{"id":9323,"date":"2018-01-05T20:09:59","date_gmt":"2018-01-05T20:09:59","guid":{"rendered":"http:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/?p=9323"},"modified":"2018-01-08T20:27:01","modified_gmt":"2018-01-08T20:27:01","slug":"vom-ende-eines-patriarchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vaeter-und-karriere.de\/blog\/index.php\/2018\/01\/05\/vom-ende-eines-patriarchen\/","title":{"rendered":"Vom Ende eines Patriarchen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nicolas_Stemann\" target=\"_blank\">Nicolas Stemann<\/a>, der gerade Strindbergs Drama \u201eDer Vater&#8220; an den M\u00fcnchner Kammerspielen inszeniert, erkl\u00e4rt im Gespr\u00e4ch mit Dieter Kassel, warum es f\u00fcr ihn das &#8222;St\u00fcck der Stunde&#8220; ist.<\/p>\n<p><strong>\u201e\u2026 Nicolas Stemann:<\/strong> Mit der Rezeption Ende des 19. Jahrhunderts hat das, glaube ich, wenig zu tun, hoffe ich mal, denn ich glaube, dass wir da tats\u00e4chlich weiter sind, auch als Gesellschaft. Ich halte es trotzdem f\u00fcr <em>das<\/em> St\u00fcck der Stunde, und das ist tats\u00e4chlich was, was sich auf den ersten Blick nicht so erschlie\u00dft. \u2026 Das ist eins der wenigen St\u00fccke, die sich explizit mit dem Ende des Patriarchats besch\u00e4ftigen. Der Vater, der Patriarch, ist derjenige, der am Schluss erst in den Wahnsinn verf\u00e4llt und dann stirbt, also es beschreibt wirklich das Ende dieses Patriarchen. Und wenn man jetzt mal die Selbstaussagen Strindbergs ein bisschen beiseitel\u00e4sst, dann merkt man, dass dieser Text, wie das oft so ist, sehr viel kl\u00fcger ist als das, was der Autor \u00fcber diesen Text ge\u00e4u\u00dfert hat, und ganz andere Wahrheiten bereith\u00e4lt.<\/p>\n<p>Und dann findet man da tats\u00e4chlich so Beschreibungen, die ziemlich genau sind, woran eigentlich dieser Patriarch zugrunde geht, n\u00e4mlich nicht jetzt nur an irgendwelchen intriganten Frauen oder so, sondern tats\u00e4chlich an seiner Rolle auch. Das ist ein Mann, der ist mit seiner Rolle \u00fcberfordert und ist ganz anders, ist viel weicher, ist viel weiblicher, als diese Rolle das vorsieht, also ein Mann, der tats\u00e4chlich an diesen patriarchalen Strukturen leidet. Aber um sie zu \u00fcberwinden, ist es n\u00f6tig, dass er selber abtritt.<\/p>\n<p>Und dieses komische R\u00fcckzugsgefecht, das wird aus der Sicht dieser Figur geschildert, und dadurch wird das hochinteressant und hochaktuell, weil ja frustrierte M\u00e4nner, die mit Feminismus und Emanzipation und auch Moderne \u00fcberfordert sind, das ist gerade ein gewaltiges Thema, also das steuert und pr\u00e4gt, dominiert gerade f\u00fcr alle m\u00f6glichen politischen und auch globalen Prozesse. Das sind Leute, die sich dann den Alt-Right-Bewegungen anschlie\u00dfen oder in Deutschland auch irgendwie rechtspopulistisch werden und auf so eine Art irgendwie ihre Verunsicherung politisieren und politisieren lassen und sich ganz schlimmen autorit\u00e4ren Herrscherfiguren wieder zuwenden.<\/p>\n<p><strong>Kassel:<\/strong> Das hei\u00dft, wenn ich das zuspitzen darf, Sie glauben, mit diesem Strindberg aus dem Jahr 1887 \u2013 also da war zumindest die Urauff\u00fchrung \u2013 kann man heute Donald Trump erkl\u00e4ren, Erdogan, Orb\u00e1n und viele andere?<\/p>\n<p><strong>Stemann:<\/strong> Ja, ich glaube, man kann \u2026 auf jeden Fall beleuchten, \u2026 was eigentlich ihr Vorteil sein k\u00f6nnte von bestimmten emanzipatorischen Bewegungen, \u2026 n\u00e4mlich angestammte Rollen, die ja auch f\u00fcr M\u00e4nner im Patriarchat keine tollen sind, zu \u00fcberwinden und zu einer Art von Gemeinsamkeit zu kommen. Und das ist im Moment nicht so verbreitet, und ich glaube, viele M\u00e4nner werden gar nicht erreicht von diesen Diskussionen und haben dann immer den Eindruck, sie m\u00fcssen mit Abwehr darauf reagieren. Das ist genau das, also so eine hysterische paranoide Abwehr ist was, was Strindberg dieser Figur zuschreibt, dieser zentralen Patriarchenfigur. \u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/woran-arbeiten-sie-gerade-herr-stemann-das-ende-eines.1008.de.html \" target=\"_blank\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicolas Stemann, der gerade Strindbergs Drama \u201eDer Vater&#8220; an den M\u00fcnchner Kammerspielen inszeniert, erkl\u00e4rt im Gespr\u00e4ch mit Dieter Kassel, warum es f\u00fcr ihn das &#8222;St\u00fcck der Stunde&#8220; ist. \u201e\u2026 Nicolas Stemann: Mit der Rezeption Ende des 19. 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