsfamilien, j\u00fcngst als eine zentrale gesellschaftspolitische Auseinandersetzung bezeichnet. Tats\u00e4chlich r\u00fchrt die Debatte nicht nur an unserem Verst\u00e4ndnis von Eltern- und Kindeswohl, sondern auch an tradierten Rollenbildern in der Familie.<\/p>\n<p>Es ist nicht die erste gesellschaftliche Debatte, in der eine emotionalisierte Stimmungslage dazu f\u00fchrt, dass Sachinformation mit Werturteilen bzw. \u00c4ngsten und Hoffnungen vermischt werden. Dies ist nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen westlichen Demokratien so. Im angels\u00e4chsischen Raum hat sich im Rahmen der Debatte um gemeinsame Elternschaft mittlerweile sogar ein eigener Begriff &#8211; \u201eWoozle\u201c \u2013 etabliert.<\/p>\n<p>Ein Woozle ist gem\u00e4\u00df des Kinderbuches Winnie the Pooh ein Popanz, ein Schreckgespenst, das im gesellschaftlichen Diskurs der Sachinformation das F\u00fcrchten lehrt. In dem vorliegenden Beitrag zur Debatte \u00fcber die gemeinsame Elternschaft in Deutschland geht es vor allem darum, den Sachinformationen gegen den gemeinen Woozle den R\u00fccken zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Aber wissen wir denn \u00fcberhaupt, was in Nachtrennungssituationen das Beste f\u00fcr das Kind ist? Mit dem Kindeswohl wird schlie\u00dflich seit Jahrzehnten alles M\u00f6gliche begr\u00fcndet. Wie kann man unter diesen Umst\u00e4nden Fakten und Meinung auseinanderhalten?<\/p>\n<p>Wir wissen, seitdem in breitangelegten empirischen Studien das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nach wissenschaftlichen Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen wurde, tats\u00e4chlich bereits sehr viel \u00fcber Kinder und Jugendliche in Nachtrennungsfamilien. Noch viel breiter und theoretischer erforscht sind die Voraussetzungen daf\u00fcr, dass in einer offenen Gesellschaft die Entscheidungstr\u00e4ger Zugang zu den \u201ebesten verf\u00fcgbaren Informationen\u201c haben.<\/p>\n<p>Einer der prominentesten deutschen Philosophen und Politikwissenschaftlern der Nachkriegszeit \u2013 J\u00fcrgen Habermas \u2013 hat die Bedingungen f\u00fcr einen fairen und offenen Diskurs herausgearbeitet. An diesen Vorbedingungen daf\u00fcr, dass Politikern, Juristen und Experten f\u00fcr die Familienbetreuung Zugang zu den \u201ebesten verf\u00fcgbaren Informationen\u201c haben, mangelt es jedoch in Deutschland. Statt einer offenen, zwanglosen und wahrhaftigen Debatte um die besten M\u00f6glichkeiten, Eltern und Kinder nach einer Trennung zu unterst\u00fctzen, hat sich in Deutschland ein von der internationalen Wissenschaft abgekoppelter Sonderdiskurs etabliert, der von wenigen prominenten Stichwortgebern und Experten dominiert wird.<\/p>\n<p>In Folge dessen wird renommierte internationale Forschung in Deutschland gar nicht wahrgenommen oder im Zweifelsfall falsch dargestellt. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass die Qualit\u00e4tskriterien f\u00fcr wissenschaftliche Forschung, die in anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen Standard sind, in den deutschen Publikationen zur gemeinsamen Elternschaft gar nicht zur Anwendung kommen.<\/p>\n<p>Johannes Carl Busse zeigt in seinem Beitrag \u201a<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.22151\/politikon.36.4)\" target=\"_blank\">The debate on shared parenting in Germany<\/a>\u2018 die Qualit\u00e4tsdefizite und die mangelnde Wahrhaftigkeit der wichtigsten Expertenbeitr\u00e4ge in Deutschland auf und macht <a href=\"https:\/\/www.doppelresidenz.org\/media\/doppelresidenz.org_offentlich_sichtbar\/2018_busse_-_der_familienpolitisch_diskurs_in_deutschland.pdf\" target=\"_blank\">Vorschl\u00e4ge<\/a>, wie Entscheidungstr\u00e4ger dennoch zwischen Wissenschaft und Meinung unterscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.doppelresidenz.org\/page\/blogposts\/der-familienpolitische-diskurs-in-deutschland-33.php\" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Debatte um gemeinsame Elternschaft bzw. die Doppelresidenz hat der Psychologe Stefan R\u00fccker, Leiter der von dem Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen PETRA Studie von Nachtrennungsfamilien, j\u00fcngst als eine zentrale gesellschaftspolitische Auseinandersetzung bezeichnet. 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